UltimaRatio1974 - Schluss mit der Pressbetankung

  • Hallo zusammen,

    ich habe lange mit mir gerungen, mich hier anzumelden, aber ich merke, dass ich mich nach einem Online Erfahrungsaustausch nahezu sehne.

    Ich bin 51 Jahre alt, weiblich, trinke seit meinem 20sten Lebensjahr, 2008 kam dann die Erkenntnis, dass ich Alkoholikerin bin. Es folgten Trinkpausen (eine nahezu 5 Jahre), Kämpfe mit mir selbst, Vorwürfe, Ihr kennt ja das Programm.

    Im Januar habe ich nach 7 Jahren meinen Freund, auch ein Alkoholiker, endlich rausgeschmissen. Im Job wurde ich wegen Auffälligkeiten verwarnt, Abstürze waren an der Tagesordnung.... Seit Januar gebe ich mein Bestes, trocken zu bleiben, was mir leider nicht gelang. Eine SHG habe ich, aber die 2 Stunden in der Woche sind mir einfach nicht genug.

    Ich möchte nicht mehr trinken! Das wurde mir das Wochenende (letzter Suff am Samstag) erneut sehr bewußt. Ich möchte endlich frei und glücklich sein.

    Ich gehöre zu den funktionierenden Alkoholikern mit "Pressbetankung", in der Zeit alleine eins bis zweimal die Woche bis zum Filmriss. Bevorzugt Bier (4 bis 5 Liter) wenn das nicht da war, auch mal Wein (2 Flaschen).

    Ich habe viele Bücher zum Thema "inhaliert", einen Notfallkoffer, vermeide Trigger, wenn ich sie erkenne, aber trotzdem schlägt das Suchtgedächtnis immer wieder zu.

    Beim Arzt war ich, Blutwerte sind erstaunlicherweise Gott sei Dank ok, die medizinische Betreuung habe ich.

    Ich erhoffe mir hier durch den Austausch, auch im Notfall, Unterstützung und möchte dies natürlich auch zurückgeben.

    Besonders gut finde ich, dass es hier nach einer "Probezeit" einen geschützten Bereich gibt, wo intimere Themen behandelt werden können. Denn in meinem Job werde ich mich nicht outen, aber mein Freundeskreis weiß Bescheid.

    Ich hoffe, ich konnte einen kurzen Einblick in meine Gemütslage gewähren und hoffe auf Euer Feedback.

    Danke schön

    UltimaRatio1974

  • Hallo UltimaRatio,

    willkommen in unserer Selbsthilfegruppe!

    Na, Dein Name hört sich schon mal energisch-entschieden an und Dein Text liest sich auch so.

    Bald wird sich ein Moderator um Dich kümmern ... ein klein wenig Geduld...

  • Oskar vielen Dank!

    Ja, ich möchte es endlich schaffen. Nehme jede Hilfe an (das musste ich auch erst einmal lernen).

    Was ich noch nicht erwähnt hatte: eine Psychotherapie zum Thema habe ich hinter mir. Sie hat auch geholfen, bis dieser Ex Freund in mein Leben getreten ist.

    Ich verstehe die Mechanismen und auch Dinge aus meiner Kindheit (narzisstisch-depressive Mutter), aber.... der Geist ist sowas von willig und das Fleisch ist schwach oder so ähnlich. Und nachm Suff denk ich immer: wie dumm bist Du eigentlich? Du kennst doch die Konsequenzen! Ich habe sogar ein Büchlein, in der schon viele Dinge stehen, die ich durch den Alkohol verbockt habe. Von Beziehungen zu peinlichen Abstürzen etc. Es hilft, es zu lesen. Aber halt nicht immer.

  • Hallo UltimaRatio,

    herzlich willkommen im Selbsthilfeforum für Alkoholiker.
    Es ist gut, dass du dir ernsthaft über deinen Alkoholkonsum Gedanken machst.

    In dieser Selbsthilfegruppe tauschen sich bekennende Alkoholiker aus, die ein dauerhaft abstinentes Leben anstreben.

    Ich könnte es bei dir erahnen, aber konkret hast du es nicht benannt.
    Kannst du dich da wiederfinden, siehst du dich als Alkoholiker und möchtest du ein dauerhaft abstinentes Leben führen?

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • .... ja du hattest es benannt, da war ich zu schnell.

    Beim Arzt war ich, Blutwerte sind erstaunlicherweise Gott sei Dank ok, die medizinische Betreuung habe ich.

    Am Samstag das letzte Mal getrunken und du warst beim Arzt.
    Heisst das, dass dein aktueller Entzug unter ärztlicher Begleitung läuft?

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Nayouk ja. Ich war letzte Woche Montag bei meinem Hausarzt und habe mein Alkoholproblem geschildert. Er hat mir Blut abgenommen, mich gründlich untersucht, die Leber ist nicht vergrößert, soweit er es ertasten konnte.

    Die Blutwertergebnisse lagen Donnerstag vor, es war alles im Normbereich, auch wenn die Leberwerte am oberen Limit gekratzt haben.

    Leider war ich Samstag so dumm, zu einem Geburtstag zu gehen und das erste Glas nicht stehenlassen zu können. Ich habe morgen wieder einen Termin bei ihm.

  • Danke für deine Ehrlichkeit.

    Ich denke du weisst was ein kalter Entzug ist, falls nicht ist der folgende Artikel für dich.

    Das Forenteam
    14. Mai 2021 um 22:29

    Und deshalb ist es gut, dass du morgen einen Termin hast. Weiss er über deine Alkoholsucht Bescheid?

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ach so: als psychologische Begleitung empfahl er mir erst einmal eine SHG. Bei der bin ich schon seit einigen Jahren, dort darf man auch als nasser Kandidat hin. Zuletzt half mir die Gruppe, sich von meinem Ex zu trennen.

    Leider habe ich sie nach dem Rausschmiss ziemlich vernachlässigt, bin aber seit 4 Wochen wieder regelmäßig dabei.

  • Ja, der Arzt weiß Bescheid. Er hat mich auch über den kalten Entzug aufgeklärt und mir gesagt, dass es gefährlich ist.

    Er hat mir daher auch gleich vorgeschlagen, ihn nun dreimal die Woche für 3 Wochen zu konsultieren und im Notfall natürlich die 112 anzurufen. Da er 300 m weit entfernt von mir wohnt, wäre er im Notfall auch zur Stelle.

    Ich bin sehr froh, es endlich medizinisch platziert zu haben.

  • Sehr gut! So geht es und du bist auf der sicheren Seite.

    Da du am Samstag wieder getrunken hast, war ja damit dein Entzug beendet.

    Melde dich morgen wieder, wenn du beim Arzt warst und weiterhin seine Begleitung hast,
    dann kann es für dich hier weitergehen.

    Viele Grüsse
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • ...falls dir beim Arzt im Wartezimmer langweilig ist, hier die Grundbausteine des Forums für eine stabile Abstinenz:

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo zusammen,

    ich bin zurück vom Arzttermin. Der Doc hat mich nochmals gründlich untersucht, v. A. Blutdruck, ein EKG, habe nun ein Langzeit-EKG (24 Stunden), einen täglichen Anruf durch meinen Arzt, wie es mir geht sowie dreimal wöchentlich ein Check in der Praxis vereinbart.

    Auch hat er mir diverse Vitaminpräparate verschrieben.

    Mein körperliches Befinden ist gut, ich habe keine Kreislaufprobleme, keinen Bluthochdruck.

    Er rät mir, in die SHG zu gehen (da, wo ich schon bin) und mir therapeutischen Beistand zu suchen. Dies habe ich heute getan, meine damalige Therapeutin kontaktiert. Auf deren Rückruf warte ich, sie hat versprochen, sich baldige Termine freizuschaufeln. Die Wartelisten sind bekanntlich lang, aber ich hoffe das Beste.

    Wir hatten nochmals ein längeres Gespräch, Tacheles. Das tat sehr gut, ich bin froh, dass ich bei diesem Hausarzt seit Jahren Patient sein darf.

    Alles in allem habe ich Kraft getankt und möchte meinen trockenen Weg unbedingt gehen.

    Soweit der Status

    Viele Grüße

    UltimaRatio1974

  • Gut dass du von so einem kompetenten und engagierten Arzt betreut wirst, UltimaRatio1974

    Für den weiteren Austausch folge dem Link zur Bewerbung für den offenen Bereich:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Bitte anklicken und einen kurzen Satz schreiben, da du dich ja schon ausführlicher vorgestellt hast.

    Nach erfolgter Freischaltung werden wir Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" verschieben.

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Nayouk24 2. September 2025 um 14:37

    Hat den Titel des Themas von „Schluss mit der Pressbetankung“ zu „UltimaRatio1974 - Schluss mit der Pressbetankung“ geändert.
  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, UltimaRatio1974

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Teilnehmern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Vielen Dank für die Aufnahme!

    Nach dem Gespräch mit meinem Arzt wurde mir klar, dass ich nach meiner Saufkarriere wirklich dankbar sein muss, dass mein Körper so durchgehalten hat. Glück gehabt.

    Ich habe nie eine Party ausgelassen, war immer die Letzte, die ging, die, die sich am Auffälligsten benommen hat, mit vielen Peinlichkeiten... Bis zu meinem 40sten Lebensjahr, wo die Sauferei zu Hause - oft alleine - weiterging, aber Social Media verzeiht Peinlichkeiten auch nicht.... Und da war ich mir schon dessen bewusst, dass ich Alkoholikerin bin.

    Wenn ich mal nicht trank, war die Arbeit meine Sucht. Ich habe von morgens bis abends geschuftet. Manchmal auch betrunken, im Glauben, das würde man über Teams nicht merken.... Nie vor Ort, aber im Homeoffice.

    Mit der "Entsorgung" des Ex hat sich auch mein Job "entsorgt". Durch Fehler und Verhaltensauffälligkeiten wollte mir mein Arbeitgeber keine Verantwortung mehr übertragen. Ich möchte im offenen Forum nicht so viel dazu schreiben, aber Fazit ist, dass ich bald einen neuen Job antrete, da der ganze Streit Mobbing und ein Burnout anstatt vernünftige Gespräche bzw. gar ein Hilfsangebot mit sich brachte.

    Für mich ist das also ein Neustart in vielerlei Hinsicht, und den möchte ich nüchtern und frei hinlegen.

    Meine Wohnung ist alkoholfreie Zone, ich lese viel zum Thema. Ich suche neue Hobbies. Mir ist auch bewusst, dass ich meinen Bekanntenkreis genau betrachten muss. Zu Saufkumpanen sage ich freundlich aber bestimmt adieu.

    Ich hoffe, das liest sich nicht zu verworren, es war ein kleiner Gedankenfluss, den ich gerne teilen wollte, was zur kurzen Vorstellung noch gepasst hat.

    Meine Leere fülle ich mit weiteren Büchern zum Thema Alkohol und auch zum inneren Kind. Ich habe das Gefühl, dass die fast allgegenwärtige Beschäftigung mit meiner Krankheit mich momentan erfüllt (weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben soll).

    Ging Euch das auch so?

    Viele Grüße

    UltimaRatio1974

  • Ich habe das Gefühl, dass die fast allgegenwärtige Beschäftigung mit meiner Krankheit mich momentan erfüllt....

    Ging Euch das auch so?

    In den ersten Monaten und ich bin überzeugt, dass es für mich das Entscheidende war, um meine Abstinenz zu stabilisieren.

    Es ging weniger um das Gestern sondern um das Heute und ein bisschen Morgen.
    Und im Heute, da wollte ich, das die Basics sitzen. Keine Risiken eingehen, verstehen wie sich Suchtdruck äussert und wie ich darauf reagieren kann,
    Erfahrungen sammeln und reflektieren, das Suchthirn und seine Versuche erkennen lernen und von den eigenen Gedanken zu unterscheiden.

    Das ist ganz schön viel und dafür braucht es Zeit, die ich mir genommen habe.
    Die Strategie ist, nur soweit auf das Eis zu gehen, dass ich mir sicher bin, dass es mich noch tragen kann. Mit der Zeit wird das Eis dicker und ich kann mich weiter entwickeln.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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