Ach Smile,
weißt Du so einfach ist es nicht zu schreiben (ich persönlich kriege wieder zu hören, ich würde bei anderen zu viel schreiben und zu wenig bei mir
und Deine Geschichte, meine Geschichte und die vieler hier sind so gleich. Einfach nur ein Grauen wie Leben um Leben zerbricht, das der Süchtigen und das der Co-Abhängigen (also auch Süchtigen).
Was will ein Alkoholiker? Leider vor allen Dingen erst mal seine Ruhe für sich und seinen Stoff - dann scheint lange nichts zu kommen.... Ich für mich musste den Eindruck gewinnen, daß sein Leben nur noch daraus bestand sich von einem Problem ins nächste zu manövrieren, sich mal hier und da raus zu winden und gar keine Kraft/Möglichkeit oder Intension hatte sich überhaupt mit den eigenen Gefühlen auseinander zu setzen. Wie hätte er sich dann Gedanken über die Menschen seines Umfeldes machen wollen. Ob es bei Deinem Ex anders ist kann ich nicht beurteilen.
Ich lese immer wieder meine Worte "er war doch mal so ein toller Mensch". Leider hat ein Süchtiger im Laufe seiner Sucht (nehme ich auch mich nicht aus) Charaktereigenschaften an den Tag gelegt, die schon immer da waren aber nun leicht enthemmt an den Tag treten.
Das Handy auf dem Nachttisch wird irgendwann verschwinden, da bin ich mir sicher, weil ich das von mir kannte. Natürlich wartete auch ich auf eine Nachricht im Sinne von "ich habe es begriffen, ich gehe sofort auf Entgiftung"
Ha ha - mein schlechtester Witz schlechthin seit ich lebe. Aber die Hoffnung, die war einfach da. Aber lange, lange, lange werde ich nicht begreifen, was wirklich durch den Alk geschieht und wie Menschen nicht mehr das sind was sie vermeintlich zuvor waren oder ich dachte was sie waren.
Gerne würde ich Dir Mut machen, aber die erste Zeit ist so hart (auch wenn sie dann leichter wird) dass alles Mut machen leere Worte sind. Zumindest mir haben viele Worte wenig geholfen, mir ging es einfach nur dreckig.
Oft, sehr oft, frage ich mich ob ich jemals wieder ein "normales" Leben führen kann. Finde ich einen Job mit 47 oder muss ich mein kleines Häuschen verlassen weil ich unter Hartz 4 falle?
Ich stehe oft da wie vor einem Geröllhaufen und weiß nicht ob ich anfangen soll ihn aufzuräumen oder er ich dabei überrollt.
Ich kenne das nur zu gut, was Du jetzt erlebst: bei jedem Anruf springt das Herz und immer wieder wird man zurückgeholt in die einstige Zweisamkeit, die aber nun eine Dreibande mit dem Alkohol geworden war.
Ich kann Dir einfach nur viel Kraft und Konsequenz wünschen auf Deinem Weg, den Du Dir vorgenommen hast.
Lieben Gruß von Dagmar