Beiträge von Charmenida

    Hallo Ihr Beiden ... Ganz lieben Dank für Eure Meinung!

    @karl ... ich weiß, im www ist man eigentlich nie alleine. Aber kennst du das?
    Einsam ist man sehr alleine und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweien!
    Ich bin nachdenklich ...

    Ette ich weiss nicht, habe ich viel Zeit für mich verbracht? Wenn ja, dann kann ich es im Moment nicht wirklich geniessen. Ich fühle mich total ausgelaugt! Ich denke nicht, dass ich im Moment ein Mensch bin, der vor Problemen weg läuft und nicht für meine Interessen einstehe, sondern nur für Andere ihre. Ehrlich gesagt, das habe ich früher leidenschaftlich gemacht und nie darüber gesprochen, sondern immer nur geschluckt bis es nicht mehr ging, mir fast alle Haare ausgefallen sind, ich im Krankenhaus gelandet bin mit Verdacht auf Herzinfarkt, aber ich eigentlich körperlich gesund war. Kein Arzt hat herausbekommen, was mir fehlt und ich war so verzweifelt, dass ich angefangen habe, mich mit mir selber zu beschäftigen. Mit Lesen (meine Lieblingslektüre war damals „Sorge dich nicht .. lebe!“, mit erste zaghafte Gespräche, mit bewusst Freizeitfürmich, mit Grenzen setzen und Grenzen einfordern, mit dem Erkennen, dass ich so, wie ich Lebe unglücklich bin und dem laut herausschreien und nicht mehr zudecken! Das hat Jahre gedauert den Mut dazu aufzubringen, denn meistens erklärte man mir, ich übertreibe und soll mich gefälligst zusammen reissen, diese Zweifel ... tick ich richtig oder falsch. Das alles gipfelte in meinem Auszug aus dem Haus und verlassen meiner Ehe!
    In meiner kleinen Wohnung war ich sofort angekommen und habe mich sauwohl gefühlt, trotzdem nicht alles perfekt war. Ich habe meine Freiheit und mein Leben endlich mal genossen. Aber ich hatte auch Schuldgefühle wegen meinem Egoismus ...
    Und weißt du, irgendwie habe ich immer wieder das Gefühl, ich ziehe Menschen, die mich als seelischen Mülleimer missbrauchen können, an, wie das Licht die Motten. In der SHG habe ich schon zaghaft zu erkennen geben, dass mich diese, wie sagst du so schön ... raumgreifende Art nicht gefällt. Ich habe es ihr auch direkt gesagt ... „Jetzt würde ich auch gerne mal zu Wort kommen!“ aber wenn ich dann erzähle habe ich eben immer wieder das gefühl ... keiner hört mir wirklich zu, denn die Reaktion sind für mich eher sehr halbherzig und mein Thema wird eigentlich nur dazu missbraucht um ganz schnelle wieder über sich zu klagen. Sie weiss genau, das sie mich unterbricht ... und ich ziehe mich immer mehr zurück, denn auf solche Machtspielchen habe ich keine Lust. Das sage ich mir dann eben „Marion du kannst deine kostbare Zeit sinnvoller nutzen!“ Was kann ich sonst machen?
    Wenn ich zurück denke ... solche raumfordernde Menschen gab es eigentlich immer wieder in meinem Leben und ich habe mir diese immer wieder und lange angetan bis ich immer unzufriedener wurde und ich grenzen gesetzt habe, die bei denen nie gut angekommen sind und ich immer die Böse war. Aber gut, damit kann ich leben, ich habe breite Schulter ... da passt ne menge rauf!
    Meine Mama war eigentlich genauso drauf. Für alle hatte sie ein offenes Ohr. Was hat sie sich in den letzten Jahre um ihre kranke und behinderte Hausgemeinschaft gekümmert. Oft hat sie mir gesagt „Marion das wird mir langsam einfach alles zuviel. Muss ich das den alles machen? Ich trau mich manchmal schon gar nicht aus meine Wohnung, weil jedes Mal einer kommt und sie in Anspruch nimmt.“ Letztendlich hat ihr ihre Hilfsbereitschaft und Sichkümmern überhaupt nix eingebracht. Tagelang lag sie nach ihrem Hirninfarkt in ihrer Wohnung und keinem der doch sonst so aufmerksamkeitbrauchenden Hausgemeinschaft ist es aufgefallen, das sie sich nicht rührt ... das Leben ging für die anderen einfach weiter und keiner hat sich um sie gesorgt. Ich habe sie nach 3 tage in Ihrer Wohnung liegend im Flur gefunden und das Bild geht mir heute noch nicht aus dem Kopf! Und ich habe mich sehr lange schuldig gefühlt, weil ich nicht jeden tag bei ihr war, weil sie soo lange alleine und
    hilflos war. Aber den Zahn habe ich mir gottseidank und mit Hilfe meines Schatzes schon ein wenig gezogen ... trotzdem kommen mir schon wieder die Tränen ...

    Ich weiss nicht, was im Moment mit mir los ist?! Warum ich mich so im Selbstmitleid suhle? Vielleicht fühle ich mich auch einfach nur überlastet. Ich habe seit Monaten Durchfall, alles was ich esse kommt sofort wieder raus. Ich mein, wenn man übergewicht hat, ist das ne super einfache Möglichkeit zum abnehmen, aber ich habe langsam mein Idealgewicht erreicht und das reicht mir voll und ganz... weiter runter sollte es nicht gehen. Wenn es stimmt, das der Körper Warnsignale aussendet, wenn es ihm zu viel wird, dann heisst das jetzt wohl „Will ich die ganze Sch.... hinter mir lassen?“
    So und nun höre ich auf zu jammern, vielleicht bin ich ja auch nur so gruselig drauf, weil ich Zahnschmerzen habe, aber wen soll ich es sonst erzählen, wenn nicht Euch?!

    Lieben Gruss und einen schönen Tag :)

    ich fühle mich übrigens total alleine und verunsichert im Moment!

    in meiner realen shg dreht sich eigentlich alles um eine frau, deren mann ebend extrem säuft und sie bestimmt das thema. ok sie ist lieb und nett und das tut mir alles auch leid, aber jedesmal wenn ich was sage kommen wir immer wieder nur auf ihr leben und das was sie sich antut .. wir drehen uns im Kreise. und allen anderen stürzen sich da rauf ...

    Ich bin am überlegen, ob ich da überhaupt noch hingehe ..

    Ich schreibe mir hier die Finger blutig und ich wünsche mir so sehr, das da auch mal pro oder kontra kommt ... denn das ich mir selber genug bin .. soweit bin ich noch lange nicht!
    Meine Geschichte ist vieleicht nicht spektakulär genug,
    aber das man nix erzwingen kann, soweit bin ich schon ...

    Lieben Gruss

    Mein Tag Heute!

    - 7.00 Gutenmorgen- und Weck-sms von meinem Schatz. Ich lese sie und freu mich sehr und schlafe sofort wieder müdezufriedenglücklichundtiefundfest ein
    - 7.10. Uhr mein Wecker klingelt! Ich bin müd und will nicht …
    - 7.30 Uhr der Schlummifix hat sein Schuldigkeit getan und ich stehe endlich auf
    - 7.40 Uhr Kaffee und Forum zum wachlesen
    - 7.50 Uhr Gutenmorgen-sms an meinen Schatz
    - 8.10 Uhr auf zur Arbeit
    - 8.30 Uhr Arbeit 
    - 10.00 Uhr Kurzes Telefonat mit meinem Schatz. Mails, Post, Fristen nicht versäumen! Was brauch er noch im Krankenhaus? Wie geht es ihm? Wie geht es mir? Kuss und ich liebe Dich
    - 10.10 Uhr Arbeit 
    - 15.30 Uhr ich bringe die Wohnung meiner Mama übergebungsreif .. Alles ausfegen, Wanne .. Waschbecken putzen, Bad und Küche aufwischen, Keller ausfegen …
    - 16.25 Uhr Ich stehe alleine in den leeren Räumen, die 22 Jahre mein Zuhause waren und in der meine Mama über 50 Jahre gewohnt hat … und ich habe versucht, die Erinnerungen zu verdängen
    - 16.35 Uhr Wohnungsübergabe! Alles ist Ok! Zählerstände werden abgelesen und die nächsten potenziellen Nachmieter warten schon…
    - 17.00 Uhr ich bin beim Hausarzt meiner Mama und hole eine Überweisungsschein für sie und spreche alles notwendige ab
    - 17.30 Uhr mein Kater brauch ne Kuschelhöhle und ein Halsband! Denn der ist ein echter Streuner, aber er kuschelt auch so gerne und die Nächte werden langsam echt kalt. Also war ich in einem Zoodiscounter
    - 18..00 Uhr Blumen giessen in der Wohnung meines Schatz. Sachen, die er noch brauch zusammen suchen
    - 18.30 Uhr Sachen kaufen, die mein Schatz noch im Krankenhaus braucht!
    - 19.15 Uhr wieder Zuhause und irgendwie groggi und hungrig
    - 19.16 Uhr ich versuche zu Ruhe zu kommen … meine Post lesen …im Moment egal … Schuhe ausziehen .. in bequeme Sachen schlüfen … essen .. der Kater ist wieder nicht da .. egal… der kommt schon wieder .. aufgelaufene sms von meinen Schatz beantworten .. Ruhe ….Forum … lesen ..
    - 20.15 Uhr mein Abendtelefonat mit meinem Schatz .. wir lassen den Tag Revue passieren!
    - 21.00 Uhr ich versuche meinen Kater sein neues Halsband anzulegen. Da steht dann auch, dass er Tollwutgeimpft ist. Er hat ganz stille gehalten  Jetzt muss ich es nur noch hinbekommen, dass er nicht mehr vor meiner Schlafzimmertür kackt, weil er nicht in meinem Bett schlafen darf 
    - 21.30 Uhr meine Tochter hat angerufen. Wir habe auch über die Wohnungsauflösung meiner Mama gesprochen. Sie liebt ihre Oma sehr und ist sehr traurig!
    - 22.15 Uhr ich treibe mich hier rum und lese und lese und lese und schreibe …

    und frage mich gerade .. wo war ich denn eigentlich heute den ganzen Tag?!
    Aber gut, dass ich heute wenigstens eine Zahnarzttermin für morgen für mich gemacht habe, Denn heute hatte ich den ganzen Tag schon Schmerzen .. echt toll …

    guten abend, ich komme gerade aus dem Krankenhaus ... meinem Schatz gehts den Umständen entsprechend gut.
    Er hatte wirklich nochmal Glück im Unglück! Die Brüche sind so glatt, das man sie mit ein paar Titannägel zusammen geschraubt hat, die Schmerzen sind erträglich und ab Morgen macht er schon Laufübungen. Er ist total ungeduldig und will so schnell wie möglich wieder raus aus dem Krankenhaus, denn in den letzten Wochen hat er eine Menge für seine Arbeit angeleiert. Er ist freiberuflicher Dozent und durch seine Sauferei hatte das ganz schön brach gelegen und war lange Wochen Arbeitslos und hat nur ALG 2 bekommen. Und nun bekommt er langsam wieder den Fuß in die Tür und wenn er da jetzt wieder für längere Zeit ausfällt .. naja ... er ist auf jedenfall voll optimistisch .. das wird schon und ich wünsche es Ihm!

    Wir konnten auch schon wieder zusammen lachen! :)

    Im Moment bin ich einfach geschafft, aber froh und glücklich!

    Ich wünsche Euch eine schöne Nacht!
    M.

    In dem Buch findet man auch den Satz "Im Scheitern liegt auch viel Gelingen"
    Es heisst "Denn das ist das schreckliche an der Liebe" ... daß der Geliebte oder die Geliebte in uns ist, einen Teil von uns ausmacht, den man nicht einfach ausreißen kann, ohne sich selbst zu verleugnen. Und so hat sie mich verlassen und nimmt einen Teil von mir mit.“

    Es ist eine Liebesgeschichte, so leidenschaftlich, heftig und spontan und die Geschichte einer Trennung. Ich habe es vor Jahren mal gelesen...komisch, daß ich mich gerade jetzt daran erinnere ...

    ja du hast Recht, wenn es nur immer so einfach wäre, den Schalter einfach umzulegen. Zumal ich es als Frau den da auch lieber etwas sanfter mag und mir sage ... und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns Hilft zu Leben! :)

    Hallo liebe Ingrid,

    ich habe mal irgendwo aufgeschnappt, wer schreibt ist immer von der Dinglichkeit eines Mangels befallen. Da wo nichts geschrieben steht, ist das Leben. Da wo nichts geschrieben steht, ist das Glück. Und zum Glück lässt sich nichts sagen. Es braucht keine Ergänzung. Nur das Unglück bedarf des Kommentars.

    Ich denke, Schreiben heißt, solange auf die Dinge einzuschlagen, bis sie ihr Innerstes preisgeben.

    Lieben Gruss
    M.

    Du sagst es … es ist ne große Kacke. Meine Mama würde jetzt sagen „…und wenn man in der selbigen steht, sollte man nicht auch noch den Kopf hängen lassen!“

    Guten Tag und ein liebes Hallo Karl, auf welche Frage bezieht sich deine Frage? Auf die, mit dem „verheizen“?

    So jetzt noch mal ganz in Ruhe. Dieser Unfall kommt gerade wieder zu einem total falschen Zeitpunkt .. na ja .. wann kommen Unfälle schon richtig. Aber Wir hatten gerade unsere „zickige Phase“ …. Null Kommunikation jeder füllt sich im Recht und Verletzt und ICH fühle mich am meisten verletzt, unbefriedigt und unbegehrt durch seine Art und sein Verhalten hässlich und klein! .. obwohl ich fühle mich nicht eigentlich so! ich habe in den letzen anderthalb Jahren 24 Kilo abgenommen .. weiss der Geier wie ich das geschafft habe … ein wenig Sport, bewusster essen, Stress? Keine Ahnung, aber ich habe 3 Kleidergrößen weniger, brauche alles neue Klamotten fühle mich schlank und attraktiv und der Kerl hat einfach keine Lust auf Zärtlichkeit und nähe. Aber ich brauch das, wie die Luft zum atmen und von einem guten Kompliment kann ich mich mehrere tage ernähren. Und ich habe ihm gesagt, dass ich mich unbegehrt fühle und das begehren und liebe für mich in einer Partnerschaft einfach dazugehören und ich weiss auch, dass man so was nicht erzwingen kann. und er sagt nur, „er weiss auch nicht, was los ist, warum er so ist. es liegt nicht an mir! es liegt auch nicht daran, dass er keinen Alkohol trinkt“ und "ich bin ja auch nicht anders!" Hallo? Wenn man immer wieder zurückgewiesen wird, hat man irgendwann keine Lust mehr auf Zurückweisungen … das tut nämlich verdammt weh .. mir jedenfalls und dann ziehe ich mich zurück! das liegt nun schon ein paar tage zurück und jetzt dieser unfall. Wir habe es nicht wirklich geklärt, es gärt immer noch in mir, aber kann ich jetzt immer noch „böse“ mit ihm sein und rum zicken? er liegt im Krankenhaus, hat schmerzen … wäre das nicht irgendwie kleinlich von mir? sollte ich mich nicht einfach freuen, das er lebt, das es nicht viel schlimmer gekommen ist?
    Ich bin gestern gleich zu ihm gefahren und war irgendwie auch erleichtert, das ich ihm helfen konnte. er hat in den letzten Wochen sooo viel für mich getan … da muss ich doch jetzt einfach zu ihm stehen und ihm helfen. Aber eine innere stimme sagt mir auch „psssst du musst nicht alles jetzt für ihn regeln, er ist nicht auf den mund gefallen und kann selber für sich sprechen!“ und das er mich auch hängen gelassen hat, habe ich natürlich auch ganz schnelle vergessen.
    Manchmal bewundere ich meinen schatz richtig für seinen Egoismus… er macht nur das, wozu er Lust hat und es ist ihm egal, was andere Menschen darüber denken. wie es natürlich in ihm aussieht, das kann er nur selber wissen. Aber ich frage mich auch, ist es nicht normal, wenn man gerade in einer Beziehung auch mal seine Befindlichkeiten für den anderen zu liebe zurückschraubt und einen Kompromiss findet, mit dem beide leben können? Was meint Ihr? manchmal denke ich, ich bin überhaupt nicht beziehungsfähig und mache alles falsch und würde dann am liebsten gar nicht machen und weiss aber auch, dass ist das falscheste was man machen könnte … nix machen!
    Man lebt doch nicht in einen luftleeren Raum und Beziehungen sind schon ne komplizierte Angelegenheit, besonders wenn dann da immer wieder so Schlagwörte wie Alkoholismus „Hilfe durch Nichthilfe“ Helfersyndrom im Untergrund rumwappern. Wo hört eigentlich natürliches Mitgefühl und für einander da sein auf und fängt Verheizen an?
    Meine Gedanken schlagen im Moment ganz schöne Purzelbäume und ich merke, dass mich das leben gerade ganz schön überfordert und ich weiss nicht, wie ich mich dem entziehen kann!

    Lieben Gruss
    M.

    Der 11. November … was für ein Tag gestern! Ich muss das jetzt einfach mal loswerden! Mein Schatz hatte gestern einen Unfall! Er mit dem Motorrad .. ein Auto hat im die Vorfahrt genommen, er ist durch die Luft geflogen! … wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Zentrum für Unfallchirugie geflogen! Er hat echt Glück … „nur“ ein glatter doppelter Oberhalsschenkelbruch und ein Bruch des Hüftgelenk!
    Als heute Nacht um halbzwei der Anruf kam, konnte ich nicht mehr schlafen und habe irgendwann gedacht „Meine Güte … was hält das Leben denn noch für dich bereit?!“ ….

    Achja glücklich sein! Als ich vor Jahren superunglücklich war und mir selbst am morgen, als die Sonne lachte, die Tränen einfach nur übers Gesicht gekullert sind und ich mit riesen Schritten auf eine Megadepression gesteuert bin, habe ich mich immer wieder gefragt „Was ist Glück? Wie kann ich wieder glücklich sein?“ Und eines Morgens bin ich aus lauter Verzweifelung alle Psychologen in meiner Stadt abgelaufen mit der Bitte um ein Gespräch, denn ich habe gespürt, ohne Hilfe werde ich damit nicht mehr fertig! Bei der dritten Psychologin hstte ich Erfolg bzw. sie hatte wirklich sofort Zeit für mich und mein „Elend“ … ich habe zwei Stunden erzählt und erzählt und erzählt … und sie sagte: „Wir sehen uns am nächsten Dienstag wieder!“ Ich weiß nicht mehr, was ich alles erzählt habe, aber sie hat mir nur eine Frage gestellt. „Was möchte ich?“ ich habe darauf gesagt und weil ich nicht wirklich in diesem Moment wusste, was ich will .. „Ich bin sehr anspruchslos, ich möchte einfach nur glücklich sein!“! und sie sagte mir „Wieso anspruchslos? Das ist wirklich sehr viel und viele werden es nie!“
    … das war im Mai und im September bin ich ausgezogen. Verlassen habe ich meinen Mann und er mich, schon Jahre früher!

    Ich habe viel gelesen über das Glück und das Glücklichsein! Es gibt ein wundervolles Gedicht von Hermann Hesse „Glück“ .. ich versuche es mal mit eigenen Worten zu raffen, obwohl dabei die Melodie der Aussage bestimmt verloren geht!  :)

    Glück … Wenn man nach dem Glück Ausschau hält, es erzwingen .. jagen will,
    bekommt man es nicht .. man ist einfach nicht reif dazu. Selbst wenn man eigentlich alles hat,
    was einen glücklich macht … Man ist unzufrieden!

    Wenn man sagt „Was wäre wenn?! und klagt „Ach hätte ich nur! Und meint „Das nächste mal, wird alles anders .. ich pack das schon! .. dann kommt man einfach nicht zur Ruhe!

    Erst wenn man keine Bedingungen, Wünsche und Forderungen hat, wenn man im Heute lebt und nicht in der Vergangenheit oder in der Zukunft oder in seine Träumen, wenn man niemanden hat, denn man für das Glück verantwortlich machen kann … dann reicht dir des Geschehens Flut nicht mehr ans Herz … und deine Seele ruht!

    Naja …. bei mir flutet es im Moment mächtig und berührt auch irgendwie mein Herz!

    ich denke .. vom wirklich "glücklichsein" bin ich meilenweit entfernt!

    Guten Morgen liebe lohokla,


    „Wie hast du das deiner Tochter später erklärt? Hat sie irgendwann mal gefragt? Hat sie heute Kontakt zu ihrem Vater?“

    hm … weißt du, er ist dann für ne Weile ins Gefängnis gegangen und in dieser Zeit habe ich den Mann kennen gelernt, mit dem ich fast 2o Jahre auch verheiratet war .. wir sind jetzt schon wieder fast 3 Jahre geschieden. Und mein jetzt Ex hat meine Tochter mit mir zusammen groß gezogen und ER ist für sie der PAPA .. immer noch
    Erklärt, dass ihr Papa nicht ihr biologischer Vater ist, habe ich es meiner Süssen als sie 17 Jahre alt war. Der „Samenpapa“ hatte sich ja bis dahin nicht einmal bei mir oder seiner Tochter gemeldet, aber ich habe mir gedacht, meine Süsse hat ein Recht darauf zu Wissen, wo sie her kommt. Ohne ihn anzuklagen oder schlecht zu machen, habe ich ihr meine Geschichte erzählt. Das er Alkoholer ist, kam darin nicht vor, aber alle meine Gefühle von Damals. Sie war gerade unglücklich verliebt und hat mich verstanden. Und so ein Zufall … kurze Zeit später hat er sich doch wirklich bei mir gemeldet und wollte Kontakt mit meiner Tochter (bis dahin wusste ich nicht, wo er war, oder was er macht!) Ich habe meiner Tochter seine Telefonnummer gegeben, sie hat ihn dann angerufen und sich auch einmal mit ihm getroffen und sich seine Geschichte angehört. Sie sagte darauf zu mir „Mama du hattest recht!“ Seit dem möchte sie keinen Kontakt mehr und nachdem ich ihm dann auch unmissverständlich klar gemacht habe, dass ich zur wilden Löwin werde, wenn er den Wunsch meiner Tochter nicht respektieren sollte und auf irgendeine Art und Weise ihr weh tut, ist er wieder abgetaucht! Gut so!!!

    Ich wünsche Dir, dass du Deinen, für dich richtigen Weg findest!

    Lieben Gruss
    M.

    Hallo liebe lohokla,

    ich lese bei dir und es sind in mir längst vergessene Erinnerungen hoch gekommen. Mein erstes Kind habe ich bekommen, da war ich gerade mal 19 Jahre alt. Der Erzeuger war meine große Liebe!
    Heute würde ich sagen, die 3 Jahre mit ihm, waren geprägt von Hoffnung, Streit, Versöhnung, Enttäuschung, Eifersucht, Warten, guter Sex, Partys und viel Alkohol. Ich denke, ich habe Leiden mit Liebe verwechselt bzw. glaubte Liebe und Schmerz hängen immer zusammen.
    Ich wurde schwanger, eigentlich wollte ich studieren, aber ich habe mein Kind aus Trotz bekommen ... Trotz meinen Eltern gegenüber und weil mein Freund unbedingt eine kleine süsse Prinzessin haben wollte .. von mir! Die ersten drei Schwangerschaftsmonate war er super zärtlich und hat oft meinen noch nicht sichtbare Babybauch gestreichelt und mit dem kleinen Wusel gesprochen. Als die Abtreibungsfrist vorbei war, hat er sein altes Leben wieder aufgenommen ... also saufen, andere Frauen, nicht arbeiten ... er hat sich bis zum Geburtstermin überhaupt nicht mehr um mich und das Baby gekümmert, es hat ihn nicht interessiert. An diese Zeit habe ich eigentlich nur noch die Erinnerung, dass ich sterben wollte, ihn immer noch abgöttisch geliebt habe und meine Mama mich immer wieder aufgefangen hat und ich keine kraft hatte, mich endgültig von ihm zu trennen. Aber an eines kann ich mich noch sehr genau erinnern: am Geburtstermin stand er auf einmal morgens vor meiner Tür und wollte mich ins Krankenhaus zur Entbindung bringen. Ich habe ihn weggeschickt und gesagt, er soll nie wieder kommen und er wird mein Kind nie zu Gesicht bekommen! Als mein Kind geboren war, wollte er es im Krankenhaus sehen. Ich hatte Anweisung gegeben, das er es nicht sehen darf! Ich war so verletzt und als er blass und mit Tränen in den Augen vor dem Krankenhaus stand, meine Eltern haben mich und die Süsse abgeholt, und er immer noch nicht sein Kind gesehen hat, tat er mir für einen Moment sehr leid, aber es war auch für mich, wie „die sogenannte Rache des kleinen Mannes“ in so leiden zu sehen.
    Letztendlich hat er meine Süsse damals doch zu Gesicht bekommen, aber auch nur weil ich gute Miene zum bösen Spiel gemacht habe und er sonst vielleicht die Vaterschaft nicht ohne Probleme anerkannt hätte. Und dann habe ich mich von ihm getrennt!

    Du fragst dich, wann die Gedanken an deinen Ex mal verschwinden?!

    Bei mir hat es noch über 2 lange Jahre gedauert, bis ich ihn mir wirklich aus dem Herzen reißen konnte, denn wir sind uns oft über den Weg gelaufen bzw. er hat sich oft immer wieder in mein Leben gemischt und ich habe es zugelassen. Und in dieser Zeit bin ich einmal so schwach geworden, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, wieder mit ihm zusammenzukommen ... ich liebe in doch und er ist doch der Vater! Als ich meiner Mama damals diese Gedanken gebeichtet habe, hat sie mir eine ganze Nacht alle schlechten Erinnerung ins Gedächtnis gerufen... ich habe wie ein Schloßhund geweint, aber auch eingesehen ... sie hat recht!

    Das ist jetzt schon 27 Jahre her und wenn ich jetzt so drüber nachdenke, frage ich mich, warum ein Mensch sich so was antuhen lässt und immer noch liebt. Der Erzeuger hat übrigens NIE Unterhalt für seine doch so gewünschte Prinzessin gezahlt und sich auch sonst NIE um meine Süsse gekümmert. Letztendlich bin ich sehr froh darüber, denn einen supernassen Alkoholiker als Vater braucht kein Kind, denn mit den Erfahrungen von heute kann ich sagen ... er war ein Alkoholiker und so weit mir bekannt ist, säuft er heute noch! Mir stellen sich heute die Nackenhaare hoch, wenn ich daran denke, dass ich damals auch darüber nachgedacht habe, diesen Menschen zu heiraten ...

    Ich wünsche dir viel Kraft und ganz viel Freude mit deinem kleinen Wuselbaby!

    Liebe Grüsse
    M.

    Danke Eva, ich habe gut geschlafen! :)

    Ein liebes Hallo an Alle!

    Die letzten zwei Wochen sind wie im Fluge vergangen, aber irgendwie kommt es mir so vor, als ob es zwei Monate waren. Aber trotzdem eine Menge passiert ist, beginnt mein Leben gerade etwas ruhiger zu werden, oder vielleicht werde ich auch nur ruhiger und gelassener.
    In der Trauer um meine Mama bin ich jetzt so weit, dass ich mir sage, das Leben geht trotz alledem weiter, dem Schmerz ist ein Gefühl der liebevollen Dankbarkeit gewichen und man weiß, man kann nichts machen, aber die Tatsache tut nicht mehr weh. Nennt man das Loslassen? Ich glaube ja! Vielleicht überträgt sich gerade diese Grundhaltung auch auf meine anderen „Baustellen“, auf jeden Fall fühle ich mich, trotz „Probleme“ immer wohler.
    Mein Schatz und ich haben nach unserer letzten Begegnung der unheimlichen Art noch mal die Kurve bekommen. Wir haben geredet, bzw. besser, ich habe ihm meinen ganzen Frust über seine Art und Weise entgegen geschrieen und als ich dann wieder aufnahmefähig war, haben wir festgestellt, dass wir beide sehr verletzt und dadurch sehr misstrauisch sind und viele Dinge zu Missverständnisse durch „einfach nicht darüber reden“ werden. In dem ich mir sage „Was soll passieren, außer das es besser wird?“ springe ich jetzt immer öfter über meinen Schatten und ich werde dadurch sicherer meine Gefühle, egal ob negativ oder positiv, auszudrücken und zu sagen was ich will und nicht will. Und wir wissen beide, diese Hoch und Tiefs tun uns auf Dauer nicht gut!
    Es ist komisch, aber Alkohol spielt in meinem Leben im Moment überhaupt keine Rolle, er lässt mich sozusagen kalt. Gut ich trinke selbst seit ein paar Wochen gar kein Alk mehr und dadurch ist wahrscheinlich, wie bei anderen auch hier, meine Sensibilität gegenüber der alkoholtrinkenden Gesellschaft gestiegen und es fällt mir sehr bewusst auf, wie viel und wie oft überall Alkohol getrunken wird. Ich genieße meine selbstauferlegte Abstinenz, habe Hochachtung für jeden trockenen Alkoholiker, lese hier täglich im Forum, gehe ein mal die Woche zu meiner SHG für Angehörige und in zwei Wochen gehe ich zusammen mit meinen Schatz zu seiner Psychologin aus der Suchtklinik. Er geht dort seit seinem Entzug regelmäßig hin und das letzte mal hatte sie ihn gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, mal mitzukommen. Ich habe Interesse und bin auch neugierig, denn ich weiß noch nicht so richtig, was mich dort erwartet.
    Und wisst ihr was, selbst der Gedanke, dass mein Schatz vielleicht irgendwann mal einen Rückfall haben könnte, hat im Moment seinen Schrecken für mich verloren. Ich stehe diesem nicht mehr so Hilflos gegenüber, denn ich weiß, wenn, werde ich es nicht verhindern können.

    Und jetzt gehen wir Pilze suchen!:-)

    Liebe Grüße und einen schönen Abend!
    Marion

    Hallo Eva,

    ganz lieben Dank für Deine Worte!
    Ja ich bin meiner Mutter dankbar, sehr sogar, sie ist für mich die beste Mutter auf der Welt, das weiß ich. Vielleicht konnte ich ihr das nur nicht immer so zeigen, oder ich habe erwartet, dass sie einfach mehr Dankbarkeit von mir erwartet und habe deswegen auch manchmal schon Schuldgefühle. Sie fehlt mir, obwohl sie mir manchmal ganz schön auf den Keks gegangen ist. Wenn ich sie so liegen sehe und ich nicht weiß, erkennt sie mich, bemerkt sie überhaupt, dass ich bei ihr bin, dann tut mir das Herz weh.
    In den letzten Monaten vor ihrem Schlaganfall hat sie mir viel aus ihrer Jugend erzählt, sie hatte beginnende Alzheimer und die Zeit während und nach dem Krieg wurde für sie sehr lebendig wieder. Ich habe ihr gerne gelauscht, obwohl es meistens um Entbehrungen, Hunger, Not und Überleben ging, aber es ist ja irgendwie auch ein teil von mir, meine Familie, und wie soll man die Zukunft bzw. Gegenwart verstehen, wenn man die Vergangenheit nicht kennt?!
    Was meine Mama an furchtbaren Dingen in der Nachkriegszeit wirklich erlebt hat, kann ich nur erahnen, denn es gab Sachen, die hatte sie immer nur angedeutet, aber nie ausgesprochen und dann hat sie meinen Vater kennen gelernt. Sie das arme Flüchtlingskind und er der Sohn vom Bäcker des Dorfes. Vielleicht war es für meine Mutter eine Zweckheirat, vielleicht … auf jeden fall gab mein Vater ihr damals Schutz, Sicherheit und einen satten Magen, zu damaliger Zeit war es das wichtigste, was man bekommen konnte.

    Ja meine Mama ist in einer anderen Zeit aufgewachsen, aber manchmal frage ich mich eben, würde ich heute anders in einer Partnerschaft reagieren, wenn sie nicht so gewesen wäre, wie sie nun mal war?!
    Ich bin ihr nicht böse, dass ich meine Grenzen so niedrig habe, ich oft nicht den Mut finde, zu sagen, „Stopp bis hier hin und keinen Schritt weiter!“, obwohl mir mein Gefühl genau das Gegenteil flüstert, dass ich vieles in mich hineinfresse und mir oft Gedanken mache, was andere Denken, wenn ich so oder so handele, dass es mir immer wieder schwer fällt nein zu sagen, dass ich ein Mensch der leisen Töne bin, der Konflikte lieber mit Reden und respektvollem Verhalten dem anderen Gegenüber austrägt, als mit Brüllen, List und Tücke.
    Das ich mich aus meiner 20jährigen Ehe gelöst habe, war für mich schon ein richtiger Rundumschlag, meine Mutter hat es bis heute nicht wirklich verstanden, warum ich das gemacht habe, aber eins habe ich Begriffen, Frauen die immer nur lieb, nett, fair und rücksichtsvoll sind, die sind am Ende meistens nur die in den Hintern gepickte … sorry für den Ausdruck! Ich hoffe sehr, ich klinge jetzt nicht zu sehr verbittert .. nein das bin ich ganz und gar nicht … Ich möchte nur die Verletzungen der Vergangenheit so unheimlich gerne hinter mir lassen. Ich weiß nur noch nicht wirklich wie!
    Mein Freund ist jetzt seit fast 8 Wochen trocken. Irgendwie hatte er es geschafft sich nach unserer Trennung wieder in mein Leben zu schmuggeln. Er bot mir Hilfe bei der MamaWohnungsauflösung an. Ich habe sie angenommen, denn ich kann dabei wirklich jede Hilfe gebrauchen und wir sind uns wieder näher gekommen. Und ehrlich, ein Freund, auf dem man sich wirklich verlassen kann, ist etwas Wunderbares. Aber ich merke immer wieder, dass mein Vertrauen noch ganz tief im Keller ist. Immer wieder dieses Gefühl, als ob man in Lauerstellung ist, dass wenn man glücklich ist, es doch auch irgendwann wieder vorbei sein muss. Freitagabend, trotz Dauerregen, ne richtig schöne Dampferfahrt zur Schlössernacht in Potsdam. Am Sonntagmorgen bin ich aufgewacht und habe mich so richtig sauwohl gefühlt. Und daran konnte auch nicht die etwas schweigsame Art meines Freundes ändern, auch nicht die Tatsache, dass ich das unbestimmte Gefühl hatte, ihm drückt etwas. Als er nach dem Frühstück zu sich nach Hause gefahren ist … da war sie wieder, diese Vorahnung! Und richtig … peng… abends dann die kurzfristige Absage per sms, heute kommt er nicht mehr und ich soll nicht rumheulen. Manchmal denke ich, ich habe es mit Mister Jekyll und Mister Hayd zu tun. Er sagte „Vertrau mir! Ich will nicht mehr trinken!“ Aber wie soll man vertrauen, wenn man gerade, wenn man wieder angefangen hat, ein wenig zu vertrauen, immer wieder mit kaltem Wasser überschüttet wird? Selbst wenn er keinen Rückfall hatte, ICH hatte einen und das macht mir ganz schön zu schaffen! Ich bin traurig, aber irgendwie noch nicht mal verletzt, mir fehlen einfach die Worte und ich habe noch nicht mal Lust, das alles verstehen zu wollen, geschweige denn, darüber zu reden.

    Lieben Gruss
    Marion

    Hallo Ihr Lieben,

    Ganz lieben Dank für Eure lieben, tröstenden und auch zum nachdenken anregenden Worte.
    In der Trauer um meine Mutter und da mein Schatz immer noch einen großen Platz in meinem Leben einnimmt, habe ich angefangen ganz tief in meine Kindheitserinnerungen zu graben.
    Mein Bruder hat mir vor kurzem erzählt, ich bin geboren, um die Ehe meiner Eltern zu retten!
    Das habe ich so bis jetzt noch nicht gewusst. Ich bin ein sogenannter Nachkömmling. In dem Jahr, als ich geboren wurde, hatte mein großer Bruder Jugendweihe. Auf dem Foto zur Jugendweihefeier, bin ich als kleines winziges Etwas zu sehen. Meine Mama hatte mich auf den einen Arm, in der anderen Hand hatte sie die Kaffeekanne. Ich fand meine Mama immer unheimlich hübsch. In meiner Phantasie war sie eine Zigeunerin mit schwarzem Haar. Sie hat auch Karten gelegt für andere und die Zukunft sah bei ihr immer rosig aus.
    Wenn ich mir heute alte Bilder von ihr anschaue, hatte sie immer irgendwie einen traurigen Blick um die Augen. Es gibt eigentlich nur wenige Bilder, wo sie richtig fröhlich ist. Ich liebe meine Mutter sehr, aber irgendwie mache ich ihr auch Vorwürfe! Sie hatte so eine Art, alles wusste und konnte sie besser und für alles und jeden hatte sie immer eine Entschuldigung oder Begründung. Ich habe sie immer sanft erlebt, wenn ich so zurückdenke, eigentlich kann ich mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn meine Mama wütend ist, oder sogar rumbrüllt. Wenn sie etwas erreichen wollte, hat sie sich immer ein wenig dümmer gestellt, als sie in Wirklichkeit ist. Sie hatte eine ganz besondere Art und Weise Mensche zu manipulieren bzw. jemanden ein schlechtes Gewissen zu machen und sie hatte dieses MonaLisaLächeln, immer hilfsbereit und für jeden ein offenes Ohr. Weinen habe ich sie selten gesehen. Ich denke, sie hat oft immer nur alles runter geschluckt und hat nach außen die Tapfere Frau gezeigt und sie hat mir immer eine heile Welt vorgespielt.
    Ich kann mich erinnern, als ich größer war, haben wir beide fast jeden Abend im Bad „Frauengespräche“ geführt bzw. ich habe ihr von meinem Liebeskummer, meine großen und kleinen Freuden, alles was der Tag so gebracht hat, erzählt. Sie hat mir zugehört und mir auch Ratschläge gegeben und ich fand es immer sehr schön, diese Zweisamkeit, wo uns niemand störte.
    Mein Vater war zu dieser Zeit dann meistens schon im Bett. Ihn habe ich eigentlich immer nur arbeitend erlebt. Oder er war im Keller, in der Garage oder im Garten. Mein Vater war Diabetiker und musste sich morgens und abends Insulin spritzen und er war sehr Launisch und manchmal auch Jähzornig. Wenn mein Vater gut drauf war, waren wir auch gut drauf, war er schlecht drauf, dann bin ich ihm lieber aus dem Weg gegangen. Meine Mutter sagte immer, diese schlechte Laune liegt an seinem hohen Blutzucker und ich soll ihn nicht noch mehr aufregen, damit der Zucker nicht noch mehr steigt.
    So richtig trinken habe ich meinen Vater nie gesehen, oder ich habe es verdrängt, denn eigentlich durfte er als Diabetiker ja keinen Alkohol trinken. Mein großer Bruder hat mir jetzt erzählt, dass unser Vater im Keller heimlich getrunken hat. Mein Bruder wusste wo die Flasche stand und meine Mutter hatte es, glaube ich, auch gewusst, denn als mein Vater sich eigentlich das rauchen abgewöhnt hatte, habe ich irgendwann bemerkt, er raucht heimlich. Ich hatte meine Mutter darauf angesprochen und sie sagte mit, sie weiß das schon lange, aber wenn sie meinen Vater deswegen Vorhaltungen machen würde, würde er wieder richtig anfangen mit rauchen. Ihr ist es lieber, er raucht heimlich und deswegen nicht mehr so viel. Ich habe dies überhaupt nicht verstanden, aber was sollte ich machen, ich war erst 14 oder 13.
    Wenn wir auf Geburtstagsfeiern der Familie waren, wurde immer sehr viel getrunken. Mein Vater und meine Onkels haben dann immer jeder eine Flasche Schnaps getrunken, das war normal. Ich war ja noch klein und habe dann immer den lustigen Gesprächen der Erwachsenen gelauscht bis ich irgendwann auf einem Sessel eingeschlafen bin. Auf dem Nachhauseweg war mein Vater dann eigentlich immer ecklig zu meiner Mama, aber meine Mama hat sich nicht mit ihm gestritten, sondern versucht ihn zu beruhigen bis er im Bette war. Ich habe mir dann auch nie getraut irgendwas zu sagen, sondern war mucksmäuschen stille!
    An meinen Vater kann ich mich kaum richtig erinnern, aber als meine Mama mal zur Kur oder im Krankenhaus war, hatte er mich geschlagen. Ich weiß noch, ich war noch im Kindergarten und hatte dort einen Freund, Rainer. Der wohnte 3 Blöcke in unserer Straße entfernt und wir wollten zusammen spielen. Mein Vater hat gesagt, ich soll am Haus bleiben und ich bin aber zu meinem Freund gegangen und habe die Zeit verspielt. Als ich wieder nach hause kam, dreckig und glücklich, hat mein Vater mit mir geschimpft und mich dann einfach übers Knie gelegt und mir den Hintern versolen. Die Sonne hatte noch durchs Fenster geschienen!
    Als ich Kind war, hatte Ich eigentlich oft Angst und Respekt vor meinen Vater. Wir haben am Tisch gesessen und gegessen und keiner hat gesprochen, das war mir unangenehm und ich hatte immer das Gefühl irgendwas erzählen zu müssen, dass die Stimmung nicht so gedrückt war. Oder wir haben im Wohnzimmer gegessen zum Abendbrot und keine durfte Reden, weil im Fernseher die Nachrichten kamen. Es wurde auch immer nur das geguckt, was mein Vater wollte und wenn er in seinem Sessel eingeschlafen war, durfte auch keiner umschalten, weil er ja aufwachen könnte und dann hat er sich aufgeregt.
    Ich hatte Angst im Dunkeln einzuschlafen. Es musste immer die Tür ein Spalt offen sein! Selbst heute ist das noch so. Ich habe eigentlich noch sehr lange, ich ging schon zur Schule, im Schlafzimmer meiner Eltern geschlafen.
    Meine Eltern haben beide gearbeitet und mussten immer früh raus. Wenn ich krank war, bin ich alleine zu Hause geblieben und meine Mama hat mir immer Tee gekocht und ich habe im Bett mit meinen kleinen Puppen und den Holztierzoo gespielt. In meiner Phantasie habe ich mir eine Welt zusammengebastelt. Es gab immer die Guten und die Bösen! Ich hatte Angst alleine in der Wohnung zu bleiben und habe auf jedes Geräusch geachtet und dann ist mir immer ganz schlecht geworden. Ich hatte auch nachts oft Angst, dass Krieg kommt und wenn die Hubschrauber über unseren Häuserblock geflogen sind bin ich fast unter meiner Decke gestorben. Ich habe mir dann immer vorgestellt, wie es ist unten im Kohlenkeller zu leben und die Kartoffenmiete war mein Bett... da war ich dann in Sicherheit.
    Eines Nachts bin ich aufgewacht und die Nachttischlampe meiner Mama war an. Viele Leute und Ein Arzt waren da und ich hatte Angst. Meine Mama hat mich dann an ihr Bett gerufen und mir gesagt, dass ich immer artig sein soll und hören muss, wenn mein Papa was sagt. Sie lag in ihrem Bett und war ganz weis und schwach, dieses Bild sehe ich heute noch vor mir. Sie hatte einen Herzinfarkt und seitdem hatte ich immer irgendwie Angst um meine Mama, dass sie stirbt und ich alleine bin!
    In der Schule war ich immer eine gute Schülerin und das Lernen viel mir leicht und hat mir Spaß gemacht. Einmal, ich glaube es war in der vierten Klasse, habe ich auf dem Halbjahreszeugnis in Betragen eine 3 zu stehen gehabt. Ich hatte solche Angst nach Hause zu gehen. Meiner Mutter habe ich dann das Zeugnis gezeigt und sie hat bei meinem Vater dann ein gutes Wort für mich eingelegt. Aber ich musste versprechen, dass ich zum Schuljahresende wieder mindestens eine 2 auf dem Zeugnis hatte, ansonsten wollten meine Eltern ohne mich in den Urlaub an die Ostsee fahren und ich sollte dann in den Sommerferien solange ins Kinderheim. Vielleicht wollten sie mir ja auch nur Angst einjagen, aber Ich habe ihnen geglaubt und am Ende des Schuljahres hatte ich wieder meine gute Zensur und dürfte mit.
    Ich weiß so vieles nicht mehr aus meiner Kindheit und eigentlich hatte ich immer gedacht, es war eine schöne unbeschwerte Kindheit. Vielleicht ist es auch falsch, weiter zu graben, aber ich habe mich vor kurzen mit meiner Freundin unterhalten. Wir kennen uns schon aus der Schule und waren früher unzertrennlich. Sie meinte, sie hatte früher immer, wenn sie mich besucht hat, das Gefühl, bei uns Zuhause war alles irgendwie aufgesetzt und alles war immer problematischer als bei Ihr zu Hause. Wenn wir zum Beispiel zusammen raus spielen gehen wollten, musste ich meistens erst noch irgendwas im Haushalt helfen, oder mein Zimmer aufräumen. Alles war immer irgendwie an Bedingungen geknüpft. Sie hatte meine Mutter immer als liebe sanfte Frau in Erinnerung und mein Vater saß meistens in seinem Fernsehsessel und wenn ich dann endlich fertig war und raus wollte, rief mein Vater immer „Hast du nicht was vergessen?!“ Ich bin dann wieder zurück und zu ihm, hab ihn gedrückt und einen Kuss gegeben und dann erst dürfte ich raus! Ich kann mich daran überhaupt nicht mehr erinnern!!!
    Aber an ein Erlebnis kann ich mich noch ganz gut erinnern. Ich war 19 Jahre habe gerade meine große Tochter geboren und habe immer noch bei meinen Eltern gewohnt. Von dem Vater habe ich mich nach der Geburt getrennt und meine Eltern haben versucht mich auf ihre ganz besondere Art und Weise zu unterstützen. Meine Mutter war wieder zur Kur und eines Abends habe ich meinen Vater im Wohnzimmer in seinem Sessel voll betrunken gefunden. Er weinte Rotzblasen und wollte nicht mehr Leben. Die angefangene Pulle Schnaps stand auf dem Tisch und ich spürte diese Angst, nicht um ihn, sondern um mein Baby und um mich. Ich habe versucht ihn vom Trinken abzuhalten und ihm zugehört, damit er sich beruhigt und er erzählte mir in seinem Suff, das ich nicht sein Kind bin und meine Mutter wohl gerade wieder fremdgeht. Für mich ist damals eine Welt zusammen gebrochen. Das ging so ein paar Tage, jeden Abend saufen nach der arbeit. Ich bin dann irgendwann zu meinen Bruder gefahren und habe ihn um Hilfe gebeten, aber er hat nur gesagt, dass er das schon kennt, und der Vater sich schon wieder beruhigen wird. Ich kam mir so hilflos und alleingelassen vor. Und eines Nachts ist mein Vater auf einmal einfach abgehauen und ich wusste nicht wohin, tut er sich jetzt wirklich was an. Nein, er ist zu meine Mutter gefahren und ein paar tage später ist er dann zusammen mit meiner Mutter wieder aufgetaucht. Ich habe meine Mutter darauf angesprochen, aber sie hat alles nur abgewiegelt und wieder mal mit der Zuckerkrankheit meines Vaters entschuldigt!
    Mein Vater ist jetzt schon über 20 Jahre Tod. Er ist jämmerlich an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu grunde gegangen und meine Mutter hat ihn bis zu seinem Ende zu Hause gepflegt. Sie hat mir erst am Abend vor seinem Tod gesagt, wie es wirklich um ihn steht. Bis dahin his es immer, er hat wegen seiner Diabetes ne Bauchspeicheldrüsenentzündung und mit der richtigen Diät wird das wieder. Ich habe es ihr sehr übel genommen, dass sie mich einfach so dumm gehalten hat, aber es war eben ihre Art, alles alleine durchstehen zu wollen, fast wie ein Märtyrer und natürlich nur zu meinem Besten. Sie hat meinen Vorwurf bis heute nicht verstanden!

    Ich bin Mitte vierzig und stehe eigentlich mit beiden Beinen fest im Leben, jeder der mich kennt sagt, ich bin eine starke Frau.
    Und jetzt sitze ich hier mit meinen Erinnerungen, die langsam immer mehr werden und ich spüre wieder diese unbestimmte Angst. Eine Angst, die man nicht beschreiben kann. Vielleicht habe ich Angst vor Nähe oder vorm alleine sein, vielleicht, dass ich so wie meine Mutter oder mein Vater werde, oder vielleicht sogar schon bin? Angst nicht zu wissen, was richtig oder falsch ist .. ich weiß es nicht! Ich weiss nur, daß ich manchmal nicht so stark bin, wie ich scheine!
    Vielleicht klingt das ja auch alles sehr wirr, aber ich habe einfach frei von der Leber weg geschrieben und ich weiß nicht, wem ich das sonst so erzählen könnte, aber ich musste das einfach mal loswerden!

    Lieben Dank fürs zuhören!

    Guten morgen,

    ich lese nun schon seit Wochen hier in diesem Forum, ich fiebere mit Dagmar007 ihrem glücklichen unbeschadeten Auszug entgegen, hoffe, bange, freue ich mit skybird, claudi59, Crevette, alixx und all die anderen aktiven user hier, wenn ich ihr leben lese und auch wenn ich mich bisher noch nicht so aktiv beteiligt habe, ihr seit mir irgendwie schon richtig vertraut. Und durch euch habe ich auch angefangen langsam zu erkennen, was in meinem leben immer wieder schief läuft! Dank an alle!
    Ich habe sehr viel über mein bisheriges leben nachgedacht, die immer wiederkehrenden Muster, Katastrophen, Enttäuschungen, Schmerzen und habe erkannt, ich leben eigentlich das leben meiner Mama weiter. Mich hat es nicht gewundert, als ich begriffen habe, auch mein Vater war Alkoholiker. Ich habe viele dinge aus meiner Kindheit verdängt. das was ich mir bisher eingeredet habe, war das Bild von einer schönen behüteten Kindheit. Aber als mein Vater vor 20 Jahren gestorben ist, habe ich nicht wirklich um ihn getrauert. Meine Gefühle waren nur angst und sorge um meine Mutter und wie sie diesen Verlust gut übersteht, obwohl sie ja nun eigentlich ein Problem weniger hatte .. ! Als ich mich vor ein paar Jahren von meinen Mann getrennt habe, ist mir das gehen auch sehr schwer gefallen und das, obwohl ich superunglücklich in dieser Beziehung war. Da habe ich mal meine Mama gefragt „hast du eigentlich unseren Vater geliebt?“ ihre antwort war „er hat immer gut für uns gesorgt!“ ja das stimmt, gearbeitet hat er immer, aber er war eben auch jähzornig und tyrannisch und ich hatte oft angst vor ihm und er hat keine Meinung außer seine akzeptiert und mich, meine Mama klein gehalten. Und meine Mama hatte gedacht, sie könnte ihn kontrollieren und hat deshalb Macht über ihn. Auf solche Beziehungsspielchen habe ich keine Lust mehr!
    Heute sorge und kümmere ich mich wieder um meine Mama, aber diese Hilfe brauch sie nun wirklich, denn sie hatte einen schweren Hirninfarkt, seit März nicht mehr ansprechbar und ist eigentlich mehr tod, als lebendig und es ist mir ein Bedürfnis, sie auf ihrem letzten weg mit meiner liebe und meiner nähe zu begleiten und sie da nicht alleine zu lassen. ich war lange richtig wütend auf meine Mama und hatte auch Mitleid, aber heute habe ich ihr verziehen, den ich weiss, ihr leben mit meinem Vater hat sie sich selber ausgesucht und ich habe jede Möglichkeit nicht den gleichen weg zu wählen, es liegt alles bei mir!

    Von meinem Freund habe ich mich getrennt, bzw. eigentlich hat er sich ja von mir getrennt, nachdem ich keine zeit für ihn hatte, weil ich einfach auch ein eigenes leben habe. das hat ihm nicht gepasst, war ihm unbequem, er hat sich unbeachtet gefühlt und unverstanden also mal schnelle wieder Schluss machen und saufen! Ich habe sein Angebot dankend angenommen!
    Keine Ahnung, was er im Moment treibt. Er will mir noch bei der Auflösung der Wohnung von meiner Mutter helfen und sagt und schreibt, dass er mich liebt und sein leben mit mir verbringen möchte und er wird auf mich warten und nix mehr trinken und er tut was für seine Trockenheit, geht zur Tera in die Tagesklinik und und und …. Blablabla ….ich gehe davon aus, dass er sich so schnell wie möglich ne neue blöde sucht, denn er kann nicht alleine sein und ich funktioniere ja nicht mehr so und lasse mich nach ein paar Nettigkeiten und schönen, aber leeren Worten wieder von ihm um den kleinen Finger wickeln
    Aber selbst nach 3 Wochen Trennung kommen immer wieder Wut, weil er mich angelogen hat bzw. nicht .. nie ehrlich zu mir war, schmerz, das ich geliebt habe und da kam eigentlich nie wirklich und ehrlich was zurück, Trauer wegen der verlorenen Hoffnung und Scham, weil ich mich so lange hab hinhalten lassen und es nicht sehen wollte, obwohl es so offensichtlich war! Eineinhalb Jahre habe ich mir wieder mal fleissig eingeredet, ich lebe eine Beziehung Und gerade jetzt in der Trauer um meine Mama, wünsche ich mir nix sehnliches, als eine Schulter, an die ich mich vertrauensvoll anlehnen kann, wo ich einfach ich selbst sein kann, egal ob ich weine oder lache und es tut weh, zu wissen, man ist alleine und kann sich eigentlich nur auf sich selbst verlassen.

    Und dann lese ich hier und finde Beträge, wie diese von emmaP und das bringt mich wieder zum lächeln:

    Danke Emma, ich habe mir diesen betrag ausgedruckt und an den Spiegel gepinnt, als warnendes Zeichen :)

    Dank an alle!

    Und einen wunderschönen Tag!
    Charmenida