Warum will ich ohne Alkohol leben?

  • Hallo,


    jeder, der hier schreibt, hat ja mal für sich eingesehen, dass er oder sie mit dem Alkohol nicht umgehen kann und nun ein alkoholfreies Leben erlernen und führen möchte.


    Bei vielen ist aber sehr schnell zu erkennen, dass diese Einsicht zwar noch irgendwo verhanden ist, aber von dem eigentlichen Leid, dem einen ja der Alkohol zugeführt hat, ist man gedanklich schon wieder weg.
    Es werden Kompromisse gesucht, nur um am alten Leben festhalten zu können, so wenig wie möglich zu verändern oder auch den alten Freundeskreis nicht vor dem Kopf stoßen möchte.
    Warum will man eigentlich ein alkoholfreies Leben?


    Als ich erkannt habe, alkoholkrank zu sein und nach vielen Versuchen es nach Jahren geschafft habe, endlich Hilfe ohne zu hinterfragen, anzunehmen, hatte ich eine geringen Chance auf eine dauerhafte Trockenheit.
    Diese Chance habe ich genutzt und bin nun über 20 Jahre trocken.


    Ich weiss auch, dass die meisten, die hier schreiben, einfach noch nicht so weit sind und noch ein paar Runden drehen müssen.
    Diese Runden kann man sich aber ersparen, wenn man lernt, Hilfe anzunehmen.


    Also stellt euch die Frage, warum ihr eigentlich ohne Alkohol leben wollt.


    Wenn ihr da schon überlegen müsst, dann....


    Gruß
    Karsten

  • Zitat

    Also stellt euch die Frage, warum ihr eigentlich ohne Alkohol leben wollt.
    Wenn ihr da schon überlegen müsst, dann....


    Hallo Karsten,
    Mir fällt da gerade ein, das man sich auch mal die Frage stellen darf, warum man sich ein Leben ohne Alk nicht (mehr) vorstellen kann...
    Denn auch wenn man diese Denke hat, das ein Leben ohne Alk nicht wirklich lebenswert ist, läuft schon einiges komplett schief.
    Wir werden hier von einer versoffenen Gesellschaft derart indoktriniert, das wir es für NORMAL halten, Alkohol zu konsumieren.
    Das ist es aber keineswegs !
    Wollen aber viele gar nicht mehr wahrhaben.


    Warum ich persönlich keinen Alk mehr trinken möchte, lasse ich mal außen vor, denn ich denke, dieser Thread richtet sich
    vorwiegend an frisch angemeldete im Forum, nicht wahr?


    Eines möchte ich dennoch hier lassen:
    Ein Leben ohne Alk ist wunderbar, ich vermisse überhaupt nichts.
    Als ich noch gesoffen habe, war es die Hölle. Nun ist wieder alles gut...und ich habe ein zufriedenes, trockenes Leben, was mir vieles
    überhaupt erst ermöglicht hat.
    Alle Bedenken, warum ein Leben ohne Alkohol eine Einschränkung wäre, haben sich bei mir schon nach relativ kurzer Zeit komplett in Luft aufgelöst.
    Vieles läuft nämlich allein in unserer Birne ab, die Realität sieht dann aber doch anders aus.
    Wie immer kommt Tun von Tun...und nicht vom daher-lamentieren, wie dieses und jenes wäre...
    Und dieses Gelaber von der Gesellschaft, in der man ja gar nicht trocken leben könnte, ist auch nur dummes Geschwätz.
    Man muss nicht alles nachmachen, was die sog. Gesellschaft tut, man darf auch mal eigenständig denken und gegen den Strom schwimmen, stärkt die Muskeln :wink:
    Oder ich zitiere auch mal gern einen Buchtitel eines von mir sehr geschätzen Menschen:
    "Wer der Herde folgt, sieht nur Ä*rsche"


    In diesem Sinne einen schönen Sonntag
    Sunshine

  • Kurz und bündig: Weil ich es "mit" nicht kann. Das habe ich mir selbst über viele Jahre bewiesen. Ich kann nicht "moderat trinken" und werde es auch niemals können. Es hat 'ne Weile gedauert, bis ich das kapiert hatte.


    Und ich habe aus meiner Situation das für mich Beste gemacht. Ich fühle mich pudelwohl und mir fehlt nichts, erst recht kein "Stoff".


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Hallo Carl Friedrich,


    das ich es nicht kann, sagen wohl alle an dem Tag, wo sie denn aufhören möchten.
    Nur warum werden dann so viele rückfällig, wenn es denn so einfach wäre mit dieser Einsicht.


    Es hat meiner Meinung schon etwas damit zu tun, was Sunshine schreibt, dass man das Leben ohne Alkohol nicht kennt und es einfach nicht schafft, sich so ein Leben aufzubauen.
    Ich gehe mal von mir aus.
    Ich kannte nur Alkohol und auch nur ein alkoholhaltiges Umfeld, aber ich habe Menschen gesehen, die ohne Alkohol glücklich waren.
    Ich konnte mit Alkohol auch nicht mehr glücklich sein.


    Das man saufen KANN, zeigt sich ja dann im Rückfall. Da hat man ja schließlich wieder gesoffen.


    Gruß
    Karsten

  • das ich es nicht kann, sagen wohl alle an dem Tag, wo sie denn aufhören möchten.
    Nur warum werden dann so viele rückfällig, wenn es denn so einfach wäre mit dieser Einsicht


    Hallo Karsten!


    Viele der Rückfälligen dürften sich gedanklich nie richtig vom Alkohol gelöst haben. Irgendwo im Innersten des Hirns schlummerte noch der Gedanke herum, irgendwann ginge vielleicht doch noch mal was mit dem Stoff. So wurde es mir mehrfach in glaubhafter Weise berichtet.


    Ach so: Klar kann ich saufen, aber das ginge zu Lasten meiner inzwischen wieder gewonnenen Lebensqualität. Ich kann nur nicht moderat trinken. Das geht vielleicht 'ne Weile gut, aber dann rutsche ich garantiert wieder in alte Schlagzahlen hinein. Letzteres wäre nur eine Frage der Zeit.


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Hallo Karsten,


    zuerst war bei mir wahrscheinlich der Grund, dass ich es - so wie Carl Friedrich es schon geschrieben hat - einfach "mit" nicht mehr konnte. Und damit meine ich, dass ich natürlich hätte weitertrinken "können", aber ich war nicht mehr in der Lage, mein Leben so zu leben, dass ich von einem lebenswerten Leben sprechen konnte. Ich wollte dieses Leben so einfach nicht mehr und dazu musste ich mit dem Alkohol aufhören.


    Inzwischen, nach knapp 7 Jahren ohne Alkohol, will ich ohne Alkohol leben, weil ich inzwischen ein Leben habe, wie ich es mir vorher (also "mit" Alkohol) niemals hätte vorstellen können. Und dieses Leben gefällt mir mehr als ich es mit Worten beschreiben könnte. Das hat mich einiges an Mut, Kraft und oft auch Durchhaltevermögen gekostet, aber ich hatte nie Zweifel, dass es der richtige Weg ist.


    Da ich das alles um nichts in der Welt aufs Spiel setzen möchte, will ich ohne Alkohol leben. Und das tue ich gern!!


    lg Sue

  • hallo
    nach der kurzen Zeit, morgen sind es 10 Monate, Leben ohne Alkohol sage ich:
    Ich bin ehrlicher (mir u. anderen Gegenüber), authentischer, spüre mich beser, meine Gefühle, meine Gedanken sind klarer, bin selbstbewusster, lass mir nicht alles gefallen des Friedens Willens, gehe meinen Weg, habe einen gesunden Egoismus entwickelt, bin kreativer, fiter, mutiger, geduldiger ... mein Leben hat an Farbe und Qualität so viel gewonnen.
    lG. dhyana

  • Wie konnte ich es nicht erwähnen: die Freiheit, die ich gewonnen habe ... frei sein vom Zwang trinken zu müssen, obwohl ich nicht wollte oder nur ein wenig und dann doch scheitern, weil es mehr wurde, täglich wiederholt, war es ein Gefängniss.... das ist zu Ende. Ich bin viel entspannter.
    Ich lache auch so viel mehr, habe so manche lachflashes hinter mir, quasi aus dem nichts, bring ich mich u.a. zum lachen ... ist nicht so wichtig, aber auch ne lustige Nebenerscheinung :-)

  • Hallo,


    nicht dass ich missverstanden werde, aber ich möchte die Betroffenen, die sich neu auf dem Weg machen, mal zum nachdenken bringen.
    Erinnert euch an dem Tag, wo ihr euer Leben ändern wolltet, warum ihr es da wolltet.
    Auch wenn es einen körperlich und vielleicht auch seelisch etwas besser geht, es geht ganz schnell wieder zurück, wenn man nichts für seine Nüchternheit tut.
    Jeder Kompromiss ist eine halbe Sache, weil man nicht 100%ig hinter seinem neuen Leben steht.


    Gruß
    Karsten

  • hallo Karsten
    du meinst wir sollen den letzten Tag oder die letzten Tage nie vergessen ... das psychische und körperliche Leid, die Scham, die Ausweglosigkeit... kaputt und krank fühlte ich mich, war ich und ich erinnere mich noch gut daran.
    Ich glaube beides ist wichtig, auch dass es mir jetzt viel besser geht, ohne Alkohol ist wichtig und unterstützt mich in meiner Abstinenz. Und natürlich weiss ich, dass auch wenn es mir mal wieder schlechter gehen sollte, gibt ja so Tage, auch dann wird Alkohol nicht in Frage kommen. Denn er macht nur schlimmer und brauchen tue ich ihn nicht. Sollte ich ihn trotzdem wollen, erinnere ich mich an die letzten Tage und was er aus mir gemacht hat.
    grüsse, Dhyana

  • Bei mir war ganz viel dabei "Kontrolle über das eigene Leben wieder gewinnen" ... wieder frei werden,
    Alkohol gab mir die Illusion der Freiheit, aber es ist eben nur eine Illusion gewesen.


    Das war ein gnaz starker Beweggrund für mich, und dann kam eben die Körperliche Komponente dazu.


    Ich stehe 100% hinter meinem neuen Leben, auch wenn ich mich "noch" zurecht finden muss und es eben nicht gradlinig ist und evtl auch etwas anstrengender als sich "einfach" Abends ab zu schießen, aber die Belohnung, das Neue Leben ist unterm Strich deutlich wertvoller!


    Und auch meine Selbstachtung ist langsam wieder am Wachsen.


    Grüße


    Barthell

  • Hallo,


    na ja, vielleicht drücke ich mich ja nicht richtig aus. :)


    Es geht mir darum, warum man sich eben dafür entschiden hat, ohne Alkohol leben zu wollen.
    Klar, hat jeder mal den Moment, wo er oder sie denkt, so möchte ich nicht weiter leben, aber diese Sichtweise ist ja bei vielen eh schnell wieder weg, wenn sie merken, dass man dafür auch etwas tun muss.


    Um es mal mit der Gaageschale zu vergleichen.
    Ist es anstengender, sich ein alkoholfreies Leben zu erarbeiten, als weiter zu saufen?


    So nach dem Motto, beim saufen geht es mir zwar nicht wirklich gut, aber immer noch besser, als sich jeden Tag mit der Trockenheit beschäftigen zu müssen und sein Leben zu verändern?


    Gruß
    Karsten

  • Hmm ... als mich bekennende Alkoholkranke habe ich keine Wahl mehr, wenn ich leben will, ein selbstbestimmtes Leben führen möchte. Ich meine da gibt es nichts mehr zu entscheiden. Trinke ich weiter, obwohl ich weiss dass ich süchtig bin, habe ich beschlossen mich selbst zu vergiften.
    Meine Antwort ist: Weil ich selbstbestimmt Leben will und da ich alkoholkrank bin, süchtig nach Alkohol bin, KANN und WILL ich nicht mehr trinken.
    Gruss, Dhyana

  • Hallo Karsten,


    ich denke, das lässt sich nicht allgemein beantworten. Das hängt ja davon ab, wie "schlimm" jeder einzelne seine Abhängigkeit / sein Leben mit Alkohol empfindet. Das geht dann ja so ein bisschen in Richtung "persönlicher Tiefpunkt".
    Ich persönlicher denke, es ist natürlich anstrengender sein Leben grundlegend zu verändern und sich mit seiner Trockenheit zu beschäftigen als einfach so weiter zu machen wie bisher. Ausschlaggebend sind dann aber ja die Beweggründe, die mich dazu bringen, eine solche Veränderung und Anstrengung in Kauf zu nehmen. Fühle ich mich in der Abhängigkeit "schlecht genug", dann ist die Veränderung und damit verbundene Anstrengung es wert. Wenn ich mich noch nicht schlecht genug fühle, werde ich wahrscheinlich nach der ersten Euphorie des Aufhörens (und dann Erkennens, dass es mit Anstrengung und Veränderung verbunden ist) wohl schnell wieder im alten Trott / der Abhängigkeit landen.


    lg Sue

  • hallo karsten


    Zitat von "Karsten"

    Ist es anstengender, sich ein alkoholfreies Leben zu erarbeiten, als weiter zu saufen?


    natürlich ist das anstrengender. hätte auch einfach weiter saufen können, hätte mir vielleicht so manche mühe erspart.
    dann hätte ich aber auch die konsequenzen tragen müssen und wahrscheinlich irgendwann mein job, den führerschein und früher oder später auch mein leben verloren.


    Zitat von "Karsten"

    So nach dem Motto, beim saufen geht es mir zwar nicht wirklich gut, aber immer noch besser, als sich jeden Tag mit der Trockenheit beschäftigen zu müssen und sein Leben zu verändern?


    und genau weil es mir nicht mehr gut ging habe ich lieber den anstrengenderen weg gewählt. ich kann mich noch gut daran erinnern als ich mich hier angemeldet habe. ich war stockbesoffen, stark untergewichtig und kaum noch leistungsfähig. es ist nun mal fakt das man sich irgendwann mit der sauferei ins grab bringt. bei dem einem früher bei dem anderen später aber der tod ist gewiss. ich will aber noch leben, und das ging mit alkohol nicht mehr. aber es ging auch nicht mehr ohne alkohol. das musste ich erstmal wieder lernen und es hat mich viel anstrengung gekostet. aber es hat sich gelohnt. dafür kann ich heute ein besseres leben führen.
    wenn ich weitergesoffen hätte dann hätte ich niemals mein neues leben kennengelernt. es war meine 2. chance, die hab ich genutzt denn ich denke so schnell hätte ich keine weitere chance mehr bekommen.
    grüße
    NNGNeo

  • Hallo,


    ich hatte es irgendwann mal satt, immer rumzueiern.
    Es ging mir schlecht, zumindest an den Tagen danach. Jedes Mal vor dem Trinken redete ich mir selbst ein, dass es nicht anders ginge oder ich nicht anders könne, denn mir war schon klar, dass mich das Saufen irgendwann umbringt.
    Anderen erzählte ich diesen Quatsch auch. "Ich kann nicht anders", wechselte sich regelmäßig ab mit: "Ich will nicht anders".
    Wahrscheinlich hatte ich irgendwann mal den Punkt erreicht, an dem mich meine Selbstlügen selbst nervten, denn "eigentlich" wollte ich sehr wohl anders. Ich wollte eine zuverlässige Mutter und ein aktiver Mensch sein. Und ich wollte keinen Alkohol mehr trinken.
    Noch heute schaue ich hin, was alles wirklich geht. Nicht nur auf den Alkohol bezogen.
    Das Alkoholtrinken mit all seinen Nebenwirkungen für mich und mein Umfeld würde kurzfristig massiv meinen Alltag stören und mich langfristig umbringen.
    Ich möchte meine Zeit sinnvoll nutzen und bewusst erleben. Mir gefällt das. Deshalb trinke ich auch heute wieder keinen Alkohol.


    Als anstrengend empfand ich beides, das Saufen und auch das Loslösen vom Alkohol.
    Saufen brachte mir unangenhme Kater, psychische und physische Einschränken und andauernd Stress mit meiner Familie. Meine Perspektive war mir damals klar.
    Nichtsaufen brachte mir viel Erklärungsbedarf und Ideenreichtum bei der Gestaltung der neuen Freiheit. Hier wusste ich nicht, was mich erwartet. Hätte ich damals geahnt, wie es mir heute geht, ich hätte schon viel früher endgültig aufgehört Alkohol zu trinken.


    Gruß Penta

  • Warum will ich ohne Alkohol leben?


    Ich habe sehr viel runden gedreht .....und immer zu Schluss besoffen mit Alk. Flasche ohne kraft und verstand wach. Jeden mal war schwer sich wieder ......aus diesem Alkohol Nebel befreien ......


    Und dann ist gekommen mein Tief Punkt ......


    Ich habe gar nichts gewusst wie schön ist ohne Alkohol zu Leben ...... Frei von Druck Alkohol trinken zu müssen.


    Jetzt hat mein Leben wieder Qualität und passt gut zu mir.

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