Ich sollte - ich muss - ich will!

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Guten Morgen, Anja,

    Und ich weiß nicht, ob das jemand versteht, als ob ich mich gerade noch selbst bestrafen will - für was eigentlich? :/

    wenn du wüsstest, wie gut ich das verstehe…


    Im Moment geht es dir nicht besonders gut, du bist quasi wieder an einem Tiefpunkt angelangt, obwohl du doch soooo gekämpft hattest. Das muss auch erstmal verkraftet werden.


    Ich kenne das jedenfalls von mir so, dass es mich regelrecht fertig gemacht hat, wenn ich trotz aller meiner Bemühungen wieder in ein Tief abgerutscht bin. Mitunter geht’s mir auch heute für die Dauer eines Tages so. In solchen Momenten sehe ich nur mein „Versagen“, wirkt es auf mich so, als wenn ich diese Tiefs habe, weil ich mich eben nicht genug angestrengt habe, und dass alles sozusagen umsonst war. Zweifellos macht das meine Tiefs aber noch tiefer.


    Inzwischen bin ich diesbezüglich einen Schritt weitergekommen, da ich begriffen habe, dass die Lösung für mich eigentlich nur darin liegen kann, Druck von mir zu nehmen. Es liegt nicht daran, dass ich mich nicht genug bemüht hätte, sondern die Tiefs, die ich auch heute noch ab und zu habe, haben eigentlich immer bestimmte Auslöser, die bei mir teils im Unbewussten liegen. Nach und nach lerne ich diese inzwischen zu identifizieren.


    Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, hinzunehmen, wenn’s wieder passiert und dann entsprechend für mich zu sorgen. Ich gehe übrigens in diesem Jahr auf die 50 zu.

    Oh Mann, da hast du ja auch einiges hinter dir! Hut ab für deinen Mut und deine Stärke,

    So ähnlich denke ich übrigens über dich… Dabei habe ich nicht den Punkt im Blick, an dem du jetzt gerade stehst, sondern das, was du nach 2015 geschafft und erreicht hast. Du magst das jetzt gerade nicht sehen können, aber aus eigener Erfahrung habe ich eine Ahnung davon, was du da geleistet hast.

    Und auch der Schritt, den du jetzt gegangen bist, zeugt, auch wenn du das vielleicht gerade nicht erkennen kannst, von Mut und Stärke. Dass es dazu eines Tiefpunktes bedurft hat, ist leider Teil der Alkoholkrankheit, in die du hineingerutscht bist.


    Ja, ich habe einen Faden hier im offenen EKA-Bereich, aber dort habe ich schon eine Weile nicht mehr geschrieben. Mehr über mich dürftest du wohl in meinen verschiedenen Beiträgen hier im Forum erfahren. Mutmach-Geschichten findest du übrigens auch in diversen anderen Fäden im Alkoholiker-Bereich.

    Was bedeutet das für dich? Das definiert natürlich jeder für sich anders, aber ich weiß z.B., dass mir mein Beruf und die Anerkennung dadurch immer extrem wichtig war. Vielleicht erlernte Muster seit der Kindheit, ich wurde für das gemocht, was ich leiste, nicht für das, was ich bin. Und mir wurde immer vorgelebt, dass man sich durch die Meinung anderer definiert. Das soll keine "Entschuldigung" sein oder Schieben auf die Kindheit, nur eine Erklärung dafür, das diese Muster in mir so tief verankert sind.

    Ich hatte ebenfalls gelernt, mich über Leistung zu definieren und natürlich hat mir das berufliche und gewissermaßen körperliche AUS im Herbst 2018 einen ordentlichen Knacks verpasst, doch es waren schon vorher Denkprozesse in Gang gesetzt worden, die diese Definition infrage stellten. Seit meinem Zusammenbruch 2015 war ich gewissermaßen schon auf der Suche nach mir selbst und auf dem Weg, mich selbst genau so annehmen und akzeptieren zu können, wie ich bin. Unter anderem deswegen habe ich für mich auch den Nickname „AufderSuche“ gewählt. 😉

    Rückblickend hatte ich immer wieder zum rechten Zeitpunkt die richtigen Eingebungen, mich für mich und das Überleben zu entscheiden.


    Ich muss da nix schaffen, ich sollte einfach SEIN und mich darüber freuen, dass ich BIN. Jeden Tag meines Lebens. Es gibt sicher Menschen, die das schaffen und so LEBEN. Aber die meisten laufen doch irgendwie in ihrem Hamsterrad, teils selbst geschaffen, teils von außen so hingestellt, und erfüllen Erwartungen anderer.


    Ich weiß nur, dass ich im Moment, wäre dies mein letzter Tag, sagen würde, ich habe nicht gelebt.. :(

    Ich sehe ebenfalls den Sinn des Lebens darin, einfach zu SEIN und möglichst das zu tun, was mich interessiert und mir u.U. sogar Freude bereitet.

    Es hat eine Weile gedauert, bis ich darauf gekommen bin.

    Es gelingt mir auch nicht jeden Tag meines Lebens, aber ich arbeite daran, dass es mir immer öfter gelingt.

    Du kannst das auch schaffen, hab nur ein bisschen mehr Mut und Geduld. Unterwegs bist du doch schon.


    Liebe Grüße

    AufderSuche

  • Guten Morgen!


    Nun ist es schon 2 Wochen her seit dem letzten Post und es hat sich viel getan. Das Wichtigste vorab: gestern war ich genau 6 Wochen trocken! Und ich merke, dass der Suchtdruck tatsächlich deutlich gemildert ist, bis auf ganz wenige (emotional stressige) Momente ist er seit etwa zwei Wochen quasi weg.


    Was hat sich getan? Gefühlt bin ich emotional durch die Hölle gegangen in den vergangenen drei Wochen. Es begann schon Weihnachten, Heiligabend war noch okay, aber dann das WE 1. und 2. Feiertag… "eingeschlossen" in der Klinik, allein mit mir und meinen Gefühlen, keine Möglichkeit zur "Flucht" durch Alkohol. Natürlich kann man jetzt sagen, ich hätte Alternativen gehabt. Spazieren gehen, kreativ werden (die Räume waren offen), mit anderen Patienten sprechen usw. Ich konnte alles nicht. Ich lag in meinem Zimmer auf dem Bett, habe gelesen und gelitten. Das ging eine ganze Zeit so. Unter der Woche Therapien, abends und am WE im Zimmer und alles in mir war aufgewühlt, dunkel, nicht fassbar, kaum zu ertragen. Zu den seelischen Schmerzen kamen körperliche hinzu. Oft habe ich drüber nachgedacht, die Reha abzubrechen…


    Ganz schlimm war es dann tatsächlich letzte Woche. Hier in der Gruppentherapie ist es so, dass man (immer mittwochs) nach etwa 3-4 Wochen seine Lebensgeschichte in Bezug auf Alkohol erzählen soll. Natürlich nur das, was man erzählen möchte. Ich lag abends, noch vor der Therapie, ewig wach im Bett und habe in Gedanken alles durchgespielt, wie war mein Leben, wie war es mit dem Alkohol. Und dann kam irgendwann die unendliche Trauer, ich glaube, ich habe so geweint, wie schon lange nicht mehr.


    Mittwoch letzte Woche habe ich dann alles erzählt. Wirklich alles. Was mir als Kind passierte ist, warum ich im Grunde seitdem schon süchtig war (Esssucht), und wie sich dann in den letzten 25 Jahren Alkohol dazu geschlichen hat. Es ist ja so, dass das eigene Elend subjektiv immer am größten erscheint, klar, es ist ja nun mal auch das eigene Leben. Nicht immer gelingt es, das in einen globalen Zusammenhang zu setzen und daran zu denken, dass es anderen evtl. noch viel schlechter geht. Aber nach meinem Bericht war wirklich lange Stille in der Gruppe. Ich bemerkte Fassungslosigkeit, Mitgefühl, Verständnis… viel gesagt wurde nichts, aber ich habe gemerkt, dass es tatsächlich wohl auch objektiv krass war, was alles passiert ist. Das klingt jetzt komisch, aber mir hat es geholfen, mir selbst zu erlauben, dass ich zurecht traurig, erschöpft und voller Schmerzen bin.


    Seitdem geht es mir besser. Ich bin gerade dabei, das Ganze in der Kunsttherapie noch mal darzustellen, ich mag das gerne und die bildhafte Darstellung hilft mir. Es geht vor allem darum, endlich loszulassen mit dem was war, es zu akzeptieren und hinter mir zu lassen. Es hat all die Jahre immer noch so viel Raum in meinem Leben eingenommen, dass es mich in vielerlei Hinsicht blockiert hat.


    Bei der Aufnahme vor 6 Wochen hatte mich die Ärztin gefragt, was in dieser Reha und Therapie anders sein soll als in allen vorherigen. Dass sie sich nicht einreiht wie eine Perle in der Schnur meiner Therapien und Rehas… 25 Jahre Depressionen und Sucht, 13 Jahre ambulante Therapien, 4 x Tagesklinikaufenthalte, 1 x stationärer Aufenthalt, 1 x ambulante Reha, 2 x stationäre Reha…


    Ich glaube - und ich weiß nicht, ob das zu "banal" ist - ich habe eine Antwort gefunden. Ich habe in den vergangenen 25 Jahren keine dieser Therapien gemacht ohne Alkohol. Er war immer dabei und hat mich (möglicherweise) daran gehindert, bis ganz in die Tiefen meiner Seele zu schauen. Diese Überlegung ist tröstlich. Denn so habe ich Hoffnung, dass ich es jetzt, nüchtern und abstinent, schaffen kann, die alten Dämonen hinter mir zu lassen.

    Liebe Grüße

    Junimond

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    Ziele nach dem Mond. Selbst wenn du ihn verfehlst, wirst du zwischen den Sternen landen. 🌓 Friedrich Nietzsche

    Einmal editiert, zuletzt von Junimond () aus folgendem Grund: Rechtschreibfehler

  • Hallo Junimond,


    das liest sich, als würde dich die Auseinadersetzung mit dir, deinen Gefühlen und deiner Vergangenheit wirklich weiterbringen. Das ist klasse! Auch wenn es schmerzt, bringt es dir Fortschritte und auf lange Sicht auch Stabilität.


    Viele Grüße

    Seeblick

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