hallo ihr zwei,
ich gebe zu, ich hab eine wut gespürt. ich bin auch darum verzweifelt, weil es für mich so aussieht, das es einfacher ist, einen partner den ich hatte irgendwann, trotz kinder, nicht mehr an meinem leben teil nehmen zu lassen, doch wenn es um die verbindung zu den eltern ist, es eine verzwickte geschichte ist.
wisst ihr,es sind nunmal die eltern. ich kann nicht behaupten , das ich meine mutter hasse. das wäre sogar ein gefühl, das ich gerne hätte. eher das gegenteil ist der fall. ich liebe meine mutter, das macht das ganze total schwer, diesen kontakt komplet ab zu brechen.
nun was mich zur zeit mehr beschäftigt, wie gehe ich damit um. diese zerrissenheit die ich habe.ich habe nicht besonderst viel sorgen mehr um meine mutter, ich kümmer mich auch sehr gerne nicht mehr um ihre angelegenheiten. doch die verbindung bleibt.meine gedanken zur zeit, auch wenn ich meine mutter erwähne sind mehr bei mir, als bei ihr. denn ich möchte für mich nun herrausfinden, was ich selbst für mich tun kann. für mich ist dennoch klar, so eine extreme situation, wie der tot meiner oma kommt ja nicht so oft vor. ausserdem sehe ich, das ich gerade in so einer situation gelernt habe eben nicht zu springen, sie machen zu lassen, klares nein zu geben.
tatsächlich ist es ja so, das meine eltern es dennoch gepackt haben, eine beerdigung zu organisieren, die verwandschaft einzuladen und uns alle daran teil haben zu lassen. ich hab mich schön davon distanciert gehabt.das war richtig gut und ich fühl mich bestärkt darin weiterhin dieses ihnen nicht helfen durch zu ziehen.
gestern waren wir dann auf der beerdigung. tatsächlich scheint der tot eine wirkung auf alle zu haben. meine gedanken sind auch dadurch sicherlich auf die familie gelenkt, eben ein abschied nehmen findet statt. ich denke das gehört dazu, erinnerungen kommen hoch, es wird alles nochmal angeschaut. ein prozess den ich nicht aufhalten kann, will, da ich es als normal ansehe, das meine trauerarbeit einfach mit sich bringt. auch diese familienstruktur wir klar, als ich die letzten worte hörte, woher meine oma kam, was sie erlebt hatte, wer sie war wurde mir nochmals deutlich, in unserere familie scheint das leiden einen festen platz gefunden zu haben.auch krankheiten gehören dazu.
als wir dann am friedhof standen und ich meinen eltern dort begegnete, meine mutter, diese alte frau, gebrechlich, weinend und meinen vater daneben. ich sah dort zwei kranke menschen. dennoch schaffte ich es auf beide zuzugehen, sie in den arm zu nehmen. die reaktion meines vaters war, das er lachte, sich freute wie ein kleines kind, mich nochmal und nochmal drückte.meine mutter konnte mit der umarmung anscheinend nichts anfangen. was mir aber das ganze leichter machen auch wieder weg zu gehen. ich kann noch nicht einmal behaupten, das es unangenehm war, es war nur seltsam.
ich lernte nach 39 jahren meine grosstante kennen. niemals zuvor habe ich sie gesehen. wusste zwar aus erzählungen das es sie gibt.als ich ihre lebengeschichte, alkoholiker als vater, alkoholiker als ehemann, trennung, scheidung komplettabbruch zu diesem mann hörte dachte ich nur, meine güte, alkoholismus ne familienkrankheit.
auch das ist familiengeschichte, isolation nach aussen verhinderte sogar den innerfamiliären kontakt zueinander. ich sass unter fremden, auch mein grossonkel sah ich erst das zweite mal in meinem leben.
das schöne war, es schien niemand mehr da zu sein, der kontakt zueinander bremste. wir unterhielten uns, tauschen nummern aus,versprachen den kontakt jetzt aufrecht zu halten. ich freue mich sehr darüber, bin dennoch verwundert. doch es scheint etwas passiert zu sein, was für alle etwas erlösendes befreiendes war.
liebe nici, meine mutter ist eine schmale frau geworden, abgemagert und zerbrechlich. auch mein vater.
diese spielchen, wie du sie beschreibst sind sehr in unser ritual eingezogen. ich merke ja selbst, das ist so kindisch, auch meine reaktion darauf heben kaum was von einer erwachsenen , das ist ein kleines bockiges mädchen in mir das reagierte. ein bockiges kind, das endlich erwachsen werden will und rebelliert was es nur kann um endlich sich aus den umklammerungen der nicht los lassenden mutter sich lösen zu können.darum schmunzel ich über deine worte. ich bin darin noch selbst nich all zu sehr erwachsen. ich hätte nämlich als erwachsene einfach nur gesagt, nein ich mach das nicht und es sein lassen.
jetzt, im nachhinein bin ich mir dessen sehr bewusst. meine reaktion, dort hin zu gehen und das zimmer meiner oma zu räumen war lediglich eine aus wut und zorn herrausgegange reaktion von mir, die mein kleines mädchen in mir handeln liess und nicht die erwachsene melanie, die tatsächlich weiss wer sie ist. ich seh mein handeln als einen rückfall den ich hatte. doch ich seh auch, das dieser rückfall mir bewusst gemacht hat, das ich das heute so nicht mehr machen werde.darum bin ich sofort den schritt zurück gegangen und hab mich total aus dem organisatorischen, der beerdigung rausgehalten gehabt.
ich habe aus diesem handeln gelernt.in zukunft, und darum schreib ichs hier auf, möcht ich da anders mit umgehen.ich denke meine mutter weiss wo sie mich treffen kann, nur ich weiss es jetzt auch und kann dagegen steuern.
liebe monty, meine gedanken drehen sich um mich. was ich hier aufschreibe sind zwar begegnungen mit meiner mutter, nur sind meine geühle, meine gedanken total auf mich gelenkt. denn ich will für mich herausfinden und das hab ich hier ja gemacht, wo sitzt bei mir mein punkt, an dem ich noch reagiere und wie kann ich in zukunft so damit umgehen. meine wut, die ich habe ist ja auch eine normale reaktion, auch das es mich zornig macht. das sind auch gefühle die ich annehmen möchte für mich, die mich handeln lassen. es ist wichtig geworden zu erkennen, was mich wütend macht. das habe ich erkannt. im moment ist es meine mutter.
irgendwann in begegnungen mit den menschen werden genau diese punkte auch bei anderen bei mir diese reaktionen auslösen, das merk ich ja auch. darum ist es mir sehr wichtig, das ich mir selbst klar darüber werde, wer ich bin, was ich mitbringe um dann auch in begegnungen mit meinen freunden zb handlungsfähig zu sein, beschreiben zu können, was in mir los ist und was mich so handeln lässt.jeh mehr ich über mich und mein gefühlseben, meiner prägung ich mich ausseinander setze, mich selbst auch kennen lerne desto besser kann ich dann auch ohne mauern begegnungen mit anderen menschen zulassen. das ist mir sehr wichtig, denn ich will nicht weiter leben, in isolation und hinter mauern, die mich hindern am leben teil zu nehmen.ich möchte ja ein leben in freiheit geniessen können, leben können.
nun ist das alles vorbei. ich habe für mich was dazugelernt. ich habe neue menschen kennen gelernt, gespürt, was in mir los ist. ich bin ewas traurig über den tot meiner oma, doch auch erleichtert und froh.nun heisst es für mich weiter zu machen. trauer spürte ich gestern keine, ich habe nicht geweint, ich habe es angenommen, das das leben irgendwann mit 94 jahren zu ende ist, und das es auch etwas erlösendes sein kann, wenn ein mensch, der die letzten jahre nur noch leiden musste, von uns gegangen ist.
libe grüße melanie