Hallo Nea,
War es bei deinem Mann also gar nicht so, dass er lieber bei seiner Familie u in seinem schönen Haus selbstgebauten Haus war als in der Kneipe zu hocken?
Das musste er notgedrungen, denn als er seine Geliebte Alkohol nicht mehr mit zu mir und den Kindern nach Hause bringen durfte, blieb ihm nichts anderes übrig, als sie in der Kneipe zu treffen und in sich hineinzuschütten.
Mein Mann wollte eine Familie mit mir gründen, hat dafür sogar eine vierstündige Operation in Kauf genommen. Er liebt sein Zuhause und hängt sehr an seinen Kindern, macht die tollsten Sachen mit ihnen, wenn er nüchtern ist. Und gleichzeitig vergiftet er ihnen mit dem Alkohol ihre Kindheit und macht sie zu künftigen EKA´s. Für Aussenstehende nicht nachvollziehbarer Irrsinn, für mich eine der schmerzvollsten Entscheidungen, die vermeintliche Liebe meines Lebens wegen einer Flüssigkeit verlassen zu müssen, um mich und meine Kinder vor größerem Schaden zu bewahren.
Er sagt mir, dass ihm das Kneipengehocke und Gesaufe schon selber auf die Nerven geht, und dass er sich schon so auf die Familiensonntage freut, und darauf, mit mir und den zukünftigen Kindern was zu unternehmen, bzw., was für uns zu tun, Arbeiten am Haus, im Garten, im Stall...
...und dass ihn dann die Kneipe nicht mehr interessieren wird.
Wenn das Haus fertig ist, wenn die Glühweinstände abgebaut sind, wenn er genau diesen Job bekommt, wenn Silvester vorbei ist. WARUM nicht JETZT?
Ich habe das Pferd irgendwann mal von hinten aufgezäumt und mich gefragt, was wäre, wenn MICH mein Partner auf meinen steigenden Alkoholkonsum anspräche, und sich Sorgen darum machte. Und fand eine ziemlich simple wie einleuchtende Anwort: Ich würde den Konsum problemlos SOFORT und für immer einschränken können, problemlos deshalb, weil es für mich kein Verzicht bedeuten würde und mir darum ausgesprochen leicht fiele.
Wenn einem das so dezidiert gesagt wird, möchte man das doch gern glauben.
Geglaubt habe ich auch immer wieder voller Überzeugung, wer zerstört sich schon gern eigenhändig den Traum von der heilen Familie? Irgendwann war aber auch für mich nicht mehr zu übersehen, dass das was er sagte, absolut nicht zu dem passte, was er tat.
Wenn er von heut auf morgen sagt:"Du, mir ist die Kneipe wichtig und ich werde weiterhin mit meinen Kumpels nach der Arbeit meine Bierchen trinken, und mich am Sonntag ab 11 zudröhnen. Du kannst da gerne mit machen und wenn nicht, dann halt nicht." Dann könnte ich mich problemlos u strikt entscheiden.
Diese Frage, warum er es dir nicht klar sagt, hast du dir schon selbst beantwortet: Wenn er dieses klare Statement abgeben könnte, würdest du dich problemlos (gegen ihn) entscheiden.
Aber ich möcht doch so gern diese zukunft leben und seinen Worten glauben.
Und mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, was er eigentlich tun könnte, um mich aus meinem Misstrauen raus zu holen.
Weil ers problemlos 60 Tage (und davor 2 Jahre lang) ohne Alk aushält, ohne mit der Wimper zu zucken.
Weil er für mich nicht einstufbar ist, als Quartal-, Spiegel- oder was auch immer-Trinker.
Das mit der Zuordnung zu einer Schublade hätte ich auch immer gern gehabt, um sicher zu sein, die richtige Entscheidung zu treffen. Mein Mann hat sich von anfänglichen 4-6 Bier ein bis zweimal im Monat innerhalb von vier Jahren auf mittlerweile 2 bis 4 Trinkgelage in der Woche (!!) gesteigert. Zwischendurch gab es auch Trinkpausen von sogar drei Monaten.
Und genau das machte es mir so schwer: ich konnte ihn nicht eindeutig einordnen und in diesen Trinkpausen hat er -um seine Schuldgefühle zu minimieren- so viel für die Familie getan, war charmant, liebevoll und zuvorkommend, so dass ich mich wieder beruhigte, neue Hoffnung schöpfte und weitermachte wie zuvor. Die Zeitabstände wurden schleichend immer geringer und irgendwie blieb immer ein bißchen mehr fader Beigeschmack aus der letzten Runde des Karussells hängen, bis irgendwann auch die schönsten Worte nicht mehr "schmecken" wollten. Um ungestört trinken zu können, musste er sich nicht nur sich selbst in die eigene Tasche lügen, sondern leider auch mir als Partner etwas vormachen. Das Vertrauen blieb dann von ganz allein auf der Strecke und war irgendwann irreparabel beschädigt.
Als ich hier im Forum aufschlug, wurde ich gefragt, was es denn mit MIR macht, wie es MIR dabei geht, ob ich so wie es heute ist, damit leben kann. Und ich fragte mich: "Wieso mit mir? Ich bin o.k., ich will doch IHM helfen, will, dass ER sich ändert. Er muss doch nur weniger trinken, dann ist alles gut." Und genau das ist der Knackpunkt.
Es ist völlig irrelevant, wieviel Alk er wann, wo, mit wem und wie oft trinkt, und in welche Schublade er letztlich passt, er ist schon groß und entscheidet das selbst. Wichtig bist DU und was es mit DIR macht. Und das kannst du nur herausfinden, wenn du mal nur auf DICH und DEINE Bedürfnisse schaust.
Weil ich es für möglich halte, dass wir auf einem Level miteinander leben können, wo es mich nicht stört, dass er Alkohol trinkt und ich mein Ding mach und er eben seins.
Genau so ist es jetzt bei uns: er trinkt, ich mache mein Ding und er seins. Nur: Wir sind getrennt und leben nicht miteinander. Darunter stell ich mir dann doch etwas anderes vor.
Das liest sich alles nicht gut an. Gar nicht gut...[/quote]
Und deswegen: schreib und lies hier, was das Zeug hält. Dabei sortiert sich schon einiges.
Liebe Grüße
Nina
PS: Vielleicht kann mir jemand einen technischen Tipp geben, wie ich die Zitatfunktion sinnvoll nutzen kann 