Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Heute ist leider wieder ein schlimmer Tag.


    Mein Ex hat gestern eine gute Freundin von mir angerufen, um sich bei ihr auszuheulen, wie schlecht es ihm nun gehen würde. Sie hat mich direkt nach dem Gespräch angerufen, um mir alles zu erzählen. Er meinte wohl, nun hätte er ja erst Recht Gründe zum saufen und ohne mich schafft er es niemals und ich bin schuld, dass er ganz allein in seiner Gartenhütte sitzt... mir blutet das Herz und nun kommen wieder die ganzen Selbstvorwürfe und Fragen, die ich mir stelle. Hätte ich noch mehr Geduld haben müssen? Hätte ich eine andere Lösung finden können? War der radikale Kontaktabbruch eventuell doch zu grausam?


    Und dann denke ich an meinen Sohn und weiß, dass es kein Zurück für mich geben kann - schon allein meinem Sohn zuliebe nicht. Er soll nicht darunter leiden müssen, dass mein Ex sein Leben aufgrund seiner Unfähigkeit, die Finger von der Flasche zu lassen, wegwirft. Denn das tut er, und nur er. Weder ich noch sonst jemand kann etwas dafür.


    Eine liebe Freundin möchte mit mir heute Abend tanzen gehen. Mir ist zwar überhaupt nicht danach, aber daheim hocken und heulen bringt´s ja auch nicht wirklich...


    Traurige Grüße
    Anonymia

  • Hallo,


    bitte denke nicht so, lass Dir nichts einreden. Du sollst zu ihm halten und geduldig sein, damit er aufhören kann, zu saufen?? Nein. Anders herum wird ein Schuh draus. Er hört auf zu saufen und dann läuft auch der Rest.


    Er wird immer Gründe haben, saufen zu „müssen“. Da kannst Du noch so geduldig sein.


    Mein Ex und ich sind nun schon fast 2 Jahre getrennt und er säuft immer noch. Inzwischen ist es nicht mehr meine Schuld, sondern die Schuld seiner aktuellen Freundin. Vor mir war seine Ex-Frau Schuld. Und wenn er keine Frau an seiner Seite hätte, wäre die Nachzahlung des Finanzamtes Schuld oder sein Auto, was zur Reparatur müsste oder weil das Wetter seit 3 Tagen kacke ist.


    Und wenn es nichts Negatives zu finden gäbe, dann würde vermutlich etwas Positives der Grund sein, zu saufen. Ein Geburtstag, Urlaub, Wochenende, Gartenarbeit dir erledigt ist oder einfach, weil das Wetter seit 3 Tagen geil ist.


    Ein Alkoholiker findet immer Gründe und noch viel besser findet er Schuldige.

  • Danke, liebe Cadda, für deine Ermutigung!


    Ich war schon nahe dran, ihn zu entsperren und Kontakt zu ihm aufzunehmen, um zu fragen, wie es ihm geht. Aber dadurch wäre ich sofort wieder im Strudel des Verantwortlich-Seins drin, aus dem ich gerade mühsam herauszukrabbeln versuche...


    Deine Erzählung hilft mir, wieder klar zu sehen. Das mit dem Wetter hab ich meinem Ex witzigerweise mal vorgeworfen, als wir noch zusammen waren. Ich sagte ihm, dass er säuft, weil es regnet und wenn die Sonne scheint, säuft er, weil ihm die Sonne in die Augen scheint. Es war damals mehr als Scherz gemeint, aber leider ist es genauso!


    Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Hallo Anonymia,
    ich lese hier ab und an mal rein und nun melde ich mich auch mal zu Wort :wink:
    Ich gehe allerdings davon aus, das mein Beitrag Dir nicht besonders gefallen wird.
    Macht aber nix, denn ich bin kein CO und kann sehr gut damit leben. :P


    Erst einmal, gut das Du gestern nicht eingeknickt bist. Wie nah Du dran warst, konnte ich bis hierher spüren.
    Dieses Mal endlich mal hart geblieben zu sein, halte ich schonmal für einen wichtigen Schritt, und hoffentlich kannst Du dabei bleiben.
    Wenn nicht, beginnt das ganze Elend 1:1 wieder von vorn.
    Vielleicht nicht ab der ersten Minute einer Versöhnung, aber ein Alkoholiker MUSS bestimmten Mustern folgen, und zwar denen, die die Sucht diktiert.
    Es wird also nicht lange dauern und alles ist wieder beim Alten.
    Es sei denn, es bestünde wirkliche Einsicht und es würden auch ersthafte Schritte eingeleitet, aber die liefen ja bisher alle ins Leere, aus welchen Gründen auch immer...


    Ich möchte mir das hier mal herauspicken, um mich bei Dir unbeliebt zu machen. :wink:


    Zitat

    Und dann denke ich an meinen Sohn und weiß, dass es kein Zurück für mich geben kann - schon allein meinem Sohn zuliebe nicht. Er soll nicht darunter leiden müssen, dass mein Ex sein Leben aufgrund seiner Unfähigkeit, die Finger von der Flasche zu lassen, wegwirft.


    Ist Dir eigentlich klar, das DU DICH genauso SÜCHTIG verhältst wie er??
    Aufgrund Deines eigenen Suchtverhaltens hast Du es gestern kaum ausgehalten, ihn nicht zu kontaktieren, das ist meine Meinung.
    An die Wiederauferstehung von Mutter Teresa glaube ich nämlich nicht.
    Es geht darum, ein evtl. vorhandenes Helfersyndrom auszuleben, es geht um Bewunderung haben wollen für das eigene märtyrerhafte Verhalten,
    es geht um die Neugierbefriedigung, wie es dem anderen denn geht (hoffentlich möglichst schlecht, nicht wahr? ), wenn man selbst gegangen ist, und es geht auch oft um den Größenwahn, zu glauben, das Liebe Sucht heilen kann und man dazu in der Lage wäre... und und und... such Dir was aus.
    Vielleicht nimmst Du ja auch alles? 8):P


    Ich möchte Dir mal das obige Zitat ummünzen, und dann darfst Du da auch gern mal drüber nachdenken.


    Und dann denke ich an meinen Sohn und weiß, das es kein Zurück für mich geben kann-schon allein meinem Sohn zuliebe nicht. Er soll nicht darunter leiden müssen, das ich mein Leben aufgrund meiner eigenen Sucht nach einem alkoholkranken Menschen und der Unfähigkeit, die Finger von ihm zu lassen, wegwerfe.


    Denn SO sieht das ja auch aus, oder?


    Anonymia, ein krankes Beziehungsgeflecht kann ja nur entstehen, wenn bei einer Paarbeziehung beide mitspielen, denn nur so kann das kranke System aufrechterhalten werden.
    Ich spreche hier nicht von Schuld, erstens, weil ich das Wort Schuld erst bei ganz anderen schlimmen Ereignissen überhaupt in den Mund nehmen würde, und zweitens, weil ein CO üblicherweise große Probleme mit einer möglichen eigenen Schuld oder Teilschuld hat. :wink:
    Es geht hier eher darum, das bei so einer Alkoholiker-CO-Beziehung ein Rädchen ins andere greift, die Gründe sind auch nur selten in der aktuellen Beziehung zu finden, dort werden sie nur ausgelebt.


    Für mich bringt auch die Schuldfrage am Ende einer Beziehung gar nix, weil das so gar nicht voranbringt.
    Ich würde eher für mich analysieren wollen, woran es lag, und AUCH, welchen Beitrag ich selbst dazu beigetragen habe?
    Und zwar aus dem einfachen Grunde, damit sich sowas nicht dauernd wiederholt in neuen Beziehungen. Hat also durchaus auch egoistische Hintergründe.


    Wie Du vielleicht bemerkt hast, habe ich es nicht so mit dem Köpfchenstreicheln und diplomatischen Worten, auch wenn ich es könnte :wink:
    Denn ich bin nun mal kein CO und bevorzuge Klartext.
    Ich möchte viel eher, das die Betroffenen WACH WERDEN, um ihr eigenes krankes Verhalten ändern zu können, und das möglichst zeitnah !
    Denn je länger man in so einer kranken Beziehung verweilt, desto kränker wird man auch selbst.
    Und nicht nur das, man verbrennt außerdem kostbare Lebenszeit, die man sehr viel glücklicher oder zumindest zufriedener verbringen könnte.


    Auch wenn Du Dich nun von meinem Beitrag vor den Kopf gestoßen fühlst, ist er trotzdem wohlwollend gemeint.
    Es tut mir nämlich unendlich leid, wenn Menschen in so selbstschädigenden Beziehungen feststecken und tatsächlich ihr Leben wegwerfen an eine Sache, die es absolut nicht wert ist.
    Auch wenn Du es jetzt vielleicht noch nicht verstehst, das ich es doch gut mit Dir meine, wirst Du das vielleicht später mal verstehen.
    Je nachdem, wie tief Du in Deiner eigenen Sucht sprich CO-Abhängigkeit steckst.
    Es wird Dich kein Stück voranbringen, wenn Du nur auf den bösen Alkie starrst, der an allem Schuld hat und dabei Deine eigenen Anteile an der kranken Beziehung außen vorlässt !
    Es ist zwar einfacher, jemanden die "Gesamtschuld" in die Schuhe zu schieben, aber in keinen Belangen auch nur irgendwie zielführend.


    Hast Du schon mal daran gedacht, Dir selbst auch psychologische Hilfe zu suchen? Denn die Frage, ob Du nun wirklich CO-abhängig bist oder nicht, stellt sich ja wohl nicht mehr ernsthaft, oder? :wink:


    Ansonsten kann ich mich größtenteils nur den Worten von meinen Vorschreiberinnen anschließen und kann Dir auch bestätigen, das Dein XY alle Register zieht, um Dich wieder dahin zu bekommen, wo er Dich gern haben will, um seiner eigenen Bequemlichkeit willen.
    Trinken wird er aber weiterhin... egal was er verspricht.
    Ich kann es Dir aus eigenen Erfahrungen bestätigen, denn ich bin trockene Alkoholikerin und erkenne mich im beschriebenen Verhalten von Deinem XY auch teilweise wieder.
    Das ist auch völlig normal, denn Sucht ist nix Extravagentes, nix besonders Individuelles... süchtiges Verhalten gleicht sich eher wie ein Ei dem anderen, egal was der Süchtige Dir auch erzählt.


    LG Sunshine

  • Liebe Sunshine,


    vielen Dank für deinen ausführlichen und ehrlichen Beitrag.


    Ich fühle mich keineswegs vor den Kopf gestoßen, denn seit ich hier im Forum mitlese (was mir übrigens eine sehr große Hilfe ist!), ist mir klar, dass das, was ich fühle, richtige Entzugserscheinungen sind - nach meinem Ex! Auch in meinem Freundeskreis sind fast nur "kaputte" Leute, denen ich die meiste Zeit in irgendeiner Form unter die Arme greifen muss. Und wenn ich einen Tag hab, an dem ich niemandem helfen kann, fühl ich mich wie ausgehöhlt. Das ist doch schräg!!!


    Übernächsten Dienstag hab ich einen Termin bei der Suchtberatungsstelle für Angehörige und werde dort das Thema Co-Abhängigkeit ansprechen und mir Hilfsangebote suchen. Vom Kopf her möchte ich nämlich keineswegs mein Leben damit verbringen, von einem "Pflegefall" zum nächsten zu springen! Aber mein Herz diktiert irgendwie immer was anderes..


    Allerdings ist meine Motivation nicht, dass ich Bewunderung von meinem Umfeld haben möchte. Das Suchtproblem meines Ex habe ich während der Beziehung weitgehendst geheimgehalten. Ich glaube, die Wurzel davon liegt eher in meiner Erziehung. Ich musste von kleinauf funktionieren und meine Bedürfnisse zurückstellen, da meine Mutter öfter für längere Zeit in der Psychiatrie war und mein Vater mit Arbeit plus kleinem Kind logischerweise überfordert... wie auch immer, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Wichtig ist nur, dass ich aus dem CO-Verhalten rauskomme, damit die Zukunft anders werden kann.


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Liebe Anonymia,
    Ich freue mich, das mein Beitrag bei Dir so angekommen ist, wie er von mir gemeint war. :)


    Zitat

    Auch in meinem Freundeskreis sind fast nur "kaputte" Leute, denen ich die meiste Zeit in irgendeiner Form unter die Arme greifen muss. Und wenn ich einen Tag hab, an dem ich niemandem helfen kann, fühl ich mich wie ausgehöhlt. Das ist doch schräg!!!


    Erst einmal: Hilfsbereitschaft ist eine tolle Eigenschaft, finde ich, ich bin übrigens auch ein hilfsbereiter Mensch.
    Und mir passiert es auch schon mal, das ich zu schnell Ja sage anstatt Nein, wenn mich jemand persönlich um was bittet.
    Aber daran kann man arbeiten und ich kann es mittlerweile schon ganz gut, glaube ich.
    Jemanden helfen zu können ist auch normalerweise ein recht befriedigendes Gefühl, wenn man dabei nicht dauernd ausgenutzt wird oder anderes dahinter steckt.
    Und es bringt ab und zu auch Anerkennung, nach der sich im Grunde alle Menschen sehnen, das ist völlig menschlich.
    Aber wenn man von dieser Anerkennung oder dem Wunsch nach Anerkennung abhängig wird, ist das "schräg" oder auch krank, denke ich.
    Denn dann wird man wahrscheinlich auch beginnen, zwanghaft zu handeln, um ein bestimmtes Gefühl erreichen zu können.


    Du schreibst, Du fühlst Dich leer, wenn Du an einem Tag mal keinem helfen kannst.
    Das finde ich schon bedenklich, man muss doch nicht jeden Tag jemanden helfen, sondern es soll auch immer genug Zeit da sein, um sich ausreichend um seinen eigenen Bedürfnisse zu kümmern.
    Es ist nicht falsch, sich erstmal selbst an die erste Stelle zu setzen! Und wenn dann noch Zeit und Raum ist, kann man gerne auch anderen helfen, dagegen ist ja gar nix zu sagen.


    Allerdings, wenn Du Deine Kraft diesbezüglich in einen nassen Alkoholiker ohne Krankheitseinsicht steckst, ist das verbrannte Zeit und Energie, denn Du wirst nichts bewirken können, auch nix helfen können.
    Und selbst bei Krankheitseinsicht und entsprechenden Maßnahmen musst Du nicht helfen, kannst es vielleicht gar nicht.
    Denn gewisse Schritte sollte vom Suchtkranken selbst ausgehen.
    Mir war es beispielsweise ganz klar, das ich mir allein eine SHG suche und auch allein da hingehen werde.
    Meine Tochter hatte mir nach meiner Entgiftung auch Adressen hingelegt, ich wollte aber nicht, das da irgendjemand mit reingezogen wird, das war und ist MEINE SACHE, für die ich ganz allein verantwortlich bin und niemand sonst.


    Zitat

    Ich glaube, die Wurzel davon liegt eher in meiner Erziehung. Ich musste von kleinauf funktionieren und meine Bedürfnisse zurückstellen, da meine Mutter öfter für längere Zeit in der Psychiatrie war und mein Vater mit Arbeit plus kleinem Kind logischerweise überfordert


    Anonymia, schon kleine Mädchen werden oftmals auch heute noch in eine gewisse Frauenrolle reingedrückt. Und früher war das gang und gäbe.
    Es wird dieses Umsorgende forciert, das sich kümmern (wird beispielsweise schon an Puppen geübt) etc.pp.
    Noch heute wird meist der Frau die Rolle der "Familiengesundheitsministerin" der gesamten eigenen Familie zugeschustert und all diese Sachen...
    Wenn dann noch so eine Situation wie Du sie beschreibst, dazukommt, wird das alles ja noch extremer und dann übernehmen auch Kinder schon Aufgaben, die absolut nicht kindgerecht sind.
    Und die Saat für ein mögliches Helfersyndrom und vielleicht auch einer CO-Abhängigkeit wird so bereits früh gesät...
    Bei mir war es anders herum, ich hatte einen sehr kranken Vater, der viele Jahre lang unter seiner Krankheit litt.
    Aber meine Eltern haben mich und meinen Bruder da völlig rausgehalten.
    Ansonsten hätte ich wohl auch "große Chancen" gehabt, in eine Helferrolle zu rutschen.

    Zitat


    wie auch immer, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Wichtig ist nur, dass ich aus dem CO-Verhalten rauskomme, damit die Zukunft anders werden kann.


    So ist es und für unsere früheste Vergangenheit wie die Kindheit können wir auch nix !
    Kinder können sich gegen gewisse Dinge auch noch gar nicht wehren.
    Für sie sind auch voll merkwürdige Sachen "normal", wenn es in der Familie als normal suggeriert wird.
    Kinder sind von ihren Eltern geradezu abhängig bis zu einem gewissen Alter und die Eltern sind in dieser Zeit für ihr Wohlergehen zuständig.


    Tja, keiner kann seine Vergangenheit ändern, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nun denken würde, alles muss immer so weiter laufen, weil es bisher so war.
    Ich glaube an die Möglichkeit der Veränderung!
    Wenn man es denn will und auch bereit ist, die eigene Komfortzone zu verlassen und auch selbst was zu verändern.
    Ich glaube allerdings nicht an die vollkommene Veränderung eines Menschen, bestimmte Charaktereigenschaften sind nun mal einfach in einem drin und auch bestimmte Verhaltensmuster.
    Einiges wird einem ja sogar vererbt. :wink:
    Ich merke das übrigens immer ganz deutlich, wenn ich liebe Leute treffe, die ich schon aus meiner Kindheit kenne und dann oft verwundert bin, das sie auch heute grundsätzlich noch so sind.
    Das soll nix Negatives bedeuten, um Gottes Willen, eher im Gegenteil, ich empfinde das oft als etwas sehr beruhigendes, als wie eine Art "nach Hause kommen".
    Und doch gibt es auch Veränderungen bei diesen Menschen, aus ganz unterschiedlichen Gründen heraus, das Leben schreibt ja auch die eigene Geschichte.
    Also denke ich, das Veränderung grundsätzlich möglich ist, aber man auch irgendwie trotzdem der bleibt, der man ist und immer war.
    Und das ist auch beides gut so, finde ich.


    Im Falle eines Helfersyndroms denke ich also, das man das nicht völlig ablegen kann (viele machen ja sogar n Beruf draus :wink: ) .
    Aber ich hoffe, das man es zumindest in gesündere und vielleicht auch befriedigendere Bahnen lenken kann.
    Und das wirst Du halt bei einem alkoholkranken Menschen ohne Krankheitseinsicht kaum erreichen können.
    Im Gegenteil, Du wirst beschimpft und gedemütigt werden und Schuld zugeschoben bekommen als "Dank" für Deine Bemühungen. :evil:
    Mache doch lieber etwas, was Dir persönlich auch mehr bringt, Hilfe wird an vielen Stellen benötigt und dann auch wirklich GERN angenommen. :)


    Zitat

    Übernächsten Dienstag hab ich einen Termin bei der Suchtberatungsstelle für Angehörige und werde dort das Thema Co-Abhängigkeit ansprechen und mir Hilfsangebote suchen. Vom Kopf her möchte ich nämlich keineswegs mein Leben damit verbringen, von einem "Pflegefall" zum nächsten zu springen! Aber mein Herz diktiert irgendwie immer was anderes..


    Das finde ich klasse, das Du das machen willst ! Bitte aber auch wirklich machen !
    Ich lese hier oft, das es für CO-Abhängige zu wenig Hilfsangebote gibt, aber ich bin mir nicht sicher, ob es wirlich so ist...
    Ich könnte Dir nämlich beispielsweise auf Anhieb 3-4 extrem gute Hilfsangebote auch speziell für CO-Abhängige in meiner Stadt nennen, wo man auch zeitnah Hilfe bekommen kann.
    Ein guter Therapeut, der sich speziell mit CO-Abhängigkeit auskennt, ist sicher auch ne gute Adresse, der könnte Dir dann ein guter Trainer sein, um das in gesündere Bahnen zu lenken.
    Und ob er da geschult ist, kann man freundlich erfragen. Ich zumindest würde das wissen wollen.


    Tust Du nichts für Dich diesbezüglich, ist es wahrscheinlich, das Du Dich immer wieder in so einer Beziehung wiederfinden wirst, wo der Partner der Hilfsbedürftige ist und Du das fleissige Helferlein.
    Wenn Du hier mal aufmerksam mitliest oder mitgelesen hast, sind viele CO-Abhängige nicht das erste Mal in so eine Situation geraten.
    Und vielleicht wird sogar unterbewußt genau nach so einer Konstellation gesucht?


    Liebe Anonymus, Du bist momentan sicher noch im Entzug nach dem EX, ist wohl auch normal so.
    Aber glaube es mir, je mehr Zeit ohne Kontakt vergeht, desto leichter wid das. Auch wenn Du es Dir momentan nicht vorstellen kannst. :wink:
    Du muss erstmal über diese erste schwere Zeit hinweg.
    Und immer, wenn Du wieder Kontakt zulässt, wirst Du emotional wieder zurückfallen und es wird Dir wieder schlecht gehen.
    Ist so wie ein kurzzeitg abstinenter Alkie, der wieder säuft... da bist Du auch innerhalb kürzester Zeit wieder auf dem alten Saufstand, wenn nicht noch schlimmer, weil man ja so viel "nachzuholen hat"...


    Ich wünsche Dir viel Kraft, das Du konsequent bleiben kannst und Dich nicht wieder in die alte Situation zurück begibst.
    Fall nicht auf all die nicht ernstgemeinten Versprechen oder sonstwas rein, die ein nasser Alkie von sich gibt.
    Die sind nämlich keinen Pfifferling wert, und dienen nur dazu, den CO wieder gefügig zu machen, bzw. bei der Stange zu halten.


    Wie geht es Dir denn heute?


    LG Sunshine

  • Liebe Sunshine,


    heute geht es mir ziemlich gut. Ich freue mich, dass du dir die Mühe gemacht hast, mir so ausführlich zu schreiben :)


    In letzter Zeit bemühe ich mich, achtsamer durch den Tag zu gehen. Dabei fällt mir auf, dass ich meistens mit meinen Gefühlen so sehr bei meinem jeweiligen Gegenüber bin, dass es mir schwer fällt, mich selbst zu spüren! Ich bin richtiggehend darauf getrimmt, zu erspüren, was mein Gesprächspartner gerade benötigt. Das ist sogar im Büro der Fall im Miteinander mit den Kolleginnen.


    Ich glaube, ich fühle mich deshalb so komisch, wenn ich niemandem helfen kann, weil ich das Helfen irgendwie als Daseinsberechtigung verstehe.. au weia, ich kann den Termin kaum noch erwarten. Zum Glück dauert es nur noch eine Woche. Da liegt wohl vieles vergraben bei mir. Schon das reinspüren in mich selbst verursacht mir ein schlechtes Gewissen. Ein Ex-Freund von mir sagte mal, dass er es schade findet, dass ich mich immer nur um andere kümmere und dabei alles, was ausschließlich für mich selbst gut wäre, ignoriere. Anfangs war ich über diese Bemerkung verärgert, weil ich es so verstanden habe, dass er mein Ehrenamt kritisiert. So langsam verstehe ich aber, was er damals gemeint hat!


    Bei uns in der Stadt gibt es zum Glück recht viele Angebote für Co-Abhängige und auch Selbsthilfegruppen. Am Liebsten wäre mir eine Misch-Gruppe aus trockenen Alkoholikern und Co´s. Ich denke, da profitiert man am meisten. Ich lass mir nächste Woche am besten bei meinem Einzelgesprächs-Termin Tipps geben.


    Oh ja, der Entzug nach meinem XY ist nach wie vor stark da. Ich halte konsequent die Kontaktsperre. Das letzte Mal habe ich ihn vor 8 Tagen gesehen, weil er in mein Stammlokal kam. Ich habe aber nicht mit ihm gesprochen. Nun meide ich mein Stammlokal, weil es mich dermaßen runtergezogen hat, ihn zu sehen... das geb ich mir vorerst lieber nicht. Jeder Tag, der vergeht, ohne dass ich ihn sehe oder was von ihm höre, hilft mir weiter. Eine liebe Freundin kümmert sich derzeit rührend um mich. Ruft täglich an, um zu fragen, wie es mir geht und wir treffen uns mindestens 2x pro Woche, um gemeinsam zu kochen und spazieren zu gehen. Sie zwingt mich auch immer mal wieder, dass ich mich von ihr bedienen lasse - was mir richtig schwer fällt. Aber es ist schön :D


    Übrigens hab ich einen Vorsatz für Weihnachten. Ich möchte mir dieses Jahr selber einen selbst gebastelten Kalender für 2020 schenken mit Gutscheinen für jeden Monat. Somit verpflichte ich mich mir selbst gegenüber, mir jeden Monat was Gutes zu tun. Solche Kalender hab ich schon öfter an Freunde verschenkt ;)


    Hast du deine Geschichte auch hier irgendwo stehen, liebe Sunshine? Die würde ich auch sehr gerne mal lesen.


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Liebe Anonymia,


    Zitat

    Ich möchte mir dieses Jahr selber einen selbst gebastelten Kalender für 2020 schenken mit Gutscheinen für jeden Monat.


    Beim Lesen deines Beitrages ist mir eine ähnliche Idee gekommen wie dir der Vorsatz.
    Wie wäre es denn, wenn du dir einmal in der Woche oder von mir aus auch jeden Tag eine Kleinigkeit gönnst die nur für dich ist und dir gut tut.
    Ein Stück Kuchen, ein schönes Bad, ein leckerer Tee.
    Deine eigene kleine Auszeit, die du dann auch ganz bewusst wahrnimmst und genießt.
    Und dir auch ganz bewusst machst, das mache ich jetzt nur für mich und ich werde es genießen weil ich es wert bin etwas für mich zu machen.


    War nur so ein Gedanke der mir kam. Muss nichts großes sein und muss nichts kosten.
    Vielleicht auch einfach mal für zehn Minuten bewusst raus zu setzen und die Vögel oder die Wolken beobachten.


    Schön, dass du eine Freundin hast, die so zu dir steht. Das ist ganz viel wert. Und sie macht ihre Sache ja scheinbar sehr gut, wenn sie dich "zwingt" dich auch mal etwas bedienen zu lassen. :wink:


    Auch toll finde ich, wie sehr du doch schon auf dich selbst achtest. Du meidest dein Stammlokal weil er dir evtl. über den Weg laufen könnte.
    Das ist Selbstfürsorge. Du möchtest nicht, dass es dir hinterher schlecht geht.
    Ich denke, du bist auf einem sehr guten Weg.


    LG


    Twizzler

  • Guten Morgen, ihr Lieben.


    Leider hab ich letzte Nacht einen Fehler gemacht. In einem blöden Anflug von Sentimentalität hab ich meinen XY entsperrt und ihn angeschrieben, weil ich wissen wollte, wie es ihm geht. Hatte erst seinen besten Kumpel gefragt und der meinte, er hätte schon länger nichts mehr von ihm gehört. Hab mir deshalb Sorgen gemacht, ob ihm was passiert ist.


    Guess what? Mein XY hat mir direkt das nächste Lügenmärchen aufgetischt. Er sei seit 6 Tagen trocken, ganz ohne Hilfe von außen. Wer´s glaubt! Er ist ein starker Trinker, der schon morgens mit dem Alkohol beginnt. Das kann niemals sein, dass er von heute auf morgen ganz alleine damit aufhört. Ich hab ihn mal erlebt, als er einen Tag nichts getrunken hat, da hatte er Entzugserscheinungen, wie ich es bisher nur aus dem Film "Die Kinder vom Bahnhof Zoo" kannte.


    Ich frag mich, warum er nicht einfach ehrlich sein kann. Und warum er keine professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Liegt das an dem Stolz der Männer? Dieses ich-muss-alles-allein-schaffen-Ding?


    Ach und ich ärger mich so sehr über mich selbst. Was hab ich denn erwartet? Dass nach zwei Wochen Kontaktsperre ein Wunder geschieht und er nun nen stationären Entzug durchzieht? Tjoah ich glaub wohl auch noch an den Nutellabaum und fliegende Einhörner..


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Tjoah.. und nun hab ich auch noch erfahren, dass er schon die Nächste am Start hat.. das tut weh. Ausgetauscht und kalt lächelnd ersetzt worden nach gerade mal 3 Wochen Beziehungsaus.


    Immerhin hilft mir das, klarer zu sehen. Ich hab mich wohl von Anfang an in ihm getäuscht. Zum Glück ist bald endlich der Termin bei der Angehörigenberatung. Ich möchte aus der CO-Abhängigkeit raus, und zwar so schnell wie möglich!


    Dieses Gefühl, nichts wert zu sein, steigt natürlich durch seinen schnellen Austausch ins Unermessliche :(


    Traurige Grüße
    Anonymia

  • Liebe Anonymia,


    ja, er hat dich wohl schnell ersetzt, und das ist gar nicht mal so selten, dass es so passiert. Das hat aber nichts mit dir zu tun oder dass du nichts wert bist! Leg mal diese Gedanken ganz schnell in eine Kiste und schließ die gut ab!


    Es ist bei vielen Abhängigen einfach ein Zeichen ihrer Erkrankung. Sie müssen eine gegangene Co schnell durch eine neue ersetzen. Und anscheinend sind da immer genug da, die sich da einlassen... was genau das für einen Alkoholiker bedeutet, eine Coabhängige zu haben, kann ich nur spekulieren. Ich bin ja selbst keine Alkoholikerin sondern Co. Aber ich denke, eine Co gibt das Gefühl eines intakten Lebens, zumindest nach außen. Sie kümmert sich, bedauert und tröstet und wischt Körperinhalte weg, die aus dem Alki heraus kommen. Sie sorgt sich und kümmert sich um Dinge des Alltags, die der Abhängige selbst nicht mehr erledigen kann.


    Ich hoffe, du hast ihn gleich wieder gesperrt. Denn du merkst ja selbst, dass dir das alles nicht gut tut. Und was hast du auch davon? Er tischt dir Geschichten auf, die du ihm sowieso nicht abnimmst. Eine Gemeinschaft auf Augenhöhe ist das so nicht. Das ist eher Kontrolle und Kontrolle ist ein wesentliches Merkmal für Coabhängige. Und genau so das "ich hab mir Sorgen gemacht". Dieses Gefühl von "ohne mich kann das nichts werden mit ihm". Ich kenne das nur zu gut. Es ist schwierig, diese Verhaltensmuster zu ändern.


    Zitat

    Ich möchte aus der CO-Abhängigkeit raus, und zwar so schnell wie möglich!


    Mach da mal langsam, denn anders geht das nicht. Du kannst aus der Abhängigkeit mit deinem Ex schnell raus kommen aber deine Muster bist du leider dadurch nicht gleich los! Die Angehörigenberatung kann dich hoffentlich da gut unterstützen und der Austausch mit anderen Cos.


    Ich wünsche dir ein gutes Wochenende, mit Kontaktsperre zu deinem Ex, damit du zur Ruhe kommen kannst


    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Guten Morgen, liebe Aurora.


    Ja, vermutlich wollte er so schnell wie möglich eine neue Krankenschwester um sich haben. Ich hab ihn ja immer bekocht und für ihn aufgeräumt und so.. gesperrt hab ich ihn direkt wieder. Macht ja keinen Sinn, wenn ich mich selber quäle.


    Gestern hab ich mir einen schönen Tag mit meinem besten Kumpel gemacht. Vormittags war ich beim Frisör und hab mir einen neuen Haarschnitt zugelegt als Zeichen dafür, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt. War dann mit meinem Kumpel tanzen, das war herrlich. Ich kannte dieses Gefühl gar nicht mehr, wie es ist, wenn man nicht selber fahren muss und auch sonst einfach nur sein darf und nicht die "Kümmererin" spielen muss. Im Wald waren wir auch spazieren. Wie herrlich man im Wald doch Kraft tanken kann...


    Interessanterweise geht es mir nun deutlich besser. Gerade, weil eine neue Frau da ist, kann ich die Verantwortungslast endlich von meinen Schultern runterlassen und muss mich nicht immer mit Fragen herumärgern wie "was macht er gerade, säuft er sich jetzt kaputt?" weil ich weiß, dass er nicht alleine ist und sich jemand um ihn kümmert.


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • So, der Termin bei der Angehörigenberatung liegt nun schon zwei Tage hinter mir.


    Ich musste mich erst mal von meinem Ärger erholen, bevor ich euch berichten wollte. Leider scheint die Angehörigenberatung - zumindest in meiner Heimatstadt - nur dahin abzuzielen, den Angehörigen noch gefügiger zu machen und schön bei der Stange zu halten. Ich wurde mehr oder weniger dazu überredet, doch Mitleid mit meinem armen, suchtkranken XY zu haben und möglichst wieder zu ihm zurückzugehen. Äh.. nein??? Glücklicherweise hab ich hier so viel im Forum gelesen, dass ich stark genug sein konnte, das Gespräch nach ner halben Stunde abzubrechen und nicht einzuknicken.


    Ich hatte den ganzen gestrigen Tag ein übles schlechtes Gewissen meinem XY gegenüber, habe die Kontaktsperre jedoch aufrecht erhalten. Ich hab mein Bestes getan und möchte nun nach mir schauen. Leider gibt es keine direkte Beratung für CO-Abhängige. Die Dame von der Beratungsstelle meinte, dazu müsse ich mich an einen Psychologen wenden.


    Werde mich nun meinem Projekt Kalender für 2020 basteln zuwenden :)


    Ich wünsche euch einen schönen Abend!


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Hallo Anonymia,


    Mal so aus dem Nähkästchen geplaudert:
    Ich kenne 3 Suchtberater persönlich, alle 3 haben keine spezielle Ausbildung oder Schulung dafür.
    Mit zweien bin ich befreundet bzw. weitläufig verwandt, und einen habe ich bei der betrieblichen Suchtberatung meiner damaligen Firma wieder getroffen, den kannte ich von früher und wußte also auch, was der früher so beruflich gemacht hat. :wink:
    Die sind alle 3 auf unterschiedlichen Wegen in die Suchtberatung gekommen, ist halt n Job und es gibt Kohle dafür.
    Man kann also nicht unbedingt damit rechnen, das man dort auf geschultes Personal trifft, mitunter nicht mal auf Personal mit wirklichem Interesse an der Sache.
    Ich will damit nicht sagen, das es immer so ist, es gibt sicher auch sehr gute Suchtberater, die fachlich informiert sind etc.
    Aber es gibt auch die von mir geschilderte Variante.


    Du bist an eine "Suchtberaterin" geraten, die scheinbar keine Erfahrung mit CO-Abhängigkeit hat.
    Ansonsten hätte sie Dir niemals diesen Rat gegeben.
    Das tut mir leid, sowas kann einen ja auch entmutigen und im schlimmsten Fall wieder in die alte Falle der Abhängigkeit zurück treiben.
    Ich würde auch lieber zu einer Psychologin raten, und zwar eine, die sich mit der Materie auskennt !
    Das kann man vorher erfragen.
    Wie und wann Du da einen Termin bekommen kannst, musst Du mal schauen, wenn Du das machen möchtest.
    Auch hier kann ich aus persönlichen Erfahrungen berichten, das es sehr gute Psychologen/innen gibt, die sich da wirklich
    auskennen und Dir ein guter Coach sein können.


    Du fragtest, ob meine Geschichte hier auch irgendwo steht?
    Ich habe die wahrscheinlich früher mal aufgeschrieben, als ich noch unter einem anderen Namen hier war.
    Bin ja schon seit Ewigkeiten hier :lol: , vorher halt unter anderem Namen und nun ja auch schon wieder "inventarmäßig" lange.
    Ich bin aber in der letzten Zeit kaum noch hier aktiv, und komme mit meinen 17 Jahren Trockenheit auch ohne SHG ganz gut klar.
    Von daher gibt es nichts mehr aktuelles von mir zu lesen, vor allem nicht im offenen Bereich.
    Da halte ich mich eher allgemein, denn ich möchte nicht, das zu viel persönliche Sachen von mir im www nachzulesen sind.


    Ich wünsche Dir alles gute und die Kraft, standhaft zu bleiben. Der Rest wird sich dann von selbst ergeben, denke ich... :wink:
    LG Sunshine

  • Guten Abend, ihr Lieben.


    Dieses Forum ist Gold wert. Ich lese auf der Arbeit immer in den Pausen quer durchs Forum und das hilft mir soooo sehr. Ich glaube, wenn ich hier nicht schon so viel gelesen hätte, wäre ich längst wieder zu XY zurückgekrochen. Vor allem, nachdem mir die Angehörigenberaterin so ein schlechtes Gewissen gemacht hat (was ich ja eh schon habe!). ABER ich will gedanklich weg vom XY und hin zu mir. Hab keine Lust, zig Runden auf einer Achterbahn zu drehen, die niemals endet.


    Auch habe ich deine Mahnung, liebe Linde, immer im Hinterkopf.. dass ich stets an meinen Sohn denken soll und was das Ganze mit ihm macht. Ich möchte daher meinen Weg weitergehen und nicht mehr zurückschauen.


    Liebe Sunshine, du hast mir auch sehr geholfen. Herzlichen Dank nochmal dafür. Ich bin davon ausgegangen, dass sich eine Angehörigenberaterin automatisch mit CO-Abhängigkeit auskennt und daher völlig unbedarft in den Gesprächstermin gegangen. Da hilft es mir weiter, zu erfahren, dass es nicht zwingend geschulte Personen sind.


    Dieses WE gestalte ich schön für mich und meinen Sohn. Gleich kommt eine liebe Freundin zu Besuch und wir werden ausgiebig quatschen und zusammen Ofenkartoffeln mit selbst gemachtem Dip verspeisen :D


    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Hi ihr Lieben,


    ich wollte euch mal ne kurze Wasserstandsmeldung geben.


    In der letzten Woche hab ich mich darin geübt, mein CO-Verhalten in verschiedenen Bereichen zu analysieren. Ich hab es sogar geschafft, im Büro einen CO-Impuls zu überwinden und entgegengesetzt zu handeln :D normalerweise spring ich automatisch für Kolleginnen ein, wenn sie vor mir das Büro verlassen und arbeite auch Mails ab, die von den Kolleginnen eigentlich noch am nächsten Tag erledigt werden können. Ich wollte ihnen dadurch die Arbeit erleichtern. Ich befand dies nun aber eindeutig als CO-Impuls und hab nur die Mails abgearbeitet, die ich als Vertretung auch wirklich bearbeiten MUSS.


    War gar nicht so leicht, Leute. Aber YES I DID IT (bzw I did it not) :D


    Leider vergeht noch kein Tag, ohne dass ich an XY denke. Aber die Art der Gedanken ändert sich. Ich denke nicht mehr "oh der arme Tropf, wie geht es ihm wohl jetzt?" sondern "schade, dass ich ihm so viel abgenommen habe".


    Ich glaube, ich bin gerade dabei, aus dem CO-Loch herauszukrabbeln :)


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Danke, Aurora :)


    Irgendwie stelle ich zur Zeit fest, dass ich absolut unfähig bin, für mich selbst zu kämpfen. Ich hab hier irgendwo in einem CO-Faden kürzlich gelesen, dass eine Person sich selbst als unselbstständig empfindet, aber wenn sie sich für ihren XY einsetzt, agiert sie sehr selbstständig (ist ein bißchen anders formuliert in dem Faden, aber darauf läufts raus). So ist das bei mir auch. Wenn ich auf mich selbst gestellt bin, fühl ich mich irgendwie hilflos und komisch. Aber beim XY hab ich alles gemanagt und 99% der Anwaltskorrespondenz für ihn geführt.


    Woran liegt das nur? Wenn es ums helfen geht, bin ich doch auch selbstständig, kann kämpfen und stark sein, warum kann ich das nicht für mich?


    Liebe Grüße
    Anonymia

  • Hallo Anonymia,
    mir ist vor Jahren aufgefallen, daß ich in der Peripherie ziemlich fit war, aber je näher ich mir selber gekommen bin, um so schwieriger wurde es. Es fiel mir leichter, an anderen herum zu tüfteln, als meine eigenen Dinge zu regeln.


    Ich habe dann herausgefunden, daß es etwas damit zu tun hatte, daß ich mich selber nicht fühlen konnte oder wollte. Denn aus Kindheitserfahrungen heraus sind meine eigenen Gefühle ein Minenfeld. Irgendwann war es "leichter" gar nichts mehr zu fühlen, als die ganzen schlimmen Gefühle meiner Kindheit.


    Je mehr etwas mit mir selber zu tun hatte, desto beängstigender wurde die Situation und desto unvorstellbarer wurde es, daß ich selber etwas an meiner Situation verbessern konnte. Komplette Handlungsunfähigkeit ist kein schönes Gefühl. Genausowenig wie das Ohnmachtsgefühl, das sich eingestellt hat, weil man ja nichts tun kann, wenn man nichts spürt.


    Von daher bewegte ich mich leichter in der Peripherie, im Außen, bei anderen... jahrelang: in den Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Familie. Ich war überall, nur nicht wirklich bei mir.


    Der Rückweg zu mir selber hat lange gedauert und war und ist tägliche Aufgabe. Es ist nicht einfach, den Fokus zu verändern, wenn man die eigene Mitte nicht spürt. Ich hatte panische Angst mich zu spüren. Wenn ich das Fensterchen aufgemacht hätte für schöne Gefühle, wären ja gleichzeitig durch diese Öffnung auch die schlimmen Gefühle dagewesen. Davor hatte ich zu große Angst. Also dichtmachen und weit, weit weg von mir aktiv werden...


    Es ist ein Prozeß. Ich habe Vertrauen darauf, daß irgendwas in mir drin richtig tickt und weiß, wo der Weg lang geht. Immer wieder hinspüren, wie sich was anfühlt. Mir hat es geholfen zu schauen, ob ich grad im Hier und Heute bin, oder ob ich gerade in einer alten Zeitschleife festhänge. Denn HEUTE kann ich ja tatsächlich was bewegen, damals nicht.


    LG, Linde

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