Wer nicht trinkt, braucht eine Ausrede?!

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  • Deutschlandfunkkultur - 17.05.2021


    https://www.deutschlandfunkkul…GOE9lM_tIJu_aQEXgJKFfHhuM



    Anscheinend müssen sich nicht nur trockene Alkoholiker, sondern auch andere rechtfertigen, wenn sie

    nicht mit Alkohol anstossen wollen?


    Ist das wirklich so?


    Ich habe bisher immer nur positive Erfahrungen gesammelt. Und ich wurde noch nie genötigt

    etwas Alkoholisches zu trinken.


    Ist es eher "unnormal" bei einer Zusammenkunft, egal welcher Art, keinen Alkohol zu konsumieren?


    Wie sind Eure Erfahrungen?

    Das Leben ist nicht immer einfach, aber eindeutig einfacher ohne Alkohol zu bewältigen!

    *06.01.2013*

  • Hallo Elly ,

    danke für dieses Thema

    Ist es eher "unnormal" bei einer Zusammenkunft, egal welcher Art, keinen Alkohol zu konsumieren?

    ich rolle es mal von hinten auf.


    In der nassen Zeit war es für mich unnormal, wenn jemand keinen Alkohol trank. Warum konnte ich nicht verstehen, da Alkohol allgegenwärtig für mich war.

    Aus dieser paradoxen Sicht heraus, hatte jeder der nicht trank ein Problem. Das ich das Problem war, war mir nie in den Sinn gekommen. Ich fragte dann auch warum er keinen trank.

    Heute sehe ich es anders und diejenigen die es wissen das ich keinen Alkohol mehr trinke, fragen auch nicht mehr und die mich fragen ob ich ein Problem habe, kehre ich es mit einer offenen Frage um. „Hat derjenige der keinen Alkohol trinkt ein Problem oder derjenige der ihn trinkt“ Wird dann ruhiger in der Runde da viele ihr eigens Trinkverhalten auf den Prüfstand stellen.


    Aber nun zum Thema zu kommen. Ja es kommt immer wieder mal vor das es eine Ausrede braucht. Nicht jeder hat den Mut sich öffentlich das Schild „trockener Alkoholiker, um den Hals zu hängen. Aber meist auch nur da, wo es ein alkoholdurchtränktes Umfeld ist.


    Entschuldigen das man keinen Alkohol trinkt braucht man nicht. Ich esse auch keine Artischocken, da fragt mich auch keiner.

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Glücklicherweise habe ich diese Erfahrung noch nicht gemacht. Ich habe auch in nassen Zeiten bei Zusammenkünften öfters nichts getrunken, weil ich keine Geselligkeitstrinkerin bin. Das tat ich lieber in meinen vier Wänden, wenn ich mich ganz in meine Welt zurückziehen konnte und mich niemand von außen "bewertete". Da konnte ich mich dann fallenlassen, so sein, wie ich bin, musste nichts vorspielen, keine Haltung wahren.


    Bisher bin ich auch noch nie damit angeeckt, es wurde kommentarlos akzeptiert, dass ich nichts trinke. Habe auch oft das Auto dabei, dann gibt es da keine Diskussionen oder dummen Fragen.

  • Moin


    Das ist, denke ich, eine Frage der Sichtweise. Solange ich trank war es mir suspekt, wenn einer nicht trank. Heute ist mir klar, dass es für "Normale" völlig irrelevant ist, ob und was andere trinken.

    Auffallend ist, dass viele neue sich große Gedanken darüber machen, wie sie sich in ihrem Umfeld rechtfertigen, weil sie nicht mehr trinken.

    Ich selbst habe gute Erfahrungen gemacht, mein enges Umfeld war und ist stolz auf mich, ansonsten war es nicht von Interesse.


    PB

    Nichts ist schlimmer als die Weltanschauung derer, die sich noch nie die Welt angeschaut haben.

  • Also bei einigen Anlässen ist es auch immernoch "unnormal" nix zu trinken ... habe allerdings noch nicht erlebt, dass ich deswegen ausgegrenzt oder sonstwas war...


    Es gibt tausende Grübe für nicht - Alkoholiker nix zu trinken, das ist gut und anerkannt aber oft noch nicht "normal"...


    Im normalfall reicht sowas wie:


    ich habe keine Lust

    ich muss noch fahren

    ich nehm' Medikamente

    ich darf nicht

    ich will nicht


    oder mein Standard:

    "Mein Lebenspensum ist schon voll, danke"


    und das wird akzeptiert


    Grüße


    Barthell

  • Die Frage stellen sich häufig Neueinsteiger in die Abstinenz, gerne getragen von der völlig unbegründeten Befürchtung, mangels Alkoholkonsums nun mehr ein trost- und freudloses Dasein als Mauerblümchen fristen zu müssen.


    Ich brauche keine Ausrede (mehr). Ich trinke nichts, weil es mir nicht (mehr) bekommt und es mir "ohne" bedeutend besser geht. Ich kann mich schon gar nicht mehr so recht erinnern, wann ich das letzte mal gefragt worden bin, ob und warum ich nichts trinke. Für meine Umgebung ist es völlig normal, das ich keinen Alk konsumiere.


    Ich räume jedoch gerne ein, dass ich in der Anfangszeit schon gerne mal eine Ausrede analog Barthels Vorschlägen vorgeschoben habe, da ich sicherlich nicht jedem Fragenden meinen Gesundheitszustand auf die Nase binde.

  • "ich nehm lieber ne Cola"

    "ja trinkst du denn gar keinen Alkohol?"

    "nein"

    "warum nicht"?

    "weil der Alkohol und ich keine Freunde sind - wir mögen uns nicht"

    "aha"... (dieses "aha" liebe ich so... hihi)


    das ist ein Beispiel, wie das bei mir jetzt ablaufen kann.

    Mache aber eher die Erfahrung, dass ich kein Aufsehen damit errege, da - so scheint mir - vermehrt viele Leute merken, was der Alkohol so bewirkt und kaputt macht.

  • Noch während der Langzeittherapie habe ich mir darüber viele Gedanken gemacht:

    - wie wird das wohl werden?

    - hoffentlich fragt mich keiner

    - Soll ich sagen, daß ich Alkoholiker bin?


    Nach der Therapie habe ich zuerst mal alle Zusammenkünfte gemieden, die potentiell nach Alkohol "riechen".

    Aber irgendwann kam dann das erste Mal, mit Kollegen auf dem Weihnachtsmarkt. Da hatte ich mir einen heissen Kakao bestellt und der Thekenmann wollte mich "überreden", doch einen kleinen Schuß mit rein zu tun.

    Überraschenderweise hat dann ein klares "Nein!" von mir gereicht und ich hatte meinen Kakao.


    Es kam zwar mal die Frage von Kollegen, "willste kein Sektchen?" Aber auch da reichte ein kurzes "Nein".


    In all den trockenen Jahren danach ist es mir vielleicht noch 3-4 mal passiert, daß gefragt wurde; es wurde aber nie penetrant nachgehakt.

    "Danke, ich trinke keinen Alkohol" - hat hier immer völlig ausgereicht.

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • Ich trinke äußerst selten Alkohol und wenn ich so darüber nachdenke, hat mich noch nie jemand gefragt, warum ich keinen trinken würde. Ich wäre ehrlich gesagt auch über so eine Frage etwas erstaunt. Es gibt doch so viele Menschen, denen es einfach nicht schmeckt oder die aus anderen Gründen nichts alkoholisches trinken.

    „Nein, für mich nicht und gut ist es.“

  • Ich brauche keine Ausrede mehr und mir macht es auch nichts mehr aus, nichts zu trinken, wenn es alle anderen tun.

    Ich bin inzwischen zufrieden abstinent und ich will einfach keinen Alkohol mehr trinken.

    Ich will diese Wirkung in meinem Kopf nicht.


    Und ich habe auch Angst, dass der Schalter, der in meinem Kopf umgelegt zu sein scheint, sich nicht wieder dahin umlegen könnte, wo er jetzt ist, wenn ich doch nochmals Alkohol konsumieren sollte.


    Und weil ich keinen Alkohol trinken will, macht es mir auch nichts aus, freundlich, aber dankend abzulehnen, wenn mir jemand Alkohol anbietet.


    Gut, schlimmstenfalls kann ich tatsächlich einen guten Grund nennen. Ich nehme Medikamente.


    Ich denke, es ist eine Kopfsache, ob es mir was ausmacht, was andere über mich denken könnten.



  • Um in einer großen und lauten Gesellschaft nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, befeuchte ich einfach die Lippen und stelle das Glas beiseite. Wenn der Gästekreis eng ist oder dies aufgrund bestimmter Umstände nicht möglich ist, sage ich ein klares „Nein“ und versuche, die Aufmerksamkeit auf das Geschehen zu lenken – auf das Gericht der Gastgeberin etc.

  • Um in einer großen und lauten Gesellschaft nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, befeuchte ich einfach die Lippen und stelle das Glas beiseite. Wenn der Gästekreis eng ist oder dies aufgrund bestimmter Umstände nicht möglich ist, sage ich ein klares „Nein“ und versuche, die Aufmerksamkeit auf das Geschehen zu lenken – auf das Gericht der Gastgeberin etc.

    Dh in grossen Gesellschaften verbirgst du es?

  • Hallo Elly und alle,


    Zitat

    Anscheinend müssen sich nicht nur trockene Alkoholiker, sondern auch andere rechtfertigen, wenn sie

    nicht mit Alkohol anstossen wollen?


    Ist das wirklich so?


    Das habe ich schon so erlebt.

    Auch das Gegenteil.

    Wie ich damit umgehe, ändert sich natürlich im Laufe meines trockenen Lebens.


    Und ich glaube, wie selbstverständlich ich es nehme, dass ich keinen Alkohol trinke, verändert den Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft - zunächst mal in meinem Umfeld, aber wer weiß schon, wie weit das auch in die „Gesellschaft“ hinein wirkt.


    Manchmal, wenn mich jemand nach dem Grund/den Gründen fragt, warum ich nichts Alkoholisches (mehr) trinke, erzähl ich was von meiner Geschichte und/oder der Krankheit Alkoholismus. Aber ich habe in der Vergangenheit auch erfahren, dass gerade die Selbstverständlichkeit, die keine Rechtfertigungen sucht, etwas verändert.


    Gruß,

    Thalia

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