Wieso macht er das?

  • Ich kapiere es einfach nicht, wie man sich so verhalten kann, nachdem was alles passiert ist. Am Montag ist "mein Alk" nach mehr als zwei Flaschen Whisky handgreiflich geworden und hat die Wohnung zertrümmert. Das ist gerade mal fünf Tage her. Ein Tag später kam die armselige Entschuldigung. Auf ein klärendes Gespräch habe ich bis heute gewartet. Trotzdem hoffte ich noch, dass er zur Einsicht gekommen sei, weil ich ihn nicht mehr trinken sah und auch keine Whisky-Flasche irgendwo herum stand. Als er dann heute Morgen voller Elan in den Garten ging und bis zum Nachmittag voller Tatendrang war, merkte ich wie die Hoffnung in mir aufkeimte. Ich gesellte mich dazu und arbeitete ebenfalls im Garten. Einmal musste ich ihn um Hilfe bitte und er war auch sehr freundlich zu mir. Ich wartete regelrecht dadrauf, dass er jetzt endlich über seinen Schatten springen würde und das Gespräch mit mir suchte, schließlich merkte er ja, dass ich ebenfalls freundlich zu ihm war. Aber dann kam alles anders. Als ich so auf dem Boden kroch, um das Unkraut zu entfernen, setzte er sich neben mir an den Gartentisch und trank genüßlich seine Mischung (Cola/Whisky) vor mir. Ich hätte schreien können. Habe aber nichts gesagt. Das sind jetzt knapp drei Stunden her. Seitdem sitzt er seelenruhig draußen am Terrassentisch - wohlwissend, dass ich ihn sehe - und säuft wieder. Das einzige was sich geändert hat ist, dass der Whisky nicht mehr im Kühlschrank steht, sondern wie ich eben feststellen musste, geht er jetzt immer in den Keller und gießt sich dort sein Glas voll (seit heute Nachmittag steht da wieder ne Flasche). Vermutlich wird sich das jetzt aber auch ändern, weil er bemerkt hat, dass ich ihn dabei beobachtet habe.


    Ich verstehe es einfach nicht, wieso er sich nach dem krassen Vorfall am Montag völlig entspannt wieder saufend präsentiert. Da ist null Respekt mir gegenüber. War ich etwa schon "zu freundlich" heute, weil ich ihn kurz um Hilfe bat und er sich dadurch wieder auf der sicheren Seite wiegte. Ja, vermutlich hat er gedacht, solange ich noch den Garten mache, habe ich ja auch keine Auszugsgedanken. Warum soll er also was an seinem Verhalten ändern. Und dabei war ich nur bemüht, keinen Streit zu provozieren, damit er keinen Grund fürs Saufen bekommt.


    Sind wir jetzt also keinen Schritt weiter gekommen seit Montag? Ich verstehe es einfach nicht, warum er sich so verhält. Kann mir mal jemand helfen?

  • Hallo Aneli.


    Er macht das, weil er Alkoholiker ist und nicht aufhören möchte zu trinken.


    Ich frag Dich nochmal das, was ich im Vorstellungsbereich gefragt habe. Auf was genau wartest Du? Bzw was glaubst Du, was passieren könnte, damit Du zufrieden bist?

  • Und damit meine ich nicht, dass Du wartest, dass er aufhört zu trinken, denn dass das nicht passieren wird, weißt Du ja inzwischen.


    Aber nach allem, was vor ein paar Tagen passiert ist... was kann da noch geschehen, damit alles wieder ok ist. Was erwartest Du gerade aktuell von ihm?

  • Liebe Cadda,


    ja es stimmt, ich weiß im tiefsten Inneren ja auch, dass er Alkoholiker ist und sich so schnell auch nichts an diesem Zustand ändern wird. Vermutlich sogar nie. Es ist nur so, dass ich mich um einiges besser fühlen würde, wenn er wenigstens so etwas wie Reue zeigen würde. Dann würde ich mir nicht so wertlos vorkommen. Ich bin extrem traurig darüber, dass er noch nicht einmal versucht zu kämpfen (auch um mich, um uns). Mit meinem Umzug zu ihm, hatte ich mein komplettes vorheriges Leben aufgegegen (Haus aufgegben, Job aufgegeben, soziale Kontakte aufgegeben etc.). Das scheint ihn alles kalt zu lassen. Ich bin auch finanziell größtenteils von ihm abhängig. Aus dem Grund kann ich ihn auch nicht vor die Wahl stellen; Therapie oder Trennung. Das weiß er auch. Er sitzt am längeren Hebel und sieht daher natürlich auch keine Veranlassung, an der momentanen Situation etwas zu ändern. Ja, das ist wohl der Hauptgrund, warum ich immer noch hier bin. Wäre es meine Wohnung, hätte ich ihn schon längst rausgeschmissen. Und das auch ganz ohne Schuldgefühle oder dem Gefühl für ihn und seine Gesundheit verantwortlich zu sein. Das bin ich nämlich nicht. Ganz im Gegenteil; er müsste Schuldgefühle mir gegenüber haben. Er hat mein Leben zerstört mit seiner sch... Sauferei. Aber von Reue keine Spur. Ich kann Euch auch gar nicht mehr sagen, was ich noch für ihn empfinde. Mitleid ist es jedenfalls nicht. Eher Wut, Hass und Verachtung.

  • Weißt Du, Aneli... es gibt immer einen Weg. Wenn ER nun entscheiden würde, dass ihr Euch trennt und Dich rauswerfen würde, dann müsstest Du ja auch irgendwo hin.


    Was wäre denn, wenn er Reue zeigen würde? Was würde es an der Situation ändern? Er würde ja trotzdem nicht aufhören zu trinken.


    Mein Ex hatte zeitweise wie gesagt Reue gezeigt und die Einsicht. Was hat es mir gebracht? Nichts. Rein gar nichts. Außer vielleicht eine Verzögerung der Trennung. Hätte er sich so verhalten, wie Dein Noch-Partner jetzt, dann könnte es sein, dass ich vielleicht sogar etwas früher den Absprung geschafft hätte, denn SO muss doch nun wirklich jede Hoffnung auf Besserung bei Dir verschwunden sein, oder?

  • Und ich frage mich auch, ob er will, dass ich gehe? Denn er muss sich doch denken können, wenn er sich so ignorant verhält, dass er mich durch sein Verhalten weg von ihm treibt. Will er das etwa vielleicht oder ist ihm echt alles sch... egal? Das ist doch kein Miteinander mehr, sondern nur noch eine Belastung.

  • Hallo Aneli,

    ich verstehe deine Verzweiflung und weiß, dass sich das ganz furchtbar anfühlt.Ich bin auch immer viel zu lange in ungesunden Beziehungen geblieben, die mir sehr geschadet haben. Das macht ja auch ganz viel mit dem Selbstwertgefühl, wenn man sich so demütigen lässt. Bei mir lag und liegt es an mangelnder Selbstliebe und kaum vorhandenem Selbstwert.


    Generell habe ich auch ein Problem damit Dinge zu akzeptieren und loszulassen. Vielleicht ist das bei dir ähnlich?
    Schau mal. Ihr lebt erst seit vier Monaten zusammen und du bist nervlich jetzt schon am Ende. Wie sieht es dann erst aus, wenn du das noch Monate oder gar Jahre mitmachst?


    Ich wünsche dir, dass du durch den Austausch hier loslassen kannst und so schnell wie möglich den Absprung schaffst.
    Jetzt hast du noch die Kraft dazu. Und eins möchte ich dir noch sagen. Das sich dein Partner so verhält, hat rein garnichts mit dir zu tun. Es ist die Alkoholkrankheit. Das Saufen steht an erster Stelle.


    Ich habe sogar meine große Liebe wegen meiner Suchterkrankung zerstört. Das tut heute noch weh. Ihn habe ich übrigens ähnlich behandelt wie dein Partner das gerade mit dir macht. In meinen " nassen" Zeiten hatte ich einen Tunnelblick und sah nur noch mich und meinen Stoff. Da blieb garkein Raum mehr für andere.


    Ich hoffe, dass der Abend friedlich verläuft.


    Lg
    Carmen

  • Aber Carmen, wie ist das denn dann bei einem nassen Alkoholiker, wenn er wieder für ein paar Stunden am Tag nüchtern ist. Denkt er dann darüber nach, wie mies er sich seinem Partner gegenüber verhält?

  • Ich glaube, dass das auch etwas mit dem Charakter und nicht nur mit der Alkoholkrankheit zu tun hat und nicht bei jedem Alkoholiker gleich ist. Ich hatte nüchtern oft starke Schuldgefühle, diese waren aber mit dem nächsten Drink wieder schnell verdrängt und bis zur nächsten Ausnüchterung vergessen.

  • Aber was spielt es denn für eine Rolle, ob er sich in manchen Stunden mies fühlt oder sogar Einsicht zeigt?? Er säuft grundsätzlich und behandelt Dich schlecht. Punkt. Du solltest Dich lieber mit den Fakten beschäftigen und nicht versuchen wollen, seine Gedanken zu lesen.


    Ich bin ganz ehrlich: So wie Du Dich liest, befürchte ich, dass Du weiterhin in der Situation bleiben möchtest, um ihn zu analysieren.


    Versuche mal an DICH zu denken. Soll es DAS jetzt gewesen sein?

  • Hallo Aneli,


    Zitat

    Ich bin extrem traurig darüber, dass er noch nicht einmal versucht zu kämpfen


    braucht er doch nicht, du harrst ja aus, und das weiß er sehr genau.
    Einem nassen Alkoholiker sind die Mitmenschen egal, auch die Partner. Da könnte ich dir auch zig Beispiele nennen.
    Hast du ihm schon mal Konsequenzen seines Verhaltens angekündigt, die du dann nicht halten konntest?
    So etwas schwächt deinen Stand ungemein, und er wird sicherer, das er tun und lassen kann was er will.
    Kündige bitte nur das an, was du auch umsetzen kannst, sonst hast du verloren.
    Du bist wichtig, denk an dich!!


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Cadda,
    nein, ich möchte nicht in der Situation bleiben. Aber das Analysieren ist für mich in der Tat wichtig. Wie ich schon mal geschrieben habe: Das Verstehen ist für mich so wichtig, um Loslassen zu können. Und glaub mir, wenn ich momentan finanziell nicht so schlecht aufgestellt wäre, wäre ich auch schon längst weg. Ich mache mir auch schon gar keine Gedanken mehr um seine Gesundheit. Er ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Wenn der die gesundheitlichen Konsequenzen verdrängt, dann ist das seine Entscheidung und mir mittlerweile echt egal. Manchmal wünsche ich mir sogar, dass er mal endlich seinen Denkzettel bekommt. Vielleicht rüttelt ihn das ja auf.


    Liebe Morgenrot, bisher habe ich noch keine Konsequenzen angedroht. Weil ich einfach davon ausgehe, dass er eine Trennung in Kauf nimmt, um endlich wieder in Ruhe saufen zu können. Ich bin aber momentan nicht in der Lage (finanzielle Gründe) dann die angedrohten Konsequenzen (in meinem Fall die Trennung) auch zu vollziehen. Daher habe ich in dieser Richtung noch nichts ausgesprochen. Du kannst aber davon ausgehen, dass ich es konsequent durchziehen würde bzw. werde.
    Aber es stimmt schon, er sieht natürlich keine Veranlassung etwas an seiner Sauferei zu ändern, solange alles so weiterläuft. Allerdings frage ich mich, ob ihn diese Eiszeit, die zwischen uns bereits seit Wochen bzw. Monate herrscht nicht auch belastet? Was meint Ihr?

  • Gestern Abend bevor ich ins Bett gegangen bin, habe ich ihm gesagt, dass wir mal reden müssen, sobald er wieder nüchtern sei. Er meinte, er wäre nüchtern (ja nee ist klar, nachdem wieder knapp eine Whiskyflasche beseitigt wurde). Heute Vormittag habe ich dann erst ein paar Erledigungen gemacht und bin mit dem Hund herausgegangen. Als ich wieder kam, saß er wieder am Terrassentisch mit seiner Whisky/Cola-Mischung. Einfach nur erbärmlich. Das habe ich ihm dann auch gesagt. Er lachte nur selbstgerecht und meinte, ich solle mich mal entspannen. Jetzt - nachdem wieder über die Hälfte der Whiskyflasche "vernichtet" wurde, steht er in der Küche und kocht. Man sieht regelrecht wie schlecht er sich konzentrieren kann. Ich merke wie ich ihn immer abstoßender finde. Wie soll ich bloß die Zeit hier überstehen?

  • Ihn hat sein Ausraster nicht wach gerüttelt. Warum sollte ein gesundheitlicher Denkzettel ihn wach rütteln? Dass er sich gesundheitlich schadet, weiß er ja selbst bei den Mengen. Wie gesagt, meinen Ex hat nicht mal ein Herzinfarkt wach gerüttelt. Selbst da war er der Meinung, den hätte er eh bekommen. Die Sucht wird auch bei Deinem Freund stärker sein, als die Einsicht. Offensichtlich belastet ihn die Eiszeit nicht. Sonst würde er sich anders Dir gegenüber verhalten. Sich entschuldigen und liebevoll sein, kann man auch als Alkoholiker. Das ist auch charakterabhängig.


    Wenn er Dich jetzt rausschmeißen- und sich trennen würde. Wohin würdest Du gehen?

  • Hallo Cadda,
    ja einen Plan B hätte ich, wo ich erst mal übergangsweise unterkommen könnte. Allerdings wäre das Problem, dass mein kompletter Hausstand erst einmal hier bleiben müsste. Und das will ich auf gar keinen Fall. Ich vertraue meinem Alk nämlich mittlerweile vieles zu.


    Die aktuelle Situation ist gerade hier sehr sehr kritisch! Mir ist echt etwas mulmig, befürchte es könnte gleich wieder eskalieren. Er ist bereits wieder ziemlich angetrunken. Ist wieder dabei, die zweite Flasche Whisky zu leeren. Eben habe ich mir die Bemerkung erlaubt, wieviel er denn so während der Arbeit trinkt, da merkte ich an seinem Gesichtsausdruck, dass ich mich besser heute zurückziehen sollte, da es sonst wieder so endet wie am Montag bzw. noch schlimmer. Seine Antwort war übrigens: Wie kann man nur soviel Schwachsinn reden. Aber ich denke, die Vermutung ist berechtigt. Glaube er ist ein Spiegeltrinker.

  • Ich habe schon große Angst, weil am Montag ja eine Hemmschwelle überschritten wurde. Und das ist ja meistens der Beginn von nachfolgenden Übergriffen. Werde heute wieder auf dem Sofa schlafen.


    Könnt Ihr mir bitte mal schreiben, wie Ihr Euch früher in solchen Situationen verhalten habt?

  • Und mich belastet noch etwas seit langer Zeit sehr stark. Und zwar befinde ich mich immer irgendwie in einem Gewissenskonflikt und habe das Gefühl, ich mache mich mitschuldig, wenn ich nicht handle. Es geht darum, dass er auch alkoholisiert Auto fährt oder noch nicht ganz nüchtern zum Dienst geht. Wie in der kommenden Nacht auch. Wenn er in ein paar Stunden zur Arbeit fährt, kann er unmöglich schon ganz nüchtern sein. Er setzt während des Autofahrens sowie im Dienst nicht nur sein eigenes Leben aufs Spiel, sondern auch das von anderen. Ich bin dran und drauf seinen Arbeitgeber oder die Polizei zu informieren. Aber dann unterschreibe ich gleichzeitig mein Todesurteil. Was soll ich nur tun?????

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