Ja, liebe Dixi,
ich bin mir ganz, ganz sicher, dass die Worte Deiner Therapeutin richtig sind. Ich kann immer nur aus meinem Nähkästchen Nadel und Faden holen, aber hier ist und war es so!!!
Nur: als mein Ex noch nicht so offen abgestürzt war, konnte er mit Wissen seine Agression anders lenken. Dadurch dass er damals in Sachen KFZ gut war kamen immer genügend Leute, die seine Hilfe wollten. Schon da konnte er die Wut und Agression ausleben, wenn die Kumpels die Änderungen nicht so wollten wie er es für richtig hielt. Nur waren die Kanäle damals anders - Wut und Agression konnte viel besser gebündelt werden.
Was meinst Du, wieviel Wut in einer unzufriedenen Seele stecken kann?
Was meinst Du, warum der Alkohol ein schönes Heilmittel zu sein scheint?
Nein, wir haben uns nicht zwangsläufig getäuscht, sondern uns wurde eine oskarreife Leistung vorgeführt. Der Oskar war unsere Bezeihung und die Co-Abhängigkeit!
Mal ganz ehrlich, liebe Dixi, ich hätte sogar ein Dreckloch genommen - vermute ich - um ihm zu entgehen. Auch mein neues Häuschen hat ganz viele Nachteile (allein der Weg zur Toilette könnte morgens im wörtlichen Sinn in die Hose gehen, weil die ganz woanders ist ca. 20 m vom Schlafzimmer). Aber Dixi, ich will nicht noch selber meine Kraft und meine Person auf einem Opfertisch servieren mit den Worten "Trete drauf, deshalb bin ich hier".
Liebe Dixi,
zwangsläufig stolpere ich hier zuweilen über seine Flaschen Bier. Derzeit hängen drei nasse Wäschestücke aufeinander weil er es mal wieder geschafft hat zu waschen. Wie die stinken, wenn das mal trocknen sollte könnt Ihr Euch vorstellen.
In der Laptop-Verpackung liegt eine Flasche Schnaps im Rucksack eine Flasche Bier, am PC steht eine Flasche Bier. Es wiedert mich an! Seine Sache - aber mich wiedert das an!!!
Seine Klamotten in seinem Schlafzimmer verteilt. In seinem Schlafzimmer, geht mich nichts an, aber solange wir zusammen leben muss ich das ertragen.
Ein eingefrorener Flammkuchen lag über Tage in seiner Räucherhöhle, zwangsläufig - wenn er mal was isst - dann halt Chips. Seine Sache, aber es macht mich kirre, dass auf der einen Seite Menschen verhungern, während hier Essen verkommt.
Ich will so was nicht sehen! Dem kann ich nur entgehen, indem ich gehe. Nicht nur gehe, sondern auch den Kontakt meide. Und Dixi, so war er schon immer - nur habe ich mit mahnenden Worten dafür gesorgt dass er unter Gemeckere nach Wochen aufräumte. Bei Dir mag es anders sein, vielleicht ist Deiner ordentlicher.
Aber wie meine Seele getreten wurde habe ich ja schon ausführlich beschrieben, auch dazu bin ich absolut nicht mehr bereit! Agression und Wut hasse ich - ich bin nicht mehr bereit das auch nur ansatzweise ansehen zu müssen, ganz geschweige von selber einzustecken.
Also ich für meinen Teil bin bereit fast alles zu tun um diese Beziehung und diese Nähe zu unterbinden. Diese Bedrohung, die er für mich darstellt, endlich aus meinem Leben zu verbannen.
Liebe Crevette,
Du wirst gerade wieder zur Mutter-Therasa, die nichts böses für möglich halten will 
So, Deiner war lieb unter Alk - na klar, am Anfang kann auch das noch gesteuert werden, vermute ich mal. Er war ja nicht immer auf dem Level dass das Hirn nicht mehr mitspielte. Außerdem wollte er ja was erreichen. Also alkoholisiert, schön lieb sein und mit Crevette schöne erotische Stunden verbringen um am nächsten Morgen ein liebevolles Frühstück zu bekommen. Dann passt doch alles und der Schauspieler ist seinem Oskar näher...
Ach Crevette, natürlich sind das Deine Wahrnehmungen, dass er nur wenn er nichts hatte aggresiv wurde. Aber das zeigt ja schon dass die Aggresivität da war und ist, oder? Glaubst du wirklich, liebe Crevette, dass Bösartigkeit vom Alkohol gelernt wird? Nein, da muss schon der Mensch in seinen Hirnwindungen wissen was verletzen kann und was trifft. Der Alkohol bringt diese Information nicht in die Blutbahn....
Ich sagte auch immer "er war mal anders, es ist so schade um ihn". Nein er war nicht anders - alles war schon immer da. Aber er konnte damals noch sich und seine Verhaltensweisen kontrollieren. Hart gesagt, war er vielleicht damals "lieb" um ungestört die damals noch gringeren Mengen trinken zu können? War es nicht vielleicht so, dass dieses "lieb" sein benötigt wurde um den Schein nach außen aufrecht zu halten???
Könnte es nicht sein, dass wir die Wahrheit nicht wahrhaben woll(t)en? Könnte es sein, dass wir uns selber belügen mussten um nicht selber unser sozial normales Leben nach außen zu verlieren? Könnte es sein, dass es für uns einfach bequemer war zu sagen "er war nicht immer so, vielleicht wird er irgendwann irgendwie der Alte?".
Nein Ihr Lieben, ich für mich habe so viele Züge entdeckt, die nicht nur unerträglich sind, sondern stelle jeden Tag erneute Lügengerüste fest! Mein Ekel wird größer, auf die Dinge, die ich sehen muss. Ihm gegenüber verspüre ich nunmehr nur das Gefühl, dass er sich auf einer Bahnfahrt befindet, die mehrere Stationen hinter sich gebracht hat, nun langsam wird der Zug auf sein Abstellgleis gefahren. Mein Ex hat nicht mehr viel Zeit sich zu überlegen, auf welches Gleis sein Zug noch fahren wird - er hat nämlich viel zu oft vergessen umzusteigen....
Nicht bei jeder von Euch muss es so laufen wir bei mir - ich wünsche Euch allen andere Situationen. Aber ich selber, braver und gesetzestreuer Bürger, habe in den letzten Monaten das Gefühl die Asozialität pur zu erleben. Alles, was meine extrem strengen Eltern mir beigebracht haben in Sachen Respekt, Ehrlichkeit ect., was meine Werte sind - sehe ich in den Dreck getreten. Also sind meine Ideale zum Fußabtreter eines Kranken geworden.
Somit wird es Zeit, diese Fußabtreter zu waschen, zu reinigen und in meine neue Wohnung zu bringen.
Die ersten habe ich schon gewaschen - kein Witz - die Kokosmatten sind noch dran. Die kommen dann hier weg aus dem Haus und von seinen Füßen um in anderer Umgebung den Dreck abzuhalten.
Für einen Alkoholiker genügt meines Erachtens kein einfacher Fußabtreter mehr ....
Lieben Gruß von Dagmar