Mein Kollege ist Alkoholiker

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Liebe Freunde!


    Wie damit umgehen, wenn jemand im nahen Umfeld der Arbeit ein Alkoholproblem hat?


    Es ist ein Thema, das immer mal wieder aufploppt. Seit vielen Monaten denke ich "Spreche ich den Kollegen an, wenn ja wie?". Einmal habe ich ihm gesagt: "Hey, hast du eigentlich was getrunken vor dem Dienst?", was mir eher rausgerutscht ist und ich so gar nicht sagen wollte. Die Antwort "Ich habe mich gerade vorher frisch rasiert." hat mich sprachlos gemacht, weil sie so überzeugend aus dem Lehrbuch sein könnte, indem die Leugnung des eigenen Alkoholproblems Thema ist. Ich habe das auf sich beruhen lassen und mir überlegt, das beim nächsten Mal anders anzugehen.

    Das aber haben mittlerweile Firma und Vorgesetzte getan. Alles haben was gerochen, alle haben was geahnt. Nur der Kollege tut so, als sei nichts. Er steht nach Schnaps stinkend vor mir und behauptet allen Ernstes, er habe nicht getrunken. Das ist schon sehr erstaunlich. Er hat das Unternehmen betrogen, indem er Arbeitsleistungen angab, die er nie geleistet hat. Seine berufliche Lage ist nicht einfach und er tut nachwievor so, als würden wir alle spinnen. Eigentlich hatte ich vor, in einer ruhigen Pause mit ihm zu reden und von mir zu berichten. Das werde ich aber lieber erstmal nicht tun, denn ich kann nicht einschätzen, was er mit seinem Wissen über mich anstellen würde. Momentan lügt er uns und sich an. Da scheint mir der Anstoß von Hilfe fast sinnlos.


    Peter

  • Eine frage.. ist es ein hochgeschätzer, langjähriger kollege, ja, fast schon freund von dir?


    Falls nicht, würde ich mich ernsthaft fragen waum ich mich für dieses schicksal so erwärme. Klar, man könnte da ja seine erfahrung einbringen, oder so.,


    Aber eigentlich weisst du ja, wie beratungsresistent menschen mit alkoholproblem - grad noch die leugnenden - sind.


    Insofern gleich zurückgefragt: warum tust du das?

  • Deine Überlegungen sind meiner Erfahrung nach schon richtig, in die eine wie auch in die andere Richtung!

    Entschuldige, wenn ich nun obwohl es sehr traurig ist diesen Smiley setze ^^ ... kenne solche Situationen wie in deinem 2. Absatz schon seit meiner Ausbildungszeit.


    Ich vermute mal das er deine schon gereichte Hand, wenn er denn aus irgendeinem Grund mal in seiner eigenen Welt aufwachen sollte, erkennen könnte? - Das ist vermutlich besser als nochmals auf ihn zu zugehen. Denn...


    >Momentan lügt er uns und sich an.< Lügt er euch wirklich noch an, oder nur noch sich selber?-

  • Guten Morgen Peter,


    mein Gefühl sagt mir auch, dass Du bei dem Kollegen vermutlich eh nichts erreichen wirst. Du hast ihn angesprochen, er hat es geleugnet, da ist wohl nicht viel zu machen.


    Ich habe in der eigenen Familie eine Person, bei der ich bestimmt schon zwei Jahre den Gedanken habe, dass er abhängig ist. Ich habe ihn trotzdem nicht angesprochen, obwohl wir uns sehr gut verstehen. Vor einigen Wochen kam er allerdings auf mich zu und erzählte mir, dass er nicht mehr trinken möchte, weil er alkoholabhängig sei. Seit dem rede ich mit ihm darüber und beantworte auch seine Fragen und stelle selbst welche.


    Was ich damit sagen will: Solange die Einsicht fehlt, ist es vermutlich verschwendete Energie, sich in die Sache reinzuhängen und ihm zu berichten, wie es bei Dir war.


    Das Einzige, was ich in Betracht ziehen würde ist, ihm zu sagen, dass er sich an Dich wenden kann, wenn er Klartext reden möchte. Hilfe hinterhertragen funktioniert nicht, das weißt Du selbst :)


    LG Cadda

  • Hallo Peter,

    ich habe ganz ähnlich gedacht wie Florian, als ich deinen Beitrag las.


    So, wie du das schilderst, hast du einen uneinsichtigen Alkoholiker vor dir. Auf das Problem angesprochen wurde er offenbar nicht nur von dir, sondern auch von deiner Firma und den Vorgesetzten. Nichts davon scheint Einsicht bewirkt zu haben.


    Die Firma und die Vorgesetzten werden ihre Konsequenzen ziehen müssen. Ob ihn das doch noch zur Einsicht bringt, ist völlig offen.


    Ich an deiner Stelle würde ihm ganz sicher nicht von mir erzählen, da ich ihm nicht trauen würde. Wie du sagst, lässt sich überhaupt nicht einschätzen, was er mit dem Wissen über dich anstellen würde.


    Glaubst du, ihn mit deinem Beispiel erreichen zu können, wo doch bislang nichts anderes ihn erreicht zu haben scheint?


    Viele Grüße

    AufderSuche

  • Das ging ja schnell mit den Antworten! Ich danke euch!


    Ich tue mir ja nichts an, den Kollegen auf seinen Alkoholkonsum hinzuweisen. Und ich tue mir auch nichts an, wenn ich darüber nachdenke.

    Natürlich werde ich nichts über mich erzählen.


    Als ich trocken geworden bin, habe ich mir vorgenommen, einem nassen Alkoholiker nie dir Tür zuzuschlagen, auch wenn er noch nicht soweit ist, ehrlich über seine Lage nachzudenken. Ich habe die Scham nicht vergessen, die ich selber täglich durchlitten habe.


    Er wird seine Arbeit verlieren. Die Firma weiss, wie uneinsichtig er ist. Er verpasst seine Chance, Arbeit und Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Dabei hat die Firma gute Programme und Hilfsangebote. Das schmerzt mich, aber ich kann da nichts machen.

    Ich will aber ein offenes Ohr für ihn haben, wenn er soweit ist.


    Lieben Gruß, Peter

  • Hallo Peter,


    ich würde ihm auch auf keinen Fall die Tür zuschlagen. Aber er muss erstmal zu Deiner Tür hinkommen, um ihn hineinzubitten.


    Es ist traurig, dass er die Chance nicht wahrnimmt. Er ist anscheinend noch nicht soweit.


    Wie gesagt fände ich es nicht verkehrt, ihm den Hinweis zu geben, dass Deine Tür für ihn offen ist. Das ist glaube ich das Einzige, was Du tun kannst.


    LG Cadda

  • Ja, Cadda. Das dachte ich auch, es ist zumindest eine kleine Chance.



    Ich hatte in Berlin mal einen Bekannten, der genauso roch: immer nach Hochprozentigem aber immer gepflegt und freundlich.

    Mit einem Mal war er tot, mit MItte dreissig. Ich glaube, das hat mich in diesem Fall getriggert.


    Noch hat er nicht mal begriffen, daß es Türen gibt. Er ist noch längst nicht soweit.



    LG Peter

  • Ich tue mir ja nichts an, den Kollegen auf seinen Alkoholkonsum hinzuweisen. Und ich tue mir auch nichts an, wenn ich darüber nachdenke.

    Genau das hast du getan und dagegen ist ja auch nichts einzuwenden.


    Du schlägst ihm ja auch nicht die Tür zu, sondern er steht noch gar nicht vor deiner Tür.


    Viele Grüße

    AufderSuche

  • Hallo Peter,


    ich halte mir bei solchen Situationen den Spiegel vor.


    Nichts tun, abwarten, wann war der richtige Zeitpunkt mich damals auf die Alkoholkrankheit anzusprechen. Was hat mir geholfen?


    Der nette Spruch. Vielleicht solltest du mal eine Pause mit dem Trinken machen, das fällt gerade wieder auf. Oder Was du machst, ist deine Sache aber dein Saufen hat negative Auswirkungen auf andere.


    Ich kenne beides. Wirkung bei mir damals. Nachdenken, runterfahren und 10 Jahre später aufgehört.


    Heute wissen /denken die meisten ja, das ich ein Alkoholiker war/ bin oder zumindest das ich massive Problem mit Alkohol hatte. Die meisten kennen ja mein damaliges Saufverhalten. Und 1 und 1 ist da auch manchmal 2


    Deswegen hat auch, egal was ich sage, mehr Gewicht.

    Gruß Hartmut

    ---------------------


    Wer will findet Wege , wer nicht will, findet Gründe !

  • Der Mann scheint ein funktionaler Pegeltrinker zu sein. Wäre das jetzt ein Kollege, den ich ein bißchen kenne und den ich mag, würde ich ihm in der Mittagspause oder bei einer sonstigen Gelegenheit sagen, daß er mich ansprechen kann, wenn er mal ein Gespräch oder Hilfe braucht. Ansonsten würde ich mich damit wohl nicht belasten. Wenn Du ihm nicht unbedingt vertraust, solltest Du auf gar keinen Fall gleich Deine ganze Geschichte erzählen. Gut möglich, daß er auf der Arbeit rumlügt und Dich sogar anschwärzt.

  • Deine Firma, Petter?

    Hat sie auch so etwas wie betriebliche Suchtkrankenhelfer?


    Aus meiner Tätigkeit in diesem Feld kann ich dir schreiben:

    Sag ihm, dass du sehr wohl riechst, dass er Alkohol getrunken hat. Sag ihm, was das mit dir macht. Deine eigene Sucht ist ja nicht das Thema.

    Du brauchst ihm auch nicht unterstellen, Alkoholiker zu sein. Sehr wohl kannst du aber seinen Missbrauch erwähnen.

    Weise ihn auf die Hilfsangebote des AG hin. (In seinem/unseren Falle gibt es z.B. auch das Bahn-Sozialwerk. Das ist nicht nur für die "große Bahn" zuständig.)


    Ganz wichtig: Wenn er dich ablösen soll & du merkst, dass er noch einen im Tee hat, übergib ihm den Dienst nicht.

    Scheiß was auf den pünktlichen Feierabend.

    Dann ist er im Zugzwang. & auch der AG muss handeln. I.d.R. wird die Bundespolizei zur Alkoholkontrolle geschickt, & ab da rollt dann er Stein.

    Bedenke, dass es in seinem/eurem/unseren Beruf unerlässlich ist, 0,00 ‰ einzuhalten. Bei der großen Bahn gibt dazu auch eine KBV.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Hallo Dante,


    danke für deine Gedanken dazu. Er ist nicht im Fahrdienst, aber dennoch mein Kollege.


    Mittlerweile denke ich, er ist noch längst nicht soweit. Er sieht nichts ein, er will keine Hilfe. Das wird der AG zu nutzen wissen.


    Jeder hat seinen persönlichen Tiefpunkt und seiner ist scheinbar noch etwas weiter entfernt.


    Peter

  • Er wird seine Arbeit verlieren. Die Firma weiss, wie uneinsichtig er ist. Er verpasst seine Chance, Arbeit und Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Dabei hat die Firma gute Programme und Hilfsangebote. Das schmerzt mich, aber ich kann da nichts machen.


    Mittlerweile denke ich, er ist noch längst nicht soweit. Er sieht nichts ein, er will keine Hilfe. Das wird der AG zu nutzen wissen.


    Jeder hat seinen persönlichen Tiefpunkt und seiner ist scheinbar noch etwas weiter entfernt.


    Hallo!


    Du hast Dir die Antwort doch selbst gegeben.


    Ich würde ihm nicht auf die Nase binden, dass Du clean bist. Sieh zu, dass Du ja schön aus der Schusslinie bleibst. Nicht, dass Du Dir vor lauter Hilfsbereitschaft noch 'ne "blutige Nase" holst. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, so auch der Kollege.


    Gruß

    Carl Friedrich

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