Saphira - meine Geschichte mit meinem Mann

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Die Freischaltung für den geschützten Bereich kann nach frühstens 4 Wochen erfolgen. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo allerseits,


    ich bin weiblich, 43 Jahre alt und 2-fache Mama sowie verheiratet. Ich habe in den letzten 2, 3 Wochen viel in diesem Forum gelesen, weil ich mir immer wieder unsicher war, ob ich meinen Mann als Alkoholiker sehen muss. Hinzu kommen nämlich noch Depressionen....alles nur laienhaft von mir "diagnostiziert", weil er sich standhaft weigert sich Hilfe zu holen. Wir sind seit 12 Jahren ein Paar, 7 Jahre davon verheiratet. Er hatte eine sehr schwere Kindheit, keinen Kontakt zum leiblichen Vater und einen gewalttätigen Stiefvater, der aus heutiger Sicht Alkoholiker war. In den ersten Beziehungsjahren hat er immer wieder phasenweise gerne abends Wein getrunken, ich habe ihn aber nie betrunken erlebt. Er war auch nie ungut zu mir, wenn er etwas getrunken hatte. Jedoch machten sich in Zeiten, in denen er abends etwas trank, tagsüber Stimmungsschwankungen breit. Das führte irgendwann zum Streit, woraufhin er seinen Alkoholkonsum für einige Wochen oder Monate aufgab und er war wieder ausgeglichen....bis es wieder von vorne losging.

    Vor etwa 3 oder 4 Jahren wurden dann seine Depressionen stärker. Er weigerte sich aber etwas dagegen zu unternehmen und hat uns somit als Familie und Paar das Leben schwer gemacht. Stimmungsschwankungen und eine geringe Belastbarkeit waren an der Tagesordnung und ich war mit Kinder und Haushalt mehr oder weniger auf mich allein gestellt. Langsam wurde der Alkoholkonsum mehr und ich erlebte ihn zum ersten Mal betrunken. Anfangs war er redseliger, später ließ er seinen Frust in Form von Beleidigungen und Beschuldigungen an mir aus. Richtig schlimm wurde es von jetzt auf gleich vor gut einem Jahr. Seither beschuldigt er mich vehement, ich hätte ihn unsere ganze Beziehung lang mit anderen Männern betrogen. Hab ich aber nicht. Kein einziges Mal. Auf dem Trip ist er bis heute. Ich muss dazu sagen, dass unsere Beziehung in den ersten Jahren sehr sehr glücklich war, beide Kinder (10 u 6J) waren Wunschkinder, ich habe mich von ihm sehr geliebt gefühlt und auch ihn sehr geliebt - große Liebe auf jeden Fall, wir hatten tolle Gespräche, waren immer füreinander da und wenn es Streit gab, wurde es schnell wieder konstruktiv. Wir waren uns beide nie zu schade Fehler zuzugeben.

    Seit er mich des Betrugs beschuldigt, wurde unsere Ehe zur reinsten psych. Belastung (1 Jahr lang jetzt). Im Laufe der letzten Monate wurde der Alkoholkonsum sehr viel mehr und er ist 2, 3 mal pro Woche mehr oder weniger stark betrunken heimgekommen. Da ich seit meiner Coronainfektion zeitweise nach wie vor nichts rieche, war ich mir oft auch nicht sicher, ob er getrunken hat. Später sind aber in diversen Kästen leere Alkflaschen aufgetaucht, was wohl für keinen gesunden Umgang mit Alk spricht.

    Vor 6 Wochen gab es dann eine Eskalation. Er ist stockbetrunken mit dem Auto 10 km nach Hause gefahren und daheim umgefallen ("nur" das Gleichgewicht verloren). Jedenfalls kam es zum Streit, er schrie mit mir extrem und hörte nicht damit auf, obwohl unser 10j. Sohn daneben war und sich so gefürchtet hat, dass er sich übergeben musste. Er war nicht zu bremsen, somit habe ich den Notruf gewählt. Seither ist er quasi ausgezogen und spricht mit mir kein Wort und tut so, als hätte ich grundlos die Polizei gerufen. Mit den Kindern hat er seither regelmäßig Kontakt und er überhäuft sie mit Geschenken. Er hat null Einsicht. Die Böse bin ich. Er ist emotional mit nichts erreichbar, gibt jede Verantwortung ab, behauptet kein Alkoholproblem zu haben, er kann nämlich jederzeit aufhören (kann er wirklich, aber nur bis er nach einigen Wochen bis Monaten wieder anfängt).

    Ich habe vor allem im letzten Jahr die Familie mit aller Kraft zusammengehalten, ich wollte unbedingt diesen wunderbaren Mann, der er jahrelang für mich war, zurück, ich wollte und will nach wie vor nicht, dass unsere Kinder Scheidungskinder werden, ich habe ihm so vieles abgenommen, weil er null belastbar war/ist (Arbeiten hat er immer gut geschafft). Ich habe uns zusammengehalten, weil wir beruflich verschränkt sind und auch weil ich die finanzielle Herausforderung als Alleinerziehende fürchte.

    Ich bin derzeit wütend und traurig, weil er nichts checkt, sich jeden Tag dazu entscheidet nichts zu ändern (der 10jährige Sohn hat ihn gebeten mit ihm gemeinsam eine Therapie zu machen, wozu er zunächst eingewilligt, aber niemanden gesucht hat.) Ich habe bereits vor 1 Monat eine Psychologin, die auf Kinder mit psych. erkrankten Eltern spezialisiert ist, gesucht, wo wir bereits 2x waren. Er behauptet auch immer wieder er sei psychisch völlig gesund, aber ich sollte dringend in Therapie (mach ich aber ohnehin in unterschiedlichen Abständen zur Selbstfürsorge seit Jahren und bin gut versorgt).


    Soweit ich aus den vielen Beiträgen herauslesen konnte, kann ich nicht mehr machen als nichts machen. Ich halte mich bei SMS-Kontakten so kurz wie möglich und sachlich, setze jetzt Grenzen, die ich vorher nicht gesetzt habe, schweige nicht mehr, schone ihn nicht mehr. Die Kinder leiden und wünschen sich eine intakte Familie...und ich auch. Wir wollten immer gemeinsam alt werden.

    Ich dachte wirklich, dass die Sache mit der Polizei ein Tiefpunkt für ihn wäre, aber anscheinend geht es ihm noch nicht schlecht genug.

    Die Sache mit der Tragweite bezüglich Alkohol fange ich aber erst, seit ich dieses Forum gefunden habe, an zu realisieren.

    Ich schwanke immer wieder zwischen Wut und Schmerz, am schlimmsten ist aber diese Ohnmacht.

    Ich bin sicher, dass der Mann, den ich geheiratet habe, mit dem heutigen hart ins Gericht ginge. Doch der heutige lebt in einer anderen Welt.😓

    Liebe Grüße, Saphira

  • Hallo Saphira,


    herzlich willkommen in unserem Forum.


    Du hast es ja schon erwähnt, du kannst leider nichts machen.

    Mit Alkohol wird keine Depression besser.

    Seither beschuldigt er mich vehement, ich hätte ihn unsere ganze Beziehung lang mit anderen Männern betrogen. Hab ich aber nicht. Kein einziges Mal.

    diese Beschuldigungen habe ich auch erlebt, bis ich aufgehört habe, mich zu rechtfertigen.

    Ich wollte meinen Kindern auch die "heile" Welt erhalten, aber die gab es schon lange nicht mehr.

    Wenn dein 10 jähriger seinem Vater eine gemeinsame Therapie anbietet, hat er bestimmt schon sehr viel mitbekommen als du ahnst.

    Du und deine Kinder, keiner hat schuld, wenn dein Mann zuviel trinkt.

    Das ablenken deines Mannes von seinem Alkoholkonsum hin zu deinen angeblichen Fehlern, dient einzig und alleine dazu, dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Du hinterfragst dich dann, und er trinkt seelenruhig weiter.

    Wenn du dich hier regelmäßig austauschen möchtest, sag Bescheid, dann bekommst einen Link, und kannst dich kurz für den offenen Bereich bewerben.



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Morgenrot!


    Vielen Dank - ich würde mich hier sehr gern öfters austauschen. Mir hat allein schon das Lesen in

    Du und deine Kinder, keiner hat schuld, wenn dein Mann zuviel trinkt.

    Das ablenken deines Mannes von seinem Alkoholkonsum hin zu deinen angeblichen Fehlern, dient einzig und alleine dazu, dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Du hinterfragst dich dann, und er trinkt seelenruhig weiter.

    Den Schuh, dass ich an seinen Depressionen und seinem Alkokonsum Schuld bin, zieh ich mir nicht an. Das hätte er schon versucht mir einzureden. Das funktioniert aber nicht. Er hatte eine schwere Kindheit, daher kommt das, aber nicht, weil ich hin und wieder meckerte, weil mir irgendwas mal nicht passt.


    Ich habe halt trotzdem lange versucht zu retten. Völlig erfolglos, muss ich mir leider eingestehen.


    Ich weiß nicht, ob ich mich selbst als Co sehen soll. Ich habe nie Flaschen geleert, zum Altglas gebracht, kontrolliert, ob u wie viel er getrunken hat.

    Was ich schwer loslassen kann, ist der Wunsch wieder eine intakte Familie zu werden. Ich kann es mir (heute) noch nicht vorstellen, dass wir wirklich scheitern und uns scheiden lassen müssen. Da sind sich Herz und Verstand noch uneinig.


    Gut finde ich aktuell die räumliche Trennung. Ich merke, wie ich innerlich ein wenig zur Ruhe komme. Ich war im letzten Jahr echt dauerangespannt, weil ich nie wusste, welche Stimmung mich als Nächstes erwartet, hatte Schlafstörungen und Gewichtszunahme von all dem innerlichen Stress.


    Mir ist jedenfalls klar, dass es keinen schnellen, einfachen Weg gibt. Kommt es zur Scheidung, werden wir alle eine Weile brauchen um uns wieder zu sortieren u aufzuarbeiten, bis wir damit klar kommen u kommt es zum Wunder und er zeigt doch noch Einsicht, wird es ganz gewiss kein einfacher Weg.


    Er hat sich in den letzten 2, 3 Jahren sehr von Freunden zurückgezogen, Kontakte einfach nicht mehr gepflegt - ich würde sagen, das kam mehr von der Depression als vom Alk. Denkt ihr, es könnte irgendwas bewirken, wenn ich einen sehr lieben, langjährigen Freund, der sein Trauzeuge war, informiere?


    LG, Saphira

  • Guten Morgen, Saphira!


    Bewerbung - Alkoholiker Forum
    Bewerbung für die Teilnahme am Forum
    alkoholiker-forum.de


    Hier ist der angesprochene Link. Bitte einfach anklicken und ganz kurz das Feld ausfüllen.

    Dann wirst du freigeschaltet und dein Thema vom Vorstellungsbereich in den Angehörigenbereich verschoben.


    Liebe Grüße und herzlich Willkommen hier im Forum,

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Saphira,


    Willkommen im Forum, schön, dass du da bist! Ich finde du hast schon einen super Schritt gewagt mit der räumlichen Trennung. Mir geht es seit dem Auszug auch besser. Es fällt mir leichter, mich auf mich zu konzentrieren. Und die Kinder. Was du von deinem Sohn erzählst, stimmt mich traurig. Wenn Kinder denken, sie müssten die Eltern retten. Aber du zeigst ihnen jetzt, dass du dein Leben in die Hand nimmst und alles dafür tust, damit es dir und den Kindern wieder gut geht.

    Denkt ihr, es könnte irgendwas bewirken, wenn ich einen sehr lieben, langjährigen Freund, der sein Trauzeuge war, informiere?

    Vermutlich nicht. Wenn du jemanden brauchst zum Reden, dann würde ich sagen ja. Aber du siehst ja, dass nicht mal die Familie, du, seine Liebe, einen Zugang zu ihm findet.


    LG,

    Anni

    Alles was man über das Leben lernen kann, ist in 3 Worte zu fassen: es geht weiter.

  • Die Psychologin meinte, er brauche noch einen Tiefpunkt von außen, der nichts mit mir oder den Kids zu tun hat.

    Er funktioniert halt sonst recht gut, geht seiner Selbstständigkeit nach und ist hart im Nehmen. Einfach weil er das gewohnt ist, denn nur so konnte er seine Kindheit irgendwie emotional "überleben".


    Ich versuche seit der Eskalation mit den Kindern so normal wie möglich zu leben und schöne Erlebnisse zu haben. Dieses Hin und Her (mal schlafen sie zu Hause, dann wieder bei ihm) ist belastend. Am meisten regt mich auf, dass er sich die Kinder grad "kauft". Er erfüllt ihnen jeden Wunsch. Kaum erwähnen sie irgendwas, das ihnen gefallen würde, besorgt er es ihnen noch vor dem nächsten Treffen. Sie bekommen Berge von Süßigkeiten, TV und Nintendo ohne Ende. So wollten wir nie, dass unsere Kinder aufwachsen.😭

    LG, Saphira

  • Hallo Saphira,


    das sind Spielchen, um die Kinder auf seine Seite zu ziehen. Natürlich lassen sie sich erst einmal davon beeindrucken und nehmen es an.

    Das tun sie nicht, um dir eins "auszuwischen", sondern weil sie Kinder sind.

    Die spüren aber bestimmt auch, dass mit dem Vater etwas nicht stimmt. Wenn sie fragen sei ehrlich, Kinder haben sehr feine Antennen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Saphira,

    und Willkommen im Forum!

    Er hatte eine sehr schwere Kindheit,

    Viele Menschen hatten eine schwere Kindheit, aber es saufen nicht alle deshalb!

    Ein Trinker trinkt, weil er trinken muss...abhängig geworden ist.


    Die Kinder leiden und wünschen sich eine intakte Familie...und ich auch.

    Du als Mutter mit 2 Kindern seid doch auch eine Familie!

    Kinder leiden unendlich in dysfunktionalen Familien, sie werden darin für ihr ganzes weiteres Leben geschädigt. Die hatten dann auch eine schwere Kindheit!

    Willst Du ihnen das wirklich antun, nur um nach außen hin als heile Familie dazustehen?


    Übrigens, diese krankhafte, völlig grundlose Eifersucht entstand bei mir auch durch meine Sauferei. Denn in Wirklichkeit bin ich kein eifersüchtiger Mensch.

    Ich habe meinem lieben Mann absurde Fremdgeh-Geschichten unterstellt, die nie geschehen sind.

    Warum?

    Erstens lieferte mir das einen Super-Grund zum Saufen. Ich arme Frau werde von meinem Mann bösartig betrogen. Da habe ich ja wohl jedes Recht, mich zu besaufen!

    Es war ein Wälzen im "ich arme Sau-Syndrom", mehr nicht.


    Dazu kam noch mein extrem erschüttertes Selbstbewusstsein. Ich soff, wurde kratzbürstig und mit Worten aggressiv und schämte mich sehr für meine Unfähigkeit, damit aufzuhören. Es gab viele Versuche, aufzuhören, ALLE scheiterten! Mir war auch gar nicht klar das ich da alleine nicht mehr rauskomme.

    So wurde ich innerlich immer kleiner mit Hut, konnte mich selbst nicht mehr ertragen. Ich fühlte mich komplett unliebenswert. Was also wollte denn mein Mann mit mir unfähigen Person noch?

    Meine Eifersucht beruhte auf meinem zerstörten Selbstbewusstsein, und das hatte ich mir mit der Sauferei kaputt gemacht.


    Als ich endlich Hilfe annehmen konnte, änderte sich alles. Ich musste mich nicht mehr schrecklich benehmen. Ich wurde wieder schlanker, neue Frisur, neue Klamotten und innerlich heilte ich auch.

    Mein Selbstbewusstsein kam zurück und die Eifersucht verschwand.


    LG Sunshine

  • Hallo Saphira,


    Du bist nun freigeschaltet und hier geht es für Dich weiter.


    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch!

    LG Elly


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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    *06.01.2013*

  • Hallo Sunshine,

    Viele Menschen hatten eine schwere Kindheit, aber es saufen nicht alle deshalb!

    Ein Trinker trinkt, weil er trinken muss...abhängig geworden ist.


    Du als Mutter mit 2 Kindern seid doch auch eine Familie!

    Kinder leiden unendlich in dysfunktionalen Familien, sie werden darin für ihr ganzes weiteres Leben geschädigt. Die hatten dann auch eine schwere Kindheit!

    Es waren immer seine Worte, dass eine schwere Kindheit keine Entschuldigung dafür ist, anderen Menschen deshalb zu schaden. Er war jahrelang der einfühlsamste, bemühteste, liebevollste Partner. Ich hätte mir keinen besseren wünschen können. Er war früher nie abgeneigt seine Kindheit aufzuarbeiten, hat alles Mögliche in Anspruch genommen...bis es irgendwann in die andere Richtung umgeschlagen hat - laienhaft diagnostiziert durch eine Retraumatisierung. Seither will er nichts mehr davon wissen, es ist einfacher mich als psychisch krank zu bezeichnen und sich selbst immer tiefer reinzureiten.


    Die Kinder sehen es selbst wie du geschrieben hast. Sie haben nun auch eine schwere Kindheit(sphase).


    Dazu kam noch mein extrem erschüttertes Selbstbewusstsein. Ich soff, wurde kratzbürstig und mit Worten aggressiv und schämte mich sehr für meine Unfähigkeit, damit aufzuhören. Es gab viele Versuche, aufzuhören, ALLE scheiterten! Mir war auch gar nicht klar das ich da alleine nicht mehr rauskomme.

    So wurde ich innerlich immer kleiner mit Hut, konnte mich selbst nicht mehr ertragen. Ich fühlte mich komplett unliebenswert. Was also wollte denn mein Mann mit mir unfähigen Person noch?

    Meine Eifersucht beruhte auf meinem zerstörten Selbstbewusstsein, und das hatte ich mir mit der Sauferei kaputt gemacht.

    Genauso sehe ich das auch. Es tut mir grad so gut, das von jemandem zu lesen, der dasselbe Verhalten hatte.

    Es ist sein mangelndes Selbstbewusstsein, es sind seine Probleme, er projiziert sie auf mich, aber ich bin nicht dafür verantwortlich. Wie oft habe ich ihm schon gesagt, dass er kein Kind mehr ist, dass es traurig ist, was er als Kind erleben musste. Aber von seinen Eltern wird nichts kommen. Er ist erwachsen und kann nur mehr für sich selbst eintreten und die Verantwortung für das übernehmen, was er erlebt hat.

    Als ich endlich Hilfe annehmen konnte, änderte sich alles. Ich musste mich nicht mehr schrecklich benehmen. Ich wurde wieder schlanker, neue Frisur, neue Klamotten und innerlich heilte ich auch.

    Mein Selbstbewusstsein kam zurück und die Eifersucht verschwand.

    Darf ich fragen, ob das deine Ehe überstanden hat? Konntest du das auch gegenüber deinem Mann zugeben?


    LG, Saphira

  • Meine Partnerschaft hat das überstanden, Saphira...wir waren damals noch nicht verheiratet, aber schon viele Jahre liiert.

    Wir haben geheiratet, als ich schon 5 Jahre trocken war.


    Mein Partner hat sich aber auch vor mir geschützt, er war nie ein CO im klassischen Sinne.

    War ich besoffen, sprach er nicht mit mir.

    Nervte ich zu sehr mit aufgedrückten Gesprächen, schloss er sich ein.

    Er log nie für mich, entschuldigte auch nirgends mein Verhalten oder so.

    Kurzum, er grenzte sich rigoros ab, wenn ich soff.


    Was meinst Du genau, was ich meinem Mann gegenüber zugeben konnte?


    LG Sunshine

  • Liebe Sunshine,

    Was meinst Du genau, was ich meinem Mann gegenüber zugeben konnte?

    damit meinte ich die grundlose Eifersucht und die falschen Beschuldigungen.


    Das ist für mich sehr verletzend und er kann der arme schwarze Kater mit der bösen betrügenden Ehefrau bleiben und somit perfekt von seinen Verfehlungen ablenken.


    Vor einigen Monaten hatte er mal für 3 Tage sowas wie einen klaren Moment. Da war er kurz der Mann, wie ich ihn immer kannte. 3 Tage Einsicht. Er war entsetzt, was er uns und mir angetan hatte, hat versprochen alles gut zu machen, zum Neurologen od Psychiater zu gehen (da ging es weniger um Alk, sondern viel mehr um die Depressionen samt seinem Wahn, ich betrüge ihn). Es war wie mit einem Alzheimerpatienten. Er war so, wie ich ihn immer kannte, konstruktiv, einsichtig und nach 3 Tagen ist er wieder in seine neue Welt abgetaucht und bisher nicht mehr aufgetaucht.

    Leere Versprechungen kannte ich sonst von ihm nicht.

    Für mich so schwer zu begreifen sind diese plötzlichen Wesensveränderungen. Es ist dieselbe Hülle wie immer, aber sonst ist er nicht mehr wiederzuerkennen. Ich habe mich nicht nur einmal gefragt, ob er nicht auch einen Gehirntumor o.ä. haben könnte.


    LG, Saphira

  • Gehirntumor?

    Och nööö...aber der Alk verändert das Wesen immer mehr.

    Diese klaren Momente gibt es immer mal.

    Leider halten sie nicht lange. Die Sucht ruft dann wieder...immer lauter.


    Apropos klare Momente...das ist auch mitunter ein Scheinbild...der Alk ist erst nach 7-10 Tagen aus dem Körper, erst dann kann man überhaupt von klaren, nüchternen Tagen sprechen.

    Im Kopf, also im Gehirn dauert es wohl sogar Monate, bis der Alk abgebaut ist. Es bilden sich bestimmte Ammoniakverbindungen, und das dauert, bis die wieder weg sind. So ähnlich wurde uns das vom Arzt im KH bei meiner Entgiftung erklärt, aber ich krieg das nicht mehr wirklich zusammen. Kann man aber wohl ergoogeln.


    Hm, über meine unbegründete Eifersucht haben mein Mann und ich nicht explizit gesprochen, denke ich...ich kann mich jedenfalls nicht dran erinnern. Kann aber sein, das doch. Wir sprachen immer offen über meine Krankheit seitdem ich trocken bin. Ich bin nun aber schon 20 Jahre trocken, da weiß ich auch nicht mehr alles...ist alles ja auch lange her.


    Mein Mann hat übrigens nie Entschuldigungen für mein Verhalten in der Saufzeit von mir erwartet.

    Er hat im KH durch meine sehr schwere Entgiftung und in Arztgesprächen gerafft, das ich eine Krankheit habe und keine Willensschwäche.

    Als ich ihn mal fragte, ob er mir überhaupt alles verzeihen kann, sagte er nur, ich habe Dir bereits an dem Tag verziehen, als Du aufhören konntest zu trinken.


    Aber wie gesagt, mein Mann hat sich nie in eine CO-Abhängigkeit begeben, er hat sich vor meinen verbalen Ausfällen abgegrenzt, sich dem nicht so ausgesetzt aus Selbstschutzgründen. Er hat bestimmte Verletzungen gar nicht so an sich rangelassen.


    Wenn ich hier manche COs lese, was es da schon für krasse Vorfälle gab, dann sträuben sich mir oft die Nackenhaare. Hätte ich mich so aufgeführt, hätte mein Mann mir schlicht und ergreifend längst die Koffer vor die Tür gestellt, da bin ich mir sicher.


    LG Sunshine

  • Hallo Saphira,

    schön dass du da bist. Ich selbst sollte mit Sicherheit keine guten Ratschläge erteilen. Erstens bin ich auch erst seit gut 4 Wochen hier und zweitens bin ich immer noch nicht in der Lage mich als Co zu lösen.

    Ich habe vor allem im letzten Jahr die Familie mit aller Kraft zusammengehalten, ich wollte unbedingt diesen wunderbaren Mann, der er jahrelang für mich war, zurück, ich wollte und will nach wie vor nicht, dass unsere Kinder Scheidungskinder werden, ich habe ihm so vieles abgenommen, weil er null belastbar war/ist (Arbeiten hat er immer gut geschafft). Ich habe uns zusammengehalten,

    So war und bin ich auch! Genau aus diesen Gründen bin ich geblieben! Bis heute!

    Das du die räumliche Trennung vollzogen hast ist ein super Schritt. Hochachtung!!

    Ich wusste es ja schon bevor ich hier im Forum unterwegs war, aber jetzt bin ich mir zu 1000 % sicher.....ICH KANN IHN NICH HELFEN!!!!!!!!! Er muss es von sich aus aus voller Überzeugung wollen... :(

    Mir ist jedenfalls klar, dass es keinen schnellen, einfachen Weg gibt. Kommt es zur Scheidung, werden wir alle eine Weile brauchen um uns wieder zu sortieren u aufzuarbeiten, bis wir damit klar kommen u kommt es zum Wunder und er zeigt doch noch Einsicht, wird es ganz gewiss kein einfacher Weg.

    Das siehst du genau richtig und sehr nüchtern.

    Er behauptet auch immer wieder er sei psychisch völlig gesund, aber ich sollte dringend in Therapie (mach ich aber ohnehin in unterschiedlichen Abständen zur Selbstfürsorge seit Jahren und bin gut versorgt).

    :? Genau wie bei mir! Derweil bin ich diejenige dich sich reflektiert und immer Hilfe sucht wenn was im Ungleichgewicht ist.

    Vor etwa 3 oder 4 Jahren wurden dann seine Depressionen stärker. Er weigerte sich aber etwas dagegen zu unternehmen und hat uns somit als Familie und Paar das Leben schwer gemacht.

    Das gleiche Spiel bei uns. Wie hier schon oft berichtet wurde, geht meist eine Depression mit Alkohol einher. Wenn ich es richtig verstanden habe ist schwer zu sagen was zuerst da war.....das berühmte, was kam zuerst, das Huhn oder das Ei... :roll:


    Ich wünsche dir, dass du den richtigen Weg für dich/euch gehst.


    Petra

  • Ich habe mich nicht nur einmal gefragt, ob er nicht auch einen Gehirntumor o.ä. haben könnte.

    Sorry, ich schon wieder.....genau das dachten wir auch.

    Wäre uns ein Tumor lieber??

    Wäre es eine einfacherer Weg, eine einfachere Erklärung?

    Alkohol verändert das Wesen, dass ist was ich weiß, was ich zu spüren bekomme und mit was ich all die Jahrzehnte zu kämpfen habe!!!


    Meine Ausrede ist immer, wenn er doch nur immer so ein Arschloch wäre dann fiel es mir leichter ihn zu verlassen.

    Genau diese zwei Gesichter macht das ganze so schwierig.

  • Hm, über meine unbegründete Eifersucht haben mein Mann und ich nicht explizit gesprochen, denke ich...ich kann mich jedenfalls nicht dran erinnern. Kann aber sein, das doch. Wir sprachen immer offen über meine Krankheit seitdem ich trocken bin. Ich bin nun aber schon 20 Jahre trocken, da weiß ich auch nicht mehr alles...ist alles ja auch lange her.

    Ich habe mit der Zeit schon auch gelernt zwischen Person und (krankhaftem) Verhalten zu differenzieren und konnte mich so besser abgrenzen.

    Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, bekäme er wirklich nachhaltige Einsicht. Ich weiß nicht, ob ich ihm noch mal voll und ganz vertrauen könnte und wie viel Schaden meine Liebe für ihn genommen hat. Ich komm ja nicht in die Situation das herauszufinden🤷‍♀️

  • So war und bin ich auch! Genau aus diesen Gründen bin ich geblieben! Bis heute!

    Das du die räumliche Trennung vollzogen hast ist ein super Schritt. Hochachtung!!

    Hallo liebe Petra,

    ich muss dir gleich einen Zahn ziehen. Ganz so stark war ich nicht. Ich habe ein Jahr lang gefühlt 3x/Woche überlegt zu gehen bzw zumindest mal eine räumliche Trennung herbeizuführen. Meine Phantasien wurden aber immer wieder von der Realität gebremst: wie finanziere ich das, wie mache ich es mit der Arbeit (wir teilen uns die Räumlichkeiten für unsere beiden ansonsten getrennten Firmen).

    Zur räumlichen Trennung kam es, weil er stockbesoffen nach Hause gekommen ist und wie irre neben unserem Sohn herumgeschrien hat und nicht zu bremsen war. An dem Punkt habe ich dann die Polizei gerufen. Ich habe auf ein Betretungsverbot (für 14 Tage) verzichtet. Er musste aber den Polizisten versprechen seinen Rausch nicht zu Hause auszuschlafen. Seither ist er nicht mehr nach Hause gekommen. Er bildet sich nämlich auch ein, ich will ihn ins Gefängnis bringen. So ein Blödsinn! Er blendet komplett aus, was ich alles ertragen habe, bis es dazu kam, dass ich Hilfe (Polizei) holte. Er sieht nur das letzte, das ich getan habe, aber nicht, wie viele Auslöser dem vorangegangen sind.


    Eines ist aber klar - ohne große Veränderungen (Therapie etc) will ich nicht mehr zusammenleben. Dafür hab ich in den letzten 6 Wochen zu viel ausgehalten und auch zu viel Abstand gewonnen.


    LG, Saphira

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