Ich habe nun einige Tage das Haus für mich alleine und komme zur Ruhe bzw. zur Bearbeitung dessen was passiert ist im Laufe der Jahre. Habe ich ihn zwar nie gedeckt, beim Arbeitgeber entschuldigt oder war der Meinung unterstützend zur Alkoholsucht meines Expartners beigetragen zu haben, so muss ich das "per Abstand betrachtet" anders sehen.
Was war ich doch für ein Meister des Verdrängens, was seine tägliche Bewältigung des Alltäglichen betrifft. Und wieviele Schuppen leigen jetzt hier rum, die mir von und aus den Augen fallen.
Wie schnell wollte ich vergessen, dass er ohne Absprache vom Mietkonto Geld heimlich abgezogen hat - zum damaligen Zeitpunkt kam es nach ein paar Tagen zurück. Heute würde er das evtl. nicht mehr rücküberweisen können.
Wie haben mich all die leeren Duschbadflaschen genervt, ich habe sie dann nach Tagen weggeworfen, weil auch ich den Raum verwende und das nervig aussieht. Heute bin ich soweit und lasse ihm 3 Exemplare in seinem Regal liegen, mal sehen, wie viele es noch werden 
Die Katzentoilette im EG - die als einzige seine Aufgabe war da auch er Tiere ins Haus geholt hatte - wurde in der letzten Zeit von ihm nicht mehr gereinigt, egal wie es aussah oder roch. Mir taten die Tiere leid, deshalb habe ich auch hier nachgeräumt.
Nun habe ich die Fressnäpfe (die dort standen) an anderer Stelle, ich selber versorge die fünf anderen Toiletten für die Tiere, diese dürften genügen und der Raum ist nun geschlossen. Er kann ja seinen Dreck sehen, mir muss ich das nicht antun. Bzw. so muss er seinen eigenen Dreck sehen, den ich nicht entferne.
Punkte an denen ich nörgelte, nach dem zigsten NÖrgeln behob er die Ursache und wir beide machten uns vor, er bewältigt den Alltag.
Wenn ich nun betrachte dass jedes Basteln ihm Verletzungen zufügt weil er evtl. nicht mehr konzentriert arbeiten kann. Wie ihm ein PC abraucht, den er zuvor in kürzester Zeit repariert hätte. Wenn ich betrachte dass sein Auto 5 l Öl auf 100 km benötigt und das vor Jahren noch eine sofortige Reparatur gewesen wäre, ich glaube, dann weiß ich wo wir stehen. Ich am aus für die Beziehung - er schon in einer Phase, wo eine Selbstbewältigung nicht mehr möglich scheint. Jetzt also erst verstehe ich wenn er sagt “mir ist alles zuviel”.
So wird eine geografische Flucht nach Würzburg nahezu überlebenswichtig um nicht an diese Aufgaben erinnert zu werden, bzw. daran sie nicht mehr zu bewältigen.
Die Räumlichkeiten und Dinge wie Herd ect. werde ich wohl zwangsläufig nach ihm reinigen müssen, da auch ich sie verwende, denn ich will nicht verdrecken, aber es macht es mir vermutlich einfacher auf der direkten Linie zur Haussuche zu bleibe.
Aber genau das ist Co-Abhängigkeit, die ich nicht einmal selber bemerkt habe. Klar, wenn Besuch kommt will ich nicht als "Drecksau" dastehen, weil ja automatisch die Frau verantwortlich gemacht wird für den Haushalt. Hier konnte ich mich nicht abgrenzen und sagen jeder hat seine Pflichten - dieser Raum gehört nicht zu meinen.
Genau so habe ich ihm ein falsches Sicherheitsgefühl für den Alltag gegeben und durch mein Nörgeln, damit endlich was passiert, Gründe um sich zu seiner Freundin Alkohol zu verziehen. Einfach genial.
Es gab von mir nur eine überdeutliche Aussage, dass ich nicht mehr mitspiele, diese führte wohl nun zu Handlungen, die sich innerhalb von gerade mal zwei Wochen zu überschlagen scheinen.
Ich wollte ihn mit einem Foto von sich darauf aufmerksam machen was aus ihm geworden ist - Foto gedruckt Kommentar von mir "ich bin nicht mehr bereit mit Deinen Verfall anzusehen. Dieses aggressive Wesen welches hier nun lebt ist nicht das mit dem ich eine Beziehung angefangen habe. Ich schäme mich mit Dir in der Öffentlichkeit weil Dein Verhalten schädigend für andere Menschen ist - sei es nur das wanken wenn dadurch andere Menschen ihr Getränk "verläppern".
Nach jetzigem Stand weiß ich nicht, ob diese Gewaltaktion mit seinem Foto gut war. Vielleicht würde ich ihn mit heutigem Wissen einfach da weitermachen lassen wo er steht - ohne Kommentar - ohne Konsequenz - einfach nur durch Abgrenzen.... Ich weiß es nicht, was ich aber weiß ist die Tatsache, dass mit jedem Tag Entzug von meinem Suchtmittel die Realität klarer wird und die einzelnen Geschehnisse langsam aus der Versenkung wieder ans Tageslicht kommen. Gerade so als hätten sie da unten ewig gewartet um aufgearbeitet zu werden.
Lieben Gruß von Dagmar