Hallo Couchcool
Ja, ja, immer diese Ungeduld, dieser Perfektionismus.
In der Alkoholikerfamilie musste man funktionieren, durfte keine Gefühle zeigen und auch nicht überfordert sein, sonst wäre das "System" zusammen gebrochen.
Ich kenne es nur zu gut, wenn man keine Geduld mit sich selbst hat.
Am Anfang meiner Therapie dachte ich, ich drehe durch, als ich den Berg von "Arbeit" vor mir sah, als ich sah, dass nicht mehr stimmte. Das verunsichert einen und verunsichert darf man ja nicht sein...
Meine Therapeutin sagte dann einmal zu mir: So lange sie gegen sich selbst kämpfen, gegen ihre Gefühle und auch gegen die Zeit, die sie brauchen werden, bis alles verheilt ist, kommen sie keinen Schritt weiter.
Von da an ging es bergauf. Klar habe ich teilweise noch Rückfälle, aber ich versuche mir dann immer diesen Satz in Erinnerung zurück zu führen.
Ich glaube auch, dass man das Handwerkszeug, dass man sich bis jetzt erarbeitet hat, auch erst einmal lernen muss anzuwenden und die Gefühle kommen ja meist nicht so schnell mit, wie der Verstand. Ich glaube, dass es einfach Zeit braucht. Wir haben so viele Jahre gelitten und mussten Muster aufrechterhalten, die nicht gut waren. Aber dadurch bekommt man sie auch nicht innerhalb kürzester Zeit wieder los.
Ich finde es jedenfalls toll, dass du gelernt hast, mehr Leuten dich zu öffnen.
Bei wildfremden Leuten geht es mir auch oft so, dass ich total verunsichert bin, weil man halt auch nicht weiss, wie sie auf einen reagieren. Man versucht sich immer noch anzupassen, wie man es früher getan hat.
Dabei verspielt man sich ja die Chance, dass der andere einen wirklich kennen lernen kann und auch einen selbst so akzeptieren kann, wie man ist. Aber eben; die Verlustangst ist oft grösser.
Ich versuche mir in den Momenten immer bewusst zu machen, dass ich jetzt verunsichert bin und versuche dem anderen gegenüber auch so ehrlich und echt wie möglich zu sein. z.B. passe ich mich nicht mehr an, wenn ich nicht mit einem einer Meinung bin; ich habe meine eigene. Und ich lache auch nicht mehr über Dinge, die ich eigentlich gar nicht lustig finde. Früher habe ich dem anderen zu liebe gelacht, weil ich meinte, der erwartet das jetzt von mir.
Und ich glaube, so kommt man Schritt für Schritt vorwärts.
Ich muss sowieso sagen, dass es besser ist, wenn man langsam vorwärts geht.
Ich hatte einen sehr hektischen Start, dass ich mich teilweise über mich selbst gewundert habe. Sogar meine Therapeutin war erstaunt, mit welchem Tempo ich alles angegangen bin. Ich muss da recht aufpassen, dass ich mich nicht wieder selbst überfordere. Denn so schnell kommen meine Gefühle nicht mit.
Dir möchte ich gerne raten; grüble auch nicht zuviel, sondern tu dir auch etwas Gutes. Wenn ich bei einer Sache nicht weiterkomme, dann stelle ich sie beiseite und mach etwas Schönes.
Liebe Grüsse