Hallo ich bins
ich war in den letzten Tagen etwas nachdenklich, mir hat so einiges zu schaffen gemacht. Heut morgen bei meiner Putzstelle konnt ich einige Puzzlesteine zusammensetzen.
Erstmal hab ich grad extra Putzstelle geschrieben, sonst schreib ich immer "auf Arbeit", weil ich mich schäme zu sagen, ich geh putzen. Aber das ist blöd, sich dafür zu schämen, so kommen wir über die Runden und gut ist.
So, gestern hab ich in Oiseaus MutmachThreat meine Meinung geschrieben. Ist mir sehr schwer gefallen, hatte auch eine besorgte Nacht, dass manche jetzt bös auf mich sind, aber die reden noch mit mir! 


Ich kann meine Meinung sagen, ohne dass was Schlimmes passiert, das hat mich heut beflüüüüügelt! Hat mir auch geholfen, die Puzzlesteine weiter zusammenzusetzen.
Diese Enttäuschung über die Sachen des Nachbarn, die ich nicht bekommen hab, die war nicht "normal". Das macht mir schon die ganze Woche zu schaffen. Statt mich zu freuen, hatte ich nur Angst, dies oder jenes nicht zu kriegen. Dann hat der Gärtner paar große Blumentöpfe bekommen und ich hab mich tagelang geärgert, obwohl ich die Töpfe gar nicht brauchen kann. 

Ich war nur noch nervös und gereizt, mocht mich selber nicht mehr leiden. Ich bin nicht so ein Geier, der alles an sich rafft, im Gegenteil, als guter Co geb ich sogar Sachen weg, die ich selber gern behalten hätte.
Meine Schwester ist laut, fordernd, nimmt sich, was sie will. Das hat sie schon früher gemacht. Ich war ruhig und am liebsten unsichtbar. Deswegen hat sie schon immer bekommen und für mich ist meist nichts übrig geblieben. Ich ging leer aus und war enttäuscht. Und genau dieses Gefühl hat ich diese Woche beim Nachbarn und das hat mich fertig gemacht. Ich war wieder das kleine traurige Mädchen.
Das brachte gleich den nächsten Gedanken ins Rollen. In meiner Herkunftsfamilie gibt es keine Reichtümer, Familiensilber oder so was. Nur bisschen Geschirr und sowas von meiner Urgroßmutter, und das hat sich alles meine Schwester rechtzeitig genommen, ich hab nichts. Das macht mir schon seit Jahren zu schaffen, rumort in mir, aber ich trau mich nicht, was zu sagen. Meine Schwester ist übrigens meine beste Freundin, wir können über alles reden, aber eben nicht über uns und unsere Gefühle. Wenn es etwas tiefer geht, da gehen wir drüber weg, wir könnten uns ja verstreiten. Ich hab Angst, wenn meine Mutter mal stirbt und meine Schwester nimmt alles, das unsere Beziehung dann drunter leidet. Ich hab aber auch Angst, das einfach mal anzusprechen, dann könnte ja die Beziehung auch nicht mehr so "gut" sein.
Bis jetzt war ich die kleine Schwester, die sich immer "unterworfen" hat, nicht aufgemuckt hat. Aber die will ich nicht mehr sein, ich gehör auch zu der Familie und hab auch REchte. Ich werd mit ihr reden, vielleicht schreib ich auch einen Brief, wenn ich mich nicht reden trau. Vielleicht auch nicht heut oder morgen, ich arbeit gedanklich dran. Zu verlieren hab ich nichts, sowas muss eine gute Beziehung aushalten. Angst hab ich trotzdem.
Das Ausräumen beim Nachbarn kann ich jetzt hoffentlich auch ein bisschen ruhiger angehen. Es ist nicht Persönliches, es ist kein Liebesentzug und ich bin kein kleines Mädchen, das nicht gesehen wird.
Ist jetzt vielleicht alles ein bisschen durcheinander, aber mein Kopf ist wieder geordnet.
julchen