Beiträge von Sweetnina5

    Hallo zusammen,

    nachdem die Trinkpausen meines Mannes immer kürzer werden und er mittlerweile zwei Abstürze pro Woche als völlig normal empfindet, weil er durch diverse Anlässe ja förmlich zum Trinken genötigt wird, habe ich jetzt spontan Nägel mit Köpfen gemacht.

    Als ich gestern Morgen sah, dass er seinen Rausch im Bett unserer Tochter, die glücklicherweise die Nacht wegen eines Alptraumes in meinem Bett verbracht hatte, ausschlief, ist mir nach acht Wochen WG-Leben in totaler Ignoranz mein allerletzter Geduldsfaden gerissen und ich habe abends mein Trennungsanliegen vorgetragen.
    Die völlig desinteressierte Reaktion darauf war ziemlich ernüchternd für mich: Von "die einzige, die ein Problem mit meinem Alkoholkonsum hat, bist du" über "du musst daran mitarbeiten, dass unsere Ehe besser läuft" bis hin zu einem gelangweilten " Dann isses jetzt halt so" war alles dabei in diesem emotionslosen 4-Minuten-Gespräch.

    Kopfmässig geht es mir zwar gut, weil ich weiß, dass es für mich und meine Kinder die einzig mögliche Entscheidung ist, auch wenn jetzt sehr harte finanzielle Zeiten für mich anbrechen. Ich war und bin immer noch weit entfernt davon, Tränen zu vergiessen. Trotzdem sitze ich jetzt hier mit meinem dicken Bauch und frage mich, WARUM zum Geier alles soweit kommen musste und ob ICH noch irgendetwas dazu hätte beitragen können, so dass sich alles doch noch zum Guten gewendet hätte.

    Die Antwort darauf kenne ich zwar ganz tief in mir drin, trotzdem könnte ich jetzt echt ein paar Anschubser gebrauchen.

    Eine ziemlich wehmütige Nina

    Hallo Nancy,

    danke für deine aufmunternden Worte. Im Moment versuche ich einfach nur jede Stunde und jeden Tag auf meinem Weg zu bleiben. Abgesehen davon, dass ich andernfalls nicht nur viele Wochen Standhaftigkeit und Konsequenz in den Sand setzen würde, habe ich für einen weiteren Rückfall meinerseits keine Kraft mehr.
    Glücklicherweise bestärkt er alle paar Tage durch neue Abstürze meinen Entschluss, und obwohl er kein Gespräch mehr mit mir sucht, versucht er trotzdem die altbekannten und auch ein paar völlig neue Knöpfe zu drücken, und es scheint ihn zu verwirren, dass keiner davon funktionieren will.

    Zwar kenne ich den Weg, den ich für mich gehen muss sehr genau, trotzdem fällt es mir enorm schwer, völlig abzuschalten und mich auf mich selbst zu besinnen, solange ich noch nicht räumlich getrennt bin und (fast) jeden seiner Exzesse notgedrungen mitbekomme. Aber wem erzähl ich das.

    Der Termin beim Anwalt wird hoffentlich mehr Licht auf meine Position bringen, so dass ich anschließend von mir aus das klärende Gespräch mit ihm suchen und dieser für mich unerträglichen Situation bald ein Ende bereiten kann.

    LG
    eine ziemlich geschaffte Nina

    Hallo zusammen,

    da ist Dornröschen also wieder. Ich bin sozusagen in den letzten acht Monaten noch einmal kurz eingenickt. Fataler Fehler meinerseits.

    Auch ich habe mich noch ein letztes Mal mit etlichen Versprechungen weichkochen lassen und habe die paar Wochen, die es gutging, selig vor mich hingeschlummert und eines guten Tages festgestellt, dass ich a. schwanger bin b. Insolvenz anmelden muss und c. sich nicht nur nichts geändert hatte, sondern es auch noch zusehends schlimmer wurde. Der Neuanfang sollte wohl eher eine zweite Chance für mich werden, um mich nun endlich mit den Gegebenheiten abzufinden.

    Was sich aber seit Weihnachten merklich geändert hat, ist seine Emotionslosigkeit und Kälte. Wo er vorher noch zumindest versucht hat, zu beschönigen, einzulullen, oder einfach mit Aufmerksamkeiten wieder wettzumachen, ist jetzt nur noch Gleichgültigkeit. Was er sagt und wie er handelt könnte widersprüchlicher nicht sein. Seine Kinder können ihm kaum noch etwas recht machen, und selbst unsere 2-jährige Tochter wird sofort angefahren, wenn sie zum falschen Zeitpunkt den Wunsch äußert, mit ihm spielen zu wollen. Mein Mutterherz blutet zeitweise unendlich.

    Im Frühjahr waren wir gemeinsam zum Gespräch beim Jugendamt eingeladen um unser Statement zum künftigen Wohnort seines Sohnes abzugeben. Seinen Einzug bei uns habe ich ganz klar ausgeschlossen und auch entsprechend begründet. Alternative wäre für mich der sofortige Auszug meines Mannes gemeinsam mit seinem Sohn gewesen, was jedoch bei meinem Mann und auch beim Jugendamt keine Zustimmung fand, da er weder ausreichend Zeit noch Kompetenz hat, um sich allein um ihn zu kümmern.
    Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass er seinem Sohn bereits fest versprochen hatte, dass er bei uns wohnen würde, so dass dieser bereits auf gepackten Koffern saß. Dem Jugendamt hat er erzählt, dass er seinen Sohn ab Datum XY zu sich nimmt, einem gemeinsamen Freund gegenüber erwähnte er, dass ich mich schon wieder beruhigen und diese Tatsache akzeptieren würde.

    Das ist nun knappe sechs Wochen her, es folgten viele harte Worte, ein einzelner durch meine Widerspenstigkeit verursachter Termin bei der Eheberatung, eine eisenharte direkte Konfrontation mit seinem Sohn und mit dem Jugendamt, die Auflage, eine Suchtberatung zu kontaktieren, mindestens sieben Abstürze (vage geschätzt, da ich nicht mehr Co-mäßig mitzähle) und endlich getrennte Schlafzimmer.
    Auf Nachfrage, warum ich ihn komplett ignoriere, habe ich ihm die Gründe, warum ich ihn verlasse, noch einmal schriftlich zukommen lassen. Wo ein Nicht-Alkoholiker entweder sagen würde: Ok., sehe ich genauso, lass uns lieber getrennte Wege gehen, oder anfangen würde zu kämpfen, sitzt er wie das Kaninchen vor der Schlange und zeigt erstaunlicherweise absolut null Reaktion. Wenn ich sie nicht sehe, sieht sie mich auch nicht. Was wiederum bedeutet, dass ich auf ihn zugehen muss, um ihn zum Auszug zu bewegen.

    Sein Sohn, der jetzt drei Wochen in den Ferien bei uns ist, musste ihn letzte Woche nachts um vier im Nebengebäude, wo die beiden momentan schlafen, vom Boden aufsammeln, wo er volltrunken zusammengebrochen war, er hatte sich nicht getraut, mich zu wecken. Das Ende vom Lied war, dass sein Vater in das (einzige) Bett torkelte und ihn beim Versuch ihn zum Verlassen des Bettes zu bewegen wüst beschimpfte.
    Seitdem hat der Junge einmal mich und einmal unsere neuen Mieter bestohlen. Weil mein Mann lediglich droht und droht, aber letztendlich nichts umsetzt (und wohl auch als glänzendes Vorbild nicht umsetzen kann), habe ich heute morgen zum Telefonhörer gegriffen und den Leiter der Einrichtung, in dem sein Sohn lebt, über die Geschehnisse, meinen Unwillen, mich in meinem Haus als Gast zu fühlen und alles wegschließen zu müssen und auch unsere bzw. MEINE Trennung informiert. Ich habe zwar erst beim zweiten Anlauf die Nummer gewählt, aber dafür habe ich klar Stellung bezogen und für mich sonst wichtige Hintertürchen unwiderruflich zugeschlagen. Jetzt wissen wirklich ALLE Bescheid.

    Als ich vorhin meinen Thread noch einmal komplett durchgelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich den kurzen Dialogausschnitt ganz am Anfang in der Zwischenzeit mehrmals und gerade letzte Woche 1:1 genau wie geschrieben geführt habe. Das Erschreckende ist, dass es mir nicht einmal aufgefallen wäre, würde es hier nicht schwarz auf weiß stehen.

    So, das musste jetzt alles ganz dringend unsortiert und unzensiert aus mir raus. Ich hoffe, ihr könnt mir noch folgen und habt jede Menge Feedback für mich, damit ich diesmal schön in meiner Spur bleibe.

    LG Nina, die bereits einen Termin beim Anwalt hat

    Liebe Linde,

    ich hoffe, du hattest einen schönen Jahreswechsel.

    Mir war nicht nach Feiern zumute, ich wollte lieber mit mir allein sein. Mein Mann war noch da -stocknüchtern- und hat am frühen Abend für unsere Tochter ein eigenes Feuerwerk vor der Terrassentür inszeniert, damit sie keine Angst haben muss, falls sie nachts aufwacht. Diese strahlenden Kinderaugen verzaubern mich immer wieder.
    Als ich mir um Mitternacht draussen das Feuerwerk angesehen habe, hat sich dann unerwartet doch noch die eine oder andere wehmütige Träne einen Weg gebahnt, daran sehe ich, dass ich noch am Anfang stehe.
    Erst seit heute Abend lese ich wieder hier, lange schaffe ich es noch nicht, es gibt zuviele Geschichten, in denen ich mich immer und immer wiederfinde. Erkennen und erkannt werden.

    Danke für deine lieben Worte und die virtuelle Umarmung. Hat gut getan.

    Nina

    Ihr Lieben,

    ich habe dieses Jahr meinen geliebten Hund, mein zweites Kind und meinen Ehemann verloren. Viel mehr kann da hoffentlich nicht kommen.

    Also freue ich mich voller guter Vorsätze auf 2009, denn es kann nur noch aufwärts gehen.

    Und das wünsche ich jedem einzelnen von euch auch.

    Liebe Grüße
    Nina

    Linde, du hast einen für mich sehr wichtigen Satz geschrieben: Er lebt den Kindern die Suchtstruktur vor.
    Nüchtern kann er ein noch so guter Vater sein, in betrunkenem Zustand löscht er diese Tatsache einfach komplett aus. Ich habe lange Zeit damit verbracht, mir vorzugaukeln, diese dunkle Seite würde nicht existieren, und fast genauso lange habe ich gebraucht um zu begreifen, dass diese andere Seite nun mal da ist, und sie nur verschwinden kann, wenn er (um deine Worte zu gebrauchen) trocken lebt und trocken denkt. Auch ein nüchterner Alkoholiker ist ein Alkoholiker. Entweder liebe ich also beide Seiten an ihm, denn sie gehören ja untrennbar zu ihm, oder ich lass es bleiben. Ich habe mich zu meinem eigenen Wohl für das Bleibenlassen entschieden. Basta.

    Mein Kind kann das nicht für sich entscheiden. Kleine Kinder lieben ihre Eltern - ob sie wollen, oder nicht. Ob die Eltern nun dick oder dünn, reich oder arm, alkoholabhängig oder abstinent sind. Kleine Kinder sind in dieser Beziehung wie junge Hunde: Sie besitzen ein unglaubliches Urvertrauen, bis sie hartnäckig eines besseren belehrt werden. Und genau das ist der Grund dafür, ihr gerade jetzt nur die gute Seite ihres Vaters zu zeigen und ihr meinerseits ein Leben ohne Suchtstrukturen vorzuleben.

    Umso schlimmer ist für mich die Tatsache, dass ich ja bereits alles als Kind erlebt habe und die gesamte Gefühlspalette bis in die letzten Nervenenden kenne. Und trotzdem war ich lange Zeit nicht in der Lage, einen wirklich komplexen und brauchbaren Zusammenhang herzustellen, weder für mich noch für die Kinder. Vielleicht Verdrängungskunst, oder einfach absolut Co.

    Die fast erwachsene Tochter meines Mannes hat mich heute in einer ruhigen Minute nach dem Stand der Dinge gefragt und ich habe ihr -ohne jegliche Schuldzuweisungen und Anfeindungen- offen und ehrlich Rede und Antwort gestanden. Sie hat sich mir gegenüber erstaunlich geöffnet, wir haben ohne große Umschweife über ihre und auch meine Kindheit gesprochen. Für den Moment dachte ich, ich stehe mir selbst gegenüber und scheinbar ging es ihr ähnlich, denn zum Abschied haben wir uns noch nie so fest gedrückt, wie wir es heute getan haben. Ein wichtiger Schlüsselmoment, den ich jetzt erstmal verdauen muss.

    Euch noch eine schöne sternenklare Nacht
    Nina

    Hi kaltblut,

    ja, MUSS. Bei den Treffen mit seiner Tochter herrscht weder dicke Luft, noch ist einer von uns - auch nicht unterschwellig- wütend auf den anderen, noch werden Gespräche über Alkohol oder unsere Ehe geführt. Ich sage trotzdem "ertragen MUSS", weil es mir aus purer egoistischer Bequemlichkeit, wie bei einem kinderlosen Beziehungsende, ein "aus den Augen, aus dem Sinn" lieber wäre.

    Ich kann und werde meiner Tochter nicht den Vater komplett vorenthalten, wenn es nicht zwingend notwendig wird. So, wie mein Vater mir meine Mutter nach der Trennung jahrelang vorenthalten hat, weil er der Meinung war, er hätte das Recht, das mal einfach so aus seinem gekränkten Ego heraus zu entscheiden.

    Mein Mann ist kein schlagendes, aggressives Ungeheuer, nicht einmal, wenn er voll ist. Nüchtern ist er ein umsichtiger und liebevoller Vater, wohlgemerkt NUR wenn er nüchtern ist. Zwei Persönlichkeiten halt. Weil man aber nie weiss, wann er die erste Bierflasche köpft und sich mit dem Kronkorken auch sein Verantwortungsbewusstsein verabschiedet, vor allem gerade jetzt nicht, achte ich darauf, dass sie ihn nicht mehr in an- oder betrunkenem Zustand sieht. Mitgeben kommt deshalb nicht in Frage. Ihr Urteil über ihn wird sie irgendwann selbst bilden können und müssen.

    Liege ich denn wirklich so falsch mit meiner Einstellung, oder suche ich nur Entschuldigungen?

    fragt sich Nina


    Wir haben uns getrennt, wir haben unsere Gründe dafür, Eltern bleiben wir trotzdem.

    Hallo Raintrops,

    du meinst, ich soll den Kontakt zu unserer Tochter komplett unterbinden? Wie lange? Bis er aufhört zu trinken? Bis sie zur Schule geht? Bis sie 18 ist?

    Ich halte das, ehrlich gesagt, für keine gute Idee. Die Trennung der Eltern ist eine Sache, trotzdem bleibt man ein Leben lang Eltern, ob man will oder nicht. Und solange er nüchtern ist, ist es für mich völlig o.k., wenn er für eine Stunde am Tag vorbeikommt und sich mit ihr beschäftigt. Wie man aber sieht, kann er nicht mal das einhalten. Mitgeben möchte ich sie ihm deshalb im Moment nicht. Also muss ich ihn wohl oder übel täglich für eine Stunde "ertragen".

    LG Nina

    Guten Morgen,

    Thea, meine Tochter ist zwei Jahre alt. Zur Zeit gerade anwesend ist der 14jährige Sohn meines Mannes, der aber nicht dauerhaft bei ihm bzw. uns lebt.
    Ich kann dir bestätigen, dass auch eine Zweijährige sehr wohl mitbekommt, dass etwas gewaltig im Argen ist. Und weil sie es nicht begreifen und zuordnen kann, hat sie keine andere Möglichkeit, als es erstmal auf sich zu beziehen. Daher auch meine Konsequenz.
    Das mit der Alkoholkontrolle vor seinen Besuchen werde ich deshalb auf jeden Fall beibehalten -Co hin oder her- denn ich lasse ihn bestimmt nicht noch einmal betrunken auf eine wehrlose Zweijährige los.

    Lieber kaltblut, irgendwie kann ich dir nicht ganz folgen: Dass das mit dem 2.Januar ein guter Vorsatz ist, ist hoffenlich nur Spaß oder wenigstens ironisch gemeint?
    Meinen eigenen Weg gehe ich bereits. Sicher, ich tue das erst seit ein paar Tagen, aber ich habe keineswegs die Absicht, nochmal abzubiegen. Deshalb auch der Titel "Dornröschen ist aufgewacht". Geschlafen habe ich lange genug.
    Zuallererst möchte ich mit der Kontrolle meine Tochter schützen, ob dahinter auch noch ein Teil Abhängigkeit steckt, möchte ich bezweifeln, aber auch nicht ausschliessen. Vielleicht kannst du mir diesen Zusammenhang aus deiner Sicht noch mal näher erläutern, damit ich darüber nachdenken kann.

    LG Nina

    Nee, nee, die Phase mit den Chancen habe ich hinter mir. Auch heute ist es mir nicht mal schwergefallen, ihn abzuweisen.

    Du hast vollkommen recht mit dem, was du zum Thema Verantwortungsbewusstsein für Kinder schreibst, ich hätte es nicht treffender formulieren können.

    Ich kenne deine Geschichte nicht, aber du scheinst selbst als Kind mit Alkoholkranken konfrontiert gewesen zu sein. Dann verstehst du bestimmt, was für ein emotionaler Tsunami sich da gerade bei mir einen Weg nach oben bahnt. Fast so, als wäre ich in einer Zeitmaschine zurück in meine Kindheit gebeamt worden.
    Vielleicht fällt mir deshalb im Moment einfach nur das Sortieren schwer, und ich brauche nur ein wenig Bestätigung als letzten Tritt in den Allerwertesten, um das auch umzusetzen.

    An dieser Stelle sage ich danke, dass du das für heute übernommen hast. Aua.

    eine schon viel entschlossenere Nina

    Danke für deine Worte, liebe Linde, du rennst damit offene Türen ein bei mir.

    Das mit dem Tipp (den ich übrigens absolut skrupellos anwenden würde, die Tel-Nr der Wache ist schon abgespeichert) war natürlich auch mein erster Gedanke, lässt sich aber nicht umsetzen, weil er die Nacht im Nebengebäude verbringen wird. Sollte er doch noch fahren, werde ich es leider nicht mitbekommen, dazu ist es zu weitläufig hier.
    In diesen Minuten mache ich mir aber Gedanken darüber, ob es nicht als lebenslange Co-Abhängige meines Vaters zumindest meine moralische Pflicht wäre, den Leiter der Einrichtung, in der sein Sohn lebt über die Vorgänge zu informieren um entsprechende Schritte einleiten zu können. Der Mann ist nämlich leider bis jetzt -wie viele andere-komplett ahnungslos.
    Einerseits komme ich mir dann vor wie eine rachsüchtige Petze, andererseits hätte ich mir in meiner Jugend einfach jemanden gewünscht, der wenigstens auf diese Art versucht hätte, mich zu unterstützen.

    eine mal wieder etwas ratlose Nina

    Wenn ihr wüsstet wie recht ihr habt. Nach aussen hin habe ich die letzten Tage sehr sicher und souverän gewirkt und das ist wohl auch jetzt noch so, obwohl ich gerade implodieren könnte.

    Es war abgesprochen, dass mein Mann heute Abend noch auf eine Stunde (nüchtern) reinschaut, um sich mit der Kleinen zu beschäftigen. Leider war sie als Erste an der Tür und so sitzt er jetzt heftig angetrunken mit ihr auf dem Teppich. Sein Sohn, den er mit im Auto hatte (!!) erzählte mir, dass er versucht hat, ihn vom Trinken abzuhalten (der arme Bengel), es aber nicht geschafft hat, weil sein Vater meinte, es sei eh alles egal jetzt. Er wollte dann lieber zu Fuss hierher laufen, konnte sich wohl aber nicht durchsetzen. Unglaublich. Unverantwortlich.

    Am liebsten würde ich ihn auf der Stelle rausschmeissen, das möchte ich aber den Kindern nicht antun. Also werde ich ihn gleich höflich bitten zu gehen. Die nächsten Besuche finden garantiert nur noch nach vorheriger Alkoholkontrolle statt.

    Wäre es nicht so unendlich traurig, würde ich mich direkt über die Bestätigung meiner Entscheidung freuen.

    Traurige Grüße Nina

    Hallo alle,

    erstmal vielen Dank für die herzliche Aufnahme in eurem Kreis.

    Thea : Du hast natürlich Recht mit deinem Vorschlag. Allerdings hat mein Mann jetzt doch mit ihm darüber gesprochen. Wenn sich die Gelegenheit in den nächsten Tagen ergibt, werde ich das auch nochmal tun.

    @Linde: Ja, Dornröschen war die mit den 100 Jahren Schlaf und irgendetwas habe ich wohl tatsächlich verpennt, denn ich hatte eben ein zufälliges aber aufschlussreiches Gespräch mit meinem Mann, nach dem er gestern Nacht noch einige e-mails und SMS mit weiteren Versprechungen geschickt hat. Ein kurzer Auszug:

    Er (in kaltem Tonfall):Soll das jetzt so weitergehen? (er meinte damit die Wohnsituation)

    ich (sachlich): Ja, solange keiner von uns eine eigene Wohnung hat.

    Er: Ich begreife nicht ganz, warum du so plötzlich (!!) alles hinwirfst, ich habe dir doch gesagt, dass ich den Alkoholkonsum reduzieren werde. Dann hast du mich ja nie geliebt.

    Ich: Plötzlich? Nach 54 mitgezählten Abstürzen in 2007 und jetzigem Durchschnitt von 2 Abstürzen/Woche kommt das ganze für dich plötzlich? Und du meinst nicht, dass ich so lange durchgehalten habe, gerade weil ich dich geliebt habe.

    Er: Das mit dem vermehrten Trinken liegt ja auch an Weihnachten (??). Vor der Geburt unserer Tochter waren wir ja auch mal zusammen los und haben was getrunken.

    Ich: Richtig. Vor der Geburt unserer Tochter hast du auch nicht sturzbetrunken im Kinderzimmer gestanden und Gutenachtlieder gelallt.

    Er: Ich werde es mir selbst beweisen. Ab dem 2.Januar (damit er Silvester nochmal den Hebel auf den Tisch legen kann) trinke ich nicht mehr und halte durch bis zur Feier X im Februar. (Applaus, ganze 5 Wochen Pause)

    Ich: Du verschwendest meine und auch deine Zeit.

    Hier wurden wir durch seinen Sohn unterbrochen, der zur Tür hereinkam.

    Kann mir mal bitte jemand verraten, wer von uns beiden durchgeknallter ist? Ist das normal so zu tun , als wäre gar nichts los. Oder hab ich alles nur geträumt?

    LG Nina

    Hallo alle zusammen,

    ich habe mich ja bereits gestern im Vorstellungsbereich als Co-Abhängige geoutet, nachdem ich aufgrund der Ereignisse am 2.Weihnachtstag meinem Mann endgültig meinen Ehering vor die Füße geworfen habe.
    Gestrige Briefe und SMS mit weiteren Versprechungen habe ich vollständig ignoriert. Obwohl er offensichtlich spürt, dass mein Verhalten diesmal "irgendwie anders" als die letzten zwanzig Male ist, scheint er trotzdem noch zu hoffen, dass es nur eine Phase ist, und er in den nächsten Tagen -wenn meine Wut verraucht ist -wie sonst auch- wieder in mein Bett zurück darf. Dass das nicht passieren wird, wird ihm automatisch irgendwann klar werden.
    Mal ganz abgesehen von der Lawine von Problemen, die aus der Trennung resultieren und die ich bereits aus der Ferne auf mich zurasen sehe, habe ich ein momentan ein sehr akutes anderes Problem, was mir sehr am Herzen liegt:
    Sein 14jähriger Sohn aus erster Ehe ist seit dem Trennungstag zu Besuch und wird auch Silvester bei uns verbringen. Ein liebenswerter junger Mann, der leider z. Zt in einer Jugendeinrichtung untergebracht ist, weil er -sehr kurzgefasst- seit Jahren heftige Probleme mit seiner Mutter hat. Ich habe meinen Mann gebeten, ein offenes Gespräch mit seinem Sohn über die Situation zu führen, was er aber nicht getan hat, weil er wie bereits erwähnt, glaubt, dass wir in Kürze wieder unsere Ehe wie gehabt fortsetzen und deshalb nicht die Pferde verrückt machen will. Also hat er ihm gesagt, dass wir nur eine Meinungsverschiedenheit haben und sie deshalb kurzfristig ausserhalb schlafen. Tagsüber sind sie hier im anderen (separatem) Teil des Hauses, in dem sich unser Büro und das Kinderzimmer befindet.
    Natürlich wäre mir eine komplette räumliche Trennung lieber, weil diese aber (noch) nicht möglich ist, versuche ich mich ihm gegenüber so normal wie möglich zu verhalten, aber ein Teenie -besonders ein so vorbelasteter- hat sehr feine Antennen und merkt sehr wohl, dass hier irgendetwas gewaltig krumm läuft. Er ist dadurch sehr verunsichert und traut sich auch kaum, sich wie gewohnt frei zu bewegen.
    Einerseits habe ich ein sehr schlechtes Gewissen ihm gegenüber, weil ich ausgerechnet jetzt diese Entscheidung treffen musste. Andererseits bin ich froh, diese Entscheidung getroffen zu haben und ich habe den Zeitpunkt hierfür nicht wirklich bestimmen können.
    Und so sitz ich hier und grüble, welches Verhalten jetzt wohl das sinnvollste wäre: Selbst mit ihm sprechen und ihm reinen Wein einschenken?(Wohl eher nicht meine Aufgabe) Einfach Augen zu und noch ein paar Tage aushalten? So tun, als wenn nichts wäre und alles meinem Mann überlassen und mich ausschließlich um mich kümmern?

    LG von einer heute etwas ratlosen Nina, die für jede Anregung dankbar ist