Hallo,
Ich melde mich mal wieder mit einem gedanklichen Rückblick 
Anlässlich unserer kleinen Weihnachtsfeier haben wir in der SHG jeder für sich reflektiert, wie es uns in diesem Jahr im privaten und beruflichen Bereich ergangen ist und wie wir uns in der Gruppe gefühlt haben.
Da wir eine recht große Gruppe leiten, halten wir uns als Moderatoren zurück, um den anderen Teilnehmern den nötigen Raum zu geben, um ihre Probleme anzusprechen. Gestern ergriff ich auch die Gelegenheit, mal ein wenig mehr zu meiner privaten Situation zu sagen, was mir auch gut getan hat.
Die Gruppe hat sich vor etwa einem Jahr aus einer sehr kleinen, in sich geschlossenen Gruppe entwickelt und wurde als reine Angehörigengruppe für Betroffene geöffnet, die zu uns gekommen sind, da sie sich nicht mehr selbst helfen konnten. Im Frühjahr kam ich als Verstärkung des bisherigen Moderators dazu und habe mich ziemlich schnell dort akklimatisiert.
Anfangs hatte ich als Mitglied einer konstanten Gesprächsgruppe einige Probleme mit der mitunter starken Fluktuation der Teilnehmer, bei denen sich inzwischen aber ein fester Stamm rauskristallisiert hat, der regelmäßig zu den Gruppenabenden kommt. Bei diesen Mitgliedern sind wirklich zum Teil sehr rasante Fortschritte in den Gedanken und Entwicklungen zu sehen, die auch anderen wieder Mut machen und Kraft geben, die sich noch nicht so an Veränderungen herantrauen.. 
Die Blumen der Gruppenmitglieder für meinen Mitmoderator und mich waren mir ein nettes Feedback und ein Ansporn, im nächsten Jahr auf meinem Weg weiter zu gehen.
Mir ist bewusst, dass ich manchmal sehr nahe an den Geschichten der anderen *dran* bin. In solchen Situation werden mir meine coabhängigen Anteile bewusst und ich merke, dass es für mich wichtig ist, mich abzugrenzen im Sinne von *mitfühlen, aber nicht mitleiden*. Auch wenn das oft ein regelrechter Kraftakt ist, ist es wichtig für meine eigene Stabilität.
Nur wenn wir selbst stabil sind und es uns gut geht, können wir auch für andere da sein (habe ich schon öfter bei anderen geschrieben und gilt auch für meine Person)
Solche Jahresrückblicke sind immer ein guter Anlass, mal auf meinen eigenen Weg zu schauen, welche Strecke ich schon zurückgelegt habe, welche Hürden genommen werden konnten und wo ich gerade stehe. Während ich im vergangenen Jahr eher das Gefühl der Stagnation hatte, da die Zeit für viele Dinge wohl noch nicht *reif* war, wehte in diesem Jahr ein starker Wind durch mein Leben und brachte Veränderungen mit sich, von denen ich teilweise nicht mal geträumt hatte.
Obwohl GEDULD noch immer nicht zu meinen Stärken zählt, merke ich, wie ich im Laufe der Zeit gelassener und ruhiger auch mit prekären Situationen umzugehen vermag. Noch immer ist auf einigen Baustellen nicht alles so, wie ich es mir wünsche, aber ich habe gelernt, auch mit Rückschritten umzugehen und lasse mich dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Auch wenn manche Situationen zunächst verfahren erscheinen, so lässt sich doch in der Rückschau feststellen, dass Schwierigkeiten einen tieferen Sinn haben – und sei es, dass wir daran wachsen. Auch durch Umwege kann sich die Ortskenntnis erhöhen. 
Zu den positiven Aspekten meiner Jahresbilanz gehört u.a., dass ich neben vielen kleineren Veränderungen in diesem Jahr nun auch in meine beruflichen Situation weitreichende Veränderungen nach erfolgreicher Bewerbung abzeichnen. Während im Frühjahr offenbar die Zeit für eine berufliche Weichenstellung noch nicht reif war, hat es nun geklappt und ich werde mich im neuen Jahr neuen Herausforderungen stellen. Insgesamt bin ich mutiger, neugieriger und offener geworden und bin gespannt, was noch alles auf mich zukommen wird.
Mit meinen kleinen Rückblick möchte ich allen Mut machen, dran zu bleiben – auch wenn es manchmal den Anschein hat, dass sich eine zeitlang nichts bewegt. Die Denkprozesse, die im Rahmen unserer Arbeit an uns selbst im Inneren ablaufen und die uns oft sehr viel Kraft kosten, brauchen mitunter etwas Zeit, um Außenwirkung zu entfalten und sichtbare Veränderungen einzuleiten.
Mit vorweihnachtlichen Grüßen,
Schattenspringerin