Busseschubser Ein neues Leben ( Vorstellung )

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo Stern,

    erst mal natürlich meine Gratulation zu Deinen 203 Tagen Nüchternheit. Ich hoffe Du kannst, wie ich, Dein neues Leben so richtig genießen. Mit meiner Anmeldung hier bin ich mir noch nicht so ganz sicher. Ich wurde in den letzten Stunden, also seit gestern, mehr mit dem Thema Alkohol konfrontiert, und beschäftige mich mehr damit, als in den letzten 5 Monaten insgesamt. Das Wort Alkohol bzw. die Konfrontation in meinem Umfeld damit, spielen seit der Entgiftung und Entwöhnung überhaupt keine Rolle mehr für mich. Es ist normal geworden. Ich empfinde keinen Suchtdruck, kein Triggern, egal bei was oder bei welcher Gelegenheit.

    Trügerische Ruhe? Falle? Ich weiß es nicht. Für mich habe ich noch nicht entschieden, ob es für mich persönlich gut ist, mich wieder damit zu beschäftigen. Da haben andere hier sicherlich mehr Erfahrung damit. Aber wenn es mich bewahrt, in eine Falle zu tappen und rückfällig zu werden, dann immer her mit den Meinungen und Ratschlägen. Ich bin offen für alles. Auf der anderen Seite, irgendwas muss mich ja dazu bewogen haben, mich hier anzumelden. Mein Bauchgefühl hat mich noch nie im Stich gelassen.

  • Ich sehe das für mich so:

    Ich sehe mich in meinem Umfeld nicht gefährdet. (Zumindest im Moment nicht. In die Zukunft schauen kann ich natürlich nicht.)

    Mich triggerte bisher auch nix und Saufdruck kenne ich seit 203 Tagen nicht mehr.

    Ich gehe recht gelassen damit um, wenn andere Menschen Alkohol trinken. Einfach, weil immer irgendwo irgendwer neben mir Alkohol trinken wird. Die können das, ich kann das nicht. So einfach ist das.


    Mein Job ist, für mich zu sorgen. Und irgendwie wird die Arbeit an der eigenen Nüchternheit (vermutlich?) zur Lebensaufgabe werden. Dazu muss ich nicht ständig an Alkohol oder Nichtalkohol denken oder mich auch nicht ständig in den Problemen der Anderen wiederfinden. Aber mir hilft es, zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, die alkoholsüchtig geworden bin und dass ich gemeinsam mit anderen nüchtern bleiben kann. Auch, wenn ich den Weg letztendlich ja doch für mich alleine gehen muss. Niemand kann für mich die Pulle stehen lassen, das kann nur ich.

    Sollte es aber doch mal „brenzlig“ werden, werde ich hier Hilfe finden. Und dieses Wissen tut mir gut.

    Viele Grüße

    Stern


    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Huhu Busseschubser,

    Trügerische Ruhe? Falle? Ich weiß es nicht. Für mich habe ich noch nicht entschieden, ob es für mich persönlich gut ist, mich wieder damit zu beschäftigen.

    Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass es für mich gute und schlechte Beschäftigung mit meiner Krankheit gibt. Gute sind z.b. dieses forum, meine shg, Literatur etc. Schlechte sind, wenn ich mich bestimmten triggern aussetze.


    Und auch die machen sich bei mir oft nicht direkt bemerkbar. Ich Vergleiche es gerne als Puzzle. Jedes kleine Teilchen (Überfordern, Zusammenkunft mit anderen trinkern, selbstfürsorge vernachlässigen, zu wenig Schlaf etc.) ist nicht so schlimm. Wenn mehrere dieser kleinen Teilchen ineinander greifen, entsteht ein großes Ganzes und dann wird es für mich gefährlich. Dann entsteht suchtdruck.


    Wie gesagt, so ist es bei mir. Aber vielleicht kannst du ja was davon mitnehmen. Falls nicht, lass es einfach liegen. :)


    Ich wünsche dir einen schönen Abend.

  • Hallo Cadda,

    lieb, dass Du nachfrägst. Ich habe bis Sylvester ganz normal gearbeitet. Alles gut. Den 1. und 2. Weihnachtsfeiertag habe ich relaxt. Okay, ich war faul ohne Ende....lach. Ich habe aber auch viel nachgedacht. Über mein Leben, Alkohohl, die körperlichen Veränderungen ( Essverhalten, Kaffee, Kekse, Schokolade ), zum ersten Mal nach 10 Jahren auch eine gewisse Einsamkeit zu spüren, meine Gefühle, die ich jetzt ohne Alkohol ( Gott sei Dank ) natürlich viel stärker wahr nehme. An Sylvester bin ich mit meinem Sohn nach Memmingen gefahren und habe dort mit meinen Freunden gefeiert. Ich habe mir den Abend schon vorher visualisiert, denn es war ja schließlich der erste Jahreswechsel ohne Alkohol. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es doch gut überstanden habe. Ja, ich hatte 2 x starken Suchtdruck, den ich bisher noch nicht gehabt habe. Aber wir haben dann mit 7 Mann/Frau Romme gespielt und das war eine super Ablenkung und hat tierisch viel Spaß gemacht. Meine Freunde haben auch gemerkt, daß ich etwas angespannt und nervös war. Zum ersten Mal nach 177 Tagen habe ich gezittert. Aber sie haben mich dann immer gleich in Gespräche verwickelt und mich somit abgelenkt. Ein Mal war ich doch in großer Gefahr, denn als ich auf die Terasse ( alleine ) ging um eine zu Rauchen, standen dort die angebrochenen Alkoholflaschen. Ich war alleine. Ich habe sofort meine Zigarette ausgemacht, bin rein gegangen und habe meinen Freunden mitgeteilt, mich auf keinen Fall alleine raus gehen zu lassen. Was sie natürlich sofort verstanden und befolgt haben. Zum Jahreswechsel habe ich mit Kinderbrause angestoßen. War kein Problem. Und dann war für mich sozusagen alles vorbei. Kein Suchtdruck mehr, kein Gedanke an Alkohol, alles war in Ordnung. Wir haben noch bis 5 Uhr weiter Spiele gespielt.


    Ja, ich weiß, viele hier würden jetzt wahrscheinlich sagen, wie kann man sich nur in so eine Gefahr begeben. Aber, wenn ich mir nicht sicher gewesen wäre, dass es in Ordnung für mich ist, hätte es nicht gemacht. Ich habe schon einige Feiern/Treffen abgesagt, weil mein Bauch mich gewarnt hatte. Hier hatte ich ein gutes Gefühl. Und, da bin ich mir sicher, zu Hause wäre ich einer wesentlich höheren Gefahr gewesen.


    Wie hast Du die Tage zwischen den Jahren verbracht? Wie war Dein Jahreswechsel? Alle gut?


    LG

    Edgar

  • Hallo Edgar,


    schön, dass Du Dich zurückmeldest. Tja, das mit den Treffen und Unternehmungen ist so eine Sache. Gerade am Anfang ist das halt einfach nicht ungefährlich. Ich kann aber Deinen Gedankengang nachvollziehen, dass die Einsamkeit zu Hause nicht ungefährlicher gewesen wäre.

    Ich finde es sehr wichtig, sich vorher genau zu überlegen, was in einem vorgeht.


    Ich habe Weihnachten ruhig und schön verbracht mit der engsten Familie. Bis Silvester habe ich gearbeitet, bei uns war viel zu tun und so ist es für mich also der normale Alltag gewesen. Silvester war ich nachmittags verabredet, abends habe ich mit meinen Jungs Raclette gemacht. Ich wollte zunächst noch zu Freunden, aber mir war dieses Jahr einfach danach, zu Hause zu bleiben. Das hatte bei mir weniger mit dem Alkohol zu tun, sondern ich war einfach müde und hatte mehr Lust auf Forum, Gesellschaftsspiele mit den Kindern und Sofa :)

    Nun habe ich eine Woche Urlaub. Heute ist es hier tierisch regnerisch. Ich warte immer noch auf den passenden Moment, um Joggen zu gehen, aber da es einfach nicht aufhören will, ein Dran auf Frischluft und Bewegung aber groß ist, werde ich wohl im Regen laufen gehen :)


    LG Cadda

  • Ja, das habe ich gemerkt, dass es nicht ungefährlich ist/war. Aber das Visualisieren vorher und die Gemeinschaft mit meinem Sohn und meinen Freunden ( die, die soviel für mich gemacht haben und mich immer begleiten ) haben mir sehr geholfen. Es hat mir auch deutlich gemacht, in nächster Zukunft gewisse Feiern/Treffen zu meiden, wenn ich dort alleine hingehen müsste. Ich weiß, ich bin stark, aber ich will mich nicht der Gefahr aussetzen, festzustellen, doch nicht stark genug zu sein. Dazu ist mein Leben, mein Gesundheitszustand, meine Psyche, viel zu schön nach dem Entzug und der Entwöhnung. Und ich stelle immer wieder fest, im Beisein meines Sohnes und meiner Freunde, fühle ich mich einigermaßen sicher und beschützt. Das ist gefühlt wie die Käseglocke in der Klinik.

    Cool, ich habe auch Urlaub diese Woche. Ich hoffe, in der Woche meinen "Arsch hoch zu bekommen" um an der Wohnung weiter zu machen. Sie ist ja noch nicht ganz fertig. Aber bisher war ich einfach zu faul, oder das Gefühl sich endlich in seiner Wohnung "wohl" zu fühlen, war zu groß. Irgendwie habe ich es wohl auch verlernt. für mich selbst zuzulassen, dass ich mich wohl fühle und das "Recht" habe, dieses zu genießen und einfach mal nichts zu tun.

    Ich kann Dich gerne zu mir einladen, Cadda. Bei mir am Starnberger See haben wir seit mehreren Tagen strahlend blauen Himmel, und über 10 Grad Außentemperatur....grins.


    Ich hätte da mal eine Frage, die mich seit mehreren Wochen beschäftigt. Es geht um Suchtverlagerung, (gefühlte??) Stoffwechselveränderung, Essverhalten, Geschmachssinn, Belohnungssystem seitdem ich trocken bin. Gibt es hier einen Blog dafür? Ich habe noch nichts gefunden.


    Edgar

  • Hallo Edgar,


    ich finde, du hast dich gut auf Silvester vorbereitet. Klar, hätte man auch gar nichts machen können, da wäre das Risiko noch geringer gewesen, aber du bist es gedanklich vorher durchgegangen, warst von Menschen umgeben, die von deiner Krankheit wissen und ich finde es besonders gut, dass du in der Runde gleich Bescheid gegeben hast, als du das Erlebnis auf der Terrasse hattest.

    Wenn du bei der nächsten Veranstaltung lieber absagst, wissen auch alle Bescheid.

    Ich finde, das ist ein guter Weg.


    Einen Artikel über Suchtverlagerung gibt es im Forum soweit ich weiß nicht. Vielleicht hat noch jemand anderes einen Tipp für Fachliteratur? Ich weiß nur von dem, was ich in der Therapie gelernt habe.


    Viele Grüße

    Seeblick

  • Hallo Seeblick,


    ich bin den Weg gegangen, dass ich aus meiner Krankheit kein Geheimnis gemacht habe. Weder in der Arbeit noch in meinem privaten Umfeld. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass mich dies eher schützt als schadet. Wenn ich eine Veranstaltung absage, weiß jeder Bescheid. Und keiner hat es mir bis jetzt krumm genommen oder mich doch zum kommen überreden wollen (wären sie aber auch Chancenlos gewesen). Im Gegenteil. Es ist für alle völlig in Ordnung. Und da bin ich auch eisern. Ein "Nein" ist ein "Nein". Und was die Anderen denken, interssiert mich nicht die Bohne. Denn das habe ich gelernt. "Ich" bin wichtig, "Ich" achte auf mich. "Ich" lande ja wieder in der Klinik, nicht die Anderen.

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