Diego 08. Mich macht es so wütend

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Danke Euch


    Kennt Ihr das auch, dass ER jetzt so tut, als sei alles wieder in Butter?!

    Er tut als wenn nichts gewesen wäre. Sieht unheimlich schlecht aus, als wenn ich Ihn jetzt noch bemitleiden soll.

    Gehört das auch zu seiner Krankheit, einfach so zu tun als geht das Leben genauso weiter. Das schnürt mir die Luft ab. Es macht mich krank. Das is ja schlimmer als sich zu streiten.

  • Ja das kenne ich.

    Darüber war ich oft fassungslos und manchmal habe ich mich wirklich gefragt, ob ich vielleicht spinne und in Wirklichkeit gar nichts Schlimmes vorgefallen ist.

    Ständig hat mein Freund am nächsten Tag so getan als sei nichts passiert und war sogar besonders freundlich und nett.

  • Jupp, der Klassiker! Obwohl er schwarz auf weiß hatte, was er gesagt bzw geschrieben hat. Auf die Frage „Kann man von dir nicht mal eine Entschuldigung für Dein Verhalten und Deine Beleidigungen erwarten?“ kam nüchtern die Antwort „Wann habe ich Dich bitte je beleidigt und gemacht habe ich auch nichts!“

    Chapeau!!!!

    Es wurde immer, wirklich immer so getan als sei nichts gewesen, als hätte er nichts getan etc. Wollte ich eine Aussprache war er wieder plötzlich krank, sagte kurzfristig ab oder fing wieder das Saufen an! Ich bin so froh all das nicht mehr in meinem Leben zu haben. Und so leid es mir tut…ich rechtfertige und entschuldige auch nichts mehr mit der Sucht! Das ist kein Freifahrtsschein derart Menschen zu terrorisieren, zu manipulieren, zu belügen, zu betrügen usw..! Was für Rechtfertigungen und Entschuldigungen man sich doch sucht und zurecht legt, um sich die Ist-Situation schön zu reden und um an der Hoffnung kleben zu bleiben…so erging es mir zumindest. Jetzt bin ich wach, sehe klar, bin wieder vollkommen bei mir…und wünschte, ich wäre ihm niemals begegnet. Traurig, aber wahr.

  • Hallo Sensual,

    dir pflichte ich völlig bei! Doch wie macht man das dem Nicht-Süchtigen, von "Leibe verblendeten" klar.

    Je mehr ich hier lese, desto mehr entsteht der Eindruck, sie gefallen sich im Jammern und Meckern. Ober fehlt mit nur die Empathie?

  • Hallo achelias,


    ich denke nicht, das es Dir an Empathie fehlt. Das mal vorweg. Ich denke vielmehr, jeder macht auf seine Art einen gewissen Prozess durch. Ich stand dem Thema oder besser meinem nassen Alkoholiker vor wenigen Monaten auch noch ganz anders gegenüber. Ich klebte förmlich an der Hoffnung, irgendwann wird alles gut werden und wir glücklich. Ich habe vieles relativiert und Verständnis aufgebracht, war er doch der arme Kranke. Ich wollte die Sucht verstehen, um ihn zu verstehen. Aber war oder ist das wirklich Aufgabe des Nicht-Süchtigen? Ich denke, das habe ich für mich falsch verstanden, unwissend, was da eigentlich wirklich auf mich zu rollte. Vllt auch weil er einsichtig war, bereits vor unserer Zeit eine LZT hinter sich hatte etc. Wobei ich auch hier mittlerweile so meine Zweifel habe, ob dies der Wahrheit entspricht, aber gut. Bisschen Werkzeug-Koffer / Bausteine waren da zwischenzeitlich vorhanden.

    Man wird auch derart vernebelt und eingelullt. Zumindest beherrschte meiner das erstklassig. Ich habe vertraut, glauben wollen und die Hoffnung nicht aufgeben. Zusehend wie dieser Mensch sich von Suff zu Suff mehr und mehr zu einer narzisstischen Persönlichkeit entwickelte. Und auch hier ist meine Sicht jetzt eine etwas andere…ich glaube, wenn sich derartige Züge im Suff zeigen, sind die in dir verborgen, auch ohne Sucht. Und meine Erfahrung ist, auch wenn er abstinent lebt, irgendwann trocken sein sollte, er wird nicht mehr der, der er mal war bzw den ich glaubte zu kennen.

    Ich weiß nicht, ob es zum trockenen Leben dazugehört oder auch wichtig ist, sich der Vergangenheit und der Wahrheit zu stellen, ehrlich mit sich selbst zu sein, sich für Gesagtes und Getanes bei den Menschen zu entschuldigen, sofern sie es überhaupt noch zu lassen. Mir kommt da der Gedanke „Frieden mit der Vergangenheit schließen“, um mit weniger Schuldgefühl ins „neue“ Leben gehen zu können.

    Er hat seine Ego-Tankstelle, seine perfekte Co. Jetzt erst begreife ich, wieso die mich und die Beziehung nie ernst genommen hat. Für sie hat er sich zusammengerissen etc. Heute blicke ich das alles, aber es hat echt seine Zeit gebraucht die Hoffnung und die Illusion los zu lassen.

    Ich bin kein Opfertyp, war ich nie, mich macht das fuchsig. Ich bemitleide mich auch nicht selbst. (Ok, selten), mich interessiert schon, welches meine Anteile daran waren dieser regelrechten Verkümmerung und Demütigung gefolgt zu sein und mich nicht habe trennen können. Das ist MEIN Anteil. Es gibt immer einen der macht und einen der machen lässt. Da muss man hinschauen. Wieso können Grenzen so übergangen werden, woran genau hält man fest etc… das ist wie o.g. ein ganz individueller Prozess, der möglicherweise für die Seite des Alkoholikers ebenso schwer nachvollziehbar ist wie für einen Angehörigen die Sucht.

    Wie man deutlich erkennt, sind Ausnahmefälle in denen eine Beziehung standhält eine arge Seltenheit. Jeder wünscht sich ein solcher Ausnahmefall zu sein…

    Ich bin noch immer am Wunden lecken, habe oft noch fassungslose Momente, sehe die Tatsachen aber so viel klarer und auch die gesamte Beziehung. Eine Beziehung mit einem nassen Alkoholiker hat mit Liebe nichts mehr zu tun. Meine Erkenntnis. Das anzunehmen tut unwahrscheinlich weh.

  • Guten Morgen!


    Kennt Ihr das auch, dass ER jetzt so tut, als sei alles wieder in Butter?!

    Er tut als wenn nichts gewesen wäre. Sieht unheimlich schlecht aus, als wenn ich Ihn jetzt noch bemitleiden soll.

    Gehört das auch zu seiner Krankheit, einfach so zu tun als geht das Leben genauso weiter. Das schnürt mir die Luft ab. Es macht mich krank. Das is ja schlimmer als sich zu streiten.


    Ich kann es nur bestätigen .. ja, auch das Verhalten kenn ich!

    Extreme Situationen und dann so tun, als wär alles ok....Beweise gab es immer genug, zunächst auch die Zusage zu reden, aber dann nichts. Im Gegenteil, wenn ich anfing, hieß es, dass ich doch jetzt einen angenehmen Tag nicht versauen soll. Am Schluss war es so, dass er nach seinen Touren, weil ich auch nicht mehr mich gemeldet hatte, einfach einen Smiley geschickt hat. Das war indirekt die Ansage: bin wieder da, aber nicht reden.

    Und ja, er hat auch immer schlimm ausgesehen. Meistens dann auch krank, verkühlt. War aber nicht das Trinkerei (oft über 2 Tage) Schuld, sondern weil er ja auf den Bronchien so empfindlich ist. Dann verlangte er volle Aufmerksamkeit, weil er ja so krank ist und hat das auch noch mit unendlich langen Krankenständen ausgekostet, weil er meinte, dass es sein Recht ist.

    Wenn ich was hatte, dann wurde das dezent übergangen oder nur minimal beachtet...


    Je mehr ich hier lese, desto mehr stelle ich fest, dass er wohl viele Jahre schon nicht mehr authentisch war. Dann frage ich mich, was ist an ihm noch echt gewesen? Ich lese hier, dass auch eine übertriebene überdrehte Art ein Zeichen sein kann, dass er getrunken hat und gut drauf war halt. Dann frage ich mich, ist das wirklich alles Erscheinung/Verhalten von der Trinkerei? Ist wirklich nichts mehr v. Ursprungmensch da bzw. wann?


    ....viel Kraft und zumindest: du bist mit deinen Eindrücken nicht allein!!!!!!!!!!!!!!!

  • Hi Diego!


    Ich pflichte den Vorrednern bei. Kenne ich auch so. Gäbe es eine Krankheitseinsicht, wär es anders.

    „Alles in wieder in Butter“ bzw die Ruhe vor einem (erneutem) Sturm. Versuche Kraft zu sammeln für Dich selbst.

    Da lebt jemand in seiner eigenen Welt.

    Haben wir auch, meiner hat sehr seltsame Wahrheiten, die teilweise ins paranoide gehen. Wenn Du Dich auf sein Stimmungshoch einlässt, bestätigt das seine Realität, in der er nicht krank ist und Du die schuldige Person.

  • Liebe Kiki,

    „Gäbe es eine Krankheitseinsicht,wär es anders“

    Dem muss ich leider widersprechen. „Meiner“ war einsichtig, hat mir von Beginn an gesagt, er ist Alkoholiker, war bereits in Therapie etc etc..obwohl er im Laufe der Beziehung und sicher auch schon vor uns wieder mittendrin war!

    Er hat sich immer selbst als sch… Alkoholiker bezeichnet, aber dennoch IMMER so getan, als sei nichts gewesen! Es hat jede mögliche Aussprache vermieden und den sterbenden Schwan, das leidende Opfer gegeben. Er hatte sich schlussendlich getrennt…um sich wieder zu finden, um endlich vom Alk wegzukommen, weil er beziehungsunfähig sei…mag ja alles in seiner Welt so stimmen, hat aber dennoch bei der Trennung versucht schuld für unser scheitern bei mir zu lassen! Hat ein allg. Beziehungsproblem daraus gemacht,neben den Problemen, die er hat. Das war tatsächlich die Krönung!! WIR hatten keine Probleme als solches, denn ein WIR gab es gar nicht mehr. Es gab das WIR zwischen ihm und der Flasche! Bis heute keine Sicht auf die Wahrheit, keine Reue, Entschuldigung oder sonst was. Und das, obwohl er „trocken“ ist (mir fällt das schwer so zu nennen, sage lieber abstinent)! Daran siehst du…Einsicht etc hat damit nichts zu tun!

    Und bevor er nicht ins aktive Handeln gegen sein Leid kommt, hast du erstmal gar nichts zu glauben und zu erwarten.

  • Hello alle zusammen!

    Ich glaube jeder bzw. jedes Paar trägt seine eigene Geschichte. Daher ist es wohl schwer zu sagen, was die Krankheitseinsicht verbessert, auslöst...

    Irgendwie stell ich für mich zusammenfassend fest (aus allen Erzählungen, Wahrnehmungen), dass Alkohol oft nur die Nebenerscheinung für vieles anderes ist. Und dem zu begegnet gehört auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion, nicht nur für die Angehörigen, auch für die Alkoholiker.


    Ich persönlich frage mich auch - auf meine Geschichte bezogen - , ob die Krankheitseinsicht bei ihm wirklich alles verbessert hätte. Wenn ich vielleicht ehrlich bin zu mir, dann muss ich mir eingestehen, dass gewisse Charakterzüge wohl dennoch geblieben wären. Opfer- und Täterrolle hat ja nichts nur mit dem Alkohol zu tun. Eher die Fähigkeit, für sich gerade zu stehen, Verantwortung zu übernehmen, sich mitteilen zu können, Fehler sehen, annehmen .. und das gilt eigentlich für jeden von uns. Wir haben alle unsere Geschichte, warum wir da/dort sind, wo wir sind.

    <3

  • Guten Morgen

    Manchmal meint man, man spricht mit einem 16 jährigen. Das paranoide kommt mir auch sehr bekannt vor!

    Jetzt gibt's eine ganz neue Masche:

    Gar nichts zu sagen, daß kenne ich noch nicht. Sitzt im Hobbyraum und hört Musik. Aber trotzdem hörst Du die Bierflaschen klacken. Morgens, wenn Er dann zur Arbeit fährt, hörst Du die Tasche mit dem Leergut.

    Ich möcht gar nicht wissen was hier nächste Woche abgeht, wenn ich eine Woche weg bin. Hauptsache, Ich kann ein wenig abschalten.

    Das ist ja das ärgerliche, daß man immer drüber nachdenkt. Wie es meinen Alltag bestimmt. Was passiert heute Abend, was denkt er sich jetzt wieder aus...

  • Liebe Kiki,

    „Gäbe es eine Krankheitseinsicht,wär es anders“

    Dem muss ich leider widersprechen. „Meiner“ war einsichtig, hat mir von Beginn an gesagt, er ist Alkoholiker, war bereits in Therapie etc etc..obwohl er im Laufe der Beziehung und sicher auch schon vor uns wieder mittendrin war!

    Er hat sich immer selbst als sch… Alkoholiker bezeichnet, aber dennoch IMMER so getan, als sei nichts gewesen! Es hat jede mögliche Aussprache vermieden und den sterbenden Schwan, das leidende Opfer gegeben. Er hatte sich schlussendlich getrennt…um sich wieder zu finden, um endlich vom Alk wegzukommen, weil er beziehungsunfähig sei…mag ja alles in seiner Welt so stimmen, hat aber dennoch bei der Trennung versucht schuld für unser scheitern bei mir zu lassen! Hat ein allg. Beziehungsproblem daraus gemacht,neben den Problemen, die er hat. Das war tatsächlich die Krönung!! WIR hatten keine Probleme als solches, denn ein WIR gab es gar nicht mehr. Es gab das WIR zwischen ihm und der Flasche! Bis heute keine Sicht auf die Wahrheit, keine Reue, Entschuldigung oder sonst was. Und das, obwohl er „trocken“ ist (mir fällt das schwer so zu nennen, sage lieber abstinent)! Daran siehst du…Einsicht etc hat damit nichts zu tun!

    Und bevor er nicht ins aktive Handeln gegen sein Leid kommt, hast du erstmal gar nichts zu glauben und zu erwarten.

    Ich gebe Dir recht Sensual, das ist so. "Nur" abstinent zu sein reicht nicht, zur Einsicht gehört ja mehr. Abhängigkeit ist ein Syndrom, also komplexe Teilglieder. Du schreibst er gäbe keine Reue, Entschuldigungen etc. Ihm fehlt die Einsicht, Erkenntnis. Ich meine bei den AAs gibt es einen Punkt, wo man sich ehrlich bei denen entschuldigt, die unter einen gelitten haben. Ohne alle Aspekte der Erkrankung/Syndrom wahrhaftig anzugehen, kann man nicht gesund werden, Rückfallquoten sind hoch.

    Der Satz: "Es gab das WIR zwischen ihm und der Flasche" gefällt mir grad sehr gut, beschreibt meine Gefühlslage, die wahre Liebe meines Partners bin nicht ich, sondern die Flasche, ich kämpfe nicht mehr

  • Bzgl AA und bei denen entschuldigen, denen man "geschadet" Hat: das sind sogar zwei Schritte. Zunächst der Schritt, sich darüber klar zu werden, WEM man Unrecht getan hat und der nächste ist es "wieder gut machen"- wobei hier nicht die Absolution des Alkoholikers im Vordergrund steht, sondern die verletzte Person. Dh: mit einer aufrichtigen Entschuldigung ist es da nicht zwingend getan, wichtig ist, was diese Person braucht- so sie will. Ist ein feiner Unterschied, der den AA aber wichtig ist 😉

  • Um so mehr bestätigt es mir, dass auch wenn er scheinbar jetzt nicht trinkt, der Tag an dem er es wieder tut, so oder so kommen wird. Denn er verdrängt einfach nur bzw verzögert seine Sucht. So wie seine Taten, seine Worte nie stattgefunden haben, so hat unsere Beziehung wohl auch nicht stattgefunden 😉

    Erbärmlich!

  • Bzgl AA und bei denen entschuldigen, denen man "geschadet" Hat: das sind sogar zwei Schritte. Zunächst der Schritt, sich darüber klar zu werden, WEM man Unrecht getan hat und der nächste ist es "wieder gut machen"- wobei hier nicht die Absolution des Alkoholikers im Vordergrund steht, sondern die verletzte Person. Dh: mit einer aufrichtigen Entschuldigung ist es da nicht zwingend getan, wichtig ist, was diese Person braucht- so sie will. Ist ein feiner Unterschied, der den AA aber wichtig ist 😉

    Ah genau danke! Ich kenne die AA Schritte nur auf Englisch

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!