Liebe Ex- und Aktiv-co's,
in so vielen Beiträgen finde ich mich wieder. Besonders Dagmar007: "Ich bin mir sicher, würde er nicht trinken, dann würde das nichts (mehr) ändern." Meine Geschichte! Ich war in mein Co-Verhalten so verstrickt, dass ich über ein Jahr nicht gemerkt habe, dass mein Mann wieder heimlich in großen Mengen Schnaps trinkt. NICHT GEMERKT!!??? Mein Körper hat es gemerkt: zwei Operationen, ein Unfall. Unterschwellig habe ich gefühlt: es stimmt nicht mehr. Als ob irgendwo ein Loch im Ballon ist und unkontrolliert Luft abgeht und der Ballon wird immer schlapper...
Auch ich habe - unter Verdrängung des eigentlichen Problemes - mein Leben immer mehr ohne meinen Partner geführt: neue Hobbies, Treffen mit FreundInnen ohne ihn (er war ja auch immer sooo unberechenbar..), meine erfüllende Arbeit usw. Oft gab es zwischen uns Streit deswegen. Im Nachhinein denke ich, ich habe mir das Netz für meinen Absprung gebaut, Stück für Stück. Und es hat mich tatsächlich aufgefangen, als ich gesprungen bin - nach erneutem "heimlichen" Rückfall trotz Therapie und psychatrischer Behandlung. Ehrlich gesagt hätte ich es aber ohne meine Tochter (12) nicht geschafft. Ich hatte - obwohl mein Partner von Anfang an immer in der zweiten Reihe Platz genommen hatte, was die Kinderbetreuung angeht - vor mir her getragen, dass sie ihren Vater braucht. Und dann kamen ihre Worte (nachdem er sie mitten in der Nacht in einen schrecklichen Streit mit einbezogen hatte): "Mama, ich will hier weg!" DA hat es endlich "Klick" gemacht. Ich habe von Seiten Unterstützung erfahren, von denen ich eher mit Vorwürfen gerechnet hatte, z.B. SEINE Familie.
Obwohl er eine LZT macht und (angeblich) seit Sommer trocken ist, streiten wir fast bei jedem Treffen. Sein Tenor: "Du hast unsere Familie zerstört!" Hallo??!!! Ich ?????!!!!! Für ihn geht es nicht um seine Alkoholkrankheit, sondern um MEIN Verhalten, mein "Nichtwahrnehmen" seiner Gebrechen und Zipperlein, mein "egoistisches Verhalten", mit dem ich ihn "einfach zurück gelassen habe".
Während ich das so schreibe, merke ich, wie nah ich noch am "Co-Abgrund" stehe. Meine Schuldgefühle machen mir noch Probleme. Schließlich hatte ich das mit der Ehe und dem Versprechen "in guten und in bösen Tagen" wirklich ernst gemeint.
Andererseits gibt mir dieses neue Leben in eigener Wohnung - mit meiner pfiffigen Tochter - so viel neue Energie. Und das ist zugleich die Provokation für IHN...
Wahrscheinlich sind meine Schuldgefühle der Knopf, über den er mich bisher immer wieder "gekriegt" hat. Aber ich bin lernfähig!!!!!!!
Vor mir liegt noch ein ganzes Stück Trauerarbeit - Abschied von einer bestimmten Lebensform, von dem Bild, das ich mir von meinem Partner gemacht hatte, von dem Gelingen einer Beziehung trotz Alkohol.... Und die Nähe zu ihm, so explosiv sie auch sein mag, ist auch immer noch da.
Falls sich irgend jemand bis hierher durch gelesen hat: es tut mir gut, von Euch zu lesen oder eine Antwort zu kriegen. Wenn die Hürde des offenen Umgangs mit der Alkoholkrankheit genommen ist, tut der Austausch und die Erkenntnis, dass wir nicht die Einzigen sind, unheimlich gut...
Herzlich, Thea66