Beiträge von Kopfmensch

    Hallo mini24,

    ich hatte heute ein Therapiegespräch und mir wurde bewusst, dass ich eine Meisterin im Verdrängen (mein Abwehrmechanismus, der in Kindheitstagen geboren wurde) bin. All die schlimmen Momenten (Degradierung, Frauenfeindlichkeit, permanente unterschwellige u. offene Aggression, Rauswürfe aus seinem Haus), die ich mit meinem Ex erlebt habe, wurden von mir weniger gewichtet als die viel zu seltenen Glückszeiten. Wir waren 2 ½ Jahre zusammen, in denen das Glück in Netto betrachtet vielleicht einen Monat beträgt. Ich habe die Beziehung als ich noch drin steckte aus Sicht eines Co’s betrachtet und bewertet. Ich habe mir das Leben mit ihm schön geredet. Jetzt sehe ich die Beziehung mittels Therapie, diesem Forum und Gesprächen mit Menschen, die gesunde glückliche Beziehungen leben, mit anderen Augen. Ich muss aber stetig daran arbeiten, um nicht wieder „Schönmalerei“ zu betreiben – gemäß meiner alten Verhaltensmuster.

    Um in der Realität zu bleiben und nicht in meine Co-Welt abzudriften, habe ich mir eine Pro- und Contra-Liste angefertigt, die ich fortlaufend ergänze. Da steht die Beziehung schwarz auf weiß. Ich muss verrückt sein, sollte ich mich nach dem schriftlich Festgehaltenen nochmal auf diese krankhafte Beziehung, in der ich meinen CO-Part hatte, einlassen. NEIN!

    Die Neue Deines Freundes ist auch bloß ein weiteres Co-Opfer im Leben eines Alkoholabhängigen. Natürlich ist es erstmal verletzend zu sehen, wie schnell man und durch wen man ersetzt wird. Es liegt jedoch letzten Endes an Dir, in wie weit Du Dich auf Spielchen (Telefonate, SMS) einlässt oder Dich abgrenzt. Abstand hilft Dir dabei, Dich Stück-für-Stück zurückzugewinnen. Gehe Deinen Weg. Du kannst jetzt damit beginnen.

    Liebe Grüße Kopfmensch

    Es sind wieder einige Tage vergangen. Tage, in denen ich viel für mich selbst gemacht habe. Neben den Therapiegesprächen, die mich an die Knackpunkte meiner eigenen emotionalen Sucht heranführen, habe ich schöne Dinge unternommen. Während ich tagsüber, wenn ich beschäftigt bin, weniger an meinen Ex denke, wache ich nachts manchmal auf mit Bildern aus vergangenen Tagen und denke, denke, denke. Ich habe für mich beschlossen, nichts mehr zu verdrängen, sondern mir die Zeit zu geben – auch nachts - um damit weiter abzuschließen. Irgendwann schlafe ich auch wieder ein.

    Mein Ex hat letzten Freitag angerufen. Bin gerade von einem wichtigen Geschäftstermin zurückgekommen, hatte zuvor eine Freundin getroffen, war zwar erschöpft, aber auch zufrieden mit mir und dem Tag. 2 x hintereinander, sprach mir auf den AB. Meine Strategie ist hier, löschen ohne es mir anzuhören - anzutun. Weil, was ich nicht weiß... Trotzdem hat dieses Telefonat ein paar Stunden später Panik ausgelöst.

    Ich arbeite weiter an meinem eigenen inneren Abstand. Hinsichtlich der Trennung kann ich nur sagen, dass ich das Gefühl für mich und meine Selbstbestimmung schrittweise wiedergewinne. Ich hatte mal geglaubt, das schlimmste wäre, wenn er mich mit einer anderen Frau betrügt. Mittlerweile sehe ich es anders. Es wäre schlimmer gewesen, das Leben mit dem Dämon Alkohol und seinen Fratzen inkl. Abstiegsgarantie und Selbstbetrug fortzusetzen.

    Ich war einsam in der Beziehung mit meinem Ex, jetzt bin ich allein, aber ich fühle mich nicht einsam. Je weiter man sich aus einer krankmachenden Beziehung (Eltern, Partner, Freunde) entfernt, umso näher kommt man sich selbst.

    Kopfmensch

    Hallo IceGirl, ich glaube das Denken ist ein Teil des Verarbeitungsprozesses. Wenn ich z. B. zu Hause bin und denke mich fest, ziehe ich mich an und geh raus. Das allein schon bringt mich weg vom Gedankensumpf. Oder ich mache mir Musik an und höre ein tolles Lied und tanze durch die Wohnung. Ich glaube, an der emotionalen Stabilität müssen wir erst arbeiten und uns selbst Zeit geben.

    Nachmittagsgrüße - Kopfmensch

    Hallo,

    ich habe hier bereits in vorigen Beiträgen ansatzweise meine Geschichte erzählt und auch zu anderen Beiträgen etwas geschrieben. Da ich keine reale SHG besuche, es aber ohne schwierig finde, eröffne ich diesen Thread zwecks Austausch und Information darüber, was ich tue, um nach einer schmerzhaften und energieraubenden Beziehung zu mir selbst zu finden. Ich werde mir ab heute alles von der Seele schreiben, weil es sonst in meinem Kopf und ich selbst in meiner Gefühlswelt stecken bleibe.

    Für alle, die mich noch nicht kennen, meine Geschichte in Kurzform: Ich war 2,5 Jahre in einer On- and Off-Beziehung mit einem alkoholabhängigen Mann, von dem ich mich getrennt habe, weil mich sein Alkoholkonsum und die Folgen zu stark belastet und mein eigenes Leben bedroht haben. Obwohl ich Tochter eines Alkoholikers bin, habe ich seinen Konsum (ist wahrscheinlich typisch) zu anfangs nicht registriert und mittels Erklärungen mir selbst gegenüber heruntergespielt. Meine innere Stimme hat irgendwann so laut gesprochen, dass es mir unmöglich war, wegzusehen. Ich habe Vergangenes neu gedeutet und musste mich trennen.

    Mein Problem ist, er lässt nicht von mir ab und meldet sich nach ein paar Wochen/ Tagen wieder. Ich merke, dass ich einfach noch Zeit und Abstand brauche, um das Geschehene für mich zu verarbeiten und wieder meinen eigenen Lebenskurs einzuschlagen. Irgendwann bin ich darüber hinweg, doch ich brauche Zeit. Diese Zeit gibt er (weil er um meine emtionel Instabilität weiß) mir aber nicht und es reicht schon, seine Nummer auf dem Display zu sehen und ich fühle mich unwohl. Mein Therapeut hat gesagt, dass er genauso wenig an mir loslassen wird, wie an seiner Trinkgewohnheit und dass, das Loslassen an mir ist inkl. nicht ans Telefon gehen, keine SMS oder Emails lesen, da schon die Worte in mir als Co-Abhängiger erst Wut und dann Klärungsbedarf auslösen – ich habe ein Problem damit, Dinge so stehen zu lassen, wie sie sind. Dadurch bin ich leicht aus der Fassung zu bringen. Eine weitere Erkenntnis sowie ein Punkt auf meiner Ego-Arbeitsliste.

    Ich habe mir zudem angewöhnt, sobald mir meine emotionale Seite die schönen Momente vorspielt, ich gleich ein Schockbild (mein Ex mit Flasche + lallender Stimme) dagegen setze. Das hilft mir vor allem dabei die Realität zu sehen.

    Heute fühle ich mich wohl in meiner Haut.

    Liebe Grüße Kopfmensch

    Hallo Mini,

    das kommt mir bekannt vor. Es ist das „Zuckerbrot & Peitsche-Spiel“. Damit wird auf bestimmte Knöpfe beim Co-Partner gedrückt. Ein Wechselbad der Gefühle – „Schuldgefühle“ + „Hoffnung machen“ werden bewusst kombiniert. Mein Ex-Freund, von dem ich mich innerhalb der 2 ½ jährigen Beziehung immer wieder habe einlullen lassen habe, versucht es auch so. Auf ein „Ich kann ohne Dich nicht leben – Du bist einfach meine Frau“ (diese Worte waren Balsam für mein krankes Ego) folgen bei Nichtfunktionieren Vorwürfe wie „mal willst Du mich, mal willst Du mich nicht. Du hast immer Dein eigenes Ding durchgezogen und Dich nicht auf mich eingelassen“. Ich habe immer geglaubt, eine Trennung ginge im guten. Man sagt sich gegenseitig mit Respekt, dass es nicht mehr geht und geht getrennte Wege. Das ist eine Illusion. Vor allem, weil auch innerhalb der Beziehung schon so viele Tabus gebrochen und Grenzen überschritten würden. Das Ende ist ein weiterer verzweifelter Versuch – (vom Alki und vom Partner, um nicht allein zu sein) und endet, wenn wir uns wieder einlassen und unsere „Co-Knöpfe“ angeschaltet wurden, in einer Verlängerung dessen, was wir alle verstehen wollen, aber nicht verstehen werden.

    Ich habe gemerkt, dass jedes neue Einlassen auf meinen Ex-Freund nur bewirkt hat, dass wir beide weniger Respekt voreinander hatten und jeder sein Spiel noch perfekter gespielt hat. Mein Selbstwert wurde immer schwächer. Gerade deshalb wollte ich ihm so gern glauben, weil es einfacher war, als die Realität und den zermürbenden Trümmerhaufen zu sehen.

    Auch er – das sagten mir Instinkt und Fundsachen wie Slips von angeblich der Ex in der Wäsche: „Du weißt doch, wie schlampig ich bin, die liegen wahrscheinlich schon Monate im Wäschekorb“ hat mich immer wieder angelogen und wurde ungeduldig, wenn ich Unklarheiten ansprach. Mit jedem Mal wurde meine durch Trennung wieder aufgebaute Kraft wieder geschluckt, weil nach ein paar Stunden des Glücks (nach all dem Stress brauchte ich es so sehr) mehrere Flaschen Bier getrunken wurden und mein Ex-Freund unberechenbar wurde. Die letzte Trennung ist ein paar Wochen her...momentan ist Funkstille. Wenngleich ich auf Telefon und Handy starre (->Suchtverhalten) bin ich auch froh und merke wie mit jedem Tag, an dem ich ohne meine menschliche Droge (Ex-Freund) bin, mein Bewusstsein für mich selbst zunimmt. Vertraue auf Deine Wahrnehmung – Deinen Instinkt. In einer Beziehung sind beide Partner verantwortlich und jeder hat das Recht auszusteigen, wenn er will. Vorwürfe sind bloß ein Ablenkungsmanöver – egal, von welcher Seite diese kommen.

    Einen schönen Samstag - Kopfmensch

    Liebe Dagmar,

    jeder Kopfmensch ist auch Gefühlsmensch. Ich glaube, du machst es dir zu schwer, wenn du schon im Vorfeld festlegen willst, was besser für dich ist. Damit schaffst du schon vor den Begegnungen, die in der Zukunft liegen eine innere Starrheit.

    Kann es sein, dass du Angst vor dem Unbekannten hast? Ich glaube, man muss sich ein Stück weit einlassen, um herauszufinden, ob es einem gut tut - egal, ob der Mensch Kopf- oder Herzgesteuert ist.

    Ich als Kopfmensch weiß z. B., dass mich Menschen wegen meiner Gedanken, Ideen und der manchmal daraus entstehenden Reibung schätzen. Ich wiederum finde es bereichernd, Menschen zu begegnen, die herzlich sind – ohne ihren Kopf vorwegzuschicken.

    Einen schönen Sommerabend.

    Nachdem ich meinen Ex Samstag verlassen habe, versucht er mich nun per SMS einzuschüchtern. Gestern Abend kamen zwei: „Wer klaut, der betrügt auch“ und „Dass du Geld von mir genommen hast, ist Missbrauch hoch 10. Ich bin ja ein ehrlicher Mensch, aber du“. Wie ich bereits zu Beginn meines Beitrags erwähnt habe, habe ich mir Geld für ein Taxi „geborgt“ (konnte ihn nicht fragen, er war bereits angetrunken) und es bereits Sonntag per Post zurückgesendet. Aus meiner Sicht sind wir quitt. Wie ich ihn mittlerweile einschätze, ist die Sache für ihn noch nicht vorbei.

    Grüße Kopfmensch

    Liebe Betroffene,

    ich danke Euch für die Antworten. Ich lerne immer mehr dazu und es ist gut zu wissen, dass ich mit dem Thema nicht alleine bin.

    @ Frozen Tears: Ja, mir ist bewusst, dass ich als Co-Abhängige mit einer Trennung von meinem Freund zwar einen Schritt in mein Leben gemacht habe, aber noch nichts gelöst ist. Ebenso werde auch ich am Ball bleiben und Dinge immer wieder reflektieren, damit ich nicht wieder in alte Verhaltensfallen tappe.

    Als Kind war mir noch nicht klar, dass das Trinken meines Vaters Hauptursache für das Chaos und den Stress Zuhause war. Das wurde mir erst wieder durch meinen Ex-Freund bewusst. Er ist der erste Partner mit Alkoholproblem. Dadurch ist meine verdrängte Kindheit auf einmal wieder gegenwärtig gewesen. Ich habe mich letzten Sommer in diesem Forum angemeldet und mich auf verschiedenste Weise (Al-Anon, Literatur, Austausch mit trockenem AA) mit diesem Thema auseinandergesetzt. In meinem Kopf hat es bereits gefruchtet.

    @ Emily: Meine Mutter war auch fast 25 Jahre mit meinem Vater zusammen. Sie hat es im Nachhinein bereut, weil das schöne Jahre ihres Lebens – ihrer Jugend waren. Zumindest geht sie jetzt einen eigenen Weg. Auch optisch ist sie aufgeblüht - viele ihrer Kummerfalten sind tatsächlich verschwunden.
    Mein Ex hat übrigens auch immer wieder anhand von anderen seine Sucht zu relativieren versucht und behauptet, ich mache mir zu viele Gedanken. Er würde das schon merken, wenn er abhängig wäre. Im Laufe der letzten 2 Jahre wurde er auch immer ungeduldiger – hat geflucht, bei den kleinsten, nicht funktionierenden Dingen und im Kreise seiner Mittrinker wurden am liebsten Themen aufgegriffen, an denen man sich verbal aggressiv ausgelassen und andere zu Buhmännern erklärt hat. Natürlich nicht ohne den besänftigenden Begleiter.

    Mein Glück ist, dass ich immer von ihm getrennt lebte und noch nie eine Woche am Stück miterlebt habe. Ich weiß nur, dass bereits nach wenigen Tagen und Stunden mit ihm, meine Batterien leer waren. Ich fand das seltsam. Eine Therapeuthin, bei der ich auch Vorgespräche geführt habe, sagte mal:“ Er kann Ihnen nichts Positives geben, aber er leert Sie wie eine Flasche.“ Sie hat mir auch das übertragene Bild gegeben, dass ich mir vorstellen soll, dass jeder noch so kleine Wortwechsel Gift für mich ist und ich doch freiwillig kein Gift nehmen wolle.

    Ich möchte betonen, dass ich ihn nicht als den Buhmann hinstelle. Er ist aber ein Mensch, der mir aufgrund seiner stofflichen Sucht nicht gut tut. Genauso wenig tue ich ihm gut, aufgrund meiner emotionalen Sucht. In einem Gespräch habe ich ihn mal gefragt, was wir beide uns geben können, wo wir doch die Wunden unserer Kindheit noch mit uns herumtragen. Das wäre ja gerade das besondere, wir könnten uns dadurch besser verstehen und bräuchten uns nichts vorzumachen.

    @ Dagmar: Ich habe mich immer gefragt, wo denn seine Freunde sind und vorgeschlagen, dass wir doch mal gemeinsam etwas unternehmen könnten. Er hat damit argumentiert, dass, wenn man sich in einer Beziehung befände, würde man mehr Zeit mit dem Partner/ der Partnerin verbringen. Dem entgegen kann ich mir gut vorstellen, dass er seine Freunde mit seinen wiederholten Geschichten vertrieben hat. Dennoch hat er ein riesiges Netzwerk an Bekannten mit Hang zu mittel bis starkem Alkoholkonsum.

    Ich werde auch erstmal keine neue Beziehung eingehen, da ich innerlich auf kranker Frequenz funke und beim nächsten Mann bestimmt wieder einen krankes Pendant an der Angel habe.

    Wie geht es dir nach fast einem Jahr der Trennung?

    Einen schönen Sommertag – liebe Grüße Kopfmensch

    Hallo Linde,

    ich danke dir für dein Feedback. Vor allem für den Satz, dass ich mit der Konsequenz ab sofort beginnen kann. Ich blockiere mich nämlich nur selbst, wenn ich mir sage, dass ich es nicht geschafft habe. Mein Realitätsverlust bezieht sich auch darauf, dass ich das wenige Gute überbewertet habe und das nicht missen wollte. Dass im Zusammensein mit meinem Ex aber das Schwere (Aggression gegenüber anderen, Wutausbrüche, Ungehaltenheit, Frauenfeindlichkeit etc.) überwog, habe ich teilweise ausgeblendet. Jetzt bin ich wieder dabei, es einzublenden.

    @ Emily: Das Stück-für-Stück mitrunterziehen hat sich teilweise schon bemerkbar gemacht. Ich bin selbständig und hatte, wenn ich bei ihm war, teilweise keine Lust zu arbeiten – ich fühlte mich so leer und ermattet. Gottseidank konnte ich mir das zwischendurch leisten. Ich wohne auch nicht bei ihm, worauf er immer hingearbeitet hat – auch beim letzten Mal. „Ich will mit dir leben und, dass du immer für mich da bist.“

    Du sagst, du bist fast in der gleichen Situation – wie hast du die Trennung geschafft?

    @ Weißbär: Das Boot mit Löchern ist nur ein Bild. Natürlich gibt es hier verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Die Therapie beginnt, bedingt durch Urlaub des Thera. erst Ende August, sonst hätte das natürlich parallel laufen können. Wäre mir auch lieber gewesen, weil ich so die nächsten Wochen erstmal ohne Therapiegespräche überbrücken muss. Ich habe, insbesondere jetzt nach der Trennung, das starke Bedürfnis zu reden. Einige meiner Freundinnen dauert diese kranke Beziehung inkl. Abnabelungsprozess schon zu lange. Ich kriege öfter die Frage gestellt: Na, geht es dir jetzt besser? Was wirklich mit mir los ist, weiß nur eine Freundin. Sie kennt auch meine Kindheitsgeschichte. Ich merke aber immer wieder, dass das Alkoholismus-Thema doch auch starker Tobak ist für Menschen, denen das nicht passiert ist. Deshalb freue ich mich über dieses Forum und den Austausch mit Betroffenen.

    Liebe Grüße Kopfmensch

    Hallo,

    ich habe hier schon einige Beiträge zu meiner Situation platziert. Ich glaubte fest, dass ich mich nach allem, was ich in diesem Forum über Alkohol- und Coabhängigkeit bisher gelernt habe, stark genug zu sein, um mich von meinem trinkenden Freund zu distanzieren. Bin die Tochter eines Alkoholikers und beginne nach ersten Probesitzungen im August mit einer Therapie. In den Vorgesprächen wurde mir erneut bewusst, dass alles (Verhaltensmuster, Wunden) in meiner Kindheit gewissermaßen „vorprogrammiert“ wurde und ich unbewusst immer wieder die alte Problemsituation mittels gestörter Partner herzustellen versuche, um diese endlich (Sehnsucht) zu lösen und meinen Frieden zu finden. Logischerweise werde ich nie Frieden finden, wenn ich so weitermache.

    Dennoch emotional hinke ich total hinterher. Während mein Kopf alles weiß, komme ich anscheinend gefühlsmäßig nicht los von diesem Menschen, diesem meinen Problem. Ich gehe immer wieder auf Abstand und nach erstem Trennungsschmerz geht es mir von Tag zu Tag besser. Wenn er sich nicht meldet, denke ich. Jetzt ist es ausgestanden und ich habe meine Ruhe.

    Dann ruft er wieder an. Wir wohnen 30 km entfernt. Lallt mir besoffen auf den AB: „Hallo Schatz, ich war gerade auf dem Fest in deiner Stadt. Hatte gehofft, dich zu sehen. Das Fest war super.“ Oder ich kriege eine SMS: „Wenn du gut drauf bist. Bei uns ist Dorffest. Ich fahre beim Umzug mit. Meine Wagentür steht dir offen.“ Ein anderes Mal: Hallo. Wie geht’s? Du fehlst mir.“ Ich bin dann emotional hin- und hergerissen.

    Vor 2 Wochen habe ich mich erneut auf ihn eingelassen. Ich habe tatsächlich daran gezweifelt, dass er nach bereits erlebten Exzessen ein Alkoholproblem hat oder aber auch nur verdrängt, um ein paar Stunden des Glücks zu genießen. Es war ein Sommertag. Wir waren zusammen am Meer. Anschließend noch Fisch essen. Er hat sich eine Cola bestellt – um nicht gleich beim ersten Abend die Stimmung durch Alkgenuss zu trüben. Am nächsten Tag sind wir zu ihm gefahren. Sein Haus ist eine Baustelle – seit Jahren. Leute, die ihm beim Bau helfen wollten, sind auch fast alle Trinker und lassen ihn nach einer durchzechten Nacht im Stich. Er hat so wieder einen Grund, sich aufzuregen und die anderen als die Bösen zu bezichtigen. Dann rückt er das Bild des Alkis wieder gerade. Er ist keiner, dann müsste er ja andauernd trinken. Beim Einkauf für den Grillabend hat er sich einen 6er Träger Bier gekauft und mich gefragt, was ich schönes Trinken möchte. Um nicht alleine zu trinken, bietet er jedem, der auf seinen Hof kommt, uhrzeitunabhängig Alkolisches an. Der Maler, der seine Küche renovieren sollte, ist auch alkoholabhängig. Um ihn bei Laune zu halten, hat er eine Kiste Bier („für den kaufe ich nur das billigste“) gekauft. Der hat ihn hängenlassen. Die Kiste war trotzdem innerhalb von wenigen Tagen leer.

    Ein weiteres Beispiel. Ein Bekannter, der ein Dorf weiter wohnt, nutzt jede Gelegenheit, um mit ihm zu trinken. Alleine trinke er nur Bier mit Kirschgeschmack. Als ich dabei war, wollten Beide unbedingt, dass ich „Wassertrinkerin“auch etwas Prozentiges trinke. Zudem hatte der Bekannte, nachdem mein Freund ihn einmal nach etwas Kaltem nach dem Kaffee gefragt hat, die Bemerkung gemacht: „du bist ne Brandkanne“. Der selbe Bekannte hatte aber 5 Min. später beschlossen, dass wir am nächsten Tag gemeinsam grillen. Zuerst wurde erwähnt, dass Bier gekauft werden muss. Mir wurde kotzübel und bewusst, wie krass das ist - in seinem Umfeld trinken alle und die Frauen machen mit und kuschen, um den Frieden zu wahren.

    Als wir vom Nachbarn zurück waren, habe ich ihm gesagt, was ich von allem, was ich in den letzten Tagen beobachtet habe, halte und wir hatten Streit. Er ist rausgegangen. Aus dem Küchenfenster habe ich gesehen, dass eine Jackentasche runterhing. Da ist ein Bier drin, überkam es mich. Plötzlich kriegte ich Panik - mein zukünftiges Leben lief in Bildern vor meinen Augen ab. Ich habe meine Sachen gepackt, mir Geld von ihm genommen (hatte nicht mehr genug) mir ein Taxi bestellt, bin zu ihm in die Scheune gegangen, wo ich ihn mit seinem Bier in der Hand fand, habe ihm gesagt, dass er zukünftig soviel Saufen kann, wie er will – ohne mich. Dann bin ich gegangen. Er ist mit dem Auto hinter mir hergefahren und hat mich angeschrien, ich solle sofort einsteigen. Das habe ich nicht gemacht. Ich bin nach Hause gefahren. Noch während der Taxifahrt erhielt ich eine SMS: „Das glaub ich ja wohl nicht, bring sofort die Kohle zurück.“ Ich habe nur geantwortet: „Ich komme nicht mehr zurück.“ Am nächsten Tag fühlte ich mich mies wegen allem, auch wegen meinem Verhalten. Mir fiel es schwer, im Streit objektiv zu bleiben. Ich habe ihn übelst beschimpft. Dafür habe ich mich per SMS entschuldigt und ihn informiert, dass ich die Geldforderung in den nächsten Tagen begleichen werde. Habe es bereits in die Post gegeben.

    Jetzt sitze ich hier, wieder bei Punkt 0 und ich ärgere mich, dass ich selbst nicht sehend war und vor allem schon zum Xten Male inkonsequent, wo ich doch genau spüre, dass mit jeder Rückkehr mehr von meiner eigenen Kraft schwindet. Außerdem war ich naiv. Ich habe geglaubt, er gibt mir eine ehrliche Antwort auf die Frage, ob er ein Alkoholproblem hat.

    Mein Therapeut hat gesagt, dass es keinen Sinn macht, in einem Boot mit einem oder mehreren Löchern zu fahren, in der Hoffnung, dass es nicht untergeht. Zuerst muss man die Löcher beseitigen.

    Das heisst für mich: Die Therapie bringt mir gar nichts, wenn ich meinen Ex nicht endgültig aus meinem Leben verabschiedet habe.

    Grüße Kopfmensch

    Liebe Katiee, liebe Sonnenstrahl,

    ich habe euer Geschriebenes gelesen und find mich ganz stark darin wieder als Tochter eines Alkoholikers. Von meinem Vater habe ich mich getrennt, als ich Mitte Zwanzig war. Ich habe entschieden, dass es reicht, weil ich dieses Chaos nicht mehr aushalte. Das ewige Spiel und die Vorsicht, bloß nichts falsches zu sagen in seiner Gegenwart. Meine Mutter hat sich vor mehr als 15 Jahren von ihm scheiden lassen. Jetzt hat er eine neue Familie.

    Die Trennung von meinem Vater hat mir gut getan. Ich habe mich selbst weiterentwickelt und mich auf meinen Weg begeben. Leider kriege ich von meiner Mutter, die noch im selben Ort wohnt, ab und an etwas (Saufeskapaden, Kommentare über uns) mit, obwohl ich sie diverse Mal darum gebeten habe, mir nichts mehr zu erzählen. Meist reagiert sie bei meiner klaren Ansage ablehnend so nach dem Motto „Ja, ist ja gut. Ich hätte ja gar keinen Kontakt mehr zu ihm, wenn deine Schwester nicht wieder angefangen hätte.“ In mir steigt dann eine enorme Wut hoch. Ich fühle mich in meinen Entscheidungen nicht ernstgenommen.

    Meine jüngere Schwester hat seit zwei Jahren wieder Kontakt zu ihm aufgenommen. Das ist ihre Entscheidung – ich habe es mittlerweile akzeptiert.

    Zum Titel dieses Threads. Auf der Suche nach Liebe und dieser nie gekannten Nestwärme bin ich mein ganzes bisheriges Leben gewesen. Zuletzt habe ich mich in einen Alkoholiker verliebt, der in seinen nüchternen Phasen genauso emotional war wie ich. Beide haben wir dagesessen und uns über unsere schreckliche Kindheit und unsere Eltern ausgelassen. Wir fühlten uns in diesem Moment nahe und glaubten, das ist Liebe. Ich habe den Alkoholkonsum relativ spät realisiert, als war ich selbst irgendwie betäubt. Diese Wegdrücken der Realität kenne ich aus meiner Kindheit. Dennoch war eine innere Stimme da, die im Laufe der Zeit immer lauter wurde.

    Ich habe mich getrennt und mich entschieden, erstmal mich zu finden, bevor ich eine nächste Beziehung eingehe. In meinem Inneren wünsche ich mir Nähe, aber ich habe auch Angst davor. Ich bin überzeugt: Alles, was in mir noch nicht geheilt bzw. abgeschlossen ist, zieht ein entsprechendes Gegenüber an. Das gilt für Partner ebenso wie für Freunde oder Bekannte.

    Letzte Woche hatte ich ein Erstgespräch bei einer Therapeutin. Ich habe die ganzen 45 Minuten nur geredet, als wenn sich plötzlich ein Ventil geöffnet hat. Natürlich habe ich auch über die Beziehung geredet und wir haben festgestellt, dass ich durch meinen Vater ein bestimmtes Bild von Männern gekriegt habe. Sie hat angeregt, dass ich deshalb evtl. eine Therapie bei einem Mann machen soll, um mein Bild zu korrigieren. Ich bin jetzt ein wenig verunsichert.

    Sind eure Therapeuten eigentlich auf das Thema Alkoholismus spezialisiert?

    Liebe Grüße - Kopfmensch

    Hallo Pandora,

    ich habe mich vor ein paar Monaten von meinem Ex (nasser Alkoholiker) getrennt und bin gerade dabei, dies zu verarbeiten. Ich denke in alle Richtungen und suche einen Weg, um für mich an dem Erlebten loszulassen, damit ich mich hier im Jetzt auf mich konzentrieren kann. Der Weg ist steinig. Meine Gefühle und Gedanken führen mich immer wieder in vergangene Zeiten zurück. Ich arbeite am Abnabelungsprozess und dem Schmerz, den ich mir selbst antue, wenn ich mir den Kopf zermartere. Ich kann nur akzeptieren, dass die Dinge passiert sind und auf die Wundheilung der Zeit vertrauen. Gleichzeitig habe ich die Aufgabe, mein Leben so zu gestalten, damit es mir gut geht.

    Ich bin der Meinung, ich muss zuerst vergeben (wie sich das anfühlt und wie es funktioniert, muss jeder für sich herausfinden), um loslassen zu können. Ansonsten trage ich die Kummer-Päckchen inkl. Vorwürfe gegen den Ex-Partner immer mit mir herum und lenke wieder von meinen eigenen Baustellen ab. So hat es mein Ex auch immer gemacht. Um selbst nicht in den Spiegel sehen zu müssen und die Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen, hat er mich als Buhmann hingestellt. Das gleiche gilt für mich.

    Ich habe meinem Ex nach der Trennung aus Wut die Pest an den Hals gewünscht. Aber die hat er ja schon. Ich glaube, es hilft, wenn wir uns immer wieder bewusst machen, dass Alkoholismus eine Krankheit ist und der Betroffene (Alk/Co-Alk), solange Gefangener ist, bis er sich aus den Fesseln der Sucht selbst befreit.

    Die Schmerzen und den Kummer, den wir mit unseren Partnern erlebt haben, haben wir in gewisser Weise auch gebraucht und als Nebenwirkung akzeptiert. Sonst wären wir schon früher gegangen oder hätten uns garnicht erst auf diese Beziehung eingelassen.

    Wie bereits gesagt, von der Reihenfolge sehe ich das Vergeben an erster Stelle, dann kommt das Loslassen, das Vergessen ist kein Muss – es ist auch ein Erfahrungsschatz – wie ein Kind, das sich das erste Mal an Feuer verbrannt hat und dies im Schmerzgedächtnis speichert. Wir brauchen die schlechten Erfahrungen, um aufzuwachen und zu wachsen.

    Einen schönen + leichten Samstag.

    Der Kopfmensch

    Hallo Lämmchen und Nancy,

    danke für euer Feedback. Ich glaube, dass ich mit mir selbst wenig Geduld habe. Ich möchte am liebsten all meine Co-Knöpfe auf einmal enttarnen.

    Am Donnerstag hat er es wieder versucht. Ich bin weder ans Telefon gegangen. Noch habe ich die anschließende SMS gelesen. Habe mittlerweile einen Weg gefunden, wie ich die Nachrichten entfernen kann ohne sie mir anzuhören. Denn, wenn es ihm gelingt, an mich heran zu kommen, löst das in mir Chaos aus und ich fühle mich anschließend schwer. Jedes Mal, wenn ich mich über einen längeren Zeitraum erfolgreich abgegrenzt habe, hat er sich etwas anderes einfallen lassen.

    Die Steigerung war, dass er vor 3 Wochen plötzlich vor meiner Haustür stand. Ich kam vom Einkaufen zurück. Hatte mir ein paar Blumen gekauft, mit dem Blumenhändler geflirtet und fühlte mich leicht wie ein Schmetterling. Als ich in meine Straße einbog, stand er da. In mir erkaltete alles. Es war so, als hätte ich meinen Körper verlassen und beobachtete die Szene von außen. Er sagte zu mir, bring deine Einkäufe hoch. Ich tat es wie in Trance. Anschließend fuhren wir zum Meer, wo es vor 2 Jahren begann. Er sagte, nach allen Höhen und Tiefen, die wir bisher erlebt haben, möchte er mich fragen, ob ich seine Frau werden will. Erst da bin ich aufgewacht und habe ihn dazu gebracht, mich wieder nach Hause zu fahren. Vor der Haustür habe ich ihm wie immer mit der Wahrheit, dass er ein Alkohol-Problem hat, konfrontiert. Bin ausgestiegen und gegangen. Danach bin ich wieder in ein emotionales Loch gefallen und fühlte mich leer.

    So war es in den vergangen Monaten ständig. Neue Kraft schöpfen, wieder auf die Beine kommen bis zum nächsten Kontakt. Ich habe mir zig Mal vorgenommen, welche Worte sind passend, dass er nun endlich versteht und er mich loslässt. Ich weiß jetzt, dass die Aufgabe auf meiner Seite liegt. Damit sich etwas ändert, muss ich meine Verhaltensmuster erkennen und ändern.

    Ein AA-Freund (trockener Alkoholiker) hat versucht, mir die Situation aus Sicht meines Ex zu erklären. "Er hat in dir seine Retterin erkannt. Er weiß, dass du stark bist, dein Leben inkl. Selbständigkeit meisterst. Jetzt wünscht er sich dich an seine Seite, damit du für ihn sein Leben managest, während er es sich mit seiner "Geliebten Alk" gut gehen lässt. Er fühlt sich aber auch durch deine Stärke bedroht und deshalb muss er dich erst klein machen, deine Schwachpunkte aufspüren und manipulieren - sein Mittel ist dir die Verantwortung für ein Scheitern der Beziehung zu geben". Dessen bin ich mir bewusst. Als ich mal sagte, dass ich nur 50% in Beziehungen (Mann, Familie, Freunde) trage, wurde mein Ex wieder einmal sauer.

    Ich bin durch die letzten Monate geschwächt worden. Es ist wie ein konditioniertes Verletzen, das ich zulasse. Ich kenne das Verhalten aus meiner Kindheit. Bei uns zu Hause haben sich Dramen abgespielt. Das emotionale Auf und Ab war Normalität. Mein Vater (nasser Alkoholiker bis heute) hat alles kontrolliert und alles (Schulnoten, Meinungen, Gesichtsausdrücke etc.) benutzt, um einen Grund zum Trinken zu haben. Mein Selbstwert war damals vom Urteil meines Vaters abhängig. Ich habe mich von meinem Vater getrennt, als ich Mitte 20 war, weil ich erkannte: er ist nicht gut für mein Leben.

    Mein Problem ist, dass ich mich, obwohl ich schon eine Menge gelernt (Psychotherapie, Al-Anon, AA) und an mir verändert (bewusst wahrnehmen u. erleben) habe, zu stark vom Spiegel anderer Menschen abhängig mache - so wie als Kind und Teenager. Geschäftlich habe ich ein anderes Gesicht und ich weiß, was ich kann und, dass ich gut bin. Privat, wenn es um menschliche Beziehungen und um Annäherung geht, will ich gefallen. Das allein gibt dem Gegenüber schon alle Möglichkeiten.

    Nancy : Wie war das bei dir? Hat dich dein Ex-Freund losgelassen? Wie hast du die äußere und innere Trennung vollzogen? Was machst du, wenn dich der emotionale Blues packt?

    Einen schönen + leichten Samstag für alle - LG Kopfmensch

    Guten Abend zusammen,

    ich habe bereits im letzen Jahr hier über die Trennung von meinem alkoholabhängigen Freund berichtet. Was ich damals geschrieben habe klang stark und endgültig. Es kam von meinem Kopf. Emotional habe ich es jedoch bis heute nicht geschafft, von dieser Beziehung, in der ich die Co-Abhängige bin, loszukommen.

    Mit jedem Tag Abstand und Austausch mit anderen Betroffenen, habe ich es immer wieder geschafft, zu mir finden und klar zu sagen, dass ich diese Beziehung nicht will. Ich bin die Tochter eines Alkoholikers und will nicht die Partnerin oder gar Retterin sein.

    Vom Typ her bin ich sehr direkt und sage frei raus, was ich denke. So habe ich auch meinem Ex-Freund immer wieder gesagt, dass ich der Meinung bin, er hat ein Alkoholproblem (trinkt allein, bis zum Excess, um 10.00 h, hat Blackouts, Bier ist nur für die Nachbarbesuche, verpasst keine Gelegenheit). Das hat ihn geärgert. Besonders, wenn er glaubte, dass ich nun endlich in sein verfallenes Haus ziehe und es für ihn renoviere. Heute hat er es nochmal versucht. Ich habe mich wieder in ein Gespräch verwickeln lassen, in dem es darum ging, dass er erkannt habe, dass ich von Anfang an konsequent meinen Weg (bin seit 1,5 Jahren selbständig) ginge und nicht zu ihm stehen würde. Ich wäre nicht einen Tuck bereit, mich auf ein Leben mit ihm einzulassen. Er hat mich emotional so gewuschelt und mir fast eingeredet, dass alles nur wegen mir so gekommen wäre. Er brauche eine Partnerin für’s Leben. Am Wochenende renoviere er (nach 6 Jahren Ruine) sein Haus. Es gibt nur noch eine Chance: du packst mit an und nimmst alles so hin, wie es ist. Am Ende fiel der Satz: „Und ich lasse mir von dir nicht verbieten, Bier zu trinken. Und ich will auch nicht mehr über die Alkoholsucht deines Vaters sprechen.“ Ich habe zu ihm „DANKE“ gesagt. „Das war gerade dein zentrales Anliegen in diesem Gespräch – Lebwohl.“

    Mein Problem: Die letzten Monate waren ein Auf-und-Ab, wo es Ruhephasen gab, in denen ich nach der Trennung dachte, jetzt gibt er Ruhe. Das hat er aber nicht. Ich dachte ich bin stark und resistent. Von 99 Anrufen, die ich nicht beantwortet habe, war es dann doch der 100ste, der mich wieder in eine emotionale Falle tappen ließ. Am Ende fühlte ich mich leer und entblösst. Ich weiß bereits jetzt, dass er irgendwann wieder in mein Leben springt.

    Wie kann ich mich davor schützen? Bitte lasst mich an Euren Erfahrungen in puncto Abgrenzung von einem alkoholabhängigen Partner teilhaben...

    Ich habe nicht vor, mein Leben aufzugeben. Ich habe mir vor 1,5 Jahren einen Traum erfüllt und lebe jetzt am Meer. Gleichzeitig habe ich mich selbständig gemacht. Ich brauche meine Kraft momentan dafür. Nach und nach lerne ich auch neue Leute kennen und ich spüre, dass mich das noch weiter wegbringt...

    Wie bleibe ich standhaft und halte ihn von meinen Co-Knöpfen fern? Ich weiß, dass mein Teil „Loslassen“ und "an mir arbeiten" bedeutet.

    Liebe Grüße
    Kopfmensch

    Hallo Gigi und S.Käferchen,

    danke für Eure Antworten. Ich werde meinem Instinkt folgen, egal wie steinig dieser Weg jetzt wird.

    Mittlerweile habe ich den nächsten Schritt gemacht und mich von meinem Freund getrennt. Das ist jetzt über eine Woche her. Das ist bereits das 3. Mal. Beim ersten Mal habe ich 6 Wochen nicht mit ihm kommuniziert, obwohl er auf unterschiedliche Weise versucht hat, mich herauszufordern.

    Ich bin selbständig und meine Arbeit ist in gewisser Weise öffentlich. So hat er versucht, mein Ego über meine Arbeit anzugreifen und mich kritisiert. Dann hat er wieder das Lämmchen gemimt und mir auf die Mailbox gesprochen. Die ganze Palette an emotionalen Spielchen hat er probiert. Ich habe nicht reagiert. Da ich mein Telefon auch beruflich nutze und öfter mal Telefonate mit "unbekannter Rufnummer" eingehen, denke ich nicht jedes Mal, dass er es sein könnte. So war es beim ersten Mal aber. Weil ich nicht abgenommen habe, hat er es so probiert. Nach diesem Telefonat bin ich wieder in die Falle getappt und wir haben uns wieder getroffen.

    Er hätte nachgedacht. Ich habe recht, sein Leben wäre nicht in Ordnung. Er wüsste imgrunde auch nicht (weil ich mal zugegeben habe, dass ich bisher noch keine wirkliche Liebesbeziehung zu einem Mann hatte), was eine glückliche Beziehung sei. Er überlegt, ob eine Paartherapie für uns nicht gut wäre. Ich habe ihm entgegnet, dass ich erstmal für mich selbst Heilung und einen Weg finden will. Dass in mir etwas aufbricht und ich nicht länger über meine Vergangenheit - Familienkrankheit Alkoholismus" schweigen möchte. Da ist eine Aufbruchstimmung in mir und ich könnte es nicht mehr akzeptieren, dass Andere inkl. ihm, ihre Liebe an Bedingungen knüpfen. Ich will nicht mehr funktionieren. Überhaupt glaube ich, dass wir wir nur zusammen gekommen wären, weil ich krank bin und er ein Alkoholiker. Und das unsere Geschichten wie Zahnräder greifen und wir uns gegenseitig kaputt machen.

    Nach der 2. Trennung hat er weiter auf allen Kanälen kommuniziert. Einmal kam eine SMS: "Die Arbeit ist getan. Das Wetter ist herrlich. Heute werden wir grillen. Ich fahre gleich einkaufen. Was willst Du? Wann bist Du hier?" Keine Reaktion von mir. Er hat die Trennung vollkommen ignoriert. 3 Wochen war ich konsequent. Was ich mir wünsche, ist Ruhe, damit ich diese Trennung durch Abstand verarbeiten kann. Aber ich weiß, dass er erst dann aufgibt, wenn eine neue Frau in sein Leben tritt. Das wünsche ich mir jetzt, obwohl es auch weh tut, mir das vorzustellen. Noch mehr würde es mir aber weh tun, mit ihm weiter zu machen, da ich keine Scheuklappen mehr akzeptiere und trotz der letzten beiden Rückfälle hingesehen habe. So habe ich zig leere Flaschen auf seinem Hof entdeckt und ihn beim Trinken beobachtet. Er hat mich an meinen Vater erinnert. Ich war angeekelt.

    Letzte Woche war ich das erste mal bei einer Al-Anon-Gruppe. Dort habe ich, genau wie in diesem Forum, das erste Mal das Gefühl, nicht allein zu sein und reden zu dürfen, weil die Schwere und das Leid der Familienkrankheit Alkoholismus auch andere kennen.

    Am Montag habe ich nach einem harten Telefonat mit meiner Mutter vorerst den Kontakt abgebrochen. Sie und meine Schwester erklären mich für verrückt, weil ich in puncto Vergangenheit keine Ruhe gebe und darüber reden möchte. Im Buch Familenkrankheit Alkoholismus habe ich gelesen, dass diese Reaktion möglich ist, weil ich aus dem Rollenmuster aussteige und nicht mehr wie gewohnt im Familiensystem funktioniere. Ich war immer die Starke und habe die Probleme anderer gelöst. Mein Ego wurde mit Komplimenten gefüttert. Ich will meinen Wert so nicht mehr definieren. Sondern mir selbst einen Wert geben und meine innere Stimme öfter zu Wort kommen lassen.

    Dabei brauche ich Hilfe...zur Selbsthilfe.

    Liebe Grüße
    Kopfmensch

    Hallo,

    ich bin neu in diesem Forum und benötige Hilfe.

    Ich bin eine Co-Abhängige. Mein Vater ist ein Alkoholiker. Meine Eltern sind geschieden. Ich habe eine Schwester. Aufgrund einer derzeitigen Krise, in der ich Erlebtes für mich aufdecken und verstehen will, was ich solange vergeblich versucht habe, zu bewältigen, beschäftige mich verstärkt mit meiner Vergangenheit und den Themen Alkoholismus, Co-Abhängigkeit sowie mit meiner jetzigen Beziehung.

    Ich vermute, dass mein Freund ein Alkoholiker ist. Er trinkt fast täglich Bier. Manchmal 3-4 Flaschen, dann auch wieder mehr.

    Wir hatten eine längere Zeit eine Distanzbeziehung, da ist es mir nicht aufgefallen. Jetzt, wo ich nur noch ca. 30 km von ihm weg wohne, sehen wir uns öfter. Dadurch habe ich sein Trinkverhalten verstärkt „live“ miterlebt. Er wohnt auf dem Land und ist es gewohnt, dass täglich Nachbarn und Bekannte vorbei kommen. Bei ihm heisst das „Netzwerkpflege“, da er selbständig ist und gute Kontakte zählen. Jedes Mal wird dann neben Kaffee auch Bier angeboten. Die meisten trinken Bier und er fühlt sich wohl, weil er nicht mehr alleine trinkt. Wenn ich mal dabei bin, kommen mir die Gesprächsthemen so unwichtig vor. Es wird über Gott-und-die Welt gemeckert und unterschwellig Aggression aufgebaut. Obwohl ich mich gerne unterhalte, habe ich keine Lust mitzureden und verhalte mich passiv.

    Ich habe darüber nachgedacht, wie oft ich ihn schon in den fast 1,5 Jahren Beziehungszeit betrunken erlebt habe – viel zu oft. Er hat mich diverse Male betrunken angerufen. Anfangs dachte ich, er war unterwegs und hat gefeiert. Dann hatte er mal einen Blackout und wusste nicht, ob wir S** hatten oder nicht. Ein anderes Mal wusste er nicht mehr, worüber wir am Telefon geredet haben und hat sich entschuldigt, falls er etwas Peinliches gesagt hätte. Er trinkt Bier auch gegen Hunger. Wenn er auf seinem Hof draußen herumwerkelt, wäre er manchmal zu faul, um sich etwas zu Essen zu machen. Dann trinkt er ein Bier und der Hunger ist verflogen. Er kokettiert dann damit, dass, wenn ich bei ihm wohnen würde, ich ihm ja etwas zu essen machen könnte. Wenn wir Essen gehen, kippt er den Rest Wein aus meinem Glas runter. Schließlich müssten wir dafür bezahlen. Sonst würde er ja auch Reste essen, warum nicht auch Reste trinken. Für mich hat dies eher den Charakter, bloß nichts umkommen lassen, wo ein paar Prozente seines Stöffchens drin sind.

    In puncto Probleme schiebt er die Verantwortung meist von sich weg – die Anderen sind schuld. Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, dass ich nach allem Erlebten überzeugt bin, dass er ein Alkoholproblem hat. Er hätte auch schon mal darüber nachgedacht und will es reduzieren. Ich habe in diesem Forum schon einige Beiträge gelesen, u.a. auch, dass eine Reduzierung nicht möglich ist, wenn die Droge den Menschen schon fest im Griff hat.

    Außerdem versucht er abzulenken, indem er erklärt, er trinke nicht jeden Tag. Seine Ex-Freundin wäre nach seinen Worten eine „Brandkanne“ gewesen. Aber er doch nicht, deshalb hätte er sich getrennt. Meine Vermutung geht eher dahin, dass sie mitgetrunken hat und schließlich selbst neben einem Alkoholiker versumpft ist. Mich hat er auch öfter versucht, zum Trinken zu animieren, damit sein Konsum nicht so auffällt. Ich solle das Leben nicht so eng sehen und mehr genießen, meint er. Für mich bedeutet Lebensgenuss aber etwas Anderes – das habe ich ihm gesagt. Auch, dass ich, wenn überhaupt mal ein Glas Wein zum Essen trinke.

    Mein Freund lebt in einem relativ verwahrlosten Haus, das er vor 6 Jahren auf Kredit gekauft hat. Ich lebe getrennt von ihm und so soll es von meiner Seite auch bleiben. Er drängt jetzt darauf, dass wir zusammenziehen und wir beide endlich zusammen das Leben meistern und sein Haus unser Haus werden soll. Er versucht, mich zu manipulieren, indem er meine eigenen Aussagen wie, dass ich noch keine glückliche Beziehung hatte oder, dass mein Vater ein Alkoholiker ist, gegen mich verwendet. Am liebsten wäre ihm gewesen, dass ich vor einem Jahr sofort bei ihm in seine „Bruchbude“ einziehe – das wollte ich nicht.

    Ich bin skeptisch und glaube, dass er seinem Umfeld mit mir eher ein Stück Normailtät vorgaukeln will. Er prahlt auch überall mit mir und hat zugegeben, dass er bezwecken wollte, dass seine Umwelt inkl. Eltern denken „endlich hat er mal etwas Vernünftiges auf die Beine gestellt mit seiner Beziehung“ und fühle mich wie ein Werkzeug.

    Mein Instinkt sagt mir, dass ich gehen soll. Ebenso wie er mir damals riet, nicht zu ihm zu ziehen.

    Ich würde gern Eure Meinungen dazu hören.

    LG Kopfmensch