Beiträge von B.Nyborg

    Ich habe lange überlegt, wie sich mein weiterer Einstieg hier gestalten soll. Jetzt sitze ich vorm Rechner und schreibe doch einfach los. Seit meinem letzten Eintrag ist jede Menge passiert, ich habe viel zu viele Kilometer hinter mich gebracht, viel zu viele Stunden mit Gedankenwirrwarr wach gelegen und viel zu wenig Nahrung zu mir genommen. Aber das sind Zeiten, die ich immer mal wieder durchlebe, um dann irgendwann doch wieder bei mir anzukommen.

    Bei mir ankommen. Das ist ein Schlüsselpunkt in meinen Überlegungen. Es gibt viel Ablenkung im Leben, um sich nicht mit sich selbst beschäftigen zu müssen. Menschen, Partys, Drogen usw. usf. Eine weitere Überlegung: Wenn diese Ablenkung zur Abhängigkeit wird. Wenn z.B. auf einmal ein Mensch nicht mehr da ist und der Körper in elementaren Dingen versagt, er z.B. keinen Hunger mehr hat, keinen Schlaf mehr verträgt, keine Lust - in welche Richtung auch immer - mehr verspürt ...

    Wie dumm ist es, wenn man sich selbst nicht mehr spüren kann. Wenn das Gefühl präsent ist, dein Inneres sitzt irgendwo in einem großen Garten und hat es sich mit einem guten Buch in einem schattigen Baum bequem gemacht und egal wie sehr du suchst, du findest dich nicht. Wenn deine Gedanken inhaltlos sind und deine Worte gedankenlos. Wie dumm, wenn man eigentlich weiß, wie es ist: ich bin ich selbst!

    Jeden Tag fragen wir uns doch aufs Neue: Wer sind wir wirklich. Die Welt ist hart und jeder Tag hält neue Überraschungen bereit, die einen sind schön, die anderen lassen uns zweifeln. Im Grunde stehen wir alle vor den gleichen Problemen - mehr oder weniger - und müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Einige tun es mit Drogen, um nicht spüren zu müssen. Andere suchen sich Menschen dazu.

    Runter kommen. Von was auch immer - von Alk oder vom Menschen - ist immer schwer. Wollen bedeutet der erste Schritt und doch ist es vom Wollen zum Tun bereit sein ein harter Weg, ein langer Kampf, durchzogen von immer weiterer Ablenkung. Ablenkung von der Angst vor sich selbst.

    Warum habe ich Angst vor meinen Gefühlen und Gedanken? Verantwortung übernehmen. Verletzt werden. Verletzen. Immer vorwärts führt mich mein Weg, klar mit Umwegen, wie soll es sonst gehen. Und doch vorwärts, denn ich komme immer an - bei mir.

    Was treibt Menschen dazu, sich nicht selbst spüren zu wollen. Die Frage habe ich für mich beantwortet. Auch heute noch missfallen mir manchmal meine Gedanken und meine Gefühle. Ehrlichkeit zu selbst. Das ist oft ganz schön hart. Wer bin ich, was sind meine Wünsche, was meine Bedürfnisse. Sehr lange habe ich mich verleugnet. Mich versteckt. Klar hinter Drogen. Klar hinter Menschen. Und natürlich hinter dem ganzen Rattenschwanz der dies nach sich zieht. Ablenkung von mir selbst.

    Ablenkung mag ein ziehender Faktor sein, aber jede Unruhe und jede schlaflose Nacht zollt irgendwann seinen Tribut. Vor sich selbst kann man im Grunde nicht weglaufen. Es gibt nicht genügend Drogen dafür - nur den Tod. Es gibt auch nicht genug Menschen dafür - nur das Unglück.

    Ich wünsche euch allen einen angenehmen Abend. Bis bald.

    k.

    Hallo Nemesis, auch von mir ein herzliches Willkommen an die "Powerfrau". Dafür, dass du sagst, du bist eigentlich fast nie zornig, kommst du aber schon ziemlich zornig rüber! Und ja, sehr reflektiert. Glückwunsch! Ich erinnere mich, dass es mir ähnlich ging, nur dass ich eher den Mund hielt und im Stillen vor mich hin grämte. Ich fühlte mich auch nie zornig. Verzerrtes Selbstbild. Die eigenen Gefühle nicht sichtbar. Das wäre jetzt im Nachhinein meine Erklärung dafür. Wenn ich so vor mich hin schreibe, fällt mir spontan der Tip ein, über Opfer und Täterrollen nachzudenken.

    Ich stelle mir das ganz schwierig vor, da du ja ein Gerüst aufgebaut hast, welches jedenfalls im Gegensatz zu vorher gut zu funktionieren scheint. Das Gefühl hatte ich auch. Bis ich merkte, alles Quatsch. Unter der Oberfläche brodelte es und ich konnte das Unglück letztlich nicht abwenden. Er tat dann doch, was er wollte. Frage ich dich, was willst du??? Ich glaube das ist die Hauptfrage, die ich mir stellte. Was will ich eigentlich. Will ich immer Verantwortung für andere übernehmen? Will ich das Leben führen, so wie ich es führe? usw. Kannst du dir deine selbst gestellten Frage mit Ja beantworten, hast du eine Grundlage etwas zu verändern. Beantwortest du dir deine Fragen mit Nein, dann musst du nichts ändern. Du musst dich nur damit zufrieden geben.

    Meiner Meinung nach besteht das Leben - außer es handelt sich um Kinder - aus dem Prinzip der Selbstverantworung. Jeder sollte also für sich selbst Verantworung übernehmen. Wenn aber Einer von Zwei das für Beide tut, dann muss der Verantwortungslose sein Verhalten nicht ändern. Dann fällt mir noch das tolle Wort "Loslassen" ein. In diesem Sinne, hoffe auf weitere Ausführungen von dir. Ich zumindest glaube an dich, Powerfrau halt! Power umsetzen. Angstlos werden. Wann glaubst du an dich? Willst du an dich glauben?

    Liebe Grüße

    kk.

    darüber mache ich mir gedanken. es gibt wohl viele formen von liebe. oder vielleicht unterscheidet sich auch nur die intensität. das schlimmste - was ich mir derzeit für mich vorstellen kann - ist in abhängigkeit zu lieben. oder abhängig durch oder nach liebe zu sein. bedeutet das, dass die größtmögliche intensität von liebe abhängigkeit ist? nichts anderes habe ich kennengelernt und nichts anderes bekomme ich vorgelebt in diesem leben. von meinen eltern, meinen freunden und meinen geschwistern, meinem neuen freund. ich fühle mich manchmal wie eine, die anders denkt und deswegen für verrückt gehalten wird. damit kann ich um. aber ich sehne mich danach, jemanden zu treffen, der mir erstmals keine abhängigkeit in der liebe verspricht oder androht oder nicht weiß, wie anders. ich meine, ich habe für mich viele sachen durchschaut. auch wenn dies immer wieder bedeutet, erkennen heißt noch lange nicht danach leben. und doch begleiten mich so viele menschen, die die abhängigkeit suchen. oder vielleicht besser, die sich nicht spüren können, außer sie haben jemanden, an dem oder durch den sie sich spüren können. ich habe ideen. vielleicht sind es visionen, aber ich träume von einer besseren welt. eine welt, die einfach deshalb besser funktionieren würde, wenn jeder der mut hätte, sich anzuschauen und somit wüsste, was sein eigenes paradies ist. ich glaube, niemand kann sich wirklich erkennen, wenn er jemanden an seiner seite weiß, weil er sich dann oft nicht selbst anschaut, sondern eher auf den anderen. mag sein, dass ich mich irre. mag sein, dass ich viel von mir selbst projeziere, aber ich entdecke so viele sachen in meinen gegenübern, die ich früher selbst stoisch gelebt habe. die ich erst erkannte und teilweise auch "ändern" konnte, als ein trauma mich aus dem traum riss und ich für mich allein vorwärts gegangen bin. mich langweilt das teilweise, weil ich finde, dass jeder seine wahren wünsche kennen sollte und auch nach ihnen leben. denn dann wird meiner meinung nach auch jeder sein wahres gegenüber oder gegenstück finden. ich provoziere, ich kämpfe gegen diese langeweile. ich erkenne ziemlich schnell und erkenne an, wenn jemand seinen weg so weiter gehen will, wie schon vorher, wie immer für immer. will jedoch jemand vorwärts gehen, dann darf er mich gern begleiten. aber angenehm - glaube ich - ist das momentan nicht wirklich, eher hart. ich erlebe die liebe in abhängigkeit als die niedrigste stufe von intensität. und damit kann ich auch nicht hinterm berg halten.

    liebe grüße kk.

    Hallo ihr Lieben, wunderschön, die Gänsehaut, die ich bekomme, wenn ich das hier lesen darf...

    Ich habe heute Nacht etwas ganz Besonderes gefühlt. Mir kamen die Worte

    SELBSTBEWUSSTSEIN
    SELBSTVERTRAUEN
    SELBSTLIEBE

    in den Sinn. Und zum ersten Mal konnte ich fühlen, was diese Worte in mir auslösen. Bis dato waren diese Worte zwar in meinem Wortschatz vorhanden, aber es waren eher leere Hülsen, die immer Anschluss nach Aussen hatten. Selbstbewusstsein definierte ich mit, ja vielleicht, dass ich mich etwas traue (Jemandem etwas zu sagen). Selbstvertrauen definierte ich mit, ja vielleicht, dass ich weiß was ich tue (weiß, was ich diesem Jemand sage und nicht wirres Zeug rede). Selbstliebe... Im Sinne: ich wusste, ich muss mich selbst lieben (muss es mir sagen).

    Heute Nacht fühlte ich anders, fühlte etwas Bewegendes in meinen neuen Definitionen.

    Selbstbewusstsein - sich selbst bewusst sein - ich weiß, was ich tue / tun will / nicht will: ich bin mir meiner selbst bewusst!

    Selbstvertrauen - sich selbst vertrauen - ich handle in meiner Moral und Ethik, mit bestem Wissen und Gewissen: ich vertraue mir selbst!

    Selbstliebe - sich selbst lieben - ich bin mir meiner selbst bewusst und ich vertraue mir selbst und ich mag mich so wie ich bin: ich liebe mich selbst!

    Das zeigt mir irgendwie, dass Alles bereits in mir vorhanden ist, nur irgendwie verschoben. Durchgewürfelt. Liebe Dagmar, ich schließe mich an: Es ist schön zu sehen, wovon es viel in der Welt gibt, was eine kranke und gekränkte Seele nicht sehen konnte. Und es ist schön zu sehen, wovon es in mir viel gibt, was ich kranke und gekränkte Seele selbst nicht sehen konnte.

    Liebe Grüße

    kk.

    Vertrauen zu sich selbst. Wahrscheinlich eines der Schlüsselthemen überhaupt neben der Selbstliebe. Selbstvertrauen als Voraussetzung für Selbstliebe?!

    Vertrauen, dass nicht nur mein inneres Kind zu mir Mensch haben dürfen sollte, sondern auch meine innere Frau.

    Mir selbst vertrauen können und wissen, dass ich meine Entscheidungen auch als Frau mit bestem Wissen und Gewissen mir selbst gegenüber (bewusst und unbewusst) vertreten kann.

    Wissen (nicht nur hoffen, es zu wissen), dass ich meinen Gefühlen - auch für oder gegen einen Mann - Raum gebe und sie auslebe, um weiter zu gehen oder mich zu stoppen - je nach Bedarf.

    Ich habe meinen Vater - unbewusst - gehasst, weil er meine Mutter und somit mich verlassen hat. Gegangen ist oder gegangen worden ist - ich weiß es nicht. So habe ich immer verlassen - unbewusst Rache an meinem Vater ausgeübt!?! Meine Mutter habe ich - bewusst - gehasst, weil sie so übel kranke Männer nach meinem Vater hatte. Genau solche Männer suchte auch ich mir dann. Ode an meine Mutter???

    Ich werd mal drüber nachdenken. Irgendwann mit etwa 13/14 - ich kann mich erinnern, ich saß bei einem Arzt, dachte ich schon einmal darüber nach, muss mich nur erinnern, was ich da dachte und warum.

    Liebe Grüße

    kk.

    Ich denke und fühle weiter: Vertrauen lernen.

    Ich habe einst einer Hypnosesitzung beigewohnt, in der ich in einem wunderschönen Spiegel in einem wunderschönen Garten mein Inneres Kind kennen lernen durfte. Vor mir stand ein kleiner Junge mit zerzaustem Haar und abgefransten kurzen Hosen. Er schaute mich böse an und schnotterte mich an: Wo warst du so lange?

    Ich nahm diesen kleinen zähen Jungen mit den dünnen Beinchen in meine Arme und sagte nur: Jetzt bin ich ja da ... da standen wir, Arm in Arm und die Tränen flossen.. (ich könnte schon wieder weinen darum)

    Die restliche Sitzung haben wir im Garten gespielt, rumgetollt, Purzelbäume geschlagen, geschaukelt und viel zusammen gelacht...

    Ab diesem Moment war ich niemals mehr allein! Ich hatte ein kleines Stück zu mir gefunden. Ich wusste, wen es zu beschützen galt. Mich! Ich wusste, wen es zu lieben galt. Mich! Ich wusste, wem ich vertrauen kann. Mir!

    Ein lieber Gruß, danke für dieses Thema!

    kk.

    Liebe Pandora,

    danke für deine Worte gestern. Ja, Schmerz war wohl mein gestriger Begleiter. Meistens erlebe ich die größten Erkenntnisse im Schmerz. Sich selbst anschauen tut oft unglaublich weh und davor nicht wegzulaufen fällt oft schwer. Ich verbrachte den gestrigen Tag trotz schönstem Sonnenschein im Bett. Ich war so schwach, so krank, dass selbst ein Gang auf die Toilette ein Kraftakt war.

    Ich fühlte nur Hass und Verbitterung. Hass und Verbitterung mit selbst gegenüber. Ich dachte nicht, dass ich noch so tiefe dunkle Gefühle mir gegenüber hege. Auslöser des Ganzen waren liebevolle Gesten von Außen, die ich nicht als solche erkenne wollte. Ich wollte nicht glauben, dass ich vertrauen kann. Ich vermutete riesengroße Verbrecher hinter riesig großen Bäumen.

    Nein, ich wollte meine Augen nicht nach vorne richten. Ich musste mir ganz genau anschauen, was da in mir passiert. Ich träumte einen Traum und ich erkannte, dass wenn man lieb zu mir ist, ich durchdrehe und nur weh tun kann. Vielleicht resultierend aus meiner Geschichte, dass man nur lieb zu war, wenn etwas gewollt wurde von mir...

    Heute geht es mir besser, bin erwacht. Ich habe erkannt, dass ich manchmal vertrauen muss, dass ich das darf. Wenn ich es nicht tue, dann werde ich immer meinen Weg allein weiter gehen. Ich weiß, ich muss vorwärts schauen und gehen, um nicht einzugehen oder mich auf einer Stelle fortwährend zu drehen. Aber ich will nicht mehr jedesmal in Schönheit Hässlichkeit suchen.

    Die Sonne scheint. Es ist Zeit das Haus zu verlassen und mein Leben weiter zu führen, auch wenn es sich verändert. Auch wenn ich mehr bekomme, mehr Inhalt darin ist als nur ich. Mit bestem Wissen und Gewissen will ich der Zukunft zulächeln, ohne vor wahrer und innerer Schönheit zu flüchten.

    Ich habe vor Gemeinsamkeit zuzulassen, auch wenn es sich für mich suspekt anfühlt. Ich habe vor zu vertrauen, auch wenn eine leise böse Stimme in mir kreischt, Nein - mach das bloß nicht. Ich habe vor, helfende Hände anzunehmen. Ich habe vor, mich dem Leben und den darin auftretenden Situationen hinzugeben und mir zu vertrauen.

    Liebe Grüße

    kk.

    Liebe Verflixt,

    *** Ich trauere nicht dem Mensch hinterher. Sondern der Liebe die ich für ihn empfinden konnte. ***

    Ich finde das ist eine total schöne Erkenntnis. An diesem Punkt würde ich in mir selbst noch einmal genauer nachschauen. War es wirklich Liebe? Bis zu welchem Punkt war es wirklich Liebe? Wann wurde daraus ein sich besser fühlen, weil Jemand anderes da ist? Wann wurde daraus ein sich besser fühlen, weil ich Jemanden lieben darf? Warum brauchte ich Jemanden zum Lieben, damit es mir besser geht?

    Liebe Grüße und Umarmung

    kk.

    Liebe Doro.

    *** Du schreibst: In der Opferrolle wohlgefühlt habe ich mich, glaube ich, nicht. Ich hab mich eigentlich gar nicht so sehr als Opfer gefühlt die meiste Zeit. ***

    Das ist es, was ich meine.. In der Beziehung, also in der Ausübung des direkten Kontaktes, habe ich mich auch nicht offiziell als Opfer gefühlt. Bis ich das erkannt habe, habe ich schon viele Kämpfe ausgetragen. Es war für mich einfach selbstverständlich, dass es Konflikte gab, dass ich geben musste, um etwas zu bekommen. Dass ich das geben musste, was ich bekommen wollte: Aufmerksamkeit. Liebe. Frieden. etc. Vielleicht ist es das urtypische Bild von Liebe oder Familie, was wir in unserem Hirn gespeichert haben. Geben ist seeliger denn Nehmen. Das ist doch für mein Hirn logisch verständlich, noch mehr: es ist selbstverständlich.

    *** Du schreibst: Und deshalb, glaube ich jetzt, war ich irgendwie manipuliert. (Ja, ich weiß: Ich hab mich manipulieren lassen.) ***

    Ich bin irgendwann an den Punkt gekommen, zu erkennen, dass nicht nur ich manipuliert wurde, sondern auch selbst manipuliert habe. Wir entwickeln doch Mechanismen, um zufrieden zu stellen, um Ärger zu vermeiden, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir halten still, aber nicht nur das, wir sind dabei ja auch Aktionäre. Wir drehen uns um die eigene Achse um zufrieden zu stellen. Zeigen ein anderes Bild von uns und sei es auch nur, dass Traurigkeit mit einem Lächeln abgetan wird, um keine negative Aufmerksamkeit zu bekommen.

    *** Du schreibst: Also, man könnte es vielleicht auf den Nenner bringen: War Täterin an mir selbst. Hab mich selbst verraten. ***

    Das sehe ich genauso! Das ist auch mein Hauptnenner! Ich lebte nicht das Prinzip der Selbstverantwortung. Sicherlich ist das in meinem Beispiel etwas einfacher zu strukturieren. Ich habe keine Kinder, keine Familie in diesem Sinne. Aber letztlich kommt es immer auf das selbe hinaus. Ich will etwas von meinem Gegenüber und dafür bin ich bereit, mich selbst zu verraten oder quälen zu lassen oder in einer Situation zu verbleiben, die beiden nicht gut tut. Für mich war das so: Ich wollte meine Situation garnicht verändern - ich hatte sogar Angst davor. Klar wollte ich einen liebevollen und trockenen Partner. Aber ich war eigentlich nicht bereit, etwas dafür zu tun. Ich meinte immer, er hätte tun müssen. Schwierig das zu erklären.. Ein extremes Beispiel: Für mich war es einfacher, darauf zu bauen, dass er am Rechner saß und soff, als dass ich mich mit meinem Leben beschäftigen musste, meine Probleme regeln musste. Ich hatte ja seine Probleme direkt vor meinen Augen. Täter im Opfer.

    *** Du schreibst: sich nicht gegen etwas wehren ist nicht auf gleicher Stufe wie jemandem etwas antun ***

    Ich glaube, doch letztlich ist es das Gleiche. Wenn ich mich nicht gegen etwas zur Wehr setzt, tue ich mir (und meinen Kindern) etwas an. Und ich tue dem Alkoholiker damit etwas an. Ich denke, allein mit dem Umstand, dass ich nichts tue, trage ich ihn weiter auf meinem Rücken, er muss für sich nichts ändern; er muss für sich selbst keine Verwantwortung übernehmen. Das tue ich für ihn. Das ist mein aktiver Part. Ich stelle es mir anhand dieses Beispiels so vor: ich sehe auf der Straße einen Mann der seine Frau anschreit und ich weiß, daheim wird der sie verprügeln - und ich tue nichts außer vorbeigehen - ich tue mir dabei etwas an (so ein Mensch will ich nämlich eigentlich nicht sein, ich übernehme für mich keine Verwantwortung), ich tue der Frau etwas an (die wird verprügelt) und ich tue dem Mann etwas an (er muss/darf weiter prügeln, er muss dafür keine Verantwortung übernehmen).

    *** Du schreibst: Stellt euch einen krasseren Fall vor (so extrem wars bei uns zum Glück bei Weitem nicht!!!): Ein Mann kommt besoffen nach Hause, die Frau "provoziert", indem sie sich beschwert, er schlägt sie krankenhausreif. ***

    Da komme ich wieder zurück zu meinem vorherigen Beispiel: Hat die Frau Verantwortung für sich selbst übernommen? Klar, jetzt ist es zu spät. Jetzt ist sie definitiv Opfer! Opfer von tätlicher Gewalt! Aber hätte sie sich schon viel früher zur Wehr gesetzt, wäre gegangen und hätte die Pein an der Seite eines (aggressiven) Alkoholikers nicht so lange ertragen, wäre es wahrscheinlich garnicht erst dazu gekommen. Ja, auch ich glaube, hier kommt die Schwierigkeit Opfer und Täter an die Oberfläche. Nein, ich würde der Frau nicht erzählen, dazu gehören immer zwei. Nur die Geschichte, die vorher geschrieben wurde, dazu gehören immer zwei. Sie hat letztlich zugelassen, dass es so weit kommen kann - krass gesagt, sie hat es ihm vorher still erlaubt.. (dafür bekomme ich jetzt bestimmt einen Nackenschlag von dir/euch?!) und bleibt sie dann danach immer noch bei diesem Partner, ist sie denke ich Täter an sich selbst, Täter an dem Alkoholiker, denn sie ändert nichts für sich.

    Ich glaube auch, dass Opfer und Täter immer definiert sind mit Schuld. Und ja, ich auch ich glaube nicht, dass man Schuld mit zwei Seiten einer Medaillie erklären kann und darf. Wenn Jemand tätliche Gewalt ausübt, dann ist dieser Jemand Täter und das Opfer ist wohl auch ganz klar definiert. Wenn ich aber zulasse, dass an mir emotionale Gewalt ausgeübt wird, dann bin ich nicht nur Opfer, sondern auch Täter.

    Vielleicht habe ich mich teilweise unverständlich ausgedrückt. Opfer- und Täterrollen beschäftigen mich ständig, aber so richtig dahinter gestiegen, dass ich es in Worten richtig ausdrücken kann, was ich sagen will, ist mir vielleicht noch nicht gegeben. Derzeit fühle ich mich als Täter im Sinne von aktiv etwas tun. Mich ausprobieren. Auch das ist für mich eine Defintion von Täter sein. Ich lebe jetzt meinen Egoismus und da ist nicht viel Platz für Emotionen Anderer. Manchmal glaube ich, ich renne wie ein Elefant durch einen Porzellanladen, weil ich mir selbst sehr viel wert bin. Und ich glaube, in der Beziehung mit dem Alkoholiker erging es mir eigentlich nicht anders. Eigentlich wollte ich immer nur das Beste für mich...

    Liebe Grüße

    kk.

    Liebe Butterweich,

    ich bin - seit ich dich vor ein paar Tagen hier in diesen Worten lesen durfte - überwältigt von einem Gefühl, das wohl Freude am Nahesten kommt. Ich habe oft an dich gedacht in den letzten Monaten, seit du nichts mehr hast von dir lesen lassen und habe öfter mal ein paar gute Gedanken in deine Richtung gesandt.

    Es ist heftig ... ! Aber meistens braucht man/frau ja diese Heftigkeit um Auszubrechen. Vielleicht ist das ganze Bleiben im Szenario auch ein Akt des Kräftesammelns. Das ist es auch, was du vermittelst. Kraft. Ich lese eine kraftvolle Frau in deinen Worten.

    Kraft, endlich Hilfe zu suchen und Hilfe anzunehmen. Kraft, die Geschichte nicht als gegeben hinzunehmen. Kraft, für dich selbst einzustehen, dich selbst sehen zu wollen. Kraft, dich umarmen zu können. Kraft, endlich Schwäche zulassen zu können. Kraft, dich dem Leben zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Kraft, aufzuräumen.

    Das fühlt sich gut an! Ich bin mir sicher, dass du - nach dem Erlebten - froh sein wirst (trotz der Angst davor) Ruhe finden zu können. Es werden sicher auch noch einige Zeitpunkte vergehen, bis du dir vergeben kannst, nicht früher Etwas getan zu haben. Und es werden sicher noch viele dunkle Emotionen in dir hoch kommen, das erging denke ich Vielen von uns hier so.

    Aber ich glaube auch, dass du in deiner Kraft alles für DICH gerade rücken kannst. Wie du siehst, wenn man erst einmal einen Stein aus dem riesigen Berg entnimmt, fangen viele andere Steine automatisch mit an zu rollen. Vieles geht dann ganz schnell. Ich hoffe, du bleibst dabei, dir auf deinem Weg Hilfe zu suchen.

    Sprich Menschen an, die dir beim Umzug helfen können. Bleib weiterhin in Kontakt mit Rechtsanwalt und notfalls auch Polizei. Such dir eine Therapiegruppe oder vielleicht sogar Einzelgespräche. Depressionen und Ängste sind nach solch einer Zeit keine Seltenheit.

    Ich freue mich wirklich sehr, dich jetzt hier so zu lesen und ich wünsch dir genauso viel Power auf DEINEM Weg, wie du auf seinem Weg zum Überleben brauchtest und auch hattest.

    Ich umarm dich, weiter so, vorwärts!

    kk.

    Fressen und gefressen werden. Weit reiße ich das Maul auf und ein lautes Grollen durchfährt meine Kehle. Ich weiß, dass du es weißt - ich sehe es an deinem Blick, an deiner Angst darin, deine zitternde Stimme, wenn du mich ansprichst. Ich stürze mich schmerzlich grinsend auf dich und sauge dir das Blut aus deinen Adern. Ich zerfleische dich, reiße dich in Stücke und verteile deinen gerissenen Leib zehn Meter weit in die Gegenwart. Mit all meiner Kraft und Wut verteide ich mein Revier, verteidige mich, kämpfe um die ungeschmälerte Unabhängigkeit meines Herzens. Angriff, der beste Weg zur Verteidigung.

    Schwach und müde. Die Ringe unter den Augen werden fortwährend tiefer und dunker. Schlafen und Essen gilt allein der Lebenserhaltung, nicht mehr der Bedürfnisbefriedigung. Sehe mich anders als ich handle. Wirke anders als ich es erhoffe. Fletsche die Zähne und will doch nur an deinem Mund saugen und einen liebevollen Kuss erhaschen. Ich ertrage deine Schönheit nicht. Mir ist schlecht. Die Tränen versiegen, die Augen versagen. Der Körper ist in seiner Steifheit schlaff zu Boden gedrückt. Die Sehnsucht nach Zurück verselbstständigt sich. Keine stummen Schreie mehr. Nur noch schreiende Verbitterung. Dummheit.

    Its enough now. Will nicht mehr weh tun. Ich sage Danke für jedes Mal, wenn ich es vergaß. Ich sage Entschuldige für jedes Mal, wenn ich es nicht aussprechen konnte.

    Katrin

    Man muss sich wohl erst einmal seiner Opferrolle bewusst werden, damit man erkennen kann, dass man darin auch Täter ist.

    Selbstverständlichkeit im Nicht-Selbst-Fühlen(Wollen) - das ist es vielleicht was die Meisten von uns bei einem trinkenden (aggressiven) Partner hält/hielt. Selbstverständlich will ich eine Heile-Welt-Familie, selbstverständlich will ich gemeinsame Projekte, selbstverständlich muss ich dafür Etwas tun und Kompromisse eingehen. Selbstverständlich sehe nicht nur ICH das so, sondern mein Partner muss das doch auch so sehen. Ist doch Normal!

    Problematisch wird es dann eben, wenn mein Partner das für sich selbstverständlich anders sieht und immer weiter einfordert und Druck macht oder eben einfach nur immer weiter säuft.. Ich armes Opfer! Das Bewusst werden! Und dann wird es noch problematischer, weil wir ja diese Selbstverständlichkeit gelernt haben. Verharren! Um die eigene Achse drehen! Angst vor Verlust! Angst vorm Alleinsein! Angst vor sich selbst! Geben! Fordern und doch selbst keine konsequenten Handlungen vollbringen! Ausleben der Opferrolle!

    Selbstverständlich habe ich es verdient, dass mein Partner mich gut behandelt! Bloß darüber hinaus vergesse ich, dass auch ich mich gut behandelt muss. ICH lasse zu, dass mir weh getan wird. Ich lasse zu, dass ich immer an zweiter, dritter oder letzter Stelle stehe. Mein Blick ist immer auf meinen Partner gerichtet, er hat das (Alkohol-)Problem, nicht ich! Ich handle nicht aus eigenem Interesse, sondern aus nur in seinem Interesse! Ich bin richtig, er ist falsch.

    Und vielleicht liegt genau darin das Problem, den Täter im Opfer zu erkennen. Wir (an)erkennen nicht das Prinzip der Eigenverantwortung. Unserer eigenen Verantwortung uns selbst gegenüber! Die Eigenverantwortung unseres Partners sich selbst gegenüber - selbstverständlich müssen wir ihm schließlich helfen (wir sind ja die Starken - wir haben nicht das Problem, wir sind nicht Alkoholiker). Ein Punkt, an dem jeder weiß, wo er steht nur keiner weiß wo er ist.

    Selbstverständlich muss doch auch mein Partner dazu beitragen, dass es mein selbstverständliches Weltbild funktioniert (sein Weltbild ist ja das Falsche) - ich muss ihn nur dazu "zwingen", das so zu sehen, wie ich es sehe. Ich muss ihn nur dazu kriegen, mich so zu lieben und mich so zu tragen, wie ich es gemäß meinen Taten an ihm verdiene. Und ich schaffe das, schließlich musste ich schon so viele Kompromisse eingehen, das schmeiße ich nicht weg, dafür habe ich schon zu viel für und um uns gekämpft!

    kk.

    Liebe Verflixt,

    ich glaube, Beziehungen sollten immer eine ausgewogene Mischung aus Liebe (Gefühl) und Verstand (Denken) beinhalten. Verliebt sein ist ein Gefühl! Lieben auch! Sowie Wut und Traurigkeit ... Man kann da nichts übers Knie brechen. Wenns passiert, dann passiert es. Aus welchem Grund auch immer dein Herz angesprochen wird. Und trotzdem sollte man nie ganz den Kopf ausschalten und blind vertrauen.

    Ich glaube, du stellst dir diese Frage etwas zu früh. Bist emotional sicherlich noch an deinen Ex gebunden, also noch garnicht wirklich frei im Herzen. Hast zudem sicherlich noch so einiges Dinge mit dir in dir zu klären. Mein Vorschlag: Bleib doch erst einmal bei dir und schau was da so geht - Selbstliebe und so! Und wenn du darin gefestigt bist, dann kann der Blick auch weiter nach Außen schweifen. Und dann gehts weiter mit Aktion und Reaktion. Planbar ist Nichts! Alles ist so, wie du es willst, so wie du es dir kreeirst.

    Und ich bin mir ganz sicher: Ich kann mich mit 28 noch genauso toll verlieben, wie mit 15!

    Ich umarm dich..

    kk.

    Mit einer gewissen Ironie betrachtet, kann ich sogar schon fast wieder lachen über mich. So typisch ist es für mich, dass ich Gefühle zulasse und mich in einen Mann verknalle, der unfrei ist. Ein Mann, der 1. noch in einer Beziehung ist, die 2. auch noch auf zwischenmenschlicher Abhängigkeit und Angst vor dem Alleinsein basiert und ich 3. auf die schönen Worte herein falle, die ich schmeichelnd entgegen gehaucht bekomme, wohl wissen ... mein Bild, an dem ich herum male...! Aua Aua, Katrin, das tut weh...!

    Nun, ein paar gute Seiten hat das Ganze ja auch, denn bekanntermaßen erzählen mir diese Situationen, in die ich mich hereinschubse ja immer wieder auch viele Dinge über mich selbst...

    Ich danke euch Dreien für die Gedankenanstöße in der letzten Woche.. Habe auch einige Worte darüber geschrieben, die ich jetzt mal online stelle:

    >>>

    Was soll ich sagen, kann nicht besser klagen…
    Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken über das mich beherrschende Thema - auch in Ausübung des direkten Kontaktes mit dem mir lieb gewordenen Menschen - gemacht, versuche in mir zu fühlen, es fällt mir beides (Kontakt zu ihm und in mir fühlen) teilweise sehr schwer, teilweise bekomme ich viele lehrreiche Erkenntnisse..

    Ich merke, dass ich absolut radikal reagiere. Ich beobachte und hinterfrage einfach Alles. Ich meine negative Muster zu erkennen, die ich von mir kenne und weise konsequent darauf hin und blockiere ohne Gnade jedes Minimum dieser Art. Mein Blick darauf ist ziemlich extrem, rau, drastisch, diktatorisch streng. Würde es so beschreiben, ich vermute hinter jedem Baum einen Verbrecher. Teilweise unterstelle ich diese meine negativen Muster meinem Gegenüber. Kann es derzeit nicht ganz greifen, was ist realer Blick auf Etwas, was kommt ausschließlich aus mir und ist noch in mir.

    Ja, wohl wahr, ich kann es nicht begreifen, dass ich einfach so von einem lieben Menschen (Mann = potentieller Partner) um meinetwillen gemocht werde. Da kommen folgende bewusste Ängste an die Oberfläche:
    Bei Aussagen wie: Ich möchte mehr Zeit mit dir verbringen, dir geben, was ich zu geben habe.. befürchte ich, dass sich mein Gegenüber in seiner Entwicklung (sich selbst finden, sich selbst gern haben) an mich hängt, in meiner Bewegung mit schwimmen will, dabei nicht auf sich selbst schauend, sondern auf mich schauend. Wie ich es einst immer tat – in meiner Co-Abhängigkeit sicher viel tiefer verstrickt als er – früher genauso unbewusst, heute mit bewusstem radikalem und aggressivem Blick auf die Vergangenheit (und die Zukunft) und mich darin. Ich habe Angst, dass er sich aus den falschen Gründen binden will (dies ohne unterstellte Böswilligkeit).

    Ich habe auch bewusst Angst, mich selbst wieder zu verlieren. Mich zu sehr auf etwas Anderes als mich zu konzentrieren und dabei den Blick auf das Wesentliche zu verlieren, den Blick auf mich wieder zu verlieren. Ich bin noch nicht gefestigt. Habe gerade erst angefangen, Kräfte zu entwickeln, die über meine Selbsterhaltungstriebe hinaus gehen. Ich vermute fehlende Selbstliebe und Antrieb zu Abhängigkeitsbeziehung zu erkennen. Ich unterstelle dies. Bei Aussagen wie: Ich wünsche mir nichts sehnlicher als dass du mir vertraust.. antworte ich, wie soll ich dir zu 100 % vertrauen, wenn ich mir selbst noch nicht einmal zu 50 % vertraue?! Und wie, wenn du dir selbst nicht vertrauen kannst?!

    Ich habe Angst, noch nervöser und angespannter und verklemmter zu werden, weil auch er nervös und angespannt und tolpatschig ist. Ich mag ihn. Ich genieße die Zeit mit mir ihm. Ich schätze ihn. Ich liebe ihn. Und doch weiß ich nicht, wo er bei mir steht. In machen Momenten kann ich mir Vieles vorstellen, in manchen Momenten Nichts. Manchmal wünschte ich, er wäre mein Bruder und ich hätte ein gesetzmäßiges Anrecht auf ihn, ohne mir weiter Gedanken darum machen zu müssen. Manchmal glaube ich, ich könnte mich in ihn verlieben. Wenn ich wollte. Aber ich will nicht. Vorsichtshalber. Hier gilt es wohl noch tiefer zu schauen, um auch die unbewussten Ängste sichtbar zu machen.

    Ich habe Sehnsucht. Ich kann nicht beschreiben, was für eine Wärme meinen Bauch durchspült, wenn ich an ihn denke und dabei nicht gleich von dieser gewissen Panik in mir ergriffen werde, die nichts mit ihm zu tun hat, sondern ausschließlich in mir weilt und das schon fast mein Leben lang. Panik: ich stehe auf, mein Körper streikt, mir ist schlecht, meine Nerven liegen blank, ich kann nur denken: NEIN! NEIN! NEIN! Ich will keine Beziehung! Es fällt mir ziemlich schwer nicht einfach wegzulaufen. Es kostet mich unglaublich viel Kraft und Überwindung dies nicht einfach zu tun. Ich könnte dann nur weinen. Vor Wut und Traurigkeit..

    Ich bin überfordert im Loslassen und mich Fallenlassen. Deshalb setz(t)e ich Grenzen in Zeit und ohne Versprechen. Alles andere wäre jetzt destruktiv. Er ist eine Prüfung, die ich nur sanft dosiert bestehen kann. Denn sonst gehe ich kaputt. Ich will mich nie mehr kaputt machen. Dafür mag ich mich mittlerweile zu gern. Deshalb laufe ich nicht weg. Ich schaue ganz genau hin. Ich weiß, Zeit wird Vieles lösen, aufdecken, entdecken lassen! Ich weiß, endlich gesehen werde ich mich immer für mich entscheiden, sobald mich Etwas umgibt, was mir nicht gut tut. Jedenfalls ist das meine Hoffnung, denn mit dem Vertrauen ist das ja so eine Sache..

    Ich habe Angst, keinen Kontakt mehr zu wünschen, wenn Etwas schief geht, ohne dass er es verdient. Ich habe Angst, Verlassen zu werden, wenn ich es nicht verdiene! Ich habe Angst, dass ich es verdienen könnte. Ich habe meinen besten Freund an eine Droge verloren, gegen die es kein Gegenmittel gibt. Die Schuldigkeit in der eigenen Handlung und Nichthandlung. Empfundene Langeweile, „Desinteresse“ an der eigenen Person, andere gravierende Sozialstörungen in mir, wie z.B. emotionale Härte, Antriebslosigkeit oder Helfersyndrom usw. usf. Ich habe sogar Angst rückfällig zu werden und mich einer Sehnsucht nach der Vergangenheit hinzugeben und zurück zu gehen, wenn Etwas schief geht.

    Ich kann es auch einfach nicht begreifen, einen lieben Menschen (Mann = potentiellen Partner) um seinetwillen mögen zu wollen. Ich suche (auch) einen Lehrer. Ich suche Anforderungen, die an mich gestellt werden, an denen ich wachsen kann. Vielleicht auch Proben, die mich immer wieder erinnern, schaue auf dich selbst. Ich habe Angst mich aus den falschen Gründen binden zu wollen (z.B. auch Angst vor dem Alleinsein). Ich habe Angst, weiteren Illusionen zu verfallen. Im Wunschdenken ein Bild aufzubauen, welches nicht der Realität entspricht. Ich habe Angst, das mein Gegenüber einer dieser Scheinwahrheiten folgt.

    Ich habe eine Idee davon, wie es sich gesund anfühlen könnte und es auch sein könnte. Doch diese Idee beruht weiterhin zu sehr darauf: was wäre wenn. Wenn er (teilweise) anders wäre, als er es jetzt ist. Erwartungshaltung. Mich nehmen, wie ich bin – es zulassen; Ihn nehmen wie er ist – angemessen reagieren. Hinter jedem Baum einen Verbrecher zu vermuten ist wohl nicht die beste Lösung vorwärts zu gehen, denn somit verbieten sich intensive, schöne, lebendige Erlebnisse. 100 %es Vertrauen kann auch nicht der Weg sein, denn dies könnte wieder Abgabe von Verantwortung bedeuten. Weglaufen – ist keine Alternative mehr. Zeit, ja mit Zeit und in Ruhe. Alles zu und in meiner Zeit. Ohne Überforderung gesetzte Grenzen nach und nach abbauen mit aufgebautem Vertrauen in mich selbst.

    Verflixt(e) überblickende Analyse..? Ständiges Hinterfragen und auf Alles Acht geben, was passiert – um mich, in mir. Gespräche mit Freunden. Im Aussetzen von Situationen. Durch Wiederholungen im Tun, im Schreiben, im Denken. Reflektieren darüber. Immer – vor dem Schlafen, beim Träumen, im Zug, im Auto, beim Spaziergang, beim Zähneputzen. Mit Musik im Ohr. In Stille. Beim Leitenlassen der Finger im Losschreiben. Beim Fühlen und beim Auseinander nehmen des Gefühlten.

    <<<

    Wohlwissend ... merke ich kopfschüttelnd so beim Reflektieren des soeben auch nochmals Gelesenen! Vielleicht ist es tatsächlich das was mich gefangen hielt und ich mich selbst aufhalten wollte, hat doch Jedermann seinen "Schaden", selbst die Normalen, und ist man erst mal so tief in sich selbst eingedrungen und erkennt die Muster in sich selbst, dann kann man diese kranken Muster bei den Anderen auch nicht mehr übersehen..! Jeder geht vorwärts oder auch nicht. Aber Jeder tut es eben zu und in seiner Zeit. Auch wenn MIR das nicht gefällt...

    So freue ich mich trotzdem... jawohl, ich kann mich noch verlieben! Verlieben zulassen, wow, meine Augen haben was gestrahlt, als ich das zugelassen, losgelassen habe.. Und dann erst meine gesunde Reaktion, als ich merkte, dass mein Gegenüber nicht frei ist! Ich bin sozusagen stolz auf mich! Da nehm ich diesen kleinen Stich im Herzen gern in Kauf! Danke :)

    kk.

    Liebe verflixt,

    habe öfter mal an dich gedacht und mich gefragt, wie es dir wohl so ergehen mag. Freu mich sehr, dich hier bei mir zu lesen. Ja unruhige Zeiten hatte auch ich. Viele Erlebnisse der positiven als auch negativen Art, die sich in den letzten knapp 3 Monaten in meinem Leben ereigneten. Wie geht es mir? Gute Frage. Bis vor einer Woche hätte ich dir geantwortet, ich fühle mich emotional gefestigt. Es geht mir gut. Fragst du mich heute, wie es mir geht, dann sage ich dir, ich fühle mich nach Irgendetwas zwischen merkwürdig (nach innen) und verklemmt (nach außen).

    Seit ein paar Wochen werde ich von einem dieser offensichtlich (dazu später) anständigen Männer umworben. Das macht mich innerlich nervös und zeigt mir mal wieder, ok, da ist Etwas, was „da“ ist, schon immer da war: Etwas, dass ich bisher schwer be- und umschreiben konnte und wofür ich nun meine Definition gefunden habe: Bindungsangst.

    Die entscheidende grundsätzliche Frage, die sich bei mir oben an die Spitze drängt: ist dieser Mann der Richtige. Dabei meine ich hier nicht den Verstand, der dir sagt, ja der wird dich gut behandeln, dir die Welt zu Füssen legen, keine Drogen nehmen etc., sondern bin ich verliebt in /liebe ich diesen Mann. Ja, ob das Herz berührt wird und es ausschlägt oder auch anspringt, ist vielleicht eine gute Umschreibung. Aber ich mutmaße, dass diese Frage verneinend damit nicht zu beantworten ist, dass mein Gegenüber „anständig“ ist und mich SOMIT gebührend behandelt.

    Jeder Mensch ist doch „unanständig“ in sich. Nur die Darstellung nach Außen und die Betrachtung von Innen unterscheiden sich jeweils. Der Eine trägt es vielleicht durch Drogenkonsum nach Außen; der Zweite behandelt Frauen / Menschen wie welkes Fleisch; der Dritte ist erkennbar depressiv oder desolat im Leben und ein Vierter schweigt vielleicht über seine dunklen und dreckigen Seiten und sie zeigen sich schleichend nach und nach oder auch irgendwann explosionsartig …. Individuell nach der Geschichte und dem unverdauten bzw. unverarbeiteten Rucksack des Einzelnen (meint die jeweils eigene innere Betrachtung).

    Dass ich mir einen Partner suchte oder ich ihn mir vielleicht suche, der einer oder mehrer Süchte verfallen ist, ist für mich eigentlich nur ein Symptom meiner eigenen Sucht. Bei einem solchen Menschen kann ich diese nämlich unglaublich gut ausleben ohne auf mich selbst schauen zu müssen. Und behandelt er mich dann auch noch schlecht ist dies doch sozusagen ansich nur ein Paradebeispiel dessen. Aber ob das was mit wirklicher Liebe zu tun hat, wage ich zu verneinen. Genauso wie ich es verneinen würde, wenn ich mir Jemanden suche, der mich auch - ohne Drogen zu konsumieren - schlecht behandelt.

    Ich schreibe auch gerade über das Thema „Mein Suchtgedächtnis“, was das alles umfassend für mich bedeutet und für Konsequenzen nach sich zieht. Vielleicht stelle ich das demnächst auch mal online, aber ich bin noch nicht fertig mit dem Durchdenken. Vorstellbar ist so für mich Bindungsangst die große Überschrift des ganzen Buches und erhält in jeweilig momentaner Zeit gesehen viele kleine gesonderte Überschriften zu vielen beinhaltenden Kapiteln. Die geht nämlich meiner Meinung nach viel tiefer und ist abgründiger.

    Gefallen wollen und damit verbundene Selbstkontrolle (teilweise definiert als Gegenrechnung und damit als gutes Mittel, um Wachstum zu erlangen) aber auch definiert als Überwachung und damit Grenzsetzung (was genau das Gegenteil bewirkt von dem was ich erreichen möchte). Unsicherheit, ob ich sein will, wie ich bin oder durch meine Entwicklung werde (merkwürdig nach innen) und Angst Kontrolle abzugeben und zu Fallen ohne eine Sicherheit aufgefangen zu werden (verklemmt nach außen). Genau so würde ich gerade jetzt meine Stimmung erklären, die mich derzeit ständig in irgendeiner Form gedanklich und gefühlt verschlingt.

    Eine Stimmung die ich sicherlich auch als Anerkennungsproblem (von allen geliebt /gemocht werden zu wollen) definieren würde und ich somit auch ganz klar behaupten würde, mich plagt mal wieder mein Definitionsproblem, ich also versuche, mich über äußere Faktoren zu definieren und nicht über mich selbst (alles Kapitel dessen und auch nur einige von Vielen, was Bindungsangst gerade für mich bedeutet).

    Im Umkehrschluss besagt das für mich im Innen: Den Anderen zu nehmen, wie er ist. Und nicht, wie ich ihn haben möchte! Und ich dann angemessen reagiere. Was bedingt, dass ich gelernt habe oder ich gewillt bin, mich selbst so zu nehmen, wie ich bin, sich selbst anzunehmen mit all meinen Macken und meinen Grenzen (was mir derzeit sehr sehr schwer fällt und was wiederum bedingt, dass man sich selbst mit sich beschäftigt und sich selbst den Raum und die Zeit nimmt, sich selbst anzuschauen und zu erkennen, auch wenn es weh tut und das tut es meist immer).

    Eine Erklärung die ich finde und die in Bezug auf Bindungsangst sicherlich fast immer und von Jedem unterstrichen und fett gedruckt angekreuzt werden kann, ist dass wenn man als Kind nicht geliebt wurde, man ein Erwachsener wird, der nicht lieben kann. Und doch wird diese Argumentierung ungültig, wenn man aus Kinderschuhen hinaus wächst und „Schuldfragen“ ursprünglich nur noch im eigenen Selbst beantwortet werden können und ein Weitergehen voraussetzt, dass bewusst oder unbewusst übertragene Schuld umgewandelt wird in eigene Verantwortlichkeit. Was wiederum bewirkt, dass sich eine innere Stärke entfaltet, die dann erst im Außen angewandt werden kann.

    Arg ausgeholt hoffe ich, dass meine Gedanken dazu jetzt mehr oder weniger verständlich sind.

    Aber liebe verflixt, wie geht es dir?

    Liebe Umarmung

    kk.

    Hört das innere akute Leid auf den Leib zu schwächen und ihn damit zu sättigen, dann treten die tieferen Blockaden wieder zu Tage viel näher an die Oberfläche. Zum Beispiel Bindungsangst. Die Tage stelle ich fest, wie gehemmt ich mit Liebe zu anständigen Männern umgehe.

    Eingeschüchtert und mit nervöser verdünnter Natur reagiere ich auf diese Leidenschaften. Herzenswünsche, die ich zwar in mir trage und doch nicht traue sie nach außen zu tragen. Verklemmt würde ich mich bezeichnen.

    Mal unabhängig betrachtet von meinen Suchtfaktoren: Ich suchte Männer, die nach Gefahr rochen. Denen Verantwortung nichts bedeutete und die mir Geschichten „versprachen“, die von Anfang an Probleme mit sich brachten und von Anfang an keine Endgültigkeit zusicherten. So ist es wohl. Das Herz verlor sich nicht im Manne, sondern in der Geschichte, die Spannung verhieß.

    Jetzt in diesem Moment kommt es mir vor, dass das Herz nicht mehr verklebt ist von Schmerz und Traurigkeit, denn Zeit heilt. Möglich, dass das Herz nun danach strebt, neue Wege auszuprobieren. Wege, die der Verstand noch nicht bereit ist, sie zu gehen und es auch noch nie war.

    Es macht mir Angst und lässt mich nach innen flüchten. Eine Veränderung im Vorwärts gehen, die mich stehen bleiben lässt, die mich einklemmt. Angst auf unsicheren Beinen umzukippen und zu Fallen, ohne Sicherungsseil und ohne Sicherungsnetz, was Schmerz, Leid und Traurigkeit bisher immer für mich bedeuteten.

    kk.