Hallo JayJay,
Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, heißt soviel wie, dass nicht nur der Trinkende betroffen ist, sondern auch das Umfeld. Du schreibst, dein Vater trinkt, seit du denken kannst. Dass dein Vater trinkt, wird also von kleinauf etwas mit dir gemacht haben. Dass du dir dein eigenes Leben aufbaust, ist wirklich toll - das ist ein wirklich guter Weg. Wieviel Schaden du aus deiner Vergangenheit mitgenommen hast, weiß ich nicht. So einige von den EKAs fühlen sich unsicher, bindungsunfähig, haben kaum Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl, haben als Kind viel zu viel Verantwortung tragen müssen und verarbeiten das teils erst durch meist langjährige Therapien und durch Auseinandersetzung mit sich selbst, um sich davon zu befreien, also frei zu werden, lebensfähig zu werden, liebesfähig zu werden.
Du fragst eingangs, welchen Rat wir dir geben können, das Beste aus dem Rest SEINES Lebens und danach zu machen. Mein Rat ist, mach das Beste aus DEINEM Leben! Und welche Schäden du auch immer davongetragen hast, ein EKA zu sein, befreie dich davon, um erfolgreich ein gesunder und freier Mensch zu sein. Das meine ich mit, was du bereit bist für dich zu tun.
Ich (Ex-Partnerin eines Alkoholikers) habe eher die Erfahrung in meinem Umfeld gemacht, dass meine Problematik gar nicht so selten ist. Reden war also in meinem Fall gar nicht so schwierig. Aber du hast Recht, wer nicht betroffen ist oder mit dem Thema fremd, wird dir meist kein guter Ratgeber sein. Meine Erfahrung ist es auch, dass eine größtmögliche Distanz mir am besten geholfen hat. Zuschauen, mitmachen oder gehen war die Optionen. Für Gehen habe ich mich entschieden, auch wenn es unglaublich schwer war.
Ist denn dein Vater "Thema" in der Familie und gibt es da Ansprechpartner? Oder wird darüber lieber geschwiegen? Hast du mal überlegt, eine Beratung oder einen Therapeuten aufzusuchen?
Viele Grüße an dich, B.Nyborg