Hallo,
Ich bin ja nicht ganz von der Bildfläche verschwunden, konzentriere mich aber doch mehr auf den Tagebuchbereich....
Mal wieder ein kleines *Lebenszeichen* mit Überlegungen, die mir zurzeit im Kopf herumgehen.
Angeregt durch ein Buch über die *inneren Antreiber* -zum großen Teil basierend auf unserer Kindheit/Erziehung und zum großen Teil unbewusst verinnerlicht- mit denen wir uns oft selbst das Leben schwer machen, hat mich das Kapitel über den Antreiber *Wenn Du scheiterst, bist Du selbst schuld*.
Das persönliche Scheitern ist oft eines der schwierigsten Kapitel in unserem Leben, da Scheitern mehr bedeutet, als hin und wieder Fehler zu machen.
Scheitern bedeutet, ein gestecktes Ziel nicht erreicht zu haben bzw. in einem bestimmten Lebensbereich nicht die Erwartungen erfüllt zu haben, die ich an mich selbst gestellt habe – oder die andere an mich stellen (gestellt haben). Ein für die Umwelt sichtbares Scheitern kann sich z.B. im Scheitern einer Beziehung zeigen, wenn es zur Trennung kommt. Es kann das Scheitern eines Unternehmens sein, wenn Konkurs droht oder auch das Scheitern eines Berufswunsches, wenn erforderliche Prüfungen nicht erfolgreich absolviert werden können.
Durchfallen: fallen-hinfallen-umfallen-vom Sockel stürzen-den Halt verlieren-Hilflosigkeit...
Der Gescheiterte verliert seine Selbstachtung und fühlt sich vor der Umwelt als Versager.
Neben dem erkennbaren Scheitern gibt es aber auch das *heimliche* -von unserer Umwelt oft gar nicht wahr genommene - Scheitern, das wir selbst empfinden, wenn wir Ziele, die wir uns gesteckt haben, nicht erreichen. Oft erfährt das niemand, wenn wir nicht über unsere Ziele sprechen, so dass unsere Niederlage niemand mitbekommt. Aber es ist wichtig, wie gravierend wir selbst sie empfinden und wie wir mit unserem eigenen Scheitern umgehen.
Wenn wir in unserer Kindheit eingetrichtert bekamen, dass man nicht scheitern darf, werden wir uns deswegen verurteilen, verachten und klein machen.
Wenn wir barmherzig mit unserem Scheitern umgehen, bedeutet das nicht Bagatellisierung im Sinne von *Ist doch nicht so schlimm*. Mit einer solchen Selbttäuschung würden wir auch nicht aus unseren Niederlagen lernen. *Barmherzigkeit* bedeutet, mir die Möglichkeit des Scheiterns zuzugestehen, da ich nicht perfekt bin. Durch Scheitern habe ich die Möglichkeit, aus meinen Fehlern zu lernen, wenn ich die Schuld nicht auf andere abschiebe, sondern mich mit meinen eigenen Anteilen am Scheitern kritisch auseinander setze.
Da ich selbst sehr hohe Anforderungen an mich stelle, über die ich mein nächstes Umfeld nicht immer in Kenntnis setze , habe auch ich meine Schwierigkeiten mit dem *heimlichen Scheitern.* Ich mache die Sache dann mit mir aus und drehe mich oft mit meinen Selbstvorwürfen im Kreise. Ich werde zumindest versuchen, mich auch hier mehr zu öffnen und wenigstens mit meinem Partner über dabei entstehende negative Gefühle zu sprechen.
Leider ist es oft ein weiter Weg von der Erkenntnis zur praktischen Umsetzung....aber ich bin auf dem Weg und bleibe dran.
Vielleicht kann jemand von Euch aus diesen Überlegungen etwas für sich mitnehmen 
Einen schönen Tag wünscht,
Schattenspringer