Einige heftige Tage liegen hinter mir und das dreifache dessen steht mir noch bevor. Aufgrund der Kündigung von Telefon und Internet meines Ex-Lovers und Alkoholkranken bin ich jenseits von "Gut und Böse" im Tal der Ahnungslosen. Keine Kontakte (Handytelefonate sind dann doch etwas teuer) und somit brutalst gezwungen bei mir selber zu bleiben - bzw. wieder zu mir zu kommen.
Nachdem es jetzt zur Auszugsphase kommen wird bedeutet das die entgültige Trennung (mein Ex will nach Würzburg ziehen und ist somit auch räumlich weit weg von mir, Arbeitsplatz will oder wird er hier aufgeben) vor mir steht jede Menge Trauerarbeit.
Ich erwische mich des öfteren in den von vielen von Euch geschilderten "Ach wie schön Momenten". Und dann kommt mein kopftechnischer Gegenzug in Form der Frage: "Ist Deine Sehnsucht/Erinnerung aus dem Hier-und-jetzt?"
Letzteres muss ich klar mit nein beantworten. Immer wenn es wirklich im Bauch weh tat, so waren uralte Erinnerungen an meiner Seite, die schon lange, lange nicht mehr der Realität entsprachen. Gerade so, als würde ein Verdrängungsmechanismus versuchen immer wieder durch uralte, gespeicherte Glücksmomente auf mein Verhalten zugreifen wollen.
Wenn ich den Kopf und das Herz einschalte, so sagen mir beide zeitgleich: "Nein, das alles sind nicht die neuesten Erlebnisse, vergiss nicht, was aktuell geschieht. Trenne dich mal bitte schnell von den wenigen Traummomenten, die du gerade verzweifelt versuchst ans Licht zu zerren."
Ich treffe mich hier immer wieder mit Euren Gedanken und frage mich wirklich - bitte nicht böse sein - sind Eure Sehnsüchte, Erinnerungen, Gefühle und Wünsche wirklich aus dem hier und jetzt??? Meine nämlich nicht!
Auch spüre ich, dass dieses endgültige voneinander gehen - wir haben keine Chance mehr a) auf Grund von mangelnder Einsicht und b) seiner räumlichen Distanz bzw. seines neuen Wirkungskreises, der ihn nicht mehr hierher ziehen wird - ist Trauerarbeit pur; aber auch Bewältigung. Vielleicht auch die Chance, dass durch diese Distanz mein endgültiges Abnabeln leichter fällt weil er als mein Suchtmittel den Gefallen tun wird und nicht mehr in meiner Nähe ist, den Zugriff von mir auf sich als Suchtmittel selber verhindert.
Mich erschreckt zutiefst, wie groß das Gewicht der kleinen paar Erinnerungen und schönen Momente ist im Gegensatz zum Leichtgewicht dessen was mir in den letzten Monaten an Ignoranz, Aggression, Überheblichkeit, Lügen und Betrügereien serviert wurde. Diese realitätsfremde Betrachtungs-/Gefühlsweise ist alles andere als schön und sehr, sehr anstrengend ihr entgegen zu wirken.
Diese Situation wird mit absoluter Sicherheit noch genährt durch die Zukunftsängste, die mich begleiten. Arbeitslos, Autoreparaturen, der Umzug ect. pp.
So und nun stellt sich die logische Frage, in wieweit schüren die Ängste diese wenigen Gramm positiver Erinnerung und lassen dadurch diesen Selbstbetrug zu?
Ebenfalls musste ich für mich im Sinne dessen was zukünftig für mich nicht mehr will unser Sexualleben neutral betrachten, von dem ich ebenfalls sagen würde, dass es nicht gesund war.
Vom normalen Beginn der Beziehung, nach Jahren des Alkoholkonsums zur Abflachung und dem Alltag, zu seinem ständig steigenden Porno- und Alkoholkonsum und den Vorliebe sich doppelt so alte Frauen bevorzugt auf diesen Pornos anzusehen.
Von der Steigerung der Experimente in eine Fetischrichtung von Fesselung und Knebelung, evtl. als Machtgebahren. Bis hin zu einer meiner Meinung nach fordernden Fantasievorstellung von ihm.
Somit sind alle die partnerschaftlichen Seiten extrem geworden. Während die gegenseitige Verantwortung bzw. Pflichterfüllung von seiner Seite auf NULL ging.
Wie oft haben wir uns die Frage gestellt: "Tun wir ihm/ihr Unrecht oder schätzen wir den Alkoholmissbrauch falsch ein?". Ich selber stelle fest, dass es mir Stiche verpasst wenn er plötzlich positive Veränderungen zeigt. Plötzlich werden die Zähne geputzt und ab und zu auch normale Kleidung angelegt. Es trifft mich und der kleine Gnom in meinem Hirn sagt "Siehst Du es geht doch, was Du wolltest, nur Du hast es nicht erreicht.". Nein, ich habe es nicht erreicht, weil ich diese Themen ein oder zwei Mal ansprach und dann sein ließ weil ich nicht an Mutters Stelle Erziehungsmassnahmen durchführe.
Es trifft mich, aber vergesse ich vielleicht, dass diese Änderungen nicht von innen heraus sind, sondern der Situation dienen könnten vom wahren Verlauf und Stadium der Sucht abzulenken? Warum sticht es der kleine Gnom mir einhämmmern will "Für eine andere tut er das?". Denn mein Kopf ist darüber informiert, dass diese Gesellschaftstrinkerin grundsätzlich andere erzieht und nach ihrem Willen versucht zu formen. Jetzt aber kommt der Moment, wo ich neben den Stichen des Gnoms stolz bin auch mich
Ich habe nicht erzogen, ich habe nicht nach meinen Wünschen verändert und eine Änderung die jetzt quasi erfolgt durch Umerziehungsmassnahmen dürfte nur so lange gut gehen, wie diese Zwangsmassnahmen Nutzen bringen.
Dennoch, alle diese Dinge treffen, geben Grund zum Nachdenken und zur Eigenbetrachtung.
Ich denke, konstant in meinen Entscheidungen zu sein und Konsequenz an den Tag zu legen liegt an meiner Kopfbetontheit. Würde nur das Gefühl entscheiden dürfen, so befürchte ich das schlimmste für mich. Gestern erwischte ich mich bei ein paar Gedanken, die absolut nicht meinem bewußten Willen entsprechen und nur der Kopf verhinderte Dummheiten, die mich alles an Konsequenz gekostet hätten, was ich mühsam aufgebaut hatte.
Lieben Gruß von Dagmar