achelias Alkohol

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  • - Wann fängt das an? Hätte ich es wirklich vorher stoppen können? Ich dachte ja schließlich, dass es "normal" wäre, viel zu trinken. Ich war ja schließlich jung und alle um ich herum haben auch so ein Trinkverhalten an den Tag gelegt. Wenn mir Zweifel kamen, ob das normal ist, dann habe ich mir das schön geredet.

    - Deshalb glaube ich persönlich, dass ich schon in meiner Jugend alkoholkrank war.

    - Zum Thema, weshalb man vorher nicht beeinflussen konnte, mit dem Trinken aufzuhören ….


    Ich weiß nicht, ob man nicht vorher aufhören konnte – sicher kommt irgendwann der Punkt, wo man nicht mehr kann.

    Ich glaube, man sollte viel früher seine Gedanken ansetzen. Wir werden sehr früh mit Alkohol konfrontiert, als Kind schon … im Elternhaus, im Fernsehen/ Werbung, bei Freunden und Bekannten, überall in der Gesellschaft. Praktisch tagtäglich und immer wieder werden uns angenehme Situationen vermittelt (Geburtstag, zur Feier des Tages, nach Beendigung eines anstrengenden Tages, nach der Beerdigung, zu Konfirmation/ Jugendweihe, Silvester usw.). Alles ist positiv besetzt.


    Wenn wir klein sind dürfen wir an diesem Konsum nicht teilnehmen, wir sind ja noch klein … sind ausgeschlossen. Aber dann mit 14 … 16 Jahren darf man endlich, die verhängnisvolle Fahrt beginnt.

    Die Vorbilder aus Kindertagen sind geblieben. In der Jugend geht`s weiter, ebenso als junge Erwachsene … . Besonders Männer animieren Männer, man will dazu gehören, stark (trinkfest) sein. Anfänglich schmeckt Alkohol überhaupt nicht … man gewöhnt sich daran.

    Alle wissen, Alkohol ist nicht gesund – es wird verharmlost, beschönigt (siehe Feiern etc.).


    In der Schule wird man mit allerlei Wissen vollgestopft, wie das Leben in der Familie aussehen sollte/ könnte (soziale Beziehungen) oder gar Alkohol wird sträflich vernachlässigt, falls überhaupt erwähnt.


    (Zitat: Deshalb glaube ich persönlich, dass ich schon in meiner Jugend alkoholkrank war.) Diese „Krankheit“ wurde mit Sicherheit in der Jugend sehr gefördert, es wurde der Grundstein gelegt.

    Wie will ich mich als nicht gefestigtes, formbares Kind dem entziehen. Überall bekomme ich zwar gesagt, Alkohol ist nicht gut, man darf aber und vorgelebt (!) bekomme genau das Gegenteil aller Predigten.


    Irgendwann ist man 40 oder 60 und merkt, man hat ein riesen Problem. Über Jahrzehnte antrainiert, kann man es eben nicht so einfach stoppen. Die körperliche Entgiftung geht relativ schnell, nach 10 … 20 Tagen ist das Gift aus dem Körper ist raus, er benötigt es nicht mehr.


    Da bleibt „nur noch“ der Kopf. Wie bekommt man da den „Sanitäter in der Not“ (Alkohol-Grönemeyer) wieder heraus?


    Es ist ja eine Krankheit, die Sucht ist daran Schuld (sorry: dafür verantwortlich). Mir wird unbewusst suggeriert, ich kann nichts dafür.

    Die Einsicht ist zwar da, doch fehlt die Kraft/ der Wille. Dazu kommt die tagtägliche Versuchung.


    Demzufolge muß man im „Alter“ das erlernen, was in jungen Jahren versäumt wurde.

    Lernt der Mensch wirklich nur durch Schmerzen (Tiefpunkt) ?

  • Ich glaube nicht, dass der Mensch nur durch Schmerzen (Tiefpunkt) lernt. Also ich habe jedenfalls schon viel früher gewusst, dass ich Alkoholikerin bin und eines Tages auch aufhören werde zu trinken. Ich wusste schon sehr lange, dass ich aussteigen muss. In Handlung konnte ich dann aber erst kommen, als ich weit genug unten war, was wiederum meinen Willen dann gefördert hat.


    Das was Du beschreibst, ist alles vollkommen richtig. Es wird zwar gesagt, dass Alkohol nicht gut ist, die Gesellschaft lebt aber etwas anderes vor. Deshalb fahre ich bei meinen Kindern auch die Schiene, dass ich sie nicht mit meinen Erfahrungsberichten verschone, sofern sie diese nicht selbst erleben mussten. Ich will ihnen keine Angst machen. Nicht jeder, der mal Alkohol trinkt, wird abhängig. Ich stelle mich auch darauf ein, dass sie mal etwas trinken werden. Was sie von mir aber nicht hören werden ist, dass es normal ist, weil Andere das auch tun. Sie wissen genau, wie schnell man in eine Abhängigkeit rutschen kann. Ich selbst rede völlig offen über die Alkoholabhängigkeit, ihr Opa ist seit 30 Jahren trocken und fängt neuerdings auch an, offener mit dem Thema umzugehen, innerhalb der Familie. Das alles angetrieben durch meinen ehemaligen Schwager, der nun letztes Jahr im Sommer erkannt hat, dass er abhängig trinkt und ebenfalls auf Alkohol verzichtet. Wir klammern das Thema nicht aus. Wir machen dadurch bewusst, wie es laufen kann bzw. wie es enden kann.


    Als ich Kind war, wurde mir zwar auch gesagt, dass man Alkoholiker werden kann. Als Beispiel wurde immer jemand aus dem Dorf genannt, der mal ein ganz erfolgreicher Arzt war und zum Schluss im Keller gelebt hat und eingenässt bei uns in den Schulbus gestiegen ist. Klar sieht man dann als Kind "Ok, das kann passieren". Dass es aber etliche Menschen um einen herum gibt, die eben nicht bereits im Keller wohnen und dennoch bereits abhängig trinken, das hat man damals nicht so empfunden. Die trinken halt alle mal einen über den Durst und gut ist. Da fühlte man sich dann gleich total normal, dass man eben auch als Jugendliche oft getrunken hat.


    Bei meinen Eltern spielte Alkohol keine große Rolle. Es wurde mal auf einer Party Alkohol getrunken, im Alltag aber nie. Nicht einmal zu Weihnachten kam bei uns Alkohol zum Essen auf den Tisch. Hinterher mal ein oder zwei Gläser Wein oder ein oder zwei Biere, an denen sich den ganzen Abend von den Erwachsenen aufgehalten wurde, aber das wars. Wenn kein Feiertag mit Besuch oder keine Party wegen eines runden Geburtstages war, dann gabs zu Hause gar nichts. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter oder mein Vater mal zum Essen Alkohol getrunken haben, auch nicht wenn es ein besonderes Essen gab, wozu es in vielen Familien einen "guten Wein" dazu gibt. Bei uns gabs Cola zum Essen oder Selter, fertig.


    Von daher wurde es mir absolut nicht vorgelebt. Mein Opa hat gern was getrunken und selbst da wurde mir als Kind immer vermittelt, dass das nicht richtig ist, wie das abläuft. Trotzdem wurde ich abhängig. Weil in meinem Freundeskreis gesoffen wurde, ohne Ende. Ich bin auf dem Dorf groß geworden. Scheunenfeten und Zeltdiscos waren an der Tagesordnung. Es gab im Dorf einen Treffpunkt, wo man sich zu jeder Zeit treffen konnte. Einer war immer da und hatte ebenfalls "Durst". Ich fand es wie gesagt völlig normal in jungen Jahren besoffen zu sein am Wochenende. Es dauerte ziemlich lange, bis ich mich fragte,, ob es nicht vielleicht ein bisschen viel ist, jedes Wochenende zu trinken.


    Bis der Alkohol auch in meinen Alltag einzog und ich ihn auch in der Woche ohne Besuch trank, das dauerte sehr lange. In meiner Ehe war das noch nicht der Fall. Erst nach der Scheidung, da war ich so Anfang 30. Die letzten 10 Jahre bevor ich aufhörte zu trinken, war dann also der Alkohol auch in meinem Alltag angekommen. Vorher nicht und dennoch war ich vorher schon abhängig, das weiß ich im Nachhinein ganz genau. In der Jugend schon. Wer von Wochenende zu Wochenende lebt und es kaum erwarten kann, auf einem Freitag schon zu saufen, um das am Samstag zu wiederholen, der hat definitiv ein Problem. Das hab ich damals anders gesehen und als ich erkannt hatte, dass das nicht richtig sein kann, da war ich schon mitten drin.


    LG Cadda

  • Interessante Gedankenansätze v. Achelias!


    Sanitäter in der Not .. macht sehr nachdenklich!

    Ich denke, es gibt unterschiedliche Zugänge.

    Hier Eindrücke von mir:

    1) Berufsbedingt habe ich auch mit jungen Erwachsenen gearbeitet, die Suchtproblematiken haben. Viele liebe junge Menschen, aber wenn ich mir deren Lebensweg und sozialen Hintergründe angeschaut habe, dann dachte ich mir oft: Ich verstehe, dass sie trinken oder was nehmen. Sie haben es nicht anders gesehen, sie haben keinen Rückhalt durch Familie. Im Gegenteil, wenn bisschen Geld ins Haus flattert, waren diese die ersten, die Zuwendung vorspielten und dann Geld wollten. Ich habe gelernt, dass "mein berufliches Ziel" es war, diesen Menschen einfach wertvoll zu begegnen, keine Wunder zu verlangen, sondern seinen Bedürfnissen entsprechend Essen und Wohnung sicher zu stellen.


    2) Die Gesellschaft generell - da hatte ich auch zwei interessante Beobachtungen. Es war bei einer Feier, wo auch jemand eingeladen war, der Alkoholiker ist. Er hatte derzeit eine gute Phase und bevor diese Person kam, wurde über ihn geredet. Eben, dass er ihm derzeit besser geht und er wurde - in seiner Abwesenheit! - gelobt. Als diese Person kam, fragte man, was er trinken wolle. Die Antwort war "Wasser". Plötzlich von den anderen ganz überrascht: aber geh, 1 Bier geht doch!

    Ich muss euch ehrlich sagen, ich war schockiert .. schockiert über diese Reaktion. Das hab ich auch bei meinem erlebt. Jeder hat schon gewusst, dass er trinkt. Aber keiner hat es wirklich wahrgenommen, hat gemeint, dass es einfach mit Benehmen und Disziplin zu tun hat. Oder es wurde ihm der Ratschlag gegeben, zumindest nur Bier und Wein zu trinken. Aber im Grunde glaube ich, dass es manchen auch Recht war, weil dann konnten von sich selber ablenken. So hat seine soziale Stigmatisierung begonnen. Und je auffälliger er geworden ist, des mehr ist über ihn geredet worden. Keiner dieser angeblichen Freunde, hat mal wirklich auf den Tisch gehauen. Immer nur Ratschläge, Erwartungen, aber eigentlich war auch für keinen vorstellbar, eine Freundschaft ganz OHNE ALK zu führen.


    3) Ist die Wahrnehmung, wie all diese Eindrücke auf den Menschen, der trinkt, wirken. Am Anfang macht der Alkohol locker uns lustig. Manchmal schmeckt es auch und man findet immer Anknüpfungspunkte. Nur mit der Zeit wird es schlimmer und das Umfeld reagiert. Aber wer will sich schon eingestehen, dass er sich daneben benimmt, keine Kontrolle mehr hat, nicht mehr gesellschaftsfähig ist. Als beginnt man sich was vorzumachen, zu trinken, es anders zu sehen/sehen zu wollen. Vor allem, wenn der Partner auch immer komischer wird (was ich in meinem Fall sicherlich auch geworden bin). Plötzlich switchen lustige Trinkphasen auch in Zorn und Wut.

    Manchmal frage ich mich nur, wie das Umfeld reagieren würde, wirklich reagieren würde, wenn jemand ehrlich sagt: Ich brauche Hilfe!

    Wie viele wären wirklich da oder schafft man es gar nicht, weil die eigene Scham zu groß ist und die Flucht ins Trinken leichter ist.


    Sorry, falls ich etwas abgeschweift bin .. aber das Thema um Alkohol ist so facettenreich und so individuell.

    Und auch der Lebens-/Leidensweg, warum getrunken wird...und vielleicht auch nicht STOP sagen kann/will.

  • Nachtrag:


    Der Proband muß also gefestigt werden, trainiert werden, das es ohne Alkohol auch geht, sogar besser.


    Wenn ein Mensch zu schwach ist bzw. er keine Perspektive für sich sieht, wenn er aus seinem eigenen Jammern nicht heraus kommt und sich nur durch Ablenken „über Wasser“ hält.


    Irgendwann lässt die Ablenkung nach und fröhlich frohlockt der Alkohol zum Feierabend.


    Wenn alle Illusionen, welche er zuvor hatte, im Laufe der Jahre erloschen, wenn er keine Antwort findet nach dem WARUM. Wenn er innerlich vereinsamt. Ist das dann eine Depression? Ein burn out? Ein Totalscheitern seiner Lebensmaxime? Mangelndes Selbstvertrauen?


    Das einzige was diesen Zustand lindert ist Alkohol.


    Nach Außen hin kann er eine funktionierende Kulisse aufrecht erhalten, bis er wieder (zu viel) trinkt. Über die Jahre gelingt es immer schlechter. Die Abstürze häufen sich.


    Geht er jetzt in den Entzug, stationäre Langzeittherapie ist er erst Mal isoliert, weit weg von Alkohol und hoffentlich gut beschäftigt, abgelenkt. Er zeigt sich einsichtig und will nie mehr trinken.


    Dann kommt er wieder in sein gewohntes Umfeld … alles droht von vorn zu beginnen. Das trockene Umfeld ist weg, Langeweile droht sich einzuschleichen, fast schon vorprogrammierter Ärger beginnt, die ständige Konfrontation mit seiner Alkoholvergangenheit ist täglich allgegenwärtig, schiefe Blicke, Bemerkungen, Erinnerungen (von seinen Verfehlungen), er „darf“ nicht mehr an Feiern teilnehmen und soll sich auch erst Mal von allem fernhalten, was irgendwie mit Alkohol zu tun hat.


    Das zerrt alles an den Nerven.


    Liegt deshalb die geschätzte Rückfallquote bei 70 bis 90% ?


    Was sagen die Trockenen?


    Wie trainierten sie ich das „erfüllte Leben“ an bzw. das unerfüllte ab?

  • Anita, genau das ist eben das Problem. Die Menschen erkennen, dass ein anderer Mensch ein Problem mit dem Alkohol hat. Hat er eine gute Phase, dann freuen sie sich für ihn und denken, er hat es im Griff und kann ja nun normal trinken, denn seine schlechte Phase ist ja nun vorbei. Das wäre für die anderen trinkenden Menschen ja auch langweilig, wenn der Andere auf einmal GAR KEINEN Alkohol mehr trinkt. Wäre ja nur halb so gesellig für sie selbst.


    Ich glaube, das ist auch die Unwissenheit der Leute, die sich eben nicht mit der Abhängigkeit befassen. Sie glauben eben den Ausreden des Alkoholikers. Hab gerade eine schlechte Phase weil......................... (hier können beliebig viele Ausreden eingesetzt werden).

    Mir wurde neulich auch mal berichtet "Cadda, Deinem Ex geht es im Moment ja wieder extrem schlecht. Ich werde mal hinfahren und ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, damit er sich mal wieder in den Griff bekommt". Vorzugsweise findete dieses ernste Gespräch auch noch bei einem Bierchen statt. Die Leute wollen einfach so gern, dass der Alkoholiker das Extreme in den Griff bekommt, ansonsten aber bitte ganz normal bleibt. Normal ist in dem Fall, weiterhin trinken, aber bitte ohne dass man sich zu sehr Sorgen um ihn machen muss.


    Zu dem Thema, dass die Kinder es oft vorgelebt bekommen und das eine Alkoholabhängigkeit begünstigt. Das kann oft der Fall sein. Es gibt aber auch andere Fälle.

    Wie gesagt: Ich hatte ein tolles Elternhaus. Nicht zu streng, nicht zu locker. Trinken wurde mir nicht vorgelebt. Dennoch wurde ich Alkoholikerin.

    Mein Ex-Mann: Sein Vater war Alkoholiker, Mutter auch dem Alkohol nicht abgeneigt gewesen. Trinken war an der Tagesordnung. Dennoch wurde er kein Alkoholiker, weil er gerade DESHALB nicht so enden wollte, wie es ihm vorgelebt wurde. Sein Bruder jedoch schon, aber erst viel später. Es liegen immer mehrere Faktoren vor, ich glaube, dass man das nicht verallgemeinern kann.


    Achelias, wie man sich das erfüllte Leben antrainiert ist eine gute Frage. Ich war anfangs öfter noch in Gesellschaft wo getrunken wurde. Ich hatte aber immer weniger Lust dazu. Man verändert eben seine Gewohnheiten, lernt neue Leute kennen. Oder man gibt sich plötzlich mit Menschen ab, die einem angeblich zu langweilig waren, als man noch gesoffen hat. Dabei waren sie das gar nicht. Sie waren bloß nicht abhängig. Man lernt Menschen auf einer ganz anderen Ebene kennen.

    Mich hätten früher keine 10 Pferde auf einen Spaziergang bekommen und wenn mir jemand Geld fürs Joggen geboten hätte, dann hätte ich wohl abgelehnt. Heute macht mir Beides total Spaß. Klar! Ohne Kater kann man die Natur ja auch genießen.


    Ich habe mich beruflich verändert. Die Arbeit macht mir total Spaß, ich mag mein Team, ich verbringe gern meine Zeit dort. Allein das erfüllt mich auch total und wäre zu Saufzeiten nicht denkbar gewesen. Klar! Mit einem Kater kann Arbeit auch keinen Spaß machen.


    Das sind ein paar Beispiele.


    LG Cadda

  • ch glaube, das ist auch die Unwissenheit der Leute, die sich eben nicht mit der Abhängigkeit befassen. Sie glauben eben den Ausreden des Alkoholikers. Hab gerade eine schlechte Phase weil......................... (hier können beliebig viele Ausreden eingesetzt werden).

    Mir wurde neulich auch mal berichtet "Cadda, Deinem Ex geht es im Moment ja wieder extrem schlecht. Ich werde mal hinfahren und ein ernstes Wörtchen mit ihm reden, damit er sich mal wieder in den Griff bekommt". Vorzugsweise findete dieses ernste Gespräch auch noch bei einem Bierchen statt. Die Leute wollen einfach so gern, dass der Alkoholiker das Extreme in den Griff bekommt, ansonsten aber bitte ganz normal bleibt. Normal ist in dem Fall, weiterhin trinken, aber bitte ohne dass man sich zu sehr Sorgen um ihn machen muss.


    ...genau so! Immer wieder erlebt .. genau so! ;(

  • Spannende Themen habt ihr hier am Wickel.


    Auch ich wusste schon lange, dass ich ein Alkoholproblem habe. Ich hatte es geschafft, für einige Monate nichts zu trinken, dachte, nun ist alles „zurückgesetzt“ und ich muss einfach nur aufpassen, dass es nicht wieder so weit kommt und kann wieder Alkohol trinken. Das ging schief. Etwas verändert war meine Sicht auf die Problematik schon. Ich bin sehenden Auges in die Spirale geraten. Ich wusste ja, dass es nicht gut ist. Einerseits sagte ich mir, dass ich ja schon mal aufhören konnte und es ja einfach wieder könnte, zum anderen war das Trinken die einfachere Lösung. Gegen den Kater, gegen die negativen Gefühle, Verstärkung der positiven Momente. Die Abhängigkeit war dann psychisch und auch körperlich. Die Versuche mit den alkoholfreien Tagen keinen positiven Effekt hatten. Warum also aufhören? War ich nun Schuld? Ich habe selbst getrunken, niemand hat mich gezwungen und man weiß um die schädliche Auswirkung. Aber ich mag mich nicht als Schuldige sehen. Ich habe ja auch nicht gesagt, „Ach, so eine Alkoholkrankheit hätte ich gern“. Die Krankheit hat mich so handeln lassen, aber ich habe die Verantwortung übernommen und mir Hilfe geholt und konnte das Trinken stoppen.


    Und ja, ich denke, man muss wieder lernen, was ein erfülltes Leben ist. Und dass dazu auch die schlechten Erlebnisse und die negativen Gefühle gehören. Und auch dass man sich selbst akzeptiert, so wie man ist. Dass man (wieder) lernen muss, mit sich und anderen Menschen zurecht zu kommen und für sich einzustehen.


    Der Umgang mit einem Alkoholkranken muss auch die Außenwelt lernen. Ich glaube, dass einfach viele zu unbedacht oder auch unbeholfen sind. Einerseits kann man einem Nichtsüchtigen ja nicht verständlich machen, wie es einem mit der Sucht geht. Warum man eben nicht nur ein Glas trinken kann. Auch ist einigen auch die Tragweite der Krankheit nicht bekannt. Außenstehende wissen auch nicht, wie sie nun damit umzugehen haben. Ernst? Oder ein lockerer Spruch? Verharmlosung? Verschweigen? Mitleid? Da kommt es schnell zu komischen Aussagen.



    Seeblick

  • Hallo "ihr Drei",


    ...

    Ich glaube nicht, dass der Mensch nur durch Schmerzen (Tiefpunkt) lernt. …. In Handlung konnte ich dann aber erst kommen, als ich weit genug unten war, was wiederum meinen Willen dann gefördert hat.



    ???


    Manchmal frage ich mich nur, wie das Umfeld reagieren würde, wirklich reagieren würde, wenn jemand ehrlich sagt: Ich brauche Hilfe!

    Wie viele wären wirklich da oder schafft man es gar nicht, weil die eigene Scham zu groß ist und die Flucht ins Trinken leichter ist.



    Da beginnt die Krankheit/Verwirrung oder wie man es sonst nennen mag. Der durch Alkohol „verzauberte“ kommt eben nicht auf die Idee, sich Hilfe zu suchen. Er lebt in seiner (!) eigenen Welt, berauscht, selbstsicher, psychotisch.


    Wenn dann mal ein halbwegs nüchterner Zustand erreicht wird, kann es passieren, daß man wach wird, sich Hilfe holt oder selbst handelt.


    das Thema um Alkohol ist so facettenreich und so individuell.

    Und doch immer wieder so gleich.



    Und ja, ich denke, man muss wieder lernen, was ein erfülltes Leben ist. Und dass dazu auch die schlechten Erlebnisse und die negativen Gefühle gehören. Und auch dass man sich selbst akzeptiert, so wie man ist. Dass man (wieder) lernen muss, mit sich und anderen Menschen zurecht zu kommen und für sich einzustehen.


    Da liegt der Hase im Pfeffer. … oder überhaupt ein erfülltes Leben ist.


    Der Umgang mit einem Alkoholkranken muss auch die Außenwelt lernen.


    Ich fürchte, dieses bleibt ein Wunsch. Das setzt Bewusstsein voraus. Das kann nur jeder Einzelne erlernen, wenn er denn will.


    Viele Grüße

  • Ich glaube nicht, dass der Mensch nur durch Schmerzen (Tiefpunkt) lernt. …. In Handlung konnte ich dann aber erst kommen, als ich weit genug unten war, was wiederum meinen Willen dann gefördert hat.



    ???

    Du setzt Fragezeichen darunter. Ich versuche es deshalb nochmal anders zu erklären:

    Ich wusste, dass ich alkoholkrank bin. Ich habe mich aber vor dem "nie wieder etwas trinken" gesträubt. Das machte mir Angst und ich wollte auch nicht darauf verzichten, manchmal eben auch diese Glücksgefühle beim Trinken (am Anfang) zu haben. Ich habe also schon gewusst, dass ich aufhören wollte. Der Wille war also da. Aber ich habe es immer hinausgezögert.


    Bis ich eben an meinem Tiefpunkt angekommen war. Da ging es mir dann so schlecht, ich fühlte mich so mies in der Situation, in der ich steckte, dass ich den Willen aufbringen konnte, wirklich zu handeln.


    Wenn dann mal ein halbwegs nüchterner Zustand erreicht wird, kann es passieren, daß man wach wird, sich Hilfe holt oder selbst handelt.

    Ich habe öfter einen nüchternen Zustand erreicht und trotzdem nicht gehandelt oder mir Hilfe geholt. Weil ich noch in dem Teufelskreis steckte es mir - am Anfang entweder schön zu reden oder eben das Aufhören auf später zu verschieben.

  • Hallo Cadda,

    also ging ich recht in der Annahme, daß es erst richtig weh tun muß (Schmerzen), damit man etwas ändert (lernt). ;o)

    Ich habe öfter einen nüchternen Zustand erreicht und trotzdem nicht gehandelt oder mir Hilfe geholt. Weil ich noch in dem Teufelskreis steckte es mir - am Anfang entweder schön zu reden oder eben das Aufhören auf später zu verschieben.

    Auch ich war öfter nüchtern, doch wohl nie so ganz richtig bzw, noch ganz schön benebelt (im Denken).

    Erst nach mehreren (!) Tagen der Abstinenz, ich war noch recht wackelig und alles andere als sicher, doch dann bemerkte ich den Selbstbetrug, daß ich mir alles zurecht soff, aber nichts änderte, es kam die Erkenntnis und mein ganzes Elend wurde mir bewußt.

    So richtig weh getan, hat es erst als ich aufhörte mit dem Trinken und ich sah, was ich alles zerstört hatte.

  • also ging ich recht in der Annahme, daß es erst richtig weh tun muß (Schmerzen), damit man etwas ändert (lernt). ;o

    Ja, bei mir könnte man das so sagen.


    Ich habe mich in der Zeit davor allerdings nicht mehr selbst belogen. Ich wusste, dass ich abhängig bin und zwar schon sehr lange Zeit. Ich habe hier schon Jahre zuvor gelesen und hatte mich sogar schon einmal angemeldet. Es gab Phasen, da dachte ich, ich würde das mit dem kontrollierten Trinken wieder hinbekommen, wenn ich mir genügend Mühe gebe. Aber auch das hab ich irgendwann schon lange bevor ich aufhörte zu trinken, kapiert (also dass das nicht klappten wird). Trotzdem hab ich noch eine Zeit lang weiter getrunken. Irgendwann hat es dann aber doch geklickt, als ich schon ganz weit unten war. Ich hätte mal viel früher aufhören sollen, aber das kann ich nun nicht mehr ändern und ich möchte mich aufgrund der Tatsache auch nicht selbst runtermachen.

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