Mit einer gewissen Ironie betrachtet, kann ich sogar schon fast wieder lachen über mich. So typisch ist es für mich, dass ich Gefühle zulasse und mich in einen Mann verknalle, der unfrei ist. Ein Mann, der 1. noch in einer Beziehung ist, die 2. auch noch auf zwischenmenschlicher Abhängigkeit und Angst vor dem Alleinsein basiert und ich 3. auf die schönen Worte herein falle, die ich schmeichelnd entgegen gehaucht bekomme, wohl wissen ... mein Bild, an dem ich herum male...! Aua Aua, Katrin, das tut weh...!
Nun, ein paar gute Seiten hat das Ganze ja auch, denn bekanntermaßen erzählen mir diese Situationen, in die ich mich hereinschubse ja immer wieder auch viele Dinge über mich selbst...
Ich danke euch Dreien für die Gedankenanstöße in der letzten Woche.. Habe auch einige Worte darüber geschrieben, die ich jetzt mal online stelle:
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Was soll ich sagen, kann nicht besser klagen…
Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken über das mich beherrschende Thema - auch in Ausübung des direkten Kontaktes mit dem mir lieb gewordenen Menschen - gemacht, versuche in mir zu fühlen, es fällt mir beides (Kontakt zu ihm und in mir fühlen) teilweise sehr schwer, teilweise bekomme ich viele lehrreiche Erkenntnisse..
Ich merke, dass ich absolut radikal reagiere. Ich beobachte und hinterfrage einfach Alles. Ich meine negative Muster zu erkennen, die ich von mir kenne und weise konsequent darauf hin und blockiere ohne Gnade jedes Minimum dieser Art. Mein Blick darauf ist ziemlich extrem, rau, drastisch, diktatorisch streng. Würde es so beschreiben, ich vermute hinter jedem Baum einen Verbrecher. Teilweise unterstelle ich diese meine negativen Muster meinem Gegenüber. Kann es derzeit nicht ganz greifen, was ist realer Blick auf Etwas, was kommt ausschließlich aus mir und ist noch in mir.
Ja, wohl wahr, ich kann es nicht begreifen, dass ich einfach so von einem lieben Menschen (Mann = potentieller Partner) um meinetwillen gemocht werde. Da kommen folgende bewusste Ängste an die Oberfläche:
Bei Aussagen wie: Ich möchte mehr Zeit mit dir verbringen, dir geben, was ich zu geben habe.. befürchte ich, dass sich mein Gegenüber in seiner Entwicklung (sich selbst finden, sich selbst gern haben) an mich hängt, in meiner Bewegung mit schwimmen will, dabei nicht auf sich selbst schauend, sondern auf mich schauend. Wie ich es einst immer tat – in meiner Co-Abhängigkeit sicher viel tiefer verstrickt als er – früher genauso unbewusst, heute mit bewusstem radikalem und aggressivem Blick auf die Vergangenheit (und die Zukunft) und mich darin. Ich habe Angst, dass er sich aus den falschen Gründen binden will (dies ohne unterstellte Böswilligkeit).
Ich habe auch bewusst Angst, mich selbst wieder zu verlieren. Mich zu sehr auf etwas Anderes als mich zu konzentrieren und dabei den Blick auf das Wesentliche zu verlieren, den Blick auf mich wieder zu verlieren. Ich bin noch nicht gefestigt. Habe gerade erst angefangen, Kräfte zu entwickeln, die über meine Selbsterhaltungstriebe hinaus gehen. Ich vermute fehlende Selbstliebe und Antrieb zu Abhängigkeitsbeziehung zu erkennen. Ich unterstelle dies. Bei Aussagen wie: Ich wünsche mir nichts sehnlicher als dass du mir vertraust.. antworte ich, wie soll ich dir zu 100 % vertrauen, wenn ich mir selbst noch nicht einmal zu 50 % vertraue?! Und wie, wenn du dir selbst nicht vertrauen kannst?!
Ich habe Angst, noch nervöser und angespannter und verklemmter zu werden, weil auch er nervös und angespannt und tolpatschig ist. Ich mag ihn. Ich genieße die Zeit mit mir ihm. Ich schätze ihn. Ich liebe ihn. Und doch weiß ich nicht, wo er bei mir steht. In machen Momenten kann ich mir Vieles vorstellen, in manchen Momenten Nichts. Manchmal wünschte ich, er wäre mein Bruder und ich hätte ein gesetzmäßiges Anrecht auf ihn, ohne mir weiter Gedanken darum machen zu müssen. Manchmal glaube ich, ich könnte mich in ihn verlieben. Wenn ich wollte. Aber ich will nicht. Vorsichtshalber. Hier gilt es wohl noch tiefer zu schauen, um auch die unbewussten Ängste sichtbar zu machen.
Ich habe Sehnsucht. Ich kann nicht beschreiben, was für eine Wärme meinen Bauch durchspült, wenn ich an ihn denke und dabei nicht gleich von dieser gewissen Panik in mir ergriffen werde, die nichts mit ihm zu tun hat, sondern ausschließlich in mir weilt und das schon fast mein Leben lang. Panik: ich stehe auf, mein Körper streikt, mir ist schlecht, meine Nerven liegen blank, ich kann nur denken: NEIN! NEIN! NEIN! Ich will keine Beziehung! Es fällt mir ziemlich schwer nicht einfach wegzulaufen. Es kostet mich unglaublich viel Kraft und Überwindung dies nicht einfach zu tun. Ich könnte dann nur weinen. Vor Wut und Traurigkeit..
Ich bin überfordert im Loslassen und mich Fallenlassen. Deshalb setz(t)e ich Grenzen in Zeit und ohne Versprechen. Alles andere wäre jetzt destruktiv. Er ist eine Prüfung, die ich nur sanft dosiert bestehen kann. Denn sonst gehe ich kaputt. Ich will mich nie mehr kaputt machen. Dafür mag ich mich mittlerweile zu gern. Deshalb laufe ich nicht weg. Ich schaue ganz genau hin. Ich weiß, Zeit wird Vieles lösen, aufdecken, entdecken lassen! Ich weiß, endlich gesehen werde ich mich immer für mich entscheiden, sobald mich Etwas umgibt, was mir nicht gut tut. Jedenfalls ist das meine Hoffnung, denn mit dem Vertrauen ist das ja so eine Sache..
Ich habe Angst, keinen Kontakt mehr zu wünschen, wenn Etwas schief geht, ohne dass er es verdient. Ich habe Angst, Verlassen zu werden, wenn ich es nicht verdiene! Ich habe Angst, dass ich es verdienen könnte. Ich habe meinen besten Freund an eine Droge verloren, gegen die es kein Gegenmittel gibt. Die Schuldigkeit in der eigenen Handlung und Nichthandlung. Empfundene Langeweile, „Desinteresse“ an der eigenen Person, andere gravierende Sozialstörungen in mir, wie z.B. emotionale Härte, Antriebslosigkeit oder Helfersyndrom usw. usf. Ich habe sogar Angst rückfällig zu werden und mich einer Sehnsucht nach der Vergangenheit hinzugeben und zurück zu gehen, wenn Etwas schief geht.
Ich kann es auch einfach nicht begreifen, einen lieben Menschen (Mann = potentiellen Partner) um seinetwillen mögen zu wollen. Ich suche (auch) einen Lehrer. Ich suche Anforderungen, die an mich gestellt werden, an denen ich wachsen kann. Vielleicht auch Proben, die mich immer wieder erinnern, schaue auf dich selbst. Ich habe Angst mich aus den falschen Gründen binden zu wollen (z.B. auch Angst vor dem Alleinsein). Ich habe Angst, weiteren Illusionen zu verfallen. Im Wunschdenken ein Bild aufzubauen, welches nicht der Realität entspricht. Ich habe Angst, das mein Gegenüber einer dieser Scheinwahrheiten folgt.
Ich habe eine Idee davon, wie es sich gesund anfühlen könnte und es auch sein könnte. Doch diese Idee beruht weiterhin zu sehr darauf: was wäre wenn. Wenn er (teilweise) anders wäre, als er es jetzt ist. Erwartungshaltung. Mich nehmen, wie ich bin – es zulassen; Ihn nehmen wie er ist – angemessen reagieren. Hinter jedem Baum einen Verbrecher zu vermuten ist wohl nicht die beste Lösung vorwärts zu gehen, denn somit verbieten sich intensive, schöne, lebendige Erlebnisse. 100 %es Vertrauen kann auch nicht der Weg sein, denn dies könnte wieder Abgabe von Verantwortung bedeuten. Weglaufen – ist keine Alternative mehr. Zeit, ja mit Zeit und in Ruhe. Alles zu und in meiner Zeit. Ohne Überforderung gesetzte Grenzen nach und nach abbauen mit aufgebautem Vertrauen in mich selbst.
Verflixt(e) überblickende Analyse..? Ständiges Hinterfragen und auf Alles Acht geben, was passiert – um mich, in mir. Gespräche mit Freunden. Im Aussetzen von Situationen. Durch Wiederholungen im Tun, im Schreiben, im Denken. Reflektieren darüber. Immer – vor dem Schlafen, beim Träumen, im Zug, im Auto, beim Spaziergang, beim Zähneputzen. Mit Musik im Ohr. In Stille. Beim Leitenlassen der Finger im Losschreiben. Beim Fühlen und beim Auseinander nehmen des Gefühlten.
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Wohlwissend ... merke ich kopfschüttelnd so beim Reflektieren des soeben auch nochmals Gelesenen! Vielleicht ist es tatsächlich das was mich gefangen hielt und ich mich selbst aufhalten wollte, hat doch Jedermann seinen "Schaden", selbst die Normalen, und ist man erst mal so tief in sich selbst eingedrungen und erkennt die Muster in sich selbst, dann kann man diese kranken Muster bei den Anderen auch nicht mehr übersehen..! Jeder geht vorwärts oder auch nicht. Aber Jeder tut es eben zu und in seiner Zeit. Auch wenn MIR das nicht gefällt...
So freue ich mich trotzdem... jawohl, ich kann mich noch verlieben! Verlieben zulassen, wow, meine Augen haben was gestrahlt, als ich das zugelassen, losgelassen habe.. Und dann erst meine gesunde Reaktion, als ich merkte, dass mein Gegenüber nicht frei ist! Ich bin sozusagen stolz auf mich! Da nehm ich diesen kleinen Stich im Herzen gern in Kauf! Danke 
kk.