Confuzius: multiple Sucht

  • Was von der Anti-Pharma-Lobby immer vergessen wird bzw. totgeschwiegen wird, sind die Studien, die belegen, dass Antidepressiva bei schweren Depressionen wirksam sind. Da kommt dann als Vergleich, die Studien, bei denen bei leichten Depressionen keine Wirkung nachweisbar waren. Aber nun ja, Differenzieren ist eben nicht jedem gegeben.


    Wenn es einem Menschen richtig dreckig geht, greift er in den meisten Fällen nach jedem Strohhalm. Wem es nicht so dreckig geht, muss ja auch keine Pillen nehmen. Aber dann bitte nicht immer nur die phöse Pharma verteufeln und die Medikamente dann gleich mit.


    Den Vergleich mit dem Blutdruckmedikament finde ich richtig und es gibt eine gewisse Äquivalenz. Und dass ich keine Ausnahme bin, dem jetzt die Antidepressiva geholfen haben, dann bitte in den Studien zu schweren Depressionen nachlesen. Danke.

  • Das Problem ist eben, dass Menschen sich nicht schämen zu sagen: "Ich habe zu hohen Blutdruck und nehme daher Medikamente", aber sobald eine psychische Sache im Spiel ist, schämen zu viele Menschen sich oder wollen sich selbst auch nicht eingestehen: "Ich habe Depressionen und nehme daher Medikamente".


    Dann ist es eben so, dass gegen manche körperliche "Störungen" etwas getan werden kann, wie eben bei meinen Vergleich mit dem Bluthochdruck. Bin ich betroffen, kann ich meine Ernährung umstellen usw. Manchmal hilft es, keine Medikamente nehmen zu müssen oder sie zu reduzieren.


    Wenn ich aber Depressionen habe, dann reicht es eben nicht, mal ein wenig Sonne zu tanken oder Sport zu machen (zumal der Betroffene sich meistens dazu ja gar nicht aufraffen kann). Es läuft eben etwas im Kopf ab (oder eben gerade NICHT ab), was diese Depressionen hervorruft. Das kann mit Antidepressiva nachweislich verändert werden.


    Mir tun dann die Menschen leid, wie der Mann aus meiner damaligen Gruppe, die sich nicht durchringen können, weil sie das Gefühl haben, sie wären schwach, wenn sie es nicht allein schaffen. Damit machen die Personen sich meiner Meinung nach das Leben leider unnötig schwer.


    Aber gut, darin bin ich als Alkoholikerin ja auch Expertin (sich das Leben unnötig schwer zu machen). Ich hätte ja auch schon viel früher um Hilfe bitten können. Aber wie in vielen Dingen muss dafür wohl erst ein Tiefpunkt erreicht sein.


    LG Cadda

  • Interessantes Thema!

    Ich hab ca. ein halbes Jahr Antidepressiva genommen, mittelschwere Depression.

    Zeitgleich ging ich zur Verhaltenstherapie, die mir so geholfen hat, daß ich die Medis langsam wieder ausschleichen konnte.

    Sie haben mich zwar müde gemacht, aber geholfen haben sie mir, wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Ich hab mich keine Sekunde dafür geschämt.


    Anders als beim Alk, den ich anfangs zum Deckeln meiner Panikattacken trank. Die Wesensveränderung, die Alkohol bei mir ausgelöst hat, war ausnahmslos negativ.

    Schon strange, Alkohol ist gesellschaftlich bei vielen okay, Antidepressiva verschweigt man eher. Vielleicht ist Depression für viele einfach keine greif- oder leicht erklärbare Krankheit.

  • das ist wirklich ein kompliziertes Thema....ich sehe da so....bei schweren Depressionen helfen natürlich Antidepressiva....die Chemie wird dürch das Medikament im Kopf geändert (ich will das jetzt nicht wissenschaftlich schildern) viele gehen davon aus, dass sich die Chemie verändert und man wird depressiv....ich glaube eher es kommt zuerst die Depression und dadurch verändert sich die Chemie...aber egal...ich kenne viele die dauerhaft Antidepressiva nehmen und nach ca 1 Jahr trotz Medikamente wieder depressiv werden...also was kann man tun...Medikamente erhöhen...austauschen...usw

    da stimmt das mit den Mesikamenten nicht mehr....meiner Meinung nach sollte man sich um die Ursache kümmern (wie zB bei Blutruckmittel...nicht mehr rauchen, sport usw)....ich versuche es mit einer Psychotherapie die Ursachen aufzudecken....langer schwerer Weg

    Lieben Gruß

    mexico

  • Ich habe die Medikamente gebraucht, um überhaupt therapiefähig zu werden. Natürlich mache ich auch eine Therapie.


    Ich musste auch schon das Antidepressivum wechseln und wurde dann in der Klinik neu eingestellt. Hat geholfen. Zusätzlich hatte ich Therapie, adäquat zu meinem Zustand damals.

  • Ich möchte mich zu diesem Thema auch mal äußern. Denn auch ich bin ein Mensch, der möglichst keine Medis nehmen möchte.

    2020 war ich in einer so schweren Depression durch meine PTBS, dass ich Ads bekommen habe. Die Nebenwirkungen waren die Hölle in den ersten 2 Wochen. Hab sie ab März bekommen und zusätzlich Verhaltenstherapie gemacht. Die erste Zeit ging es mir auch im Kopf besser. Es schlich sich aber eher so eine LMA Einstellung ein. Irgendwann wurden die Gedanken wieder schlimmer. Die Phasen, in denen das AD half, weniger. Habe mich dann im Juni in eine Klinik einweisen lassen und dort die Entscheidung getroffen, das therapeutisch zu schaffen und die ADs dort ausgeschlichen, die Ärzte waren nicht erfreut, haben meine Entscheidung aber respektiert. Die Nebenwirkungen waren immer noch nicht schön, aber wurden besser je weniger ich nahm. Ich schwör für mich jetzt auf * bitte keine Medikamentennamen nennen* .Es hilft mir in akuten Phasen einigermaßen klar zu kommen. Und ich nehme es teilweise prophylaktisch. Seitdem gehören meine Gedanken und Gefühle wieder ganz mir. So schlimm sie in den letzten Wochen auch waren, einen Tiefpunkt wie 2020 hatte ich so nicht mehr!

  • Hallo,

    möchte dazu auch was sagen. Als bei mir Depressionen mit Panikattacken kamen,habe ich erst wirklich alles andere ausgeschöpft um wieder zu genesen. Auch ich wollte absolut keine Medikamente nehmen. Bis es nicht mehr ging. Fing also mit Ad an und nach ca 3 Wochen dachte ich mir, warum hast du sie noch nicht früher genommen. Erst dann konnte ich wirklich anfangen,für mich etwas zu tun. Man kann bei einer psychischen Erkrankung nicht jeden in die gleiche Schublade stecken. Bei manchen kann es tatsächlich organisch sein und das vergessen viele.

    Man kann und muss nicht jeden Kampf mit sich selber ausmachen.

  • Guten Abend,


    ich bin wieder euphorisch, hab so viel vor in meinem Leben und möchte was erreichen. Heute war ich bei meiner Suchtärztin, die sich sehr mitgefreut hat. Und sie meinte, wer hätte das gedacht ... also ich nicht nicht. Niemals hätte ich gedacht, dass ich wieder auf die Beine komme. Noch muss ich etwas langsam machen, weil ich die Angewohnheit habe, jedes Schlagloch mitzunehmen, v.a. wenn ich zu schnell unterwegs bin.

    Dieses Jahr wird mein erstes komplettes alkoholfreies neues Jahr, und ich freue mich sehr darüber.


    Leider komme ich wieder schwerer aus dem Bett früh, bin einfach wie erschlagen. Nach dem ersten Kaffee und einer Runde um den Block geht es aber meistens wieder besser. Jetzt werden nochmal verschiedene Werte gecheckt - Schilddrüse, Eisen, Vitaminstatus etc ... um organisch alles auszuschließen.


    Ich würde sagen, ich bin auf einem guten Weg. Das Steuer des Schiffes hab ich selbst in der Hand.


    Confuzius

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