Vayana - Wie schätzt ihr das ein?

  • Hallo Vayana,

    ja ich verstehe das sehr sehr gut. Mir ging es zig Male so. Schreckliche Nacht mit volltrunkenem pöbelndem Mann und ich habe mir geschworen dass es das letzte mal war und ich am nächsten Tag aber wirklich etwas unternehme, mich jemandem öffne, die Koffer packe, was auch immer. Und dann: wieder verdrängt, wieder einlullen lassen… oft auch wegen: Kind krank, den Geburtstag noch abwarten usw..

    Ich musste wirklich die Energie, Wut und Empörung des Augenblicks nutzen um da erstmal rauszukommen. Ich bin mit den Kindern jetzt übergangsweise zu Verwandten gezogen und der Abstand ist so unglaublich wichtig und hilfreich.

    Auch eine Mutter-Kind-Kur kann ich echt empfehlen!

  • Liebe Vayana,

    Ich würde Dir so gerne antworten, aber ich kann Deine Situation irgendwie nicht so richtig greifen. Das ist nicht als Kritik gemeint, sondern liegt wahrscheinlich an mir.

    Was ich bis jetzt verstanden habe, ist dass Du unglücklich in Deiner Beziehung bist. Das Du es auf den Alkoholkonsum Deines Mann beziehst. Das Du Ehrlichkeit erwartest und kein Vertrauen mehr da ist von Deiner Seite.Du deinen eigenen Gefühlen nicht mehr traust.

    Dein Mann trinkt ja gerade nicht, soweit ich verstanden habe. Wie läuft es jetzt für Dich?

    LG Momo

  • Wie läuft es für mich? Hm… für mich war bzw. ist die Erkenntnis, dass mein Mann Alkoholiker ist, neu! Ich habe das die ganze Zeit gefühlt. Aber er und mein Umfeld haben mir etwas anderes suggeriert. Das ist für mich gerade die Befreiung schlechthin! Denn ich habe mich entschieden, meinem Gefühl zu vertrauen. Ich glaube, das ist der riesige Schritt der letzten Tage!

    Und ich frage mich jetzt im nächsten Schritt: wieso habe ich das 9 Jahre mitgemacht bzw. immer wieder verdrängt? Das ist also die nächste Gedankliche Baustelle…

    Ja, mein Mann trinkt seit 9 Tagen alkoholfreies Bier in Mengen. Ein erster Schritt. Er setzt sich angeblich mit seinem Alkoholumgang auseinander, möchte da aber zur Zeit nicht mit mir drüber reden. Und er fährt die Schiene: jetzt machen wir alles anders!
    Das, was für mich das Schlimmste in unserer Beziehung war- ständige Erschöpfung, Gereiztheit, Überforderung, mega schlechte Laune- ist schon nach 4 Tagen alkoholfrei Vergangenheit. Das ich dem Braten nicht traue, liegt auf der Hand. Und trotzdem ist es eine Art durchatmen… Ich will nicht so weiter machen. Ich denke, wenn ich jetzt nicht für mich ein klares Zeichen setze, dann würde er- schwuppdiwupp- schnell wieder alles unter den Teppich kehren, und so weiter machen als wäre nichts gewesen. Bis dann irgendwann wieder ein Bierchen auftauchen würde… und dann zwei…

  • Wie allerdings mein Zeichen bzw. Mein Weg aussehen kann, das weiß ich noch nicht genau… irgendwas mit : mehr reinfühlen was ich will und danach handeln, eigene Abhängigkeiten zu ihm (?) angucken, … Ich brauche Abstand und Zeit…

    Verständlicher, Momo?
    LG

  • Liebe Vanyana,

    Ja, viel verständlicher für mich. Ich finde auch, dass Du jetzt mehr bei Dir selbst bist in deinen Texten. Freue mich für Dich, dass Du Dich befreit fühlst.

    LG Momo

  • Hallo Vajana,

    Ja, mein Mann trinkt seit 9 Tagen alkoholfreies Bier in Mengen. Ein erster Schritt.

    Das ist ganz eindeutig kein erster Schritt, für einen Alkoholiker. Das ist eine erneute Manipulation an dir. Alkoholfreies Bier hat einen geringen Alkoholgehalt, der nur nicht ausgewiesen werden muß. Er macht nichts anders.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • So, ich musste mich erstmal sortieren. Hat aber noch nicht ganz geklappt. Das mit dem alkoholfreien Bier… Danke nochmal für den Hinweis… hat ja 0,5% … ich denke, er macht sich etwas vor bzw. mir. Es passt zu meinem Eindruck, dass er das Ausmaß des ganzen nicht wahrhaben will. Für mich fühlt es sich auch nicht richtig an, dass ich ihn jetzt einfach nur mit einer anderen Bierflasche antreffe. Auch mein Therapeut vermutete, dass die Kuh noch nicht vom Eis ist. Mein Eindruck ist, dass er sich noch nicht wirklich konfrontiert…

    Er war sehr interessiert, was „unser“ Therapeut gestern gesagt hat. Ich habe es ihm im groben gesagt, hatte aber den Impuls wahrgenommen, ihm gar nichts zu sagen, soll er sich selbst Hilfe holen. Der Klassiker war dann, dass er sagte, dass er überhaupt nicht verstehen kann, wo ich denn abhängig sein sollte von ihm und ihn diese Aussage zutiefst verletzt (?) und er das Gedpräch jetzt beenden will, weil ihn das zu sehr stresst(ER hatte nachgefragt)

  • Die traurige Wahrheit ist: Solche Gespräche mit einem nassen Alkoholiker (auch wenn er gerade „alkoholfrei es“ Bier trinkt) verschwenden nur Energie und bringen Dich/Euch nicht weiter - und das hat überhaupt nichts mit Dir zu tun! Was Dich weiter bringt, ist Dich damit auseinanderzusetzen, welche Möglichkeiten Du hast, Dein Leben so zu verändern, dass Du die Kontrolle zurück gewinnst.

  • Mal eine Verständigungsfrage: wie klappt das mit dem alkoholfreien Bier? Der Alkoholgehalt reicht doch vermutlich nicht aus, um einen Entzug zu verhindern, oder? Oder reicht so eine kleine Menge Alkohol dem Körper, um körperlich noch genug zu bekommen?

  • Wie hilft Dir die Antwort weiter? Aus meiner Erfahrung muss es nicht bedeuten, dass er tatsächlich „nur“ das alkohol-reduzierte Bier trinkt. Vielleicht trinkt er heimlich. Vielleicht macht er eine halbherzige Trinkpause. Was genau gerade bei ihm passiert, weiß nur er. Was aber sicher zu sein scheint: Ihm fehlt die Einsicht krank zu sein - und Dir das Vertrauen in ihn - verständlicher Weise.

    Du hilfst Dir selbst am meisten, wenn Du Dich auf das konzentrierst, was in deinem Einflussbereich liegt: Dich, deine Wünsche, deine Werte etcpp.

  • Mal eine Verständigungsfrage: wie klappt das mit dem alkoholfreien Bier?

    Es sieht aus wie Bier, riecht wie Bier und schmeckt auch so. Der Rausch setzt aufgrund des niedrigen Alkoholgehalts später ein, und wenn es nicht genügt, saufen einige heimlich zwischendurch hochprozentig. Natürlich heimlich, um beim Partner nicht aufzufliegen.

    Mit der Zeit holen Alkoholiker alles nach und suchen zunächst nach einem Schuldigen. Die üblichen Schuldzuweisungen erfolgen, doch es wird auch Besserung gelobt – und somit wieder Zeit gewonnen.

    Du hast zwei Möglichkeiten. Du machst dich weiter zum Spielball seiner Sucht oder schaust mal genauer auf dich. Ist dein Leben.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

  • das doofe ist, dass sucht immer stärker ist als vorsätze, als beziehung, als liebe. die sucht schluckt im wahrsten sinne des wortes den süchtigen. und der rest ist der sucht egal. der süchtige ist süchtig und kein partner. die sucht ist der partner des süchtigen. deshalb ist die sucht dem süchtigen wichtiger als der partner. solange dein partner trinkt, bist du ihm weniger wichtig als der alkohol. du wirst gegen den alkohol immer verlieren.

    es sei denn: dein partner beschließt der sucht ein ende zu setzen. das heißt, er beschließt nie mehr wieder zu trinken. für den rest seines lebens. wenn er das angeht, dann kannst du wieder beginnen, ihm zu vertrauen.

    sorry für die harten worte.

    p.s. ich trinke kein alkoholfreies bier, weil ich mich damit selber betrogen habe. es war nur platzhalter für die vielen, vielen biere, die unweigerlich danach folgten. alkoholfreies bier tut so, als wäre es bier. und es erreicht seinen zweck. für den süchtigen ist es bier, das dem alkohlhaltigen bier lediglich vorausgeht. psyche und körper lassen sich eine zeit damit beruhigen, aber es geht meines erachtens nicht lange gut. ich konnte mit alkoholfreiem bier nicht nüchtern werden. es ist zu nahe dran, genauso wie alkoholfreier wein, alkoholfreie drinks, etc. ich habe z.b. sogar die weingläser der lokalen weinfeste weggeworfen, weil sie mich triggern. ganz oder gar nicht!

    alles gute für dich.

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • es sei denn: dein partner beschließt der sucht ein ende zu setzen. das heißt, er beschließt nie mehr wieder zu trinken. für den rest seines lebens. wenn er das angeht, dann kannst du wieder beginnen, ihm zu vertrauen.

    Tja, ich glaube an dem Punkt ist er nicht. Ich glaube, er denkt immer noch, dass er es irgendwann irgendwie doch kontrollieren kann.

  • Es sieht aus wie Bier, riecht wie Bier und schmeckt auch so. Der Rausch setzt aufgrund des niedrigen Alkoholgehalts später ein, und wenn es nicht genügt, saufen einige heimlich zwischendurch hochprozentig. Natürlich heimlich, um beim Partner nicht aufzufliegen.

    Wobei ich da widersprechen würde "schmeckt auch so", kein alkfreies Bier schmeckt wie Bier. Einen Rausch von alkfreiem Bier bekommt sicherlich auch keiner (besonders kein Alkoholiker) soviel kann keiner Trinken.

    Das es ein extremer Trigger für den Wiedereinstieg ist will ich nicht in Frage stellen und deshalb würde/ will ich das nicht trinken. Es wird auch ganz sicher nicht die "Erwartung" erfüllen können.

    Denke da kommt man ganz schnell in die Schiene "ach, aklfrei --> Radler --> normales Bier --> Peng"

    Das es zur "Ablenkung" im Zusammenhang mit heimlichem Hochprozentigem sehr gut dient, kann ich mir auch vorstellen.

  • Um abstinent zu leben, benötigt es eine gewisse Einstellung. So lange ich auf alkoholfreies Bier ausweichen "muss", habe ich mich noch nicht von meinem nassen Verhalten lösen können.

    Ich lasse mich noch immer von meinem Suchthirn steuern und trinke Bier. Dazu kommt dann, dass das auf Dauer die Sucht nicht befriedigt. Aus dem Grund ist der Schritt zum "echten" Bier (oder anderem um erst mal nicht aufzufallen) sicher.

    Und richtig. Ich finde alkoholfreies Bier besch... Es gibt so viele Getränke, die besser schmecken. So lange ich aber am alkoholfreien Bier festhalte, kann das nur die Sucht sein.

    Übrigens sind das Erfahrungswerte von mir. Denn ich habe das in meiner nassen Zeit auch mal probiert. Mein Suchtdruck war sehr heftig. Ich vermute, dass das zusätzlich daran lag, dass ich meinem Körper ja geringe Mengen Alkohol zugeführt habe. Und dann "schreit" er ja erst recht nach mehr. Denn wenn ich angefangen habe, sollte es so viel werden, bis mein Pegel erreicht war. Alkoholfreies Bier ist wie "anfangen".

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