Beiträge von B.Nyborg

    Hey Amai. Es ist auch total schön für mich, dich zu lesen. Danke, dass du mich begleitest.

    Es ist für mich so sehr schwierig, "Päckchen zurück zu geben", weil ich im Grunde nichts erkennen kann, was nicht meins ist. Ich selbst habe das Suchtverhalten meines Onkels nicht wirklich mitbekommen, weil ich noch sehr sehr jung war, bevor er aus der Familie "ausgestoßen" wurde.

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    Einschub: ich hab ein Päckchen an alle :) ich gebe meiner ganzen lieben Familie mütterlicherseits die Wut auf die Welt und Leben zurück. Ich bin nicht mehr wütend, ich bin dankbar.
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    Meinen Großvater habe ich nicht einmal kennengelernt, bevor er gestorben ist. Also die Situation des Entstehens fehlt mir komplett. Ich habe zwar die Handlungsweisen und Muster meiner Eltern, Großeltern angenommen, aber somit sind es ja meine Handlungsweisen. Die ich mein bisheriges Leben als gegeben hingenommen habe und wie gesagt, dachte, ich bin halt nicht ganz frisch im Kopf und eben Anders! Es ist so was von nicht greifbar. Diese Seite meiner Familie, das sind alle ganz liebe Menschen, aber sie tun sich schwer damit, für sich selbst einzustehen, sich selbst lieb zu haben, sich selbst schön zu finden oder eben auch mal zu streiten oder eher über eher weniger schöne Dinge zu sprechen.

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    Einschub: noch eins :) ich gebe vor allem meiner lieben Mutter das Päckchen zurück, dass ich nicht über meine Gefühle wie Hilflosigkeit und Wut und Traurigkeit reden kann, für mich einstehen kann und mir selbst nicht wichtig genug bin, es zu tun. Ich kann es zumindest schreiben.
    Ich gebe ihr wohl das Päckchen der Handlungsunfähigkeit - anstatt zu nur zu weinen oder anstatt in die Luft zu starren und nichts mehr zu sagen oder anstatt die Menschen um mich herum wegzustoßen.
    Wow, da fällt mir gleich noch eins ein (ich lach mich kaputt): ich gebe ihr und auch meiner Schwester einfach noch das Päckchen der Ich-hab-vor-allem-Angst zurück. Hey.. das macht Spaß ...
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    Ich meine, es geht ja nicht nur ums Erkennen, es geht ja ums Fühlen und wirkliche Wissen, damit ich handeln kann. Da kann mir jeder viel erzählen, aber wenn ich es nicht als meine Wahrheit erkenne oder besser fühle tief in meinem Herzen, dann nützen die ganzen vielen guten Worte ja nix. Aber ich weiß einfach gerade nicht.

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    ich weiß jetzt schon ein bisschen mehr...
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    Ich habe das Gefühl, ich habe alles ausgeklammert. Ich kann mich an viele Sequenzen meiner Kindheit nicht einmal erinnern, oder aus der Jugendzeit, oder auch aus der Zeit mit meinem geliebten Abhängigen. Als ob ich eine Tür zu gemacht habe, den Schlüssel weggeschmissen hab und jetzt noch nicht einmal die Tür wieder finde.

    Ich konnte die ganze Zeit nicht verstehen, was das Jetzt mit dem Davor zu tun hat. Es ist gut, wenigstens das jetzt zu wissen.

    Ich muss jetzt los, mein Magen knurrt vom Nicht-vom-Rechner-weg-kommen...

    Ich umarm dich. Danke! Auf bald.

    kk.

    Hallo Ich,

    Montag ist mir so richtig bewusst geworden, dass das was ich für mich aufzuarbeiten habe, viel tiefer und länger in die Zeit zurück geht, als ich noch nicht einmal auf der Welt war. Alkohol scheint bereits in mindestens der 3. Generation ein Problem in unserer Familie (mütterlicherseits) zu sein. Mein Onkel ist (wohl trockener) Alkoholiker und mein Großvater war es offenbar auch in der aggressivsten Form (die Kinder sind durch Vergewaltigung "entstanden" etc.), die es wohl gibt.

    Ich habe gefühlt und erkannt, dass diese ewigen Muster und Kreise in meinem Hirn und Herzen nicht nur mein Leben arg beeinflussen, sondern auch das Leben meiner Mutter und meiner Großmutter und somit auch das Leben der Geschwister meiner Mutter und auch das meiner Geschwister. Und meine für mich zerstörerischen Verhaltensweise wurden somit wohl auch antrainiert, angelernt, mir in meine Kinderschuhe gelegt.

    (Mir wurde von diesem Gedanken und dem empfundenen Gefühl ganz schlecht. Mein Körper fühlt sich noch heute extrem schwach und krank an.)

    Ich konnte fast alle meiner "falschen" Denk- und Gefühls-Muster auch bei meinen Angehörigen erkennen. Das konnte ich auch schon früher, aber ich habe es - wie gesagt - nie mit Alkoholismus in Verbindung gebracht. Ich dachte, wir wären allgemein alle ein bisschen depressiv und ein bisschen verdreht quer im Kopf.

    Die soeben genannten Co´s meiner Familie sind nicht bereit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen; sie haben sich damit arrangiert. Dast Thema ist eher Tabu bei uns, es wird darüber geschwiegen - wie über so Vieles. Ich bin die Erste, die sich dem Thema annimmt und werde also die Erste sein, die diese Muster (hoffentlich) aufbricht und nicht an meine Vielleicht-Mal-Irgendwann-Kinder weitergebe.

    Und mir ist klar geworden, dass ich dieses Ausmaß an über 3 Generationen unverarbeiteten Energien nicht allein meistern kann. Ich habe mich entschlossen in pychologische Einzelbehandlung zu gehen. Weil ich vieles einfach überhaupt nicht greifen kann. Nicht gedanklich anfassen kann, weil es überhaupt nicht in meinem Kopf exisitiert. Ich wünschte mir, ich könnte wie Amai Päckchen packen und sie verschicken, aber das gelingt mir nicht.


    Elocin hat mir geschrieben:

    "Das Gefühl kenn ich auch, schau es dir mal ganz genau an wo es her kommt, es kommt aus deinem Inneren. Ich habe mir gute Gefühle nicht erlaubt."

    Und ich habe versucht zu schauen. Aber alles was ich gesehen habe, war ein großes dunkles scharzes Loch in mir. Das war wirklich traurig. Ich sehe was das angeht einfach garnichts. Ich habe diese falschen Strukturen schon mein Leben lang in mir und ich bin derzeit nur fähig, an der Oberfläche zu dümpeln. Und schon ein kleiner Schnitt in die Tiefe reißt anscheinend unendlich viele Narben auf, so dass ich nur blutende Flüsse sehe, empfinde, denke - und das mir als ängstlicher Nichtschwimmer. Ich bin mir gedanklich total bewusst und doch bin ich gefühlsmäßig so weit weg von mir. Und ich verstehe es einfach (noch) nicht. Es ist alles in mir, ich find einfach nicht den Weg dahin.

    Und weil ich mich selbst so schlecht fühlen kann, habe ich immer jemand gebraucht, über den ich mich fühlen kann, und wenn es wenigstens Ein-Schlecht-Fühlen ist.

    Ich habe aber auch noch etwas sehr Postives erkannt; habe vor kurzem eine - finde ich - sehr gesunde Handlung vollbracht. Bin vor kurzem umgezogen. Wollte eigentlich zu einer lieben Frau ziehen (WG), habe mich aber im allerletzten Moment dagegen entschieden und bin doch wieder in meine eigene kleine Wohnung gezogen (es fühlte sich einfach für mich richtiger an und bin meinem Instikt gefolgt). Danach habe ich mich mit Selbstvorwürfen gequält (hängen lassen etc.). Jetzt weiß ich, auch diese liebe Frau ist Alkoholkrank. Ich habe mich instinktiv vor der zweiten (oder auch dritten, vierte oder fünfte ...) Runde Co-will-nicht-Erkennen bewahrt.

    Ein lieber Gruß an mich.

    k.

    Ich grüße euch. Ich bin in diesem Forum eigentlich mehr im Co-Bereich unterwegs. Und ich weiß auch nicht genau, ob ich mit meinem Thema jetzt hier in diesem Bereich richtig bin - die lieben Moderatoren hier werden es wissen und mich ggf. verschieben..

    Ich habe da mal ein paar Fragen auch an die stoffgebundenen Abhängigen unter uns. Meiner Co-Abhängigkeit nunmehr bewusst und auch wieder allein auf dem Weg versuche ich zu mir zu schauen und meine verknoteten Gedanken und Gefühle zu bearbeiten. Vor ein paar Tagen ist mir jedoch erst bewusst geworden, dass das was ich für mich aufzuarbeiten habe, viel tiefer und länger in die Zeit zurück geht, als ich noch nicht einmal auf der Welt war. Mein Onkel (mütterlicherseits) ist (wohl trockener) Alkoholiker und mein Großvater war es offenbar auch in der aggressivsten Form, die es wohl gibt. Dergestalt habe ich erkannt, dass diese ewigen Muster und Kreise in meinem Hirn und Herzen nicht nur mein Leben arg beeinflussen, sondern auch das Leben meiner Mutter und meiner Großmutter und somit auch das Leben der Geschwister meiner Mutter und auch das meiner Geschwister. Alkohol scheint also bereits in mindestens 3. Generation ein Problem in unserer Familie zu sein. Und meine für mich zerstörerischen Verhaltensweise wurden somit wohl auch antrainiert, angelernt, mir in meine Kinderschuhe gelegt.

    Ich würde gerne mehr über die Geschichte ansich erfahren. Die soeben genannten Co´s meiner Familie sind nicht bereit, sich mit dem Thema der Geschichte auseinanderzusetzen. Von Ihnen erfahre ich nichts und ich will auch keine Wunden aufreißen, die noch nicht geöffnet werden sollen. Mein Großvater ist bereits verstorben, den kann ich also nicht ansprechen. Mein Onkel lebt, der Kontakt zwischen uns ist allerdings auch erst jetzt (nach über 20 Jahren) wieder zögerlich über ein Treffen bei meiner Großmutter entstanden.

    Ich frage mich, ob ich mich mal mit ihm treffen soll. Ich weiß nicht genau, ob er wirklich trocken lebt - wie gesagt - der wenige Kontakt (Sms zu seinem Geburtstag seit 2 Jahren). Aber ich frage mich auch, ob das gut für ihn ist? Will man als Alkoholiker darüber reden? Reiße ich vielleicht auch bei ihm wieder alte Wunden auf? Kann ich so einen Rückfall riskieren, provozieren? Steht es mir überhaupt zu einen mir fast fremden Menschen solche Fragen zu stellen? Ich bin manchmal nicht unbedingt die Feinfühligste, wenn es darum geht, Fragen zu stellen. Er wohnt auch sehr weit weg und es ist mir kaum möglich, so einen steten persönlichen Kontakt zu ihm zu suchen, außer vielleicht übers Telefon, aber fragt man solche Sachen übers Telefon? Redet man über solche brisanten Themen übers Telefon? Und überfordere ich ihn nicht, wenn ich einfach mal so anrufe und ihm einfach so meine Fragen stelle?

    Sind meine hier gestellten Fragen vielleicht sogar dumme Fragen?

    Ich bin für Anregungen aller Art sehr dankbar.

    k.

    Liebe Hope, ich hoffe, es geht dir gut!!! Ich habe eine lange lange Zeit keine Gedanken mehr aufgeschrieben, im Grunde seit ich mich auf meinen mir geliebten Abhängigen eingelassen habe. Erst jetzt kommt alles wieder... Auch mein Selbstbewusstsein dahin. Ich wollte dir einfach nur ein paar liebe und umarmende Worte hier lassen, auch weil ich den Beitrag von crevette gerade gelesen habe. Vielleicht tröstet es ein bisschen...


    Ich umarme dich ganz fest und wünsche dir Kraft-Kraft-Kraft!!!

    kk.

    Liebe Amai.

    Pause habe ich auch gemacht, aber nur vom Schreiben. Gedacht und gefühlt habe ich ganz viel. Und auch einige Infos gesammelt. Gestern war mir ganz schlecht davon. Aber ich werd das alles nochmal in meinem Treat runterschreiben. Aber das auch nicht mehr heute.

    Wollt nur kurz das hier da lassen:

    edit Bitte Regeln beachten und keine anderen Internetseiten kopieren. Danke

    Ich umarm dich fest und wünsche dir einen schönen Abend, bis bald.

    kk.

    Es ist Sonntag und der Himmel weint. Ich würde es auch gern tun.

    Ich habe so viele Gedanken, die sich schleppen und im Kreis drehen. Ich war gestern Abend mit einem "Verehrer" essen. Wir hatten einen super Abend, haben viel gequatscht und auch gelacht. Er ist so ein einfühlsamer und toller Mann und Mensch. Ich konnte mich mal wieder loslassen, mein Leben aus der Seitwärtsperspektive betrachten, auch mal wieder über mich lachen. Ich mag ihn wirklich sehr. Aber schon seit ich ihn kenne (seit ca 1 Jahr), kann ich zwar unsere gelegentlichen freundschaftlichen Treffen genießen, bekomme aber jedesmal unmittelbar danach eine heiden Angst tief in mir drinnen. Ich habe dann das Gefühl, flüchten zu müssen. Angst vor dem Schönen im Leben, würde ich es nennen. Angst glücklich zu sein. Angst, dass es mir gut gehen könnte. Es ist nicht so, dass er irgendwelche Versuche unternimmt, mich einzufangen. Aber jedesmal danach fühle ich mich so gefangen / so befangen.
    Mir sind schon so einige wirklich nette Menschen in Gestalt eines Mannes über den Weg gelaufen. Sie haben mich bisher dann als Mann nur einfach nicht mehr intessiert; ich bin geflohen in die Arme eines Mannes, der hart genug war für mich. Nun aber ist es anders. Ich interessiere mich wirklich für diesen Mann (und diesmal nicht nur als Mensch), ohne natürlich dass ich gerade jetzt irgendetwas übers Knie brechen will - nein damit lasse ich mir insgesamt noch ganz viel Zeit! Aber ich frage mich, ob ich überhaupt irgendwann einmal in der Lage sein werde, eine gesunde Beziehung mit einem gesunden Menschen/Mann zu führen. Ohne Fluchtgedanken.

    Auch lastet heute meine Schuld ganz schwer in meinem Herzen. Ich wünschte mir, ich hätte in meiner vorherigen Beziehung zu dem mir geliebten Abhängigen viel eher klare Grenzen setzen können. Ich wünschte mir, ich hätte überhaupt mal klar und deutlich meine Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken können und nicht geschwiegen. Vielleicht hätte es keinen großen Unterschied gemacht. Vielleicht aber eben auch doch. Ich habe mich manipulieren lassen. Ich habe mich belügen lassen. Ich selbst habe wohl auch oft genug (mich oder/und ihn) manipuliert und im Schweigen gelogen. Ich glaube, er hat das die ganze letzte Zeit von mir verlangt, gefordert, gewünscht.

    Ich fühle mich energetisch nackt und sehne mich nach (s)einer Umarmung. Nein ich werde nicht zu ihm gehen, dazu habe ich viel zu sehr Angst vor meiner Sucht, meiner Sucht nach Taubheit. Und Angst vor seiner Reaktion, die mir wohlmöglich den letzten Rest an Würde und/oder Selbstbewusstsein nehmen würde. Vielleicht würde sein Anblick mich auch einfach nur (v)erschrecken. Ich hoffe, es geht ihm gut. Und ich hoffe, es geht ihm schlecht. Ich weiß überhaupt nicht, was ich hoffen will. Ich vermisse meinen gesunden und starken Freund. Der der mich in solchen Momenten wie diesen auffangen konnte, ohne mich einzufangen.

    Schau an, jetzt kann sogar ich fast weinen.

    Gruß in den Regentag.

    k.

    Liebe Hope, auch hier nochmal vielen Dank für deine gestrigen Worte in meiner Sache. Ich habe dir auch da schon eine Antwort geschrieben, bevor ich mir deine Geschichte durchgelesen habe.

    Und ich möchte mich auch bei euch allen anderen bedanken, die hier geschrieben haben. Ich bin total - find ich das richtige Wort?? - nein ich finde kein Wort dafür: ich bin den Tränen nahe! Ich habe dieses Forum erst gefunden als ich bereits den Entschluss gefasst habe, zu gehen bzw. eigentlich auch schon fast weg war. Jeder Satz hier, jede Zeile, jedes Wort: ICH, mein Kampf!!! Ich habe diesen hier geschilderten Kampf ganz allein mit mir ausgemacht, weil ich mir selbst die ganze Zeit nicht eingestanden habe, dass der Alkohol oder die Drogen das Problem sind.

    Liebe Hope, mir fehlen noch immer die Worte... aber auch hier nochmal ganz im Sinne deines Namens: ich HOFFE für dich, dass du nicht einbrichst, dass du nicht reinfällst auf die von deinem Mann sicherlich noch weiter von ihm angewendeten Tricks, dich zu halten (hier meine ich auch vermeintliche Eingeständnisse, die dir vielleicht wieder eine innere Hoffnung geben, es wird doch wieder alles gut). Gib ihm weiterhin keine Projektionsfläche für sein Kino. Ich finde du hast das bis jetzt echt TOLL gemacht.

    Und ich HOFFE für dich, dass diese Trennung wirklich ohne weiteren großen Stress zwischen dir und deinem Mann abläuft: ohne jegliche Form von Gewalt oder Unfug, ohne viele grobe Aussetzter wie z. B. die von dir beschriebenen Anfälle etc. Es ist unglaublich, wozu Menschen manchmal fähig sein können, wenn man ihnen ihre Basis nimmt. Ich will hier nichts dramatisieren, aber bitte pass auf dich auf!

    Schau weiter zu dir! Ich finde, du da machst das total super und kannst dir wirklich mit Stolz auf die Schulter klopfen. Echt! Dieser weitere Schritt in deine Richtung wird sich für dich lohnen! Es ist ein wahrer Neuanfang!

    Ein lieber Gruß aus meinem Neuanfang. Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt bleiben.

    k.

    Liebe hope 65, vielen Dank für deine Worte. Und zu allererst wünsche auch ich dir ganz ganz viel Kraft und Stärke, dass du auf deinem Weg bleibst und die Zeit bis zum 01.10. weder allzu schwierig noch allzu leicht wird. Die größtmögliche Leichtigkeit wünsche ich dir, damit du hoffentlich mit einem annähernd (ich sage es jetzt mal so, denn ich kenne deine Geschichte leider noch nicht) heilen Herz und Körper und Gewissen deinen Neuanfang starten kannst. Die größtmögliche Schwere wünsche ich dir, damit du hoffentlich wirklich an deinem Entschluss - für dich da zu sein - festhalten kannst und nicht umkippst.

    Du schreibst: "erstmal Glückwunsch zu Deiner Stärke!", auch dafür danke ich dir, denn es fällt mir auch jetzt noch immer schwer, zu erkennen, dass es Stärke ist, die mich gerade bewegt.

    Ich fühle jeden Tag mehr, wie ich zu mir komme, ich bei mir bin. Ich esse wieder gern. Ich koche wieder gern - auch für mich allein. Ich putze sogar (manchmal) wieder gern MEINE Wohnung. Ich bin auch vor 3 Monaten gerade erst wieder umgezogen und meine Wohnung(en) war für mich lange ein Feindbild. Ich wollte und konnte mich nicht damit beschäftigen, konnte und wollte MICH nicht darin einbringen, MICH einleben. In der letzten Wohnung in der ich (auch allein) gelebt habe, ging es mir ähnlich, dort habe ich es nie geschafft Ruhe zu finden, deshalb bin ich von dort nach 9 Monaten WIEDER ausgezogen. Letztes WE habe ich es endlich geschafft (zusammen mit einer Freundin), meine neue Wohnung nach meinen Kriterien für MICH gemütlich zu machen. Und ich fühle MICH jetzt unglaublich wohl und unglaublich sicher hier. Gerade jetzt, wo nur ICH Schlüssel für MEINE Türen habe.

    Und noch mehr passierte in mir, seit ich diese Last der Schlüssel nicht mehr habe: Ich merke, wie ich wieder so werde, wie ich war, bevor ich meiner Sucht verfallen bin. Meine Gedanken verändern sich. Meine Gefühle verändern sich. Ich merke, ich bin wieder gern mit mir zusammen. Ich will nicht sagen, dass ich mich frei fühle. Dazu liegt auch mir diese Trennung noch viel zu schwer im Magen. Dazu plagen auch mich mein Gewissen und meine Schuld noch viel zu sehr. Aber ich fühle mich freier. Freier z. B. eine Freundin einzuladen und mit ihr bis in die Nacht hinein zu quatschen, ohne den innerlichen Druck, ich muss zu ihm, er wartet auf mich oder ich will zum ihm, denn ich fühle mich nur halb.

    Ich will auch nicht sagen, ich bin glücklich, dazu bin ich noch viel zu traurig. Aber ich will sagen, ich bin seelig froh: Ich spüre wieder etwas Leben in mir und etwas Lust in mir. Ich spüre sogar wieder einen kleinen Funken Leidenschaft in mir aufblühen. Die, die ich schon als tot glaubte. Einen Funken, auf den ich mich Abends beim zu Bett gehen freue, weil ich ihn in meinen Träumen schon leben kann. Ich kann wieder schlafen, ohne dass ich vorher Stunden wach im Bett liege und denke und denke und denke. Ich habe mir wieder ganz elementare Sachen zurück gegeben, die ich als nicht mehr existent dachte. Ich glaubte, mein Leben sei so, mein Leben würde immer so sein. Ich erkenne, das muss es nicht! Darüber freue ich mich unglaublich.

    Und ich gehe langsam, ganz langsam jeden Schritt, den ich mache. Ich frage mich jetzt zweimal, dreimal will ich das jetzt wirklich? Oder tue ich das nur, um jemand anderem einen Gefallen zu tun, jemand anderem zu gefallen? Ich kann tun, was ich will; ich muss nur Rücksicht auf mich nehmen, nur auf meine Gefühle achten. Ich kann endlich MEINEN Bedürnissen nachgehen, nachfühlen. Das tut so gut.

    Liebe hope65, ich hoffe, du kannst meinen soeben geschriebenen Worten etwas für DICH abgewinnen. So sehr es leid und weh tut, zu gehen. Wie lange es auch dauern mag, dass Leiden, wenn du gegangen bist. Wie lange es auch dauern mag, dass du immer und immer wieder sein trauriges und unglückliches Gesicht vor deinem geistigen Auge siehst. Es wird sich für DICH lohnen. Ich bin mir ganz sicher! Ich glaube nicht, dass ich ein Einzelphänomän bin!

    Ein lieber Gruß aus dem Neuanfang.

    k.

    Ich habe mir Besuch eingeladen. Mein Bekannter ist weggefahren und ich habe ihm angeboten, Hundesitter zu sein. Es ist schön, bewusst gern aufzustehen und zu wissen, jetzt mache ich erst einmal einen schönen langen Spaziergang. Den hätte ich wohl jetzt so noch nicht allein für mich unternommen.

    Auf dem Weg kaufte ich mir Brötchen, eine reifes Stück Melone und Lachsschinken dazu. Jetzt sitze ich vorm Rechner, lese "zum Genießen" und esse dabei genüßlich ein Frühstück, was ich sicher 2 Jahre so nicht mehr gemacht habe :)

    Ich freu mich hier zu sein, so wie ich bin.

    Lieber Gruß

    k.

    @ Ette

    Hallo und vielen Dank für deine Antworten. Ehrlich gesagt, habe ich mir bei meinem heutigen abendlichen Spazierganz deine erste Antwort durch den Kopf gehen lassen und fand es sehr unbefriedigend. CoA bedeutet für mich in erster Linie "Die Sucht gebraucht zu werden" und das Helfersyndrom, was ich bei mir feststelle, geht doch damit einher. Ich bin froh, dass ich auch deine zweite Antwort nun lesen durfte. Danke. Es ist nicht mein Ziel, meine Sucht auf andere Menschen zu verlagern.

    Ich denke jetzt aber auch ganz sicher, dass diese SHG nicht die Richtige für mich ist. Die beiden anderen haben tatsächlich Suchtprobleme in der Familie als Angehörige - ich hingegen habe dieses Suchtproblem anhand eines Freundes entdeckt. Ich kann mir vorstellen, dass das einen Unterschied in der Problematik ansich macht. Ich bin mir meiner CoA bereits bewusst, die anderen beiden noch nicht (die SHG ist mit uns jetzt auch erst neu gegründet worden). Aber mal davon abgesehen, frage ich mich auch die ganze Zeit, warum mich diese "verdammte" Gruppenleiterin nicht davon abgehalten hat. Diese Hausaufgaben waren ebenso meine Idee.. Als Gruppenziel habe ich benannt: ich will mit meiner Geschichte helfen. ?!? Da hätte sie doch einschreiten müssen! Es kommt mir schon fast so vor, als hätte ich an diesem Tag die Gruppe geleitet, daher auch dieser heftige Kopfschmerz im Nachhinein. Aber ich werde meine Leiterin am nächsten Montag darauf ansprechen und vielleicht wollte sie ja auch, dass ich allein auf den Trichter komme..?! Bin ich ja auch irgendwie ;)

    @ emz

    Auch dir vielen Dank für deine Antwort. Ich frage mich, ob dieses Helfersyndrom zuerst da war oder aber die CoA? Ich denke, die Problematik Helfen wollen wird mich noch lange begleiten, denn eigentlich helfe ich gern. Ich will eben einfach nur nicht, dass diese Hilfe bis zur Selbstaufgabe geht. Ich glaube irgendwo in meinen Kopf ist da eine Schraube verdreht, die es zu lösen gilt, denn das Maß ist mir abhanden gekommen (da schreitet dann wohl wieder die CoA ein?!).

    Wir Co´s sind - glaube ich - ein Paradebeispiel für Menschen, die gut jammern können und denen es fast nur gut geht, wenn es uns schlecht geht. Zumindest war das ein Satz, den ich in den letzten 6 Jahren öfter mal von meiner Droge (ihm) gehört habe. Ich jedenfalls hab mich gut gefühlt im Schlechtfühlen. Aber damit soll nun ja auch Schluss sein. Denn es gilt ja wohl nun, wieder Verantwortung für mein Tun zu übernehmen.

    Ein lieber Gruß in den Abend

    k.

    Leider wurde mein Zitat gelöscht: „Den Kreis schließen“ aus dem Buch „Traumreisende“ von Marlo Morgan

    Daher nun mein verfolgter Gedanke in eigenen Worten:


    Ich erkenne, dass ich dich sehr lieb habe, ich aber DEINE Wahrheit für mich nicht als MEINE Wahrheit annehmen will.

    Ich werfe dir deine Sicht der Dinge und deine Taten jedoch nicht vor, denn diese sind DEINE von dir für DICH gewählten aktzeptablen Wahrnehmungen und DEINE von dir für DICH gewählten möglichen Ausdrucksweisen. Das ist DEINE Energie. Du denkst an DICH.

    MEIN Versuch zu begleiten hat beurkundet: Du hast dich für (D)EINE Richtung auf dem Weg des Lebens entschieden, die ich nicht weiter mitgehen will. Auch des Zuschauens bin ich nicht mächtig.

    Also treffe ich MEINE Entscheidung und lasse los und verabschiede mich, MEINE eigene Richtung im Leben zu gehen. Ich behalte MEINE Energie bei MIR. Ich denke an MICH.

    Ich verzeihe dir und bitte auch dich um Verzeihung. Ich danke dir. Ich wünsche dir, dass alles geschieht, was für deine Weiter- und Höherentwicklung das Beste ist und deinem Wohl dient.

    Ich entscheide mich nicht gegen DICH, sondern gegen dein Suchtverhalten. Ich entscheide mich für MICH. Wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht.

    kk.

    Ich grüße euch. Bin mir meiner CoA noch nicht so lange bewusst. Mir ist da aber Etwas aufgefallen, was ich für mich als Anzeichen der Suchtverlagerung eines Co´s verstehe:

    Kurz zur Vorgeschichte: ich habe ihn fast unmittelbar nach der Erkenntnis meiner CoA verlassen und bin jetzt Kontaktlos ihm gegenüber.

    Ich war letzten Montag zum ersten Mal in meiner SHG, diese besteht nur aus 3 Personen (inkl. mir) und der Gruppenleiterin. Ist also sehr überschaubar. Nachdem ich mir die traurigen Geschichten der anderen zwei Co´s angehört habe, regte sich in mir eine Stimme, die sagte, hilf ihnen! Ich habe ihnen Ratschläge (als Wochenaufgabe) gegeben und angeboten (als meine Wochenaufgabe) Infos über CoA zu besorgen und mich darüber hinaus über einige rechtliche Aspekte zu informieren, die mit den Geschichten der anderen beiden Co´s zu tun haben. Musste mich innerlich stoppen um mich - wie sage ich es - nicht aufzudrängen. Ich habe in diesem Moment überhaupt nicht mehr zu mir schauen können. Danach hab ich unglaublich heftige Migräne bekommen und musste mich um mich kümmern. Das fand ich schon sehr bedenklich und ich frage mich, ob eine/diese SHG wirklich das Richtige für mich ist.

    Ich frage mich weiter, bis wann ist Helfen gesund und wann fängt Helfen Wollen an, krankhaft zu sein?!

    Ich fühle mich befangen und besessen.

    k.

    Liebe Amai,

    ich grüße dich als ebenso neues Mitglied in diesem Forum. Bei mir hat sich zwar Geschichte und ausschlaggebende Situation des Erkennens etwas anders gestaltet, aber im Grunde sehe ich ganz viele Parallelen zwischen dir und mir, wenn ich dein „Tagebuch“ lese. Auch ich habe das Gefühl, viele Jahre viele kleine Schritte des Erkennens gegangen zu sein, um jetzt das große Boom vor mir zu haben, die Erkenntnis und Anerkenntnis meiner Co-Abhängigkeit, die ich nun – mit mehr oder weniger – alten (natürlich auch neuen) Emotionen versuche abzulegen. Ich kann dir z. B. nachempfinden, wenn du sagst, du bleibst jetzt erst einmal bei dir (ohne Mann), denn auch mir geht es in diesem Moment so. Ich kann auch deine Schilderungen nachempfinden: Wut, Traurigkeit, gefühltes Chaos, was von einem Moment in den nächsten Moment umschwengt. Und auch das Gefühl, es ist gut wie es ist, denn jetzt habe ich endlich einen Namen dafür gefunden, für das was mich schon seit jeher begleitet und ich kann endlich daran arbeiten.

    Ich habe mir für meinen Beginn, an meiner CoA zu arbeiten, ein bisschen mehr Zeit gegeben, hab mich erst mal 2 Wochen aus meinem Leben geholt und bin ganz allein weggefahren, um das erst mal zu verdauen. Natürlich sind meine Gedanken immer wieder in die Richtung meines Ex (das tun sie auch jetzt noch 5 Wochen später und wohl noch sehr lange weiter) gegangen, dem ich dieses Erkennen eigentlich danken kann. Schließlich haben wir viele Jahre Seite an Seite miteinander verbracht und ich habe viele Erkenntnisse an seiner Seite (die mich betreffen) haben dürfen. Er war trotz seiner Süchte und seiner Fehler ein guter Lehrer und wohl auch ein guter Begleiter, den ich jetzt auch aus Selbstschutz verlassen habe.

    Ich glaube es ist ganz natürlich, dass sich die Gefühle von Wut (auch auf sich selbst) und Traurigkeit und auch Erleichterung ihren Weg suchen, wenn man verlässt (egal, ob nun diese Beziehung nun einige Monate oder auch Jahre dauerte). Vielleicht ist das auch etwas, was dein Gefühlsleben durcheinander bringt. Du schreibst ja auch, dein Ex wäre dein Traummann, wenn er nur eben nicht süchtig wäre. Mir geht es ganz genauso.

    Dann wollte ich dir noch sagen, dass ich, als ich dann wieder daheim war, alles Mögliche getan habe, um mich zu informieren, über seine Sucht und seine Droge und über meine Sucht und meine Droge. Was es bedeutet, welche Wege es gibt etc. Ich habe eine mir Selbsthilfegruppe gesucht und im Forum geschrieben, mit Freunden geredet, gedacht und gefühlt, gelesen, meine Klamotten von ihm abgeholt usw. usw. und habe mir auch keine Zeit mehr gelassen, es kam ja auch alles einfach auf mich zu. Bis ich irgendwann völlig kraftlos und zweifelnd neben mir gesessen hab und mich fragte, wieso tue ich mir das an? Ich habe alle Zeit der Welt, um bei mir zu sein. Niemand kann mich jetzt davon abhalten. Niemand, außer mir selbst. Und ich will ja bei mir sein! Seit dem mach ich ein bisschen langsamer. Versuche meinen Tagesablauf mit möglichst vielen schönen Gedanken zu schmücken und Tätigkeiten zu verbringen und entdecke viele der Sachen, die ich vernachlässigt habe, mich, meine Wohnung, mein Leben. Ich weiß noch nicht genau, wie ich weiter vorgehen werde, mein CoA hinter mir zu lassen, denn einige Dinge, die ich jetzt versucht habe, kann ich auch schon jetzt als den NICHT-MEIN-WEG entziffern. Aber ich denke, auf dem richtigen Weg befinde ich mich und das allein beruhigt mich schon ungemein.

    Ach und ich habe mal einen sehr weisen Satz von einem sehr guten Bekannten gehört:

    Wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht.

    Lange fand ich den Satz ziemlich blöd – purer Egoismus oder wie..?! Aber mittlerweile kann ich diesen Satz gut verstehen.

    Ich grüße dich herzlich und schick dir meine Engel.

    kk.

    Hallo ihr Lieben. Vielen Dank für die Antworten und auch ein ganz lieber Dank für die herzliche Aufnahme. Mir gehen ganz ganz viele Sachen durch den Kopf, die - wenn ich jetzt versuchen würde, alles aufzuschreiben und zusammenzufassen - meinen Kopf wohl platzen lassen würden und Zeit und Raum sprengen würden.

    Nur jetzt schon mal so viel: ich habe letzte Nacht lange wach gelegen und habe in meinen alten Unterlagen gekramt. Ich suchte etwas ganz Bestimmtes, was mich schon die ganze Zeit mit meinem Freund begleitet hat und mich auch mehrmals dazu gebracht hat, eigene Wege zu suchen und zu finden.

    Wenn ich speziell die letzten Jahre zurückdenke und fühle, dann bin ich oft gegangen. Habe ihm oft seine Schlüssel gegeben und meine zurück verlangt, nur eben mit der langfristigen Konsequenz hat es dann nie so richtig geklappt. Gegangen bin ich immer, weil ich mir sagte, so wie du dich jetzt verhälst, so willst du nicht sein. Diese Reaktionen meines Geistes, meiner Seele und meines Körpers. Diese Wut und Verzweiflung und Traurigkeit, die in mir brodelten, derer ich aber keinen Platz schaffen konnte, weil ich durch seine Lügen und seine immer wieder doch für seine Verhältnisse liebe und unterstützende Art nie eine greifbare Situation hatte, auf die ich wirklich reagieren konnte. Diese vielen unausgesprochen Worte, die mich irgendwann so hart machten, dass ich nur noch schlagen wollte, weil ich keinen Weg fand, mich in Worten auszudrücken. Gelinde gesagt, der Schuh drückte schon ziemlich lang, aber wirklich erkennen, woraus meine Frustration und meine Inkonsequenz herrührt, kann ich erst jetzt. Worauf ich eigentlich hinaus will. Der Weg den ich gehe, diese vielen kleinen Schritte des Erwachens und Verarbeitens haben mich eins gelehrt:

    Es ist - zumindest für mich - gut, mit z. B. Wut, einen Schritt der Befreiung zu gehen, den ich ohne Wut nie gegangen wäre, ihn nicht hätte gehen können, weil ich ohne das geschehene Extrem vielleicht nicht wach geworden wäre. Aber mit dieser Wut leben will ich nicht. Sie macht mich kraftlos. Sie macht mich zu einem verbitterten Menschen, der keine Liebe sehen und fühlen kann, der geblockt ist durch Hass und Unfrieden. Und diese Wut ist ein Faktum, was mich immer wieder zwingt, mit meinen Gedanken, meinem ausgezehrten Körper und meinen Gefühlen in SEINE Richtung zu schauen, was letztlich wieder ein Faktum ist, mich in meiner Co-Abh. zu suhlen.

    Ich will es mal so sagen, ich bin nicht undankbar für die Erfahrungen, die ich an seiner Seite gemacht habe: ich weiß mittlerweile sofort, wenn mich jemand anlügt oder versucht mich zu manipulieren - die Antennen funktionieren. Ich weiß, ich bin ein unglaublich starker Mensch, der sich - aufgrund des endlos gedrückten Daumens auf seinem Kopf - seiner eigenen Stärke noch nicht bewusst ist. Ich habe in meiner kurzen Lebenszeit viel Leid auf meinem Rücken getragen, auch eigener familiärer Hintergrund spielt eine Rolle, habe schon immer Verantwortung übernommen, die ich z. B. als junges Kind nie hätte aufgebürdet hätte bekommen dürfen. Ich habe auch immer mit Menschen zu tun gehabt, die in irgend einer Art und Weise Probleme hatten, mit Drogen oder anderer psychischer Art. Und schon immer war diese Stimme in mir, die sagte, du musst helfen, egal wie es dir dabei geht oder wieviel Kraft und Zeit es dich kostet. Ich wurde erzogen zu einem Mädchen, das immer sittsam und brav den Anforderungen Anderer gerecht werden soll. Ich wurde zu einem Menschen erzogen, der immer und vor allem Angst haben muss, auch vor dem Loszulassen. Der Schritt des Erkennens - und hoffentlich auch endgültigen Ablegens - der Co-Abh. ist also auch dahingehend ein ganz besonders großer Schritt in meiner eigenen persönlichen Entwicklung. Es ist hart, zu wissen, dass auch ich mein eigenes Ego mit seiner Sucht nährte, dass ich im Grunde aufsteige und wachse auf seinem Rücken. Ich an der Seite eines Menschens, der von Außen ganz groß und stark wirkt, zu dem ich auch mal nicht nett sein brauchte, weil er auch nicht immer nett zu mir war. Gebraucht haben wir uns beide. Ich habe immer erkannt, dass er von innen tief verletzt und klein ist, aber unternommen habe ich wohl nicht wirklich etwas, was auch ihm weiterhilft, im Gegenteil..

    Um jetzt nicht noch verwirrender zu werden. Ich habe in meinen Unterlagen etwas gesucht und auch gefunden, was ich sehr schön finde, denn das ist das was ich ihm eigentlich sagen wollen würde, wenn es denn in seinem Herzen ankommen würde; es ist das, was ich mir sage und wonach ich jetzt in diesem Moment leben möchte:

    Zitat entfernt


    Liebe S.Käferchen, vielen Dank für den Link!!!

    Ein lieber Gruß in den Tag.

    kk.

    edit.speedy53//aus Urherberrechtsgründen musste ich den Buchauszug entfernen!

    Ich grüße euch. Nun also auch unter den vielen anderen traurigen die meine Geschichte: Ich habe einen Freund, der neben seinen anderen Süchten auch Alkoholiker ist. Er hat mit dem Trinken begonnen, kurz bevor ich ihn kennengelernt habe (etwa vor 5-6 Jahren & seine damalige Freundin hatte mit ihm Schluss gemacht), sprich ich kenne ihn nicht wirklich anders. Er wirkt eigentlich nie betrunken, denn er trinkt vor allem Bier - ist also (wie sagt man) Pegeltrinker?!, nur in wenigen Sequenzen habe ich ihn erlebt, wie er wirklich richtig besoffen (und dabei auch agressiv) war und das ist auch schon eine Weile her, sprich bis vor vielleicht 2-3 Jahren. Er hat in seinem Leben auch schon sehr sehr viele Drogen genommen (weiß ich aus Erzählungen von ihm), hat sich viele Jahre auch Heroin gespritzt und mehrere Therapien gemacht. Ich habe mir nie viele Gedanken darum gemacht, mich beruhigt: es ist ja nur Bier und er wirkt ja auch nicht betrunken und ist im Gegensatz zu den vielen anderen harten Sachen, die er genommen hat, völlig harmlos. Zudem war ich selbst auch mit meiner eigenen Sucht beschäftigt. Ich habe viele Jahre an seiner Seite gekifft, bin aber seit Anfang diesen Jahres erfolgreich und auch gern! sauber. Ich weiß also auch aus eigener Erfahrung, was es bedeutet süchtig zu sein.

    Mittlerweile steht er morgens auf und macht das erste Bier auf, und trinkt bevor er in den Tag startet. Vor kurzem erst habe ich von dem Thema Co-Abhängigkeit gehört und mich immer mehr in die Materie Süchte und Abhängigkeiten eingelesen und stelle für mich fest, dass ich ebenso ein Paradebeispiel eines Co´s bin. Ich habe ihn über die Jahre immer wieder mit Geld unterstützt, durch meinen eigenen Drogenkonsum war immer etwas Berauschendes daheim, er hat Essen von mir bekommen, weil er dafür nie Geld hatte, er konnte mein Auto (unentgeltlich) mitbenutzen, weil ich es selbst sehr selten brauche, habe ihm im Haushalt geholfen, habe viele Demütigungen (z. B. Lügen und Fremdgehen) manchmal schon fast als selbstverständlich hingenommen, etc. Alles entwickelte sich in eine Richtung der Verselbstständigung, irgendwann sage er nicht mehr dein Auto, sondern mein Auto, irgendwann kam nicht mehr die Frage, darf ich fahren, sondern die die Ansage ich fahre jetzt, irgendwann war ich ganz selbstverständlich sein Sparschwein etc.

    Seit ich selbst keine berauschenden Drogen mehr nehme (zum Teil auch schon vorher), habe ich natürlich auch gesehen, was er mit mir anstellt und mich auch mit vielen Streitereien und Kämpfen dagegen gewährt, bin aber doch auch nie wirklich konsequent meinen Ankündigungen gefolgt. Ich meinte immer, ich muss mir selbst mehr wert sein und doch bin ich nach der Trennung vor ca 1,5 Jahren nach einem halben Jahr Pause wieder jeden Tag bei ihm gewesen und habe ihn wieder weiter als „Kamerad“ unterstützt. Letztendlich habe ich ihn immer entschuldigt, er hat ne schwierige Zeit, er ist wie er ist und ich lieb ihn ja und er hilft mir ja auch ganz viel, usw. usw. Ich hatte auch schon eine Therapieeinrichtung für ihn gesucht (in dem Irrglauben, das irgendwie beeinflussen zu können), jedoch bin ich nicht dazu gekommen, das mal mit ihm zu besprechen:

    Vor etwa 4 Wochen habe ich - durch Schnüffelei - herausgefunden, dass mein Freund nicht nur Alkohol zu sich nimmt, sondern seit - wahrscheinlich - 1/2 Jahr auch wieder Bleche raucht. Das hat mich so dermaßen geschockt, dass ich vorerst den persönlichen Kontakt zu ihm weitestgehend unterbrochen und mein Auto versteckt habe. Ich hab für mich gelitten und mich umfassend über das Thema Co-Abh. informiert und viele Dinge für mich erkannt und das alles natürlich jetzt noch immer und immer mehr! Ich bin auch süchtig, gebraucht zu werden, habe mich (schäm) jahrelang unbewusst daran ergötzt. Aber ich habe das alles für mich erkannt und bin die ersten Schritte gegangen: Ich hatte diese Woche mein erstes Therapie(einzel)gespräch und habe mir eine Selbsthilfegruppe gesucht, die ich ab nächster Woche besuchen werde. Es geht mir den Umständen entsprechend gut, manchmal bin ich sehr wütend, manchmal sehr traurig, aber ich lebe wieder mehr ein Stück mehr mein Leben. Aber weil ich noch so viele Steine beiseite räumen muss, vor denen ich jetzt noch große so Angst habe, wie z. B. Autoschlüssel einfordern, Grenzen setzen, mein Leben leben, etc., hoffe ich, auch hier ein wenig Unterstützung zu finden. Immer wieder schlittert ein Gedanke durch meinen Kopf, der mir sehr sehr schwer fällt zu vergessen: ich muss ihn loslassen aber doch irgendwie lenken, damit er für sich erkennt, was er da macht, denn manchmal denke ich, er hat es selbst noch nicht mal realisiert. Ich bin mir einfach völlig unsicher, was ich tun soll, Hilfe zur Selbsthilfe?, oder schüre ich dann wieder meine eigene Co-Sucht? Paradox das Gefühl, den besten Freund zu verlieren, der mir aber doch auch so viele Sachen angetan hat, die ein Freund einfach nicht tut.

    Ein weiterer Gruß. Das was du soeben gelesen hast, habe ich am Freitag in meiner Vorstellung geschrieben. Und nun ist Sonntag und ich bin wieder einen Schritt weiter gegangen. Ich bekam gestern einen Anruf meiner Mutter: es ist mal WIEDER ein Strafzettel gekommen - noch aus der Zeit als er mein Auto wie seines benutzte. Das hat mich so wütend gemacht. In meinem Kopf war nur noch der Gedanke, so ein Arsch. Immer und immer wieder, jede Woche etwas neues, ein neuer Tritt in den Bauch, der mich wieder zwingt, mich wieder mit ihm zu beschäftigen, immer wieder auf meinem Rücken, denn wer soll es sonst bezahlen? Wieder die Wut im Bauch, die mich auffrist, weil egal, was ich tue, ich sowieso nicht ernst genommen werde.. wieder und immer wieder nur er und sein scheiß Egoismus. Ich bin zu ihm gegangen mit der ganzen Wut und ohne klaren Gedanken und ohne Mitleid. Ich habe vor ihm meine ganzen restlichen Sachen gepackt. Habe grenzenlos ALLES mitgenommen. Handtücher, Cremes. Meine Schlüssel und Autoschlüssel verlangt und eingesackt. Ihm seine Schlüssel wieder gegeben. Ich bin durch die ganze Wohnung gegangen und habe einfach alles eingepackt und war dabei ganz ruhig, ohne böse Worte und ohne nette Worte. Dabei sah ich, was kommen musste, sein großer Fernseher nicht mehr da... dann hab ich sogar die Mikrowelle, die ich ihm geschenkt habe, mitgenommen, mit dem Satz, ich will nicht, dass die auch noch verkauft wird. Ansonsten hab ich eigentlich nicht viel gesagt. Danach war ich so fertig, dass ich fast einen Zusammenbruch hatte, ich konnte kaum noch sprechen, nichts mehr denken. Ich hab überhaupt nichts mehr gespürt. Weder Leid noch ein Gefühl der Erleichterung, Ich saß einfach nur kraftlos bei einer Freundin und existierte garnicht. Irgendwann bin nach Hause gegangen und hab irgendwann auch geschlafen. Merkwürdige Träume haben mich begleitet und der erste Gedanke nach dem Aufwachen galt ihm, jedoch noch immer ohne wirkliche Emotion. Den Tag habe ich damit verbracht, meine ganze Wohnung umzuräumen und meine schweren Futonmatraze zu verfluchen und sie getreten und sie angeschrien: auch du kriegst mich nicht klein, auch wenn du noch so stur und schwer und aalglatt bist - was für eine Metapher für meine jetztige Situation :)
    Erst nach dem Aufräumen wurde mir klar, was ich da eigentlich getan habe, habe angefangen zu leiden, habe angefangen mir Gedanken über ihn zu machen, sein leidendes Gesicht vor mir gesehen. Ich ich ich ich, Arschloch. Das ist wohl das Los eines jeden Co´s. Man fühlt sich danach immer wie der letzte Arsch, weil man immer wieder vergisst, was einem der andere Mensch alles angetan hat. Mir geistert wieder der Gedanke durch den Kopf. Loslassen und lenken. Aber habe ich ihn gelenkt, wenn ich so handele, ohne viele Worte gehe? Ist das überhaupt möglich? Will ich denn seine Projektionsfläche sein? Ich lebe und atme und frage mich, wann denn endlich der Gedanke und das Gefühl der Erleichterung eintritt? Wie ernst nehme ich mich denn selbst? Ich weiß, es gibt keinen Weg zurück. Das muss ich jetzt durchziehen. Muss jetzt konsequent sein, auch wenns total weh tut, denn sonst nehme ich mich selbst auch nicht mehr für voll. Wer weiß, was kommt. Ich bete jeden Tag für ihn, dass die Engel ihm zum Wohle aller Wesenheiten immer das geben, was das Richtige für ihn ist. Und ich bete jeden Tag für mich - auch zum Wohle aller Wesenheiten -, dass ich ein guter Mensch bleibe.

    Einen lieben Gruß in die Nacht.

    kk.