Siri - Ein EKA sein – neu und ungewohnt

  • Das mache ich, Schattenkind. Es ist wichtig bei mir zu bleiben, zumal meine Mutter immer wieder riesen Dramen veranstaltet, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Trotz ihrer Klagen macht sie am Telefon aber einen sehr guten Eindruck auf mich. Sie kümmert sich mehr um ihre eigenen Belange. Auch wenn da immer mal wieder einiges schief geht, finde ich das sehr gut und freue mich darüber, dass sie aktiver ist.

  • Ich lese gerade in Deinem langen Faden, Aurora. Und muss ein wenig schmunzeln, weil er so viele Emotikons enthält, die mir ja oft so fremd sind. <3 Ich hoffe es ist in Ordnung etwas zu mir rüber zu nehmen. Ich finde das Bild so treffend, das Du vor Jahren gefunden hast, um Deine Erfahrung in Worte zu fassen.

    Der Weg ist lang und teilweise sehr steinig. Es gab und gibt immer wieder große Löcher, früher bin ich da reingefallen, jetzt kann ich schon drum herum gehen.

    Es ist schönes Bild, das trotz der Anstrengung auch Leichtigkeit und Freude vermittelt. Mir zeigt es, dass ich auch mit mir selbst nachsichtig sein darf. Mich nervt es nämlich oft, wenn ich wieder Mal ein Loch entdeckt habe. Aber eigentlich ist es doch gut, wenn es mir dadurch gelingt, drum herum zu gehen. Slapstickartig stelle ich mir gerade die Alternative vor: Schnurstracks stur geradeaus gehend und schwupps fällt man hinein, ins Loch.

    Danke dafür! LG Siri

  • Liebe Siri,

    ich freu mich, dass dir mein Bild von damals gefällt. Und für dich Sinn macht es zu probieren. Drumherum laufen dauert manchmal länger aber reinfallen tut weh.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • In mir bricht zur Zeit immer mal wieder Wut aus:

    - Wut auf meine Mutter

    - Wut auf Elternteile mit alkoholkranken PartnerInnen, die hier aufschlagen und sich beleidigt herausreden, wenn ihnen geraten wird, die Notbremse zu ziehen und an die Kinder zu denken

    - Wut, wenn ich ansonsten in meinem Leben mit Ungewissheit oder (auch kleinen und kleinsten!) Widrigkeiten konfrontiert bin :rolleyes:.

    - aufgrund des letzten Punktes: Wut auf mich selbst!

    Enorme WuUUUUUUut: X(:cursing:X( !!!!!

    So wütend kenne ich mich bisher nicht. Einerseits bin ich froh, meine Wut so deutlich zu spüren. Andererseits ist es ziemlich anstrengend, weil mich diese Gefühle zur Zeit immer wieder völlig in Beschlag nehmen und ich dann nicht zum Arbeiten oder sonstigen Dingen komme.

    :twisted: Es ist heftig. :twisted:

    Meine Wut hat nicht unmittelbar mit dem Verhalten meiner Mutter zu tun. Eher ist es so, dass ich gerade gegen die gesamte Situation revoltiere und auf sehr unterschiedliche Dinge mit Wut reagiere.

    Es kommt mir so vor, als würde sich die ganze angestaute Wut aus Jahrzehnten irgendwie Bahn brechen.

    Ich finde es zum Kotzen, keine Mutter gehabt zu haben, und dass ich stattdessen von Beginn an gezwungen war, mit dem Trugbild einer Mutter zu leben. Denn: die Mutter, das ist in meinem Fall ein Trugbild. Es tut jetzt nicht mehr weh, dass es so ist, stattdessen macht es mich einfach nur wütend.

    Immerhin: Nicht immer folgt auf die Wutzustände Migräne. Auch wenn es schwer ist, die mit der Wut verbundene körperliche Anspannung loszuwerden, kann ich die sich anbahnende Migräne meist abwenden.

    Das versuche ich gerade als Fortschritt zu sehen: Ein neuer Umgang mit meinen Gefühlen. Es ist ja gut, Wut zulassen zu können, und zu registrieren, so dass sich negative Gefühle nicht körperlich Bahn brechen müssen.

    Ich achte darauf, nicht andere mit dieser Wut zu überziehen. Es ist ja meine Wut. Stattdessen versuche ich mich selbst freundlich bei der Hand zu nehmen und mir gut zuzusprechen:

    Ja, Du bist würtend, das darf ja auch sein. Aber jetzt versuche doch, Deine eigenen Dinge wieder aufzunehmen und auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf Dein Leben zu richten. Da geht Dein Weg lang.

    Projiziere Deine Wut nicht auf alles und jeden, der Deinen Weg kreuzt, sondern schaue, dass es Dir gut geht!

    Verliere Dein Ziel nicht aus den Augen und sorge gut für Dich! Geh ums Loch herum und behalte das Ziel dennoch fest im Blick! Über Löcher, in die man nicht hineinfällt, kann man drüberschauen (ohne über sie hinwegzuschauen im Sinne von Verdrängen).

    Wenn es jetzt nicht klappt, mit dem Funktionieren, dann nimm Dir bewusst eine Auszeit und kümmere Dich um Dich. Und ja, Du darfst Dir auch vorstellen, wie Du wie eine asiatische Kampfsportlerin mit geschickten Beinstößen jemanden von Dir fern hälst. Du weisst ja, dass Abstand halten hilft und Dich schützt.

    Es ist nicht leicht, es hinzukriegen. Aber es gibt hier vieles, was ich für mich herausziehen kann und mir sehr hilft. Oft sind es innere Bilder, die ich für mich ausbauen kann. Auch tut es gut, diese Gefühle formulieren und hierlassen zu dürfen und zu wissen, dass ich nicht allein bin. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Das Forum hilft mir dabei, mich nicht mehr für all das schämen zu müssen. Die Scham und die Schuldgefühle hatten lange alles überdeckt und so unter dem Teppich gehalten. Das zu spüren, ist eine sehr große Erleichterung.

    Danke Euch :!:<3

    LG Siri

  • Hallo Siri,

    deine Wut ist berechtigt und sicher auch nötig. Sie sollte dich nur nicht in einer "Wutspirale" gefangen halten. Das kann auch lähmen. Ich lese aber auch aus deinem Beitrag, dass dir das alles bekannt ist. Könnte es sein, dass deine Schwierigkeit momentan darin liegt, dass du dich "zerrissen" fühlst zwischen verstehen und dem ganzen was da an Gefühlen und Erinnerungen hoch kommt. Ich kenne dass aus eigenen Erfahrungen und weiß, wie lang der Weg vom Kopf zum Herz werden kann. . Das war mein erstes Empfinden als ich deinen Beitrag gelesen habe. Kann aber auch sein, dass ich daneben liege.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Wut und Anspannung sind meiner Meinung nach ein Zeichen, dass sich etwas bewegt. Die Empfindungen kommen unter dem Teppich hervor und das ist gut für die Verarbeitung Deiner Vergangenheit.

    Sobald ich erkannt hatte, dass ich nicht alles unter Kontrolle habe, fiel es mir leichter, loszulassen.

    Manchmal zwar noch mit einem leichten Augenrollen, aber es ist leichter geworden, Siri.

    Im Moment der hohen Anspannung hilft es mir, etwas zu tun, das richtig anstrengend ist oder aber laut Musik zu hören und die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken.

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Liebe Morgenrot,

    danke Dir für Deine Zeilen. Dein Gedanke trifft es gut: das Verstehen und die Gefühle, das zerreisst mich oft. Und bisher habe ich den Gefühlen nicht genug Raum gegeben bzw. sie einfach nicht wahrgenommen.

    Mir ist klar, dass Wutspiralen schlecht sind. Aber es hilft mir gerade, wütend sein zu dürfen und mir die Wut deutlich vor Augen zu führen, in ihrer ganzen Tiefe. Es ist aber kein Abgrund, in dem ich verharre. Denn ich nehme mich dann gleichsam bei der Hand und rede mir gut zu: ja, das darf sein, aber achte gut auf Dich.

    Auch Humor hilft. Oder Mal Schattenboxen. Auch die Smileys anzuschauen und zu merken, dass gar kein passendes hier ist, um meine Wut zum Ausdruck zu bringen (Wo bitteschön ist das Zähnefletschen smiley?)

    Ich probiere da gerade sehr viel aus. Meist ebben diese negativen Gefühle dann auch wieder ab, so dass ich mich ihnen nicht mehr ausgeliefert fühle.

    Es gibt zur Zeit viele Situationen, die nichts mit meiner Mutter zu tun haben, aber in mir Wut provozieren. Es ist neu für mich, mich auch als grummelige, missmutige und wütende Person anzunehmen und lieb zu haben. Ich bin sogar ein wenig stolz auf mich, wütend zu sein, denn ich agiere sie nicht an anderen aus, sondern suche nach anderen Wegen.

    LG Siri

  • Liebe Elly,

    danke Dir sehr. Ja, körperliche Anstrengung hilft mir auch. Es lenkt einerseits ab, hilft mir aber andererseits auch, mich selbst zu spüren. Das ist gerade sehr wichtig: mich selber zu spüren und nicht erst, wenn mich ein Migräneanfall dazu zwingt.

    LG Siri

  • Hallo Siti,


    ich finde, Deine Wut ist ein gutes Zeichen. Endlich kannst Du Wut spüren! Wut ist ja eine der „Trauerphasen“ und gehört dazu um traumatische Erlebnisse (als solches bezeichne ich jetzt einfach mal Dein EKA-Sein) zu verarbeiten. Bei manchen kommt die Wut sehr früh, bei einigen erst zu einem späteren Zeitpunkt.

    Vielleicht kannst Du die Energie, die in Wut ja enthalten ist, für irgendetwas „Sinnvolles“ nutzen? Für Sport, für irgendetwas Kreatives, o.ä.?


    Ich finde es toll, wie selbstreflektiert Du bist!

    VG Sue

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Aber es hilft mir gerade, wütend sein zu dürfen

    Das kommt bei mir gerade wie gerufen. Habe mich in den letzten Tagen gefragt, was da mit mir los ist.

    Beruhigend wenn das "normal" ist.

    Mir nahestehende Personen konnten immer nicht verstehen, wieso ich nicht "sauer" auf meine Mutter bin.

    Gerade ihre letzte Reaktion, auf eine für mich schwierige Situation, hat es wohl endlich aufgeweckt. Und ich bin jetzt soweit.

    Dann halt mal los 😬 (da ist er) Bremsen halt nicht vergessen. ;)

  • Danke Euch allen für Eure Unterstützung und die vielen Gedanken zu den Facetten der Wut, die Ihr hier einbringt. Das hilft mir sehr bei der Suche nach Möglichkeiten, die Wut nicht bloss passiv auszuhalten, sondern ihre Energie für mich in einer positiven Weise umzulenken. Kein Crash, sondern Fahrkünste sind ja gefragt. Ich muss ausprobieren und üben.

    Dass Wut eine der Trauerphasen ist, war mir nicht klar. Danke Dir Sue für diesen Hinweis! Aber es macht Sinn, denn es gilt ja sich von der Trauer zu lösen und sein eigenes Leben ohne permanenten Rückbezug auf das Vergangene zu leben. Das fällt mir nicht leicht. Erstaunt bin ich aber, dass mit der Wut eine gewisse Leichtigkeit bei mir eingekehrt ist. Auch meinem Mann fällt dies auf und es ist schön für unsere Beziehung. Die permanente Last und Schwere schwebt nicht mehr über allem trotz der immer wieder aufkommenden Wut.

    Danke Dir Alex für den Wut-Smiley! 😬 Es ist ziemlich überzeugend, er zeigt schön die Zähne! :)

    LG Siri

  • Liebe Siri, ich hatte schon sehr intensive und auch ganz unterschiedliche Wut Phasen in meinem Leben.

    Keine hat mich dauerhaft gelähmt oder blockiert, so in der Rückschau habe ich es immer geschafft Energie und Antrieb daraus zu ziehen.

    Dein Text hat mich zum schmunzeln gebracht und es entsteht so ein Gefühl, als wolle ich dich anfeuern. Was für ein passendes Wort, im Zusammenhang mit Wut.

    Es liest sich so, also würde sie dir richtig gut tun und darüber freue ich mich.

    Fröhliche Grüße, Lea

  • Liebe Lea

    ja, die Wut tut mir gut. Gut ist es zu wissen, dass Du diese Wut Phasen auch kennst und dass Du es geschafft hast, sie für Dich zu nutzen. Danke Dir für Deine Anfeuerung, Lea, die kann ich gut brauchen!

    Es ist interessant an mir zu beobachten, dass das, was ich jetzt im Nachinein als unterdrückte Wut erkenne, wie ein schwarzes Loch war, das viel Energie von mir abgesogen hat. Jetzt ist es anders, auch nach dem Abklingen der Wut bleibt die Energie.

    Hoffentlich gelingt es mir, das für mich einzuüben und so zu einem guten und nachhaltigen Umgang mit meiner Kraft zu gelangen.
    LG Siri

  • Hallo liebes Forum,

    wieder Mal eine Nachricht von mir.

    In der letzten Zeit hatte ich einige nicht leichte Gespräche mit dem Pflegedienst und der Hausärztin meiner Mutter.

    Beide haben mir deutlich gemacht, dass es meiner Mutter jederzeit sehr schnell sehr viel schlechter gehen kann. Auch meine Mutter erwähnt häufig, dass ihr Leben sich dem Ende zuneige. Sie ist nicht mehr aggressiv zu mir, entschuldigt sich zum Beispiel, wenn sie am Telefon mal ungehalten wird, weil sie etwas überfordert. Sie fragt nun, wenn sie etwas nicht versteht, anstatt in solcher Situation verbal um sich zu schlagen und mich abzuwerten. Das ist ein großer Fortschritt in unserer Kommunikation.

    Ich weiss nicht, wie es zu dieser Veränderung gekommen ist. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mich in solchen Situationen immer klar abgegrenzt habe und ihr immer wieder deutlich gemacht habe, dass ich nicht über sie entscheiden kann und will, sondern sie die Verantwortung für ihr Leben selbst trägt. Seit ich meine Wut gut spüren kann, bin ich zudem im Umgang mit meiner Mutter viel ruhiger und gelassener geworden. Meine Anspannung ist weg.

    Der Pflegedienst hat angedeutet, dass sie es sich vorstellen können, meine Mutter zu Hause weiterzupflegen, auch wenn sich ihre Situation verschlechtern sollte. Solange meine Mutter kooperiert, wäre dies möglich.

    Die Ärztin unterstützt das und sieht die weitere häusliche Pflege als Möglichkeit, auch wenn ich nicht vor Ort bin.

    Die Ärztin kann die weitere Entwicklung nicht abschätzen, sie meint, dass es meiner Mutter in Anbetracht ihres Lebensstils aussergewöhnlich gut gehe, dass es aber wichtig sei, auf eine massive Verschlechterung mental vorbereitet zu sein. Sie wird mich bei allen Entscheidungen unterstützen und eng begleiten.

    Meine Mutter hat in letzter Zeit öfter selbst davon angefangen, dass sie süchtig sei, schon immer gesoffen habe. Mich erstaunt dies, dass das jetzt so plötzlich zur Sprache kommt. Aber ich kommentiere es nicht. Es ist ihre Angelegenheit, nicht meine.

    Ich merke, dass es meiner Mutter sehr wichtig ist, ihre Zuneigung und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, bei jedem unserer Telefongespräche wird dies deutlich. Sie fragt auch jedesmal wie es mit meiner Sportreha geht.

    Apropos Sportreha: da hatte ich letzte Woche eine Enttäuschung zu verkraften. Das, was ich mir ausgesucht habe, schaffe ich noch nicht. Ich kann mit der Gruppe nicht mithalten. Deshalb gibt es jetzt zuerst einmal eine gezielte Einzeltherapie bis ich dann in die richtige Gruppe wechseln kann.

    LG Siri

  • Heute habe ich seit sehr langer Zeit erstmals wieder gekocht: eine Hühnersuppe. Das ganze Huhn zu präparieren hat mich einige Überwindung gekostet. Es ist halt schon wirklich eine andere Sache als einfach nur ein Stück Fleisch zu machen. Hier war der Hals noch dran (blutunterlaufen) und im Inneren auch noch einige Merkwürdigkeiten...ein bischen gruselig 8o...aber ich habe es geschafft!

    Die Suppe köchelt gerade auf dem Herd vor sich hin und der Duft breitet sich aus. Sonst kocht mein Mann, der ein hervorragender Koch ist. Aber ich möchte auch wieder ab und an kochen, mir fehlte bisher das Selbstvertrauen.

    Ich bin sehr stolz :) und gespannt, wie es schmecken wird!

    LG Siri

  • Ich hab mit 14 oder so versucht mein erstes ganzes Huhn zu Suppe zu verarbeiten. Das fand ich so furchtbar, dass ich bis heute meistens Hühner Beine benutze ☺️

    Also Gratulation von mir und Hühnerrespekt!

  • Hallo liebe Forumsmitglieder,

    nach wie vor rufe ich meine Mutter 1 Mal in der Woche an. Die Telefonate verlaufen in gewohnten Bahnen ohne Zwischenfälle. Meine Mutter freut sich sehr über den wöchentlichen Anruf. Aber wenn ich einmal ausser der Reihe anrufe, ist sie meist abweisend. Ich glaube, dass sie sich dann von mir kontrolliert fühlt bzw. ich ihrem Trinkregime in die Quere komme. Weil sie beim letzten Mal sehr über gesundheitliche Verschlechterungen geklagt hat, habe ich gefragt, ob ich am Folgetag kurz durchrufen soll, was sie aber nicht wollte.

    Mir hilft es, gefragt zu haben, auch wenn ich tatsächlich über ihre Antwort erleichtert war, weil mich die Berichte über ihre gesundheitlichen Verschlechterungen mitnehmen. Ich habe sie daran erinnert, dass sie den Notruf wählen kann, wenn es zu einer massiven Verschlechterung kommen sollte. Das hat sie abgelehnt. Sie sieht darin keinen Sinn. Meine Mutter möchte sterben.

    Indem ich sie an ihre Optionen erinnert habe, kann ich die Verantwortung bei ihr lassen. Ich bin traurig, aber ich akzeptiere wie es ist. Mir hilft es, sie gut versorgt zu wissen. Und mich tröstet sehr, für mich selbst und mit meinem Mann ein gutes und sehr schönes Zuhause geschaffen zu haben. Das gibt mir zur Zeit viel Halt.

    LG Siri

  • Liebe Forumsmitglieder,

    zur Zeit lese ich im Forum vor allem mit. Mich berühren die Geschichten sehr und ich bin so froh, dass es Euch gibt!

    Es fällt mir aber zur Zeit sehr schwer, in meinem Faden zu schreiben.

    Mich suchen immer wieder Panikattacken heim. Vor allem wenn ich unter Menschen gehen möchte, überfällt mich eine starke Übelkeit und große Unruhe. Ich fühle mich wie paralysiert und muss mich dann zwingen hinauszugehen und meine Pläne umzusetzen. Es fühlt sich wie ein inneres Gefängnis an, das mich festhält. Wenn ich es einmal geschafft habe, geht es eigentlich ganz gut, aber zuvor ist es eine Qual. Ich kann mich kaum auf etwas konzentrieren.

    Ich weiß nicht, ob es mit der Gruppentherapie zu tun hat, die ich nun seit einiger Zeit begonnen habe. Dort kommen viele Dinge hoch. Die Gruppentherapie selbst ist sehr hilfreich und das Format ein Segen. Ich bin froh dort einen Platz bekommen zu haben und denke, es ist gerade in meiner jetzigen Situation gut, dass es eine Gruppen- und keine Einzeltherapie ist. Ich lerne viel.

    Vielleicht sind die Panikattacken aber auch Folge der Unterbrechung meiner Aktivitäten und des Alltags durch eine heftige Corona-Infektion, die mich nun bereits vor mehr als einem Monat zwei Wochen lahm gelegt hat? Es fällt mir extrem schwer alles wieder aufzunehmen und mein Leben wieder zu strukturieren und auf die Reihe zu kriegen.

    Kennt jemand von Euch das, dass solch eine Unterbrechung des Alltags wie ein riesiger Bremsklotz wirkt? Ich bin zur Zeit etwas ratlos. Immerhin gehe ich nun wieder zur Gruppen- und zur Physiotherapie. Den Gesundheitssport habe ich noch nicht wieder aufgenommen. Da macht mir ein permanenten Hustenreiz, der bei Anstrengung schlimmer wird, einen Strich durch die Rechnung. Aber am meisten plagt mich die Panik.

    LG Siri

  • Und nun nach all den Jahren ist jetzt alles wieder da (bin nun über 50): die alten Panikattacken, die Übelkeit, das Gefühlschaos, die Verzweiflung...

    Das hast Du Anfang August geschrieben, Siri.

    Ist es zwischenzeitlich besser gewesen?

    Was meinst Du, kommt es durch die Corona-Erkrankung, dass Du Dich deswegen so hilflos gefühlt hast? Und ganz gesundet bist Du bisher nicht wirklich.

    Oder besteht ein Zusammenhang mit der Äußerung Deiner Mutter, dass sie nicht mehr leben will? Dass Dich das unter Druck setzt?

    Wovor fühlst Du Panik? Lösen es die fremden Menschen um Dich herum aus oder überfordert Dich die jeweilige Situation und Du bist reizüberflutet?

    Vielleicht hilft Dir die Erklärung für mich etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!