Nur Eine von Millionen

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  • Nun geht es mit den Wünschen nicht immer, wenn Krankheiten dahinterstecken. Der eine CO Krank, der andere Alkoholiker. Das schaltet das vernunftgeleitetes Denken aus. Es gibt da kein Eintrichtern, überzeugen oder die Erkenntnis hineinprügeln.


    Ich selbst in einem Alkoholiker Haushalt aufgewachsen kenne auch das Leid als Kind. Die Wut, der Zorn projiziere ich jedoch nicht mehr auf andere Alkoholiker /CO die meiner Geschichte ähnlich sind. Das hätte nichts mehr mit Verarbeiten meines Leid zu tun.


    Ich würde mich wieder in den Kreislauf einfügen und am Leid , Wut ,Zorn festhalten.

    Aus Nudeltantes Faden habe ich diese Reaktion auf meinen Beitrag hierher kopiert. Ich habe jetzt viel darüber nachgedacht…

    Aber von vorn:


    Ich mache hier die andere Baustelle in meinem Leben auf. Anders als in meinen Anghörigenverstrickungen mit dem trockenen Vater meiner Kinder und der „Pflege“ meiner depressiven, trockenen Mutter befindet sich meine EKA-Baustelle nicht im äußeren Leben sondern in mir drin.

    Nudeltantes Geschichte hat mich heftig getriggert, Caddas Verständnis hat mich zum heulen gebracht, Linde hat so lieb in meinem Thread im Angehörigen/Co-Bereich nachgefragt, das hat mich alles so aufgewühlt, dass ich beschlossen habe hier noch das andere Fass aufzumachen.



    Ich verstehe das obige Zitat so, dass der Verfasser meint, der alte Zorn und die Wut auf meine Eltern würden in mir hochkochen und ich würde Nudeltante, indem ich ihr Gemeinheiten an den Kopf werfe, als Ersatzventil zum Ablassen dafür benutzen. Ich hab weder Wut noch Zorn bei ihrer Geschichte empfunden, nur abgrundtiefe Verzweiflung.


    Ich gebe dem Zitatverfasser Recht, in einen Kranken, ob Co oder Alkoholiker, kann man keine Einsicht reinprügeln - und trotzdem habe ich mich hinreißen lassen es verbal zu versuchen indem ich einen Tiefschlag austeile.

    Die Erwachsene in mir findet meine Verhalten nicht besonders nett. Das Kind in mir wünscht sich von Herzen jemand hätte meiner Mutter mal so einen ordentlichen Tritt verpasst dass sie nicht sich selbst und die Kindheit ihrer drei Kinder an die Wand gefahren hätte. Hätten Verständnis und gute Ratschläge von außen bewirkt, dass sie mit uns rechtzeitig gegangen wäre würde ich heute wohl anders empfinden, denn es hätte mir dieses Leid - gegen das ich mich als Kind nicht wehren konnte - erspart.


    Ich füge mich nicht freiwillig in den Kreislauf aus Wut, Leid und Zorn ein um daran festzuhalten - dann dürfte ich hier nicht lesen und schreiben. Dann würde ich fein säuberlich alles verdrängen und meine Gefühle zur Not mit ein paar Schlückchen Alkohol ruhig stellen (*Ironie aus* ich hab schon im missbräuchlichen Bereich gesoffen).

    Vielmehr bringt das hier im Forum Geschriebene meine schlimmen (und im Alltag meist gut unterdrückten) Gefühle wieder ans Tageslicht - meine Chance neu und besser damit umzugehen.


    An eines habe ich mich jedenfalls dank dieses Zitats wieder erinnert: Schreibe nicht, diskutiere nicht und unterschreibe nichts wenn du emotional aufgewühlt bist. Warte bis du dich beruhigt und wieder rational unter Kontrolle hast.



    Oft fühl ich mich so gefühlsbehindert, heute wie ein rohes Ei ohne Schale, an anderen Tagen so eiskalt und zugemauert dass ich nur zynisches Gelächter für alle schlimmen Dinge in der Welt übrig habe. Dazwischen hab ich derartig heftige Gefühlsausbrüche dass ich mich nur wundern kann ob das jetzt alles unterdrückter Kram war oder ich ne emotionale Störung habe. Ich finds manchmal so anstrengend ich zu sein.


    Jedenfalls bin ich super-empfänglich für die Stimmungslage anderer Menschen, wenn ich tragische (aber genauso auch schöne) Geschichten lese, erzählt bekomme oder mir Filme anschaue habe ich immer starke emotionale Reaktionen. Ich kann mich gefühlsmäßig schlecht abgrenzen und es gelingt mir nicht immer gut mich rechtzeitig abzuschotten. Das führt mitunter zu heftigen Reaktionen meinerseits obwohl ich selbst gar nicht direkt betroffen bin. :|


    Liebe Grüße an euch da Draußen!


    Alba

  • Guten Morgen Alba,


    Ich kann dich sehr gut verstehen. Wenn ich hier die Geschichten lese, in denen Kinder involviert sind, überkommt mich immer eine Hilflosigkeit. So als ob ich in dem Moment wieder selbst ein Kind bin. Dann springen die Gefühle hin und her zwischen der Erwachsenen, die ich jetzt bin und den Gefühlen von damals.


    Du bist nicht alleine damit :)


    Ganz liebe Grüße,

    Helena

  • Guten Morgen,


    ich finde es toll, dass Du diesen Thread hier eröffnet hast. Ich finde es richtig, keine Forumspause zu machen, sondern voran zu schreiten. Es war gut, dass Du gestern Deinen Emotionen freien Lauf gelassen hast. So ein Gewitter reinigt ja auch manchmal die Luft.


    Dennoch muss ich persönlich mir für mein reales Leben Folgendes öfter mal zu Herzen nehmen:

    Schreibe nicht, diskutiere nicht und unterschreibe nichts wenn du emotional aufgewühlt bist. Warte bis du dich beruhigt und wieder rational unter Kontrolle hast.

    Danke dafür :)

  • Liebe Alba,


    schön, dass du weiterschreibst! Ich konnte die Verzweiflung aus deinem Post gestern lesen und finde es hat sich eine spannende Dynamik/Diskussion entwickelt. Ich bin irgendwie auch EKA (meine Mama fängt gerade immer wieder an zu erzählen...das Jugendamt hat sie lange begleitet nach ihrem Absturz als ich 4 Monate alt war) und ganz ehrlich, ich fühle deine Zeilen 1:1!

    Oft fühl ich mich so gefühlsbehindert, heute wie ein rohes Ei ohne Schale, an anderen Tagen so eiskalt und zugemauert dass ich nur zynisches Gelächter für alle schlimmen Dinge in der Welt übrig habe. Dazwischen hab ich derartig heftige Gefühlsausbrüche dass ich mich nur wundern kann ob das jetzt alles unterdrückter Kram war oder ich ne emotionale Störung habe. Ich finds manchmal so anstrengend ich zu sein.

    Exakt! Ich fühle es!


    Man sagt mir nach, ich sei gut für die Gruppendynamik. Naja, ich sauge alle Stimmungslagen in mir auf und gleiche sie aus. Ich kann mir vorstellen, dass es dir genauso geht. Anstrengend!


    Fühl dich gedrückt,

    LG, Anni

    Alles was man über das Leben lernen kann, ist in 3 Worte zu fassen: es geht weiter.

  • Liebe Alba_tros, du bist nicht allein. Auch ich fühle so wie du es beschrieben hast. Anfangs dachte ich, ich muss hier alles rausschreiben, damit diese ganzen Co-Mütter mal aufwachen. Aber dann dachte ich, es nützt ja eh nichts, weil sie wie blind und taub sind. Und das macht mich sooo traurig und lässt mich fassungslos zurück. Was kann man schon tun, manche hier finden gute und starke Worte, aber meist kommen sie nicht an. Diese armen, verlorenen Kinder, es tut mir im Herzen weh.


    Ich sage immer, ich bin wie ein Astronaut. Aber nicht so ein cooler, der über den Dingen schwebt, sondern einer, der einen Schutzanzug für seine Gefühle braucht. Und der weiß, dass er ohne vielleicht nicht überleben kann.


    Ich finde es toll, dass du so gut über deine Gefühle schreiben kannst, ich hoffe, ich kann das auch eines Tages. Oder muss es nicht mehr können, das wäre noch besser.


    Fühl dich ganz herzlich gedrückt.

  • Danke für eure Reaktionen!

    Da fühl ich mich verstanden und angenommen <3 Das tut echt gut!


    Man sagt mir nach, ich sei gut für die Gruppendynamik. Naja, ich sauge alle Stimmungslagen in mir auf und gleiche sie aus. Ich kann mir vorstellen, dass es dir genauso geht. Anstrengend!

    Das sagt man mir nicht nach :D ich sauge so wie du alle Stimmungen auf und dann katalysiere ich sie in der Form, dass ich das Offensichtliche und auch Unangenehme ausspreche. Damit macht man sich nicht gerade beliebt.

    Eigentlich versuche ich Gruppen so gut es geht zu vermeiden oder erst gar nicht aktiv am Gruppengeschehen teilzunehmen, mich abzuschotten, weil es so anstrengend ist mit all dem Input umzugehen. Tatsächlich habe ich auch gar keinen Freundeskreis sondern nur wenige 1:1 Freundschaften - die sind dafür sehr haltbar und z.T. intensiv, sprich wir stehen uns sehr nahe.

    Ich sage immer, ich bin wie ein Astronaut. Aber nicht so ein cooler, der über den Dingen schwebt, sondern einer, der einen Schutzanzug für seine Gefühle braucht. Und der weiß, dass er ohne vielleicht nicht überleben kann.

    Und ich ein Albatros, ich flieg erst auf die Schnauze wenn ich lande…



    Ich vermute die Anwesenheit und der Kontakt mit meiner Mutter seit gut zwei Monaten sorgt für Aufruhr in meinem Unterbewusstsein. Gerade weil ich jetzt kleine Kinder in dem Alter habe, indem meine Mutter schwerst-co-abhängig von meinem Vater war, kommen automatisch immer wieder kurze Anmerkungen von ihr wie das damals so war. Leider immer noch ziemlich unreflektiert, mein Vater war der Böse und sie hat als Gute versucht alles zusammen zu halten und bloß nicht aus ihrer Abhängigkeit von ihm auszusteigen. Meine Mutter kann und will bis heute nicht die Verantwortung für sich selbst tragen.

    Mein Kinderprogramm kollidiert mit meinem Erwachsenenprogramm, z.B. sagt meine Mutter zu mir:

    Also weißt du Alba, du warst als Kind/Teenager so stur und trotzig, hätte ich dir dies und jenes verboten (was definitiv schädlich für mich war/gewesen wäre) dann hättest du es ja eh trotzdem gemacht. Deswegen hab ich nichts gesagt und einfach gehofft, dass du keine fatalen Entscheidungen triffst.

    Albas Kinderprogamm: Ja stimmt, ich war wirklich total trotzig, mir ist man ja nicht Herr geworden, klar dass sie mich hat laufen lassen. (Ich bin zu anstrengend)

    Albas Erwachsenenprogramm: Sie schiebt dir die Verantwortung zu um dich als Kind/Teenie nicht in gesunde Grenzen weisen zu müssen. (Ich fühle mich alleingelassen und unzumutbar)


    Mir ist z.B. erst vor ein paar Jahren klar geworden (ich bin jetzt 36), dass ich gegen Ende meiner Pubertät versucht habe meine Mutter ein letztes Mal zu zwingen bei mir hinzusehen, mich zu sehen und sich wirklich um mich zu kümmern.

    Ich bin mit 16 schwanger geworden und habe mich für einen Abbruch entschieden. Ich wusste damals genau was passiert wenn man ungeschützten Geschlechtsverkehr hat und trotzdem hab ich es drauf ankommen lassen. Meine Mutter hat als erste von meiner Schwangerschaft erfahren, sie hat mich in die Klinik gefahren und war in dieser Zeit „irgendwie“ für mich da.

    Und ich habe damals gelernt, dass ich eine meiner Grenzen überschritten habe um sie zu zwingen sich um mich zu kümmern, die ich NIE wieder überschreiten werde. Ab da hab ich mich um mich selbst gekümmert und meine Mutter verlassen. Sie hilft mir nicht, sie sieht mich nicht und es kümmert sie auch nicht so wirklich. Ich bin nämlich zu anstrengend, wisst ihr.


    Liebe Grüße an euch, mir geht´s wieder gut und jetzt geh ich raus das schöne Wetter genießen!


    Alba

  • Bei einigen Passagen musste ich herzhaft lachen, bei anderen hab ich nur einfach gospel-mäßig meine Hände in die Luft geschmissen und gedacht „Aaaaaamen“.

    Mein Kinderprogramm kollidiert mit meinem Erwachsenenprogramm

    Ohja, das passiert mir oft und das finde ich mittlerweile gut. Zeigt es doch, dass wir uns dem kindlichen Ohnmachtsgefühl nicht einfach wehrlos hingeben und unseren eigenen Anteil am hier und jetzt reflektieren. Jedes Mal, wenn dir so ein Kollidieren auffällt, darfst du dir mal fest auf die Schulter klopfen. Das fällt vielen nämlich gar nicht erst auf, bzw. bei vielen gibt es keine Unterscheidung der Programme :D.

    Ich bin nämlich zu anstrengend, wisst ihr.

    Ich würde mich selbst als wartungsintensiv (high maintenance) bezeichnen ;). Für dich muss man sich auch mal anstrengen, ins Zeug legen. Das klingt für mich nach einer super sympathischen Eigenschaft, nimm es mal als Kompliment. :)


    Liebe Grüße,

    Helena

  • nimm es mal als Kompliment

    Naaaaaaaaaa gut. ^^ Danke.


    Ich hab heute dein Kapitel der Co-Abhängigkeit von einer Co-Abhängigen gelesen und dabei über mich und meine Eltern und das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern im allgemeinen nachgedacht. Ich komme zu dem Ergebnis, dass Kinder aufgrund ihrer Abhängigkeit von ihren Eltern sowieso immer co-abhängig sind, es ist der natürliche Zustand. Bei psychisch gesunden Eltern ist das kein Problem: die Kinder bekommen keinen Hau weg, lösen sich mit Fortschreiten der Pubertät von ihren Eltern (aus der Co-Abhängigkeit), werden selbstständig und beginnen ein eigenes Leben. Toll.

    Bei Suchtkranken, Co-abhängigen, Depressiven, Schizophrenen, Narzissten, Borderlinern usw. müssen sie lernen - weil es überlebenswichtig ist - wie man mit dysfunktionalen Eltern überlebt. Nebenbei wird man in all den Jahren auch auf dysfunktionale Menschen als Beziehungspartner geeicht. Später löst man sich nicht so einfach von den Eltern wenn man erwachsen wird, weil man ja in der Regel unsicher gebunden ist (die Bindung/Beziehung ist nicht stabil, weil die Eltern und das Leben nicht stabil sind). Von Klein auf darauf trainiert auf die Eltern zu kucken und bei Bedarf sofort stabilisierende Maßnahmen zu ergreifen… Da kann man noch so weit wegrennen und keinen Kontakt pflegen, man wird diese scheiß-stabile ungesunde Bindung nicht los.

    Eigentlich ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis man den perfekten dysfunktionalen Partner gefunden hat, der perfekt zur eigenen schrägen Prägung passt. Eine innige, naive Liebe und Bindung, wie man sie halt als Kind zu seinen Eltern hatte. Und man kommt genauso schwer von so Jemanden wieder los.


    Ich habe vor kurzem in einem schlauen Artikel gelesen, dass man die Kindheitstraumata ja meistens irgendwohin gut aufräumt und sie einem dann im normalen Leben nicht mehr belästigen. Super, sie sind quasi weg!

    Bis man spätestens, oh oh, selber Kinder bekommt. Wenn die Kinder das Alter erreichen in dem man selber traumatisiert wurde, dann kommen auch aus dem Nichts die schlimmen Gefühle wieder hoch.


    Ich selbst erlebe das derzeit so, dass ich mit meinem Vater nichts zu tun haben will. Ich habe den Kontakt abgebrochen ohne dass es mir bewusst war. Ich will ihn partout nicht an meine Kinder ran lassen, ich will ihm nichts von ihnen erzählen, geschweige denn von ihm ein Wort über Kinder im allgemeinen hören. Und so haben wir bis auf die üblichen SMS zum Geburtstag und Weihnachten seit Sommer 2019 kein Wort mehr gewechselt.

    Davor hatten wir auch Zeiten, in denen wir 1x die Woche telefoniert haben und ich kann auch nicht sagen, dass ich meinen Vater nicht mag. Ich mag ihn, wir sind uns sogar ähnlich (der Apfel fällt nicht weit vom Pferd) und im Leben nicht will ich ihn in die Nähe meiner Kinder lassen. Er wohnt zwar einige 100km weit weg, aber er ist mir schon am Telefon zu nah. Ich empfinde ihn in dem Alter nur als Bedrohung (meine Kinder sind 1,5 und 3,5 Jahre alt).

    Zum Glück interessiert er sich immer noch hauptsächlich für sich selbst, da ist er zwar gekränkt, dass ich ihm seine Enkel „vorenthalte“ aber nie würde er tatsächlich was unternehmen um echten Kontakt zu ihnen zu knüpfen.


    Darüber bin ich ein bisschen traurig und seeeeeeeeehr erleichtert.


    Bis bald!


    Alba

  • Hey Alba,


    Ich versteh sehr gut was du meinst, das Leben wir dich sehr stark geprägt von der Kindheit und wenn man diese nucht wirklich Öeben kann hängt einem das sehr lange nach. Aber ich finde es hat auch seine Guten Seiten, das Verantwortungsbewusstsein und den Ruhepol für andere den ich entwickelt habe, ist zwar einerseits ziemlich nervig abgeben andererseits werde ich von vielen gerade deswegen sehr geschätzt. Mit den Mauern, von den du Geschrei hast die du aufgebaut hast, das geht mir genauso. Bei mir dauert es wirklich sehr sehr lange, bis uch jemand an mich ran lasse und bei denen habe ich eigentlich permanent Bedenken verletzt zu werden, aus diesem Grund habe ich auch nur wenige echte Freundschaften und meist auch 1:1. Aber lieber weniger und dafür gute Freunde, denke ich mir.


    Liebe Grüße

    Susi

  • Aber ich finde es hat auch seine Guten Seiten, das Verantwortungsbewusstsein und den Ruhepol für andere den ich entwickelt habe, ist zwar einerseits ziemlich nervig abgeben andererseits werde ich von vielen gerade deswegen sehr geschätzt.

    Hallo Susi!

    Früher dachte ich das so in etwa auch, heute denke ich zweigeteilt darüber. Verantwortungsbewusstsein und Standfestigkeit (Ruhepol) sind gute Eigenschaften, weil sie mir selbst nützen, wenn ich sie für mich einsetze.

    Meine Freunde und Familie schätzen diese Eigenschaften auch sehr, aber ich hatte auch schon „Freunde“ die nur von mir profitiert haben und mir andersrum nichts zurück geben konnten. Das ist dann zu einseitig auf Dauer und langfristig fühlte ich mich ausgenutzt. Allerdings habe ich noch nie jemanden getroffen, der noch verantwortlicher (außer meine Schwester) oder standfester gewesen wäre als ich :P andersrum ist niemand da zu dem ich gehen könnte um mich anzulehnen. Von meinen aussortierten Freunden erwarte ich zumindest, dass sie mir zuhören wenn ich mich kurz auskotzen will um Dampf abzulassen, wenn sie mir schon nicht helfen können.

    Ich habe gelernt, mich bei mir anzulehnen und meine Kraft ganz egoistisch für mich selbst einzusetzen wenn ich Hilfe von mir brauche. Da schätze ich mich selbst dann wirklich sehr ^^


    Das schöne an diesem Forum ist, dass ich mich hier tatsächlich (zum ersten Mal) wie angekommen fühle. Das Verständnis von den anderen EKAs, zufrieden Trockenen und genesenen Co-Abhängigen hier empfinde ich als wirklich sehr tröstlich, besser als das Verantwortungsbewusstsein oder den Ruhepol einer guten Freundin. Wonach ich mich sehne ist Verständnis, gesehen, verstanden und angenommen zu werden und das finde ich hier. <3


    Liebe Grüße


    Alba

  • Ich habe gelernt, mich bei mir anzulehnen und meine Kraft ganz egoistisch für mich selbst einzusetzen wenn ich Hilfe von mir brauche. Da schätze ich mich selbst dann wirklich sehr ^^

    Das zu lesen freut mich sehr. Positiver Egoismus, ist manchmal einfach die beste Unterstützung 👍

    Nach einem sehr anstrengenden Wochenende, geb ich mir die nächsten Tage auch eine extra Portion selfcare. Danke dafür.

  • Liebes Forum,


    wie geht es dir? Mir geht es gut. :)


    Meine Mutter wohnt nun seit fast 3 Monaten bei mir in der Nähe und ich sehe sie fast täglich für ein paar Stunden. Sie ist derzeit trocken, auf Medikamente gegen ihre chronische Depression eingestellt und lebt ihr eigenes Leben… es geht ihr nicht super aber es ging ihr auch schon deutlich schlechter.

    Ich fühle sehr wenig in Bezug auf sie, ich habe Tage, da kann ich nicht mal sagen, ob ich sie wirklich gern mag oder ob sie mir nur auf einem oberflächlichen Level sympatisch ist.

    Ich bin froh, dass wir (meine Schwester und ich) sie aus ihrem verwahrlosten Leben rausgeholt haben und soweit ALLES geregelt haben, die Pfeiler eines stabilen Umfeldes inklusive Geldeingang stehen. Darüber bin ich froh, ich hab getan was ich konnte und das reicht mir.

    Ich hatte mich ja damals in diesem Forum hier angemeldet, weil ich große Angst davor hatte, wie es mir emotional ergehen würde, wenn ich wieder Kontakt zu ihr und dann auch noch gleich so viel haben werde. Ich hab mich stabilisiert, ich hoffe auf eine vernünftige Art und Weise. Dass ich so wenig fühle bedeutet, dass ich die Mauern oben habe wenn ich mit ihr zu tun habe, begleitet von einer angenehmen Wurschtigkeit. :D

    Ich hab sie nicht „gerettet“ um SIE zu retten, ich hab es in erster Linie für mich selbst und meine Schwester getan, um meiner Integrität treu zu bleiben und meinen Seelenfrieden zu behalten.


    Für mich war es gut, meine Mutter davor schon emotional begraben und betrauert zu haben, denn jetzt fühle ich mich frei von diesem Mutter-Tochter-Band. Sie hat uns ganz aufgegeben als sie angefangen hat süchtig zu trinken und ich hab sie losgelassen als ich verstanden habe, dass die Mama auf die ich schon so lange warte, niemals kommt.

    Das war eine sehr traurige Zeit aber heute geht es mir deutlich besser! Heute geht es mir wieder gut - ohne eine Mutter.



    Der Vater meiner Kinder ist ja nun seit gut 1,5 Jahren trocken und wir sind immer noch dabei, unsere Beziehung wieder da anzuknüpfen, wo wir suchtbedingt auseinander gedriftet sind. Wir haben eine unterschiedliche Vergangenheit zusammen erlebt, er getrübt durch die Suchtbrille und ich hypersensibel durch Schwangerschaft und das Reinwachsen ins Mama-Dasein. Für mich ist es so wichtig, meine Vergangenheit mit seiner Vergangenheit abzugleichen und die damaligen Geschehnisse von seinem trockenen Blickwinkel aus nochmal neu bewertet zu hören. Heute klingt es dann nicht mehr wie ignorantes Alkoholiker-Gelaber sondern wie die Einschätzung eines halbwegs empathischen Menschen. Das beschwichtigt meine Wut und Trauer, meinen Schmerz, meine Kränkung und meine Enttäuschungen weil es mir beweist, dass dieser Mann tatsächlich krank war und dass er „gesund“ doch ein liebenswerter Kerl ist. Mit so jemanden kann ich neu anknüpfen und zufrieden leben.


    Bei meiner Mutter seh ich da keine Chance auf Aufarbeitung und deswegen auch keine Möglichkeit, die Beziehung zu ihr nochmal zu vertiefen. Sie macht einen großen Bogen um den emotionalen Mist meiner Kindheit und weil sie heimlich gesoffen hat (oder besser: sie hat sich zum Saufen von uns und jedem anderen wegisoliert) hofft sie, dass es für uns nicht so schlimm war - also muss man auch nicht drüber reden, ihre Sucht betrifft nur sie, wünscht sie sich.

    Tatsächlich ist mir das auch egal. Mit ihr muss ich die Vergangenheit nicht aufarbeiten, denn mit ihr lebe ich nicht zusammen. Es reicht mir, meine Vergangenheit für mich aufzuarbeiten und neu zu bewerten. Raus zu kommen aus den Kindergefühlen und sie als Erwachsene und selbst Mama neu zu bewerten.


    Liebe Grüße an euch!


    Alba

  • Hej Alba…


    das liest sich gut und freut mich für dich!


    Am besten gefällt mir allerdings die angenehme Wurschtigkeit :mrgreen: denn immer wenn die mir bei mir selbst auffällt, in Bezug auf meine Mutter aber eigentlich auch bei anderen Dingen, dann geht’s mir gerade gut mit dem Thema. Vielleicht schreib ich mir das mal irgendwo als Denkanstoß hin.


    Ganz liebe Grüße, Lea

  • Guten Morgen Alba,


    wie schön, dass du dich eingegroovt hast mit deinem Umgang mit deiner Mama. Ich hatte am Anfang ein wenig Bedenken, aber du scheinst einen guten Weg für dich gefunden zu habe. Das freut mich. Die Wurschtigkeit kenne ich auch, wobei die sich bei mir immer mit trotziger Professionalität (als wäre mein Papa nur ein schwieriger Geschäftspartner 😁) im Umgang mit meinem Papa abgewechselt hat. Aber mein Papa war auch weit davon entfernt trocken zu werden.


    Auch der Absatz mit deinem Mann, liest sich als würden sich die Wellen bei dir langsam beruhigen. Eine Passage will ich aber rausstellen und schreiben "Obacht".

    dass dieser Mann tatsächlich krank war und dass er „gesund“ doch ein liebenswerter Kerl ist. Mit so jemanden kann ich neu anknüpfen und zufrieden leben.

    Die Sucht ist unheilbar, d.h. er ist weiterhin krank, es gibt nur aktuell keinen Krankheitsausbruch. Und ich hoffe für euch, dass das auch so bleibt. Ich denke die Worte aus deinem Absatz sollte ich nicht auf die Goldwaage legen, denn ich finde dich dafür zu reflektiert. Deshalb sind meine Worte vor allem als genereller Denkanstoß für alle Lesenden gemeint.


    Ich wünsche dir viele schöne Sommertage mit deiner Familie

    Liebe Grüße,

    Theresa

  • Liebe Helena,

    du hast völlig recht! Mir ist beim Schreiben nur keine bessere Kurzbeschreibung eingefallen als „gesund“. Einmal süchtig immer süchtig, das Gehirn lässt sich nicht mehr zurück bauen. Die Psyche im sozialen Kontext - wenn nicht zu sehr versoffen - kann aber mit andauernder Abstinenz und persönlicher Arbeit wieder „gesund“ werden.

    Ich werde dazu in meinem anderen Thread bei den Angehörigen schreiben, weil es nicht so viel mit mir als EKA zu tun hat, sondern wie ich die Wandlung vom Vater meiner Kinder vom süchtig-trinkenden (kranken) Alkoholiker zum trockenen (gesunden) Alkoholiker erlebt habe und immer noch erlebe.

    Danke für deine wertvolle Anmerkung!


    Alba

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