Gefangen im Chaos der Emotionen

  • Liebes Forum,


    dies ist mein erster Beitrag im Forum. Vermutlich viel zu spät, ich stehe vor dem Scherbenhaufen meiner Ehe.
    Was jetzt kommt, ist sowas wie ein kurzer Abriss meines Lebens, damit ihr die Situation etwas einschätzen könnt, ich bitte dringend um eure Einschätzung, um Tipps, bin um jede Rückmeldung dankbar, denn ich stecke in der Krise meines Lebens - und ich wünschte, es wäre nur die Mid Life Crisis. Falls ihr Fragen habt, zögert nicht.


    ACHTUNG, es wird ein längerer Bericht!


    Meine Frau und ich haben uns vor fast 28 Jahren kennengelernt (ich war damals 19) und sie war meine große Liebe, auch sie zeigte mir ihre tiefe Liebe jeden Tag. Wir waren immer sehr stark verbunden, auch die Tatsache dass unser Kinderwunsch unerfüllt blieb schweißte uns noch mehr zusammen. Letzteres war für uns kein Grund, in Trauer zu verfallen, wir wären zu einer Familie bereits gewesen, aber wir haben uns in unserem "alternativen" Lebensentwurf gut zurecht gefunden mit Reisen, vielen Freunden und dem Ausleben von Hobbies.


    Sie war schon immer extrem sensibel (ich übrigens auch), sie kam mit Schicksalsschlägen immer schlecht zurecht, so knabbert sie immer noch an dem Tod ihres Vaters 1991 und ihrer Oma 2012 (die für sie glaube ich eine wichtigere Bezugsperson war als ihre Mutter). Auch wenn es Probleme im Job gab, warf sie das oft für Tage aus der Bahn - aber sie bewältigte das immer ohne Alkohol, sie war halt nach innen immer ein eher trauriger Mensch, auch wenn sie mit Freunden gerne Spaß hatte und nach außen als lustiger, lebensfroher Mensch gilt.
    Wir feierten immer gerne, auch mal mit viel Alkohol, hatten bis Mitte der 90er auch Erfahrungen mit Drogen (Ecstasy) gemacht, aber niemals exzessiv - ich denke wer um die Mitte 40-50 ist und früher auf Techno-Parties war, kann von ähnlichen Erfahrungen berichten - es war damals einfach sehr verbreitet!


    Irgendwann kamen die ersten Ereignisse, die mich zwar stutzen ließen, aber erst im Rückblick den meiner Meinung Anfang ihrer Alkoholexzesse markierten. Es waren Einzelfälle, Geburtstagsfeiern, auf denen sie sichtlich "Schlagseite" hatte - die Familie und Freunde kannten sie so eigentlich nicht, denn sie war im Grunde nicht exzessiv. Sie redete sich darauf aus, dass sie Schmerzmittel z. B. wg. ihrer starken Regelschmerzen genommen hat und diese die Wirkung des Alkohols dann verstärkten. Klang plausibel - auch für mich.
    Irgendwann vor ca. 5 Jahren bemerkte ich leichte Wesensveränderungen, sie war IMMER extrem harmoniebedürftig, plötzlich eckte sie mit Kollegen an, schimpfte über Personen im Familien- und Bekanntenkreis, verbiss sich regelrecht in Vermutungen und Anschuldigungen diesen gegenüber. Sie nahm dann auch für eine kurze Phase Psychopharmaka, da sie den Tod ihrer Oma nicht verarbeiten konnte und setzte diese aufgrund einer deutlichen Gewichtszunahme wieder ab (sie ist prinzipiell ein schlanker Typ). Wir hatten auch damals noch eine extrem gute Beziehung, waren sehr innig, nach all den Jahren galten wir als Vorzeigepaar und es war nicht gespielt, denn sie bedeutete immer mein "Lebensglück" nach dem ich gesucht habe - ich hatte keine klassische, geradlinige Kindheit und sehnt mich immer nach bedingungsloser Liebe, welche sie mir gab.


    Es gab dann immer häufiger Phasen, in denen sie abends, vor allem am Wochenende sehr antriebslos war und trotz schönstem Sommerwetter nur auf der Couch lümmelte, mit dem Handy spielte oder schlief. Sie behauptete immer, es sind die Nahrungsergänzungsmittel oder Baldrian, der sie so müde machte.
    Vor ziemlich genau 2 Jahren gab es dann den ersten Paukenschlag - ich war auf Dienstreise und sie meldete sich nicht mehr bei mir, ich informierte dann ihre Freundin, die sie dann blutend am Boden liegend vorfand. Meine Frau konnte zum Glück noch die Türe öffnen, mehr nicht. Es kam die Rettung und sie landete im Krankenhaus, wo man neben schweren Prellungen vom Sturz auch 4,0 Promille feststellte. Die Aussage des Oberarztes, dass sie Alkoholikerin sein müsse bei diesem Pegel empfand sie als Frechheit, sie gab zwar zu, etwas Alkohol konsumiert zu haben, aber doch nicht so viel. Ihre Leber war damals massiv in Mitleidenschaft gezogen - vor mir, ihrer Freundin und ihren Eltern behauptete sie jedoch steif und fest, dass sie lediglich ein gewisses Nahrungsergänzungsmittel massiv überdosiert hätte, welches dies verursacht hätte - Recherchen ergaben, dass das tatsächlich sein hätte können. Zum Glück wurde der Vorfall nicht dem Arbeitgeber gemeldet, sie ist in leitender Position und arbeitet mit Kindern, das ist eigtl. in Zusammenhang mit Alkohol ein No-Go - aber es war der erste offizielle "Ausrutscher" man wollte ihr wohl keine Probleme bereiten. Vor ihrem Arbeitgeber konnten wir es so hindrehen, dass es was anderes war. Ich hielt damals


    Sie bekam dann zumindest ihre gefährlichen Leberwerte wieder in den Griff und der erste Hauch meiner Befürchtung, dass etwa doch der Alkohol schuld sei, verschwanden wieder. Ich wollte es rückblickend wohl nicht wahrhaben, es konnte ja nicht sein, SIE Alkoholikerin, niemals!
    Sie war darauf hin die meiste Zeit recht normal und unauffällig, auch wenn sie immer wieder Phasen hatte, in denen sie regelrecht auf der Couch "klebte".
    Wir machten immer gerne 2-3x im Jahr Kurzurlaube für 2-3 Übernachtungen in einem tollen Hotel, einer tollen Stadt. Nur für uns, zum entspannen. Im Sommer 2018 waren wir in Wien und es setzte für mich einen heftigen Nackenschlag. Wir hatten einen wundervollen Tag, tranken hie u da einen Spritzer (Weißwein-Schorle) oder ein gemeinsames Bier zum essen, abends dann den einen oder anderen kleinen Rotwein - ich war maximal leicht angesäuselt, sie zeigte aber bereits massive Ausfallerscheinungen. Ich hatte damals aufgrund der Vorfälle und Verhaltensweisen schon eine gewisse Sensibilität (unterbewusst einen Verdacht, den ich stets verdrängte) der Alkoholthematik gegenüber und warf im Hotelzimmer einen Blick in ihre Handtasche, wo ich eine fast leere Wodkaflasche fand, aus der sie wohl schon den ganzen Tag trank. Ich fragte sie, ob sie heimlich trank und sie beschimpfte mich aufs übelste, schwor stock und steif, dass es nicht so sei - bis ich ihr die Wodkaflasche aus ihrer Handtasche vor die Nase hielt. Darauf hin sagte sie gar nichts mehr und schlief bald schnarchend ein (sie schnarchte früher nie).
    Das zog mir regelrecht den Boden unter den Füssen weg, am nächsten Tag schrie ich sie nur noch an, sie machte mir Vorwürfe, warum ich "so böse" zu ihr sei, sie entschuldigte sich und schwor, dass das nicht mehr vorkommen sollte - ich glaubte ihr, weil es konnte ja nicht sein, SIE Alkoholikerin?


    Es folgten weitere Kurzurlaube, JEDES mal Alkoholexzesse, bis ich nicht mehr mit ihr weg wollte, weil es bereits begann, mich kaputt zu machen.
    Ich muss an dieser Stelle einschieben, dass sie "nur" exzessiv trank, wenn sie Urlaub hatte, an Wochenenden, an denen nichts besonderes anstand oder an besonderen Ereignissen wie Hochzeiten, wo sowieso 80% betrunken sind.


    Trotz dieser regelmäßigen Alkoholentgleisungen, ich warf ihr auch immer mal wieder vor, dass sie Alkoholikerin sein könnte (was sie vehement abstritt, sie machte sich sogar über andere Alkoholiker lustig), liebte ich sie und hätte alles für sie getan. Es gab auch die ersten Problem in der Arbeit, die aber immer vertuscht werden konnten, da sie sehr beliebt und auch im Job angesehen ist.


    Mitte 2019 machten wir mit einem anderen Paar (unseren besten Freunden) einen tollen Urlaub Übersee, die Damen mussten jobbedingt 5 Tage eher abreisen, wir Männer blieben noch. Sie zeigte während des Urlaubs mit den Freunden kein einziges mal Ausfallerscheinungen, war völlig normal.
    Als ich aber 5 Tage später heimkam, war sie komplett "unter Strom", sie hatte im Gegensatz zu ihrer Freundin noch frei und "nutzte" die Zeit allein zu Hause zum saufen.
    Es gab wieder mal das übliche Drama, sie war blau, unansprechbar, unerträglich. Ich informierte Ihre Eltern - das für mich bereits bekannte, daruf folgende Spiel aus ihren Entschuldigungen und Beteuerungen, nichts mehr zu trinken setzte wieder ein, sie war dann auch tatsächlich über Wochen unauffällig, ließ sich auch regelmäßig körperlich und Blutbild durchchecken, begann mit Sitzungen bei einer Psychotherapeutin etc.
    Alkoholikerin zu sein stritt sie nach wie vor ab, sie sei einfach immer so traurig sagte sie.


    Ende 2019 ging es dann immer steiler bergab, sie begann auch irgendwann - das hatte sie früher nie - Cola in großen Mengen zu trinken, vernachlässigte öfters ihr Äußeres (auf das sie immer sehr stolz war, sie ist auch immer noch eine sehr attraktive Frau), die Körperhygiene und eine halbwegs gesunde Ernährung. Dazwischen aber achtete sie wieder besonders auf Ihr Erscheinungsbild, ernährte sich extrem gesund und machte Sport, schien lebensfroh und glücklich zu sein.
    Ich war damals wie bereits in den beiden Herbsten davor leicht depressiv, extrem melancholisch. Ich dachte, das ich einfach durch den Lichtmangel im Herbst mehr Vitamin D nehmen müsste, dann wird es wieder, was es irgendwann dann auch immer tat.
    2019 wie gesagt, war es wieder sehr heftig bei mir mit der tiefen Traurigkeit, ich erklärte es mir damals so, dass es bedingt durch den Tod meines Opas sei.


    Heute weiß ich, dass ich mit meiner Lebenssituation - sprich meiner Ehe - nicht mehr glücklich war. Sie lag in ihrer Freizeit NUR noch auf der Couch, ich zog meine Freizeitaktivitäten alleine durch, auf Familienfeiern oder bei bereits ausgemachten Aktivitäten mit Freunden behauptete ich, sie müsse kurzfristig arbeiten oder sei krank. Es war fast schon Routine für mich. Ich stellte aber erstmals meine Liebe zu ihr in Frage, wir stritten immer häufiger, von Harmonie war meinerseits nicht mehr viel zu spüren, sie tat aber meist, wie wenn alles in Ordnung sei.
    Es näherte sich der - von mir mit Furcht erwartete - Urlaub zwischen Weihnachten und Neujahr in die Sonne. Ich sagte ihr bereits vorher, dass ich mich nicht darauf freuen kann, weil ich ja wusste, wie die letzten Urlaube zu zweit so verliefen.


    Anfangs war es sogar recht nett, wir tranken zwar gemeinsam auch Alkohol, aber keine Exzesse ihrerseits. Wir hatte bereits vor Monaten ausgemacht, dass sie nur noch in meiner Gegenwart trinken soll (was sie seitdem mehrfach brach), ich bläute ihr das auch für diesen Urlaub so ein.
    Es kam wie es kommen musste, ich war für 1.5 Stunden weg (ich trieb Sport), sie hatte mir eine Nachricht geschickt, dass sie bereits nach unten zum Abendessen gehen würde und dort auf mich warten. Ich ging also in Ruhe duschen, fuhr dann mit dem Aufzug nach unten, wo sie mir bereits mit besabberten Pulli, wankend und mit eindeutigem Blick entgegen fiel. Ich werde meine Enttäuschung, Wut, Angst vor der Zukunft und Verzweiflung in diesem Moment nie vergessen. Ab diesem Moment erst wurde es mir klar, dass sie ein MASSIVES Alkoholproblem hat. Ich bracht sie hoch ins Bett und während sie sofort einschlief als ob nichts gewesen sei, ging ich an die Bar und kippte mir selbst sehr viel Alkohol hinter die Binde. Ich ging dann auch hoch, konnte aber aufgewühlt wie ich ob meiner Lebenskrise war, nicht schlafen und meldete mich bei einem Dating-Portal an. Ob das rückblickend gut oder schlecht war, gilt es noch zu klären, evtl. mit Hilfe dieses Forums.
    Der Antrieb dazu war - neben sehr viel Alkohol und Opiaten, die ich wegen einer schweren Sportverletzung seit geraumer Zeit gegen die Schmerzen nehmen musste - dass ich ihr vielleicht auch mal was "heimzahlen" wollte. Wir hatten nach wie vor regelmäßig Sex, aber es kam mir immer vor, mit einer fremden Person zu schlafen, da sie meist zumindest angesäuselt war. Sprich: ich hatte, zumindest benebelt wie ich war, den Vorsatz, nach über 27 Jahren meine Frau zu betrügen :(
    Es kam, wie es kommen musste, sie entschuldigte sich zwar wieder, riss sich sogar Silvester zusammen und trank nichts, aber ich hatte bereits am ersten Tag meiner Anmeldung im Dating-Portal Kontakt zu einer Frau, mit der ich zu schreiben begann. Ich traf mich kurz darauf heimlich mit ihr zum Kennenlernen, wir waren uns sympathisch, sie war intelligent, attraktiv, witzig, wir hatten überraschend viele Gemeinsamkeiten und Interessen.
    Auch sie lebte in einer Ehe, in der der Partner phasenweise Psychopharmaka nahm und zu Alkoholexzessen neigte. Wir waren uns beide einig, dass es hier nicht um Liebe, sondern um eine sehr diskrete Affäre gehen sollte, sprachen das bereits beim zweiten Treffen ab.
    Die Ausfälle meiner Frau nahmen nun immer mehr zu, die Probleme in der Arbeit nahmen immer mehr zu, zum einen durch ihr Verhalten (Wesensveränderungen), zum anderen war sie sichtlich betrunken und wurde 2x heimgeschickt - wurde aber immer noch gedeckt von den Kollegen.
    Ich achtete in dieser Zeit zugegebenermaßen nicht mehr sonderlich auf Sie, seit dem Urlaub habe ich entschlossen, "mein eigenes Ding" durchzuziehen. Ich hatte ja auch noch die schwere OP vor mir (wegen der Sache, wegen der ich die Opiate nehmen musste).
    Ich traf mich regelmäßig mit der Frau aus dem Dating-Portal, wir schmusten sehr, sehr viel, schliefen aber nicht miteinander. Hauptsächlich deshalb, weil wir ja beide in einer Ehe waren und nicht einfach eine Nacht im Hotel verbringen konnten. Auto-Sex lehnten wir zu der Zeit ab, das kam uns zu "billig" vor. Sie beichtete mir relativ schnell, dass sie sich in mich verliebt hätte (was ja nie passieren hätte sollen), dies schmeichelte mir und ich fand sie auch entzückend. Ich spürte wieder Zuneigung und v. a. Interesse, welches von Seiten meiner Frau fast komplett zum erliegen kam. Nichtmal die Zeit nach der OP kümmerte sie sich nennenswert um mich, unsere Ehe war nur noch Routine ohne allzu großen Austausch von Zärtlichkeiten, der letzte Sex mit ihr war im Urlaub Ende 2019. Wir hatten die erste große Krise seit fast 28 Jahren.


    Die Wochen vergingen, ich traf mich mit der Affäre, meine Frau verbrachte ihre Freizeit auf der Couch (ob Alkohol oder nicht war mir schon fast egal, sie schlief eigentlich immer, so hatte ich viel Freizeit und es kamen nie Fragen wo ich sei), so dass es in dieser Zeit zum ersten Sex kam (beide behaupteten wir, auf Dienstreise zu sein und verbrachten die Nacht in einem Hotel).
    Im Fasching (der für mich nach der OP ausfiel) begann meine Frau wieder mal sichtlich verstärkt zu trinken, bis es - auch wieder mal - zum Exzess kam, sie unansprechbar war, das alte Spiel von meiner Überforderung mit Schreien und Beschimpfungen (ich konnte NIE mit ihren Alkoholeskapaden umgehen, nie) und ihren Entschuldigungen begann. Erstmals schalteten sich unsere besten Freunde ein und kümmerten sich darum, dass sie zur Therapie in ein Klinikum kam. Sie landete zu meiner Verwunderung aber nicht in der Entzugsklinik, sondern in der Abteilung für Depressionen. Dort sollte sie 4 Wochen bleiben.
    Ich besuchte sie 1-2x pro Woche (ca. 1 h Autofahrt 1-fach) und schrieben uns jeden Tag Nachrichten. Sie wurde auf ein bestimmtes Psychopharmaka eingestellt, wurde immer klarer, reflektierte gut, war recht gut gelaunt und freute sich immer, mich zu sehen. Ich hatte sogar wieder Hoffnung, dass sie die Kurve kriegt.
    So gut mir die stressfreie Zeit allein zuhause tat, so schlecht allerdings war sie für meine Ehe - ich traf mich immer häufiger mit meiner Affäre, meine Zuneigung zu ihr stieg, wenngleich ich von meiner Seite noch nicht von "Verliebtheit" sprechen wollte. Wir brachen auch beide die Regel, dass das Zuhause des jeweils anderen Tabuzone bleiben sollte: ich verbrachte 2 Nächte bei ihr, während ihr Mann auf Dienstreise war (sie hatten zu der Zeit allerdings bereits getrennte Betten, da sie ihm schon eröffnet hat, dass sie die Trennung will), meine Affäre verbrachte 1 Nacht bei mir. Beides eine äußerst romantische Zeit. Meine Affäre wusste nicht, dass ich nach wie vor Kontakt zu meiner Frau hatte, sie erwartete eine klare Linie von mir, ich sollte die Trennung forcieren, so wie sie es auch mit ihrem Mann tat. Ich hab ihr dann über Videochat unter Tränen gesagt, dass ich nicht von meiner Frau weg komme, sie aber auch nicht verlieren will. Sie wollte aber nicht mehr "nur" die Affäre sein, sondern sich eine gemeinsame Zukunft ausmalen und sagte, dass sie mir 4 Wochen einräume, mich zu sammeln und entscheiden. Ich konnte ihr unter Tränen noch ein letztes Treffen abringen, bei dem wir spazieren gingen, viel redeten und viel heulten und mir wurde klar, wie sehr mich diese Frau liebte und dass ich mich mehr in sie verschossen habe, als ich mir selbst eingestehen wollte. Sie 4 Wochen nicht sehen zu können bzw. evtl. nie mehr bereitete mir körperliche und seelische Schmerzen.
    Nun kam aber auch meine Frau von ihrem Klinikaufenthalt zurück, wieder attraktiv, sehr klar, äußerst lieb und zuvorkommend und liebesbedürftig und traf auf einen Mann, der wie ein Eisklotz war. Ich kann ganz, ganz schlecht schauspielern und ich kann auch nicht mein Herz mit zwei Frauen teilen, es geht nur ganz oder gar nicht. Ich hatte aber immer noch diese wahnsinnige Bindung zu meiner Frau, sie tat mir leid, ich mochte sie, aber Liebe? die spürte ich einfach nicht mehr, schon nicht mehr bevor ich die Affäre anfing. Um dem Psychoterror zu entgehen, entschloss ich mich bereits am 2. Tag, ihr zu sagen, wie sehr ich sie mag, aber dass ich keine Lieb mehr spüre. Sie war natürlich verzweifelt, ich denke sie hatte aber am nächsten Tag ein Telefonat mit ihrer Therapeutin. Als ich von der Arbeit kam, war sie sehr verständnisvoll, räumte mir alle Zeit der Welt ein, dass ich mich wieder öffnen könne und sie freue sich auf die Zukunft mit mir, weil sie mich so braucht.
    Mein schlechtes Gewissen und die innere Zerrissenheit kann man sich nicht ausmalen, auch ich bin ein sehr emotionaler Mensch, nahe am Wasser gebaut. Ich versuchte "nett" zu ihr zu sein, wies aber Zärtlichkeiten ab und viele nette Worte kamen wohl auch nicht aus meinem Mund.


    Ich weiß, dass das als Co-Abhängigkeit ausgelegt werden kann, aber ich fühle mich nun mitschuldig an der momentanen Situation, die folgendermaßen aussieht:
    Sie begann nach ca. 2 Wochen wieder an zu trinken, ich merke das mittlerweile an Kleinigkeiten. Anfang dieser Woche holte ich sie ab, um zu unserem Freund zu fahren, der Geburtstag hatte - trotz Corona wollten wir - natürlich mit gebührendem Abstand - ein Bier aus der Ferne miteinander trinken. Schon als ich von der Arbeit kam und sie abholte, merkte ich bereits bevor sie ins Auto stieg, dass sie betrunken war. Da war sie wieder, meine Enttäuschung. Aber es kam noch schlimmer. Sie ging bei unseren Freunden auf die Toilette, bediente sich "im Vorbeigehen" an der Hausbar und kotzte sich später auf den Pulli. Es folgte eine harte Aussprache zwischen ihrer besten Freundin, mir und ihr (sie konnte sich allerdings nicht wirklich artikulieren), in der ich eröffnete, dass ich die Trennung will.
    Mittlerweile zehrte das Ganze wirklich sehr an meinen Nerven. Was die anderen nicht wussten, hatte ich ja auch noch eine Affäre, die Dinge begannen mir also über den Kopf zu wachsen. Wir fuhren also wortlos heim, legten uns ins Bett, sie schlief sofort ein, ich konnte vielleicht 2 Stunden schlafen. Am nächtsen Tag stand ich früh zur Arbeit auf (sie sollte Home-Office machen). Ich hatte Angst, dass sie sich was antun könnte (sie hatte das öfters mal angedeutet) und schickte ihr eine Nachricht, die sie aber 1,5 Stunden nicht öffnete (man sieht das ja an den "Häkchen"). Ich wurde panisch und informierte ihre Eltern und ihre Freundin. Es stellte sich heraus, dass sie wohlauf und zumindest nicht besoffen ist. Als ich heimkam, waren ihre Eltern weg, unsere besten Freunde da. Sie hatten einen Einweisungsschein für einen Entzug in der Klinik vom letzten mal besorgt, sie wollte aber unbedingt noch 1 Nacht in der Wohnung verbringen, was ich ablehnte, ich wusste, dass das nichts bringen würde und nur Psychoterror für mich bedeuten würde. So sehr sie mir leid tat, so wenig Sinn machte es, jetzt wieder "nett" zu sein.


    Unsere Freunde unterstützten mich voll und ganz, sie sagten mir, ich MUSS jetzt eine harte Linie fahren, sie muss jetzt tief auf den Boden der Tatsachen fallen, um sich hoffentlich wieder aufrappeln zu können. Sie zeigte bis zum Schluss keine Erkenntnis, dass sie Alkoholikerin sei - ich selbst habe es mir wohl auch erst zum Jahreswechsel, nach dem Urlaub und den darauf folgenden Exzessen eingestanden.
    Wir versuchen nun eine kleine Wohnung für sie zu finden, ich habe ihr gesagt, dass ich die Trennung will, weil ich ihr nie mehr vertrauen kann.
    Sie ist nun seit zwei Tagen in der Klinik, allerdings nicht im Entzug, sondern in der Depressionsabteilung von letztem mal. Sie hat mich gestern mit Anrufen und Nachrichten bombardiert, ich wollte erst gar nicht antworten, habe es dann aber doch. Habe ihr gesagt, dass sie sich eine Wohnung nehmen soll, ihr Leben in den Griff bekommen soll und schauen, dass sie den Job nicht komplett verliert. Dass ich sie lieb habe, aber eine Beziehung aus meiner Sicht nicht mehr denkbar ist. Ich habe auch gesagt, sie soll mich in Ruhe lassen, da ich Abstand brauche, das Ganze zu verarbeiten.
    Ich MUSS wohl so hart sein, obwohl ich sie so gern im Arm halten würde. Ich stehe auf den Trümmern meiner einst so erfolgreichen Ehe. Ich bin wohl zum einen selbst Schuld, da ich zu spät ihre Sucht erkannt und gehandelt habe, zum anderen, weil ich mich auf eine andere Frau eingelassen habe und somit keine Nähe mehr von ihr zugelassen habe.
    Ich weine nun jeden Tag bitterlich, weil ich sie - bzw. die Frau von früher - nicht loslassen kann. Ich habe diese Frau abgöttisch geliebt, wenn der Alkohol nicht dazwischen gekommen wäre, wären wir zu 99,9% immer noch das glücklichste Paar der Welt.
    Ich kann nicht rational denken! Mit der Alkoholabhängigen Frau KANN ich keine Beziehung mehr führen und die Aussicht, dass sie (weil sie so labil ist und durch mich auch keinen Halt mehr hat) aus dem Kreislauf der Sucht rauskommt und wir beide zukünftig eine unbelastete Beziehung führen können, erscheint undenkbar. Auch habe ich rosige Aussichten mit der anderen Frau, die mich offensichtlich extrem liebt, mit der ich mir eine Zukunft auch sehr gut vorstellen kann. Sie ist 10 Jahre jünger als meine Frau, baut gerade ein eigenes Haus auf dem Grundstück ihrer Eltern, beste Lage in einer sehr schönen Stadt mit grandiosen Freizeitmöglichkeiten.
    Und ich? Ich kann im Moment nur an die Frau, die unsere Ehe zerstört hat, denken, Ich weiß nicht mehr ein noch aus.


    Bitte gebt euren Senf dazu, verurteilt mich , stärkt mich, egal.
    PS: von dem Sachverhalt mit meiner Frau wissen bis dato nur unsere besten Freunde und ihre Eltern was. Von meiner Affäre nur eine sehr gute andere Freundin von mir, sonst niemand. Ich habe also nicht viele Menschen zum Reden, was durch Corona zumindest unter 4 Augen auch sehr schwierig ist.

  • Hallo dyonysos,
    Danke für deine aufschlussreiche Geschichte.
    Ich muss mich leider kurz halten da ich gleich zur Arbeit muss möchte dir aber trotzdem ein paar Worte zu deinem Fall sagen.
    Auf keinen Fall bist du schuld an dem deutlichen Alkoholismus deiner Frau das ist schon mal sonnenklar und wenn du dich hier etwas durch das Forum gelesen hast wirst du bemerken dass diese Meinung jeder hat.
    Du kannst jetzt nur deinen eigenen Weg gehen was du eh schon tust. Deine Frau muss jetzt selber klarkommen daran führt kein Weg vorbei auch wenn es für euch beide schwer sein wird.
    Dass du eine Affäre oder Beziehung mit einer anderen Frau begonnen hast wird dir niemand verübeln das verstehe ich total und ich hätte es nicht anders gemacht in deiner Situation.
    Dass du dich verliebt hast sehe ich eher als Glücksfall für dich an denn anderen Zeit würdest du dich in eine schreckliche Co-Abhängigkeit begeben die weder dir noch deiner Frau hilft im Gegenteil es würde euch beiden massiv Schaden
    Geh deinen Weg und nutze deine Chance mit deiner neuen Liebe.
    Nichtsdestotrotz kannst du deiner Frau deine Hilfe anbieten allerdings nur wenn Sie bereit ist etwas gegen ihre Alkoholkrankheit zu tun anderenfalls würde ich dir raten sämtliche Kontakte zu blockieren.
    Lass dir kein schlechtes Gewissen einreden das bringt überhaupt nichts und ist auch nicht fair.


    Bleib auf deinem Weg.


    LG Lia

  • Danke für das Feedback, Lia.


    Warum schaltet sich alles Rationale bei mir ab? Ich habe eine gute Zukunft vor mir, mit neuer Liebe, neuen Chancen - dennoch kann ich die alte Liebe, die am Schluss so viel Leid verursachte, nicht vergessen.
    Es macht alles so wenig Sinn im Moment, wir hatten alles! Eine tolle Wohnung, viele Freunde, keine Geldsorgen, Reisen, gemeinsame Unternehmungen, wir waren verliebt auch nach Jahrzehnten noch! Es will nicht in meinen Kopf, dass sie dieses Leben so weggeschmissen hat. Ich träume auch insgeheim immer noch davon, dass sie sich zusammenreißt und alles ein Happy End findet - dazu müsste ich aber die neue Chance vergeben.
    Und die Chance auf das Happy End mit meiner Noch-Frau ist nach allem, was man so liest äußerst gering.
    Dennoch, Rationalität kann ich im Moment (noch nicht) anwenden, es zerreisst mein Herz, die Tränen schießen mir ständig in die Augen, so viel Erinnerungen kommen hoch... ich bin so extrem down wie noch nie in meinem Leben, auch weil ich mich so machtlos fühle.
    Hätten mich meine Freunde nicht so unterstützt, sie läge jetzt vermutlich wieder besoffen auf der Couch bzw. wenn sie mir nicht raten würden, den Kontakt momentan zu meiden, hart zu bleiben, ich wäre wahrscheinlich schon bei ihr in der Klinik auf Besuch.


    Ich hoffe ich stehe das irgendwie durch.

  • Hallo Dyonysos,


    das war wirklich eine ausführliche Geschichte. Gut, dass du Dir mal den ganzen Ballast von der Seele geschrieben hast.
    Deine Frau ist schwer alkoholkrank und laut Deines Textes zeigt sie keinerlei Einsicht. Dadurch stehen die Chancen, dass Besserung eintrifft, meiner Meinung nach bei Null.


    Selbst wenn sie irgendwann zur Einsicht, dass sie Alkoholikerin ist, gelangt, heisst das dann noch lange nicht, dass sie ernsthaft etwas gegen ihre Alkoholsucht unternimmt. Ich habe nach meiner Krankheitseinsicht noch 8 Jahre weiter gesoffen. Klar habe ich immer wieder Versuche gestartet, mit dem Trinken endgültig aufzuhören, bin aber immer wieder gescheitert. Der Weg aus der Sucht ist steinig und schwer; darum schaffen es auch nur so Wenige.



    Ich bin wohl zum einen selbst Schuld, da ich zu spät ihre Sucht erkannt und gehandelt habe,


    Nein! Du bist nicht Schuld und nicht Du musst handeln, sondern sie muss handeln. Sie allein muss ihre Sucht erkennen und etwas ändern wollen. Niemand kann einen Alkoholiker vom Trinken abhalten, wenn dieser es nicht selbst will. Mein Partner hat sich für mich jahrelang aufgeopfert und mit dem grössten Einsatz, der nur möglich ist, versucht mich vom Alkohol wegzubringen. Es hat alles nichts gebracht, weil ich nicht wirklich wollte.


    Ich wünsche Dir viel Kraft für die nächste Zeit!


    LG
    Carmen

  • Danke auch dir, Carmen.
    Es bestätigt alles, was ich bis jetzt über das Thema gelesen und gehört habe, auch wenn es mich noch so schmerzt.


    Es gibt Neuigkeiten, ich habe mit ihrer Therapeutin gesprochen. Sie sagt meiner Frau geht es sehr schlecht, sie hängt extrem an mir (das mach mich ja auch so fertig, ich fühl mich so schlecht, wenn ich so kalt bin zu ihr) und sie schlägt nächste Woche Dienstag eine Paarbesprechung mit sich als Moderatorin vor. Ich habe gesagt, dass ich dass eigentlich nicht will, weil mein Entschluss zur Trennung feststeht und dass ich momentan extrem emotional bin und ich glaube, dass es mir nicht gut tun würde, meine Frau zu sehen. Dass ich gerne Abstand nehmen würde, um das Ganze zu verkraften.
    Die Therapeutin sagt, in dem Gespräch könnte festgelegt werden, dass vorerst auf alle Fälle eine räumliche Trennung folgt für mind. 1/2 bis 1 Jahr und sie hat auch durchblicken lassen, dass es mitnichten garantiert ist, dass sich die Sache einfach lösen lässt und auch die Chance auf eine Zukunft für die Beziehung fraglich ist. Sie sagt, meine Frau würde u. a. täglich in ein Alkoholmessgerät pusten, Therapie machen etc.


    Meint ihr, ich soll mich zu dem Termin aufraffen? Macht das Sinn? Oder soll ich weiter klare Kante fahren?

  • Hallo nochmal,


    es ist doch verständlich, dass die Trennung nach so vielen gemeinsamen Jahren schmerzt und dann tut es ja auch noch furchtbar weh,dabei zusehen zu müssen, wie sich ein Mensch, den man sehr liebt oder geliebt hat, Selbstmord auf Raten begeht. Und das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass man nicht helfen kann. Das endgültig zu akzeptieren, dauert.
    Ich finde es schwierig Dir etwas bezüglich des Dreiergesprächs zu raten. Auf der einen Seite könnte das Gespräch Dir und Deiner Frau helfen, besser mit allem abzuschließen.
    Auf der anderen Seite könnte es natürlich auch beide Seiten zu sehr emotional aufwühlen. Was ich allerdings als Vorteil sehe, ist, dass die Therapeutin zwischen euch ein wenig moderieren und gegenlenken kann, wenn das Gespräch in eine völlig falsche Richtung laufen sollte.


    Eine Trennung ist einfach fies und schmerzhaft. Die Schmerzen wird dir leider keiner nehmen können. :cry:

  • Hallo Carmen,
    allein schon deine (hilfreichen) Zeilen zu lesen, treibt mir die Tränen in die Augen.
    Ich weiß genau, dass ich sofort weinen muss, wenn ich das Häuflein Elend, dass mal meine geliebte Frau war, sehe. Es sträubt sich alles in mir, dennoch überlege ich noch, hinzugehen, da man dann wirklich einen Fahrplan für die Zukunft festlegen kann.
    Ich habe nur extrem Angst, dass das Ganze irgendwann in einen Suizid meiner Frau enden könnte, das würde ich mir nie verzeihen, denn eigentlich würde ich sie ja noch lieben, dennoch muss ich sie fallen lassen, um uns beiden zu helfen - so paradox es klingt.
    Irgendwie drehe ich mich im Kreis, mein Hirn glüht, ich weiß nicht was richtig ist oder falsch


  • Ich habe nur extrem Angst, dass das Ganze irgendwann in einen Suizid meiner Frau enden könnte,


    Diese Angst kann ich eins zu eins nachfühlen. Mein Vater ist auch Alkoholiker und dabei sich kaputtzusaufen. Er sieht sich selbst nicht als alkoholkrank. Ich habe ihn schon mehrfach in die Entgiftung gezwungenermaßen gebracht, mehrere Male den Krankenwagen gerufen, weil er mit Selbstmord drohte. Ich musste zum Selbstschutz vor einigen Wochen den Kontakt zu ihm rigoros abbrechen. Das ist immer noch schwer und auch ich habe Angst, irgendwann einen Anruf zu erhalten, in dem mir berichtet wird, dass er tot ist. Aber ich werde mir dafür nicht die Schuld geben. Mich von dieser Schuld zu lösen, hat lange gedauert, aber es geht. Ich kann ihm nicht helfen. Ich würde dadurch nur mit ihm untergehen.

  • Lieber Dyonysos,


    ich konnte vorhin nicht zu Ende schreiben, weil mich das ganze Thema auch sehr mitnimmt. Schließlich sind wir hier ja alle in ähnlichen Situationen. Jetzt kann ich aber wieder schreiben. Es ist gut, dass du hier im Forum bist. Ohne Unterstützung schafft man es manchmal einfach nicht. Es ist ein Prozess zu akzeptieren, dass man nicht helfen kann und keine Schuld trägt. Erst dann kann man langsam loslassen. Dafür braucht man Zeit und Geduld. Es ist kein leichter Weg und ich und viele andere gehen ihn gerade oder sind ihn schon erfolgreich gegangen.


    LG
    Carmen

  • Hallo dionysos,


    super, dass Du den Schritt gewagt hast Dich hier anzumelden und so detailliert zu schreiben. Da gehört viel Mut und Kraft zu, um die vergangenen Jahre anzuschauen, aufzuschreiben und sich damit auseinanderzusetzen. Es ist auch keine Schande als Kerl tief im Gefühlsmist zu sitzen und nicht weiter zu wissen.


    Zitat

    Du schreibst:
    Ich habe nur extrem Angst, dass das Ganze irgendwann in einen Suizid meiner Frau enden könnte, das würde ich mir nie verzeihen, denn eigentlich würde ich sie ja noch lieben, dennoch muss ich sie fallen lassen, um uns beiden zu helfen - so paradox es klingt.


    Dann solltest Du Dir darüber im Klaren sein, dass Du über die Gedanken eines anderen Menschen und dessen Vollzug, keinen, aber auch überhaupt keinen Einfluss hast, nicht nach 1 Tag, nicht nach vielen Jahren und nicht nach vielen Jahrzehnten. Es gäbe da auch nichts zu verzeihen. Was willst Du denn verzeihen, das was nur Du weißt, was in der Vergangenheit alles gewesen ist?


    Definier doch einmal genau „eigentlich würde ich sie ja noch lieben“!!
    Also praktisch noch etwas lieben, theoretisch, wenn sie 20 Jahre jünger wäre, nicht saufen würde und die wäre, die Du Dir in Deinen Vorstellungen vorstellst und wenn sie Dich dann genauso lieben würde, dann wäre alles in Butter, das volle Liebespaket?


    Was ist also eigentlich? Das Du keinen Arsch in der Hose hast zu Dir und Deinen Bedürfnissen, zu Deinem Leben, zu Deiner Eigenständigkeit zu stehen? Ich kann auch verstehen, dass Du die Schnauze voll hast und nichts mehr rein geht, überhaupt nichts mehr. Für Deine Situation kann Deine Frau nichts, sie, ihr Saufen, ihre Umstände haben nichts mit Deinem Verhalten zu tun.


    Paradox ist in so einem verwustelten Beziehungkrams nichts, überhaupt nichts. Es ist nur schwierig, irgendeinen Anfang zu finden, daran festzuhalten und aufzubauen.


    Paradox ist tatsächlich, dass Du Deiner Frau und nebenbei auch Dir helfen willst, indem Du sie fallen lässt. Fallen lassen, hm, loslassen und anfangen Dein Ding für Dich zu machen, das wäre ein Anfang. Das ist ja das Unglaubliche an der Coabhängigkeit, dass wir uns Dinge einbilden, die passieren hätten können würden, wenn…. Die Ursache an so einem Schwachsinn liegt in all dem verwurstelten, kranken Persönlichkeits- und Beziehungskrams, wo Du als Angehöriger ohne Hilfe von außen wenig Anfang finden wirst. Viel einfacher ist es da einen Schnitt zu machen, woanders einen neuen Anfang zu suchen, um mit den gleichen Verwurstellungen neu zu starten. Du bist jetzt 47, das ist doch ein ausgezeichnetes Alter, da steht Dir doch die Welt offen.


    Deine Frau kenne ich ja jetzt ganz gut. Es geht aber nicht um Deine Frau, nur um Dich, Dich, Dich, Dich, Dich und nochmals um Dich.


    Wenn Du darüber nachdenkst, dann sind Deine Frau und die Vergangenheit, auch wenn Du Dich bei dem Gedanken gerade übergeben müsstest, ziemlich überflüssig.


    Schreib raus, was Dir gut tut, das hilft und beachte, dass das ein öffentliches Forum ist, indem jeder Rückschlüsse ziehen kann.


    Lieben Gruß Karl

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Danke auch Dir, Karl.


    Ihr alle gebt mir viel Hilfe mit euren Gedanken, ich fühle mich verstanden und nicht so alleine.


    Definier doch einmal genau „eigentlich würde ich sie ja noch lieben“!!
    Also praktisch noch etwas lieben, theoretisch, wenn sie 20 Jahre jünger wäre, nicht saufen würde und die wäre, die Du Dir in Deinen Vorstellungen vorstellst und wenn sie Dich dann genauso lieben würde, dann wäre alles in Butter, das volle Liebespaket?


    Nein, ich war just an dem Tag, als alles explodierte, also am Montag dieser Woche, in der Arbeit plötzlich so voller Liebe zu ihr!
    Ich dachte mir ich nehm sie heute einfach mal wieder ganz fest in den Arm, auch weil ich weiß, dass sie nach meiner Zuneigung lechzt, seit sie aus der Klinik ist und ich war da nur kühl (vielleicht aus Selbstschutz, vermutlich weil ich mich zur anderen Frau hingezogen fühlte). Ich meinte, es könnte sich dann wieder alles zum Guten wenden, sie ist mir doch wichtiger als "die Neue".


    Nun, nachdem sie mir schon halb entgegentorkelte war meine plötzlich neu entflammte Liebe zu ihr natürlich wieder schnell passé.
    Die Frage ist nur, wäre sie an dem Tag nüchtern gewesen, wann wäre der nächste Tiefpunkt gekommen. Am nächsten Tag? die nächste Woche? Monat? Das genau hat mich ja auf Dauer fertig gemacht, kein "normales" Leben mit ihr führen zu können, sie hat ständig Dinge und Termine vergessen, war unzuverlässig etc.
    Aber ich wäre mit der Frau JETZT ohne Sucht durchaus zufrieden gewesen, weil da noch so viel Liebe für sie in mir ist. Die reine Vernunft hält mich davon ab, an ihr fest zu halten.

  • Hallo dionysos & Willkommen im Forum! :D


    Ich habe gerade den kompletten Thread in einem Stück gelesen, von daher kann ich auch nicht so komplex antworten, so viel geht mir jetzt durch den Kopf. Aber einige Punkte kann ich stichpunktartig kund tun:


    So lange man nicht emotional aufgeräumt ist, ist jede Ratio unmöglich. Wundere dich also nicht, wenn du die Sache nicht rationell & sortiert angehen kannst. Das geht nicht. & das wird auch noch eine geraume Zeit so bleiben, denn die Fehlentwicklung einer jahrzehntelangen Beziehung lässt sich nicht mit "1x drüber schlafen" sortieren.


    Darüber hinaus gilt: Die Frau von vor über 20 Jahren, wahrscheinlich oder vielleicht noch ohne jede Suchtprobleme (was ich nicht glaube, aber dazu später mehr) wirst du niemals wieder erhalten. Selbst komplett trocken & clean wird sie nicht die alte sein, nie wieder sein können. Für dich gilt übrigens dasselbe.


    Weil das so ist, solltest du alle Betroffenen mit Klarheit versorgen, damit diese dich nicht falsch einschätzen. Das gilt zuallererst bezüglich deiner Datingfreundin. Die macht sich nämlich Hoffnungen, die du ihr zumindest jetzt nicht erfüllen kannst. In Richtung deiner Frau gilt gleiches: Keine Hoffnung machen, egal aus welchem Antrieb, schon weil du nicht weißt, ob du diese erfüllen kannst oder willst. Erzähl ihr von der Datingbeziehung.


    Wobei du deiner Freundin helfen kannst, ist, die Therapeutin nicht im Unklaren zu lassen. Auch sie sollte von der Beziehung wissen, sonst baut sie ihre Therapie falsch auf, die dann natürlich weniger gut funktionieren kann.


    Das Paargespräch würde ich an deiner Stelle absagen, & auch ganz offen die Gründe benennen. Auch den, dass du dich schon jetzt tränenüberströmt da sitzen siehst. Das ist keine Basis für ein Paargespräch.


    Rundum: Alle Planungen auf getrennte Zukunft ausrichten erscheint mir sinnvoller. Wieder zusammen finden könnt ihr euch nur, falls überhaupt, wenn alles restlos ausgestanden ist.


    Jetzt zum Angedeuteten:
    Depression - Psychopharmaka - Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln - Vitamin D zu sich nehmen - Opiate wg. Sportverletzung - wg. Corona von weitem ein Bierchen zusammen trinken.. das schöne Leben scheint bei euch/dir auch aus der Apotheke zu kommen.
    Bei deiner Frau, so schließe ich aus dem Gelesenen, ist es durchaus denkbar, dass sie außer dem Alkohol noch einen anderen Suchtstoff am Flicken hat - Medikamente. Der Umstand, dass sie auf der Depri-Station eingewiesen ist, werte ich als Hinweis darauf.
    & ich vermute, dass euer zumindest für lange Zeit gutes Leben nicht nur aus eurer finanziell guten Lage resultiert. Suchtstoffe hingegen unterliegen in ihrer Gefährlichkeit keiner gesellschaftlich vorgegebenen Hierarchie. Viele sind verboten, einige akzeptiert oder haben sogar einen gewissen gesellschaftlichen Stellenwert (Tabak, Alkohol), noch andere sind regelrecht geadelt (Medikamente). Denn der Arzt wird ja wohl richtig liegen, wenn er verschreibt - denken viele. Aber das ist ein Trugschluss.


    Das ist nun alles ein ziemlicher Stiefel, den ich zusammen gestellt habe. Aber auch, wenn ich völlig daneben liegen sollte mit meiner Einschätzung, hielte ich es dennoch für ratsam, dass auch du dich nach therapeutischer Unterstützung umsehen solltest. Allein der ganze Komplex deiner Geschichte lässt mir das dringend ratsam erscheinen.
    Hast du Vertrauen zu deinem Hausarzt? Dann sprich mit ihm darüber.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Hallo dionysos,


    es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Partner in eine Außenbeziehung begeben und denken da das zu finden, was sie zuhause nicht vorfinden. Dabei wird ausgeblendet, das es nur der Ersatz für das ist, was einem selbst fehlt. Das macht etwas, löst aber nicht das Problem.


    Mir war es vor 14 Jahren nicht möglich, einfach abzuschalten, den Anfang zu finden, mich daran festzuhalten und mein Ding zu machen. Das hat Monate gedauert und Jahre bis ich da durch war. Die Umstände waren nicht von heute auf saufen entstanden, sondern da kam mit geballter Ladung das hoch, was als langer Prozess in mir gewachsen war.


    Es gibt aber drei Dinge, die ich heute in ähnlichen Situationen, die passieren und gehören zum Leben dazu, immer wieder anwende:


    1. Alles aus Null stellen
    Damit meine ich, alles abzustellen, was mich aus der Bahn werfen kann, was einmal war, was sein wird und im hier und jetzt zu sein.


    2. Alles auf den kleinsten Nenner bringen
    Der wieder nicht in der Vergangenheit, nicht im Morgen ist, der ist heute und wenn es sein muss nur in dieser Stunde, in dieser Minute.


    3. Keine Begründungen, Rechtfertigungen oder wenn und aber
    Gefühle sind dazu da, das Hirn und den Körper mächtig durcheinander zu wirbeln und dann stehen da mehr w-Wörter und Gründe als im einem Hirn verarbeitet werden können.


    Da sind wir wieder bei dem riesigen Durcheinander und dem Suchen nach einem Strohhalm.
    Ich wünsche Dir, dass Du Dich etwas sortieren kannst.


    Schau einmal hier, das hilft Dir bestimmt Fuß zu fassen:
    https://forum-alkoholiker.de/g…eine-zur-co-abhaengigkeit


    Viele Grüße Karl

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Dante,
    auch dir vielen Dank für die auführliche Antwort, wenngleich ich einiges anders bzw. nicht so schwarz-weiß sehe wie du:



    Die Frau von vor über 20 Jahren, wahrscheinlich oder vielleicht noch ohne jede Suchtprobleme (was ich nicht glaube, aber dazu später mehr) wirst du niemals wieder erhalten.


    Mir würde die Frau von vor 3-4 Jahren reichen, da sind mir noch keine Exzesse bekannt, zumindest nicht aufgefallen - auch keine gravierende Persönlichkeitsveränderung,


    Selbst komplett trocken & clean wird sie nicht die alte sein, nie wieder sein können. Für dich gilt übrigens dasselbe.

    Das fürchte ich auch. Vertrauen ist schwer wieder zurück zu bekommen, im Umkehrschluss heißt das, ich MUSS meine Ehe beenden, auch wenn ich noch große Gefühle für meine Frau habe? Also Abwägung emotional vs. rational?


    Weil das so ist, solltest du alle Betroffenen mit Klarheit versorgen, damit diese dich nicht falsch einschätzen. Das gilt zuallererst bezüglich deiner Datingfreundin. Die macht sich nämlich Hoffnungen, die du ihr zumindest jetzt nicht erfüllen kannst.

    Ich bin sehr offen zu ihr, sie ist sehr verständnisvoll, hab ihr auch gesagt, dass ich Zeit brauche - aber ich will diese Chance für eine neue Zukunft nicht beenden. Die Beziehung zu ihr werde ich erst im engsten Familienkreis ansprechen, dann ausweiten. Erst muss die Familie mal von der Trennung von meiner Frau erfahren, ich will nicht, dass alle wissen, dass ich eine "Affäre" hatte, man ist da sehr schnell in einem Fahrwasser, dass ich nicht will. Ich will das zeitlich etwas entzerren. Meine Freundin will das auch.


    In Richtung deiner Frau gilt gleiches: Keine Hoffnung machen, egal aus welchem Antrieb, schon weil du nicht weißt, ob du diese erfüllen kannst oder willst. Erzähl ihr von der Datingbeziehung.

    Ich bin ihr gegenüber auf Tauchstation gegangen, werde aber morgen das von Ihrer Therapeutin vorgeschlagene und moderierte Paargespräch wohl wahrnehmen und nochmal klar und deutlich darauf hinweisen,dass es mir mit der Trennung ernst ist. Über ihre Freundin weiß ich, dass sie ohnehin zumindest die nächsten 4 Monate nicht zu mir nach Hause zurückkehren wird. Von meiner Freundin werde ich JETZT noch nichts sagen, denn - auch wenn es nicht in meinem Verantwortungsbereich liegen sollte - würde ich es mir nie verzeihen, wenn sie sich deshalb was antun würde.


    Wobei du deiner Freundin helfen kannst, ist, die Therapeutin nicht im Unklaren zu lassen. Auch sie sollte von der Beziehung wissen, sonst baut sie ihre Therapie falsch auf, die dann natürlich weniger gut funktionieren kann.

    Ich denke, du meinst "meiner Frau" helfen, oder? Nachdem sie bereits übermorgen die Klinik wieder verlassen wird, ist das ohnehin nicht mehr wichtig.


    Das Paargespräch würde ich an deiner Stelle absagen, & auch ganz offen die Gründe benennen. Auch den, dass du dich schon jetzt tränenüberströmt da sitzen siehst. Das ist keine Basis für ein Paargespräch.

    siehe oben - ich habe seit drei Tagen nicht mehr weinen müssen, meine Frau hat mir eine Voice-Mail geschickt, in der sie sehr gefasst wirkte - ich denke ich zieh es durch - ich werde mir auch ein paar Punkte, die ich anbringen will, zurecht legen - es geht laut Therapeutin für einen Plan für die Zukunft. Ich werde es vermeiden, meiner Frau Hoffnungen auf die Fortführung der Ehe zu machen (auch wenn es mein Herz zerreisst). Ich habe mit meiner Schwiegermutter telefoniert, sie hat gesagt, meine Frau gibt jetzt offen ihre Sucht zu, will zur Suchtberatung und den AA gehen und jeden Tag in einen Alko-Tester pusten. Sie will noch eine (die wievielte?) letzte Chance und will mir schriftlich geben, sollte sie noch einen Tropfen trinken, kann ich mich sofort scheiden lassen. Ich meine, dass sie es nicht schafft und mein Leiden in die Länge ziehen würde, sollte ich mich darauf einlassen.


    Rundum: Alle Planungen auf getrennte Zukunft ausrichten erscheint mir sinnvoller. Wieder zusammen finden könnt ihr euch nur, falls überhaupt, wenn alles restlos ausgestanden ist.

    Das sehe ich wie du - und sie zeigt Anzeichen, zumindest mit Akzeptanz der räumlichen Trennung, das ähnlich zu sehen. Allerdings: "wann" ist "was" ausgestanden?


    Jetzt zum Angedeuteten:
    Depression - Psychopharmaka - Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln - Vitamin D zu sich nehmen - Opiate wg. Sportverletzung - wg. Corona von weitem ein Bierchen zusammen trinken.. das schöne Leben scheint bei euch/dir auch aus der Apotheke zu kommen.

    Hier will ich deutlich differenzieren: ich habe definitiv KEIN Suchtproblem! Die Einnahme von Vitamin D in der dunklen Jahreszeit ist aus medizinischer Sicht sogar empfohlen, auch Wikipedia ist da eindeutig: "Für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist eine angemessene Sonnen- oder UV-B-Bestrahlung oder andernfalls eine zusätzliche Einnahme (Supplementierung) notwendig. In manchen Staaten werden zu diesem Zweck bestimmte Nahrungsmittel mit Vitamin D angereichert." Die Opiate bekam ich, da ich wegen der Schmerzen keine Nacht mehr schlafen konnte, Paracetamol etc. zeigten NULL Wirkung. Im Übrigen nehme ich normalerweise so gut wie keine Schmerzmittel o. ä. - ich hab diese Opiate bis zur OP genommen, sogar die vom Arzt empfohlene Dosis halbiert, gerade soviel genommen, dass ich halbwegs schmerzfrei schlafen konnte. Ich wollte sie zwischenzeitlich sogar komplett absetzen, was aber sofort wieder Schmerzen hervor rief - nach der OP habe ich das Mittel dann ausschleichen lassen. Warum ein Bier mit einem engen Freund zu trinken, ein Problem darstellt, verstehe ich nicht - ich bin es ja nicht, der ein Suchtproblem hat! Als Sportler gibt es bei mir keine Alkohol-Exzesse!

    Bei deiner Frau, so schließe ich aus dem Gelesenen, ist es durchaus denkbar, dass sie außer dem Alkohol noch einen anderen Suchtstoff am Flicken hat - Medikamente. Der Umstand, dass sie auf der Depri-Station eingewiesen ist, werte ich als Hinweis darauf.

    Außer ein Schilddrüsen-Medikament ist mir nichts bekannt.

    hielte ich es dennoch für ratsam, dass auch du dich nach therapeutischer Unterstützung umsehen solltest. Allein der ganze Komplex deiner Geschichte lässt mir das dringend ratsam erscheinen.
    Hast du Vertrauen zu deinem Hausarzt? Dann sprich mit ihm darüber.

    Darüber denke tatsächlich nach!

  • Kurzes Update:
    Meine Frau akzeptiert es seit dem Wochenende, mir keine Nachrichten mehr zu schicken oder anzurufen.
    Sie versteht, dass ich Abstand und Ruhe brauche.
    Ich werde von unserer besten Freundin mit Infos versorgt, sie telefoniert täglich mit ihr. Wir alle finden nicht gut, dass sie die Klinik diese Woche wieder verlassen wird. Wir wollen auch erreichen, dass sie sich ihrer Sucht offen stellt und es zumindest vor der Familie und dem Freundeskreis nicht mehr abstreitet - die meisten wissen oder ahnen es eh schon mittlerweile.
    Ich denke mehrmals täglich an sie, ich würde das alte Leben - ohne Exzesse - so gerne wieder haben, mich macht es verrückt, dass sie mich über alles liebt und ich sie im Endeffekt auch, aus rational gesehenen Gründen aber die Fortführung der Ehe nahezu unmöglich escheint. Der verlorengegangene Respekt und vor allem das verlorene Vertrauen wäre vermutlich ein Beziehungskiller, auch wenn sie trocken bleiben würde - letzteres ist statistisch gesehen, nach relativ langer Sucht, wohl auch mehr Wunsch als Realität, auch wenn sie es hoch und heilig verspricht und behauptet, nun den Ernst der Lage erkannt zu haben.


    Auf der anderen Seite habe ich nun 3 Tage hintereinander meine Freundin gesehen, sie kommt auch zu mir nach Hause. Sie ist extrem verliebt in mich, verspricht sich eine Zukunft mit mir.
    Es scheint alles wie im Märchen zu passen, allerdings ertappe ich mich immer wieder, sie unbewusst mit meiner Frau zu vergleichen, sie an den selben Stellen zu streicheln, wir fahren an schöne Orte, mit denen ich auch mit meiner Frau immer war etc. - manchmal fühlt es sich für mich einfach nicht "richtig" an, Zeit mit ihr zu verbringen, da ich so ein schlechtes Gewissen habe, dass es mich fast auffrisst.
    Sie merkt es auch, ich bin mit meinen Gefühlen recht offen ihr gegenüber, sie sagt, dass sei normal, sie gibt mir alle Zeit der Welt, über die alte Beziehung hinweg zu kommen.
    Sie ist so wahnsinnig lieb zu mir, dass ich fast nicht glauben kann, dennoch spukt mir ständig die Frau meines Lebens im Kopf rum.


    Da ich innerlich so zerrissen bin, plane ich, im engsten Familienkreis "die Hosen runter zu lassen", alles auf den Tisch zu legen wie es ist.
    Vielleicht hilft mir das, vielleicht bekomme ich hier Unterstützung oder Denkanstöße, die mir weiterhelfen.
    Zum Einen die neue Beziehung fortführen, zum Anderen parallel dazu immer noch auf die Wiederbelebung der guten, alten Zeit mit der Frau zu hoffen, geht nicht ewig gut. Soweit kann ich noch klar denken.
    Ich hege für beide Frauen extreme Zuneigung, es macht mich fertig.

  • hallo,


    Zitat

    die meisten wissen oder ahnen es eh schon mittlerweile.


    da kannst du mit Sicherheit von wissen ausgehen. Als ich begann darüber zu reden, was in der Familie los ist, habe ich gemerkt, das es alle wußten. Die meisten haben geschwiegen, weil sie mich nicht verletzen wollten, und die, die etwas gesagt haben, diese Stimmen waren mir lästig, weil ich sie noch nicht hören wollte.
    Im Grunde wußte ich schon, das sie recht hatten, konnte mich aber da noch nicht anvertrauen, weil ich mich schämte


    Zitat

    mich macht es verrückt, dass sie mich über alles liebt und ich sie im Endeffekt auch,


    Bist du dir sicher, das es ( noch ) Liebe ist, die euch zusammenhält, oder nicht eher das gegenseitige brauchen?
    Oft ist dies in solchen Beziehungen nicht oder nur sehr schwer zu herauszufinden.
    Das kenne ich von mir.


    Zitat

    Der verlorengegangene Respekt und vor allem das verlorene Vertrauen wäre vermutlich ein Beziehungskiller, auch wenn sie trocken bleiben würde -


    das ist harte Arbeit, die den Einsatz von beiden erfordert. Es wird sowieso nichts mehr wie es war, denn der Alkoholiker der trocken wird, verändert sich auch.
    Mein xy ist im kommenden Oktober 3 Jahre trocken, er hat sich sehr verändert, und auch ich mußte mich wieder neu sortieren. Das ist kein Spaziergang.

    Zitat

    Zum Einen die neue Beziehung fortführen, zum Anderen parallel dazu immer noch auf die Wiederbelebung der guten, alten Zeit mit der Frau zu hoffen, geht nicht ewig gut. Soweit kann ich noch klar denken.


    In meinen Augen erfordert es von dir eine klare Entscheidung, du mußt wissen was du willst und das unabhängig davon ob deine Frau trocken wird oder nicht.



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Morgenrot, auch dir DANKE für deine Einschätzung!


    In meinen Augen erfordert es von dir eine klare Entscheidung, du mußt wissen was du willst und das unabhängig davon ob deine Frau trocken wird oder nicht.


    Ich weiß. Aber wenn es mir alles so klar wäre, wäre ich nicht in diesem Forum gelandet.
    Vielleicht brauche ich einfach noch mehr Zeit? Es wird morgen erst 1 Woche, dass meine Frau in die Klinik gebracht wurde und ich ihr gesagt habe, dass sie danach nicht mehr zurück zu kommen braucht. Immerhin hat sie mir das Drama erspart, darauf zu drängen, anschließend sofort wieder nach Hause kommen zu wollen.
    Unsere Freunde haben dankenswerter Weise so auf auf sie eingewirkt, dass sie einsieht, dass ich erstmal Ruhe brauche.


    Ich kann ganz schlecht einschätzen, ob sie jemals trocken werden kann - behaupten tut sie das natürlich. Immerhin hat sie angeblich in der Therapiegruppe bereits zugegeben, Alkoholikerin zu sein - ob das stimmt, weiß ich nicht.
    Sie ist geschockt, dass ich jetzt so konsequent bin und offen die Trennung will. Ich denke rational habe ich ihr gegenüber alles richtig gemacht, auch bezüglich des Kontaktabbruchs (wenngleich ich morgen zu diesem moderierten Paargespräch gehen werde).


    Das mit meiner Freundin fühlt sich schon sehr "echt" an, aber ich stehe mir selbst im Weg, kann mich nicht 100% öffnen, weil ich noch so sehr an meiner Frau hänge. Irgendwas sträubt sich in mir, meine Frau komplett fallen zu lassen - ist das Co-Abhängigkeit?

  • Hallo dionysos,


    Zitat

    Irgendwas sträubt sich in mir, meine Frau komplett fallen zu lassen - ist das Co-Abhängigkeit?


    Ich würde sagen ja, denn ich konnte z. Bsp. auch nicht gehen, habe mit meinem xy unter einem Dach gelebt, aber nichts mehr für ihn getan.
    Das fallen lassen ist sehr schwer, ich weiß es, aber im Zusammenleben mit einem nassen Alkoholiker muß das Herz weichen, und die Vernunft an erste Stelle gesetzt werden.
    Was ich hier scheinbar leicht schreibe sind Ergebnisse von Jahren, die ich in mal sehr kleinen und manchmal auch größeren Schritten erreicht habe.
    Es geht um dich, was wird mit dir, wenn sie trocken wird. Ein erneuter radikaler Einschnitt auch in dein leben.


    Ihm ging es damals sehr schlecht, und ich habe wirklich gedacht, er lebt nicht mehr lange. Das er trocken werden könnte, daran habe ich im Traum nicht gedacht, diese Hoffnung hatte ich aufgegeben.
    Noch nicht einmal der Verdacht auf eine bösartige Erkrankung ließ ihn umdenken, natürlich hatte er Angst und hat mich auch gebeten mit ihm zum Vorgespräch zu gehen, aber auch dort war ich ehrlich, als er sagte es gäbe keine weiteren Narkoserisiken bei ihm, habe ich widersprochen und den Alkohol angeführt.
    Nicht weil ich gemein bin, sondern weil ich weiß was alles passieren kann, das hat ihm zwar nicht gepasst, aber verschwiegen habe ich es nicht mehr.
    Ich bin mitgegangen, weil ich es für einen Menschen getan habe, der mir nicht egal war, aber Liebe war es damals definitiv nicht.


    Wichtig ist, das du wirklich nur das ankündigst, was du auch einhalten kannst. Ich habe damals während der Entgiftung ein Paargespräch abgelehnt, aber ich habe einem Gespräch mit der Sozialarbeiterin zugestimmt.
    Ich war doch genauso am Ende wie er, da wäre mir Paargespräch in die völlig falsche Richtung gegangen, ich arbeite in diesem Bereich, und weiß, was Therapeuten da manchmal von Angehörigen erwarten.
    Frag nach, ob er Erfahrung mit Suchtpatienten und deren Angehörigen hat, sonst könnte es sein, das du aus diesem Gespräch alles andere als gestärkt raus gehst.


    Stelle dir mal folgende Fragen, die ich ehrlich meine, und die bei mir immer wieder auftauchen bis heute:
    1. Was möchte ich für einen Partner?
    denn derjenige der trocken wird ändert sich, der will "plötzlich" mitreden, diskutieren, früher konnte /mußte ich handeln, da blieb keine Zeit um mit jemanden zu reden der an- oder betrunken war.


    2. Bin ich bereit, nochmal neu anzufangen?
    Wie ich nass mit ihm "umgehen" mußte, hatte ich ja gelernt. Ich habe es über Jahrzehnte erlebt, da ging auch Respekt verloren, und natürlich Vertrauen.
    Will ich mich darauf einlassen, ohne zu wissen was wird, ob er/ sie trocken bleibt, denn es gibt keine Garantien.
    Alkohol ist eine Rückfallerkrankung.


    Du brauchst eine grundsätzliche Entscheidung für dich unabhängig von den beiden Damen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Dyonysos,


    mit 28 Jahren kann man natürlich nicht in einer Woche abschließen. Ist doch verständlich.


    Du schreibst:



    Mir würde die Frau von vor 3-4 Jahren reichen, da sind mir noch keine Exzesse bekannt, zumindest nicht aufgefallen - auch keine gravierende Persönlichkeitsveränderung,


    Auch die Frau von vor 3-4 Jahren wird sie nie wieder werden. Es gibt hier keinen Reset - Knopf, der deine Frau wieder in den alten Zustand zurückbringt . In den letzten Jahren ist viel passiert und eine Suchterkrankung hinterlässt starke Schäden, die nicht mal so einfach zu beseitigen sind.


    Natürlich wünsche ich Deiner Frau, dass sie jetzt eingesehen hat, dass sie krank ist und es schafft, den langen Weg in ein trockenes Leben zu gehen.


    LG
    Carmen

  • Das fallen lassen ist sehr schwer, ich weiß es, aber im Zusammenleben mit einem nassen Alkoholiker muß das Herz weichen, und die Vernunft an erste Stelle gesetzt werden.

    Sie hatte ja immer längere Phasen, wo ich auch im Nachhinein betrachtet sicher bin, dass sie nicht getrunken hat, da war alles schön in unserer Beziehung. Saufen tut sie in erster Linie, wenn sie alleine oder "nur" mit mir ist, im Urlaub (wenn wir mit Freunden im Urlaub waren, tat sie es z. B. NIE!) oder an Wochenenden, an denen nichts besonderes ansteht - sprich kein Kontakt mit anderen zu erwarten ist.

    Das er trocken werden könnte, daran habe ich im Traum nicht gedacht, diese Hoffnung hatte ich aufgegeben.

    Bei mir lebt die Hoffnung noch..

    Wichtig ist, das du wirklich nur das ankündigst, was du auch einhalten kannst. Ich habe damals während der Entgiftung ein Paargespräch abgelehnt

    Naja, "Entgiftet" ist sie ja bereits bei der Einlieferung in die Klinik gewesen, sie bräuchte eine psychologische Suchttherapie. Was meinst du damit, nur ankündigen, was ich einhalten kan? Ich würde mir für das Paargespräch gerne ein paar Punkte notieren, damit ich in der Aufregung auch nichts vergesse.
    Meine Punkte bis jetzt wären:
    1. Klar stellen, dass die Trennung nicht "auf Probe" angelegt ist, sondern ich mir nicht vorstellen kann, eine solche Beziehung weiter zu führen (auch wenn ich insgeheim noch Hoffnungen hege, will/muss ich diese harte Linie fahren)
    2. Ich will, dass sie den engsten Familienkreis (v. a. meinem) und Freundeskreis offen mitteilt, dass sie eine Alkoholsucht entwickelt hat und wir in Trennung leben
    3. Ich möchte auch weiterhin, dass sie mich nicht anruft oder Nachrichten schickt.


    Was könnte /sollte ich noch aufnehmen?
    Wie gesagt, sie hat unserer Freundin mitgeteilt, dass sie es mir schriftlich gibt, dass ich mich im Falle, dass sie auch nur einen Tropfen trinkt, sofort scheiden lassen kann. Weiterhin will sie zu einer Suchtberatung und den AA gehen, im August evtl. zu einer mehrwöchigen Therapie, zudem täglich einen Alkoholtest - eigtl. Anzeichen, dass sie es ernst meinen könnte. Sollte ich bezüglich Therapie irgendwas verlangen / vorschlagen oder geht mich das gar nichts mehr an?


    Ich war doch genauso am Ende wie er, da wäre mir Paargespräch in die völlig falsche Richtung gegangen, ich arbeite in diesem Bereich, und weiß, was Therapeuten da manchmal von Angehörigen erwarten.

    Was erwarten die von mir? Ich fahre ja eine harte Linie, werde versuchen, eher zurückhaltend aufzutreten und mich an meinen o. g. Punkten fest zu halten. Ich gehe Stand jetzt davon aus, dass ich einigermaßen gefasst bin, dass hängt natürlich auch von den Reaktionen meiner Frau ab. Ich schäme mich aber auch nicht für Tränen, sollte es soweit kommen.


    Stelle dir mal folgende Fragen, die ich ehrlich meine, und die bei mir immer wieder auftauchen bis heute:
    1. Was möchte ich für einen Partner?
    denn derjenige der trocken wird ändert sich, der will "plötzlich" mitreden, diskutieren, früher konnte /mußte ich handeln, da blieb keine Zeit um mit jemanden zu reden der an- oder betrunken war.

    Sie war ja nicht ständig betrunken, also weiß ich ja, wie sie "normal" tickt. Ihren Job hat sie ja auch - mit Ausnahme der letzten Monate - ganz gut gemeistert. Was ich NICHT will, ist ein Partner, der sich nicht mehr für mich interessiert, unzuverlässig ist, der Dinge / Termine vergisst, der seine Tage auf der Couch verbringt, meist schlafend, ständig die selben Sachen erzählt oder die selben Fragen stellt.


    2. Bin ich bereit, nochmal neu anzufangen?
    Wie ich nass mit ihm "umgehen" mußte, hatte ich ja gelernt. Ich habe es über Jahrzehnte erlebt, da ging auch Respekt verloren, und natürlich Vertrauen.
    Will ich mich darauf einlassen, ohne zu wissen was wird, ob er/ sie trocken bleibt, denn es gibt keine Garantien.
    Alkohol ist eine Rückfallerkrankung.

    Diese Frage macht mir am meisten zu schaffen. Ich kann es nicht abschätzen, wie ihre Prognose aussehen könnte. Ich habe denke ich (noch) die Kraft, neu anzufangen - ein neuerliches Scheitern wäre aber für mich nicht wirklich gut, ich bin mir auch nicht sicher, wie viel Einfluss das mangelnde Vertrauen auf die Beziehung haben könnte. Zudem würde ich für den Neustart mit IHR den Neustart mit meiner Freundin aufgeben. Auch dafür gibt es natürlich keine Erfolgsgarantie, aber ich würde dieser vertanen Chance stak hinterher trauern, sollte das Experiment mit meiner Frau schief gehen.


    Du brauchst eine grundsätzliche Entscheidung für dich unabhängig von den beiden Damen.

    Davon bin ich im Moment meilenweit entfernt, ich lerne aber gerade, dass sich die Ereignisse überschlagen und manche Dinge sich von selbst fügen. Ich plane, nichts zu überstürzen und mir noch etwas Zeit einzuräumen, darum habe ich auch meine Freundin gebeten, die mich mit ihrer Liebe fast schon erdrückt. Allerdings rechnet sie schon mit mir für die Zukunft.

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