Da sprichst Du mir als Co aus dem Herzen. Wohl kein alter Hase aber vor einem Jahr begann mein Drama und im August letzten Jahres zog ich aus und kappte alle Verbindungen.
Gekommen war ich in das Forum weil ich absolut nichts, obwohl ich dachte ich wüsse Bescheid, über Alkoholismus - seine Wirkung im Stoffwechsel und die Persönlichkeitsänderung wusste.
Ich habe damals recht "brutale" Antworten auf meine naiven Fragen bekommen. Das Holzhammerchen machte mir klar, der Dauerschmerz und die Dauerbelastung kostet mich irgendwann das Leben. Mein Leidensdruck stieg und irgendwann stand die Frage im Raum "mein Überleben gegen die Krankheit des Angehörigen".
Ich bin nicht so leidensfähig wie einige meiner Mitleidenden, die immer und immer wieder die Hoffnung nähren und immer und immer wieder davon sprechen, dass es nicht so schlimm sei und ob wir nicht ein Patentrezept hätten.
EINES aber habe ich ganz, ganz sicher begriffen: ein Alkoholiker ist ein mündiger Mensch, wenn auch kranker, der sich für oder gegen seine Sucht entscheiden kann. Ich habe weder das Recht ihn zu manipulieren (heute rede ich nichts mit Dir, heute koche ich nicht, ich wecke Dich nicht ect.) was auch ich früher subtil tat.
Mich und mein Leben kann ich versuchen zu führen - aber niemals das eines anderen. Und ich habe auch nicht das Recht dazu jemanden zu behandeln wie ein unmündiges Kind und zu meinen dass was ich für richtig halte muss er/sie akzeptieren.
Doros Frage "was ist das Ziel" kann ich für mich beantworten:
Mein Leben selber mit den Problemen lösen, gute Freunde zum Reden oder auch mal mit anpacken "keine Frage". Aber nie, nie wieder möchte ich einem Partner die Verantwortung dafür in die Schuhe schieben dass es mir gut geht. Ein Alkoholiker ist nämlich ein toller Sündenbock: nur weil er/sie trinkt, geht es mir schlecht.... ect pp
Ich glaube, es gibt die Gruppe derer, die sich auch sich selber besinnen und noch einen Überlebensdrang haben und eine andere Gruppe, die der Meinung ist "bei uns ist alles anders". Meines Erachtens ist bei beiden Gruppen anfänglich kein Realitätssinn mehr vorhanden.
Ich denke, ich selber habe Schmerz ausgeblendet, weil ich sonst wohl nicht hätte überleben können, weil er zu stark gewesen wäre. Nach und nach kommen mir die Erinnerungen wieder. Die Lebensgefahr "ich brenne die Hütte ab" und andere Dinge, die erst für ein ganz langsames Aufwachen sorgten.
Ich hatte ANGST (damals arbeitslos, weit weg von der Heimat ect.) neu zu starten. Ich dachte ich schaffe es nie, blieb jahrelang in meinem Drama - weil weder Urvertrauen noch das Vertrauen in meine wirklichen Freunde da war.
ALLES, alles hat sich zum Guten gewendet: nettes kleines Hexenhaus, netter Job, tolle und liebenswerte Kollengen und meine Tiere, die von Monat zu Monat harmonischer miteinander werden weil auch sie keinem Druck mehr ausgesetzt sind.
Ich selber denke noch an die Situation - ohne Schuldzuschreibung - ohne Vermisst-Gefühl - aber mit vielen Puzzlesteinen, aus denen ich langsam beginne zu erkennen wie schleichend Süchte sind und wie schnell sich eine Realitätsverkennung einstellt. Nicht nur bei stoffabhängigen Menschen.
Lieben Gruß von Dagmar