Letzter Versuch

  • Wie Lanananana schon sagte, was spricht denn dagegen, erstmal getrennte Wege zu gehen und sich in Ruhe um sich selber zu kümmern. Er um sich und du dich um dich?

    Ihr scheint euch beide ziemlich verloren zu haben. Er abhängig vom Alkohol, du abhängig von ihm.

    Ob es noch eine gemeinsame Basis gibt, werdet ihr dann nach einer Weile schon feststellen. Oder ist es die Angst, dann aufs Abstellgleis gestellt zu werden nach kurzer Zeit?

    Dann könntest du allerdings auch sehr froh sein, dass es vorbei ist. Dann kann von Liebe nämlich auch gar keine Rede sein.

  • Gerade die Kinder sind das beste Argument zu gehen.

    Die gucken sich eure Verhaltensweisen ab.

    Dazu gehören Alkoholabhängigkeit, Co-Abhängigkeit etc.

    Außerdem sind sie ständigen Gefühlsschwankungen der Eltern ausgesetzt, was Kinder nachhaltig belasten kann.

  • Ich stimme euch zu. Und dennoch ist es nicht so leicht, mit Kindern eine (vorübergehende) Trennung durchzuziehen. Meine Eltern waren ebenfalls alkoholiker, meine Mutter war stärker betroffen. Meinen Vater würde ich rückblickend als mittrinket bezeichnen, wahrscheinlich auch co abhängig.

    So merkwürdig, wie es vielleicht klingen mag: ich hatte eine schöne Kindheit. Die schlimme Zeit fing erst an, als sich meine Eltern getrennt haben. Und das geht mir nicht aus dem Kopf.

  • Und denkst du, trotz vermeintlich schöner Kindheit, es ist ein Zufall, dass du heute in ein ganz ähnliches Muster gerutscht bist, eine ähnliche Beziehung führst, die dich nicht glücklich macht, nicht erfüllt.


    Wünscht du ein solches Leben auch deinen Kindern, wenn sie erwachsenen sind? Selbst Alkoholiker oder süchtig nach ihrem Alki.


    Du hast die Macht dieses Muster zu durchbrechen, wenn du mutig und stark genug sein willst, für deine Kinder.


    Oder du überlässt es halt ihnen, später deinen Misthaufen auf zu räumen, der ihre Seelen so zerstörte hat, wie der Misthaufen deiner Eltern die deine.


    Eltern haben absolute Macht über das Leben ihrer Kinder. Große Macht bedeutet auch große Verantwortung.


    Von leicht hat nie einer was gesagt.


    Lea

  • Hallo Marli,


    hast du dir mal überlegt, was du tust, wenn dein Mann weiter trinkt und mehr?


    Die Möglichkeit besteht ja.

    Eine Trennung ... vorübergehende Trennung (bis was passiert??)?

    Wie soll das praktisch über die Bühne gehen und wie wird das finanziert? Wer hilft dir, was gilt es zu beachten?


    Über das künftige Verhalten deines Mannes kann man ja endlos spekulieren...


    Ich will dich nicht überreden oder dir Tips geben oder dich gar mit meinen Erfahrungen als EKA und Alkoholiker langweilen.

    Ich frage einfach nur Mal.


    Viele Grüße

  • achelias

    An diesem Thema bin ich tatsächlich gerade dran. Wenn er weitertrinkt, werde ich mich trennen. Ob vorrübergehend oder nicht kann ich noch nicht sagen.

    Ich habe vor, meine Hausärztin zu kontaktieren, um mit ihr zu sprechen. Um sie zu fragen, ob sie mich ggf. erstmal für ein paar Wochen krank schreiben lassen kann, damit ich mit den Kindern vorübergehend bei meinem Vater unterkommen kann.

    Wie ich es finanzieren soll? Ich habe keine Ahnung. Wir haben zwei Kredite für zwei Immobilien am laufen. Die eine Immobilie steht zur Zeit zum Verkauf. Den zweiten Kredit haben wir für unser Haus aufgenommen, in dem wir zur Zeit auch wohnen. Allein kann ich den nicht stemmen, da ich zurzeit nur 10 std/Woche arbeite.

    Das Haus müsste also verkauft werden, ich müsste mir mit den Kindern eine Wohnung suchen. Wäre ein ziemlicher Schlag ins Gesicht, insbesondere für den großen, der den Garten liebt.

    Was mir an Unterhalt zusteht, sollte es zur Trennung kommen, weiß ich nicht.

    Bisher habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht, weil der Gedanke, hier alles aufzugeben mir ziemliche Bauchschmerzen bereitet. Es ist ein riesiger Berg, der mir Angst macht.

  • Ja, genau. Ist auch wichtiger für ein Kind einen Garten zu haben als einen gesunden Vater und eine fürsorgliche Mutter.


    Mir fehlen da echt die Worte, wie man so verantwortungslos mit seinen eigenen Kindern umgehen kann und so quasi schon die nächste Generation an Suchtkranken und Co-Abhängigen produziert. Sehenden Auges. Du kannst später nicht sagen, du hättest das nicht gewusst, das muss dir klar sein. Aber deine Kindheit war ja schön (deshalb hast du auch einen suchtkranken Partner) und Hauptsache, das Kind hat einen Garten.

  • Hallo Marli,


    na logisch macht dir das Angst! Es ist ja auch ein Berg und es sind viele Dinge, die da geregelt werden müssen. Ganz klar.


    Vielleicht gehst du alle einfach Schritt für Schritt an. Zum Beispiel kann es sehr hilfreich sein, dich bei einem Anwalt für Familienrecht zu informieren. Was es überhaupt für Möglichkeiten gibt, was deine Rechte sind, was deine Pflichten. Dann hast du ein wenig mehr Durchblick.


    Und bei deinem Vater unterzukommen ist vielleicht wirklich keine schlechte Idee. Mal Abstand zu haben von ihm, Zeit zum Überlegen und so.


    Und natürlich wird alles nicht von heute auf morgen umzusetzen sein. Das wäre toll, wenn es ginge. Aber es ist wichtig, dran zu bleiben. Aktiv zu bleiben, nach vorne zu schauen und vor allem realistisch auf alles zu sehen. Kinder sind immer die schwächsten Mitglieder einer Familie. Und mit einem abhängigen Elternteil (oder sogar zwei Abhängigen) aufzuwachsen macht viel in Kindern kaputt. Sehr viel.


    Liebe Grüße

    Aurora

    Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch anwenden;

    es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.


    Johann Wolfgang von Goethe

  • Ja, genau. Ist auch wichtiger für ein Kind einen Garten zu haben als einen gesunden Vater und eine fürsorgliche Mutter.

    Nein, natürlich nicht. Aber ich denke, dass man auch nicht den Schaden außer acht lassen darf, den man möglicherweise verursacht, wenn man ein Kind aus seinem gewohnten Umfeld, seinem Leben reißt.

    Mir fehlen da echt die Worte, wie man so verantwortungslos mit seinen eigenen Kindern umgehen kann und so quasi schon die nächste Generation an Suchtkranken und Co-Abhängigen produziert. Sehenden Auges

    Ich finde, man muss da schon etwas differenzieren. Ich habe hier keinen gewalttätigen Säufer zu Hause, der den ganzen Tag voll in der Ecke liegt. Ich will hier nichts beschönigen, nicht falsch verstehen.

    Das meine Kinder hier Sachen miterleben, die kein Kind miterleben sollte, ist mit bewusst. Deswegen bin ich hier und suche nach Rat. Aber wenn man nicht in dieser Situation steckt, ist es sehr leicht, mich verantwortungslos zu nennen. Nochmals: ich bin nicht in dieser Gruppe, ich schreibe nicht hier, weil ich in dieser Situation verharren möchte. Sondern weil ich etwas ändern mochte und mir hier Unterstützung und offene Ohren erhoffe. Ratschläge ja, aber keine Vorwürfe. Die mache ich mir schon zu genüge selbst.

  • Weißt du, ich meine gar nicht dich persönlich, aber wenn du hier etwas mitliest, dann ist es immer dasselbe. Geht nicht, mein Haus, geht nicht meine Wohnung, geht nicht mein Job, geht nicht mein Garten, geht nicht, mein Winterwunderland.......es ist ermüdend. Und niemand denkt an die Kinder. Ich bin so ein Kind, ich weiß, was es macht. Und ich weiß auch was es macht, wenn die Mama so tut, als wäre alles in Ordnung. Und glaube mir, deine Kinder sind schon geprägt und geschädigt.


    Ich bin nicht so sanftmütig und geduldig wie manche hier und deshalb schreibe ich hier auch nicht viel. Aber manchmal möchte ich die Mütter nur noch schütteln damit sie mal aufwachen. Ich bitte dich zu bedenken, dass nicht dein Mann der wichtigste Mensch in deinem Leben ist, er ist erwachsen und selbst verantwortlich, sondern deine Kinder. Und da hat man auch nicht ewig Zeit, auch, wenn man sich das wünschen würde.


    Wenn du schreibst, du möchtest nicht weiter in deiner Situation verharren, bist du schon auf der richtigen Spur, bitte lass dir nur nicht soviel Zeit damit. Für deine Kinder.

  • Hallo Marli,


    ich bin ebenfalls etwas verwundert über die Vehemenz einiger "Wissenden". Es ist immer leicht aus sicherer Entfernung Moral zu predigen und seine Ansicht kundzutun.

    Versuche herauszubekommen, wie deine Lage konkret ist. Du bist die gering verdienende Mutter mit zwei kleinen Kindern. Informiere dich.

    Überstürzen kannst du es immer noch.

  • Wenn er es ernst meint mit einer Veränderung, dann könnte er ja zum Beispiel auch ausziehen und in Ruhe trocken werden und nach einem halben Jahr oder einem Jahr guckt ihr zwei dann Mal ganz in Ruhe und mit Abstand, was da noch für Gefühle vorhanden sind.


    Er muss euch nicht zwingen Haus und Garten zu verlieren, er könnte auch ein liebender Vater und Mann sein und euch eure vertraute Umgebung weiterhin ermöglichen.


    Hast du ihm sowas mal vorgeschlagen und wenn ja, wie war die Reaktion 🤔

  • Hallo Marli, als Co-Abhängige, die selber diese Auf und Abs mitgemacht hat möchte ich dir natürlich sagen: nimm deine Kinder und lauf weit weg- so wie viele andere hier. Und, ganz klar, das ist die einzig richtige Entscheidung- wenn nicht die Angst wäre.

    Nochmal: für deine Kinder und dich ist ein Leben ohne Alkohol das Beste! Um die Angst vor den Schritten dahin kleiner zu machen, raten wir gerne, Schritt für Schritt zu machen. Such dir zunächst eine Beratungsstelle in der Nähe, ProFamilia, Diakonie oä bieten Beratungen für Frauen in schwierigen Situationen an. Hier wird man auch über die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung aufgeklärt.

    Suche dir Verbündete im Umfeld, dein "Hilfe Netzwerk".

    Setze Dir ein Datum- bis wann willst du im jetzigen Zustand verharren, ab wann ist es endlich genug?

    Und das Wichtigste: höre SOFORT auf, dich um deinen Mann zu sorgen bzw zu kümmern. Er ist erwachsen- deine Kinder und du selbst, das sind die Menschen denen du ab jetzt deine Energie und Aufmerksamkeit widmen solltest. Ich wünsche dir alles Gute!!

    PS: ich wusste, dass mein Mann es ernst meinte mit dem trocken werden als er folgendes sagen konnte:

    A) bitte helfe mir NICHT- ich mache das allein und für mich

    B) bitte sag mir nie, dass du stolz auf mich bist- dazu gibt es keinen Grund, denn ich tue etwas, was völlig normal sein sollte

  • achelias danke für deine Worte. Da bin ich dran. Meine Kinder stehen für mich an erster Stelle, das war immer so und wird so bleiben. Ich versuche mein bestmögliches, um ihnen ein gutes Leben zu bieten, sie zu schützen. Gerade aus diesem Grund mochte ich hier nichts überstürzen. Ich versuche ruhig zu bleiben, Schritt für Schritt zu gehen. Dazu gehört für mich auch, erstmal Klarheit in meinen Kopf zu bekommen.

    Ich möchte, sollte es zur Trennung kommen, voll für sie da sein. Sie sollen keine Mutter haben, die zweifelt, sondern die voll und ganz hinter der Entscheidung steht. Sicheren Boden bietet. Ich denke, dass ist es, was sie brauchen, wenn alles andere um sie herum kaputt geht. Denn so wird es in der ersten Zeit sein: sie werden fürchte ich nicht sagen: Mama, danke, dass du gegangen bist. Sie werden es nicht verstehen können, dafür sind beide noch zu jung. Zu unreflektiert. Sie werden unsicher sein, traurig. Später würden sie vielleicht verstehen, warum ich so gehandelt habe, wenn es dazu kommt. Vielleicht auch dankbar sein. Aber erstmal wird da eine ziemliche Ratlosigkeit sein. Es ist nunmal so: ich würde nicht nur den Mann hinter mir lassen, der betrunken um 7 auf der Couch liegt, sondern auch den Vater, der mit den Kindern eine schneeballschlacht macht, Vulkane bastelt und Bücher vorliest. Die gewohnte Umgebung, den gewohnten Tagesablauf. Ich rede jetzt davon, was in den Köpfen der Kinder vorgeht. Das er unverantwortlich handelt, wenn er im Beisein der Kinder trinkt und sie damit gefährdet, wissen die beiden nicht. Das weiß nur ich.

  • PS: ich wusste, dass mein Mann es ernst meinte mit dem trocken werden als er folgendes sagen konnte:

    A) bitte helfe mir NICHT- ich mache das allein und für mich

    B) bitte sag mir nie, dass du stolz auf mich bist- dazu gibt es keinen Grund, denn ich tue etwas, was völlig normal sein sollte

    Danke Mona!

  • Die gewohnte Umgebung, den gewohnten Tagesablauf. Ich rede jetzt davon, was in den Köpfen der Kinder vorgeht. Das er unverantwortlich handelt, wenn er im Beisein der Kinder trinkt und sie damit gefährdet, wissen die beiden nicht. Das weiß nur ich.

    Das denkt man als Eltern, die Wahrheit sieht anders aus, ganz ehrlich! Ich bin nicht nur Partnerin eines (momentan) trockenen Alkoholikers- ich bin auch EKA. Erst durch dieses Forum habe ich verstanden,welche Narben das bei mir hinterlassen hat. Auch mein Papa war der lustige Spaßvogel- wobei das nur bis zu meinem 8 Lj angehalten hat. Mit meiner Pubertät und meiner Meinung konnte er nichts anfangen. Ich hab auch erst heute, realisiert,dass er mir NOCH NIE gesagt hat, dass er mich lieb hat, alles hat sich nur um ihn gedreht. Aber meine Mutter hält weiter an ihm fest- aus purer Angst, genau wie in meiner Kindheit. Und ich, nun erwachsen, stehe daneben und bin fassungslos- auch darüber, dass sie nie gegangen ist. Ihr Leben war immer fremd bestimmt. Ich habe lange gebraucht, um als Frau wirklich unabhängig zu denken (was nochmal schwieriger ist, als das unabhängig sein) -das hat viel mit dem Abhängigkeitsverhältnis meiner Mutter zu tun.

    Und natürlich: ich bin letztendlich auch wieder bei einem Alkoholiker gelandet- obwohl ich mir geschworen habe, nicht wie meine Mutter zu enden. Letztendlich war das übrigens mein Trigger: aus Angst, so zu Leben wie meine Mutter, habe ich meinen Mann nach seinem 4.Rückfall in 3 Jahren vor die Tür gesetzt.

  • A) bitte helfe mir NICHT- ich mache das allein und für mich

    Da ist was dran.

    Man kann es auch nur allein machen!


    Höre auf ihn unter Druck zu setzen, ihn zu kontrollieren, zu nerven.

    Ihr habt mehrere Male miteinander gesprochen, entweder hat er es kapiert oder nicht.

    Ernst nehmen bedeutet auch den anderen zu akzeptieren, sein Wort.


    Einen Lügner kannst du nicht bekehren, du kannst mit ihm streiten, doch das macht es selten besser.


    Höre auf ihm helfen zu wollen, er kann nur sich selbst helfen.


    Ziehe du deine Konsequenzen, du für dich.

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