Bei uns hat sich eine ganz eigenartige Wandlung eingestellt als ich von meiner helfenden Position seit einigen Wochen in eine recht harte und selbstbewußte Position gesetzt wurde. "Wurde" weil ich das von Natur aus auch bin aber über die letzen Jahre verloren habe und erst vor rund 6 Monaten wieder aufgebaut habe.
Ich habe für mich klar vor drei Wochen den Strich gezogen, ihn seiner Verantwortung überlassen und beginne nun mich um die für mich selber zu kümmern. Ich beginne, obwohl es finanziell knapp bei mir ist, mir die eine oder andere Freude zu machen - sei es eine Lederhose, sei es mein Joop-Parfüm. Ich habe mich mit der Trennung abgefunden und beginne den Weg zu mir.
So - nun komischerweise druckst er die ganzen letzten Tage rum und reduziert den Alk. Heute nacht war es Null Alk mit dem Geständnis ich will Dich nicht verlieren. Oh, aber hallo.... das war doch noch vor vier Wochen anders - als ich schön Co ihm zu Diensten war....
Aber hallo, er habe selber bemerkt dass es mit ihm abwärts ginge. Nun gut, auch dass er für sich selber in Erwägung zieht eine Therapie zu machen finde ich für ihn sehr günstig. Sofern er es wirklich tut.
Tja, nur ändert das nichts an meinem Entschluss das gemeinsam gemietete Haus zu verlassen, denn ich will meine eigene Welt. Denn sollte es eine Zukunft geben dann nur nach einer Therapie und an anderem Ort als an dem, an dem jahrelang konsumiert wurde. Meine freche Aussage "Hier wo Du jahrzehnte getrunken hast wäre es selbst bei gutem Willen nicht möglich aufzuhören bzw. zu beginnen aufzuhören" antwortete er erstaunlicherweise mit einem ja.
Ich habe ihn losgelassen, seinen Weg gehen lassen, Einladungen zum Essen ausgeschlagen mit den Worten "zu viel Nähe von Dir tut mir nicht gut. Du bedeutest mir noch viel, aber so will ich Dich nicht ". Nun gut, das war vor einigen Tagen, bockig und voller Wut - alkoholisiert - setzte er sich ins Auto und ging alleine essen. Nun, den Führerschein hat er noch, aber irgendwann mal nicht mehr - ist aber auch nicht mein Problem!
Es ist nur überdeutlich zu bemerken daß mein direkter Kurs in dem ich keinen Hehl daraus mache dass ich es schade finde wie er sich selber aufgegeben hat und das ich noch Gefühle für ihn hege mit meiner eigenen Weiterentwicklung zusammengeht. Es sind keine Lügen, es sind keine Druckgeschichten - ich gebe Schwäche von mir Preis (dadurch, dass ich zugebe ich hänge noch an ihm) sage ihm aber gleichzeitig dass ich so nicht leben will und es auch nicht werde und eben mein Haus suche. Er hat die Rechnungen für die Anzeigen entdeckt und bemerkt nun dass vielleicht etwas in der Mache sein könnte.....
Erst jetzt beginnt es bei ihm zu tickern. NOch lange nicht richtig, das alles jetzt ist noch der Versuch billig davon zu kommen. Aber ab dem Moment wo ich für mein Häuschen packen kann bin ich noch einen Schritt weiter und kann ganz frei sein. Ich bin selber zum ersten Mal in meinem Leben richtig ehrlich in dieser Beziehung! Ich sage nicht Du bist Alkoholiker und ich will Dich so nicht. Ich habe es nicht mehr nötig ihn als Auslöser meiner Unzufriedenheit zu sehen sondern meine eigene Art und Weise wie ich zuvor lebte und mich selber einschränkte.
Für mich ist er ein Mensch mit Depressionen, mit Suizidgedanken, ein Mensch, der sein Leben, seine Hygiene und seine eigene Gesundherhaltung nebst dem Alkoholkonsum und der morgendlichen Fahne am Arbeitsplatz tagtäglich mit sich herumschleppt. Eine Krankheit also, die weder er noch ich heilen kann - sondern nur ein Fachmann wie ein Psychotherapeut. Er hat die freie Wahl sich zu entscheiden für einen Abstieg, der schnell gehen könnte oder ein Weiterleben mit fachkundiger Hilfe. Mir persönlich ist es egal, aber es ist eine Strafe für jede Mutter, die unter Schmerzen ein Kind gebären muss und es dann so verlieren muss. Er hat sich dazu nicht geäußert - muss er auch nicht! Nur ich wollte es gesagt haben!!
Seine Entscheidung für sich selber - zu seinem Leben oder seinem Tod. Mein Leben ist vielleicht am Anfang ohne ihn leerer und trauriger - aber keine Rutschbahn in den Tod.
Glaube nur nicht, dass es mir gut geht, glaube nicht, dass ich mich nicht einsam fühle. Aber das war ich auch in seiner Gegenwart - wohl noch viel einsamer. Es ist verflucht schwer sich nun auf sich selber zu konzentrieren, sich selber zu behüten und zu schützen. Was meinst Du wie oft am Tag ich traurig bin. Jetzt nehme ich mir die Zeit mich in mein Zimmer (in dem er nichts zu suchen hat!!!) zu gehen mich zu setzen, zu spüren wo der Schmerz herkommt aus welchem Gedanken um dann auch die Gegenantworten geben zu können. Ehrlich mir selber gegenüber Schmerz zu gestehen aber gleichzeitig zu reflektieren, was noch alles bei uns beiden schief lief und dass ich das so nicht mehr haben möchte. Es geht da gar nicht um ihn, sondern mich zu finden mit meinen Wünschen.
War einmal etwas das wirklich Liebe war, dann kann es stark sein und uns beide gesund machen. Wenn nicht, dann haben wir nichts aneinander verloren - aber ich für meine Zukunft gewonnen. Aber das, was wir beide die letzten Jahre gelebt haben waren Machtspiele und Haßliebe. Das will ich nicht mehr für mein Leben - und auch nicht für unsere Beziehung oder das was sie mal war....
Dieser Seitensprung ist für mich gänzlich uninterssant, wie gesagt nicht nur, dass er sich später als etwas anderes rausstellte. Aber das Problem lag doch nicht in ihm begründet. Es war für ihn nur der leichte Weg eine Co gegen eine andere einzutauschen. Das er nun droht zwischen rollende Räder zu gelangen hätte er nicht gedacht, er meinte "das ihn das alles so schnell überholt hätte er nicht gedacht".
Ich auch nicht - hatte ich mich doch früher immer von ihm überrollen oder beeinflussen lassen - aber nicht aus Liebe; es war bequemer für mich.
DU bist liebenswert! Dazu brauchst Du nicht ihn - gestalte Dir Dein Leben liebevoll - dann kommt die Liebe vielleicht von alleine. Du wirst vielleicht wie ich viel Zeit benötigen - aber jeder der Schritte bringt uns weiter. Und jeder Schmerz oder Nervenzusammenbruch, ich hatte vor ein paar Tagen einen von guten Eltern, hilft uns wieder zu verarbeiten zu begreifen und auch uns selber spüren zu müssen....
Viel Kraft wünscht Dir Dagmar