So, so, liebe Dagmar, da haben wir doch wieder etwas gemeinsam. Leider kann ich mir dazu den Hintergrund auch nicht ganz genau erklären, aber vielleicht "trapst" hier mal jemand rein, der uns Licht ins Dunkel bringen kann.
Auch mein Ex hat geheimgehalten was gelaufen ist. Nach seinem Seitensprung habe ich die Beziehung beendet und war so frei, dass in seinem Bekanntenkreis kund zu tun "nur, dass er wohl bei seiner neuen telef. erreichbar wäre" Hä.... was .... wie.... neue.....
Erstaunlicherweise war er stinksauer, dass ich das überhaupt gesagt habe. Mir stellte sich dann die Frage ob er sich überhaupt im Klaren war, dass dieser Seitensprung zum Ende der Beziehung geführt hatte und ich diese beendet hatte.... Ich fragte mich, ob er überhaupt verstanden hat was abgelaufen war und dass die Beziehung beendet war.
Und ich fragte mich, ob es vielleicht so war, dass er die Tatsache, dass die Beziehung zu Ende war nicht für voll genommen hat. Ich hatte bereits einmal die Beziehung für einige Wochen beendet um sie dann wieder aufzunehmen.
Ein Punkt wo ich mich frage, ob die damalige mangelnde Konsequenz mich eventuell für die Folgezeit unglaubwürdig gemacht hatte. Ob es tatsächlich so war, dass dieser Mensch - in dem Fall Alkoholiker - alleine durch eine einmalige ! (zumindest einmalige mir bewusste) Inkonsequenz das ganze Geschehniss ausgeblendet hat.
Ja, liebe Dagmar, leider können die Menschen, die der Dreh- und Angelpunkt sind, manchmal einfach ersetzt werden. Aber sind wir mal ehrlich zu uns: noch haben wir die Chance auf ein glückliches Leben der Teenager-Spätlese. Du und ich wir starten beruflich neu und gehen nochmal auf unser Ziel los.
Was wäre in 10 Jahren, hätte es erst dann geknallt? Dann hätten wir vielleicht glücklich noch eine Lebenserwartung von 20 Jahren und keine Kraft mehr uns aus dem Sumpf zu ziehen.
Es ist alles schlimm und grausam, aber wohl eher für die Gegenseite, die gerade beginnt sich um Kopf, Kragen und Gesundheit zu saufen. Natürlich nehmen diese "klugen" Worte nicht den Schmerz. Aber wenn wir ehrlich in uns sehen und die Realität versuchen zu sehen (die ungeschminkte, auch mit den Facetten, die ich beispielsweise unbewusst ausblende) dann spüre ich wieder die Belastung in der damaligen Zeit und die "Schwerelosigkeit" die ich im Gegensatz dazu jetzt habe.
Ich spüre so viel zurückkommen - Nein, mehr noch: es bildet sich mehr aus .... Meine Mutter war und ist eine sehr strenge Person. Es gab nie ein Gespräch über Gefühle oder Berührungen.
Nunmehr war sie im Krankenhaus und ich hatte Angst weil es eine Herzsache war, bei einer Frau mit 75 Jahren..... Es ging gut, wohl ist medikamentös vorzugehen, der Eingriff ging auch gut.
Zum ersten Mal konnte ich Ihr sagen: "Das ist mein schönstes Weihnachtsgeschenk". Zum ersten Mal war ich in der Lage in dieser sachlichen Beziehung, in der es nie Gefühle gab ihr zu sagen wie froh ich darüber bin. Einen Tag vor dem Eingriff war ich auch noch in der Lage ihr zu sagen, dass ich sie nicht verlieren möchte.
Nachdem sie es (unbewußt) mir als Kind sehr schwer gemacht hatte und mein Selbstbewußtsein (ohne es zu wollen) auf den Boden geknallt und zertreten hat ist das eine imense Entwicklung für mich, derer ich mich nicht für fähig gehalten hätte.
Diese, meine, Veränderung hat nichts mit Alkoholkrankheit zu tun - ist aber durch sie entstanden. Über den Kopf konnte ich schon lange verzeihen, aber sprechen, ausdrücken und es leben - dieses Verzeihen auch mir selber und anderen gegenüber - das war mir bisher nicht gelungen.
Alles diese traurige, schwere und belastende hat mir eine Weiterentwicklung ermöglicht, die wohl nur aus der Trauer heraus entstehen konnte. Vielleicht sind das die Dinge, die mein Leben auf lange Sicht ganz anders bewerten und es mir erlauben es ganz anders zu leben als es bisher der Fall war.
Nein, ich werde bestimmt nicht "Hier" schreien, wenn ungesunde Beziehung zum "Lagerräum-Preis" verscherbelt werden um mich weiter zu entwickeln, keine Angst
Aber ich denke auch diese persönlichen und eigenen Entwicklungen haben etwas für sich.
In diesem Sinne:
Nichts ist so schlecht, als dass es nicht doch für etwas gut wäre ....
Lieben Gruß von Dagmar