Ach lieber Franke,
wie soll sie denn zugeben dass sie Alkohol getrunken hat? Ich bin mir nicht einmal sicher, ob dieses konsumieren so ganz bewußt passiert. Ich frage mich ob, ob es nicht ganz automatisierte Handlungen sind, die erfolgen.
Mein Herr Ex ist derzeit auf einem Durchschnitt von 6 Bieren täglich, ab und zu noch Asbach dazu. Er ist von sich - so glaube ich der Meinung - er hat "nichts" getrunken. Oder definieren wir es als für ihn normal.
Natürlich will auch er diskutieren, natürlich aber ist mir das - und war es schon immer - zu nervig und ich sage dann klar und deutlich: in diesem Zustand, in dem Du Dich befindest habe ich keine Lust auf Gespräche.
Nun, nicht provuzieren ist schon eine Aussage, die ihre Berechtigung hat. Jetzt muss ich Dich aber fragen (das habe ich mich auch selber gefragt) bin ich willens mich immer von seinem Alkzustand zu überzeugen bevor ich das sage, was mir auf der Zunge liegt? Aus welchem Grund muss ich mich "kontrollieren" um hier keine Agressionen zu provuzieren. Gut, ich mache es auch für die paar Wochen, die ich noch mit ihm zusammen leben muss. Aber auch das war eine Entscheidung, die massgeblich zum Umzug beitrug.
Rosarote Brille: sie ist Deine Frau, ja, aber Du hast auch Kinder, wie sie leiden beschreibst Du selber am Besten.
Weißt Du, Rat und Tat können wir Dir vermutlich nicht schicken, auch wenn wir es wollten, weil Du ja für Dich das Beste herausfinden musst. Den Weg, mit dem Du selber klarkommst. Aber ich für meinen Teil habe für mich erfahren, dass ich langsam starker werde (durch jede Abgrenzung und Tage, die er nicht in meiner Nähe ist), ich spüre langsam wie meine Kopfgedanken auch das Herz erreichen, ich spüre wie ich mich auf ein Haus freue, in welchem es kein Gelalle mehr gibt oder geben soll.
Mein Ex bot mir wieder heute nacht geschichten zum Besten (da ist Grimms Märchen nix), darauf habe ich keine Lust mehr. Ich bin irgendwann gegangen ohne großartigen Aufstand, weil es das alles gar nicht wert ist. Mir sind die Diskussionen einfach zu blöde und zu zeitraubend, mit NULL Ergebnis. Und bei Dir scheint es nicht gerade besser zu sein.
Mein Ex benötigt sein Sprit-Level, somit hat er schon einen Zacken und eine Diskussion ist einfach sinnlos. Auch er fährt alkoholisiert Auto, was hier keinen juckt - auch nicht wenn die Flasche am Schoß liegt. Anzeigen der Nachbarn wurden von der Polizei ignoriert. Das ist hier auf dem Lande einfach so und ich hoffe, kein anderer Mensch kommt zu Schaden. Aber warum sollen wir uns darüber Gedanken machen? Ändern können wir ja wohl nichts. Zusehen müssen wir jedoch auch nicht. Sind wir konzentriert auf unser eigenes Leben, so lassen diese Gedanken nach (zumindest bei mir persönlich).
Du scheinst Krankheitseinsicht zu erwarten. Ich befürchte, das ist zu viel verlangt von einem Kranken. Einen Eiterzahn spüren sie und tun glücklichstenfalls etwas dagegen, den Alk spüren sie nicht negativ. Wenn das Umfeld sich zurückzieht, dann sind diese vielleicht doof oder kleinkariert oder was auch immer. Ich glaube, da wird schon von den Betroffenen ein eigener Schutzwall gebaut, der nicht durchbrochen werden kann.
Und weder Du noch ich sind Abbruchunternehmer, die sich gegen diese Schutzwälle stürzen und sie zum Einbruch bringen, oder? Alles das, was von ehemaligen Alkoholkranken bisher gesagt wurde kann oder muss ich als Co unterstreichen. So lange alles noch funktioniert gibt es keinen Grund etwas zu ändern, ein paar flotte Lügengeschichten zwischendurch vielleicht, die zeigen wie sehr man noch Herr oder Frau seiner Handlungen ist und schon hat sich der Alkoholkranke selber beruhigt. Zumindst in meinem persönlichen Fall hier.
Herr Nachbar aus der Region Würzburg - ich komme aus Hohenlohe - deshalb Herr Nachbar: lass los ... fasse Deine Kinder an und lebt .... Lebt für Euch Euer Leben .... Ihr müsst Euch nicht trennen wenn Dir das (noch) nicht gelingt, aber erlaube Deinen Kindern ein normales Aufwachsen. Tu Ihnen das nicht an, was wir erleiden. Tu es Dir nicht an ergebnislos zu hoffen - geh statt dessen lieber ein paar Stunden mit den Kiddies spazieren und freut Euch über die Natur.
Ich weiß, das sagt sich so leicht und ist es nicht. Aber ich gehe gerade selbigen Mist durch und merke immer wieder: den Mensch, der jetzt vor mir steht, den hätte ich nicht gewählt. Dieser Mensch ist keine Ergänzung für mich und tut mir gut, sondern ich selber schädige mich durch oder in seiner Gegenwart. Ich habe noch lange nicht alles überstanden, bin auch zuweilen traurig, enttäuscht oder was auch immer. Aber ich weiß einfach, dass so mein Leben nicht lebenswert ist. Lieber Franke, ist unser Leben nicht lebenswert? Das Leben der Kinder? Aber genau für dieses "lebenswert" müssen wir leider selber sorgen. Ich weiß bestens wie schwer das ist, aber ich weiß auch was ich hier täglich stehe ekelt mich an....
Ich für mich will nicht tagtäglich Ekelgefühle spüren müssen, tagtäglich überlegen was ich gerade sagen darf oder mir überlegen was ich im NOtfall arzttechnisch mache wenn er mal wieder auf dem Boden liegt. Ich für meinen Teil weiß dass ein erwachsener Mensch für sich selber verantwortlich handeln muss, genau das habe ich meinem Ex übergeben und von Tag zu Tag werde ich stärker und mir wird bewußt was ich selber will und was nicht.
... auch wenn es zuweilen weh tut....
Lieben Gruß von Dagmar