Einen anderen Weg eingeschlagen

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo Cadda und hallo liebes Forum,


    ich muss zugeben, dass ich meistens spannende Geschichten höre.
    Ein paar Ratgeber habe ich mir jetzt auch mal runter geladen. Da habe ich ein ernstes Thema sehr witzig verpackt gefunden. " So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund" von Marco von Münchhausen.
    Auch der Sprecher gibt das ganze sehr schmunzelnd wider. Sehr unterhaltend.


    Ich habe, was das angeht, ja gerade so meine Schwierigkeiten. Mich aufzuraffen.
    Aber immerhin mache ich seit einer Woche wieder regelmäßig Sport. Das ist ja schon mal etwas.


    Ostern habe ich ganz ruhig verbracht und habe jetzt im Anschluss auch direkt eine Woche Urlaub.
    Auch wenn ich im Home-Office arbeite, ist es total schön, auszuschlafen, abends mal nicht auf die Uhr gucken zu müssen und nicht ständig am PC sitzen zu müssen.
    Das ist jetzt auch erst mein zweiter nüchterner Urlaub. Eine komplett andere Qualität.


    Ich finde das Wetter im Moment auch so total gemütlich mit Schnee und Sturm. Da kann ich mich schön auf die Couch kuscheln, Filme gucken oder anderen Hobbies nachgehen.
    Nur spazieren gehe ich im Moment nicht *g*


    Vor einer Woche hatte ich mein 8-monatigen Trockentag.
    Es ist irre, wie die Zeit vergeht.


    Alles Liebe euch allen.

  • Hallo ihr Lieben,


    jetzt schreibe ich auch mal wieder hier im offenen Bereich.


    Danke Mari für deine Glückwünsche. :)


    Mir geht es heute gut.


    Gestern war wieder "einer dieser Tage".

    Ich war den ganzen Tag über total geschlaucht, meine Pankreas hat sich zu Wort gemeldet und geschmerzt.

    Darum habe ich es ruhiger angehen lassen. Am späten Nachmittag sogar noch etwas geschlafen.


    Angefangen hat es morgens mit einem plötzlichen Gefühl der Übelkeit, welches dann in eine Art Angst umgeschlagen ist.

    Ich habe schon gemerkt, dass sich da eine Panikattacke anschleichen könnte.


    Ich habe dann mit einer AA-Freundin telefoniert und kurze Zeit später ging es auch wieder besser. Aber ich war geschlaucht.


    Ich weiss ja inzwischen um diese Gefühle, die scheinbar aus dem Nichts kommen können. Natürlich ist nicht nichts. Es hat einen Grund. Ich kenne diesen Grund auch und irgendwie beruhigt mich das auch wieder etwas.


    Und ich weiss auch inzwischen, was mein Körper dann braucht. Ruhe.


    Wie oft habe ich zu Trinkerzeiten die Signale meines Körpers und meiner Psyche ignoriert. Wie war ich da eigentlich lebensfähig? Dass ich nicht komplett zusammengebrochen bin, erscheint mir heute wie ein Wunder.


    Oft stelle ich mir auch die Frage, bin ich empfindlicher geworden oder merke ich es heute einfach wenn mein Körper Ruhe braucht, weil ich mich nicht mehr "wegmache"?


    Im Grunde ist das aber egal.

    Falsch scheint meine Handlung in dem Moment nicht zu sein, denn heute geht es mir wieder gut.

    Motiviert, ausgeschlafen, lebensfroh.


    Das Leben ohne Alkohol ist schön. :)


    Ich wünsche euch allen einen guten Start in den Tag.

    Liebe Grüße


    Twizzler

  • Hallo Twizzler,


    freut mich sehr, dass du die Krisensituation so gut bewältigt hast. Das zeigt, dass du das richtige Handwerkszeug im Gepäck hast, um dich wieder zu regulieren. So schlimm es in dem Moment auch ist, danach geht man gestärkt aus sowas raus. Und so aufwühlende Ereignisse gehören zum Leben ja dazu, wichtig ist, da durchzuschippern, ohne selbst Schaden zu erleiden. "Egal, was kommt, ich kann mich auf mich verlassen und kann darauf vertrauen, dass ich die richtigen Strategien wähle, um da wieder rauszukommen." Strategie Alkohol? - nope :mrgreen:


    Ich finde bei mir übrigens nicht, dass ich empfindlicher geworden bin. Nur aufmerksamer, was mein Befinden angeht, achtsam würde ich sagen. Ich befasse mich endlich mit mir mehr als mit meinem Umfeld, ich sehe das quasi als tägliche First Dates mit mir selbst :mrgreen:


    Und mal ehrlich, wenn man einen mentalen Wirbelsturm durchlebt hat, wie du vor Kurzem, ist es doch kein Wunder, dass der Körper Ruhe einfordert. Dafür lassen sich die freien Tage jetzt gut nutzen, ich wünsche dir weiterhin ganz viel Erholung und Freude :)


    Mari

  • Hallo liebe Mari,


    danke für deine Worte.


    Es ist schon komisch. Obwohl ich mir selber diese Ruhe inzwischen durchaus eingestehen und einfordern kann, tut es doch immer wieder gut, es auch nochmal von anderen zu hören, dass es ok ist. :)


    Ja, aufmerksamer geworden, finde ich sehr gut formuliert.


    Es ist wirklich ein Erlebnis, der Weg in die Trockenheit. Nicht immer schön, aber aufregend. Sich selber zu beobachten, kennenzulernen.


    Das ist z.B. auch der Grund, warum ich zur Zeit keinen Partner an meiner Seite haben möchte. Ich bin viel zu viel damit beschäftigt rauszufinden, wer ich eigentlich bin. Wer ist Twizzler wenn sie sich nicht mehr wegmacht. ^^


    Eine spannende Reise.


    Gleich bekomme ich noch Besuch von einer lieben Freundin und wir zocken etwas. Die habe ich schon soo lange nicht mehr gesehen und ich freue mich sehr.


    Andererseits schaffen mich soziale Kontakte auch immer ein wenig. So schön es auch ist, es ist auch immer mit etwas Anstrengung verbunden.

    Ich bin ein eher introvertierter Mensch.


    Aber jetzt weiss ich ja, dass ich mir dann einfach ein wenig Ruhe gönnen darf. :)


    Ganz liebe Grüße


    Twizzler

  • Hallo Twizzler


    Deine Berichte lassen mich lächeln. Ich werde durch sie an meine ersten Erfahrungen als trockener Alkoholiker erinnert. Wie ein kleiner Schuljunge habe ich die reale Welt nach über 10 Jahren Sucht in meinen Seelenschwamm aufgesogen, und ich spürte mich wieder selbst. Das liess mich dann auch schon mal gefühlsmässig zu einem Höhenflug ansetzen, und ich liess Euphorie zu.


    Für mich war das allerdings nicht gut. Es setzte bei mir bei starken Emotionen Suchtdruck ein, und das oftmals nicht nur in dem starken Wunsch, jetzt Alkohol trinken zu wollen, sondern auch mein Körper holte alle Anzeichen von Entzug hervor. Mein Herz begann zu rasen, Schweissausbrüche, Angstgefühle, Händezittern und so weiter waren dann angesagt. Glück, Trauer, Scham, Aufregung sind starke Gefühle, und die konnte ich ja nicht mehr mit Alkohol betäuben, sondern ich musste sie aushalten. Das hat mich damals sehr viel Kraft gekostet, und ich war auch sehr enttäuscht von mir, ja sogar wütend, warum denn solche Gefühle mich in so eine Bedrägnis brachten. Starke Gefühlsschwankungen wie von Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt brachten mich oft an den Rand meiner Kräfte.

    Nun, die Lösung war sehr einfach, denn zu all diesen Gefühlen hatte ich als nasser Alkoholiker das Gegenmittel den Alkohol, der mich abstumpfte und diese Gefühle aushalten liess.


    Mit den Jahren wurde es besser und besser. Das Glück suche ich schon lange nicht mehr, sondern meine innere Zufriedenheit ist der beste Schutz für mich gegen Suchtdruck. Das dauerte allerdings einige Zeit, das zu begreifen.


    Verstehe mich nicht falsch, ich gönne Dir von Herzen diese wunderbare Zeit.


    Sei aber bitte wachsam.


    Viele Grüße von Lutz

  • Schönen guten Morgen lieber Lutz,


    danke für deinen Beitrag bei mir.


    Kommt es in meinen Beiträgen so rüber, als wenn alles bei mir zur Zeit himmelhochjauzend wäre?

    Nein, das ist es ganz und gar nicht.


    Gestern hatte ich z.B. so einen Tag, an dem ich morgens schon irgendwie nicht sonderlich gut drauf war.

    Ein kleines Erlebnis brachte mich dann erst einmal ordentlich ins Selbstmitleid und in die Opferhaltung. Und dass das nicht ungefährlich ist, weiss ich.


    Ich bin dann erst einmal raus. Eine Stunde Natur tanken und allmählich wurde es dann auch besser.


    Abends war aber wieder irgend ein Gefühl da, was ich nicht richtig greifen konnte. Ich war leicht depri und bin dann auch nicht zu spät ins Bett.

    Die Nacht habe ich 10 1/2 Stunden geschlafen. Dafür geht es mir heute aber auch wieder besser.


    Ich denke, dass ich durch viele Meetings und Gespräche mit meinen AA-Freunden ganz gut aufgestellt bin. Sie geben mir Kraft und bringen mich oft auf den richtigen Weg zurück. Das ist u.a. mein Teil der Trockenarbeit.


    Ich wünsche euch allen einen gemütlichen Sonntag.


    Liebe Grüße


    Twizzler :)

  • Hallo Twizzler


    Bei Himmelhoch jauchzend habe ich von mir gesprochen. So wie es Dir im Moment geht kommst Du natürlich nicht euphorisch rüber. Ich habe mich durch Deinen Post an meine erste Zeit erinnert, und Dir wollte ich mit meiner Erinnerung vermitteln, dass auch und gerade, wenn es mir gut geht, die Gefahr weiterhin da ist.


    Viele Grüße von Lutz

  • Hallo lieber Lutz. Ok, dann habe ich das falsch verstanden. :)

    Danke für die Aufklärung.


    Heute scheint es mir schon besser zu gehen. Ich habe angefangen in meine Wohnzimmer aufzuräumen bzw mal ordentlich zu putzen u d daraus ist jetzt irgendwie so eine Art selbstläufer geworden.

    Ich bin ziemlich zufrieden. Wenn man mal einen Lauf hat, kann man ihn ja auch nutzen. Ich bin nämlich leider ein sehr fauler Mensch. Putzen ist mir ein Graus.


    Noch ein paar Kleinigkeiten jetzt und dann lasse ich es auch gut sein für heute. Aber ich freue mich. :)

  • Schönen guten Morgen ihr Lieben,


    ich schreibe das jetzt mal bewusst in den offenen Bereich, damit es diejenigen lesen können, die neu bei uns im Forum aufschlagen.


    Zur Zeit ist es gerade so, dass ich mich durch den Vorstellungsbereich ganz stark an eine Zeit erinnere in der ich noch getrunken habe oder immer wieder kurze Trinkpausen eingelegt habe.


    Ich kam hier an und habe erstmal alles was mir die alten Hasen geraten haben, mit einem "Ja, aber....." abgetan.


    - aber, ich bin anders

    - aber, ich kann das auch alleine schaffen

    - aber, ich bin ja nicht so tief unten

    - aber, ich habe nicht regelmäßig getrunken

    - aber, aber, aber (ihr könnt hier gerne beliebig ergänzen ;) )


    Ich war immer der Meinung, dass ich keine Hilfe brauche.


    Arzt? Nee, ich möchte nicht, dass das bekannt wird. Ich versuche es lieber erst einmal so.

    Hilfe? Nee, die brauche ich nicht. Ich bin eigentlich ein willensstarker Mensch. Das schaffe ich alleine.


    Es hat lange bei mir gedauert, bis ich verstanden habe, dass es für mich einfach nicht reicht, nur nicht zu trinken. Ich habe eine Krankheit. Eine tödliche Krankheit.

    Ich muss aktiv werden und an meiner Trockenheit arbeiten.


    An einem Tag letztes Jahr war ich dann verzweifelt genug, nach etlichen Versuchen es "alleine" zu schaffen, dass ich mir Hilfe gesucht habe.


    Und diese Hilfe hat die letzten zehn Monate für mich komplett geändert. Zum ersten Mal in meinem Leben, durfte ich das erste Glas stehen lassen und war dabei glücklich.


    Mein Leben ist nicht nur rosarot und ich bin noch ganz am Anfang. Von daher steht es mir vielleicht gar nicht zu, solche einen Text zu schreiben.

    Und ich habe auch noch genug schlechte Momente in meinem Leben.

    Aber es fühlt sich anders an diesmal.


    Ich arbeite täglich an meiner Trockenheit und ich mache es gerne.

    Ich verbinde mich täglich mit anderen trockenen Alkoholikern. Sei es hier, in anderen Gruppen oder durch meine SHG´s.

    Ich lese Literatur, gehe in Meetings, rede.


    Trotzdem bin ich nicht davor gefeit, dass es auch mal ganz anders aussehen kann. Dass der Suchtdruck mit einem Mal urplötzlich auftaucht und mich umhauen möchte. Aber ich bin dann zumindest gut aufgestellt. Weil ich viele Menschen um mich herum habe, die mich verstehen.


    Trockenheit bedeutet für mich Arbeit. Es ist aber eine Arbeit, die ich sehr gerne mache, weil ich so viel da raus ziehen kann. Neue Freundschaften, neue Ansichten und ein ganz neues Gefühl für meinen Geist und meinen Körper.


    Ohne diese Hilfe hätte ich weiter getrunken und ohne diese Hilfe werde ich auch wieder trinken. Das weiss ich ganz genau.


    Heute kann ich die Beiträge von langjährig Trockenen mit ganz anderen Augen lesen als damals. Früher habe ich mich sofort angegriffen gefühlt. Dass diese Beiträge aber einfach von sehr viel Erfahrungen her stammen, wollte ich nicht sehen.


    Danke an alle, die sich hier so toll einbringen und ein ganz tolles Forum auf die Beine stellen. Eure Erfahrungen und Geschichten sind so hilfreich für mich. <3<3<3

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