Lia123 - EKA, ganz neu hier

  • Hi, ich bin 23 Jahre alt und mein Vater ist Alkoholiker. Er hat bis ich ca 3 war regelmäßig getrunken. Dann war er 12 Jahre trocken. Seit 8 Jahren trinkt er wieder on/off. Ich arbeite das Thema in meiner Therapie auf und komme relativ okay in meinem Lebem zurecht. Doch jedes Mal wenn ich meine Eltern besuche, geht es mir miserabel. Ich sehe das Leid und weiß nicht, was ich tun kann. Ich war jetzt für mehrere Jahre quasi-Therapeutin meiner Mutter, und das hat mich kaputt gemacht. Leider habe ich in meiner Familie niemanden, der meine Gefühle aushalten kann oder dem ich meine wahren Gefühle zeigen kann. Ich fühle mich daheim sehr einsam. Ich denke ich erhoffe mir hier etwas Verständnis und Unterstützung zu finden. Meinen Freunden gegenüber traue ich mich nicht immer ehrlich zu sein, da ich mich auch für meinen Vater schäme (hierfür aber auch Schuldgefühle habe).

    Liebe Grüße und danke für jede Rückmeldung!

  • Hallo und willkommen Lia,

    das ist das Schlimme, dass du im Grunde genommen das Leid siehst und nichts daran ändern kannst. Dein Vater trinkt und deine Mutter macht sich damit kaputt, ihn irgendwie da rauszuholen.

    Als Kind, auch wenn du erwachsen bist, als eine Art Therapeutin zu funktionieren, ist eine unmögliche Aufgabe. Du steckst ja quasi selbst in dem System mit drin. Und es ist nicht deine Aufgabe, der Seelenmülleimer für deine Mutter zu sein.

    Na klar ist es sehr schwierig, sich abzugrenzen. Es geht um deine Eltern. Aber du merkst ja selbst wie dich das kaputt gemacht hat. Familie, Freunde können sowas kaum bis garnicht nachvollziehen, wenn die sowas nicht selbst erlebt haben.

    Darum bist du hier goldrichtig. Es gibt hier viele EKAs und du wirst da auf Verständnis stoßen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Guten Abend Lia,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Aurora hat es auf den Punkt gebracht, im Grunde kannst Du nur versuchen Dich ein Stück weit abzugrenzen.

    Der Austausch mit anderen Teilnehmern wird Dir guttun.

    Klicke den untenstehenden Link an und schreibe nur kurz eine Zeile.

    Wir werden Dich dann für den offenen Bereich freischalten und Dein Thema direkt zu "Erste Schritte für EKA" verschieben.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Lia.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo liebe Lia,

    auch von mir ein ganz herzliches Willkommen. Auch ich bin EKA. Es ist super, dass Du hierher gefunden hast. Es ist sehr traurig zu realisieren, dass man zu Hause auf seinem Lebensweg so gar keine Unterstützung bekommt und noch schlimmer, die eigenen Gefühle nicht zeigen zu dürfen. Das ist auch extrem anstrengend und auf Dauer ungesund. Auch wenn es schwer fällt, die Abgrenzung zu Deinen Eltern ist sehr wichtig, damit es Dir gut geht. Und Du hast jedes Recht darauf, dass es Dir gut geht! Denn es ist ja leider tatsächlich so, dass Du wirklich nichts tun und nichts an der Situtaion Deiner Eltern ändern kannst. Das können nur sie selbst.

    Scham- und Schuldgefühle kenne ich auch sehr gut. Es ist wichtig und toll, dass Du Dich mit ihnen auseinandersetzt. In Deinem Alter war ich längst noch nicht so weit! Du trägst keinerlei Schuld an der Situtation Deiner Eltern. Das weisst Du ja. Es aber auch wirklich zu verinnerlichen, ist trotz dieser Erkenntnis nicht ganz so leicht. Aber es kann gelingen und ein befreiender Prozess sein, der zu mehr Selbstsicherheit, Gelassenheit und Verständnis für sich selbst führen kann, auch wenn es oft auch ein schmerzhafter Prozess ist.

    Viele liebe Grüße Siri

  • Danke Elly!

    Und danke Siri, du bringst meine Gefühle und Zerrissenheit total gut auf den Punkt.

    Die Abgrenzung fällt mir momentan total schwer. Ich habe Angst meinem Vater noch mehr schlechte Gefühle zu geben und ich habe Angst, dass er sich in den Tod trinken könnte. Ich habe Angst, dass er sich was antun könnte, da er viele Schuldgefühle hat. Genauso tut mir meine Mutter wahnsinnig leid, die selbst unter dem Konsum leidet und sich ständig bei mir dafür entschuldigt. Ich liebe meine Eltern und sie lieben mich. Das weiß ich „rational“. Leider kann/konnte es mir mein Vater nie zeigen und oft fühle ich mich daher wertlos und ungeliebt. Selbstwert und Selbstbewusstsein sind auch nicht sonderlich gut bzw. stabil. Wenn ich mal zuhause bin, habe ich ständig Angstattacken und muss mich zurückziehen. In meiner eigenen Wohnung geht es mir viel besser. Aber ich wünschte ich könnte mich auch daheim gut fühlen und die Zeit mit meiner Familie dennoch irgendwie genießen.

    Danke echt für jede Rückmeldung. Es tut so gut mal alles rauszulassen.

    Liebe Grüße,

    Lia

  • Hallo Lia,

    Du schleppst das ja schon länger mit Dir rum und machst Dir Gedanken. Therapeutisch bist Du auch drann. Was hast Du bis jetzt für Lösungsansätze für Dich herausgefiltert?

    Wenn persönlich nichts geht ( Angst, Respekt, Peinlich... wie auch immer ) denke ich immer, das evtl. ein ehrlicher strukturierter Brif helfen könnte. Den kannst Du so lange schreiben und wieder korrigieren bis Du das zum Ausdruck gebracht hast was Dir wichtig ist. Entweder nur an Deinen Vater oder auch an Beide zusammen. Da könntest Du auch etwas über Konsequenzen schreiben ( Kontaktabbruch etc. ) wenn Dir da etwas vorschwebt ( siehe oben )

    GlG WW

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Hallo Lia,

    Leider habe ich in meiner Familie niemanden, der meine Gefühle aushalten kann oder dem ich meine wahren Gefühle zeigen kann.

    hast Du Geschwister? Oder nahe Verwandte, die Teil Deiner Familiensituation sind?

    Wann bist Du ausgezogen? Was hat Dich dazu bewogen, auszuziehen?

    Wie würdest Du Deine Sorgen beschreiben?

    Die Idee von Whitewolf finde ich sehr gut. Sie könnte Dir ermöglichen erstmal Abstand zu Deinem alten "daheim" zu finden und Deinem neuen "daheim" mehr Gewicht zu geben und dadurch Kraft zu schöpfen. Und eine eigene Sprache für Deine Sorgen zu finden.

    Wenn persönlich nichts geht ( Angst, Respekt, Peinlich... wie auch immer ) denke ich immer, das evtl. ein ehrlicher strukturierter Brif helfen könnte. Den kannst Du so lange schreiben und wieder korrigieren bis Du das zum Ausdruck gebracht hast was Dir wichtig ist. Entweder nur an Deinen Vater oder auch an Beide zusammen. Da könntest Du auch etwas über Konsequenzen schreiben ( Kontaktabbruch etc. ) wenn Dir da etwas vorschwebt ( siehe oben )

    Iphigenie

  • Hallo whitewolf,

    Wenn persönlich nichts geht ( Angst, Respekt, Peinlich... wie auch immer ) denke ich immer, das evtl. ein ehrlicher strukturierter Brif helfen könnte. Den kannst Du so lange schreiben und wieder korrigieren bis Du das zum Ausdruck gebracht hast was Dir wichtig ist. Entweder nur an Deinen Vater oder auch an Beide zusammen.

    Hab tatsächlich an beide schon Briefe geschrieben. Die wurden auch gut aufgenommen. Ich schaffe es nur noch nicht „härtere Worte“ an meinen Vater zu richten. Bislang habe ich immer versucht ihn Verständnis entgegen zu bringen. Eben da ich Angst habe, dass es sonst noch schlimmer wird. Vermutlich sollte ich mal direkter werden. Habe ihn aber auch schon gefragt, warum er nicht nochmal einen Klinikaufenthalt probiert. Hat ja schonmal geklappt.
    Ansonsten ist das einzige was mir wirklich hilft eigentlich der räumliche Abstand. Bin auch nur höchstens alle drei Monate mal für ein, zwei Tage da. Einige Freund*innen wissen inzwischen auch Bescheid und sind im Notfall erreichbar, wenn ich es hier nicht aushalte.

    LG, Lia

  • Hallo Iphigenie,

    hast Du Geschwister? Oder nahe Verwandte, die Teil Deiner Familiensituation sind?

    Ich habe einen Bruder. Allerdings hat der sich noch nie sonderlich für mich interessiert und ist von der Situation auch nicht so mitgenommen, da es nicht sein leiblicher Vater ist und er seit Jahren ausgezogen ist (ist auch einige Jahre älter als ich).

    Ansonsten weiß die Familie eigentlich Bescheid. Es kam nur noch nie jemand auf mich zu. Ich denke es wird primär meine Mutter als Opfer vom Konsum gesehen. Mit jemanden darüber reden kann ich daher eher nicht. (Bzw habe es mal mit einem Onkel probiert, der hat allerdings selbst Probleme mit Substanzen).

    Wann bist Du ausgezogen? Was hat Dich dazu bewogen, auszuziehen?

    Ich bin direkt nach dem Abitur ausgezogen zum studieren. Damals hatte ich aber noch kein Verständnis von der Situation und habe mich daheim noch wohlgefühlt. Ich verstehe eigentlich erst seit 1-2 Jahren, wie schlimm die Situation ist.

    Wie würdest Du Deine Sorgen beschreiben?

    Ich habe Angst, dass er sich umbringen würde. Es ist zwar noch nichts in der Art in der Vergangenheit passier, aber er schwankt ständig zwischen leicht bis schwer depressiv. Ich habe Angst, dass er keinen Ausweg mehr sieht, wenn er erkennt was sein Trinken anrichtet.

    LG, Lia

  • Hallo Lia,

    auch von mir noch ein herzliches willkommen bei uns.

    Es kam nur noch nie jemand auf mich zu.

    Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, kann ich dir nur sagen: Es wird auch keiner kommen. Als ich "ausgepackt" habe und erzählen konnte was ich mit meinem Mann erlebte, wußten es alle. Jeder hatte schon etwas mit ihm erlebt und keiner hat mir etwas gesagt, sie wollten mich nicht verletzen. Ich habe ihnen dann erzählt, wie es bei mir angekommen ist, darüber waren sie dann doch betroffen. Ich bin dann relativ offensiv damit umgegangen und ab da bekam ich dann auch ernstgemeinte Hilfsangebote. Ich würde dir gerne sagen: Trau dich.


    Ich habe Angst, dass er keinen Ausweg mehr sieht, wenn er erkennt was sein Trinken anrichtet.

    es liegt nicht in deiner Hand, ihn vor irgendetwas bewahren zu können. Leider muß er seine Erfahrungen selbst machen, du hast keinerlei Verantwortung und du kannst ihn nicht bewahren. Eine Depression kann behandelt werden, aber das geht nur im klaren Kopf, denn anders kann er einer Therapie gar nicht folgen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Lia,

    da hast Du ja schon einiges durch.

    Hast Du irgendwie das Gefühl das es mit Dir zusammenhängen könnte das er seine 12jährige Trockenheit aufgegeben hat?

    Fühlst Du Dich da irgendwie ( mit ) verantwortlich?

    Du warst ja in Etwa 15 als er wieder angefangen hat, da warst Du ja noch zu Hause denke ich.

    Gab es da etwas was Dich noch beschäftigt?

    Ich schaffe es nur noch nicht „härtere Worte“ an meinen Vater zu richten.

    Das ist auch nicht notwendig, ich denke er weiss worum es geht.

    Du kannst wohl nur Deine Hilfe anbieten wenn er aktiv selbstständig aufhören will.

    Habe ihn aber auch schon gefragt, warum er nicht nochmal einen Klinikaufenthalt probiert. Hat ja schonmal geklappt.

    Was sagt er dazu?

    lG WW

    m. , Bj. 67 :wink: , abstinent seit 2005

    Wir gehen unseren Weg, weil wir nur den Einen haben. Hätten wir mehrere zur Auswahl, wären wir total zerrissen und unglücklich. Einzig die Gestaltung unterliegt uns in gewissen natürlichen Grenzen.

  • Hallo Morgenrot,

    Danke für deine Hilfe und deine Offenheit. Ja du hast recht, sicher meint niemand etwas böse. Ich kann ehrlich gesagt auch meine wahren Gefühle gut verstecken und so tun als wäre bei mir alles super. Der Gedanke jemanden aus der Familie zu fragen, ist für mich noch sehr unangenehm. Es wird bei uns nicht viel über Emotionen geredet und manchmal glaube ich, niemand kann wirklich damit umgehen. Ich habe aber zum Glück ein paar freund*innen eingeweiht, die auch gut darauf reagieren können, sobald ich es schaff sie anzuschreiben oder anzurufen.

    LG,

    Lia

  • Hallo whitewolf,

    Hast Du irgendwie das Gefühl das es mit Dir zusammenhängen könnte das er seine 12jährige Trockenheit aufgegeben hat?

    Fühlst Du Dich da irgendwie ( mit ) verantwortlich?

    Du warst ja in Etwa 15 als er wieder angefangen hat, da warst Du ja noch zu Hause denke ich.

    Ich glaube er hat damals wieder mit dem Trinken angefangen, als sich seine Eltern geschieden haben. Das war ein Riesen Rosenkrieg, und er und seine Brüder wurden da viel mit reingezogen. Seine Kindheit war meines Wissens auch nicht toll.

    Die ersten ein zwei Jahre habe ich auch nicht mal mitbekommen, dass er wieder trinkt, da meine Eltern es vor mir verstecken wollten. Dann war irgendwann mein Alkohol, den ich zum feiern mit meinen Freunden hatte weg und naja..

    Dieses Jahr war er bis vor ein paar Tagen wieder trocken. Und ich glaube tatsächlich, dass er wieder angefangen hat, weil ich nach Hause kam. Ich glaub er weiß nicht wie er nüchtern mit mir umgehen soll. Betrunken wird er sehr gesprächig und deutlich sicherer im Umgang mit Menschen. Es fühlt sich aber komisch an, dass er vor mir „Angst“ haben könnte. Verantwortlich fühl ich mich daher eigentlich nicht, aber der Gedanke, dass er wegen mir trinken muss ist schrecklich.

    Was sagt er dazu?

    Damals war sein Argument, dass er auf seiner neuen Arbeit noch in Probezeit ist und nicht die Arbeit verlieren will. Habe ich auch verstanden. Aber seit Ende Februar ist diese Probezeit vorbei und jetzt bildet er sich wohl wieder ein es alleine schaffen zu können, weil er ja wieder ein paar Monate trocken war. Es ist eigentlich seit 8 Jahren dasselbe Spiel. Er war auch schon bei etlichen Therapeut*innen, aber scheinbar verstehen die ihm alle nicht (das glaube ich ihm schon lange nicht mehr)..

    Danke auch für deine Hilfe!

    LG, Lia

  • Ich schaffe es nur noch nicht „härtere Worte“ an meinen Vater zu richten. Bislang habe ich immer versucht ihn Verständnis entgegen zu bringen. Eben da ich Angst habe, dass es sonst noch schlimmer wird. ....
    Ansonsten ist das einzige was mir wirklich hilft eigentlich der räumliche Abstand. Bin auch nur höchstens alle drei Monate mal für ein, zwei Tage da.

    Liebe Lia,

    diese Angst, dass Du die Sucht Deines Vaters verschlimmern könntest, ist nachvollziehbar, aber absolut nicht begründet: Denn Du hast keinerlei Einfluss auf seine Sucht und sein Verhalten. Nur er allein ist für sich und seine Gesundheit verantwortlich. Du bist auch nicht verantwortlich dafür, Deinen Vater über seine Sucht aufzuklären. Er ist erwachsen und kann sich selbst bei den entsprechenden Stellen informieren.

    Was für Dich wichtig ist: ihm Deine Grenzen klar zu kommunizieren und sie dann auch einzuhalten und danach zu handeln.

    Du schreibst, das einzige, was Dir gerade wirklich hilft, ist der räumliche Abstand. Dann nehme ihn ein und auch wenn sich das zunächst falsch anfühlen mag!

    Selbst wenn Du einmal das Bedürfnis haben solltest gar keinen Kontakt mehr zu Deinem Vater zu haben, ist das in Ordnung. Das muss ja kein Kontaktabbruch für immer sein, aber selbst das dürfte sein. Du hast das Recht selbst zu bestimmen, was Dir gut tut und was nicht. Es ist gesund und richtig, dass Du Dich selbst schützt. Vertraue Deiner Intuition in dem, was Du dazu brauchst, dass es Dir besser geht.

    Viele liebe Grüße Siri

  • Dieses Jahr war er bis vor ein paar Tagen wieder trocken. Und ich glaube tatsächlich, dass er wieder angefangen hat, weil ich nach Hause kam. Ich glaub er weiß nicht wie er nüchtern mit mir umgehen soll. Betrunken wird er sehr gesprächig und deutlich sicherer im Umgang mit Menschen. Es fühlt sich aber komisch an, dass er vor mir „Angst“ haben könnte. Verantwortlich fühl ich mich daher eigentlich nicht, aber der Gedanke, dass er wegen mir trinken muss ist schrecklich.

    Zieh dir doch den Schuh nicht an! Du klingst wie nach einer Gehirnwäsche. Wobei es ja genau so ist, wenn man mit nassen Eltern aufwächst. Die Verantwortlichkeiten verdrehen sich: Die Kinder meinen, für das Wohl und Wehe ihrer Eltern verantwortlich zu sein - wo es doch genau umgekehrt sein sollte!

    Gefühlt 99 Prozent aller Väter wissen, wie sie mit ihren Töchtern umgehen sollten: nüchtern, verantwortungsvoll, väterlich, erwachsen... Seine Sauferei hat absolut nichts mit dir zu tun.

    Erwachsene Kinder von Alkoholikern leiden furchtbar unter dem Ohnmachtsgefühl, daß sie das Elternteil nicht retten können. Ist zwar nicht ihr Job, aber trotzdem.. Und weil sich Ohnmacht schrecklich anfühlt, switchen sie um zu "ich bin verantwortlich bzw. ich bin schuldig" - denn das verschafft die Illusion von einem Hauch einer Ahnung von Kontrolle über die entgleiste Situation.

    Aber es liegt nicht in der Hand von uns EKA die Eltern retten zu können. Das können sie nur selber, wenn sie endlich ihr Leben in die Hand nehmen. EKAs können nix für die Eltern tun, nur für sich selber. Und da ist das Zauberwort 'Abstand'. Ich habe Jaaaahre Abstand gehalten, mich stabilisiert, meine Schuldgefühle auf den Misthaufen geworfen und bin ich selber geworden. Jetzt habe ich wieder Kontakt zu den alten Eltern, das funktioniert soweit ganz gut. Aber ich muß immer darauf achten bei mir zu bleiben.

    LG, Linde (EKA)

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Lisa,

    schön das Du hier bist und ich hoffe das Du hier die nötige Hilfe und Unterstützung bekommst.

    Ich kann nachvollziehen wie es Dir geht. Mein Papa ist seit Jahren Alkoholiker jetzt seit einem Jahr trocken. Ich habe jahrelang vermittelt und war auch Therapeutin meiner Mutter.

    Echt ganz schlimm war das ....Du bist für überhaupt nichts verantwortlich davon musst Du dich echt frei machen. Du bist so jung das tut mir echt total leid das zu lesen.

    Ich persönlich habe den Kontaktabbruch nicht geschafft und wollte das auch nicht das hätte sich für mich nicht richtig angefühlt.Ich hatte und habe auch bis jetzt, wenn er trinkt keinen guten Umgang mit der Situation.Ich finde das muss jeder mit sich selber abmachen .

    Nur Du hast keine Schuld das ist sicher...

    Liebe Grüße

  • Liebe Lia,

    auch ich will Dir noch etwas von mir da lassen. Wie Linde habe ich nach jahrelangem Kontaktabbruch wieder (seltenen) Kontakt zu meiner nun pflegebedürtigen und sehr kranken Mutter. Auch ich muss sehr gut auf mich acht geben, bei jedem Kontakt, um mich nicht von meiner Mutter und ihren Alkoholdramen vereinnahmen und herunterziehen zu lassen.

    Du bist sehr jung und ich möchte Dich ermutigen, wirklich einmal konsequent Abstand zu nehmen. So gewinnst Du Zeit und Raum für Deine eigene Entwicklung. Das ist so wichtig. Jeder Mensch trägt ein großes Potenzial in sich, das es zu erkunden und entwickeln gilt. Gib das nicht auf für Deine Eltern! Es wäre sicher nicht in ihrem Sinne, wenn es ihnen klar würde, und es wäre auch vergebens. Sie müssen ihre Probleme selbst lösen, es steht nicht in Deiner Macht das für sie zu tun. Menschen, die in gesunden Familienstrukturen aufgewachsen sind, können das einfach so, ihren Weg gehen, ohne dies als im Stich lassen der Eltern zu empfinden. Für viele EKAs ist das eine riesen Sache und nicht leicht zu lernen. Aber es geht und es ist gut, dass Du Dir therapeutische Unterstützung geholt hast.

    Liebe Grüße und eine dicke Portion Mut und Zuversicht für Dich

    Siri

  • Du bist sehr jung und ich möchte Dich ermutigen, wirklich einmal konsequent Abstand zu nehmen. So gewinnst Du Zeit und Raum für Deine eigene Entwicklung. Das ist so wichtig. Jeder Mensch trägt ein großes Potenzial in sich, das es zu erkunden und entwickeln gilt. Gib das nicht auf für Deine Eltern! Es wäre sicher nicht in ihrem Sinne, wenn es ihnen klar würde, und es wäre auch vergebens. Sie müssen ihre Probleme selbst lösen, es steht nicht in Deiner Macht das für sie zu tun. Menschen, die in gesunden Familienstrukturen aufgewachsen sind, können das einfach so, ihren Weg gehen, ohne dies als im Stich lassen der Eltern zu empfinden. Für viele EKAs ist das eine riesen Sache und nicht leicht zu lernen. Aber es geht und es ist gut, dass Du Dir therapeutische Unterstützung geholt hast.

    Danke Siri für deine lieben Worte und deine Offenheit. Ja du hast recht. Ich habe mir lange eingeredet, dass ich es schaffe für meine Eltern Therapeutin zu spielen und dass mich das Thema nicht belastet. Da habe ich mich aber selber angelogen. Gerade bin ich daher an dem Punkt, dass ich nicht mal mehr so recht weiß, was ich eigentlich will. Ich habe mich schon als Kind so verbogen und scheinbar alles gemocht, was mein Vater mag, damit ich immerhin etwas Aufmerksamkeit bekomme. Und heute weiß ich nicht mal mehr, was ich eigentlich wirklich mag. Das ist total verwirrend. Aber ihr gebt mir hier wirklich Mut, dass es okay ist, meine Eltern auf Distanz zu halten. Für mich fühlt es sich immer noch so an, sie im Stich zu lassen und ihnen willentlich schlechte Gefühle zu geben. Fühlt sich aber gut an, nicht alleine mit solchen Gefühlen und Gedanken zu sein!

    LG, Lia

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