Beiträge von Cari21

    Hallo Couchcool

    Ja, ja, immer diese Ungeduld, dieser Perfektionismus.
    In der Alkoholikerfamilie musste man funktionieren, durfte keine Gefühle zeigen und auch nicht überfordert sein, sonst wäre das "System" zusammen gebrochen.

    Ich kenne es nur zu gut, wenn man keine Geduld mit sich selbst hat.
    Am Anfang meiner Therapie dachte ich, ich drehe durch, als ich den Berg von "Arbeit" vor mir sah, als ich sah, dass nicht mehr stimmte. Das verunsichert einen und verunsichert darf man ja nicht sein...
    Meine Therapeutin sagte dann einmal zu mir: So lange sie gegen sich selbst kämpfen, gegen ihre Gefühle und auch gegen die Zeit, die sie brauchen werden, bis alles verheilt ist, kommen sie keinen Schritt weiter.
    Von da an ging es bergauf. Klar habe ich teilweise noch Rückfälle, aber ich versuche mir dann immer diesen Satz in Erinnerung zurück zu führen.

    Ich glaube auch, dass man das Handwerkszeug, dass man sich bis jetzt erarbeitet hat, auch erst einmal lernen muss anzuwenden und die Gefühle kommen ja meist nicht so schnell mit, wie der Verstand. Ich glaube, dass es einfach Zeit braucht. Wir haben so viele Jahre gelitten und mussten Muster aufrechterhalten, die nicht gut waren. Aber dadurch bekommt man sie auch nicht innerhalb kürzester Zeit wieder los.

    Ich finde es jedenfalls toll, dass du gelernt hast, mehr Leuten dich zu öffnen.
    Bei wildfremden Leuten geht es mir auch oft so, dass ich total verunsichert bin, weil man halt auch nicht weiss, wie sie auf einen reagieren. Man versucht sich immer noch anzupassen, wie man es früher getan hat.
    Dabei verspielt man sich ja die Chance, dass der andere einen wirklich kennen lernen kann und auch einen selbst so akzeptieren kann, wie man ist. Aber eben; die Verlustangst ist oft grösser.
    Ich versuche mir in den Momenten immer bewusst zu machen, dass ich jetzt verunsichert bin und versuche dem anderen gegenüber auch so ehrlich und echt wie möglich zu sein. z.B. passe ich mich nicht mehr an, wenn ich nicht mit einem einer Meinung bin; ich habe meine eigene. Und ich lache auch nicht mehr über Dinge, die ich eigentlich gar nicht lustig finde. Früher habe ich dem anderen zu liebe gelacht, weil ich meinte, der erwartet das jetzt von mir.

    Und ich glaube, so kommt man Schritt für Schritt vorwärts.
    Ich muss sowieso sagen, dass es besser ist, wenn man langsam vorwärts geht.
    Ich hatte einen sehr hektischen Start, dass ich mich teilweise über mich selbst gewundert habe. Sogar meine Therapeutin war erstaunt, mit welchem Tempo ich alles angegangen bin. Ich muss da recht aufpassen, dass ich mich nicht wieder selbst überfordere. Denn so schnell kommen meine Gefühle nicht mit.

    Dir möchte ich gerne raten; grüble auch nicht zuviel, sondern tu dir auch etwas Gutes. Wenn ich bei einer Sache nicht weiterkomme, dann stelle ich sie beiseite und mach etwas Schönes.

    Liebe Grüsse

    Hallo Jenny

    Ich danke dir für deine Antwort und dein Mut machen.
    Ja, als Reise kann man das tatsächlich bezeichnen und die ist nicht jeden Tag einfach. Den einen Tag geht es gut und am nächsten Tag werde ich wieder ein Stück zurück geworfen.

    Heute war z.B. ein schrecklicher Morgen.
    Meine ehemalige WG-Mitbewohnerin geht in die Ferien und ich füttere ihre Meerschweinchen, umgekehrt füttert sie meine, wenn ich nächste Woche weg gehe. Sie hat mir einen Zettel hinterlassen, mit den Dingen, die ich machen soll.
    Es hat mich schon wieder so geärgert: sie schreibt, dass ich doch bitte meine Meerschweine noch putzen soll, bevor ich weg gehe, damit sie sie in den 2 Wochen nur einmal putzen muss. Es ärgert mich in dem Sinne, weil ich dann denke: Wie schätzt die Frau mich ein? Für mich ist das ja klar, dass ich das mache, bevor ich weg gehe.
    Dabei muss ich wieder einmal feststellen, dass das meine Interpretation der Dinge ist bzw. ich schon wieder Gefühle anderer übernehme. Wenn sie mir das nicht zutraut (und ich bin sehr zuverlässig), dann ist es ja ihre Sache. Ich muss zu mir stehen...aber das ist nicht immer einfach.
    Dann gehe ich aus dem Haus und überlege plötzlich angestrengt, ob ich nun ihre Wohnungstür abgeschlossen habe. Sie fliegt erst heute Mittag und wenn sie merkt, dass ihre Wohnung nicht abgeschlossen ist, wird sie ja vollstes Vertrauen haben...Dass ich keines zu mir habe ist auch klar. Ich bin traurig über soviel Selbstkritik :-/

    Dann sitze ich in der Strassenbahn und vor mir ein Kind, das bitterlich weint und schreit. Die Mutter kann es einfach nicht beruhigen und ich bin derartig genervt, dass ich mich grad wieder selbst abwerten muss, weil ich Kinder sonst eigentlich gern habe. Ich weiss schon die Gründe für meine Genervtheit; nämlich, dass man bei Kindern ja prima sein "Helfersyndrom" ausleben kann, wie ich es immer getan habe, und nun, wo ich auf dem Weg zu mir bin, möchte ich nur für mich da sein.
    Dann schaue ich aus dem Fenster und sehe auf einem öffentlichen Platz, wie ein Mann einen anderen Mann würgt, ihn schubst und beschimpft und die Leute stehen drumrum und machen nichts. Ich dachte ich bin im falschen Film. Eine Frau hat zum Glück die Polizei verständigt.
    Ich war unterdessen dermassen überfordert, dass mir die Tränen kamen.
    Ich, die behütet in einer Kleinstadt aufwuchs, sehr isoliert lebte, mit Tieren und in der Natur...und nun bin ich in einer grossen Stadt.
    Klar ist es normal, dass man in so Situationen überfordert ist und sich hilflos fühlt. Ich glaube die Situation hat nur wieder mal gezeigt, dass ich mir selber noch nicht anerkennen kann, wenn ich mit Themen überfordert bin. Nicht einfach...

    Da gibt es auch noch etwas, was mich seit Monaten beschäftigt: Im Februar hat sich die Schwester meiner WG-Mitbewohnerin umgebracht - von einem Hochhaus gestürzt. Damals habe ich noch bei ihr gewohnt und alles mitbekommen und damit meine ich alles. Ich, mit meinem Helfersyndrom, habe sie natürlich unterstützt wo es nur ging, bin sogar mit auf die Beerdigung, obwohl ich die Schwester erstens nur flüchtig kannte und zweitens total überfordert war. Teilweise erzählte mir meine Mitbewohnerin die schaurigstens Sachen über ihre Schwester und ich habe es damals nicht geschafft sie zu bitten, mit jemand anderem darüber zu reden. Zumal ich von ihrem Vater noch unterstützt wurde, wie toll er es doch findet, dass seine Tochter so eine treue "Freundin" hat und ich fühlte mich gut, trotz totaler Überforderung.
    Bis ich mein "Helfersyndrom" bemerkte und kurz vorm Zusammenbruch stand.
    Ich konnte fast nicht mehr - ich hatte soviel bei mir erkannt, dass mich anfangs überforderte und dann auch noch mit dem Thema Selbstmord beschäftigen - HIILLLFEEEE.
    Da ich einges erfahren hatte, fand ich mich bei einigen Themen bei der Schwester wieder und übernahm natürlich grad die Gefühle von ihr.
    Ich fragte mich plötzlich, ob ich mit meinen Problemen denn auch selbstmordgefährdet sei, ob ich auch depressiv werde usw. Ich habe mich halb verrückt gemacht und konnte nichts anderes mehr denken. Schrecklich...
    Bis ich begriff, dass ich mich abgrenzen muss - etwas, dass mir noch nie leicht viel.
    Mittlerweile kann ich sagen, dass ist die Schwester mit ihren Probleme und das bin ich.

    Ich bin froh, dass ich diese Phase überwunden habe; nur habe ich immer noch einen Tick, der irgendwie festsitzt: immer wenn ich an einem Hochhaus vorbeifahre, kriege ich Panik oder wenn ich überfordert bin, dann denke ich grad wieder: Muss ich mich deshalb umbringen?
    Natürlich lautet meine Antwort nein und ich hatte damals auch eine scheiss-wut auf diese Frau, aber trotzdem sitzt es fest und ich bin überfordert.
    Ich denke dann sogar, ich habe einen totalen Knall und bin sicher die einzige, der es so geht.

    Meine Therapeutin meinte auch, dass meine Wut damit zusammenhängen könnte, dass ich ihr nicht anerkennen kann, dass sie in dem Moment egoistisch war und sich das genommen hat, was sie brauchte. Etwas, dass mir oft schwerfällt.

    Ich hoffe jemand traut sich darauf zu antworten und ist nicht sofort überfordert mit dem Thema, wie so viele, denen ich es versucht habe zu erklären. Die meinten nämlich nur, ich solle doch sowas nicht denken und mich nicht verrückt machen usw. Etwas, das mir nichts bringt.

    Das war es erstmal wieder von mir.

    Viele liebe Grüsse
    Cari

    Hallo

    Es freut mich zu lesen, dass du bei dir so positive Dinge festgestellt hast :-). Ich denke, das ist auch sehr wichtig.

    Eigentlich schätze ich mich auch als einen sehr optimistisch, kämpferischen, positivdenkend Typ ein, merke aber, dass ich noch nicht das Selbstwertgefühl habe, um diesem Empfinden auch wirklich zu vertrauen.

    Ich habe meiner Freundin auch erst vor kurzem erzählt, dass mein Vater so lange abhängig war und was das mit mir gemacht hat. Was dabei herauskam war, dass sie mit dem Thema überfordert war und in ihrem letzten Brief (sie wohnt in dem Ort meiner Eltern und ich 700 km weg) nichts mehr dazu sagte.
    Einerseits machte es mich sehr traurig, weil ich mir dann wieder so unverstanden vorkam, auf der anderen Seite muss ich aber auch akzeptieren lernen, dass sie mich ja gar nicht verstehen kann, weil sie es nicht erlebt hat. Zumindest hört sie mir ja zu. Ich glaube das muss ich eh ablegen, eine Freundschaft zu suchen, bei der ich vollstes Verständnis erwarten kann für meine Lage usw.
    Ehrlich gesagt, weiss ich nicht einmal, was echte Freundschaft ausmacht. Entweder ich habe ohne Ende gegeben oder habe mir Anerkennung geben lassen; mehr war es oft nicht. Mein wahres Gesicht durfte ja niemand sehen. Und überhaupt; wenn ich mein wahres Gesicht zeige, heisst das ja auch anecken zu können und mit Streitereien kann ich schlecht umgehen. Da falle ich oft in die Opferrolle hinein. Zumindest kenne ich mich, was das betrifft, jetzt recht gut. Mit dem Ändern wird es wohl aber noch seine Zeit brauchen.

    Freut mich, dass deine Eltern dich so unterstütz haben und dir dein Studium gefällt.

    Ich arbeite ja 80% in einem Sonderschulheim und 20% (d.h. 1 Tag die Woche) gehe ich zur Schule. Arbeiten tue ich lieber, weil ich dann direkten Kontakt zu Leuten habe. Ich bin nicht so der Theoretiker ;-).
    Das letzte Semester war auch recht happig, da wir dann Psychologie hatten und in der Zeit habe ich mich ständig selbstreflektiert; das war einfach zuviel. Man muss sich nämlich auch dort von Unterrichtsstoff abgrenzen können und nicht alles auf sich beziehen.
    Sonst bin ich aber guter Dinge. Das 2. Semester habe ich bestanden und nun arbeite ich bis September durchweg. Unsere Kinder sind in den Ferien und ich gestalte momentan unseren Tagesschulgruppenraum. Dort kann ich mich kreativ ausleben. Ich finde es allgemein schön mit Kindern zu arbeiten. Man lernt automatisch auch wieder das Kind in einem selbst zu zulassen.

    Als du schriebst, dass deine Eltern dich so unterstützt haben, ist mir wieder einiges in den Sinn gekommen...
    Von dem her haben wir ja schon noch Glück, dass es trotz grosser Probleme möglich ist, dass die Eltern sich noch um einen kümmern.
    Bei mir ist das zwar schwieriger, da ich jetzt wie gesagt 700km wegwohne, aber vorher haben sie mich auch sehr unterstützt, dass ich mein Abi nachholen kann, dass ich hier einen Platz bekomme usw.

    Ich glaube teilweise auch, dass meine Eltern sich schon bewusst sind, dass es nicht immer einfach für mich war. Im Februar ist mein Vater ja fast gestorben; war im Delyrium und ich wollte eigentlich hochkommen. Habe aber gemerkt, dass ich einfach nicht kann. Ich war müde und abgearbeitet und dann sollte ich in meinen Ferien noch nach Hause und ständig ins Krankenhaus? Das war so mein erster Schritt in die Eigenständigkeit.
    Meine Eltern waren natürlich sehr traurig; das war ich auch, aber sie machten mir zumindest keine Vorwürfe.
    Ich habe ihnen dann auch erklärt, warum ich dies gemacht habe. Von dem her, verläuft das ganze recht offen.
    Jetzt wollen sie mich vielleicht - ich wohne seit 2 Jahren hier - im Oktober hier besuchen. Das war ja immer mein grösster Wunsch. Aber mal abwarten, ich bin vorsichtig geworden. Einerseits freue ich mich und andererseits kann es aber auch sein, das "etwas" dazwischen kommt.

    Das war's erstmal von mir.

    Liebe Grüsse
    Cari

    Hallo Couchcool

    Also ein Patentrezept gibt es ja eh nicht gegen all diese Sachen, da jeder individuell andere Lösungen für sich braucht.

    Ich arbeite jetzt seit einem halben Jahr an mir und langsam begreife ich erstmal, was bei mir zu Hause so ablief und ich kann mir meine Verhaltensweisen erklären.
    Ich denke, dies ist für den Anfang sehr wichtig; schafft man aber am besten mit einem/r Therapeut/in. Es ist für mich wichtig, dass ich weiss, was los ist, damit ich mich nicht selbst verurteile für Dinge, für die ich an sich nichts kann oder Muster, die ich entwickeln musste, um zu überleben.

    Der weit grössere Schritt ist, die Dinge, die ich nicht ändern kann, so anzunehmen wie sie sind und andere Dinge, die ich verändern kann zuerst einmal zu erkennen. Dann kann ich etwas dran ändern.

    Werte ich mich z.B. selber ab, dies geschieht ja oft, wenn ich einen Fehler gemacht habe, dann versuche ich mir "Einfühlung" zu geben, dass Fehler erstens menschlich sind und 2., dass ich mich dann nicht anfange zu rechtfertigen vor anderen, sondern selbstverantwortlich dazu stehe. Und oftmals sind die Fehler für einen Co-Abhängigen eh grösser, als es die Realität zeigt (typisch Perfektionist ;-).

    Ich versuche nichts mehr zu überspielen; das heisst, wenn mich Leute fragen, wie es mir geht, dann sage ich es auch wirklich, wie es ist.
    Vertrauen zu anderen zu haben funktioniert natürlich nicht auf Knopfdruck, aber wenn man jemanden sympathisch findet, kann man sich ja etwas darin üben, ein wenig von sich zu zeigen; d.h. Persönliches zu erzählen.
    Sich richtig andern mitzuteilen funktioniert sowieso erst, wenn man sich selbst etwas besser fühlen kann, weiss was mit einem los ist. Je mehr positive Erfahrungen man dann sammelt, desto mehr wächst das Vertrauen.

    Das mit dem "es jedem Recht machen" kenne ich auch. Man hilft sogar den Leuten, die es nicht einmal annähernd verdient haben. Und warum machen wir das? Weil wir Angst haben, verlassen zu werden, Angst davor, dass jemand anderes dann böse auf einen ist. Das heisst wir sind abhängig von diesen Leuten, von deren Meinung zu uns usw. Wie kann ich das ändern? Nicht einfach...Wie immer ist es wichtig es in den Momenten zu erkennen, wo ich mal wieder mein "Helfersyndrom" ausgelebt und nach Anerkennung gehascht habe und sich nicht dafür verurteilen! Das war ja die einzige Form, worüber wir in der Alkoholikerfamilie Anerkennung bekamen. Zumindest war es bei mir so.
    Ich schaue mir die Leute jetzt genau an, frage mich, ob ich dafür auch etwas zurück bekomme oder schon bekommen habe, ob ich der Person vertrauen kann usw. Ausserdem schaue ich, ob ich diese Aufgabe überhaupt lösen kann/möchte und nicht schon am Anschlag bin. Die Devise lautet - erst auf sich schauen und dann auf die anderen. Natürlich tappe auch ich immer wieder in die Falle ;-).

    Mmh...über sich die Kontrolle behalten. Noch so etwas, was ich kenne :-). Ja nicht heulen, immer stark sein, niemanden um Hilfe bitten, denn wenn ich schwach bin, bin ich ein richtiger Jammerlappen, dann kann ich anderen nicht mehr helfen und dann bin ich wertlos...Ja, ja. Schon traurig, wie selbstverachtend man in so Situationen ist.
    Ich habe bestimmt 2 Monate mit mir selber gekämpft, weil ich nicht einsehen wollte, mich mal schwach zu fühlen, müde zu sein und heulen zu müssen. Bis nach und nach alles raus kam. Wenn ich heute weinen muss, dann weine ich, wenn ich müde bin, lege ich mich hin und versuche mich nicht wie früher mit irgendwelchen Arbeiten abzulenken. Ich lasse meinen Schmerz zu, der mir zusteht, ich erkenne ihn an und tue mir dann etwas Gutes.

    Nun klingt das alles gar nicht so schwer, oder? Aber es ist hart, so ehrlich muss ich schon sein. Theoretisch weiss ich vieles, aber dies umzusetzen gelingt mir nicht immer. Ich muss vor allem aufpassen, dass ich nicht wieder in die perfektionistische Schiene komme, weil dann muss alles was ich erkenne sofort "funktionieren", ich muss alles wissen und alles können.

    So, für heute reicht es erstmal.
    Ich hoffe es hilft dir ein wenig. Mir hilft es auf jeden Fall darüber zu schreiben :-). Selbsterkenntnis tut ja sooo gut.

    Alles Gute
    Cari

    Hallo Couchcool

    Auch von mir eine grosse Achtung, dass du trocken bist. Ich stelle mir das nicht einfach vor.

    Das was du beschrieben hast, kenne ich alles nur zu gut.
    Sobald ich den kleinsten Fehler mache, verurteile ich mich, auch ich habe Angst anderen Menschen zu vertrauen und baue immer wieder meine kühle Fassade auf, um niemanden an mich ran zu lassen. Vertrauen habe ich vielleicht langsam zu drei Personen...aber eben, das ist bei mir auch zeitweise verschieden. Wenn ich schlecht drauf bin, dann geht nichts...

    Auch das ständige Kümmern um anderer Leute Probleme ist mir bekannt. Damit kann man ja so gut von den eigenen Problemen ablenken. Komischerweise weiss man auch immer, was für den anderen am besten ist, nur bei sich selbst ist dies schwierig. Soviel habe ich gelernt :-).

    Jedenfalls scheinst du ja auf einem guten Weg zu sein.
    Viel Glück hierbei.

    Gruss, Cari

    das mit dem Bevormunden kenne ich auch nur zu gut. Aber das war eben damals unser Schutz, mit dem Alkoholproblem umgehen zu können. Wie hätten damals die Probleme nicht anschauen können, weil uns gar keine Fluchtmöglichkeit blieb - ich war ja viel zu jung -. Ausserdem war da die Angst die eigene Familie zu verraten bzw. die Familie im Stich zu lassen, die die Hilfe ja so "brauchte"...

    Ich glaube dir, dass du traurig darüber bist, keinen Partner zu haben, dem du dich ganz anvertrauen kannst. Mir würde es genauso gehen. Nicht einfach...
    Allerdings ist es auch mit Partner nicht immer einfach; vor allem wenn man so an sich arbeitet.
    Ich weiss noch; anfang diesen Jahres, als ich meine Therapie begann und feststellen musste, wie ich jahrelang gelebt hatte und plötzlich kam alles auf einmal...da hatte ich so Panikattacken und das oft, als ich bei meinem Freund war. Dann steigerte ich mich noch rein, dass er mich jetzt sicher für verrückt hält und weggeht und dann wurde es natürlich nur schlimmer. Mein Freund war überfordert und fühlte sich hilflos, da ich damals auch nicht in der Lage, zu erklären, warum es mir so geht und das es nicht schlimm ist, wenn er hilflos ist. Ich konnte auch nicht sagen, dass ich einfach nur eine Umarmung gebraucht hätte...
    Aber natürlich ist es schön, eine Schulter zum Anlehnen zu haben und gut ist auch, dass ich dieses Bedürfnis jetzt auch aussprechen kann :-).

    Ich bin auf jeden Fall co-Abhängig ;-). Mit der Frage meinte ich eher auch, wer ich eigentlich bin. Ich bin nämlich noch am suchen. Wenn man sich über die Jahre immer hinter seiner Fassade versteckt, ist das nicht so einfach.
    Wie viele Leute sagten mir zum Beispiel wie ruhig und ausgeglichen ich doch sei, dabei war ich innerlich ein Unruhegeist hoch fünzehn. Nur besass ich halt die Gabe, das prima zu verstecken ;-).

    Und wie läuft dein Studium so?

    Liebe Grüsse
    Cari

    Hallo Ette

    Ich habe gerade einen grossen Teil deines Threads gelesen und muss sagen, dass ich es toll finde, wie du über dich schreibst. Du bist so ehrlich zu dir...

    Ich konnte schon viele Sachen, die ich bei dir las, an mir feststellen und bin so froh, dass ich nicht damit allein bin.
    Auch ich habe oft diese Gefühlsräusche, wo ich nicht mehr weiss, was mit mir los ist.
    Ich kann einen Tag zuvor bei meiner Therapeutin gewesen sein, mir ging es sehr gut und am nächsten Tag beginnt es schon beim Aufstehen mit dem missmutigen Gefühl.

    Da es vielen so zu gehen scheint, kann ich ja etwas beruhigter sein. Gut zu wissen...

    Liebe Grüsse und alles Gute

    Carina

    Hallo Doro

    Gerade habe ich mir einiges aus deinem Thread durchgelesen. Ich finde deine Geschichte sehr bemerkenswert und den Ärger mit der Arge kann ich gut nachvollziehen.

    Mein Vater ist seit über acht Jahren arbeitslos und Alkoholiker. Am Anfang hat er sich so oft bemüht Arbeit zu finden und bekam immer wieder Absagen. Da wir ein Haus haben und ein grosses Grundstück (was allerdings nicht bebaubar ist), bekommt mein Vater nicht mal ALG II.
    Meine Mutter muss das ganze Geld verdienen und er kommt sich natürlich dadurch sehr minderwertig vor. Nicht einfach...

    Zum Glück bin ich unabhängig. Aber passieren kann das heutzutage jedem...

    Liebe Grüsse und alles Gute


    Carina

    Danke für deine Antwort.

    Ja, mir geht es in meiner Therapie auch oft noch so. Manchmal erzähle ich etwas, über das ich mich aufgeregt habe und habe nicht mal gemerkt, dass ich mich schon wieder um anderer Leute Angelegenheiten kümmere.

    Ich bin auch sehr froh, über meinen Freund, wenn wir auch keinen leichten Start hatten. Er ist sehr verständnisvoll und wollte mir schon über Jahre hinweg klarmachen, dass ich mein eigenes Leben leben muss. Mich machte das immer so sauer, dass ich unbewusst ständig an ihm herum meckerte. Letztes Jahr ergriff ich dann plötzlich die Flucht von ihm, angeblich, weil es nicht der richtige Partner für mich ist, und nach einem halben Jahr, als ich schon etwas weiter mit mir war, merkte ich, wie lieb ich ihn habe. Nun sind wir seit einmal halben Jahr wieder zusammen.

    Ja, es ist sehr bezeichnend, dass ich gerade so einen Beruf gewählt habe. Anfangs bin ich auch voll in das Helfersyndrom reingekommen. Ich dachte tatsächlich ich sei wertlos, wenn ich nicht alles weiss, nicht überall etwas tun kann. Sehr gefährlich in diesem Beruf.
    Ab und zu habe ich das noch - aber wenigstens merke ich es jetzt.

    Liebe Grüsse und auch dir alles Gute

    Hallo Karotte

    Toll, dass du dieses Thema angesprochen hast und auch sehr ehrlich warst mit dem, was du geschrieben hast.

    Viele Dinge kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Auch mir geht es oft so, dass ich nicht unterscheiden kann, was normal und was unnormal ist. Dabei gibt es "normal" eigentlich gar nicht. Es gibt Dinge, die sind in der Regel, wie sie sind und andere Dinge, die aus dem Rahmen fallen, die nicht gut für einen selbst sind.

    Ich habe sogar manchmal das Gefühl, wenn ich so starke Ängste habe, dass ich nicht normal bin. Man kommt sich dann vor wie eine Ausserirdische. Aber ich weiss, dass es durch meine damaligen Umstände so geworden ist. Und solche festgefahrenen Muster bekommt man ja auch nicht so leicht los.


    Und klar ist es nicht einfach zu wissen was man will, vor allem wenn man sich so viele Jahre selbst hinten angestellt hat. Das was zuerst kommt, ist das Sich-Selber-Wieder-Spüren. Was fühle ich? Habe ich Angst und warum? usw. Für mich war das komisch, als ich all diese Dinge plötzlich spürte, auch jetzt noch. Aber es ist ein riesiger Schritt; denn früher habe ich gar nichts gespürt.

    Wegen Kinder bekommen; da hast du geschrieben, dass du Kinder im Moment nicht sehen kannst...Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Mir geht es momentan genauso. Ich wollte auch immer eine grosse Familie (gut, ich habe noch ein paar Jahre Zeit), und plötzlich habe ich extremen Bammel davor. Meine Kinder könnten ja unter mir leiden usw. Ich glaube das liegt aber daran, dass man in solchen Momenten der Selbstfindung so mit sich beschäftigt ist und noch dazu, wie früher schon, Selbstzweifel in sich hat, das die Reaktion wohl "normal" ist.
    Man möchte den eigenen Kindern etwas Besseres bieten, als man es selbst hatte und da ein Co-Abhängiger eh gerne an sich zweifelt, vor allem wenn er sich mal schwach fühlt, hat man grad das Gefühl, man kann den Kindern dann nichts bieten.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall für deine Wegfindung alles Gute.

    Liebe Grüsse

    Hallo Lume!

    Vielen Dank für das Erzählen deiner Geschichte.
    Ich kann so viele Dinge, die du geschrieben hast, nachvollziehen. Einfach toll; diese Ehrlichkeit.
    Trotz, dass ich mich schon länger mit dem Thema Alkoholismus beschäftige und seit einem halben Jahr in Therapie bin, fühlte ich mich manchmal immer noch wie eine "Ausserirdische".
    Dieses Gefühl "unnormal" zu sein, nicht dazuzugehören kenne ich nur zu gut.

    Manchmal denke ich, wenn ich von anderen Jugendlichen aus "normalen Familien" höre, wie ihre Pupertät war, dann merke ich wieder, wie angepasst und lieb ich war. Ich war nie aufmüpfig, immer gut in der Schule und überhaupt wusste ich in jeder Lage, was zu tun war. Viele nannten mich "weise", hochintelligent und was weiss ich nicht alles. Die haben nicht das kleine, weinende Kind in mir gesehen, dass gerne zum Vorschein gekommen wäre.

    Es ist toll, dieses Forum zu kennen, und mich in dem ein oder anderen wiedererkennen zu können.
    Im September gehe ich in eine Selbsthilfergruppe. Das wird mir sicher auch noch einmal gut tun.

    Liebe Grüsse

    Carina

    Hallo Lue

    Ich kann dich gut verstehen, mein Vater ist auch seit einigen Jahren Alkoholiker und bei mir lief es etwa ähnlich ab.

    Ich kann deshalb auch gut nachvollziehen, dass du verzweifelt bist und dich fragst, was du tun kannst.

    Ich möchte dir hier keine Ratschläge geben, sondern nur meine Sicht dazu, die ich mir auch erst entwickeln musste.

    Ich habe mich auch immer gefragt, was ich tun kann, habe alles Mögliche versucht.
    Irgendwann wurde es mir zu viel, ich bin sowieso durch meinen Freund weggezogen und musste einsehen, dass ich nichts tun kann.
    Man hört es so oft, doch bis es einem selbst klar wird, vergeht einige Zeit: Nur du kannst etwas an deinem Leben verändern bzw. für dich tun. Dein Vater muss es selbst erkennen, dass der Alkohol für ihn nicht gut ist oder er trinkt weiter. Durch das ständige Helfen-Wollen - was wirklich gut gemeint ist - treibt man den Abhängigen nur noch weiter in seine Sucht, nimmt ihm auch jegliche Verantwortung für sich und sein Leben weg. Und auch deine Mutter muss für sich entscheiden, ob sie bei ihm bleibt oder nicht.
    Wenn der Leidensdruck gross genug ist, wird sie gehen und sonst bleibt sie.

    Meine Mutter leidet auch sehr, ist co-abhängig, und trotzdem bleibt sie bei meinem Vater. Es ist ihre Entscheidung.
    Was einem bleibt ist zu hoffen, dass die Einsicht irgendwann kommt und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

    Ich weiss, es ist hart und ein schwerer Weg. Ich wünsche dir alles Gute.

    Liebe Grüsse

    Hallo

    Seit einem halben Jahr habe ich meine Eltern jetzt nicht besucht.
    Mein Vater hatte im März einen Zusammenbruch (war im Delyrium), konnte nicht mehr reden...ich dachte tatsächlich er stirbt.
    Ich lebe 700km von daheim weg, bin eigentlich aller 2 Monate heimgefahren, habe aber in der Zeit bemerkt, dass ich in einer richtigen Abhängigkeit bin und einen grossen Fehler mache, wenn ich heim fahre.
    Ich war nervlich am Ende, da ich als angehende Sozialpädagogin einen anstrengen Job habe und dann das...Ich wollte mich erholen.
    Es war schwer für mich nicht hochzufahren, vor allem war schlimm, als mein Vater wieder "normal" war, war das erste was er fragte, ob ich denn schon da sei. Als meine Mutter verneinte, wusste er sofort, dass es wegen mir war.

    Er machte mir keine Vorwürfe oder so; ich habe es ihm auch erklärt, wieso ich nicht gekommen bin. Ein schlechtes Gewissen hatte ich trotzdem.
    Ich habe eh viel mit meinen Eltern geredet, wie ich die ganzen Jahre empfunden habe usw.
    Sie wissen, dass ich jetzt nicht mehr "der Helfer" für sie bin.

    D.h. bei mir hat sich enorm viel verändert. Plötzlich wurde mir klar, dass sowohl ich ohne meine Eltern leben muss und sie ohne mich.
    Das verunsichert mich total und jetzt habe ich im Juli, wenn ich für 2 Tage heim gehe irgendwie Angst.
    Angst, es könnte total anders sein oder ich könnte sie nicht mehr so gern haben, jetzt da ich so viel weiss und auch teilweise Wut verspüre.

    Es klingt merkwürdig. Ich habe meine Eltern immer sehr gern gehabt und das ist auch jetzt noch so; trotz, dass ich schon früh auf eigenen Beinen stehen musste; und auch jetzt ist das Alkoholproblem meines Vaters noch im Vordergrund.

    Wer kennt diese Ängste und Gedanken?

    Liebe Grüsse

    Hallo zusammen

    Bin seit einem halben Jahr in Therapie und nun möchte ich auch in eine Selbsthilfegruppe gehen.

    Die Therapie und auch das Lesen von Büchern über Co-Abhängigkeit (habe da eine paar gute Bücher zu empfehlen, wen es interessiert) haben mir viel gebracht, aber die Theorie ist eben immer das eine und die Gefühle das andere.

    Mich haben monatelang Ängste gequält, weil ich plötzlich die Selbstabwertung genau spürte, sie aber vor mir selbst nicht zulassen konnte. Ich habe einen Kampf mit mir selbst geführt.
    Ich spüre die Selbstabwertung auch jetzt noch, weiss aber warum und, dass ich sie annehmen muss.
    Früher habe ich immer gedacht, wenn sich meine Eltern gestritten haben und ich weinte bzw. mich eingemischt habe, dass ich Schuld sei. Oder ich stand zwischen zwei Fronten und für wen auch immer ich war; es war falsch.
    Mein alkoholkranker Vater machte mir Vorwürfe, dass ich nicht auf seiner Seite war, dabei liebe ich ihn und wollte ihm helfen.

    Im Moment habe ich eine richtige Trauer in mir über das ganze Verpasste in meiner Jugend, über diese ständige Selbstabwertung, das Verdrängen meiner Gefühle...
    Auf der anderen Seite bin ich froh, dass ich mich jetzt mit meinen 21 Jahren kennen lernen darf und sehr gut mit meinem Inneren in Kontakt bin.
    Ich lerne, dass ich glücklich sein und Freude im Leben haben darf.

    Liebe Grüsse,

    Cari

    Danke für deine Antowort.
    Es ist immer wieder schön zu lesen, dass man nicht allein ist und es anderen genauso geht.

    Ja, da hast du recht, ich kann nicht erwarten das alles auf einmal geht. Am Anfang meiner Therapie hatte ich damit wirklich ein riesiges Problem, weil ich perfektionistisch bin; und das bringt einen nicht weiter.
    Man kritisiert sich dann selbst und alles geht von vorn los.
    Jetzt kann ich mich in Geduld üben :-). Eine wichtige Voraussetzung, um sich selbst annehmen zu können.

    Lg, Cari

    Hallo zusammen

    Ich hatte mich bereits kurz vorgestellt und möchte nun gern ein wenig mehr über mich schreiben.

    Mit meinen 21 Jahren habe ich schon sehr viel erlebt, wie viele andere von euch sicher auch. Das wird mir erst jetzt bewusst, wenn ich so auf die letzten Jahre zurück blicke.

    Mein Vater ist seit sicher 9-10 Jahren alkoholabhängig, bewusst wurde mir das aber erst vor etwa 8 Jahren, als meine Mutter immer wieder den Verdacht äusserte.
    Von dem her waren die Karten recht früh auf den Tisch gelegt, nur für meinen Vater war das nicht so klar.
    Da er auch am Anfang fast unbemerkt trank (er ist ein so genannter Pegel-Trinker), fiel das keinem auf und alle in der Familie, die den Verdacht hatten, verwarfen den Gedanken wieder; selbst meine Mutter.
    Die ist inzwischen co-abhängig.
    So verging Jahr um Jahr, mein Vater stritt ab, bis es mal wieder Zeit für einen Krankenhausaufenthalt war. Alle hatten dann Hoffnung, dass es besser wird. Nach drei bis vier Monaten ging alles von vorn los, aber da wollte es dann keiner wahr haben. Ich war in meinen Hoffnungen enttäuscht worden, die Seifenblase war wieder einmal geplatzt.

    Ich selbst, sehr verantwortungsbewusst, tat natürlich alles um meinen Vater zu überzeugen, dass er aufhören muss und unterstützte meine Mutter, wo ich nur konnte. Ich war praktisch wie eine "Freundin".

    In der Schule war ich auch gut; darüber bekam ich die nötige Anerkennung und natürlich für meine Bescheidenheit und meinen Anstand.
    Freunde hatte ich zwar in der Schule, aber nach der Schule ging ich sofort nach Hause; ja keinen Kontakt mit anderen; die hätten ja etwas mitbekommen können.
    Ich litt unter den Streitereien meiner Eltern, unter dem Alkoholismus meines Vaters, dem nie-wissen-was-kommt.

    Mein Selbstwertgefühl war stets ganz unten, auch heute noch. Nach aussen wirkte ich immer perfekt und selbstbewusst, doch wie es innen aussah, wusste niemand. Irgendwann konnte ich diese Last nicht mehr ertragen und begann mich den ersten Leuten anzuvertrauen.
    Ich lernte meinen heutigen Freund kennen, mit dem ich bereits 6 Jahre zusammen bin.

    Das hat mir ein wenig geholfen. Vor zwei Jahren bin ich dann in die Schweiz gezogen, zu meinem Freund. Und dann kam all das hoch, was die letzten Jahre lief. Ich arbeite jetzt schon 2 Jahre an mir und erst jetzt ist mir vieles bewusster. Ich konnte nie Nähe zulassen, auch jetzt noch nicht. Wem kann ich trauen? Kann ich mir überhaupt vertrauen und meinen Gefühlen?
    Bin ich normal? Bin ich liebenswert?
    Dann dieses ständige einmischen in anderer Leute Angelegenheiten, das Übernehmen von Gefühlen anderer, womit ich mich total überforderte.
    Durch Studium und Arbeit zur Sozialpädagogin wurde mir dies vor kurzem bewusst, dass ich damit aufhören muss, sonst breche ich irgendwann zusammen.

    Seit Februar habe ich begonnen, mich wirklich mit mir zu beschäftigen und nicht mich mit Problemen anderer abzulenken. Das ist nicht ganz einfach. Auch der Gedanke, dass es mir gut gehen darf ist schmerzlich, denn den kenne ich nicht. In so Momenten spüre ich dann total Selbstabwertung, wenn ich denke, jetzt geht es mir gut. Dann kommen so negative Gedanken, mit denen ich es mir wie selbst kaputt mache.

    Dadurch, dass ich schon viel über Alkoholismus gelesen habe und auch in Therapie gehe, weiss ich sehr viel darüber und, dass mein Verhalten durchaus normal ist, aber das zu akzeptieren ist nicht immer einfach und vor allem der Schritt zur Veränderung.
    Demnächst möchte ich zu einer Selbsthilfegruppe gehen, da ich merke, dass ich Leute um mich brauche, die mich verstehen.

    Aussenstehenden kannst du fast nicht davon erzählen, nur die wenigsten können es verstehen oder versuchen es zumindest.

    Ja, das wird noch ein langer Weg und die Angst sitzt tief, aber ich möchte mich selbst verstehen, ich möchte glücklich sein dürfen und mich auch so fühlen, ich will mich nicht mehr selbst verachten oder verurteilen, möchte wie Mutter und Vater zu mir selbst sein.

    Liebe Grüsse

    Cari