Servus Jackofthedrawer!
Habe deinen Thread erst jetzt entdeckt und fühle mich als seit 25Jahren Berg(Sport) betreibender ebenfalls angesprochen. - Meinen Werdegang kannst du in meiner Vorstellung im offenen Bereich nachlesen.
Habe in meiner nassen Zeit sehr viele meiner auch extremeren Kletter-und Hochtouren gemacht und wundere mich heute, dass alles ohne gröbere Unfälle abgelaufen ist. (Der erste gröbere Unfall, war der meiner Frau beim Klettern - siehe Thread "Eine Bewährungsprobe").
Ich war sog. Quartalstrinker und habe in so manchem trockenen "Quartal"
(Trinkpause oft bis zu 1 1/2Jahren) tagtäglich Training und Bergsport betrieben und die Leistungen wurden immer besser - dann folgten wieder Abstürze ich mußte viele meiner Bergkameraden vor den Kopf stoßen und ausgemachte Touren wegen "Kreislaufproblemen" absagen.
Mittlerweile nach fast 1 1/2Jahren Trockenheit bescheinigen mir meine Bergkameraden ein Muster an Verläßlichkeit zu sein- was mich auch sehr freut.
Ich bin mir auch sicher, die Jahre des Alkoholkonsums nur dadurch körperlich so gut überstanden zu haben, da ich zwischen den Trinkpausen immer wieder teil exzessiv trainiert habe.Nur an meinem Tiefpunkt angelangt ging auch in dieser Hinsicht nichts mehr - jedoch blieb mir eine stationäre Entziehung erspart, da ich laut Arzt trotz allem in einer körperlich sehr guten Verfassung war.
Von einer Suchtverlagerung auf Sport kann ich nicht sprechen, da ich immer schon leidenschaftlicher Bergsteiger und Kletterer war und bin.
Jetzt in meinem trockenen, zufriedenen Leben kann ich erst so richtig meine Bergsportleidenschaften ausleben und ich betreibe alle Arten des Bergsteigens Sommer und Winter dazwischen als Ausgleich sozusagen viele Bergläufe, MTB-Touren und das Abschalten, erholen und relaxen gelingt mir jetzt ohne zum Alkohol zu greifen. Früher konnte ich es kaum erwarten nach vollbrachter Tour auf eine Hütte zu kommen und die ersten Biere zu trinken um nach manchmal auch nervenaufreibender Klettertour "herunter" zu kommen. Jetzt habe ich andere Optionen um abzuschalten und um mich zu beruhigen.
Auch als Tourenführer bzw. in meiner Eigenschaft als Instruktor komme ich immer wieder mit Menschen zusammen die auch beim Bergsteigen trinken. Ich kann es mir nicht aussuchen wer sich anmeldet bzw. wer mir zugeteilt wird. Ich erkläre dann eben, dass ich keinen Alkohol trinke - das genügt zumeist- wenn wer mehr wissen will bin ich gerne bereit darauf einzugehen. An manchen Hüttenabenden wird es mir jedoch auch jetzt noch zuviel - die Gespräche werden immer alkoholgeschwängerter - und ich ziehe mich dann zurück - auch aus Selbstschutz denn gänzlich meiden kann ich solche Situationen nicht. Ich müßte dann das Bergsteigen aufgeben, dass aber einen Teil meiner Persönlichkeit ausmacht.
Mir hat Sport und speziell Bergsport beim Beginn meines trockenen Lebens sehr geholfen und ich möchte ihn niemals mehr missen.
Ich wünsche dir den nahtlosen Übergang von einer Trinkpause in ein zufriedenes trockenes Leben zu schaffen und die sportlichen Erfolge die du dir wünscht!
Lg
Andreas