Maeron - Von der Krankheitseinsicht & meiner täglichen Abstinenz

  • Was hältst Du aus, Maeron?

    Deine Suchtgedanken oder Deine Ängste?

    Ich meinte oben damit, dass ich die Suchtgedanken aushalte. Die soziale Ängste halte ich auch aus. Ich integriere sie, lasse sie vorbei ziehen... Versuche es.. Nehme sie trotzdem als Belastung war. Weil sie ständig da sind. Das macht mich auch traurig, denn zwei Therapien haben geholfen, aber leider nicht geheilt.


    Ich mache zurzeit nur die ambulante Suchtreha.

    Bei einem Psychiater bin ich nicht angebunden. Medikamente möchte ich nicht. Und sind wohl auch nicht nötig.

  • Bei einem Psychiater bin ich nicht angebunden. Medikamente möchte ich nicht. Und sind wohl auch nicht nötig.

    Das solltest Du überdenken. Man sollte nicht immer alles kategorisch ausschließen.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Bei einem Psychiater bin ich nicht angebunden. Medikamente möchte ich nicht. Und sind wohl auch nicht nötig.

    Hab ich früher auch gedacht - und lieber Alkohol getrunken, andere haben lieber geraucht ...

    Auch in der stationären Reha sahen viele Patienten Psychopharmaka als No-Go. Der Oberarzt meinte nur: "Wenn die Leute doch nur halb so viel Angst vor "Alltagsdrogen" hätten ..."

  • Auch in der stationären Reha sahen viele Patienten Psychopharmaka als No-Go. Der Oberarzt meinte nur: "Wenn die Leute doch nur halb so viel Angst vor "Alltagsdrogen" hätten ..."

    Das solltest Du überdenken. Man sollte nicht immer alles kategorisch ausschließen.

    Ich werde es mal im Kopf behalten und vllt einen Psychiater fragen.

  • Medikamente möchte ich nicht

    Mir hat mal ein Psychiater gesagt, wenn ma ein Bein gebrochen hat, nimmt man ja auch Gehstützen um sich das Leben leichter zu machen… den Vergleich fand ich ganz gut - ich kenne diese Ablehnung Psychopharmaka gegenüber SEHR GUT!

    Viel Kraft und Klarheit wünsche ich dir!

    Evelin

  • Die Entwicklung meiner Sucht

    1. Phase

    Ziemlich schnell mit Anfang 20 exzessiv gefeiert, exzessiv getrunken. Neben Wochenenden und manchmal auch in der Woche viel Gekifft. Beginn der Abhängigkeit. Kontakt damals schon, nach zwei Jahren trinken, zur Suchtberatung. Aber keine Einsicht gehabt.

    2. Phase: während des beginnenden Berufslebens: Konsums am Wochenende. Gekifft weniger.

    3. Phase:glimpfliche Situationen gehabt unter Alkohol. Im Rausch. Konflikte. Polizei. Gewalt. Alles beim Feiern oder auch auf Festivals. Berufsleben nachgegangen. Unter der Woche trinken kontrolliert. Am Wochenende Vollgas.

    4. Phase (ca. nach 6 Jahren Saufen)

    Psychisch stark labil. Viel Alkohol viel Gekifft. Einsamkeit. Konsumsteigerung. Auch unter der Woche Beruf läuft trotzdem gerade noch so.

    Dann Beginn einer Psychotherapie. Mit täglich kiffen aufgehört.

    5. Phase

    Alkohol führt weiterhin zu Konflikten. Auch in Beziehung. Grundsätzlich kontrollierterer Konsum, doch dafür regelmäßig Kontrollverlust nur mit größeren Abständen.

    6.Phase

    Tiefpunkt nach 14 Jahren Konsum (2009-2023).schlimmer Konflikt in Partnerschaft. Abstinenzentscheidung möglich.

    Einmal editiert, zuletzt von Maeron (19. Juni 2024 um 00:53)

  • Hallo Maeron,

    ich konnte mich auf Psychopharmarka (genau wie auf Psychotherapie) erst einlassen, als ich keine andere Möglichkeit mehr sah, Motto: Was habe ich schon zu verlieren.

    Ein Antidepressivum macht (anders als Sucht und manche Krankheit) keinen anderen Menschen aus Dir, im Gegenteil, es lässt Dich annähernd wieder so fühlen, wie Du von der Natur gedacht bist. 😉

    (Ein kluger Psychiater und Buchautor (Prof. Dr. Manfred Lutz) hat das mal sinngemäß und plakativ so beschrieben, dass damit aus einem eher ruhigen Westfalen kein lockerer Rheinländer wird. 😉)

    Vielmehr schafft das passende Medikament oft erst - und Abstinenz sowieso - die Voraussetzung dafür, dass eine Therapie dir helfen kann. Nur Mut, bist ja auch noch am Anfang der Abstinenz-Reise, genau wie ich ...

  • Hallo Rennschnecke ,

    psychopharmaka Haben ganz sicher ihre Bestandsberechtigung, doch wann ist eine Medikation angezeigt?

    Soweit ich weiß , wenn Psychotherapien keine Wirkung haben oder nicht ausreichen. Ich habe Zwei Therapien gemacht und von außen, abgesehen von der nassen Zeit, scheint alles gut. Wie soll man einschätzen, wann Medis Sinn ergeben? Ich würde sagen am Leidensdruck. Tatsächlich habe ich mich sicherlich daran gewöhnt, mit meinen Ängsten zu leben. Wie soll ich da den Leidensdruck messen? Wäre es jetzt so, dass ich mich aufgrund der Ängste nicht aus dem Hause traue, mich isoliere und alltägliche Dingen nicht oder kaum bewältigen kann, dann wären Medikamente angezeigt. Aber auch in meinem Fall?

  • Das kann nur ein Arzt beurteilen, Maeron, nicht wir aus der Ferne. Hast Du denn schon mal mit Einem Arzt und oder Psychiater gesprochen?

    Einen gewissen Leidensdruck scheinst Du ja laut eigenen Berichten zu haben, als Suchtdruck, den Du auf Deine Ängste zuruckführst....

  • es lässt Dich annähernd wieder so fühlen, wie Du von der Natur gedacht bist.

    Ich bin nicht selbst betroffen. Habe mich aber aufgrund von damals nahe stehenden Menschen, viel darüber informiert

    Aus dem Grund meine Frage, ob ich das richtig verstanden habe.

    Die Gedanken laufen in Angstschleifen, bzw. sehr negativen Bahnen. Alles wird damit bemessen. Die wiederkehrenden Gedanken benutzen Wege, die sich im Gehirn irgendwann gefestigt haben. Auch wenn sie kurz verlassen werden, kehren die Gedanken oft und schnell wieder auf ihre alten, ausgetretenen "Pfade" zurück.

    Durch das Medikament werden neue Wege im Gehirn benutzt. Positivere Wege, angstfreie Wege. Diese werden über längere Zeit benutzt und die Pfade werden ausgetreten und verbreitern sich, während (hoffentlich) die alten Pfade überwuchern.

    Wenn es dann so weit ist, wird das Medikament aus geschlichen. Dann sollten die Gedanken von selbst, weiterhin die neuen, guten und bereits ausgetretenen Pfade benutzen und nicht wieder die alten.

    Das Medikament ist also eine Unterstützung für die neuronalen Bahnen. Erst mal ganz davon losgelöst, was psychologisch hinter dem ganzen steht.

    Habe ich das richtig verstanden?

    Sicher wäre ich auch extrem vorsichtig, wegen der Nebenwirkungen. Aber wenn es eine Lösung auf Dauer darstellt... Auch, wenn es irgendwann wieder abgesetzt wird.

    Natürlich ist es auch eine Frage des Leidensdruckes. Aber auch der klaren Frage, klappt es ohne, oder eben nicht?

  • Hmmh, Alex, den von dur genannten Erklärungsansatz kenne ich nicht, was aber nichts heißen muss, bin zwar betroffen, aber naturwissenschaftlich leider so gar nicht sprachfähig.

    Da würde ich mal auf seriösen Seiten zum Thema nachschauen, zu dem Thema gibt es ja auch viele Infos und Hilfsangebote.

    Meine laienhafte Zusammenfassung: Die Depression bringt die Hirnchemie so nachhaltig durcheinander, dass bestimmte Botenstoffe wie Serotonin und/oder Dopamin ihre Wirkung nicht mehr entfalten können und der depressive Mensch in ein tiefes Loch fällt, aus dem er allein nicht mehr herauskommt. Passende Medikamente können das Gleichgewicht wiederherstellen. Manchmal reicht eine zeitlich begrenzte Medikation, manchmal nicht.

    Alkohol bringt die Botenstoffe zusätzlich durcheinander und verträgt sich mit vielen Medikamenten nicht, deswegen ist Abstinenz auch da der erste Weg zur Besserung (was mir bis vor einem Jahr nicht bewusst war.

  • Habe ich das richtig verstanden?

    Ja denke schon.

    Die Gedanken drehen sich um die Bewertung und Abwertung durch andere Menschen, soziale Phobie.

    Beispielsweise denke ich wie automatisiert , was anderes in diesem oder jener Situation wohl über mich denken könnten. Durch Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologische Therapie habe ich auch schon deutlich Besserung im Umgang damit gefunden. Gedanken durchziehen lassen, Gedanken als Ängste identifizieren usw. Trotzdem bin ich tatsächlich täglich gedanklich damit beschäftig, in unterschiedlicher Intensität, je nach Tagesform. Das ganze macht mich halt unfrei.

  • In der ambulanten Therapie gibt es doch auch Einzeltermine und eine psychiatrische "Aufsicht", konntest oder kannst du das Thema vielleicht da ansprechen? Wie gesagt, jetzt, ohne Alkohol, kannst Du Deine Themen noch mal ganz anders angehen ...

  • Ja habe jede Woche Einzel. Werde Mal nachfragen. Das stimmt,es verändert einiges ohne Alkohol. Eigentlich komisch, das Alkoholkonsum in der langen Therapie nie für mich als so problematisch erlebt wurde. In der Zeit hatte ich einige Abstürze, die auch in der Therapie thematisierte wurden, doch soweit ich weiß war von Abhängigkeit in der Therapie keine Rede. Es ging manchmal um das Rauchen, weiches ich seinerzeit oft Versuche aufzuhören und anfangs auch ums Kiffen ,damit konnte ich aufhören. Ich kann mir vorstellen, das mein Alkoholkonsum auch von der Therapeutin thematisiert wurde, ich aber nicht bereit war Handlungsbedarf zu erkennen, ich konnte r mit ein Leben ohne Alkohol niemals vorstellen.

  • ich konnte r mit ein Leben ohne Alkohol niemals vorstellen. - Kannst Du jetzt Dein leben ohne Alkohol vorstellen ?

    Wann Du so viel Denkst und analysiert , wann hast Du Zeit um zu Leben ?

    Los lassen , und vergangenheit ihm ruhe lassen, Du machts alles sehr gut .

    L.G. Iwona

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