hallo stern,
mir ging es die letzten jahre nicht anders. ich habe wie du nach dem ich bei meinen eltern ausgezogen bin einen alkoholkranken mann geheiratet, mit ihm kinder. auch ich habe mich daran erinnert, wie es bei mir zu hause war, mutter alkoholikerin, vater wolkoholiker und co abhängiger. auch ich handelte für meine kinder entsprechend mit einer trennung vom kranken vater um sie vor all dem zu schützen, was mir selbst wiederfahren ist.
eine zeit lang gab es gedanken in mir, die meine eltern betreffen. ich gab meiner mutter die schuld für mein leiden. dann gab ich meinem vater auch die schuld, hätte er sich doch getrennt, dann hätte ich eine andere kindheit mit vielleicht weniger schmerzen in mir.ich hatte den blick auf meine eltern, gab ihnen dafür die schuld, machte mich selbst von ihnen abhängig.ich habs ja nicht anders gelernt, eltern sind vorbilder.
doch ich habe dabei vergessen, das ich selbst inzwischen eine erwachsene geworden bin. ich lebte weiter im eltern kind verhalten, was mich abhängig machte. ich fühlte mich so hilflos wie ein kleines mädchen, immer in der hoffnung es könnte sich ändern. der blick auf die eltern, das betteln um annerkennung und liebe von beiden.
dann kam die wende und ich bin sehr froh das ich das erleben durfte. ich wurde selbst schwer krank, hatte angst um mein leben. in dem moment passierte das, was soooo wichtig ist. ich dachte endlich mal NUR an mich.ich hatte so viel angst, schmerz,leid in mir, was ich durchleben musste. ich machte therapie, kam nicht mehr mit mir selbst klar, drehte mich im kreis, gab schuld weiter, versuchte mich rauszureden usw.....bis ich erkannt habe mein glück, meine zufriedenheit kann ich nur dann finden, wenn ich loslasse. ich musste wachsen, das kleine mädchen musste erwachsen werden. ich hatte sehr viel angst in mir. meine gefühle in mir, der zorn, die wut, diese hilflosigkeit, das ausgeliefert sein, haltlos sein all das konnte ich erst dann aufarbeiten, als ich erkannte, das sind alles gefühle aus meiner kindheit. loslassen bedeutete für mich meine vergangenheit zu sehen, zu akzeptieren und mich im heute,als erwachsenen frau anzuschauen.
erwachsen sein, was bedeutet das. ich bin mir selbst heute sicher, es hat nichts mit lebensjahren zu tun. ich denke es hat was damit zu tun, wie gut ich mich lösen kann, von dem elternhaus um selbständig leben zu können.als co abhängige konnte ich mich nicht lösen. darum musste ich an meiner abhängigkeit arbeiten. wie wichtig sind denn anerkennung von eltern heute noch für mich. damals als kind war es sehr wichtig , doch heute? wie wichtig ist es mir,das der mir gegenüber das was er sagt auch lebt, hat es einen einfluss auf mich und mein leben? wenn ich unabhängig und eigenständig bin, dann haben diese dinge keinen einfluss mehr auf mich. dann weiss ich wer ich bin, was ich mache und übernehme die volle verantwortung für mich und mein leben ganz allein. dann schiebe ich die schuld für leid nicht mehr auf die anderen. verantwortung zu übernehmen ist schwer, einfache ist es auf andere zu zeigen, zu sagen du bist schuld. doch es zerstört innerlich.
ich bin gnadenlos ehrlich zu mir selbst geworden.durch diese ehrlichkeit fing ich an mich selbst wert zu schätzen. klar war, ich machte fehler. doch aus fehlern lernte ich auch.
den blick auf die eltern ist heute nach dem ich all das durchgegangen bin, mir gedanken machte, zur einsicht kam und meine innere überzäugung ändern konnte nicht mehr der den ich vor zwei jahren hatte.
heute seh ich zwei alte kranke menschen, die durch ihre krankheit und die sucht nicht in der lage waren mir diese schöne kindheit zu schenken, wie sie einem kind gut getan hätte.akzeptiert. beide waren damals schon so krank, das ihr einziger drang danach war, die sucht zu leben. mit allem was dazu gehört, egal wie es dem kind geht, hauptsache alkohol.
klar, mich bringen heute noch manche begegnungen in innere aufruhr, nur bin ich mir heut dessen bewusst, das es noch "alte" gefühle sind, die hoch kommen und so kann ich besser damit umgehen. ich bringe mich heute wieder zu mir, wenn das passiert. zu mir und meiner gefühlswelt und kann dadurch unbelastet damit umgehen.
schuld und schuldgefühle sind entstanden aus der sucht herraus. weil genau damit gearbeitet wird, nur das hällt den alkoholkranken dabei weiter machen zu können. das bekam ich mit auf den weg. nur wem gebe ich nur schuld, wenn hier eine krankheit dieses übel treibt. der krankheit?dem alkohol? was bringt mir das heute noch? nichts!!! ich akzeptiere die tatsache, das es so ist wie es ist. ich habe meine kindheit, mein erleben, akzeptiert. ich lebe heute und trage für mich selbst die verantwortung.
meine eltern? sie sind wie ich erwachsen. was sie tun, nicht tun, wie sie leben ist ganz allein IHRS und ich werde niemals mehr mich in die situation begeben, wieder da einfluss darauf zu nehmen. meine gedanken sind heute hier und jetzt nur bei mir, meinen kindern und meinem leben.
ich? nun ich bin wie ich erkannt habe ein richtig toller mensch. auch wenn eigenlob angeblich stinkt, dann stinkts halt einwenig...lächel....aber hier ist es für mich wichtig zu erkennen, das ich mir selbst wert sein kann, einen egoismus leben darf um selbstsicherer zu werden. damit ich stabil in MEINEM leben stehe und dabei glücklich sein kann.egal wie es anderen geht, ob diese krank sind oder nicht, das hat keinen einfluss mehr auf mich. ich erlaube mir mich um mich selbst zu kümmern und das kann ich inzwischen sehr gut. dazu gehört die eigenen grenzen zu erkennen und dann auch konsequent durchzuziehen. ein nein zu geben, auch wenns dem gegenüber nicht passt. nicht nach liebe betteln zu gehen sondern die eigene liebe in mir zu pflegen, dann bin ich auch hier nicht mehr abhängig von aussen.
weisst du, ich schreib das hier so auf, weil es erfahrungswerte sind, die ich weitergeben möchte. egal wie eure situation dort ist, versuche dich da zu distancieren und nicht zu richten oder zu urteilen. es sind die eigenen inneren verletzungen die dazu beitragen und schüren nur einen mords hass auf die eltern. seh ihre sucht und erkenne du hast damit nichts zu tun, es ist ihrs. es ist eine krankheit, akzeptier das. versuche dich selbst zu sehen zu erkennen, das liegt in dir was gerade passiert und du hast es in der hand ob du weiter leiden magst, ob du mit wut und zorn im bauch weiter leben möchtest im blick auf die eltern, oder ob du diese situation unabhängig und frei einfach akzeptieren kannst ohne darauf einfluss nehen zu wollen.
so ich hör nun auf, es ist schon ne ganze menge geschrieben. 
einen lieben gruß
melanie