Liebe Espoir,
Ich weiß nicht, ob es eine größere Herausforderung ist, eine Angehörigengruppe zu moderieren als eine Gruppe von Alkoholabhängigen, denn beide Themen betreffen mich gleichermaßen.
Als ich mich hier anmeldete, habe ich mich für den Alkoholikerbereich entschieden, weil ich meine ehebedingten Probleme versucht habe, durch übermäßigen Alkoholkonsum zu betäuben, anstatt sie anders zu lösen.
Ich habe dann gemerkt, dass ich aus der Suchtstruktur nicht herausgekommen bin, als ich schon längst getrennt war. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine damalige Therapeutin mir auf meine Vorstellung "alles wird gut, wenn ich mich erst getrennt habe" geantwortet hat "auch negative Beziehungen sind Beziehungen". Damals habe ich das nicht wirklich verstanden. Heute ist mir klar, dass sich mein ganzes Leben um meinen Mann und meine explosive Beziehung zu ihm gedreht hat, so dass ich eigene Bedürfnisse überhaupt nicht bemerkt bzw. total verdrängt hatte.
Als der Dreh -und Angelpunkt meiner Gedanken -mein Exmann- nicht mehr da war, fiel ich in ein tiefes Loch und habe die innere Leere wiederum mit Alkohol betäubt. Nach vielen Rückschlägen und Rückfällen habe ich endlich eingesehen, dass ich ein zufriedenes und ausgefülltes Leben erst führen kann, wenn der Alkohol nicht mehr meine Gedanken und Gefühle beherrscht. Mit dieser Erkenntnis begann ein lebenslanger und alles andere als einfacher Weg zurück zu mir selbst.
Ich habe entdeckt, welche kreativen Fähigkeiten in mir stecken, von denen ich überhaupt nichts geahnt habe und ich kann mir inzwischen auch immer mehr Dinge zutrauen, vor denen ich früher ängstlich zurückgeschreckt wäre. Ob sich ein Weg lohnt bzw. der Richtige für mich ist, kann ich ja erst herausfinden, wenn ich ihn beschreite. Kurskorrekturen sind immer wieder möglich und auch nötig, wenn ich merke, dass ich auf dem "Holzweg" bin.
Ich werde mir -wie es auch angedacht war- die Gruppe die nächsten 2 Wochen als ganz normales Mitglied anschauen, dabei beobachten wie der bisherige Leiter die Gruppe moderiert und dann entscheiden. Auf keinen Fall bin ich am Anfang alle mit der Moderation der Gruppe, da ich einen "erfahrenen" Mitarbeiter zur Seite haben werde. Das schafft Sicherheit....
Ich denke, dass ich mich mit dieser neuen Aufgabe selbst noch besser kennenlerne kann.
Dir ein schönes Wochenende,
RoteLampe