Lieber Tarzan,
ich kann Deine Situation absolut nachempfinden. Ich war vor ca. zwei Jahren in genau dieser Situation. Fragen wie: Warum ausgerechnet jetzt, wo alles gut werden kann? Warum tritt sie mich mit Füßen, wo ich doch immer da war? Gefühle wie: Verzweiflung, Wut und Angst.
Bei mir war es damals so, dass meine Gute einen Kurschatten hatte. Sie ist auch kurze Zeit später rückfällig geworden und heute noch nass.
Heute werde ich mich von ihr trennen. Nächste Woche ist der Gerichtstermin.
Ich schreibe Dir das, um zu zeigen, dass sich die Dinge manchmal ganz anders entwickeln, als sie zunächst den Anschein haben. Es lag damals aber nicht in meiner Hand und es liegt heute nicht in Deiner.
Sowenig, wie Du sie überzeugen konntest, nichts mehr zu trinken, sowenig wirst Du sie überzeugen, Dich zu lieben. Kümmere Dich um das, was Du beeinflussen kannst.
Jetzt ist der Fall meiner Lebensgefährtin nicht gut verlaufen. Nimm an, bei Deiner Frau hat es wirklich "Klick" gemacht. Dann weiß ich nicht, ob Du ihr hilfst, wenn Du "um Eure Beziehung kämpfst". Ich will versuchen, dass zu begründen, auch wenn ein trockener Alkoholiker Dir dies viel besser schildern könnte.
Deine Frau hat sich für ein trockenes Leben entschieden, dass setz mal voraus. Mit dieser Entscheidung ist der erste Schritt getan, vielleicht sogar der Wichtigste. Aber die schwersten Schritte hat sie noch vor sich. Sie muss für ihre Trockenheit kämpfen. Wenn sie nun feststellt, dass die Beziehung sie in diesem Kampf behindert, wird sie sie unter Umständen beenden müssen, um nicht Gefahr zu laufen, rückfällig zu werden.
Dies wäre für Dich eine bittere Pille. Und glaube mir, ich kann Deine Verzweiflung förmlich spüren. Es hat aber nichts damit zu tun, dass sie Dir in den Hintern treten will. Ihr bliebet ja in jedem Falle weiter Eltern, also in Kontakt. Wer weiß vielleicht verliebt ihr Euch irgenwann nochmal neu.
Lieber Tarzan, ich weiß natürlich aus der Ferne nicht, wie Dein Fall gestrickt ist. Ich wollte nur versuchen, Dir eine andere mögliche Sichtweise zu eröffnen. Rede mit Deiner Frau. Aber klammere sie nicht. Das wäre aus meiner Sicht kontraproduktiv.
Jedenfalls wünsche ich Deiner Frau alles Gute auf ihrem und Dir auf Deinem Weg.
Papi