Nachdem ich schon längere Zeit im Forum sehr sehr viel lese, möchte ich heute meine Geschichte erzählen, damit ein Beispiel geben, daß es doch so ist, wie es ist.
Ich habe meinen Exmann sehr jung geheiratet. Schon damals hat er getrunken. Das war so üblich, ich war zu jung, um zu erkennen, was Alkoholiker sind. Ich fand es normal, daß man Abstürze hat. Die Zeit verging und vor 4 Jahren kam mir schön langsam das Bewußtsein, daß er Alkohliker ist. Die Kinder, damals über 18 Jahre, zogen mit einem Mal aus. Die Gründe erfuhr ich erst später. Habe mir oft Gedanken darüber gemacht, ob ich etwas falsch machte. Sie hatten doch einen harten Kampf, um außer Haus durchzukommen. Doch sie schafften es. Ich bin stolz auf sie. Somit konzentrierte sich mein Leben noch auf meine im Haus lebende Mutter und meinen Ex. Mutter wurde krank und mein Ex trank immer mehr. Auch seine Mutter wurde ein Pflegefall. Sein verstärktes Trinken schob ich auf die Sorgen um seine Mutter. Vor einem Jahr kam meine Mutter ins Krankenhaus, um nach 4 Wochen zum Sterben nach hause geschickt zu werden. Da machte ich den ersten Schritt, um mich von meinem Mann zu trennen. Die Begründung damals war, ich kann nicht für zwei Menschen mit voller Kraft dasein. Er zog doch nach vielen Kämpfen fürs erste aus. Jedoch als meine Mutter nach hause kam, nutzte er die Chance, mir zur Seite stehen zu müssen. Ich nahm es an, hatte doch nicht mehr viel Kraft. Er war mir schon eine Stütze, doch ich bemerkte, daß er weitertrank. Anfang Oktober verstarb meine Mam und ich bekam endlich ein wenig Luft, dachte, jetzt gehst an dein eigenes Leben. Doch es kam noch einmal ein Aufschub. 6 Wochen später verstarb auch seine Mutter und ich glaubte am Todestag seinem Ausspruch: "Morgen fängt ein neues Leben nur für uns zwei an." Doch ich hatte nicht damit gerechnet, daß er es nur für sich dachte. Er schaffte es nicht, auf den Alk zu verzichten und daß bei uns wieder alles besser wird. Er trank weiter und immer mehr. Schon seit längerer Zeit hat er den Kontakt zu unseren Kindern abgebrochen. Allein das, war schon ein großer Grund für die Überlegung einer Trennung. Das hielt ich nicht aus. Die Kinder und ich haben sehr darunter gelitten. Weihnachten voriges Jahr das letzte Angebot, wir stehen zu ihm und wollen ihm helfen, damit er auf Entzug geht. Doch seine Meinung war und ist heut noch, er hat kein Problem, das hätten wir. Es verging wieder Zeit und auf einmal mit einer Kleinigkeit war das Faß voll. Ich reichte die Scheidung ein und bin seit Anfang Juli (nach dem 30. Hochzeitstag!) auch geschieden. Bis Ende September muß er seine Sachen geräumt haben. Erst dann werde ich ganz frei leben können. Seit dem Tag der Scheidung wird mir mit jedem Tag bewußt, den richtigen Weg gegangen zu sein. Er kommt immer vorbei um angeblich wieder was zu holen. Die ersten 14 Tage nach der Scheidung kam er nüchtern, aber furchtbar agressiv. Dachte, jetzt hat er es kapiert und tut wenigstens für sich etwas gutes. Doch inzwischen sehe ich, er schafft es doch nicht. Die Kinder erzählen erst heute, was sie mitgemacht haben. Mein Mann ist agressiv in verbaler Form, auch das ist eine Möglichkeit, alle unter Druck zu halten. Ich stand immer in der Mitte und habe ihn auf alle Seiten verteidigt und entschuldigt. Das war so viel Kraft, die ich investiert habe und er gab mir kein bisschen zurück. Doch geht es um ihn, wird er weinerlich und ist der Arme. Alle haben ihn verlassen. Seine geliebte Mutter und jetzt auch noch ich. Doch ich kann und will nicht mehr an ihn denken, ich habe erkannt, daß es mich auch noch gibt. Seit wir geschieden sind, habe ich vieles erledigt, was durch ihn liegengebliegen ist. Und vor allem, ich kann wieder entspannt schlafen. Manchmal hatte ich schon ein Tief, da ich dachte, ich war zu schwach, daß ich es ihm nicht beibringen konnte, daß das Leben auch anders möglich wäre. Heute weiß ich durch die vielen Beiträge im Forum, daß es so ist wie es ist. Ich bereue keinen Tag meines Entschlußes und schaue nur noch nach vorne. Das Schönste ist, daß meine Kinder wieder "NACH HAUSE" kommen und wir wieder herzlich lachen können. Die Welt ist doch so schön. Möchte mich auch für die Ehrlichkeit von allen Seiten (Alkoholiker und Co.) der Forumschreiben bedanken, ihr habt mir bis jetzt sehr viel geholfen. Dadurch verstehe ich vieles mehr.
rg