Beiträge von Orlando

    Hallo Clärchen,

    meine persönliche Erfahrung: Eine Kur / Reha tut sehr sehr gut. Ich habe die auch lange vor mir hergeschoben, weil es so viele ach so dringliche und wichtige Dinge vorab zu erledigen gab... war natürlich alles Quatsch. Meine Kinder waren gut aufgehoben und haben die mamafreie Zeit ebenfalls genossen.
    ich bin entspannt und ausgeglichen, liebevoller und aufmerksamer mit mir und damit auch für andere aus der Reha zurück gekommen und in meinem zu Hause hat sich, ohne dass ich etwas tun oder großartig kämpfen musste, alleine dadurch vieles verändert. Der Druck ist raus. Ich hatte eine Klinik gewählt, die sich auf Frauen mit ihren Themen spezialisiert hat. Dabei erfuhr ich, dass andere Frauen in ähnliche und zum Teil noch viel heftigeren Fallen festsaßen, die nichts mit Alkohol und dennoch mit vergleichbaren Denk- und Verhaltensweisen zu tun haben. Wie Schuppen fiel mir meine Eigenverantwortung von den Augen, ebenso, wie ein zärtliches und liebevolles Gefühl für mich selber. Nun mache ich mich auf dem Weg meiner alten Mutter zu verzeihen. Das fällt mir noch schwer. Da denkt fühlt und handelt noch das junge Mädchen und nicht die erwachsene Frau. Ich nehme mir die Zeit... :)

    Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg weiter gehst und habe dabei ein gutes Gefühl. Ihr werdet eine neue und zufriedene Familie, unabhängig davon, welche äußere form ihr dabei annehmen werdet. Es liest sich gut, was Du von Dir und Euch berichtest.

    LG
    Orlando

    Ich habe ein neues gebrauchtes Auto. Und weil ich meine Arbeit nicht mehr so mag, entschied ich nun berufsbegleitend noch einmal ca 4 Semster an die Uni zu gehen und noch einen Master of sience zu machen. Damit kann ich dann bis 88 arbeiten, wenn ich das möchte, und wer weiß, vielleicht werde ich doch noch promovieren...?

    Toll, es braucht nur den richtigen er. von dem Frau jetzt berichten kann, was er im Vergleich zum Alk-er alles schön und gut, wertschätzend und richtig macht und schon ist die Welt in Ordnung ;)

    Ich freue mich für Dich, geniesse Euer Glück und Pass gut darauf auf. Für die Zukunft wünsche ich Dir, dass Du Dir selbst verzeihen wirst und Dich Angst- und Sorgenfrei auf die neue Beziehung einlässt, in dem einen Moment, Dich selbst verliehest, um im nächsten ganz bei Dir zu sein. LG Orlando

    >>>Na ja, mal ansprechen und dann ist gut .... vielleicht setzt auch sein Denken ein ... obwohl ich da tief in mir denke "ist eh schon zu spät".<<<

    Liebe Dagmar,

    wenn Du ihn bereits abgeschrieben hast auf Grund Deiner Beobachtungen, so kannst Du ihm auch nur noch das sagen. Dann weiß er. Woran er bei Dir ist.
    Vielleicht willst und kannst Du ihm noch erklären auf welchen persönlichen Erfahrungen Du zu dieser Feststellung gekommen bist und wie wichtig es für Dich selber ist, auf Dein inneres Fruehwarnsystem zu hören, welche Ängste Deine Beobachtungen es bei Dir um Dich selber auslöst, so in dem Sinne, "als trockene Co muss und will ich zum Selbstschutz jeden Hauch von Alkoholikerin meiden..."

    Zitat von Melinak


    wenn der kontakt zum alkoholiker für die kinder schädlich ist, setze ich sie dem nicht mehr aus.auch nicht der lieben familie wegen.


    und wenn der Kontat zum Co für die Kinder schädlich ist?
    Wie erkennen wir, ob unser Co-Verhalten für unsere Kinder ebenso schädlich oder sogar schädlicher als das Verhalten des Alkoholikers sein kann?
    Wie oft überprüfen wir tatsächlich, ob wir unsere Kinder vorschieben, um uns selbst zu schützen, den Beziehungskampf mit dem Alkoholiker auszufechten oder tatsächlich die Kinder zu schützen?

    noch ein Hallo Spedi.

    Ja, ich habe nur bedingt Einfluss darauf, wie sich meine Kinder entwickeln, was sie wie verarbeiten. Das ist grundsätzlich so, unabhängig, wo, wie und mit wem sie aufwachsen. Doch Sozialisation und Pädagogik zeigen uns auch auf, dass es Chancen der Einflussnahme gibt und die sollten wir nutzen.

    Auch gibt es Statistiken die Belegen, das Kinder aus Suchtfamilien sich als Erwachsene wieder in Suchtsystemen integrieren...
    Möglicherweise, weil sie bisher nicht oder zu wenig im Blick waren. Der Alkoholiker war mit sich beschäftigt, der Co-Abhängige ebenfalls. Für diese beiden gab und gibt es professionelle Hilfe fast im Überfluss. Und was gibt es für die Kinder?

    Der bewusste und ehrliche Umgang mit mir schließt einen realistischen Blick auf meinen Einflussmöglichkeiten und -grenzen für die gesunde Entwicklung meiner Kinder mit ein. Mag sein, dass Deine Erfahrung eine andere ist und Du deshalb schon dankbar für eine angemessene Schadensbegrenzung bist. Ich weiß, dass Verhaltensstörungen aufgelöst werden können und psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depression heilbar sind. Und manchmal ist es das beste, das ich meinen Kindern anbieten kann, sie aus den bestehenden Familienverhältnissen herauszunehmen und in einen neuen Entfaltungsraum zu setzen, selbst wenn sie sich zunächst dagegen wehren. Das ist für mich zumindest ein Anfang, der erste Schritt zur Schadensbegrenzung bis hin zur Heilung.
    Familienhilfe, Kinder- und Jugendtherapeuten, „Kinderselbsthilfegruppen“, Jugendzentren, längere Aufenthalte bei Oma und Opa, Tante oder guten Freunden, evtl. Pflegefamilie... ich darf das in Anspruch nehmen, wenn ich überfordert bin selber gut für mich und meine Kinder sorgen zu können. Und ja, dazu braucht es Ehrlichkeit!

    Zitat von Spedi


    An einem gemeinsamen Strag ziehen, ja nun, das wäre ja mehr, als ich zu hoffen wage.
    Die Realität zeigt mir, dass dies leider kaum gelingt. Ich wäre daher schon mehr als glücklich, würde ich erleben, dass der Einzelne mit sich verantwortungsvoll und bewusst umgeht.

    Weil auch das in der Realität eher die Ausnahme, als die Regel ist, bin ich heute schon damit zufrieden, wenn ich für mich das auf die Reihe bringe.

    Das gelingt mir mal besser, mal schlechter, aber seit einigen Jahren von Jahr zu Jahr besser.

    Und wenn ich das spüre, dann bin ich auch mit mir zufrieden. Mehr muss ich nicht haben.

    LG
    Spedi


    Das nehme ich Dir ab, ebenso, wie ich Dir den unerschütterlichen Idealismus zuspreche, dass es doch auch anders sein könnte, schließlich sind wir Menschen soziale Wesen und in Deinen Beiträgen lese ich viel Engagement und Sendebewusstsein. Wozu, wenn Du nicht doch mehr zu Hoffen wagtest?

    Hallo Spedi,

    auch dysfunktionale Systeme, mindestens Teile eines dysfunktionalen Systems können heilen. Und ich glaube, es ist nicht immer grundsätzlich zu spät. Ehrlich gesagt ist es mir wurscht, ob ich nun zunächst wegen meiner selbst oder zum Schutz meiner Kinder an den Zahnrädchen eines dysfunktionalen Familiensystems Richtung Heilung drehe. Hauptsache ich tue es. Als typische Kümmererin, die sich selbst nicht wichtig nehmen darf, ist für mich persönlich vertrauter, einfacher und schneller, für meine Kinder in Handlung zu gehen.


    Mittlerweile habe ich mich auch noch einmal ein wenig schlau gemacht, weil mich schon seit langem diese Gleichsetzung der Alkoholkrankheit mit der Co-Abhängigkeit irritiert:
    Alkoholabhängikeit ist eine definierte Krankheit. Es gibt eine Definition über die WHO und Alkoholabhängikeit ist in einem ICD-Schlüssel erfasst.
    Die Alkohoerkrankung kann bei den Mitmenschen der Betroffenen Verhaltensstörungen mit unterschiedlicher Ausprägung auslösen, die als Co-Abhängigkeit zusammengefasst werden. Co-Abhängigkeit ist keine definierte Krankheit, kann aber zu Krankheiten führen.

    Ich verstehe die Haltung, dass eine Alkoholabhängigkeit nicht heilbar ist und ein trockener Alkoholiker deshalb auch weiterhin Alkholiker und somit krank, allerdings symptomfrei ist. Daraus zu folgern, dass auch alle anderen Krankheiten unheilbar sind und man nur noch Schadensbegrenzung statt Schadensaufhebung bei uns Co-Abhängigen und unseren gemeinsamen Kindern bewirken kann, was ja immerhin besser als nichts sei, das greift mir nun wieder zu kurz ;)

    Grundsätzlich ziehen wir wohl am selben Strang. Es geht uns um einen bewussten und fürsorglichen, wertschätzenden und verantwortungsvollen Umgang mit uns selbst, unseren Kindern und unseren Mitmenschen. Es geht uns um Erfahrungsaustausch und Selbsthilfe im Umgang mit Alkohol.

    okay, ich habe nicht eindeutig geschrieben, tut mir Leid.

    Der "alte" kranke Mann, hat sich bei mir gemeldet - und seine Situation macht mich betroffen. Ich wünsche ihm besseres.

    Mit dem neuen Mann ist Verliebtheit angesagt mit dem kleinen, aber händelbarem Dilemma, dass er schon jetzt Verbindlichkeit wünscht, wo ich noch nicht an Bindung denken möchte.

    Mir selber und meinen Kindern geht es gut. Nach sehr turbulenten Jahren stellt sich jeden Tag mehr zufriedene Ruhe ein. Mir scheint, dass wir 3 (die Kinder und ich) gestärkt und gewachsen aus dem Ganzen herauskommen und nun langsam unsere Früchte ernten. Das ist sehr schön.

    Und in Situationen, wie am Wochenende, da spüre ich meine Unsicherheiten, erkenne, wo ich behutsam und aufmerksam mit mir sein sollte. Ich schätze an mir, dass mich die Situation des, ehemaligen und kranken Mannes nicht kalt läßt und ich mich dennoch gut abgrenzen kann.

    spedi, bist Du ein verantwortungsvoller Vater?

    Spätestens wenn ich erkenne, dass ich nicht nur mir selbst, sondern auch meinen Kindern schade, ist es unabdingbar für mich zu handeln, heißt eine heilende Veränderung anzustreben. Und wenn ich dabei auf meine Geschichte blicke, ist es gerade das Wohl meiner Kinder gewesen, das mich bestimmte Entscheidungen finden ließ. Ich gebe zu, auch immer noch Co, denn da blickte ich nicht vordergründig auf mich. Und dennoch führte mich dieser Blick auf meine Kinder auch auf meinen Weg. Und: ich unterstützte meine Kinder darin, bereits frühzeitig für sich selber therapeutische Unterstützung zu beanspruchen. Ich sehe das wie mit anderen Parasiten, wie z.B. Würmer oder Läusen. Da wird auch die gesamte Familie behandelt und sei es nur prophylaktisch.

    Er hat - für mich überraschend - angerufen, hackevoll, sein - edit - Nachbar habe ihm eine Flasche Hochprozentigen geschenkt, er wollte stark sein und war doch schwach... ich sagte, in der Vergangenheit hast Du das doch auch immer geschafft, wird dir dieses mal auch gelingen. Und plötzlich offenbarte er mir, dass er Alkoholiker sei, er sich Selbstvorwürfe mache und sich Schäme.
    In mir ratterten die Gedanken: ist das ehrlich, ist das eine neue Strategie, Taktik, Manipulation, Hilferuf, nur so....
    Und was kann, soll, will ich jetzt tun? Es machte und macht mich betroffen, weiterhin. Mein Ohr anknabbern lassen wollte ich nicht und so fragte ich wieder, was er denn nun tun wolle und nach seiner Antwort empfahl ich ihm zusätzlich spätestens Montag zum Arzt zu gehen. Dann ein kurzer ausleitender Smaletalk und ich verabschiedete mich.


    Mir geht es jetzt nicht schlecht, aber es bewegt mich immer noch, immer wieder. - edit - Ich kann mich nicht frei machen von meiner Betroffenheit und von dem unangenehmen Gefühl der Hilflosigkeit, hätte gerne heilende Zauberkräfte. Habe ich aber nicht. Das anzuerkennen ist immer einmal wieder kraftaufwendig.

    Dabei bin ich weiterhin verliebt und stelle interessanter Weise fest, dass es mir viel leichter fällt mich von diesen mir zugewandten Mann abzugrenzen. Hier ist es so, dass ich einfach noch die Momente auskosten möchte, wo er sich bereits Verbindlichkeit wünscht. Das ist noch zu früh für mich. Ja, so wie manche von euch das beschrieben haben, habe ich Angst, mich wieder zu schnell selbst zu vergessen. Einerseits eine tolle (Hin-)Gabe und andererseits auch eine Falle für mich. Mein Selbstvertrauen, so ganz stabil bist Du noch nicht.

    Ich habe ein ganz schönes Büchlein gefunden :)

    kennt ihr das Märchen vom kleinen Drachen Hab-mich-lieb? Ich lernte es in der Reha kennen und nun entdeckte ich die Folgegeschichte Kater sind eben so - Habe mich in vielen Situationen wiedererkannt. Dabei ist alles so freundlich warm und einfühlsam erzählt.

    Wer weiß denn schon, was nächstes Jahr sein wird?
    Gerade deshalb habe ich zum aller ersten Mal für die Sommerferien ein Haus in Griechenland reserviert und werde im Okt./Nov. die Flugtickets buchen. Wenns anders kommen sollte kann ich ja stornieren oder versteigern, ggfs ist Platz für noch mehr Leute ;)
    In jedem Fall haben meine Kinder und ich etwas, worauf wir uns freuen...

    Ich finde es gut Ziele und Perspektiven zu haben und diese anzugehen. Sie müssen halt immer wieder überprüft und ggfs. neu angepasst werden.

    Ich habe gerade leicht reden, denn ich stecke ja nicht drin, deshalb kann ich Dir leicht empfehlen Dein kommendes Jahr zunächst und weitgehend ohne Deinen Mann zu planen, dennoch offen für ihn zu bleiben. Mit diesem Warten auf seine Behandlungserfolge hängt doch Dein Leben wieder nur von ihm ab. Orlando

    Wouw, Claerchen,
    Du leistest aber gerade unglaublich viel! Hinter dem zarten Namen scheint eine starke Frau zu stecken. Pass gut auf Dich auf!
    Und auch auf Deine Kinder. Eine Mama, die 150% bei der Arbeit gibt, das Haus und den Hund versorgt und sich unruhige Gedanken um die Zukunft ihrer Beziehung macht, ist wenig für sie da.

    Die Gedanken um die Zukunft kenne ich auch. Da ist der Wunsch in mir nach Klarheit, Sicherheit und Stabilität. Und wenn ich unsicher in die Zukunft schaue, wirkt sich das, wenn auch manchmal verdeckt, auf mein Fühlen und Handeln in der Gegenwart aus. Ich habe gerne Ziele, Perspektiven, Projekte vor mir, die ich/wir anstreben. Deshalb zeichne ich mir immer wieder Zukunftsbilder, die schön und erstrebenswert sind. Ich ahne allerdings Dein Dilemma: Deine Zukunft hängt vom Ergebnis seiner LZT ab.
    Was hindert Dich Dir Dein eigenes schönes Leben einzurichten, parallel zu seiner LZT. Du kannst dann in der Zukunft immer noch neu überdenken und entscheiden, ob Du ihn an Deinem Leben teilhaben lassen möchtest, in einem oder in zwei Haushalten, sich ein neues WIR entfalten darf und kann oder ob es besser für Dich ist, keine Ehe mit ihm zu führen. Setze Dich doch bitte jetzt nicht in eine vierwöchige Warteschleife, die Du ausfüllst mit Deiner bewundernswerten Leistungsfähigkeit. Orlando

    Hallo Melinak, Grazia und Clärchen,

    lieben Dank für Eure guten Wünsche, Anregungen und Gedanken. Ich denke im Moment nicht an Beziehung, frisch verliebt genieße ich den Moment und das Kennen lernen des anderen ;)

    LG, Orlando

    Eine jede von uns hat ihr eigenes Tempo, ihre eigenen Rhythmen und findet ihren Weg, für Zuschauende manchmal schwer nachvollziehbar und auch aushaltbar.

    Ich mag es auch gerne häuslich und kann mich bei der Gartenarbeit selbst vergessen, bin kein Party- und Halligallifan. Und doch auch liebe ich es, mich mit anderen auszutauschen, bin kontaktfreudig und gerne unter Menschen.

    Wenn ich auf meine hier aufgezeichnete 'Geschichte' zurückblicke, sehe ich Parallelen zu dem, was ich hier bei Emma lese und ich kann gut nachvollziehen, wie sie versucht mit den Gegebenheiten bestmoeglichst zufrieden zu leben. Rueckblickend auf mich bereue ich nichts. Ich habe nach meinen Möglichkeiten geliebt, bin mir bei allem immer selbst treu geblieben, habe viel gelernt und strahle heute von innen heraus...