Das bin Ich!
Meine Mutter war krank, ich hatte immer angst, sie könnte sterben und ich wäre dann alleine. Mein Vater war sehr unnahbar, er war der Herr im hause und alles hat sich nach seiner Stimmung gerichtet. Ich kann mich nicht daran erinnern, das mir mein Vater jemals gesagt hat er hätte mich lieb! Aber ich glaube schon das meine Eltern mich geliebt haben, sie konnten es mir nur nicht so zeigen bzw. mein Vater hat es mir gezeigt, indem er etwas für mich getan hat. Meine Eltern haben mir zu wenig zu getraut. Das haben sie mir immer wieder zu verstehen gegeben und auch gesagt. ich hatte immer das Gefühl, das mein großer Bruder die liebe bekommt, wofür ich erst mal was leisten musste, irgendwiehatte ich das Gefühl ihre liebe zu mir war immer an Bedingungen geknüpft.
Ständig denke ich, mich kann man gar nicht lieben so wie ich bin, ich muss ja kämpfen drum, so bin ich es doch gewohnt. Nach dem Motto "leiste was aussergewöhnliches, dann wird man dich lieben und nicht verlassen".
Meine Partner waren bisher alle Problempartner, entweder alkoholabhängig, egoistisch, nazistisch, gewalttätig, wohnten weit weg, konnten sich aus anderen Gründen nicht auf Nähe einlassen.
Ich war mit ihnen zusammen, weil ich mich so auch nicht auf Nähe einlassen musste … punkt
Mein Ehemann war ein emotionaler Krüppel, der weder Gefühle zeigen noch darüber sprechen konnte und ich habe es von Anfang an gewusst, den er fiel mir wegen seiner lockeren lustigen aber auch eben oberflächlichen Art und Weise auf, darüber hinaus gab er mir aber ein Gefühl von materielle Sicherheit. Es passte alles, er hat sich nicht wirklich in die Erziehung unserer Kinder eingemischt und lies mich auch mit den ganzen organisatorischen und finanziellen Kram freie Hand. Ich hatte also alles Wichtige unter Kontrolle. Sexuell hatte ich kein wirkliches Interesse an ihm und ich war mir sicher, er würde mich nie verlassen, sondern lieber alles weiter ertragen, denn das würde nicht in sein kleinbürgerliches Weltbild passen, solange ich nur alles schön in den eigenen vier Wänden belasse und auch alles ertrage und schon gar nicht laut sage „Ich bin unglücklich!“ Letztendlich hatte ich auch da die Bestätigung bekommen, dass ich nur was wert bin, wenn ich „richtig“ funktioniere, ansonsten war ich das Miststück:
Unbewusst habe ich auf gewisse Art und Weise die Ehe meiner Eltern nachgespielt, aber ich wurde immer unzufriedener. Ich war auf der Suche...aber wonach? Glück? Wie sollte ich es wissen, wenn ich es selber nicht kannte? Die Leere in mir wurde immer größer. Ich erwarte immer das Schlimmste und kann mir schwer vorstellen, dass das Leben auch für mich einmal etwas Frohes, Leichtes und Beglückendes bringen könnte. Und wenn es doch einmal geschieht, bekomme ich Schuldgefühle und frage mich, womit hab ich das verdient, statt Stolz auf mich und mein Erreichtes zu sein.
Ich bin stark im Ertragen und Verzichten und ich bin eine Frau die sich oft bei einem Partner fragt „Wenn ich für dich leide, wirst du mich dann Lieben?“ ich bin eine Frau die das gefühl hat mehr Liebe zu geben, als zu bekommen, Ich bin eine Frau die schwer um Hilfe bitten kann, sondern denkt, ich schaff das schon alleine und die hinter jeder Hilfe eine Bedingung wittert und sich schuldig fühlt und ich bin eine Frau, die Sex als Mittel einsetzt um den Partner zu manipulieren und zu ändern und ich muss immer irgendwie die Kontrolle haben sonst fühle ich mich unwohl!
Ja, Das bin ich!
Ich wirke nach außen immer so stark, aber ich habe es satt immer stark zu sein, ich möchte Geborgenheit und Anlehnung, einfach mal ich sein und das Gefühl, als Mensch geliebt zu werden und nicht für meine Taten, aber ich habe Angst dies zuzulassen, aus Angst vor Zurückweisung. Ich weiss, das mein Selbstwertgefühl davon abhängig ist, was ich von mir denke und wie ich mich selbst möge, aber selbst wenn ich das hier schreibe, flüstert eine innere Stimme „Psst Majon … nun komm mal wieder runter, so schlimm ist es doch alles gar nicht, nun reis dich doch mal zusammen und mach nicht aus einer Mücke einen Elefanten! Du grübelst einfach zu viel“
Und ich weiss nicht, wem ich trauen soll … mir oder dieser Stimme …