Hallo, Ihr Lieben
Ich bin eben zurück aus dem Düsseldorfer Landtag mit vielen wertvollen Eindrücken, die ich erst noch verarbeiten muss und mit einer Reihe Informationsmaterial, das ich demnächst durcharbeiten werde.
Meine Eindrücke sind noch ganz "frisch" und dienen mir auch als Gedächtnisstütze für einen möglichen Kurzbericht in meiner SHG, denn heute habe ich es bedauert, mich nicht mit Papier und Stift bewaffnet zu haben.
Während die ersten beiden Suchtselbsthilfetage 2005 und 2007 noch auf dem Gelände einer psychiatrischen Einrichtung stattgefunden haben, wollten die Veranstalter die Suchtproblematik in die "Mitte der Gesellschaft" rücken und wählten daher den Landtag NRW.
Der Veranstalter war selbst überrascht von der überwältigenden Resonanz, denn er rechnete mit 500 Teilnehmern - angemeldet waren aber über 900, die im Plenarsaal auf den Plätzen der Abgeordneten bzw. auf der Pressetribüne Platz nehmen konnten. Für die, die keinen Platz finden konnten, wurden die Vorträge nach draußen übertragen. Wir hatten das Glück, auf der Pressetribüne sitzen zu können.
Alles war super organisiert und verlief reibungslos. Getränke und später Essen (Kartoffelsuppe mit Wurst und Brötchen) gab es umsonst, ebenso wie später Kaffee, Kekse, süße Riegel diverser Hersteller
Interessant fand ich, dass von 187 Abgeordneten sich 100 bereits im Vorfeld offiziell mit anderen Verpflichtungen "entschuldigt" hatten, wohingegen sich nur 5 offiziell zu dieser Veranstaltung gemeldet hatten. Diese stellten sich später dem Podiumsgespräch.
Es wurde angeregt, dass diejenigen dem Abgeordneten, auf dessen Platz sie heute gesessen haben, eine Mail schreiben und sich für die Unterstützung ihres Anliegens bedanken sollten
Nach der Eröffnungsrede folgte ein in meinen Augen brillianter Vortrag des Vorsitzenden des Fachausschusses der Suchtselbsthilfe (FAS = Dachverband aller Selbsthilfegruppen) Hier hätte ich mir gerne Notizen gemacht...
In der Mittagspause hatte ich das Glück, mit einem Vertreter der FAS ins Gespräch zu kommen und äußerte den Wunsch nach dem Redekonzept des Vorsitzenden. Mir wurde zugesagt, dass dies in Kürze auf der Homepage des Dachverbands nachzulesen sein werde. Dies kann ich nur jedem ans Herz legen!
Der Vortrag befasst sich mit dem Thema "Ohne Selbsthilfe wäre alles noch viel schlimmer - von der Bedeutung der Suchtselbsthilfe und Verantwortung für die Suchtselbsthilfe"
Bei den SHGs wurde vor allem gefordert, dass diese sich stärker auch in der Öffentlichkeit präsentieren, damit sie "gefunden" werden. Suchtselbsthilfe muss in die Zentren verlagert werden und weg aus Hinterhöfen oder abseits gelegenen Statteilen (Problematik der zur Verfügungstellung geeigneter Räumlichkeiten)
Wichtigkeit, wie eine SHG auf neue Mitglieder zugeht - wie wird derjenige, der sich vielleicht noch ängstlich und unentschlossen vor den Räumlichkeiten "rumdrückt" aufgenommen? Wie werden erste Berührungsängste beseitigt? Inwieweit sind SHGs mit "alten" Strukturen noch offen für neue Themen und neue Impulse?
Ermutigung auch an Frauen, sich im Bereich der Gruppenleitung zu trauen, sich stärker einzubringen...
Dann kam ein Teil, der für mich sehr wichtig war, weil ich das genauso sehe. Die "Vorbildfunktion" von LZT, die durch ihr eigenes Vorleben zufriedener Trockheit auch anderen zeigen "Du schaffst das". Dabei aber lediglich Wege aufzeigen und dem Betroffenen die Möglichkeit geben zu entscheiden, ob er diese so für sich auch gehen will (kein: du musst das so oder so machen, dann...)
Interessant fand ich ferner die Ausführungen über Sucht und Kreativangebote (um dem Betroffenen zu helfen, seine Fähigkeiten und Talente wieder - bzw. neu zu entdecken) sowie "Sucht und Sportangebote" (Sport als Füllstoff für die innere Leere)
Hinsichtlich der Kreativangebote konnte man seine Talente im Eingangsbereich des Landtags mit Leinwand und Farben ausprobieren...
Also, ich hoffe, dass sie diesen Vortrag bald ins Netz stellen, denn -so war ich mit meiner Gruppenleiterin einig- da können wir für unsere künftige Arbeit sehr viel "mitnehmen"
Im Verlaufe des Vortrags wurde die Sucht mit dem Quellgebiet eines Flusses verglichen, wo das Wasser aus verschiedenen Bereichen zusammenfließt (unterschiedliche Ursprünge der Suchtgeschichte) und sich dann zu einem großen einheitlichen Fluss zusammenfindet, der dann eben gleich verläuft.
Puuh, muss erstmal Pause machen 
RoteLampe
-glühend heiß von den heutigen Eindrücken 