Beiträge von jule1

    Liebe Gurki,

    ja, mach kleine Schritte. Immer nur heute. Es gibt bei AlAnon so schöne Leitsätze, einer davon heißt: Heute, nur heute will ich glücklich sein. D.h. heute tu ich was gutes für mich, heute lenke ich den Fokus auf mich!! Das kann ein Spaziergang sein oder eine neue Bluse.

    Weg von ihm. Er macht sowieso das, was der Alkohol mit ihm macht. Und dein Tiefpunkt ist eben nicht seiner. Nimm wenigstens einen Teil der Kraft, die Du in der letzten Zeit in ihn gesteckt hast und verwende sie für Dich!

    Als ich bei AlAnon anfing (vor über 3 Jahren), da war ich noch bei meinem Exmann und konnte nicht mehr. Ich setzte mich an den Tisch und heulte los, konnte kaum reden. Aber ich durfte da sein, auch nicht reden, nur zuhören. Und mir das mitnehmen, was bei mir gerade auf fruchtbaren Boden stieß, manchmal war das nur ein Satz, der dann eine ganze Woche in mir gearbeitet hat.

    Hast Du in Taufkirchen etwas erreicht? Ansonsten gibt es mehr Richtung Zentrum sicherlich auch Gruppen.

    Erst mal den Fokus auf Dich, ausziehen kannst Du immer noch. Am Anfang hat sich bei mir beim bloßen Gedanken daran der Magen verkrampft, so unmöglich war es, das auch nur zu denken. Dann hat eine der vielen Therapeuten und Beraterinnen mir einmal geraten, ich solle einfach davon träumen, mir mein Leben ausmalen, so wie ich es mir in 5 Jahren vorstelle. Das ging irgendwann ein bißchen.. Kleine Schritte, winzige, die Dich aber auch voran bringen!

    LG Jule

    Liebe Weitsicht,

    abfällig rede ich eigentlich nicht über ihn, oder sagen wir mal, ich bemühe mich, es nicht zu tun. Das eine oder andere Mal wird mir schon ein Ton herausrutschen, der grenzwertig ist... Ausfragen ist schon eher mein Thema. Soll ich denn einfach darauf vertrauen, dass sie es mir erzählen, wenn es nicht ok war beim Papa? Das fällt mir so schwer, könnte ja auch sein, dass sie es schlucken.. Wobei, wenn dann schluckt eine und die andere läßt es raus.. Passiert wahrscheinlich eher selten, dass beide in der gleichen Stimmung sind.

    Gestern war Elternabend, da habe ich die Nachbarin des Vaters getroffen. Sie bestätigte meinen Eindruck, dass er zur Zeit wieder ganz heftig drauf ist. Dann wird er auch mit den Nachbarn so aggressiv, macht Lärm, sobald er sie sieht, sie hatte den Eindruck, dass er dann im Haus irgendetwas auf den Boden schmeißt, damit es Lärm macht... Manchmal trampelt er die Treppe auf und ab (Reihenhaus). Wirklich, das ist nicht übertrieben.

    Ist das denn so, dass Alkohol nur phasenweise aggressiv macht? Oder liegt da doch noch eine andere Störung vor?

    Wenn er so ist, läuft meine Coabhängigkeit zur Hochform auf, dann fange ich an zu überlegen, was ich falsch gemacht haben könnte! Es geht hier ja immer ums Finanzielle, er muß Unterhalt für mich und die Kinder bezahlen und sieht das in meinem Falle so gar nicht ein. Verzichten? Nein, das bezahlen dann meine Kinder. Dann muß ich noch mehr arbeiten und habe gar keine Zeit mehr für sie.

    Weitsicht, ich glaube schon, dass ich meine Jugend aufgearbeitet habe. Ich habe einige Therapien gemacht, jahrelang. Und habe schon das Gefühl, dass ich diese Phase ausgiebig beleuchtet habe.

    Zuletzt hatte ich das Gefühl, dass es schwer ist, einen Therapeuten zu finden, der sich mit dem Sucht- und Coabhängigkeitsthema auskennt. Da war mir die AlAnon-Gruppe hilfreicher.

    Aber Du hast recht, starke Mütter haben starke Töchter. Deshalb bin ich hier. Danke Euch!

    LG Jule

    Liebe Gurki,
    erst einmal herzlich willkommen hier im Forum!!

    Uiuiui, Du bist mittendrin. Immer schön den Fokus auf ihm.

    Gurki, natürlich würden Deine Kinder leiden, wenn Du da weggingst. Aber jetzt leiden sie auch, dessen kannst Du Dir sicher sein! Ich kenne das mit dem zu laut sein, mit dem Licht brennen lassen oder Heizung an bei offenem Fenster... Das waren meine Rundgänge, die ich jeden Abend machte, bevor er nach Hause kam und immer da spürte ich diesen Druck auf der Brust, den Du hier beschreibst.

    Der Druck ist jetzt weg, seit dem ich nicht mehr dort wohne und in unserem (angemieteten) Garten steht ein Trampolin, auf dem die Kinder nach Herzenslust hüpfen können und dabei sogar jubeln und schreien dürfen:-))!

    Lies einfach mal hier mit, das allein wird Dir schon einiges klar machen.

    Ich war bei einer SHG der anonymen Alkoholiker, das hat mir auch sehr gut getan.

    Könnt ihr denn über seine Abhängigkeit sprechen?

    LG Jule

    Zitat von Roa

    was das thema "borderline" betrifft, das würde ich auch an einen therapeuten weitergeben, das zu beurteilen. ich hab ja schon in deinem thread bei den EKAs geschrieben, dass stimmungsschwankungen sehr weit verbreitet sind bei alkohlikern, das kommt mit dem krankheitsbild. ob da noch mehr ist, etwas schon vorher da war, ist unheimlich schwer zu beurteilen glaube ich und macht auch irgendwie keinen so wahnsinnigen unterschied, meinst du nicht?

    Da hast du vollkommen recht, Roa. Ich sehe das auch so. Eine psychische Krankheit kann auch Auswirkungen wie Alkohol auf die Familienangehörigen haben, das ist mir schon lange klar.

    Trotzdem möchte ich mich mal mit dem Thema borderline auseinandersetzen.

    Lieben Gruß, Jule

    Zitat von Roa

    "persönlichkeitsgestört". ich denke in den seltensten fällen liegt vorher eine störung vor, meist ist es resultat der sucht. auch meine mutter konnte liebevoll und toll sein, jemand auf den ich mich verlassen kann. aber sie war auch die mutter, die ich nachts ins bett brachte und die treppe hinauf stützte. da schlimmste ist vielleicht die ungewissheit "welche der beiden erwartet mich heute". man muss lernen sich auf alles einzustellen, nicht zu vertrauen, die hoffnungen niedrig halten...das alles übernahm ich auch in mein restliches leben, manches mehr manches weniger.

    Diese Angst des nicht-wissen-wie-wird-es-heute-sein kenne ich als Ex-Partnerin natürlich auch. Ja, das wird ihnen so gehen, dessen bin ich mir sicher. Da kann ich sie nur ermuntern, nach Hause zu kommen, wenn es gar nicht geht.. aber das trauen sie sich bis jetzt NOCH nicht!

    Zitat von Roa


    verzeih dir, dass es nicht früher gelungen ist, dass es so weit kommen konnte. das ist alles nicht mehr vordergründig. JETZT seid ihr da ja raus. keine sorge, deine kinder werden das genauso sehen. schuldzuweisungen bringen keine familie weiter, die kinder wissen das meist am besten.
    wie oft habe ich meiner mutter gegenüber schon den satz geäußert "vergiss es einfach, dass es alles vergangenheit.", hat sie allerdings nie aus ihren depressionen rausgeholt. für mich ist es das, vergangenheit, ich will meinen eltern nicht bitter und mit vorwürfen entgegentreten.
    trauern um das was mir meine eltern nicht geben konnten, das tu ich. aber das muss ich auch können, um abschließen zu können um voran zu kommen.

    Ich habe kein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber, ich bin ja draußen. Und weggegangen, bevor es wirklich eskaliert war... Nicht meinen Kindern gegenüber, immer nur ihm gegenüber, da steckt meine Coabhängigkeit. Und darin wühlt er, er weiß, dass ich hier immer noch empfänglich bin. Aber gerade deshalb tut es mir so gut, hier zu lesen, mit Euch EK ins Gespräch zu kommen, zu erfahren, dass es richtig war, dass ich Schlimmeres verhindert habe. Oh man, da fühle ich mich Euch gegenüber gleich wieder ganz schlecht, weil das wohl bei Euch nicht so war, weil eure Eltern geblieben sind...

    Es gibt keinen Alkohol in meiner Familienanamnese. Vielleicht habe ich es deshalb so früh geschafft wegzugehen. Es gibt eine Schwäche, es jedem recht machen zu wollen, eine Mutter, die sich aufgearbeitet hat, früh vertobrben ist und einen schwachen Vater, der nie mit ihrem Tod zurecht kam.. und zum Kind wurde und mir 16jährigen Tochter alle Verantwortung für eine 8köpfige Familie in die Hände gelegt hat...
    Aber ich war es nicht gewöhnt, soo schlecht behandelt zu werden ,bin dann erst mal erstarrt, habe dann aber relativ schnell gemerkt, dass ich da weg muß.

    Das ist sicherlich ein Unterschied zu den Coabhängigen, die schon als Kind Alkohol-Familienstrukturen erlebt haben. Die können viel mehr aushalten, viel mehr erdulden - das kennen sie ja schon.

    Ich weiß nur, dass ich eine wahnsinnige Angst gespürt habe, obwohl er mich nie geschlagen hat. Helfen wollte ich auch, aber nicht in dem Maße, wie es hier viele beschreiben. Dazu hat er mich viel zu schlecht behandelt. Und vertuscht habe ich gar nichts, ich habe es vielen Leuten erzählt. Und mich oftmals danach schlecht gefühlt, weil ich wieder mein Herz auf der Zunge getragen hatte. Es mußte einfach raus...

    Jetzt bin ich vom Thema abgeschweift....

    LG Jule

    Liebe Elocin,

    sei froh, dass er so weit weg wohnt und es so beim Wunschgedanken bleiben kann und die Distanz ihm Schutz geben kann. Wir wohnen nur 300 m entfernt und er schleicht seit neuem wieder ums Haus!

    Ich werde mich bemühen, das Alkoholthema jetzt wieder öfters anzuschneiden. Ganz vorsichtig, ohne Wertung. Schwierig!

    Aber wir sind draußen, Elocin. Allein das ist Gold wert für unsere Kinder, dessen bin ich mir gaanz sicher. Damit tröste ich mich. So haben sie die Wahl, was sie vorher nicht hatten!

    Manchmal, wenn die Stimmung ganz schlecht war bei Tisch und man die Spannung förmlich spüren konnte, dann sagte die Großen zur Kleinen : komm, M., wir gehen spielen. Und weg waren sie.

    Das gibt es jetzt nicht mehr. In unseren 4 Wänden gibt es keine Spannung mehr, die wir nicht über kurz oder lang besprechen könnten!

    Und wenn der Moment kommt, sie alt genug sind, die Wahrheit ansprechen zu wollen, dann können sie das. Denn sie müssen nicht mit ihm leben.

    Das leben wir Ihnen vor. Und das ist verdammt viel. Immer alles relativ! Kommt ganz darauf an, aus welcher Warte man es betrachtet.

    LG Jule

    Liebe Almacya,

    jetzt bist Du die zweite, die mir das hier bestätigt, dass diese Bücher-/Phantasiewelt etwas mit ihrer Herkunft aus einer Alkoholfamilie zu tun haben könnte. Das gibt mir zu denken... Das erklärt mir jetzt auch meine Hilflosigkeit, die ich oft spüre, wenn sie mit dem Buch in der Hand zum Frühstück kommt... Oder mit 10 Büchern in den Urlaub fährt..

    Zwingen mag ich sie wirklich nicht. Aber falls sie mir wieder wegkippt (momentan geht es wirklich ganz gut, sie waren aber auch über den Sommer nicht sehr oft dort), dann werde ich doch vielleicht noch einen Therapeuten aufsuchen. Oder wenigstens mal ein Beratungsgespräch bei einer Alkoholberatung. Vielleicht gibt es das ja auch für Kinder?

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht sehr viele Therapeuten gibt, die sich mit Alkohol und den Folgen auskennen.

    Zudem ist das bei uns alles so schwammig, weil er draußen ja nicht auffällig wird (außer mit den Nachbarn, die behandelt er auch so schlecht).

    LG Jule

    Ihr Lieben,

    jetzt freue ich mich wirklich sehr, dass hier ein so reger Austausch zustande kommt!! Bei den Coabhängigen war das noch etwas schleppend, da sind wir hier schon ganz gut aufgehoben. Und ich denke, Ihr EKvA seid hiefür die allerbesten Ansprechnpartner. DANKE!!

    Hab mir auch Gedanken gemacht, ob ich denn im Gegenzug dann auch etwas geben kann. Mittlerweile ist mir klar, dass ja. Weil ihr so die Gelegenheit bekommt, Eure Kindheit aufzuarbeiten, indem diese unangenehmen Erinnerungen wieder aufgeweckt werden.

    Ach, ich würde den Umgang manche Male verbieten wollen, hab ich auch schon. Aber erstens ging es keine 4 Wochen, bis die Sehnsucht übergroß wurde und sie wieder hin wollten und zweitens mischen hier noch Jugendamt und derzeit auch Verfahrenspflegerin (= Anwältin der Kinder, die im laufenden Sorgerechtsverfahren vom Richter einberufen wurde) mit. Sie befürworten Umgang mit dem Vater um nicht jeden Preis, aber um einen sehr hohen Preis!

    Dann gab es die Regelung, dass die Kinder nur hingehen, wann sie wollen und das selbst mit ihrem Vater ausmachen über email mit der Verfahrenspflegerin im Verteiler. Damit hat aber die Große sich total überfordert gefühlt und die Kleine hat gar nichts mehr gemacht. Dann haben sie wieder vor dem Richter ausgesagt, dass sie regelmäßig alle 2 Wochen hin wollen....

    Aber ihr habt recht, hier ist noch Spielraum, den ich einfach einräumen werde. Er ist etwas lockerer geworden, pocht nicht mehr ganz so auf sein Umgangsrecht. Und wenn sie nicht wollen, dann werde ich sie bestärken im Nichthingehen.

    Er macht so einen Druck, seine Laune ist nie vorhersehbar. Mal superlieb, mal so schlecht gelaunt..

    Manchmal habe ich das Gefühl, er ist wirklich persönlichkeitsgestört und es kommt in Wellen.

    Verantwortung übernehmen ist gut, Käferchen, das mache ich manchmal auch ganz bewußt und da kann ich die Erleichterung der Kinder förmlich spüren. "Das ist jetzt nicht deine Sache, das entscheide ich". "Und wenn der Papa fragt, dann sage, das hat die Mama entschieden".

    Und Simmie, das was Du hier schreibst, kann ich nur bestätigen. Immer dann, wenn es sehr unangenehm ist, verkriecht sich meine große Tochter in ihre Bücher. Und ihren Alkoholiker-Papa hat sie noch mit keiner Freundin besprochen, das weiß ich, dieses Thema teilt sie nicht.

    Es ist mühsame Arbeit, sie immer wieder nach draußen zu stossen, sie ist ein sehr intelligentes Mädchen, ein Sonderling, das oft ganz andere Themen hat als Mädchen in ihrem Alter.

    Zur Zeit geht es ganz gut, endlich schaut sie auch mal nach den Jungs, macht sich etwas hübsch und nimmt auch mal Alltägliches war, nicht nur ihre Bücherwelt. Da bin ich aber ständig am Hinausstossen, was aber derzeit Früchte zu tragen scheint. Auch hat sie endlich eine beste Freundin, darüber bin ich sehr glücklich!

    Vor dem Kindertherapeuten schrecke ich noch zurück. Sie will nicht wieder einer/m Fremden alles erzählen. Zudem sind wir in homöopathischer Behandlung und die Heilpraktikerin ist selbst erwachsenes Kind eines Alkoholikers. Mit ihr telefonieren meine Mäuse immer wieder und das tut ihnen sehr gut.

    Und Simmie, wie schön wäre es, wenn ich Einfluß auf die Art der Treffen nehmen könnte... Erst jetzt nach 3 Jahren kam der Alkohol vor dem Gericht auf den Tisch (Sorgerechtsverfahren) und er wurde vor die Wahl gestellt "Sorgerecht oder Therapie". Irgendwie hat er eine Ärztin gefunden, die ihm bestätigt hat, dass er kein Alkoholproblem, sondern eine Sorgerechts- und Existenzproblem habe!! Das, obwohl er zu Zeiten, als ich weg ging, 5 - 8 Biere pro Tag getrunken hat (die ich mitbekommen habe) , und das seit Jahren!

    Er ist beruflich immer noch erfolgreich und hält sich wacker. Als ob er zwei Leben führen würde, ein seriöses bei der Arbeit und ein zweites, in dem er seine Exfrau tyranisiert und bestalkt und seine Kinder als Waffe für diesen Kampf benutzt.

    Huch, jetzt hab ich aber viel geschrieben.

    Liebe Grüße an Euch alle, Jule

    Liebe Roa,
    Buch schon bestellt. So ein reines Kinderbuch habe ich leider nicht gefunden, aber eins, das ich zumindest meiner 12jährigen hinlegen kann und das mir auch Tips gibt, wie ich mit ihnen sprechen kann.

    Ich denke, es geht auch darum, dass ich ihnen signalisiere, dass sie jederzeit zu mir kommen können, wenn sie Gesprächsbedarf haben und ich selbst muß mich zurücknehmen. Nicht immer gleich nachfragen, wenn sie nach Hause kommen. Na, wie war es? Hat er wieder geschimpft? Hat er getrunken? Da muß ich mich an der Nase fassen, das kann ich oftmals einfach nicht lassen.

    Immerhin sind sie aus dem Spannungsfeld draußen.

    Wie hättest Du es Dir denn gewünscht, dass Dein Vater mit Dir spricht?

    LG Jule

    Liebe Toa,

    das mit den Büchern ist eine gute Idee, dass ich da nicht schon längst drauf gekommen bin... dabei liest doch vor allem die Große so gerne und hat auch schon in meinen Büchern über Alkohol und Begleiterscheinungen herum geschmökert. Ich werde gleich heute versuchen ,etwas altersgerechtes für beide zu finden! Danke für den Tip.

    Über Alkoholismus reden ist sehr schwierig. Erst mal fassen sie alles immer gleich als Geschimpfe auf oder sagen schon gleich zu Anfang, dass sie da nicht drüber sprechen möchten. Mal die eine, dann die Andere. Sie schützen ihn und wollen, wenn sie hier sind, einfach nur ihre Ruhe haben, nicht dran denken.

    Nach dem WE erzählte mir die Große, dass die Kleine am WE die Biere gezählt hat, die er getrunken hat. Das ist schrecklich, das habe ich doch auch immer gemacht.

    Das ist genau mein Punkt, warum ich mich manchmal ertappe, dass ich es tot schweige, weil ich nicht möchte, dass sie anfangen, sein Trinkverhalten zu beobachten. Aber ob das gut ist?

    Toa, du hast sicherlich recht, das wichtigste ist, dass ich glücklich bin. Das bin ich natürlich nicht immer, aber ich glaube, relativ oft :? ! Ich habe einen neuen Partner seit eineinhalb Jahren, der gut zu mir ist und auch zu ihnen ein meist herzliches Verhältnis pflegt. Er wohnt nicht hier, aber er besucht uns oft und wir machen auch viel zusammen. Aber auch meine Mäuse und ich alleine unternehmen viel und wir haben immer wieder schöne innige Momente. Ich glaube, sie fühlen sich geliebt, geschützt und aufgehoben bei mir. Natürlich gibt es immer wieder schwierige Momente, weil ihr Vater noch mit aller Macht versucht, Einfluß auf unser Leben zu haben, aber die bekomme ich fast immer nach kurzer Zeit wieder in Griff.

    LG Jule

    Zitat von almacya

    Hallo,

    hm, klingt so als ob dein Ex-Partner vielleicht noch ein anderes Problem hat. Vieles was ich bei dir jetzt gelesen habe erinnert mich sehr an meinen Vater, einen Borderliner.

    Almacya, was ist ein Borderliner? Ich denke auch schon lange, dass da noch ein anderes Problem sein muß, aber ist das nicht bei jedem Alkoholiker so? Ein Problem, das den Alkoholiker mit dem Trinken beginnen läßt?

    Entschuldige, soviele Fragen!

    LG Jule

    Ok, Therapie, aber wohin? Welcher Therapeut kennt sich mit Alkohol aus? Kennt sich denn ein Kinderpsychologe mit Coabhängigkeit aus? Vielleicht sollte ich mal eine Alkohol-Beratungsstelle anrufen.

    Ist das wirklich die Hoffnung, die sie da hintreibt? Das klingt schrecklich. Er verkauft sie doch immer wieder für seinen Kampf mit mir.

    Jule

    Ihr Lieben,

    ich war 14 Jahre mit einem Alkoholiker zusammen, wir haben 2 Töchter (12 und 10 Jahre alt). Seit 3 Jahren bin ich nun weg von ihm, er trinkt immer noch. Die Kinder gehen immer noch zu ihm, mal mehr, mal weniger, aber sie wollen... Ich habe drüben bei den Coabhängigen gepostet, habe nun aber das Gefühl, dass ich hier mit meiner Frage vielleicht besser aufgehoben bin. Jetzt kopiere ich einfach mal meinen letzten Beitrag zu Euch Erwachsenen Kindern von Alkoholikern. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir das Durcheinander und habt den einen oder anderen guten Gedanken für mich!


    ...ich hoffe, dass meine Kinder den Weg hinaus finden und den Mut, ihm irgendwann seine Schimpferei um die Ohren zu schlagen und ihn links liegen lassen.

    Ich trage eine große Angst in mir, dass sie auch coabhängig sind und sich bei ihm sehr angepaßt verhalten, um nicht seinen Unmut zu wecken.

    Das WE bei ihm war wohl wieder eines, wie es schon seit längerem nicht mehr vorkam. Aber kein Wunder, sie waren ja auch selten dort. Wir haben erst seit kürzerer Zeit wieder regelmäßigeren Umgang. Er hat jedes Mal beim Frühstück Schimpftirraden über mich losgelassen. Meine Große meinte, fies Mama, immer dann, wenn wir uns eine Semmel gerade geschmiert haben, legt er los.. Sie war dieses Mal mutig (war ja auch seit längerer Zeit wieder das erste Mal, dass er so richtig heftig losgelegt hat), hat ihn angeschrien, er soll aufhören, aber er war nicht zu stoppen. Die Kleine dagegen sagt, sie traute sich nicht, etwas zu sagen.

    Dann spielen sie den ganzen Tag miteinander, verziehen sich nach oben, in der Hoffnung, dass er sie dann in Ruhe läßt. Und wollen aber wieder hin! Das macht mich so wahnsinnig, dass sie trotzdem wieder noch zu ihm wollen? Sie zahlen so einen hohen Preis für ein paar schöne Stunden mit ihm.

    Die Große hat kein gutes Selbstbewußtsein, findet schwer Freunde, ist zurück gezogen, versteckt sich häufig in ihren Büchern. Fast meine ich, dass das jetzt, wo sie weniger und kürzer bei ihm war, besser wurde.

    Ist das möglich, dass das sein Einfluß ist? Hier leben wir ein normales Leben ohne Spannungen. Aber dort ist es alles andere als normal. Er hat sich auch mit den Nachbarn zerstritten, schimpft los, sobald die Nachbarn etwas lauter sind.

    Immer angepaßt sein, kein Aufsehen erregen, was seine Willkür anstacheln könnte. Und trotzdem passiert es immer wieder, dass er hoch geht!

    Immerhin hat sie ihn dieses Mal bei der Verfahrenspflegerin verpfiffen, gleich als sie nach Hause kam, hat sie ihr eine email geschrieben.

    Achja, er hat mir jetzt mitgeteilt, dass die ihm vom Gericht auferlegte Untersuchungen bei einer Ärztin, die "Alkohol zum Spezialthema" hat, abgeschlossen sind. Es sei herausgekommen, dass er kein Alkoholproblem, sondern eine Existenz- und Sorgerechtsproblem habe!!!
    Das Jugendamt sei aufgrund einiger Vorkommnisse zur Zeit leider etwas zu vorsichtig!

    Aber ich hatte schon bei Gericht gesagt, dass es nichts bringt, einen Alkoholiker zur Therapie zu zwingen. Wenn er nicht will, dann wird er nicht aufhören. Das haben die anderen nicht geglaubt.

    Was kann ich denn für meine Töchter tun? Wieviel soll ich mit ihnen über die Krankheit ihres Vaters reden? Reicht vorleben? Eine SHG für Kinder in dem Alter gibt es hier leider nicht.

    Ich wäre Euch wirklich für jeden Tipp sehr dankbar.

    LG Jule

    Ach Dagmar, ich hoffe, dass meine Kinder den Weg hinaus finden und den Mut, ihm irgendwann seine Schimpferei um die Ohren zu schlagen und ihn links liegen lassen.

    Ich trage eine große Angst in mir, dass sie auch coabhängig sind und sich bei ihm sehr angepaßt verhalten, um nicht seinen Unmut zu wecken.

    Das WE bei ihm war wohl wieder eines, wie es schon seit längerem nicht mehr vorkam. Aber kein Wunder, sie waren ja auch selten dort. Wir haben erst seit kürzerer Zeit wieder regelmäßigeren Umgang. Er hat jedes Mal beim Frühstück Schimpftirraden über mich losgelassen. Meine Große meinte, fies Mama, immer dann, wenn wir uns eine Semmel gerade geschmiert haben, legt er los.. Sie war dieses Mal mutig (war ja auch seit längerer Zeit wieder das erste Mal, dass er so richtig heftig losgelegt hat), hat ihn angeschrien, er soll aufhören, aber er war nicht zu stoppen. Die Kleine dagegen sagt, sie traute sich nicht, etwas zu sagen.

    Dann spielen sie den ganzen Tag miteinander, verziehen sich nach oben, in der Hoffnung, dass er sie dann in Ruhe läßt. Und wollen aber wieder hin! Das macht mich so wahnsinnig, dass sie trotzdem wieder noch zu ihm wollen? Sie zahlen so einen hohen Preis für ein paar schöne Stunden mit ihm.

    Die Große hat kein gutes Selbstbewußtsein, findet schwer Freunde, ist zurück gezogen, versteckt sich häufig in ihren Büchern. Fast meine ich, dass das jetzt, wo sie weniger und kürzer bei ihm war, besser wurde.

    Ist das möglich, dass das sein Einfluß ist? Hier leben wir ein normales Leben ohne Spannungen. Aber dort ist es alles andere als normal. Er hat sich auch mit den Nachbarn zerstritten, schimpft los, sobald die Nachbarn etwas lauter sind.

    Immer angepaßt sein, kein Aufsehen erregen, was seine Willkür anstacheln könnte. Und trotzdem passiert es immer wieder, dass er hoch geht!

    Immerhin hat sie ihn dieses Mal bei der Verfahrenspflegerin verpfiffen, gleich als sie nach Hause kam, hat sie ihr eine email geschrieben.

    Achja, er hat mir jetzt mitgeteilt, dass die ihm vom Gericht auferlegte Untersuchungen bei einer Ärztin, die "Alkohol zum Spezialthema" hat, abgeschlossen sind. Es sei herausgekommen, dass er kein Alkoholproblem, sondern eine Existenz- und Sorgerechtsproblem habe!!!
    Das Jugendamt sei aufgrund einiger Vorkommnisse zur Zeit leider etwas zu vorsichtig!

    Aber ich hatte schon bei Gericht gesagt, dass es nichts bringt, einen Alkoholiker zur Therapie zu zwingen. Wenn er nicht will, dann wird er nicht aufhören. Das haben die anderen nicht geglaubt.

    Was kann ich denn für meine Töchter tun? Wieviel soll ich mit ihnen über die Krankheit ihres Vaters reden? Reicht vorleben? Eine SHG für Kinder in dem Alter gibt es hier leider nicht.

    Ich wäre Euch wirklich für jeden Tipp sehr dankbar.

    LG Jule